IV. Dreiecksbeziehungen

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2. Paarbeziehungen im Dreiecksverhältnis König - Pompadour – Königin 

2.2 Madame de Pompadour - Maria Leszczynska 

Vorstellung bei der Königin 

Maria Leszczynska war schon an Mätressen gewöhnt, bevor Madame Pompadour Versailles verzauberte. Oft waren es junge Damen aus mächtigen Familien, die die Königin durch gespielte Huldigungen und provozierendes Benehmen kränkten. 

Als Maria von der neuen Liebschaft ihres Gatten erfuhr und sich der Tatsache bewusst wurde, dass sie wieder eine neue Nebenfrau dulden musste, soll sie gesagt haben: "Wenn es denn eine sein muss, dann lieber diese als eine andere."[14] Die neue Mätresse war von bürgerlicher Herkunft, die sich ohne familiären Rückhalt in Versailles zurecht finden musste. Die Königin wusste, dass die junge Frau ihr vorerst keine Schwierigkeiten bereiten würde.

Am 14. September 1745 wurde der Königin schließlich die überdurchschnittlich schöne wie intelligente Bürgerliche, namens Jeanne-Antoinette d'Etioles, frischgebackene Marquise de Pompadour, vorgestellt. Die höfische Etikette sah vor, dass die Königin das erste Wort an Anwesende richtete, so auch an die Marquise. Wider erwarten erkundigte sich die Königin nach einer gemeinsamen Bekannten, worauf Madame de Pompadour merklich verunsichert entgegnete: "Madame, ich habe den leidenschaftlichen Wunsch, Ihnen zu gefallen." Damit war die neue Favoritin in Versailles eingeführt.[15]

Das Nebeneinander in Versailles 

Die beiden Frauen lebten miteinander am Hofe, doch ihr beider Leben gestaltete sich nebeneinander. Die Rollenaufteilung zwischen Königin und Mätresse war zwar gemäß der höfischen Etikette vorgegeben, doch die maîtresse en tître nahm eine prominente Stelle in Versailles ein und wurde nicht umsonst "petite reinette" - kleine Königin - genannt . 


Abb. 1

Durch ihre extrovertierte und lebenslustige Art stellte die Marquise einen charakterlichen Gegenpol zur Königin dar. Madame de Pompadour folgte den Hofriten ähnlich der Königin. Während Maria eher eine "Gefangene ihrer Appartements" war und sich nur in einem kleinen Kreis von Freunden bewegte, war Madame Pompadour die zentrale weibliche Figur am Hof von Versailles.

Ob die Zuneigung der Marquise gegenüber der Königin nun inszeniert oder wahrhaftig war, sie war stets bemüht, die Feindseligkeiten und Quälereien, die ihre Vorgängerinnen gegenüber Maria pflegten, von der "Freundschaft" fernzuhalten. Deutlich werden diese Bemühungen, für die Ludwigs Gattin sehr empfänglich war, anhand eines Briefes der Marquise an die Königin im Februar 1746, der mit folgendem Satz endet: " (...) Sie kennen meine Gefühle für Sie, Madame, sie werden nur mit meinem Leben enden."[16]

Im Vergleich zu den vorherigen Mätressen war Maria Leszczynskas Verhältnis zu Madame Pompadour entspannt. Sie akzeptierten einander, doch das gute Verhältnis gipfelte nicht in einer Freundschaft. Maria wahrte die Distanz, indem sie der Marquise jegliche Beteiligung an religiösen oder wohltätigen Tätigkeiten am Hof, wie beispielsweise am österlichen Almosensammeln, verwehrte. Dass die Königin Madame Pompadour und ihr Wirken in Versailles schätzte, wurde 1756 deutlich, als die bürgerliche Favoritin Ludwigs XV. zur Ehrendame der Königin aufstieg. 

Ihre Wertschätzung drückte Maria auch nach der Beerdigung der Marquise aus, indem sie in einem Brief an Hénault der Hofgesellschaft Undankbarkeit und Kälte vorwarf, weil sie die Frau, die für lange Zeit das gesellschaftliche Leben am Hof bereicherte und auch gestaltete, nicht betrauern, geschweige denn ihrer gedenken würden.[17]

 

[14] Pleschinski, Hans: „Ich werde niemals vergessen, Sie zärtlich zu lieben. Madame de Pompadour Briefe, München/Wien 1999, 20.

[15] Vgl. hierzu Pleschinski, Hans: „Ich werde niemals vergessen, Sie zärtlich zu lieben. Madame de Pompadour Briefe, München/Wien 1999, 20ff.

[16] Zit. nach : Goncourt de, Edmond und Jules : Madame Pompadour. Ein Lebensbild, München 1999, 27.

[17] Zit. nach : Goncourt de, Edmond und Jules : Madame Pompadour. Ein Lebensbild, München 1999, 198.

 

Empfohlene Zitierweise

Zahn, Katja: 2.2 Paarbeziehungen: Madame de Pompadour – Maria Leszczynska. Aus: Madame de Pompadour - „König-Pompadour-Königin“ - Eine Dreiecksbeziehung, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2853/

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Erstellt: 16.03.2006

Zuletzt geändert: 16.03.2006