Biographien

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Denis Diderot 

 

Diderot stammte aus einer gut situierten Handwerksfamilie in der Champagne: Sowohl sein Vater Didier Diderot als auch seine Mutter Angélique Vigneron kamen aus dem Handwerksgewerbe und machten sich in dem französischen Städtchen Langres einen Ruf als Messerschmiedmeister. So wurde Denis Diderot am 5. Oktober 1713 in vermögende Verhältnisse geboren. Diderot wuchs mit fünf Geschwistern auf, von denen zwei jedoch im Kindesalter starben. 

Das Verhältnis zu seinen Schwestern und seinem Bruder war unterschiedlich. Zu seiner Lieblingsschwester Denise hatte Diderot ein sehr herzliches Verhältnis. Die Beziehung zu seinem wesentlich jüngeren Bruder Pierre-Didier, der Geistlicher wurde, war dagegen äußerst gespannt. Das beiderseitige Unverständnis für die berufliche und ideologische Entwicklung konnte nie überwunden werden. 

Mit zehn Jahren besuchte Diderot das Kolleg in Langres, das von Jesuiten geführt wurde, und wurde dort zusammen mit Adeligen und Schülern der Mittelschicht unterrichtet. Als fleißiger und interessierter Schüler, nutzte er das Lehrangebot, das ihm das Jesuitenkolleg anbot und wurde sowohl in Theologie als auch in klassischer Literatur, in lateinischer und griechischer Sprache unterrichtet. Während dieser Jahre wurden die Grundlagen für seine spätere Glaubensauffassung und seine Vorliebe für Literatur gelegt. 

Ein Abstecher nach Paris, wo der junge Diderot nach dem Vorbild des Vaters eine Handwerkerausbildung absolvieren wollte, jedoch kläglich scheiterte, unterbrach den Besuch des Kollegs in Langres. Daraufhin beschloss der Schüler seine berufliche Laufbahn der Theologie zu widmen und wollte sogar dem Jesuitenorden beitreten. Auch diese Idee verblasste nach wenigen Jahren und Diderot zog es wieder in die französische Hauptstadt, wo er das Collège d`Harcourt besuchte. 1732 schloss er seine Studien an der Universität in Paris mit dem Titel eines Magister Artium ab. Nachdem er das Studium der Religionswissenschaften an der Sorbonne 1735 mit dem Baccalauréat beendet hatte, durchlebte er eine Phase materieller Not.

Er konnte sich nicht entscheiden, welchen Berufsweg er einschlagen sollte. Daraufhin entzogen ihm seine Eltern die finanzielle Unterstützung. Während er seine humanistischen Studien begann, war er als Privatlehrer, Auftragsschriftsteller und Übersetzter tätig. Während dieser Zeit lernte er seine spätere Gattin Antoinette Champion kennen und begann eine enge Freundschaft mit Jean-Jacques Rousseau, die Mitte der 1750 in einem jähen Bruch endete. Über Rousseau wurde er mit dem Abbé de Condillac bekannt gemacht. Bei wöchentlichen Treffen im Palais-Royal wurden rege philosophische Gedanken ausgetauscht. Hier lernte Diderot auch Baron von Grimm kennen, der später sein engster Freund und Vertrauter wurde. Über den Kreis der Pariser Intellektuellen kam er in Kontakt zur Salonnière, der Schriftstellerin Louise d'Epinay sowie dem Baron d'Holbach . 

33jährig fasste er den Plan, mit d'Alembert die Encyclopédie herauszugeben, die zu seinem Lebenswerk avancierte. Zuvor hatte er eine Übersetzung der Geschichte Griechenlands und des Medical Dictionary von Robert James verfasst. So wurden die Verleger der geplanten Encyclopédie auf Diderot aufmerksam. Diderot verfasste viele seiner kritischen Texte anonym, um seine Person zu schützen. Seine Bekennung zum Deismus wurde in der 1746 ebenfalls namenlos veröffentlichten Arbeit Pensées philosophiques deutlich, die per Beschluss des königlichen Rates verboten wurden. Er kritisierte darin jegliche Form religiösen Fanatismus und griff offen die katholische Kirche und die Jansenisten an. Nach der Veröffentlichung der Lettre sur les aveugles à l'usage de ceux qui voient, entbrannte eine rege Debatte über die Beziehung von Innen- und Außenansicht. Diderots atheistische Haltung wurde mit einer mehrmonatigen Gefängnisstrafe in Vincennes bestraft und das Werk von den Gegnern öffentlich verbrannt.

1751 konnte jedoch pünktlich der erste Band der Encyclopédie veröffentlicht werden. Im gleichen Jahr wurde Diderot neben Jean le Rond d'Alembert als Mitglied in die Berliner Akademie der Wissenschaften aufgenommen und konnte so seinen Ruf als Wissenschaftler und Philosoph festigen. Diderot war darüber hinaus Literat. Er verfasste Romane wie Jacques le fataliste 1773 und schrieb Theaterstücke wie Le fils naturel 1757 und Le père de famille 1758.

Durch die Zusammenarbeit mit Melchior Grimm seit Anfang der 1750er Jahre, für den er Bildbeschreibungen und Beschreibungen der Salons in Paris (Link zu Salons in Paris) im Zuge Grimms Corréspondance Littéraire verfasste, begründet Diderot den Beginn der modernen Kunstkritik.

Im Laufe der Jahre entwickelte sich eine sehr innige Freundschaft zu Sophie Volland, die neben Melchior Grimm eine sehr wichtige Stelle in Diderots Leben einnahm. Im Gegensatz dazu überwarf er sich mit seinem langjährigen Freund Rousseau. Als sich Diderot in den Endzügen der Encyclopédie befand, die er am Ende hauptsächlich heimlich fertig stellen musste, verkaufte er 1765 seine Bibliothek an die Zarin Katharina II. von Rußland. Diderot erhielt daraufhin eine Anstellung als Bibliothekar und wurde als Mitglied der Akademie der Künste in St. Petersburg 1767 aufgenommen.

In den nachfolgenden Jahren zog sich der Autor zurück und arbeitete an Le rêve de d'Alembert. Seit der Inhaftierung in Vincennes zu Beginn seiner Karriere und der Angst erneut gefasst zu werden, vermied Diderot, seine Abhandlungen und Romane zu veröffentlichen. Seine kritischen Gedanken verstand er seither geschickt zu verstecken, sei es zwischen den Zeilen oder unter fremdem Namen.

1772 entschloss sich Diderot zur Mitarbeit an der Histoire des deux Indes des Abbé Raynal, in der er scharfe Kritik an der europäischen Kolonialpolitik übt und sich für die Einführung der Menschenrechte einsetzte. Bis zu seinem Tod 1784 arbeitete Diderot an zahlreichen neuen Schriften, überarbeitete aber auch eigene Werke. Im Frühjahr 1784 erlitt der alternde Literat einen Schlaganfall von dem er sich bis zu seinem Tod am 31. Juli 1784 in Paris nicht mehr erholte.

 

Empfohlene Zitierweise

Diderot, Denis . Aus: Madame de Pompadour, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/812/

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Erstellt: 17.01.2006

Zuletzt geändert: 17.01.2006