IV. Dreiecksbeziehungen

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1. Kurzbiographien mit anschließender partieller Personenanalyse 

1.1 Ludwig XV. 

 


Abb. 1

1710 

Am 15. Februar wird Ludwig XV., Sohn des Herzogs von Burgund und der Marie-Adelaide von Savoyen, unter dem Namen Herzog von Anjou als Urenkel des Sonnenkönigs Ludwig XIV. auf Schloss Versailles geboren. Ludwig entstammt dem Geschlecht der französischen Bourbonen. 

1712 

Nach dem plötzlichen Todes seiner Eltern und seines älteren Bruders wird der kleine Ludwig aufgrund der Primogenitur zum Dauphin ernannt. 

1715 

Am 1. September stirbt der Sonnenkönig, und der fünfjährige Ludwig XV. tritt sein Thronerbe an. Aufgrund des sehr jungen Alters des neuen Königs von Frankreich übernimmt der Herzog von Orléans die Regentschaft. 

1723 

Der Herzog de Bourbon-Condé übernimmt nach dem Tod des Herzogs von Orléans im Dezember die Regentschaft. 

1725 

Im Alter von 15 Jahren heiratet Ludwig XV. die 23jährige Maria Leszczynska, Tochter des polnischen Exkönigs Stanislaus Leszczynski. 

1726 

Ludwig XV. entlässt den Herzog de Bourbon-Condé und übernimmt selbst die Regierungsgeschäfte. Seinen Erzieher Kardinal Fleury ernennt er zum Leitenden Minister seiner Regierung. 


Abb. 2

1729 

Nachdem Maria Leszczynska dem König in den ersten Ehejahren bereits drei Töchter geboren hatte (Louise-Elisabeth, Anne Henriette und Marie-Louise) kam im September, als viertes Kind des französischen Königspaares, der Dauphin Louis-Stanislas auf die Welt. 

1738 

Nach acht Jahren Ehe wird Louise de Mailly als erste offizielle Mätresse Ludwig XV. in Versailles eingeführt. Auf Louise de Mailly folgen ihre beiden Schwestern Pauline de Vintimille, die 1741 bei der Geburt des Grafen de Luc stirbt, und Marie Anne de la Tournelle, die 1744 als Madame de Châteaurourx in Versailles stirbt, als Mätressen Ludwigs XV. 

1745 

Auf der Hochzeit des Dauphins Ludwig mit Maria Teresa von Spanien im Februar treffen Ludwig XV. und Madame d'Etioles (Jeanne-Antoinette Poisson) das erste Mal aufeinander. 

Bereits im September desselben Jahres wird Madame d'Etioles, nach ihrer Scheidung und Ernennung zur Marquise de Pompadour, offiziell bei Hofe eingeführt. Bis zu ihrem Tod 1764 ist die Bürgerliche Jeanne-Antoinette die "maîtresse en titre" Ludwigs XV. 

1757 

Der Hausdiener Damiens verübt im Januar ein Attentat auf Ludwig XV., der jedoch nur leicht verletzt wird. 

1761 

Geburt Louis-Aimé de Bourbon, außerehelicher Sohn Ludwigs XV. mit Anne Coupier de Romans 

1764 

Im April verstirbt Ludwigs langjährige maîtresse en titre Madame de Pompadour. 

1765 

Im Dezember stirbt sein Sohn, der Dauphin Louis-Stanislas 

1768 

Im Juni stirbt Maria Lezczynska im Alter von 65 Jahren auf Schloss Versailles. 

1769 

Im Frühjahr führt Ludwig XV. Madame du Barry als neue Mätresse auf Versailles ein. 

 


Abb. 3

1774 

Am Nachmittag des 10. Mai stirbt Ludwig XV. in Versailles an den Pocken. 

 

Ludwig aus dem Blickwinkel eines Zeitgenossen 

"Er zeichnete sich durch ein einzigartiges Gedächtnis und eine beispiellose Geistesgegenwart aus; seine Intelligenz war außergewöhnlich. Nie sagte er ein falsches Wort (...) Er war gütig, ein hervorragender Vater und Verwandter und der ehrlichste Mann der Welt. Er verfügte über gute Kenntnisse in den Wissenschaften und war vor allem in Astronomie, Physik, Chemie und Botanik äußerst bewandert, doch legte er dabei stets größte Bescheidenheit an den Tag. Alles in allem gesehen, war diese Bescheidenheit eine Tugend, die sich bei ihm beinahe in ein Laster verwandelte: Obwohl er immer alles viel klarer sah als alle andern, dachte er stets, er sei im Unrecht. (...) Nie sagte er absichtlich etwas Gemeines oder Grausames (...). Einzig die Fähigkeit, allein Entscheidungen zu treffen, ging ihm ab (...). Ludwig XIV. war zu stolz gewesen, er war nicht stolz genug (...). Er glaubte, einzig seine Mätressen liebten ihn genug, um ihm die Wahrheit sagen zu können.(...)"[1]

Herrscher als Bürokrat 

Ludwig XV., von seinen Zeitgenossen als schüchtern und zurückhaltend bezeichnet, hatte in seiner fast 59jährigen Herrschaft fortwährend mit dem Erbe seines Urgroßvaters, Ludwig XIV., zu kämpfen: extrovertiertes, prestigeorientiertes und prunkvolles Herrscherverhalten. 

Charakterlich anders als sein Vorgänger, erledigte Ludwig XV. seine Regierungsgeschäfte eher zurückgezogen. Sein strenger Tagesablauf, der aus offiziellem lever, Kabinettsversammlung, morgendlicher Messe, Mittagessen, Jagdausflügen, Abendessen und offiziellen Veranstaltungen (Theater, Empfänge) bestand [2], zeugt von seinem großen gesellschaftlichem Engagement.


Abb. 4

Er war ein Aktenmensch, der einen Großteil der politischen Angelegenheiten Frankreichs eigenständig handhabte und regelte. Sein Fleiß und seine Intelligenz halfen ihm, die Amtsgeschäfte mit einem hohen Maß an Integrität zu erledigen. In dieser Hinsicht wird er von seinen Zeitgenossen verkannt.

Seine Rationalität und aufgeklärtes Regieren, die Trennung zwischen Privatleben und Öffentlichkeit, sowie seine "stille" Regentschaft im Vergleich zu Ludwig XIV., ließen das Volk glauben, dass ihr "bien-aimé" zu einem faulen, arroganten und desinteressierten Herrscher geworden sei. Ludwig wurde Opfer seiner Introvertiertheit. Vor allem aber seine zahlreichen außerehelichen Affären trugen dazu bei, dass er sich immer unbeliebter beim französischen Volk machte. 

Lustmensch und Rückzug ins Private - Olivier Bernier spricht von über hundert Liebesaffären, die der König im Laufe seines Lebens und in seiner Ehe mit Maria Lezczynska gehabt haben soll. Diese Liebe zu Frauen, die oftmals mit enormen finanziellen Ausgaben verbunden war, stellte sein großes Laster dar. Sein gutes Aussehen und sein Charme, dessen er sich bewusst war, erleichterten es ihm, Frauen für sich zu gewinnen. [3]

Während sein angeborenes Stottern eher dazu beitrug, dass er sich bei offiziellen Anlässen oder im Kreise ihm fremder Personen zurückhaltend und schüchtern verhielt.
Die Liebe, Zuneigung und Lebenskraft, die er von seinen Geliebten bekam, trug im hohen Maße zu seiner persönlichen Stabilität und zu seinem Wohlbefinden bei. Der eher schüchterne, unsichere und entscheidungsunfreudige Ludwig fand vor allem bei seiner langjährigen Mätresse Madame de Pompadour Zuspruch, Rat und Antrieb für sein politisches Handeln.

Der Rückzug ins Private zeigt sich nicht nur bei der Arbeit. Seine Leben spielte sich vor allem in den appartements privés ab. Er zog es vor, in kleinem Kreise zu speisen und seine Abende zu verbringen. Um so mehr war es für einzelne Hofaristokraten eine Ehre, zu diesem erlesenen Kreis eingeladen zu werden. Oftmals verbrachte der König aber seine Abende allein mit Madame Pompadour. Diese Intimität und auch Authentizität, die Ludwig XV. in seinem Alltag suchte und schätzte, war ihm lediglich in seinen Privaträumen möglich. Die allgegenwärtige Schmeichelei am Hofe von Versailles, wo niemand Freund und Feind unterscheiden konnte, bedrückte den sensiblen und empfindsamen Mann. Gegenüber Madame Pompadour äußerte er sich diesbezüglich sehr offen: "Ich habe viele Schmeichler, doch keine Freunde. Das ist das Unglück der Fürsten; man betet sie an, aber selten liebt man sie." [4]

Säkularisierung der Monarchie 

Ludwig XV. regierte in der Zeit der aufkeimenden Aufklärung und Rationalisierung des Menschen. Obwohl er, oder gerade weil er ein sehr gläubiger Mensch war, hielt er nicht viel vom Ritus der Wundertätigkeit der Könige.Durch die von Gottes Gnadentum legitimierte Herrschaft der Könige wurde ihnen die "göttliche" Fähigkeit der Heilung zuteil. Eine Geste des Berührens und das Sprechen der traditionellen Formel "Gott heilt dich" durch den König ermöglichte in den Augen der Zeitgenossen eine Heilung der Skrofelkranken. Gemäß der Tradition konnte der König das Ritual nur dann ausführen, wenn er die heilige Kommunion empfangen hatte. Ludwig XV. wurde aufgrund seines moralischen Fehlverhaltens, sprich seiner zahlreichen Liebesaffären, jedoch mehrmals von seinem Beichtvater die Teilnahme an der Kommunion untersagt. Dass Ludwig kein Verfechter des Rituals war und selbst nicht an seine wundertätigen Fähigkeiten glaubte, sieht man auch anhand der Anekdote, dass er bei seiner Weihe die Sprechformel "Gott heilt dich" in "Gott heile dich" umgewandelt haben soll. [5]

 

[1] Zitat aus den Memoiren des Duc de Croy. Zit. nach: Bernier, Olivier: Ludwig XV. Eine Biographie, Köln/Zürich 1986.

[2] Zum Tagesablauf des Königs vgl. Elias, Norbert: Die höfische Gesellschaft, Frankfurt am Main 1992, 126ff. und vgl. Levron, Jacques: Louis XV. Le Bien-Aimé, Paris 1961, 135ff.

[3] Vgl. hierzu : Pleschinski, Hans: „Ich werde niemals vergessen, Sie zärtlich zu lieben. Madame de Pompadour Briefe, München/Wien 1999, 96.

[4] Zit. nach: Pleschinski, Hans: „Ich werde niemals vergessen, Sie zärtlich zu lieben. Madame de Pompadour Briefe, München/Wien, 1999, 69.

[5] Zu diesem Ritual vgl. : Bloch, Marc: Die wundertätigen Könige, München,1998.

 

Empfohlene Zitierweise

Zahn, Katja: 1.1 Kurzbiographie Ludwigs XV.. Aus: Madame de Pompadour - „König-Pompadour-Königin“ - Eine Dreiecksbeziehung, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2842/

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Erstellt: 16.03.2006

Zuletzt geändert: 16.03.2006