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III. Die höfische Mode im Frankreich des 18. Jahrhunderts - von Beatrice Hermanns
5. Modeproduktion und Modehandel
Doch dürfen bei der Vorstellung der höfischen Mode des 18. Jahrhunderts auch Hintergründe über die Herstellung und Verbreitung nicht fehlen. Am Anfang steht die Produktion von Kleidung und Mode, bei der zum einen der französischen Seidenindustrie, zum anderen den marchandes de mode eine große Rolle zukam. Da die meisten Kleider für Adel und das gehobene Bürgertum aus Seide hergestellt wurden, musste diese teuer importiert und aufwendig Stoffe gewebt werden. Die wichtigsten Zentren der Seidenindustrie befanden sich in Lyon, Marseille und Tours.
Das Zentrum der Textilbranche befand sich allerdings in Paris, das von den zahlreichen Gilden, die noch nach mittelalterlichen Strukturen funktionierten, dominiert war. Sie bestimmten weitgehend den Modemarkt, wehrten sich heftig gegen Konkurrenten und passten sich nur zögernd den veränderten Marktbedingungen an. Ein Beispiel bilden die Zünfte der Färbereien, unter denen strenge Regelungen festlegten, welche Zunft dazu berechtigt war, mit welchen Farben zu färben, denn nicht alle waren dazu berechtigt, etwa scharlachrote Töne oder sämtliche Graustufen einzusetzen oder Tuche und Wollstoffe einzufärben. So nimmt es nicht wunder, dass der Anteil an heimlicher Modeproduktion sehr hoch war.Wichtige Bedeutung kam den Seiden- und Tuchhändlern zu, die sich in Paris in der Rue Saint-Honoré konzentrierten und als Mittler zwischen Seidenweber und Kunde fungierten. An ihnen lag es, den richtigen Stoff mit dem richtigen Muster auszuwählen und den Kunden zu beraten. Sie entwickelten neue Modestile, verbreiteten Farben und Muster und bildeten eine wichtige Grundlage der französischen Wirtschaft, da der Großteil des europäischen Adels lange Zeit in Paris seine Kleidung bestellte.
Zwar ging der Tuchhandel nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes zunächst zurück, da viele Händler ins Ausland flohen, doch durch die wachsende Nachfrage des Adels nach Luxuswaren und -kleidung erlebte die Seiden- und Tuchwarenindustrie rasch erneuten Aufschwung.Hatte der Kunde schließlich den Stoff für ein neues Gewand erworben, so kümmerte sich daraufhin der Schneider - tailleur - um den Zuschnitt. Bis zum 17. Jahrhundert machten die Schneider die Kleidung für Männer und Frauen, da auch ihre Gilde sich hartnäckig gegen Konkurrenten verwehrte und vor allem die Frauen von diesem Handwerk ausschloss. Lediglich einige Näherinnen durften den Schneidern zuarbeiten. Die Schneider betrachteten sich lange Zeit vollständig verantwortlich für die Kleiderproduktion, besaßen strenge Auflagen und galten als besonders ehrenwert und diszipliniert.Im 18. Jahrhundert ändert sich dieses. Zunehmend wurden Frauen in der Modeproduktion aktiv, besonders in der Funktion der marchandes de mode, die sich um den Aufputz, die Ornamente und Verzierungen kümmerten, wobei sie häufig ihre eigenen Stile und Moden kreierten und somit als die ersten Modeschöpferinnen gelten können. Sie wiederum beschäftigten einen ganzen Tross weiterer Handwerker, die ihnen Taft, Gaze, Federn, Schleifen, Bänder, Kunstblumen, Spangen, Borten, Spitzen, Schnallen und anderes anfertigen. Außerdem benötigen sie unter anderem die Mithilfe der Schneider, der Korsettanfertiger, der Mützenmacher.
Empfohlene Zitierweise
Hermanns, Beatrice: 5. Modeproduktion und Modehandel. Aus: Madame de Pompadour - Die höfische Mode im Frankreich des 18. Jahrhunderts, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2826/
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Erstellt: 16.03.2006
Zuletzt geändert: 16.03.2006





