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II. Pompadour in den Künsten - von Inga Reinert
4. Porträts der Madame de Pompadour
Madame de Pompadour ist eine der am meisten porträtierten Personen des 18. Jahrhunderts. Vielleicht sieht der Betrachter in den zahlreichen Bildnissen zunächst nichts als sich immer wieder ähnelnde Darstellungen der Schönheit einer adeligen Dame oder vordergründige Veranschaulichungen höfischen Überflusses. Bei genauerer Untersuchung eröffnet sich dem Betrachter jedoch in fast allen Porträts eine tiefere Bedeutungsschicht, die aufs engste mit dem Leben der Marquise am französischen Hof verknüpft ist. Um diese Ebene entschlüsseln zu können, muss man sich zum einen über die Eigenheiten des höfischen Lebens im Klaren sein. Zum anderen sind die Porträts nur dadurch deutbar, dass man sich mit der jeweiligen Lebenssituation der Marquise zum Zeitpunkt des Auftrages vertraut macht.
Am Hof von Versailles war Madame de Pompadour als bürgerliche Mätresse ständig Anfeindungen und Intrigen anderer Höflinge ausgesetzt, die ihre Macht einschränken und sie um ihre einflussreiche Stellung bringen wollten. Bei Hofe herrschte ein äußerst verstricktes Gefüge von Machtkonstellationen, deren Balance bereits durch kleinste Veränderung gestört wurde. Die Rolle im Zeremoniell zeigte den einzelnen Höflingen ihre Position im Ganzen. Die Selbstdarstellung der eigenen Person war deswegen für jeden eine Notwendigkeit. [8]Darum war es nur konsequent, den persönlichen Rang auch in den eigenen Porträts zum Ausdruck zu bringen. Die Porträts der Madame de Pompadour waren überwiegend der Hofgesellschaft, in manchen Fällen einem noch größeren Publikum, zugänglich. Aus diesem Grund muss man die in den Bildnissen enthaltene Botschaft auf diese speziellen Betrachter hin ausgerichtet sehen. Verbindet man nun biographische Begebenheiten der Marquise mit ihren Porträts, erkennt man ein ausgeklügeltes Programm in ihrer Selbstdarstellung. Dieses sollte helfen, ihre Position bei Hofe darzustellen, zu verbessern und zu festigen. Sie passte das Bild, welches man von ihr haben sollte, geschickt an die an sie gestellten gesellschaftlichen Anforderungen an.
Doch in welcher Weise instrumentalisierte Madame de Pompadour ihre Porträts in Bezug auf ihr Verhältnis zu Ludwig XV. und ihre jeweilige Stellung am Hof? Einige chronologisch angeordnete bildnerische Werke, welche die Marquise zeigen, sollen dies veranschaulichen.
Das portrait historié
Madame de Pompadour ließ sich einige Male in der Form des portrait historié (historisiertes Porträt) abbilden. Hierbei steht die verfolgte Strategie, die Bildnisse mit den an die Marquise gestellten Anforderungen zu verknüpfen, nicht immer so deutlich wie bei anderen Beispielen im Vordergrund. Sie wegzulassen hieße jedoch, eine wichtige Darstellungsart in den Porträts ihrer Zeit zu übergehen.
Madame de Pompadour als antike Göttin
Eines ihrer ersten Bildnisse ist die Darstellung als Göttin der Jagd, Diana, von Jean Marc Nattier (Hier in einem Ausschnitt zu sehen). Madame de Pompadour ist in freier Natur gezeigt und besitzt die für Diana typischen Attribute: Sie trägt einen über einer Schulter befestigten Mantel, hat ein Tierfell um den Körper gebunden und hält in ihrer Linken einen Bogen für die Jagd. Nattier malte das Bildnis in den Jahren 1743-49. Somit fällt es in die Zeit, in der Madame de Pompadour noch Mätresse Ludwig XV. war.
Das mythologisierende Porträt ist eine häufig verwendete Form in der Bildenden Kunst. Durch die Wahl einer göttlichen Verkleidung wollte man eine Verbindung zu einem unsterblichen und somit vollkommenen Wesen schaffen. Dadurch sagte man sich selbst von der unvollkommenen menschlichen Existenz los. [9] Diese Form des Porträts wurde besonders gerne für Frauen gewählt, da man so auch ihrer äußeren Erscheinung durch Idealisierung schmeicheln konnte.In Madame de Pompadours Wahl, sich gerade als Diana darstellen zu lassen, spielen zwei weitere Aspekte mit hinein. Zum einen bewies sie dadurch nicht nur ihre Bildung in griechischer Mythologie, sondern auch in französischer Geschichte und Kunst. Sie reihte sich nämlich in eine Tradition von königlichen Mätressen ein, die als Diana dargestellt waren. [10] Zum anderen gibt es in ihrer Biographie zwei ganz persönliche Verbindungen zur Göttin Diana: Ludwig XV. begegnete ihr zum ersten Mal während einer Jagd. Außerdem tanzte sie 1745 auf dem Maskenball als Diana verkleidet mit dem König.
Wichtig für die Aussagekraft des Bildnisses war, dass es im Jagdschloss Ludwigs XV., in Fontainebleau, hing. Auf diese Weise signalisierte Madame de Pompadour den Höflingen, die zu den Räumen Zutritt hatten, dass ihre Verbindung zum König nicht nur eine kurze Affäre war, sondern von Dauer sein würde. [11]
Madame de Pompadour und das Theater
Eine andere Dimension des portrait historié kommt in den Bildnissen der Marquise als Schäferin (1745) oder als schöne Gärtnerin (1760) von Carle van Loo zum Ausdruck. Hier veranschaulicht Madame de Pompadour ihre Liebe zur Gartenkunst, aber ebenso ihre Kenntnisse der Literatur - speziell der Schäferliteratur. Noch stärker kann man aber ihre Begeisterung für das Theater wiedererkennen, die sich nicht nur auf bloßes Zuschauen beschränkte. Madame de Pompadour übernahm vielmehr oft selbst Rollen - so auch die einer Schäferin in pastoralen Stücken. [12]Madame de Pompadour in exotischer Verkleidung
In exotischer Form ist Madame de Pompadour im Porträt der Kaffe trinkenden Sultanin abgebildet. Es gehört zu einem Zyklus von orientalischen Darstellungen von Carle van Loo für das Schlafzimmer der Marquise in ihrem Schloss Bellevue, das auch das Türkische Zimmer genannt wurde.
Am Anfang des 18. Jahrhunderts spielte die Orientalisierung im Zeitgeschmack eine wichtige Rolle, man ließ sich auch gern in einer solch exotischen Verkleidung malen. Neben diesem modischen Aspekt hatte die Darstellung wiederum etwas mit der Lebenssituation der Madame de Pompadour am Hof zu tun.
Durch den Vergleich mit einer Sultanin wird der Hinweis auf ihre hohe Stellung am französischen Hof offensichtlich. Etwas versteckter ist folgende Deutung: In der Zeit von 1750-54, als das Gemälde entstand, war das sexuelle Verhältnis der Marquise zum König einem rein freundschaftlichen gewichen. Ludwig XV. hatte ab diesem Zeitpunkt Verhältnisse mit jüngeren Mätressen, die jedoch nie die Position Madame de Pompadours erreichten. Man könnte der Marquise also sehr leicht die Rolle einer orientalischen Herrscherin zuweisen: Sie steht dem Sultan mit Rat und Tat zur Seite, während dieser sich mit den jüngeren "Nebenfrauen" aus seinem Harem vergnügt. [13]
[8] Vgl.: Norbert Elias: Die höfische Gesellschaft, Frankfurt am Main 9 1999, 130.
[9] Vgl.: Sabine Moehring: „L´original était fait pour les Dieux!“ Die Comtesse Dubarry in der Bildkunst, Köln 1995, 51.
[10] Vgl.: Elise Goodman: The Portraits of Madame de Pompadour. Celebrating the femme savante, Berkeley 2000, 14.
[11] Vgl.: Elise Goodman: The Portraits of Madame de Pompadour. Celebrating the femme savante, Berkeley 2000, 13.
[12] Vgl.: Elise Goodman: The Portraits of Madame de Pompadour. Celebrating the femme savante, Berkeley 2000, 12.
[13] Vgl.: Perrin Stein: Madame de Pompadour and the Harem Imagery at Bellevue, in: Gazette des Beaux-Arts, tome 123 (1994), 29-44; und: Elise Goodman: The Portraits of Madame de Pompadour. Celebrating the femme savante, Berkeley 2000, 16.
Empfohlene Zitierweise
Reinert, Inga: 04. Porträts der Madame de Pompadour. Aus: Madame de Pompadour - Madame de Pompadour in den Künsten, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2732/
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Erstellt: 15.03.2006
Zuletzt geändert: 15.03.2006
Unterkapitel
- 01. Madame de Pompadour und die Bildenden Künste
- 02. Madame de Pompadour als Mäzenin der Bildenden Künste
- 03. Die künstlerischen Tätigkeiten der Madame de Pompadour
- 04. Porträts der Madame de Pompadour
- 05. Die Porträtmalerei in der Bildenden Kunst zur Zeit der Madame de Pompadour
- 06. Das Thema Freundschaft
- 07. Madame de Pompadour als gebildete Frau
- 08. Die Salonausstellungen
- 09. Bouchers Repräsentationsbildnis
- 10. Die morgendliche Toilette
- 11. Das Bild der frommen Dame





