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II. Pompadour in den Künsten - von Inga Reinert
5. Die Porträtmalerei in der Bildenden Kunst zur Zeit der Madame de Pompadour
Die Porträtmalerei erlebte in der Kunst des 18. Jahrhunderts einen Aufschwung wie kaum in einer anderen Kunstepoche. Ein Grund dafür war die steigende Nachfrage nach Porträts der neuen, wohlhabenden Bürgerschicht. [14] Aber auch in höfischen Kreisen und besonders am Hof Ludwig XV. erfreute sich die Porträtmalerei weiterhin großer Beliebtheit, sodass sogar die Akademie der Bildenden Künste dieser Kunstform ein höheres Ansehen zubilligte.
Die Bedeutung der verschiedenen Gemäldeformen
In der Hierarchie der Gattungen der Malerei stand das Historiengemälde wegen seiner als bedeutender eingeschätzten Themen an oberster Stelle. Einige Zeitgenossen kritisierten im 18. Jahrhundert die Schwemme an Porträts auf den Salonausstellungen. [15] Dies war ein entscheidender Faktor für das verstärkte Aufkommen des sogenannten portrait historié. Hierbei wird die porträtierte Person in historischer oder mythologischer Verkleidung, zum Beispiel als antike Gottheit, dargestellt. Dadurch wurde zum einen dem Porträtierten eine, im Vergleich zur Realität, höhere Bedeutung zugeordnet. Zum anderen wurde aber das Bildnis selbst von der bloßen Funktion der Abbildung in einen höherstehenden Bereich der Kunst - eben näher an das Historiengemälde - befördert. Auch der Künstler konnte sich so besonders gut darstellen, da er mehr eigene Idee und Erfindung für sein Werk aufbringen musste.Die stilistischen Strömungen
In der Entwicklung der Porträtmalerei des 18. Jahrhunderts kann man zwei Hauptrichtungen erkennen. Eine für die Entwicklung in der Bildenden Kunst wichtige Tendenz lag darin, das Modell natürlicher darzustellen, als dies zuvor der Fall gewesen war. Aufgrund dessen kam es immer häufiger vor, dass sich auch adelige Personen gegen die formelle Etikette aussprachen. Es wurde mehr Wert auf psychologische Aspekte in der Darstellung gelegt. Die Maler gaben die Porträtierten in einer intimeren Atmosphäre, zum Beispiel ihrer häuslichen Umgebung, wieder, sodass der Betrachter ein Teilnehmer der Privatsphäre wurde. Diese Veränderungen zeichneten sich verstärkt um die Mitte des 18. Jahrhunderts ab. Bei den Porträts der Madame de Pompadour zeigt sich diese Tendenz jedoch nur am Rande. So hat der Betrachter auf einigen Bildern Einblick in ihre privaten Räumlichkeiten.
Die Bildnisse der Marquise folgen weitaus deutlicher der zweiten älteren Richtung des 18. Jahrhunderts, die noch von vielen - besonders adeligen Auftraggebern - bevorzugt wurde. Gemeint ist die Form des offiziellen Hofporträts mit Merkmalen eines mehr unpersönlichen Schönheitsideals, das oft durch mythologische Verkleidung und eine repräsentativere Gestik und Haltung erreicht werden konnte. Die Bedeutung der dargestellten Person wird so hauptsächlich durch die äußere Erscheinung vermittelt. [16] Diese Art des Porträts war natürlich für die Absicht der Marquise, ihren hohen Rang am Königshof zu demonstrieren, besser geeignet.
Die Frau im Porträt der Zeit
Madame de Pompadour verfolgte in ihren Bildnissen einen für damalige Frauenporträts ungewöhnlich hohen Anspruch. Der Aussage eines Salonkritikers folgend, rangierten Mitte des 18. Jahrhunderts Frauenporträts auf einem der letzten Plätze der Liste bildwürdiger Personen. Wenn sie nicht Königinnen oder Prinzessinnen waren, folgten ihnen an letzter Stelle nur noch die unbedeutenden Leute ohne jeglichen Verdienst. [17]
Frauen sollten zu dieser Zeit immer noch in aller erster Linie "schön" dargestellt werden. Sicherlich spielt der Aspekt der körperlichen Schönheit auch bei allen Porträts der Marquise eine Rolle. Die meisten Bilder führen jedoch durch mythologische Anspielungen oder bedeutungheischende Gegenstände in eine weitere Dimension jenseits der einschränkenden Geschlechterrolle, auf eine intellektuellere Ebene. [18]
[14] Vgl.: George T. M. Shackelford/ Mary Tavener Holmes (Hg.): A Magic Mirror. The Portrait in France 1700-1900, Houston 1986, 8.
[15] Vgl.: Sabine Caroline Seufert: Porträts der Madame de Pompadour, München 1998, 30.
[16] Vgl.: David Wakefield: French Eighteenth-Century Painting, London 1984, 58-65.
[17] Vgl.: Sabine Caroline Seufert: Porträts der Madame de Pompadour, München 1998, 30.
[18] Vgl.: Kathleen Nicholson: The ideology of feminine ‘virtue’: the vestal virgin in French eighteenth-century allegorical portraiture, in: Joanna Woodall: Portraiture. Facing the subject, New York 1997, 52-72, 67.
Empfohlene Zitierweise
Reinert, Inga: 05. Die Porträtmalerei in der Bildenden Kunst zur Zeit der Madame de Pompadour. Aus: Madame de Pompadour - Madame de Pompadour in den Künsten, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2711/
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Erstellt: 15.03.2006
Zuletzt geändert: 15.03.2006
Unterkapitel
- 01. Madame de Pompadour und die Bildenden Künste
- 02. Madame de Pompadour als Mäzenin der Bildenden Künste
- 03. Die künstlerischen Tätigkeiten der Madame de Pompadour
- 04. Porträts der Madame de Pompadour
- 05. Die Porträtmalerei in der Bildenden Kunst zur Zeit der Madame de Pompadour
- 06. Das Thema Freundschaft
- 07. Madame de Pompadour als gebildete Frau
- 08. Die Salonausstellungen
- 09. Bouchers Repräsentationsbildnis
- 10. Die morgendliche Toilette
- 11. Das Bild der frommen Dame



