Brief Fischer-Haller

Brief von Susanna Esther Fischer-Haller (Bern) an Albrecht von Haller (Göttingen), 6. Januar 1753.  

(3 Seiten) (Arbeitstranskription) 

 

Monsieur mon Tres cher et Tres honoré Cousin 

Ich habe den verwichenen Nov. als der 17. ihr brief durch die Jungfer Engel Magd. [M.M. Engel [K]] wohl erhalten, daraus ersehen, daß ihr angewendeter fleiß und getreüwliches Schriben beantwortet worden, als solte noch so einen Sohn vor den meinigen an daß Tagelicht bringen um selbigen zu ortten [?]. Nur schadt ist daß dieser schon die Fatalitet gehabt vor einen solchen unerbitlichen Monarchen gebohren zu werden, wolte auch erwarten dero Schriben zu beantworten bis mein Sohn mir aus Egyten [?] schribe damit ich ihnen melden könte was mein Brief ausgewürcket, dieses ist es: mein Sohn ward herzlich beweget von demselben, so daß er sich persönlich vor seine Maj. presendierte und so beweglich als er konte vor etwas Zeith ihne nach hause zu laßen bat., seine Mutter verlange ihn zu sechen, weilen sie indispoiniert sey, da antwortete seine Maj.: "Bistu dan ein Doctor, daß du dir getrauwest deine Mutter wider lebendig zu machen wan sie würde gestorben sein. Diese Antwort hat mein Sohn auf daß hefftigste betrübet, laut seines Schribens gabe nach diesem noch ein memorial ein, wider verhoffen auch abgeschlagen, ist dieß nicht ein pharao zu nennen, wan ich nicht durch gottes gnad understützet werde, die mich in allen meinen betrübnißen wohl geleitet, so wäre ich die allerunglückhaftigste auf der Erde. Was ich seit 8 Jahren ausgestanden über alles aber ist mir nicht so empfindlich als meines lieben Sohnes Fataliteten, daß er hat müßen in solche unglücklige Hände fallen und jetzt in unbarmhärzige die seiner fortun so hinderlich sin, dan häte er ins Land kommen können, so wäre es alles redressiert worden. Nicht daß man ihne häte abgehalten wider hinzu kehren, sondern seine zeit ausmachen und dan seine dimission fordern, dis ware mir und gutmeinender Verwandten absechen auf daß hoffe ich noch [2] warum solte eine Zeit deß Engagements sein und dan keine zur Erlaßung, dis möchte ich mein wehrtgeschätzter Herr Vetter, vor gewüs wißen, auch die Manier wie man, alsdan die dimission erhalten könne so sie an H. Sprögel mit gelegenheit schriben, alles ander aber will ich dan die Ehre selber haben ihnen Mündlich zu sagen wan Gott mich leben laßet dan ich ia glauben soll, ich sey nicht in ostindie, daß ich nicht wüße, was mit meinem nächsten vorgehet. Diß war mir etwas erfreuwliches zu vernemen von der Frauw Jenner in der Münz, daß so ein edels kleinod aus der ferne, vor ihren H. Sohn gepräget worden und selbiges, durch ihre liebe gegenwart soll persönlich überbracht und ihnen anvertrauwet werden. Dazu wünsche ich von herzen gottes segen, daß die geerten Eltern und gros Eltern bederseits alles Vergnügen an diesem jungen Ehebahr haben mögen. Der liebe gott steure sie aus, mit allem dem waß sie zeitlich und ewig kan glückhaftig machen. Er verbinde ihre Liebe auf ewig, so kan sie nicht trennen. Er schenke ihnen die folle gesundheit um die beschwerliche reise leicht zu machen und endlich eine glückliche ankunft zu unser aller Freüd. Recommandiere mich in ihrer aller Liebe, wie ich auch bekant bin in deß Herr Jenners haus als eine gute Freündin. Ich offeriere mich was ich bin und was ich hab, zu ihrer Disposition, daß ich es schuldiger weis und aus härzlicher Liebe mit Freüden thun werde, was sie mir auftragen würden. Meine liebe Schwäster Melley [?] und Bäsi Steck, wünschen und offerien das gleiche mit mir und empfehlen sich samt mir ganz gehorsamst in dero Gunstgewogenheit und gütiges angedenken. 

[3] Ich nehme auch noch einmahl die Freyheit, meinen Sohn in der Ferne zu recommandieren daß wan sich etwas zu seinem besten erzeigte sey es hier, oder dort sie mein wehrtgeschätzter H. Vetter ihre geneigte kräftige Hülf sehen zu laßen von welchern ich schon starcke proben hab, und keine ursach daran zu zweifeln, daß sie eine betrübte Mutter in liebe ansechen und keinem möntschen hier die ursach unsres Briefwechsels zu sagen, bis ich werde die Ehre gehabt haben mit ihnen zu reden. Der Frauw Bauherr von Diesbach habe ich seine und meines Sohns Briefe gelesen, sie häte sich gefreüt, wan mein Son häte können ein Semestre erlangen. Mein stille Schweigen zu allem dem geschiehet aus keinem anderen Grund als das sich hier Leute finden, die meinem Sohn daß Stipendium misgönten und vieles dazu geholfen daß es ihme so ergangen und noch darauf passen. Damit ich sie aber nicht alzu viel mollestire so schließe ich, mit Bite nichts übel zu nemmen meiner Frauen Schreibart habe die Ehre mit aller Hochachtung mich zu nennen 

Monsieur mon tres cher et tres honoré Cousin 

vortre tres humble 

tres obeissante Servante 

Sus. Esth. Fischer 

nee Haller 

berne au Mahrzihli 

den 6 Jenner 1753 

 



Erstellt: 09.03.2006

Zuletzt geändert: 09.03.2006