Pompadour und Bayern

  / historicum.net / Themen / Pompadour und ihre Zeit / Krieg und Politik / Pompadour und Bayern

Madame de Pompadour und Bayern - von Veronika Diem

2. Die politische Beziehung zwischen Frankreich und Bayern im 18. Jahrhundert 

Betrachtet man das Verhältnis zwischen Frankreich und Bayern im 18. Jahrhundert, so ergibt sich ein anschauliches Bild. Bis in die 40er Jahre des 18. Jahrhunderts hinaus waren Frankreich und Bayern enge Bündnispartner in den Auseinandersetzungen um die spanische und österreichische Erbfolge. Erst als Bayern vorzeitig aus dem Österreichischen Erbfolgekrieg ausschied, gab es auf politischer Ebene einen Bruch mit Frankreich kulturell jedoch bestand weiterhin eine enge Verbindung. Als sich dann 1756 das Europäische Bündnissystem grundlegend wandelte und der Siebenjährige Krieg begann, stand Bayern erneut im politischen Bündnis mit Frankreich. 

2.1 Der Spanische Erbfolgekrieg (1701-1714)

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts stand Bayern im Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) an der Seite Frankreichs gegenüber der Großen Allianz zwischen Großbritannien, Holland, Österreich, Preußen, Hannover, Portugal und später auch dem Reich und Savoyen. Die Auseinandersetzung zwischen den Habsburgern und den Bourbonen um den spanischen Thron wurde Bayern zum Verhängnis. 1704 wurden die französischen und bayerischen Truppen bei Höchstädt/Blindheim vernichtend geschlagen. Österreich besetzte Bayern, der bayerische Kurfürst Max Emanuel (Regierungszeit 1680-1726) musste als Statthalter in die Niederlande gehen. Nach der Eroberung der Niederlande durch die Große Allianz verbrachte der Kurfürst sein Exil in Frankreich. Als der Spanische Erbfolgekrieg 1714 entschieden war, wurde Max Emanuel rehabilitiert und konnte nach München zurückkehren. Kurz vor seiner Rückkehr hatte er mit dem französischen König vertraglich eine Unterstützung vereinbart, sollte in Österreich der Kaiserthron vakant werden. 

2.2 Der Österreichische Erbfolgekrieg (1740-1748) 

Dieser Vertrag wurde durch seinen Sohn Kurfürst Karl Albrecht (1726-1745) ein Jahr nach seinem Regierungsantritt erneuert. Als dann aber im Jahr 1740 der habsburgische Erbfall eintrat, konnte sich Bayern nicht sofort durchsetzen. Erst im zweiten Jahr des Österreichischen Erbfolgekrieges (1740-1748) war es möglich Karl Albrecht - vorab hauptsächlich unterstützt von Frankreich - zum Kaiser Karl VII. zu krönen. Nur zwei Tage später war Bayern von Österreich besetzt. Erst 1744 gelang Karl VII. unter der Rückendeckung Frankreichs und Preußens (ebenso der Kurpfalz und Hessen-Kassels, alle zusammengeschlossen zur Frankfurter Union) ein militärischer Vorstoß nach Böhmen, der den Rückzug der österreichischen Truppen aus Bayern zur Folge hatte. 

Nach dem baldigen Tod Karls VII. (Anfang 1745) verzichtete jedoch sein Sohn Max III. Joseph (1745-1777) aufgrund der militärischen Bedrohung durch Österreich gegen den Willen Frankreichs auf die Kaiserkrone. Im Tausch gegen eine Unterstützung bei der Kaiserwahl sicherte Österreich Bayern die Grenzen von 1741 zu. Dies bedeutete den Bündnisbruch mit Frankreich. 

2.3 Der Siebenjährige Krieg (1756-1763) 


Abb. 1

Während der folgenden Jahre konzentrierte sich Bayern auf die Wittelsbacher Hauspolitik und sah sich zu einer Schaukelpolitik zwischen Österreich und Frankreich gezwungen. Dieser Widerspruch löste sich, als sich das Bündnissystem in Europa völlig wandelte (Le renversement des alliances) und Frankreich und Österreich Mitte der 50er Jahre des 18. Jahrhunderts eine Koalition gegen Preußen bildeten und so als Bündnispartner im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) auftraten. Bayern, wieder auf Seiten Frankreichs, gelang es, sich nicht in den Krieg hineinziehen zu lassen.

 

Empfohlene Zitierweise

Diehm, Veronika: 2. Die politische Beziehung zwischen Frankreich und Bayern im 18. Jahrhundert. Aus: Madame de Pompadour - Madame de Pompadour und Bayern, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2882/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 16.03.2006

Zuletzt geändert: 16.03.2006