IV. Dreiecksbeziehungen

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2. Paarbeziehungen im Dreiecksverhältnis König - Pompadour - Königin 

2.1 König Ludwig XV. - Madame de Pompadour 

"Sie war seine Geliebte, seine Unterhalterin, seine Stütze im Leben, Ratgeberin, Erfinderin von Zeitvertreib, sein Sprachrohr, seine Freundin, seine Mitkämpferin." [9]

Von der ersten Begegnung bis zum Beziehungswandel 

Nachdem Madame de Pompadour am 14. September 1745, nur sieben Monate nach der ersten Begegnung mit Ludwig, offiziell bei Hofe vorgestellt und als neue maîtresse en titre eingeführt wurde, war sie bis zu ihrem Tod 1764 fester Bestandteil im Leben des Königs von Frankreich. Sie bewegte sich bei ihrer Vorstellung in Versailles so formvollendet und gekonnt, als ob sie schon immer in "ce pays-ci" gelebt hätte. 


Abb. 1

Die Fähigkeit, Ludwig zu besänftigen und zu zerstreuen, ermöglichten es der Frau aus dem Bürgertum, sich dauerhaft in Versailles zu positionieren. In den 19 Jahren ihrer Beziehung zum König hatte die Marquise stets mit Intrigen und Hetzkampagnen von Seiten der Hofgesellschaft sowie des Dauphins zu kämpfen. Gerüchte zirkulierten, dass sie schlechten und zu großen Einfluss auf den König und seine Staatsangelegenheiten (Anlage Poissonade) ausübte. Der König jedoch vertraute und glaubte ihr, so dass die dauerhafte Zuneigung Ludwigs der Garant für ihre Machterhaltung in Versailles wurde.

Eine Bürgerliche an der Seite des Königs war ein Skandal. Zu Beginn der Liaison hoffte man noch, dass sich Ludwigs Begeisterung für die 24jährige Schönheit mit der Zeit lege und sie sich nur als eine sexuelle Laune des Königs entpuppe. Doch der Bourbonenkönig fühlte sich in allen Belangen zu ihr hingezogen: "Sie sind die reizendste Frau, die es in Frankreich gibt", sagte er nach einer von ihr inszenierten Theatervorstellung, die er so sehr zu schätzen wusste.[10]

Madame de Pompadour beherrschte en detail die Inszenierung ihrer Person und gewann auf diese Weise nicht nur das Herz des Königs, sondern auch sein Vertrauen. Dass auch sie in tiefer Zuneigung zu Ludwig stand, "wenn nicht mit tiefer Leidenschaft, so doch mit aufrichtiger Anhänglichkeit (...)"[11], zeigt sich an dem vertrauten wie engen Umgang der beiden miteinander.[12]


Abb. 2

Von Begierde zu tiefer Freundschaft

Nach fünf Jahren zeichnete sich eine Veränderung in der Beziehung ab: Ludwig fühlte sich zu anderen Frauen hingezogen und wurde seiner langjährigen Geliebten zunehmend untreu. Die Marquise zog sich in die Position der besten Freundin und Seelenverwandten zurück. Sie wählte oftmals sogar die Damen aus, mit denen sich Ludwig im "Parc des Cerfs" vergnügen durfte. Auf diese Weise behielt Madame de Pompadour die Kontrolle über ihn und über ihre Position bei Hofe. 


Abb. 3

Sie war und blieb bis zu ihrem Tod die engste Vertraute und Freundin des Königs. Ludwig XV. selbst hielt ihr die "Treue" bis zum Tod, denn bei ihr fand er sein Zuhause - sie schaffte in ihren appartements privés eine Atmosphäre, in der er sich wohl fühlte und Zuflucht finden konnte.

Gaston Maugras berichtet über das Verhalten Ludwigs zum Tod der Marquise folgendes: "(...) Der König hatte, in Begleitung seines ersten Kammerdieners auf dem Balkon seines Zimmers Platz genommen; er bewahrte ein andächtiges Schweigen und betrachtete düsteren Blickes den traurigen Zug. Gleichgültig gegen den Regen und den wütenden Sturm blieb er auf dem Balkon, solange der Zug zu sehen war. Dann trat er in das Zimmer zurück; zwei große Tränen rannen ihm über die Wangen, und schluchzend rief er aus: "Ach, das war die einzige Ehre, die ich ihr erweisen konnte!' "[13]

 

[9] Pleschinski, Hans: „Ich werde niemals vergessen, Sie zärtlich zu lieben. Madame de Pompadour Briefe, München/Wien 1999, 441.

[10] Goncourt de, Edmond und Jules : Madame Pompadour. Ein Lebensbild, München 1999, 37.

[11] Pleschinski, Hans: „Ich werde niemals vergessen, Sie zärtlich zu lieben. Madame de Pompadour Briefe, München/Wien 1999, 109.

[12] „In diesem Herbst 1745 wich er nicht von ihrer Seite. Vor und nach der Messe, vor und nach der Ratssitzung suchte er sie auf. Er verkürzte die Jagden und speiste zum Gabelfrühstück bei ihr ein Kotelett.“ Zit. nach Danielle Gallet, in: Pleschinski, Hans: „Ich werde niemals vergessen, Sie zärtlich zu lieben. Madame de Pompadour Briefe, München/Wien 1999, 29. Vgl. zur Vertrautheit auch ebenda, 35 und 78.

[13] Gaston Maugras: Le Duc de Lauzun et la cour intime de Louis XV, zit. nach : Goncourt de, Edmond und Jules : Madame Pompadour. Ein Lebensbild, München 1999, 232.

 

Empfohlene Zitierweise

Zahn, Katja: 2.1 Paarbeziehungen: König Ludwig XV. – Madame de Pompadour. Aus: Madame de Pompadour - „König-Pompadour-Königin“ - Eine Dreiecksbeziehung, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2849/

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Erstellt: 16.03.2006

Zuletzt geändert: 16.03.2006