historicum.net
Direktlink für Screenreader:Themen-Navigation|Text

III. Die höfische Mode im Frankreich des 18. Jahrhunderts - von Beatrice Hermanns
4. Madame de Pompadour und die Mode
Zwei Frauen des 18. Jahrhunderts beeinflussten die höfische Mode der Zeit: Madame de Pompadour, welche die Kunst des Rokoko in ihrer Kleidung wiederspiegelt, und Marie-Antoinette, die sich jedoch eher von ihrer Putzmacherin beeinflussen lässt und besonders durch ihre modischen Extravaganzen aufgefallen ist.
Die Bilder, die François Boucher von Madame de Pompadour angefertigt hat, zeigen alle die typische höfische Rokokomode des 18. Jahrhunderts: die asymmetrischen Formen, die reichhaltigen Verzierungen sowie den überladenen Aufputz. Besonders auffällig an ihrer Kleidung sind die zahlreichen Rosen, die in den Stoff eingewoben waren, die sie in den Händen hielt oder in die Haare steckte. Dadurch entwickelte sich die Kunstblume zu einem wichtigen Bestandteil der Rokoko-Mode, die häufig auch an Decolleté oder Ärmeln festgenäht war und unterschiedliche Farben und Formen ausbildete. Eigene Manufakturen widmeten sich allein der Herstellung dieser Kunstblumen. Dazu waren Madame de Pompadours Kleider mit Tressen, Borten, Rüschen, Schleifen und Bändern übersät. Sie trug wenig Schmuck, lediglich Perlen am Hals oder am Handgelenk.Die zahlreichen Gemälde Bouchers trugen dazu bei, dass sich Madame de Pompadours Modestil verbreitete und ihr eine führende Rolle in der Modewelt verschaffte. Als Patronin mehrerer Künstler sowie der Compagnie des Indes hatte sie dazu natürlich auch die Möglichkeiten, indem sie sich ständig mit Künstlern umgab, diese ihre Appartements und Schlösser ausstatten ließ, wertvolle Stoffe aus Asien einschiffen ließ und damit zu einem asiatisch beeinflussten Stil beitrug. Ihr Einfluss in der Modewelt reichte sogar so weit, dass sie eine eigene Uniform für ihr Schloss Bellevue kreierte: der Dienstanzug der Herren bestand aus purpurfarbenem Tuch, das mit Goldfäden bestickt war, einer Weste aus grau-weißem Satin. Sie protegierte die heimlichen Modeateliers.
Ihr Einfluss reicht sogar bis ins 21. Jahrhundert hinein. Noch heute ist der sogenannte Pompadour bekannt: ein Beutel, der aus einem nach ihr benannten, mit Blumenmuster bedruckten Seidenstoff hergestellt wurde. Dieser bot den Damen die Möglichkeit, kleinere Utensilien (Taschentuch, Puderdose, Parfumfläschchen etc.) zu transportieren, da ansonsten Handtaschen nicht üblich waren. In den 1930er/40er Jahren war eine aus der Stirn frisierte Haarwelle modern, die den Namen Pompadour trug.
Die Porträts, die Boucher von Madame de Pompadour malte, machen allerdings noch auf einen weiteren wichtigen Aspekt der höfischen Mode aufmerksam: das Make up. Das Schminken war ein wichtiger Bestandteil der täglichen Morgentoilette, bei der auch Freunde und Gäste anwesend waren und man sich über die neuesten (Klatsch-) Nachrichten austauschte. Es ging nicht darum, den natürlichen Teint zu betonen, sondern vielmehr darum, diesen und eventuelle Anzeichen von Krankheit zu überdecken. Dazu schminkte man sich das Gesicht weiß, um blasse Haut zu erhalten. Darüber wurde dick Rouge aufgetragen, dessen unterschiedliche Farbabstufungen ebenfalls auf den gesellschaftlichen Rang einer Dame verwiesen. Wichtig waren die sogenannten Mouches - die Schönheitspflästerchen, die in verschiedenen Formen - Sterne, Herzen, Monde, Blumen - existierten und wie andere Accessoires Zeichen der Erotik waren. Rot bemalte Lippen rundeten das stark geschminkte Gesicht ab.
Empfohlene Zitierweise
Hermanns, Beatrice: 4. Madame de Pompadour und die Mode. Aus: Madame de Pompadour - Die höfische Mode im Frankreich des 18. Jahrhunderts, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2823/
Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.
Erstellt: 16.03.2006
Zuletzt geändert: 16.03.2006




