III. Höfische Mode

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III. Die höfische Mode im Frankreich des 18. Jahrhunderts - von Beatrice Hermanns

3. Die Bedeutung von Ausgestaltung und Accessoires 

Die entscheidenden Elemente der höfischen Mode, die auch einem häufigen Wandel unterworfen waren, bildeten Ausstattung und Accessoires. Dabei kam es vor allem auf den guten Geschmack und die Zusammenstellung an. Auch die Kleider der Herren waren mit Schmuck, Spitze, Stickerei oder Pelzbesatz ausgeschmückt. 

3.1. Stoffe, Muster und Farben 


Abb. 1

Zur Herstellung der Kleidung benutzte man unterschiedliche Stoffe, die sich nach Art und Jahreszeit richteten. Eine wichtige Rolle spielte in Frankreich die Seidenindustrie, die in erster Linie für den Adel und das gehobene Bürgertum produzierte. Baumwolle kam in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf, nachdem das Importverbot aufgehoben war, das ursprünglich erhoben wurde, um dem heimatlichen Markt nicht zu schaden. Die Verwendung der Stoffe richtete sich auch nach den Jahreszeiten: im Sommer herrschten Taft, Mousselin und Spitze vor, im Winter Satin und Samt. Die höfische Damenmode wurde aus leichten Stoffen gefertigt. Erlaubt waren unter Ludwig XV. nur Seiden-, Samt- und Brokatstoffe mit Gold- und Silberstickereien. Daher war auch das Männerkostüm aus Silbertuch mit verschiedenen Stickerein modern. Daneben sah man aber auch graues Ratiné, apricotfarbene Stoffe, Stoffe mit grauen Tupfen, kirschfarbenes Velours oder Moiré mit Seidenstickerei.


Abb. 2

 


Abb. 3

Zum starken Wandel der Mode trug auch die Musterung der Stoffe bei. Im Gegensatz zu den schweren barocken Mustern treten mit dem Rokoko Blumenmuster auf, die mit Hilfe technischer Verfahren sogar dreidimensional dargestellt werden konnten. Die zierlichen Blüten und Ranken wurden aber auch auf die Stoffe aufgemalt oder aufgedruckt. Neben weiteren aufwendigen Verzierungen, wie zum Beispiel Schlangenlinien, Ornamente, Schnörkel, die dem allgemeinen asiatischen und orientalischen Einfluss unterlagen, oder die Nachahmung von Spitze oder Pelz, waren auch schlichte Muster, Moiré oder Streifen modern. 


Abb. 4

Trug man am Hofe Louis XIV. leuchtende Farben, waren in den Salons des 18. Jahrhunderts Pastelltöne an der Tagesordnung, die man mit unzähligen phantasiereichen Namen betitelte: Rinnstein, Londoner Rauch, Affenschwanz oder Flohkopf. Charakteristisch für die Epoche Ludwigs XV. war allerdings die Farbe Rosa, für die besonders Madame de Pompadour steht.


Abb. 5

3.2 Accessoires

Die Männer und Frauen, die den König umgaben, mussten viel Geld für ihre Garderobe aufwenden, wobei sie sich mitunter hoch verschuldeten. Dies lag an dem teuren Aufputz, der ständig erneuert werden musste und neben der Gestaltung und Musterung eine gewichtige Rolle spielte, da er zum einen auf die Persönlichkeit, zum anderen auf den Reichtum der Trägerin beziehungsweise des Trägers schließen lassen konnte. Häufig war sogar das Zubehör eines Kostüms das teuerste daran. 


Abb. 6

Unter Aufputz versteht man Blumen, Schleifen, Bänder, Federn, Borten, Spitzen, Rüschen, Schleifen, Girlanden oder Quasten, die zum Beispiel unterhalb des Decolletés, an der Taille oder an den Ärmeln getragen und als Ausdrucksmittel benutzt wurden.
Für den Aufputz waren nicht die Schneider zuständig, sondern die sogenannten Putzmacherinnen - marchandes de modes -, die dadurch sehr stark die jeweilige Mode beeinflussten, so zum Beispiel Rose Bertin, die für Marie-Antoinette arbeitete, oder Madame Eloffe.


Abb. 7

Der Pelz war schon seit längerem ein wichtiger Bestandteil der Hofkleidung und diente dazu, die mangelnde Hygiene zu überdecken und Flöhe abzufangen. Schmuck trug man am Körper, auf Knöpfen, auf Uhren und Miniaturen. Der beliebteste Schmuck der Rokokozeit waren Perlen als Symbol der Liebe und Treue. Viele trugen sogar imitierte Perlen aus Wachs. Die Accessoires, das Zubehör, bildeten einen wichtigen Bestandteil der Mode: sie konnten den gesamten Körper verändern, waren nicht nur praktisch und notwendig, sondern besaßen zudem hohe symbolische oder politische Bedeutung. Sie verdeutlichen außerdem den Lebensstil, die sozialen und ökonomischen Verhältnisse der Epoche. Im Folgenden werden einige Accessoires der Zeit Ludwigs XV. vorgestellt. Daneben spielten aber auch beispielsweise die Kunstblume eine bedeutende Rolle; das Taschentuch, das jedoch lange nicht zum Naseputzen, sondern als Kokettiermittel beim Tanzen eingesetzt wurde; der Handschuh, in Frankreich vor allem der weiße Glacéhandschuh.


Abb. 8

3.2.1 Fächer 

Der Fächer besaß ursprünglich eine praktische Bedeutung - um sich Luft zuzuwedeln oder Mücken zu vertreiben - und wurde als Symbol des Lebens betrachtet. Im Laufe der Zeit entwickelte er sich zum Standes- oder Hoheitszeichen, der meist hochrangigen Männern zustand, aber auch schon früh ein Utensil der Damen bildete. 


Abb. 9

Gerade am französischen Hof bildete der Fächer ein unerlässliches Mittel der Koketterie und stand in enger Verbindung mit Erotik. Eine eigene Sprache des Fächers, die durch besondere Bewegung und Haltung ausgedrückt werden konnte, wurde in Tanzschulen vermittelt. Der Fächer diente auch dazu, das Gesicht bei Erröten zu verstecken und seine Emotionen zu verbergen. Am Hofe war es zudem üblich, der Königin etwas auf dem offenen Fächer darzureichen, obgleich man sonst in ihrer Anwesenheit den Fächer nicht aufklappen durfte.

Die Fächer waren meist sehr aufwendig ausgeschmückt und bestanden aus unterschiedlichem Material: Elfenbein, Perlmutt, bemalte Seide oder Papier, Lack. Verziert wurden sie häufig mit Chinoiserien, Blumen, mythologischen und biblischen Motiven, Genrebildern mit ländlichen Idyllen und Schäferszenen; während der Französischen Revolution mit zahlreichen aktuellen politischen Ereignissen und Symbolen. 

3.2.2 Knopf 

Der Knopf war ein wichtiges schmückendes Beiwerk, das aus unterschiedlichem Material - Stein, Knochen, Holz, Metall, Kork, Bambus, Muschel, Glas, Porzellan, Schildpatt, Emaille - hergestellt wurde. Er galt als Statussymbol und besaß kultische Bedeutung. Louis XIV. hatte sogar einen eigenen Knopfmeister. Auch die Knöpfe unterlagen den Kleiderordnungen: Gold- und Silberknöpfe zum Beispiel waren den unteren Schichten verboten. 

In der Zeit des Rokoko wurden die Knöpfe zierlicher und feiner. Mitte des 18. Jahrhunderts tauchte der Strassknopf auf, der Diamanten und kostbare Juwelen imitierte und zur Hofkleidung gehörte. In der Regel waren die Knöpfe damals vor allem Bestandteil der Herrenmode, da die Kleider der Damen (meist im Rücken) mit Haken und Ösen geschlossen wurden. 

Auch hier war der Phantasie zur Ausschmückung der Knöpfe keine Grenzen gesetzt: Mitte des Jahrhunderts kam die Miniaturmalerei in Mode, die auch auf den Knöpfen angebracht wurde; viele Knöpfe wurden mit Seide überzogen oder - gerade während der Französischen Revolution - mit politischen Motiven besetzt. 

3.2.3 Schirm 

Der Schirm war weniger ein praktischer Gegenstand als ein Symbol der Macht und Würde einerseits, des Schutzes andererseits. Der Schirm war ein Standeszeichen, den häufig ein Dienstbote über seinen Herrn hielt. Damen benutzten in erster Linie Sonnenschirme, um ihre helle Haut zu bewahren, die als besonders vornehm galt. Regenschirme wurden im 18. Jahrhundert vom Adel und auch vom Bürgertum nicht benutzt, da man bei Regen gefahren wurde. In der Revolution gewann der Schirm an politischer Bedeutung, als sich Marktfrauen seiner bemächtigten, um sich damit dem Adel gleichzustellen. 

Die Schirme des 18. Jahrhunderts waren meistens nicht sonderlich groß, aus dem Stoff des Kleides gefertigt und häufig mit zahlreichen Federn, Quasten, Fransen, Spitzen und Fäden verziert. Der Griff entwickelte sich regelrecht zu einem eigenen Kunstwerk. Man konnte ihn auch zurückklappen, um darin kleines Schreibzeug, eine Puderdose oder eine Lorgnette zu verstauen. 

3.2.4 Schuhe und Strümpfe 

Die Fußbekleidung bildet einen grundlegenden Bestandteil der Kleidung, die Epoche und Kultur sowie gesellschaftliche Veränderungen wiederspiegelt. Abgesehen von ihrem praktischen Zweck waren Schuhe ein Standeszeichen und galten als ausgesprochen erotisch. Voraussetzung war allerdings ein möglichst kleiner Fuß. Ein Absatz verstärkte die erotische Wirkung. Schuhe galten (und gelten) aber auch als Glücksbringer: so dienten im Zeitalter des Rokoko Miniaturschuhe aus Porzellan als Kuvert für Liebesbriefe - billets doux. 


Abb. 10

Im 18. Jahrhundert trugen Damen und Herren Schuhe, die den Knöchel frei ließen und nach vorne spitz zuliefen. Unter Louis XV. entwickelten sie eine runde Spitze. Absätze trugen alle, wobei diejenigen der Herren flacher waren als die der Damen. Absätze waren ursprünglich aus einem praktischen Zweck heraus entstanden: wenn man sich beim Reiten aufstellte, verhinderte ein Absatz, dass man aus den Steigbügeln rutschte. Überdies trugen Absätze zu einer veränderten Gangart bei: man lief aufrechter, würdiger und stolzer.

Allein die Absätze und die Sohlen des Adels durften rot gefärbt werden. Auch die Schuhschnallen, die sich vor allem in den 1760er und 1770er Jahren ausbreiteten, waren Zeichen der Aristokratie. Daher war es in der Revolution schnell verpönt, Absätze und Schnallen an den Schuhen zu tragen, obgleich sich auch Schnallenformen mit revolutionärer Symbolik entwickelten, zum Beispiel in Form des Grundrisses der Bastille. 

Bis dahin aber wandelten sich hauptsächlich die Damenschuhe. Sie wurden aus Leinen oder Seide hergestellt und mit Schleifen und Bändern aus Seide, Brokat, Samt oder Spitze ausgeschmückt. Juwelen ließen die Damenschuhe zeitweise als regelrechte Schmuckkästen erscheinen. Berühmt geworden ist das sogenannte Venez-y-voir - ein auf der Rücknaht angebrachter Schmuck mit hoher erotischer Bedeutung als ein weiteres Mittel der Koketterie. Da der Rock meist über die Füße gestülpt war, ließ nur eine entsprechend eingeübte Gangart den Reifrock auf- und abwippen und dabei Füße, Schuhe und Strümpfe zum Vorschein bringen. 

Auch die Strümpfe - aus Baumwolle, Seide oder Leinen - besaßen unterschiedliche Farben und Musterungen und waren häufig mit Sprüchen und Edelsteinen bestickt, wobei sich eine regelrechte Strumpfsprache ausbildete, die den Verzierungen unterschiedliche Bedeutungen zuwies. 

Die Herrenschuhe des 18. Jahrhunderts hingegen waren im Gegensatz zum Barock wesentlich schlichter gestaltet und meist aus Ziegen- oder Schafsleder hergestellt. Im 18. Jahrhundert trugen die Männer überwiegend weiße Seidenstrümpfe, die teilweise über, teilweise unter die Kniehose gezogen wurden. 

3.2.5 Frisuren und Perücken 

Zu Beginn des Jahrhunderts waren die Frisuren auffallend einfach: eng anliegende Haare mit einem Knoten im Nacken sowie Spitzenhäubchen bei den Damen, im Nacken gebundene Haare bei den Herren. Allerdings blieb den Männern die Perücke weiterhin erhalten und entwickelte sich zu einem bedeutsamen Standeszeichen unter Ludwig XV. Die Haare wurden dabei entweder schlicht zu einem Zopf zusammengebunden, im schwarzen Samtsäckchen versteckt, zu drei kleineren Zöpfen gebunden oder man trug an der Seite ailes de pigeon, Rolllocken, die die Ohren versteckten. Ferner wurden die Perücken gepudert, was ein kompliziertes Verfahren war. Derjenige, der es sich leisten konnte, besaß sogar ein eigenes Puderzimmer, denn der Puder musste so gegen die Decke gestäubt werden, dass er sich gleichmäßig auf der Perücke, aber nicht auf dem Gesicht oder der Kleidung verteilte. Das Pudern war folglich sehr aufwendig und kostenintensiv, nach 1760 wurde die Perücke schließlich in bürgerlichen Kreisen abgelegt. 


Abb. 11

Auch die Damen trugen Perücken, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts jedoch lediglich bei offiziellen Veranstaltungen. Ansonsten trugen sie ihr natürliches Haar eng anliegend oder in Locken. Erst nach 1750 trugen die Damen aufwendige Hochfrisuren, die allein mit Perücken realisiert werden konnten. Bis in die 1780er Jahre wurden diese Frisuren derart überladen und aufwendig, dass sie mit Pomade, Drahtgestellen, Krepp, Rosshaarkissen, Bändern, Federn, Blumen und Figuren ausstaffiert werden mussten und der Friseur regelrecht zum Künstler wurde.

 

Empfohlene Zitierweise

Hermanns, Beatrice: 3. Die Bedeutung von Ausgestaltung und Accessoires. Aus: Madame de Pompadour - Die höfische Mode im Frankreich des 18. Jahrhunderts, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/2811/

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Erstellt: 16.03.2006

Zuletzt geändert: 16.03.2006


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