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Madame de Pompadour und Bayern - von Veronika Diem
4. Kurfürst Karl IV. Theodor von der Pfalz und Bayern und Voltaire
4.1 Karl IV. Theodor (Kurfürst von Bayern 1777-1799)
4.1.1 Kurzbiografie
1724 geboren als Sohn von Maria Henriette Leopoldine und Johann Christian Joseph von Pfalz-Sulzbachab 1734 Erziehung durch den Jesuitenpater Franz Seedorff, Studium an den Universitäten Leiden und Löwen
1741 Übernahme der Regierungsgeschäfte von Sulzbach und Bergen-op-Zoom
1742 Heirat mit seiner Cousine Elisabeth Auguste von Pfalz-Sulzbach, Übernahme der Regierung der Kurpfalz
ab 1743 bedeutende Reformen, Ausbau der Infrastruktur in seinem Herrschaftsgebiet; Aufbau einer stilprägenden Hofkapelle (Mannheimer Schule)
1763 Gründung der Mannheimer Akademie der Wissenschaften
1777 Übernahme der Regierung in Bayern; der Erbfall trat ein, da Max III. Joseph ohne Nachkommen verstarb
1778 holt er viele Mannheimer Solisten an den Münchner Hof
ab 1779 infrastrukturelle und agrarische Reformen in Bayern
1794 Tod der Kurfürstin
1795 Heirat mit Maria Leopoldine von Modena-Este
1799 gestorben in München, seine beiden Ehen blieben kinderlos
4.1.2 Voltaire am pfälzischen Hof
Nach Meinungsverschiedenheiten verließ Voltaire 1753 den Hof Friedrichs II. nach fast dreijährigem Aufenthalt in Preußen. Er reiste über Leipzig, Gotha, Frankfurt (wo er von Beauftragten Preußens über ein Monat festgehalten wurde) und Mainz nach Mannheim. Auf Schloss Schwetzingen wurde er vom pfälzischen Kurfürst Karl Theodor freundlich empfangen.
Zu Voltaires Ehren fanden am Mannheimer Hof, der auf kultureller Ebene hoch geschätzt war, Festlichkeiten statt. Unter anderem führte man verschiedene Opern und Komödien auf, darunter auch vier Stücke von Voltaire. Es wurde also viel gefeiert, man diskutierte aber auch literarische Fragen, und Karl Theodor führte Voltaire durch sein großes Archiv.Während seines Aufenthaltes in der Pfalz entstand bei Voltaire der Plan zu einem neuen Werk; in einem Brief schrieb er: "Der Kurfürst hat mir die Artigkeit erwiesen, vier meiner Stücke zu spielen. Das hat mein altes Feuer wieder entzündet und ich habe mich, dem Tode nahe, wie ich mich fühle (immer noch!), daran gemacht, den Plan eines neuen Stückes zu entwerfen, das voll von Liebe sein wird. Ich schäme mich fast über diese Träumereien eins alten Narren." Es entstand die Tragödie "L'Orphelin de la Chine" - chinesische Kultur und chinesische Motive waren zu dieser Zeit in Mode gekommen.
Nach seinem zweiwöchigen Aufenthalt in der Pfalz reiste Voltaire weiter, er stand aber weiterhin mit Karl Theodor im Briefkontakt und widmete ihm das "Essai sur l'histoire générale". Karl Theodor nannte Voltaire im Scherz den "Petit Suisse" (kleinen Schweizer). Ab 1757 erhielt Voltaire eine Leibrente vom Kurfürsten, wahrscheinlich auch ein Grund für die zweite Reise Voltaires an den pfälzischen Hof im Jahre 1758. Wie lange er sich dort aufhielt, ist unklar. Der Briefwechsel wurde fortgeführt, verebbte dann aber aus unbekannten Gründen Mitte der 60er Jahre des 18. Jahrhunderts.
Die Beziehung zwischen den beiden Männern ist nicht bis ins Detail ergründbar, doch kann man davon ausgehen, dass die aufgeklärte Gedankenwelt Voltaires auf offenes Interesse bei dem interessierten Kurfürsten gestoßen ist. Auch wenn der Kurfürst aufgrund seiner Frömmigkeit die Kritik Voltaires nicht teilte, so war er doch angetan von dessen Ideenwelt.
4.1.3 Karl Theodor und seine Regierungszeit in Bayern
Als Karl Theodor im Jahre 1777 die Herrschaft in Bayern übernahm, war bald abzusehen, dass die Untertanen Vorbehalte ihm gegenüber hatten. Er besetzte viele Stellen in der Verwaltung mit pfälzischen Untergebenen, veränderte das kulturelle Leben in München völlig mit den aus Mannheim mitgebrachten Künstlern und machte sich damit nicht besonders beliebt. Die Verhandlungen des Kurfürsten mit dem Kaiser von Österreich über einen Tausch Bayerns gegen die Spanisch-Österreichischen Niederlande, die seit 1777 geführt wurden, verstärkten den Groll gegen den neuen Herrscher.
Seine Reformen in der Verwaltung, im Agrarbereich und im Schulwesen hatten jedoch viele positive Auswirkungen für die bayerische Bevölkerung. Auch wurden unter seiner Herrschaft in München der Nymphenburger Park, die Hofbibliothek und die Gemäldesammlung für das Volk geöffnet. Sein Berater Graf Rumford führte zum Zweck der Armenspeisung die Kartoffel in Bayern ein und konnte einige soziale und militärischen Reformen durchsetzen.
Trotz alldem war seine Reputation bei den bayerischen Untertanen schlecht, als er 1799 starb.
Literatur
Günther Ebersold: Rokoko, Reform und Revolution. Ein politisches Lebensbild des Kurfürsten Karl Theodor, Frankfurt am Main / Bern / New York / Nancy 1985.
Jean Orieux: Das Leben des Voltaire, Frankfurt am Main 1968.
René Pomeau: Voltaire, Frankfurt am Main 1994.
Hans und Marga Rall: Die Wittelsbacher in Lebensbildern, Kreuzlingen 2000.
Alois Schmid / Katharina Weigand (Hg.): Die Herrscher Bayerns. 25 historische Portraits von Tassilo III. bis Ludwig III., München 2001.
Empfohlene Zitierweise
Diehm, Veronika: 4. Kurfürst Karl IV. Theodor von der Pfalz und Bayern und Voltaire. Aus: Madame de Pompadour - Madame de Pompadour und Bayern, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2891/
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Erstellt: 16.03.2006
Zuletzt geändert: 16.03.2006
Unterkapitel
- 1. Einleitung
- 2. Die politische Beziehung zwischen Frankreich und Bayern im 18. Jahrhundert
- 3. Das Zeitalter des Rokoko - französische Einflüsse in Bayern
- 4. Kurfürst Karl IV. Theodor von der Pfalz und Bayern und Voltaire
- 5. Exkurs: Der Märchenkönig und seine Beziehung zum Ancien Régime
- 6. Literatur




