II. Pompadour in den Künsten

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II. Pompadour in den Künsten - von Inga Reinert

2. Madame de Pompadour als Mäzenin der Bildenden Künste 


Abb. 1

Der Begriff "Pompadourstil" (le style Pompadour) wurde nicht ohne Grund lange Zeit als Bezeichnung für die Blütezeit der Kunst unter Ludwig XV. verwendet. Durch den Bau ihrer Schlösser und deren Einrichtung konnte Madame de Pompadour zur Verbreitung eines Stils beitragen, der ihrem Geschmack entsprach. Im Bereich der Architektur muss man wohl dem König selbst größeres Interesse zubilligen als der Marquise. [1] Ihr Hauptaugenmerk galt der Auswahl von Kunstwerken, mit denen sie die Innenräume ihrer Anwesen ausschmückte. So hatte sie den größten Einfluss auf die Dekorativen Künste und das Kunstgewerbe ihrer Zeit.

Wenn sie auch nicht überall in künstlerischen Anliegen die Entscheidungen traf, so doch indirekt durch den König und Verwandte. Auf ihre Initiative hin wurde zunächst ihr Onkel, Charles Le Normant de Tournehem, und nach dessen Tod ihr Bruder, der spätere Marquis de Marigny, zum Directeur Général des Bâtiments (Generaldirektor für die Bauten) ernannt. In diesem Amt bestimmten sie die Kunstpolitik und waren mit den Ausgaben für die Bildenden Künste betraut. [2]

Die Schlösser der Madame de Pompadour 


Abb. 2

Daher entschieden auch diese beiden Verwandten über bauliche Maßnahmen, die die Schlösser der Madame de Pompadour betrafen. Die Marquise besaß insgesamt 15 Anwesen, von denen sie einige neu errichten und andere, bereits bestehende, schon ab 1746 umbauen ließ: das Château de Crécy bei Dreux (1746), Château de Champs und Menars an der Loire, Saint Ouen, das Petit Château de la Celle (1747), Eremitagen in Versailles, Fontainebleau (beide 1749) und Compiègne (1753-54), das Schloss Bellevue (1748-50) und das Hôtel d´Evreux in Paris (der heutige Élysée-Palast) - um einige zu nennen. [3] Das Schloss Bellevue war zweifellos ihr wichtigstes persönliches Projekt. Leider sind nur wenige dieser Schlösser erhalten geblieben und somit auch nur selten ihre originale Innenausstattung erhalten geblieben. Durch Beschreibungen von Zeitgenossen und Inventarlisten, die Notare nach ihrem Tod aufgestellt haben, kann man sich jedoch ein Bild ihrer Besitztümer machen.


Abb. 3

 


Abb. 4

Die Ausgestaltung der Schlösser 


Abb. 5

Die Maler in dieser Zeit fertigten nicht nur Gemälde für die Marquise an, sondern waren an der gesamten künstlerischen Dekoration der Innenräume beteiligt. Hofmaler wie Carle van Loo oder François Boucher gestalteten Felder an Wänden, Decken oder über Türen (Supraporten). Daneben benötigte Madame de Pompadour eine Reihe von Ausstattungsstücken, die aus dem Bereich der mehr kunsthandwerklichen Produktion stammten, nämlich Möbel, Wandteppiche (Gobelins) oder auch Werke aus Porzellan. Diese Kunstgewerbe erfuhren während der Regentschaft Ludwigs XV. eine besondere Blütezeit.

Die Porzellanfabrikation 


Abb. 6

Das größte Interesse zeigte Madame de Pompadour für die Porzellanherstellung, die durch ihre Förderung einen entscheidenden Aufschwung erlebte. Sie erkannte frühzeitig die Bedeutung dieses Industriezweigs als Einnahmequelle und zur Steigerung des Prestiges von Frankreich. Die Marquise besaß selbst mehr als 2000 Porzellanobjekte, für die bedeutende Künstler der Zeit wie François Boucher oder Etienne-Maurice Falconet (1716-1791) Entwürfe anfertigten. Diese Kunstgegenstände kamen aus der Porzellanmanufaktur Vincennes, die auf Betreiben der Marquise 1756 nach Sèvres - in die Nähe von Bellevue – umzog. [4]

Die Bedeutung der Madame de Pompadour als Kunstmäzenin 

In Carle van Loos Gemälde von 1764 kann man erahnen, welche Bedeutung viele Zeitgenossen der Madame de Pompadour als Schirmherrin der Künste zuwiesen. Natürlich muss man bei einem solchen Gemälde immer berücksichtigen, dass sie sich selbst nur allzu gern in dieser Rolle darstellen lassen wollte- was sich in vielen ihrer Porträts zeigt. Sie war sich der Wirkung der Kunstförderung für ihr Ansehen durchaus bewusst. Das Bild entstand wohl im Auftrag des Bruders der Marquise, und zwar zu einem Zeitpunkt, als Madame de Pompadour schwer krank war, und man um ihr Leben bangte. [5]

Der Titel lautet: Die Künste flehen inständig das Schicksal an, das Leben der Madame de Pompadour zu verschonen. In der unteren Bildhälfte erkennt man weinende, flehend die Arme hochstreckende Frauengestalten, welche die verschiedenen Künste verkörpern. Im Vordergrund besonders groß hervorgehoben, kann man aufgrund ihrer Attribute die Bildhauerei, Malerei, Architektur und Musik identifizieren. Sie blicken in den Himmel, wo die drei Parzen (Schicksalsgöttinnen) und die Personifikation des Schicksals auf Wolken sitzen. Das Schicksal hat rechts hinter sich die Urne, die das Los der Menschen enthält und links neben sich eine Tafel, auf welcher der Verlauf des Lebens geschrieben ist. Eine der Parzen will gerade den Lebensfaden durchschneiden - es soll also der Lebensfaden der Madame de Pompadour durchtrennt werden. Doch die Künste scheinen mit ihrem Flehen Erfolg zu haben. Das Schicksal beugt sich energisch nach unten, um die Parze am Zerschneiden zu hindern [6]. Mit diesem Gemälde veranschaulicht van Loo auf sehr dramatische Weise die Bedeutung, die der Marquise als Wohltäterin und Stütze der Schönen Künste beigemessen wurde.

 

[1] Vgl.: Donald Posner: Mme. de Pompadour as a Patron of the Visual Arts, in: The Art Bulletin, vol. 72 (1990), 74-105, 83.

[2]Vgl.: Donald Posner: Mme. de Pompadour as a Patron of the Visual Arts, in: The Art Bulletin, vol. 72 (1990), 74-105, 74/75.

[3] Vgl.: Hermann Bauer/ Hans Sedlmayr (Hg.): Rokoko. Struktur und Wesen einer europäischen Epoche, Köln 1992, 63.

[4] Vgl.: Donald Posner: Mme. de Pompadour as a Patron of the Visual Arts, in: The Art Bulletin, vol. 72 (1990), 74-105, 85-87.

[5] Vgl.: Sabine Caroline Seufert: Porträts der Madame de Pompadour, München 1998, 36.

[6] Vgl.: Sabine Caroline Seufert: Porträts der Madame de Pompadour, München 1998, 36-38.

 

Empfohlene Zitierweise

Reinert, Inga: 02. Madame de Pompadour als Mäzenin der Bildenden Künste. Aus: Madame de Pompadour - Madame de Pompadour in den Künsten, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2697/

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Erstellt: 15.03.2006

Zuletzt geändert: 15.03.2006