V. Briefe der Pompadour

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V. Die Briefe der Madame de Pompadour - von Veronika Diem

2. Originale 

2.1 Die originalen Briefe 


Abb. 1

Es sind rund 150 Briefe der Madame de Pompadour erhalten, die teilweise nicht veröffentlicht sind. Sie stammen aus der Zeit zwischen 1745 bis 1763. Dabei kann es sich aber nur um einen geringen Teil ihrer Korrespondenz handeln, da davon ausgegangen wird, dass die Marquise sehr viele Briefe geschrieben hat. Die Korrespondenz gehörte zu den täglichen Erledigungen, für die oft nicht viel Zeit war, was wiederum die Kürze der Schreiben erklärt.

Meistens waren die Briefe nicht unterschrieben, der Name und die Anschrift der Empfänger waren oft an der Außenseite des zusammengefalteten Briefes zu finden. Auch waren die Briefe in der Regel versiegelt. Das Siegelzeichen der Madame de Pompadour zeigte ein Schild mit drei Türmen. 

2.2 Form und Zweck der originalen Briefe 

Die Briefe sind im einzelnen nicht besonders lang und in allen angesprochenen Bereichen vorsichtig formuliert. Briefe dienten zu dieser Zeit einerseits dem knappen, alltäglichen Informationsaustausch und der Aufrechterhaltung von Verbindungen. Andererseits waren sie - aufgrund des fehlenden Briefgeheimnisses und aufgrund der Annahme, dass der Inhalt eines Briefes durch die Empfänger weitertransportiert wurde - ein wirksames Mittel zur Selbstinszenierung und Selbstdarstellung. 

Die Tatsache, dass an Madame de Pompadour adressierte Briefe dem König vorgelegt wurden, half ihm sich über die Korrespondenzpartner zu informieren und schuf für diese eine Nähe zum Herrscher. Zudem war damit belegt, dass Madame de Pompadour keine geheimen Informationen austauschte. 

2.3 Stil der originalen Briefe 

Madame de Pompadour beherrschte die stilistischen Vorgaben ihrer Zeit ausgezeichnet. Die Briefe wirken leicht, ohne große Anstrengung aufs Blatt geworfen. Sie streifen mehrere Themen und Ereignisse ohne genauer auf sie einzugehen und vermitteln so ein Gefühl von Leichtigkeit und Unüberlegtheit. Wobei dies allerdings nur so wirkt: ein unüberlegter Brief am französischen Hof hätte überaus gefährlich werden können. Ebenso wie im Gespräch, musste jede Aussage genau abgewogen und überlegt sein, um zu vermeiden, dass ihr Inhalt den Stoff für Intrigen und die daraus resultierende Bedrohung durch Machtverlust lieferte. 

2.4 Adressaten der originalen Briefe 

1878 wurden in eine Ausgabe durch Malassis 72 Briefe der Madame de Pompadour veröffentlicht, die an folgende Empfänger gerichtet waren: 

Monsieur Poisson (1741-1753), Vater der Madame de Pompadour 

Monsieur de Vandières (1749-1752), Bruder der Madame de Pompadour 

Madame de Lutzelbourg (1747-1759), Comtesse am Straßburger Hof, Freundin der Madame de Pompadour 

Joseph Paris Duverney (1750-1755), Bankier, Ameelieferant, Ansprechpartner bezüglich der Königlichen Militärschule für adelige Schüler 

Duc d'Aiguillon (1758-1761), Gouverneur der Bretagne, militärischer Befehlshaber 

Duc de Richelieu (1756), Marschall, erster Kammerherr Ludwigs XV. 

Président d'Orbessan (1746) 

Abbé Leblanc (1746), Kunstkritiker 

Marquis de Bonnac (ohne Angabe) 

1882 wurden durch Chabouillet 2 Briefe veröffentlicht, sie waren adressiert an: 

Charles Duclos (ohne Angabe), Mitglied der Ständeversammlung in Dinan, Nachfolger Voltaires als Historiograf am französischen Hof 

Ein weiterer Brief an den Duc d' Aigullon wurde 1904 von Pierre de Nolhac herausgebracht. 

Teile eines Briefwechsel der Madame de Pompadour wurden durch Léonce de Piépape 1917 herausgegeben. Der Adressat war: 

Monsieur de Stainville, später Duc de Choiseul (ohne Angabe), Botschafter in Rom ab 1758 Minister und damit Nachfolger des Abbeé de Bernis 

unveröffentlicht sind 24 Briefe aus der Bibliothèque Nationale de Paris an: 

Monsieur de Bertin (1760-1763), Generalkontrolleur der Finanzen 

und im Archiv Chateau d'Uzès liegen 20 ebenfalls unveröffentlichte Briefe an: 

Duc de Lavalière (ohne Angabe) 

2.5 Inhalt der originalen Briefe 

Die Briefe an Vater und Bruder beziehen sich häufig auf familiäre Dinge, wie zum Beispiel die Tochter der Madame de Pompadour, Alexandrine, die Gesundheit der Familienangehörigen sowie ihre eigene. Über Madame de Pompadours Gesundheitszustand kursierten fortlaufend Gerüchte, unter anderem wurde ihr unterstellt, sie leide an Tuberkulose. Sie selbst klagte in ihren Briefen immer wieder über leichte Symptome wie zum Beispiel Kopfschmerzen oder Fieber, auf die sie aber meist nur kurz und in Vergangenheitsform einging. Ob sie wirklich an einer schweren Krankheit litt - die sie sicherlich nicht in einem Brief erwähnt hätte, da sie ihre Machtposition gefährdet hätte -, kann den Briefen daher nicht entnommen werden. 

Ein weiteres Thema sind die Besitzverhältnisse und die Stellung von Vater und Bruder, wie am Ende dieses Briefes an den Vater: 

(1750)

"Ihre Aufträge sind erledigt, mein lieber Vater.  

Alexandrine hat sechs Tage in Marly und Versailles verbracht; sie ist, wenngleich sehr mager, wohlauf. Wir reisen morgen bis Samstag und dann vom Festmittwoch bis zum darauf folgenden Samstag nach Crécy. Ich glaube, Sie zweifeln nicht an dem großen Vergnügen, das mir diese Reisen bereiten, mein einziger Kummer ist, dass sie so kurz sind, ich könnte mein Leben damit zubringen.
Beunruhigen Sie sich nicht wegen meiner Gesundheit; es geht mir bestens; nichts, was geschieht, soll sie zerrütten, denn mein Grundsatz lautet, immer mein Bestes zu geben und mich nicht um das Gerede zu kümmern, wenn ich keine Veranlassung dazu gegeben habe und mir selber keine Vorwürfe zu machen brauche. Und dem ist derzeit so; folglich bin ich völlig ruhig.
Einen guten Tag, mein lieber Vater, ich versichere Sie meines zärtlichen Respekts.
Die Jahresfrist zum Rückkauf von Montrauil ist abgelaufen. Unter welchem Namen sollen Ihre Ländereien zur Markgrafschaft erhoben werden?"
[1]  

 

Immer wieder pocht Madame de Pompadour darauf, dass der jeweilige Empfänger eines Schreibens nicht allzu viel auf das stattfindende Gerede geben sollte und dass auch sie selbst nichts darauf gab, so auch das Hauptthema des folgenden Briefes an den Bruder: 

[März 1750] 

"Ich begreife nicht, was mit meinen Briefen passiert sein könnte, mein lieber Bruder; dies ist der dritte seit Lyon. Sie werden sich bestimmt wieder finden. Sie müssen Dienstag aus Turin aufgebrochen sein; also ist die Sache mit diesem noch riskanter.
Mein Vater hat Ihnen von einer Geschichte berichtet, für die es keine zwei Bürgen gibt. Offenbar hat man ihn ausersehen, um ihn mit diesem Hirngespinst zu schrecken, an dem nie etwas war. In Paris gibt es so viele diensteifrige Lästermäuler, die einem unter dem Mäntelchen der Freundschaft solche Geheimnisse zuflüstern, um einen zu beunruhigen, wobei man allerdings einem Flaschenhals entschlüpft sein müsste, um sie zu glauben und sich darüber aufzuregen. Die Geschichte war von dieser Art.

Wenn ich Sie etwas wissen lasse, dann glauben Sie mir getrost, denn bei der Erfahrung, die ich inzwischen habe, lasse ich mich nicht durch Histörchen hinters Licht führen; aber mein Vater, der alles glaubt, wenn es um seine Kinder geht, und sich sogleich über ihr Wohl und Wehe aufregt, wird unter solchen Umständen misstrauisch, zumal er jeden für einen Ehrenmann hält und dankbar ist, wenn man ihm Freundschaft bezeugt; daran mangelt es nicht, sobald man weiß, dass er mein Vater ist. Wie kann er nur all diesen Narreteien auf den Leim gehen; ist es denn nicht möglich, ihm einzuschärfen, dass es mit dem Ende der Gunst, in der ich jetzt stehe, auch damit vorbei wäre? Ich habe es ihm hundertmal gesagt, doch sein gutes Herz verführt ihn immer wieder und lässt ihn glauben, die anderen seien wie er.
Was die Höflinge angeht, so bin ich gezwungen, Sie über sie aufzuklären, Sie schätzen sie nicht so ein, wie sie sind. Falls Ihre Geburt es Ihnen gestattete, ihnen bei der Jagd nach Ämtern ins Gehege zu kommen, dann seien Sie ganz sicher, dass sie Ihnen heimlich zu schaden versuchen würden; doch da dem nicht so ist, sind Sie ihnen gleichgültig. Glauben Sie auch nicht, dass diese Leute, bei aller Vertraulichkeit untereinander, vor ihrem Herrn jemals über anderes als über Nichtigkeiten zu sprechen wagen; mit noch mehr Grund über nichts, das mit mir zusammenhängen könnte.

Das ist die Wahrheit. Seit ich hier bin, habe ich gut beobachtet und viel nachgedacht; zumindest habe ich mir dabei Menschenkenntnis erworben, und ich versichere Ihnen, dass die Leute in Paris, in einer Provinzstadt und auch am Hof überall die Gleichen sind. Der Unterschied der Dinge, um die es geht, macht alles mehr oder weniger interessant und lässt die Laster in hellerem Licht erscheinen. 

Bei Madame la Dauphine ist gestern das dritte Mal die Regel ausgeblieben, was zweieinhalb Monate Schwangerschaft bedeutet. Wir können uns der Hoffnung hingeben, falls ihr nichts zustößt. 

Die Sache mit Marigny ist gänzlich erledigt; ich denke, mein Vater ist zufrieden. 

Alexandrine umarmt ihren kleinen Onkel von ganzem Herzen, ihre Mama tut es gleichfalls." [2]

 

Um umgekehrt Schwierigkeiten zu vermeiden, die auf sie und ihren Bruder zurückfallen hätten können und somit ihre Position gefährdet hätten, wies sie ihn in einem vorausgegangenen Brief eindringlich darauf hin, keine unschmeichelhaften Aussagen über seine Gastgeber in Briefen niederzuschreiben. Grund für diesen Hinweis war, dass der Briefwechsel mit dem Bruder stattfand, als sich dieser gerade auf einer zweijährigen Bildungsreise durch Italien befand.  

hoisy, 3. Januar 1750 

"Ich habe in Lyon datierten Brief erhalten, mein lieber Bruder; für eine Antwort würde mir Ihre Anschrift noch fehlen, wenn heute morgen nicht M. Perrier zu mir gekommen wäre. Teilen Sie mir in Zukunft Ihre Reiseroute mit, damit ich weiß, wohin ich meine Briefe schicken soll. Ich bin ganz Ihrer Meinung, was die Trennung von Menschen betrifft, die man liebt, und obwohl ich Sie sehr zu lieben glaubte, stellte ich mir doch nicht vor, dass Ihre Abreise mich so schmerzen würde. 

Ich bin durchaus überzeugt, dass sich von allen Herrschern, die Sie sehen werden, bloß Gutes sagen lässt; aber da Zurückhaltung hinsichtlich der Könige und ihrer Familien gar nicht groß genug sein kann, so hüten Sie sich wohl, wenn Ihnen irgendein komischer Einfall käme, was in Ihrem Alter passieren kann, darüber jemals irgendjemand zu schreiben, nicht einmal mir. Sie werden sich denken können, dass die Briefe des Bruders der Madame de Pompadour in Turin geöffnet werden. Also behalten Sie für sich, was Sie mir mitzuteilen haben und was sonst niemand erfahren soll, und schreiben Sie mir nur, wenn Kuriere zur Hand sind. Es ist ziemlich lachhaft, dass ich vergessen habe, Sie auf etwas so Wesentliches hinzuweisen. 

Ich hatte einen leichten Katarrh, aber der ist vorbei; der König litt an einer Brustentzündung, aber ich hoffe, dass es folgenlos bleibt. Guten Abend, liebes Bürschchen, ich werde Ihnen die Neujahrsgeschenke schicken, wenn ich meine, dass sie sicher ankommen werden. Ich umarme Sie von Herzen." [3]

 

Aussagen zum König und zu politischen Themen waren relativ selten, und wenn vorhanden, wurde das Thema nur kurz gestreift, wie im Beispiel oben die Brustentzündung des Königs. Aussagen in diesen Zusammenhängen dienten aber weniger der Weitergabe von wichtigen Informationen, vielmehr wurde durch solche Themen die Nähe zum König, die Stabilität der eigenen Position und die Wichtigkeit im höfischen Gefüge transportiert. 

Dies zeigt sich auch in einem Brief an ihre Freundin Madame de Lutzelbourg, in dem Madame de Pompadour sich offensichtlich für eine längere Unterbrechung der Korrespondenz wegen ihrer höfischen Verpflichtungen entschuldigte, im Subtext aber ihre Nähe zur königlichen Familie und ihre Position darstellte. 

(1749)
"Ich hoffe und schmeichle mir sehr, große Frau, dass mein Schweigen Sie nicht im Mindesten irritiert hat; Sie wären jedenfalls sehr im Unrecht. Das Leben, das ich führe, ist schrecklich, ich habe kaum eine Minute für mich: Proben und Vorstellungen zweimal in der Woche; beständiges Reisen nach Petit Château, La Muette etc. Beträchtliche und unerlässliche Pflichten: Königin, Dauphin, Dauphine, die glücklicherweise die Chaiselongue hüten muss, drei Töchter, zwei Infantinnen, urteilen Sie selbst, ob man dabei noch zu Atem kommt; bedauern Sie mich und klagen Sie mich nicht an." [4]

 

Die verhältnismäßig wenigen erhaltenen Briefe veranschaulichen, wie Madame de Pompadour ein Bild von sich selbst in ihren Briefen zeichnete. Die Briefe dienten der Selbstinszenierung nach außen: sowohl den direkten Adressaten wie auch den "ungewollten" Mitlesern der Briefe sollte die Vorstellung einer Nähe zum König und einer sicheren Position am Hof vermittelt werden. 

 

[1] M. A. P.-Malassis (Hg.): Correspondance de Madame de Pompadour avec son père, M. Poisson et son frère, M. de Vandières. Paris 1878, S. 10/11. Übersetzt von Hans Pleschinski in: Hans Pleschinski: Ich werde niemals vergessen, Sie zärtlich zu lieben, Madame de Pompadour Briefe, München / Wien 1999, 357/358.

[2] M. A. P.-Malassis (Hg.): Correspondance de Madame de Pompadour avec son père, M. Poisson et son frère, M. de Vandières, Paris 1878, 39-41. Übersetzt von Hans Pleschinski in: Hans Pleschinski: Ich werde niemals vergessen, Sie zärtlich zu lieben, Madame de Pompadour Briefe, München / Wien 1999, S. 369/370.

[3] M. A. P.-Malassis (Hg.): Correspondance de Madame de Pompadour avec son père, M. Poisson et son frère, M. de Vandières, Paris 1878, 31/32. Übersetzt von Hans Pleschinski in: Hans Pleschinski: Ich werde niemals vergessen, Sie zärtlich zu lieben, Madame de Pompadour Briefe, München / Wien 1999, 365/366.

[4] M. A. P.-Malassis (Hg.): Correspondance de Madame de Pompadour avec son père, M. Poisson et son frère, M. de Vandières, Paris 1878, 103. Übersetzt von Hans Pleschinski in: Hans Pleschinski: Ich werde niemals vergessen, Sie zärtlich zu lieben, Madame de Pompadour Briefe, München / Wien 1999, S. 395.

 

Empfohlene Zitierweise

Diehm, Veronika: 2. Originale. Aus: Madame de Pompadour - Die Briefe der Madame de Pompadour, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2860/

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Erstellt: 16.03.2006

Zuletzt geändert: 16.03.2006