III. Höfische Mode

  / historicum.net / Themen / Pompadour und ihre Zeit / Gesellschaft und Hof / III. Höfische Mode

III. Die höfische Mode im Frankreich des 18. Jahrhunderts - von Beatrice Hermanns

6. Modejournale 

Und wie erfuhr man, was getragen wurde, was gerade "in" war? Vor dem 18. Jahrhundert erfuhren Adelige auf ihrer Grand Tour durch Europa, was an anderen Höfe Mode war und brachten diese in ihr Heimatland. Fürsten beauftragten ihre Botschafter, sich über die aktuelle Mode im fremden Land zu informieren. Händler tauschten sich auf den Textilmessen darüber aus. Zu den ersten Modenachrichten müssen aber auch die Kleiderordnungen gezählt werden, die bis ins Detail die Kleidung und die Accessoirs für die einzelnen Stände festlegten. Zwar sollte durch die Kleiderordnungen gerade die Prunksucht des Bürgertums eingeschränkt werden, doch wurde durch die detailgenauen Informationen oft gerade das Gegenteil erreicht. Schließlich gehören auch die moralisch begründeten Modesatiren und -karikaturen dazu, die zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert vor allem von Geistlichen verfasst wurden, um gegen den Luxus anzukämpfen, und meist in Form von Flugblättern verteilt wurden.

Seit Ende des 14. Jahrhunderts etablierten sich Modepuppen in Italien und Frankreich; daneben auch Modebilder und Modetexte. Die Puppen waren anfangs aus Holz, später aus Porzellan oder Wachs. Oft staffierten die Hofdamen die Puppen selbst aus und schickten sie sich gegenseitig zu. Später kümmerten sich die Modehändlerinnen darum, die Puppen mit der neuesten Hofmode innerhalb Europas zu verschicken und andere mit Alltagskleidung in ihren Schaufenstern auszustellen. Diese Puppen waren teilweise lebensgroß. 


Abb. 1

Hohen Wert besaßen auch die Modegravuren, die eng mit der technischen Entwicklung des Kupferstichs zusammenhingen, der für schnelle Vervielfältigung sorgte. Auch diese wurden im 15. und 16. Jahrhundert vorwiegend als Flugblätter an ein zahlungskräftiges und modeinteressiertes Publikum verteilt, schließlich auch in gebundener Form verbreitet. Sie verschwanden jedoch zu Beginn des 18. Jahrhunderts.

Modeberichte existierten bereits im 17. Jahrhundert unter anderem im Mercure Galant, der zusätzlich Kriegsberichterstattung, Theaterkritiken oder philosophische Aufsätze veröffentlichte. Diese Reportagen wandten sich jedoch eher an ein Publikum, das über die Mode bereits informiert war und sich vielmehr für die Art des Tragens sowie des Auftretens interessierte. Daher waren Illustrationen offensichtlich überflüssig.

Eigene Modejournale und Magazine verbreiteten sich erst ab den 1780er Jahren verstärkt in Frankreich. Der Vorteil lag vor allem darin, dass sie schneller auf die Wandlungen innerhalb der Mode reagieren konnten. Zu nennen sind vor allem die Gallerie des Modes, die kostbare Modegravuren publizierte, oder der Courier de la mode ou le Journal du Goût.

 

Empfohlene Zitierweise

Hermanns, Beatrice: 6. Modejournale. Aus: Madame de Pompadour - Die höfische Mode im Frankreich des 18. Jahrhunderts, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2830/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 16.03.2006

Zuletzt geändert: 16.03.2006