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Madame de Pompadour und Bayern - von Veronika Diem
3. Das Zeitalter des Rokoko - französische Einflüsse in Bayern
Auf kultureller Ebene bestanden, eben auch durch die Politik gefördert, enge Beziehungen zwischen Frankreich und Bayern. So wurden bayerische Baumeister und Künstler, wie zum Beispiel Joseph Effner (1687-1745) oder François de Cuvilliés der Ältere(1695-1768) nach Paris zur Ausbildung geschickt. Der französische Einfluss am bayerischen Hof in dieser Zeit war also sehr stark. Am Hofe wurde französisch gesprochen. Baustil, Innenarchitektur und Möbelkunst wurden übernommen. Auch sahen sich die Kurfürsten, in Anlehnung an die Herrschaftsform Ludwigs XIV. von Frankreich, als absolute Herrscher.
Frankreich um die Mitte des 18. Jahrhunderts befand sich auf dem Höhepunkt des Rokoko. Dieser Stil entwickelte sich aus dem schweren höfischen Barock. Er stellte einen Rückzug aus den großen prunkvollen Bauten in kleinere, überschaubarere und bequemere Gebäude dar. Schlagworte des Rokoko sind: Bildhaftigkeit, Illusion, Vergänglichkeit und Künstlichkeit. Hierzu gibt es eine Anekdote im Zusammenhang mit Madame de Pompadour, die diese Begriffe veranschaulicht: Sie soll demnach parfümierte Porzellanblumen gegenüber echten Blumen bevorzugt haben.
In der Baukunst bedeutete dies eine starke Konzentration aufs Dekorative. Ornamente und zartes naturalistisches Rankenwerk in Gold-, Silber- und Pastelltönen überwogen. Eine leichte, dekorative und bequeme Innenausstattung wurde bevorzugt.Im Folgenden soll nun beispielhaft der bayerische Rokoko unter dem Aspekt des französischen Einflusses zur Zeit der Madame de Pompadour betrachtet werden. Nach ihr wurde ein neue Phase des Rokoko benannt: der Style Pompadour (1745-1764). Inwiefern wurde Bayern durch diesen "Style Pompadour" beeinflusst? Wer waren die kulturellen Botschafter?
3.1 Maximilian III. Joseph (1745-1777)
3.1.1 Kurzbiografie
1727 geboren als Sohn der Maria Amalie von Österreich und Kurfürst Karl Albrechtab 1741 Unterricht in den Rechtswissenschaften durch den Aufklärer Johann Adam von Ickstatt
1745 Übernahme der Regierungsgeschäfte als Kurfürst von Bayern
1747 Heirat mit Maria Anna Sophia von Sachsen
1751 Rechtsreformen
1759 Gründung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
1761 Begründung der Porzellanmanufaktur Nymphenburg
1771 Einführung der allgemeinen Schulpflicht
1777 gestorben an den Pocken, seine Ehe blieb kinderlos
3.1.2 Baumaßnahmen unter Max III. Joseph
Im Vergleich zu seinen Vorgängern reduzierte Max III. Joseph den Repräsentationsstil im Kurfürstentum. Zum einen gezwungen durch eine schwere Schuldenlast, die das Großmachtstreben der beiden vorherigen Kurfürsten hinterlassen hatte. Zum anderen aufgrund der aufklärerischen Strömungen, die die Konzentration auf die Bedürfnisse im Land und auf die Schaffung eines Verwaltungsapparates lenkten.
So beschränkten sich die Baumaßnahmen hauptsächlich auf Umbauten in Innenräumen und die Anschaffung einiger Möbel für die Münchner Residenz und für das Schloss Nymphenburg. Eine Ausnahme stellte das Opernhaus in der Residenz dar, das Max III. Joseph von François de Cuvilliés dem Älteren (1695-1768) erbauen ließ, nachdem bei einem Brand 1750 das Theater in der Residenz zerstört worden war.
Innenarchitektonische Veränderungen
Schloss Nymphenburg
Ab 1755 ließ Max III. Joseph die Innenausstattung im Schloss Nymphenburg erneuern. So wurden verschiedene Räume, darunter auch sein Appartement, sowohl stilistisch als auch farblich umgestaltet und mit Möbeln im Stil des späten Rokoko ausgestattet. Eine der wesentlichen Veränderungen waren die Umbauten des Großen Saales, die von François de Cuvilliés geleitet wurden.
Residenz
In der Münchner Residenz ließ Max III. Emanuel ein Wohnappartement für sich ausbauen, das in den 60er Jahren des 18. Jahrhunderts von François de Cuvilliés vervollständigt und zum Teil auch erneuert wurde. Dieser schuf auch das neue Opernhaus, das nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut wurde und heute als Altes Residenztheater bezeichnet wird.3.2 François de Cuvilliés der Ältere (1695-1768)
François de Cuvilliés gilt als eine der künstlerischen Hauptfiguren des Rokoko in Bayern. Sein erster Aufenthalt in Paris (1720-1724) prägte sein späteres Schaffen. Er arbeitete sowohl als Architekt als auch als Innenausstatter. Die Erfahrungen, die er in Frankreich gesammelt hatte, betrafen speziell die Fassadenarchitektur und die Raumfolge des Rokoko.
Für die Innenausstattung bedeutete dies eine neue Art der Dekoration, die besondere Möbelkunst und eine reiche Ornamentik. Er transportierte mit seinem galanten Stil die französischen Vorbilder und übertraf sie, einigen Meinungen nach, sogar an Ausdruck und Feinheit.
Bezeichnend für sein enges Verhältnis zu Frankreich ist auch, dass Cuvilliés, der seit seinem elften Lebensjahr am Bayerischen Hof lebte, nie Deutsch lernte. Dies erschwerte die Verständigung mit seinen Untergebenen, seine Auftraggeber jedoch sprachen alle Französisch.
1695 geboren im belgischen Dorf Soignies/Hennegau
1706 Flucht an den Hof Max Emanuels in Mons
1711 am Exilhof als Hofzwerg oder Kammerzwerg (nain de cuviler) beschäftigt
1715 im Zuge der Rückkehr Max Emanuels kam Cuvilliés mit dem Hofstaat nach München
1715- 1720 Schüler und Zeichner am Hof in München
1720-1724 Studienjahre in Paris
1725-1745 Hofbaumeister unter Effner
1745-1764 Hofbaumeister unter Gunezrhainer
1754-1755 Aufenthalt in Paris
ab 1764 Oberhofbaumeister
1768 gestorben in München
1728-1740 Ausbau des Schlosses Augustusburg in Brühl unter Fürstbischof Clemens August von Köln
1729-1734 Bau des Jagdschlosses Falkenlust in Brühl
1729-1737 Bau und Gestaltung der Reichen Zimmer in der Münchner Residenz
1730-1733 Ausstattung der Schatzkammer (heute Porzellankabinett) der Münchner Residenz
1731-1743 Einrichtung der Grünen Galerie in der Münchner Residenz
1734-1739 Bau der Amalienburg bei Schloss Nymphenburg
1751-1753 Bau des Residenztheaters
1755-1757 Umbau des großen Saales in Schloss Nymphenburg
1765-1767 Fassade der Theatinerkirche in München
3.3 Hauptwerke in der Phase des Style Pompadour
Im Style Pompadour (1745-1764) wurden verspielte Bogenformen durch gerade Felderformen abgelöst. Reliefs bleiben in ihrer Feinheit erhalten und zieren nun die massiver wirkenden Flächen. Vergleicht man die beiden Hauptwerke Cuvilliés in dieser Zeit, das Alte Residenztheater und die Fassade der Theatinerkirche, lässt sich dieser Übergang anschaulich nachvollziehen. Natürlich muss man bei diesem Vergleich beachten, dass ein Innenraum im Rokoko wesentlich reicher und aufwändiger ausgestattet wurde als eine Fassade, aber betrachtet man die Formgebung und die Ausarbeitung der Reliefs, so ist dieser Vergleich doch möglich. Vermutlich hat auch sein Aufenthalt in Paris 1754/55 Cuvilliés neue Anstöße gegeben.3.3.1 Das Alte Residenztheater (Cuvilliés -Theater)
Nachdem die gesamte Ostseite und auch das Theater im Georgensaal der Münchner Residenz 1750 einem Brand zum Opfer gefallen waren, beauftragte Max III. Joseph François de Cuvilliés mit dem Bau eines "Neuen Opera Haußes". 1751 wurde der Bau begonnen, die Eröffnung fand im Jahr 1753 statt.Der ovale Grundriss und die reiche Innenausstattung des vierstöckigen Logentheaters geben einen anschaulichen Eindruck vom höfischen Rokoko in Bayern. Die zierenden Ornamente wurden aus Stuck und aus Holz aufwändig gefertigt. 1943 wurde die gesamte Innenausstattung des Theaters ausgelagert, bevor das Theatergebäude 1944 im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört wurde. So war es möglich, das Theater in der Zeit nach dem Krieg zu rekonstruieren.
3.3.2 Die Fassade der Theatinerkirche
Die Gestaltung der Frontseite der Hofkirche gegenüber der Münchner Residenz war Cuvilliés letztes Werk. 1765 begann er damit im Auftrag des Kurfürsten. Zwei Jahre später war sie vollendet. Die Kirche selbst war vom italienischen Baumeister Enrico Zuccalli bereits Ende des 17. Jahrhunderts fertiggestellt worden. So stand Cuvilliés vor der schwierigen Aufgabe, ein barockes Gebäude mit einer Rokokofassade zu vollenden. Es gelang ihm jedoch trotz der barocken Türme eine stimmige Kombination aus geraden Formen und feinen Reliefen.Literatur
Hermann Bauer / Hans Sedlmayr: Rokoko. Struktur und Wesen einer europäischen Epoche, Köln 1992.
Wolfgang Braunfels: François Cuvilliés. Der Baumeister der galanten Architektur des Rokoko, München 1986.
Sabine Heym: Das Alte Residenztheater Cuvilliés-Theater in München, München 1995.
Brigitte Langer: Die Möbel der Schlösser Nymphenburg und Schleißheim, München / London / New York 2000.
Hans und Marga Rall: Die Wittelsbacher in Lebensbildern, Kreuzlingen 2000.
Alois Schmid / Katharina Weigand (Hg.): Die Herrscher Bayerns. 25 historische Portraits von Tassilo III. bis Ludwig III., München 2001.
Empfohlene Zitierweise
Diehm, Veronika: 3. Das Zeitalter des Rokoko - französische Einflüsse in Bayern. Aus: Madame de Pompadour - Madame de Pompadour und Bayern, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2884/
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Erstellt: 16.03.2006
Zuletzt geändert: 16.03.2006
Unterkapitel
- 1. Einleitung
- 2. Die politische Beziehung zwischen Frankreich und Bayern im 18. Jahrhundert
- 3. Das Zeitalter des Rokoko - französische Einflüsse in Bayern
- 4. Kurfürst Karl IV. Theodor von der Pfalz und Bayern und Voltaire
- 5. Exkurs: Der Märchenkönig und seine Beziehung zum Ancien Régime
- 6. Literatur








