II. Mätressen

Mätressen am französischen Hof – von Micheal A. Bloch 

1. Die Position der Mätresse am Hof 

Die Mätresse des Königs war die wohl einflussreichste Person am französischen Hof des Ancien Régimes. Allerdings hat diese Stellung erst im Laufe der Jahre an Bedeutung gewonnen. Es ist also wichtig, die Entwicklung der Position der Mätresse am Hof genauer zu beleuchten, um verstehen zu können, warum die Mätresse zu einer wichtigen Institution der königlichen Politik wurde. 

Erst die Überführung des Wanderkönigtums in einen fest installierten Hof ermöglichte es dem König und vor allem auch der Mätresse ihre Stellungen auszubauen und „hoffähig“ zu machen. Mit der Veränderung der Hofkultur in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, insbesondere unter dem Sonnenkönig Ludwig XIV., bekam die Mätresse eine Stellung am Hof, die der einer festen Institution glich, ja sogar kaum noch wegzudenken war. Mit einem festen Hofstaat kam aber auch ein logistisches und vor allem Moralisches Problem auf den König zu: der Hof war ein öffentlicher Raum. Höflinge, Minister und Besucher gingen mehr oder minder frei ein und aus. Aber die Beziehung des Königs zu seiner Mätresse erforderte einen nichtöffentlichen Bereich, den er auch ungestört aufsuchen konnte. Der König stand unter ständiger Beobachtung und alle Augen waren auf ihn gerichtet. Dies war besonders in der Frühphase des „institutionalisierten Mätressentums“ ein Problem, in der sich der König eben gerade nicht öffentlich mit seiner Geliebten zeigen durfte. Zu groß waren die moralischen Ressentiments der Kirche und seiner Untertanen. Beispielsweise interessierte sich Ludwig XIV. für Mlle d’Elbeuf, der Verlobten des Prinzen von Vaudémont und Mlle de Toucy, Tochter von de la Mothe und Gouvernante des Dauphin. Diese zeigten sich aber nicht erfreut über die Zuneigung des Königs, aus Angst, sie könnten dadurch schlechtere Chancen am Heiratsmarkt haben.[1] Aber auch andere Gründe zwangen den König dazu, seine Geliebte geheim zu halten. So war unter anderem der Mann der Mme de Montespan nicht einverstanden, dass der König sie zur Mätresse nahm. Der König musste also sehr vorsichtig agieren, um nicht Gefahr zu laufen, sich in der Öffentlichkeit demütigen zu lassen.[2] Nichtsdestotrotz war Mme de Montespan sowohl bei der Königin, als auch am Hof und bei der Geistlichkeit akzeptiert.

Ludwig XV. hingegen machte keinen Hehl aus der Liebe zu seinen Mätressen. Natürlich hatte er selber Bedenken moralischer Art, weswegen er über einen längeren Zeitraum hinweg dem Zeremoniell des Handauflegens bei Skrupulösen nicht nachkam. Der Nachfolger des Sonnenkönigs hatte einen entscheidenden Vorteil seinem Vorgänger gegenüber: er trennte so gut es ging den öffentlichen Bereich seines Lebens vom Privaten, was sich unter anderem auch darin bemerkbar machte, dass er sich weigerte, im Prunkschlafzimmer zu schlafen, in dem das Lever und Coucher zelebriert wurden. Er zog es vor, Privaträume einzurichten und dort, zurückgezogen von den Augen der Höflinge, zu arbeiten und zu schlafen. Dies bot ihm natürlich auch viele Möglichkeiten, sich unauffällig mit seinen Mätressen zu treffen. Damit war er nicht ständig dem Druck des „sich rechtfertigen müssens“ ausgeliefert. 

2. Der Einfluß der Mätresse auf die königliche Politik 

Unter Ludwig XV. änderte sich die Position der Mätresse am Hof. Von einer heimlichen Geliebten avancierte sie zu einer festen Institution. Das läßt sich besonders an Bezeichnungen festmachen, die der Mätresse des Königs in Tagebüchern und Memoiren von Zeitgenossen gegeben wurden: maîtresse declarée oder maîtresse en titre. 


Abb. 1

Mme de Popmpadour ist ein hervorragendes Beispiel, um den zunehmenden Einfluß der Mätresse am Hof zu zeigen. Der König zog sich im Laufe seiner Amtszeit immer weiter von seinen gesellschaftlichen Verpflichtungen zurück so dass seine Mätresse den Kontakt zu den Höflingen übernahm. Diesen Kontakt baute sie so weit aus, dass sie innerhalb kürzester Zeit selbständig über Auszeichnungen und Gunstbeweise des Königs frei entscheiden konnte. Im Ergebnis hatte Mme de Pompadour viele Fäden in der Hand, die sie geschickt zu ziehen wußte, um ihre Stellung zu festigen und weiter auszubauen.

Die Gunstbeweise des Königs zu verteilen war eine Aufgabe, der sich Madame de Pompadour angenommen hat. Aber auch auf anderen Gebieten wuchs ihr Einfluß. Anzuführen sei hier die Kunst und die Literatur, die massgeblich von ihr gefördert wurden. Sie betätigte sich als Schirmherrin von Schriftstellern und gründete ein eigenes Theater. Viele Künstler wurden von ihr beim König für einen Adelstitel vorgeschlagen, was ihren Einfluß nur noch verstärkte. 

Aber auch im Bereich der Industrie wurde Madame de Pompadour tätig: sie gründete die Porzellanfabrik in Sèvres und führte so den Gebrauch von Porzellan in Adelskreisen ein. 

3. Fazit 

Die Mätresse am französischen Königshof, besonders unter Ludwig XV., war eine Institution, die aus dem politischen und gesellschaftlichen Gefüge des Hofes kaum mehr wegzudenken war. Sie bildet eine wichtige Schnittstelle zwischen König und Höflingen. Ihr Einfluß auf die Kunst, Literatur und Architektur war enorm groß. 

Fußnoten 

[1] Spanheim, Ezechiel: Relation de la cour de France en 1690, Paris 1973, 41.

[2] Ders.: 42/43.

Literatur 

Caroline Hanken: Vom König geküßt. Das Leben der großen Mätressen, Darmstadt 1997 

Hermann Schreiber: Die ungekrönte Geliebte. Liebe und Leben der Mätressen, München 1992. 

Helga Thoma: "Madame, meine teure Geliebte ...". Die Mätressen der französischen Könige, München [u.a.] 1998. 

Andrea Weisbrod: Von Macht und Mythos der Pompadour. Die Mätressen im politischen Gefüge des französischen Absolutismus, Königstein/Taunus 2000. 

Ezechiel Spanheim: Relation de la cour de France en 1690, Paris 1973 

 

Empfohlene Zitierweise

Bloch, Michael: Mätressen am französischen Hof. Aus: Madame de Pompadour, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/de/persistent/artikel/2777/

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Erstellt: 16.03.2006

Zuletzt geändert: 16.03.2006