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Karl Marx ( 1818 – 1883 ) 

 


"Die Menschen sind die Produzenten ihrer Vorstellungen, Ideen pp., aber die wirklichen, wirkenden Menschen, wie sie bedingt sind durch eine bestimmte Entwicklung ihrer Produktivkräfte und des denselben entsprechenden Verkehrs bis zu seinen weitesten Formationen hinauf. Das Bewußtsein kann nie etwas anderes sein, als das bewußte Sein, und das Sein der Menschen ist ihr wirklicher Lebensprozeß. [...] Sobald dieser tätige Lebensprozeß dargestellt wird, hört die Geschichte auf, eine Sammlung toter Fakta zu sein, wie bei den selbst noch abstrakten Empirikern, oder eine eingebildete Aktion eingebildeter Subjekte, wie bei den Idealisten."

Deutsche Ideologie, zitiert nach Wolfgang Hardtwig: Über das Studium der Geschichte, München 1990, S. 68f. 

 

Stimmen der Forschung

"Marx`s cardinal thesis, doubtless, was that ideas do not determine the course of history, but are themselves the product of other, objective historical forces. Yet it was precisely the faith generated by his own ideas that made them decisive in the shaping of events. Hence the very fact that Marx, despite the palpable shortcomings of specific intellectual constructions, became one of the most influential men ever born really validates the proposition that the irrational is the wellspring of our conduct. It is faith, after all, that moves mountains." 

Joel Carmichael: Karl Marx. The Passionate Logician, New York 1967, S. 249. 

 

"So falsch es wäre, Marx als Historiker zu bezeichnen, so verfehlt wäre es zu leugnen, dass Marx auch Historiker war. Was aber heute Historischer Materialismus genannt wird, ist trotz ehrwürdigem Alters immer noch mehr Programm als Hinweis auf Vorhandenes. Der historische Materialismus hat auf seinem Weg von Marx und Engels über Lenin zu Stalin und seinen Nachfolgern einen entscheidenden Funktionswandel von einer kritischen Geschichtstheorie zum integralen Bestandteil einer Weltanschauung durchgemacht. Die für jede Wissenschaft notwendige Selbstreflexion wurde damit stillgelegt." 

Dieter Groh in: Hans Wehler (Hg.): Deutsche Historiker, Göttingen 1973, S. 401. 

 

"Marx was perceptive and shrewd; he was bold and imaginative. He was not only a harsh critic of our type of society and culture; he also produced a host of ideas that can be used (or adapted for use) to explain how industrial society differs from earlier social forms, how it has emerged and developed, and how it affects its members. He is, along with Rousseau and Hegel, one of the three great social thinkers of the modern age." 

John Plamenatz in: ders.: Karl Marx`s Philosophy of Man, Oxford 1975, Preface. 

 

"In examining Marx and his own sometimes perverse, sometimes muddled, but often brilliant and always impassioned attempt to 'transform' the market and search for some better and more humane way of ordering society, we do well to observe, respectfully, that this was the earliest, most extensive, and in some sense, the bravest attempt to offer a theoretical solution to a problem which ist perhaps now the most pressing general issue in politics. It still awaits its resolution. Where Marx failed no one else has yet succeeded." 

Agnus Walker in: ders.: Marx. His Theory and it's Context. Politics as Economics, London/New York 1978, S. 224. 

 

"Es ist möglich, als Marxist zu arbeiten und die Marxismen als Obskurantismen zu betrachten - zu denen sie in dutzend verschiedenen Spielarten offensichtlich geworden sind. Das hat nichts mit der Bewunderung für Marx und sein Werk zu tun. Ganz im Gegenteil, dieses Werk bewundern heißt, ihm als Lernender gegenüberzutreten, seine Begriffe zu verwenden und zu lernen, in einem Dialog derselben Art zu arbeiten. Nacheiferung sollte sich aber nicht in buchstabengetreuer Reverenz erschöpfen - auch nicht (wie bei Althusser) in vorgetäuschter Reverenz gegenüber dem, was Marx eigentlich sagen wollte, aber aus unerfindlichen Gründen zu sagen vergaß." 

Edward P. Thompson: Das Elend der Theorie. Zur Produktion geschichtlicher Erfahrung, Frankurt a.M. 1980, S. 229. 

 

"Die marxistische Geschichtstheorie ist nicht aus dem Kontext der universitären Geschichtswissenschaft heraus entstanden, sondern wurde in der Auseinandersetzung mit der Hegelschen Geschichtsphilosophie konzipiert. Die Basissätze der historischen Geschichtswissenschaft stimmen mit deren idealistischen Grundannahmen jedoch sehr viel weiter überein, als die Selbstabgrenzung der entstehenden Einzelwissenschaft 'Geschichte' von der Geschichtsphilosophie Hegels vermuten läßt. Die Rezeption des Marxschen Geschichtsdenkens ist zudem belastet durch die Entwicklung des historischen Materialismus zur staatsoffiziellen Weltanschauung der komunistischen Welt, aber auch durch die - bei Marx und Engels allerdings vorbereitete - Gefahr einer eng ökonomistischen Auslegung [...]" 

Wolfgang Hardtwig: Über das Studium der Geschichte, München 1990, S. 62. 

 

"Innovativ für die hist. und sozialwiss. Forschung wurde Marx v.a. durch seine strukturelle Differenzierung der ök. Trägerschichten pol.-soz. Wandels sowie durch seine vergleichende Analyse der Industrialisierungsprozesse Europas, die sich von der Nationalgesch.schreibung des traditionellen Historismus abhob. Methodisch lässt sich sein Werk durchaus als eine Variante des objektivistischen Historismus im 19. Jahrhundert verstehen." 

Gangolf Hübinger in: Rüdiger vom Bruch/Rainer A. Müller (Hg.): Historikerlexikon. Von der Antike bis zum 20. Jahrhundert, München 1991, S. 198. 

 

"Gemessen an Umfang und Weite der historiographischen Produktion, aber auch an der Zahl der Historiker stellt die marxistische Geschichtsforschung zweifellos die größte Einzelrichtung innerhalb der Ökumene der Historiker dar. Auch hinsichtlich ihrer Internationalität sind ihr keine anderen richtungen ebenbürtig. Dennoch ist ihr Status in der Geschichtswissenschaft des 20. Jahrhunderts viel prekärer, als es die triumphalistische Selbstsicht erwarten ließ, welche die offiziellen Vertreter der marxistisch-leninistischen Geschichtswissenschaft der sozialistischen Länder, aber auch die neomarxistischen Historiker der übrigen Historikerfelder in ihrer ideologischen Selbstabgrenzung von der 'bürgerlichen' Geschichtsforschung der übrigen Welt an den Tag legten." 

Lutz Raphael: Geschichtswissenschaft im Zeitalter der Extreme. Theorien, Methoden, Tendenzen von 1900 bis zur Gegenwart, München 2003, S. 117. 

 

Biografie

05.05.1818 

Geboren in Trier als Sohn von Heinrich Marx (jüdischer Rechtsanwalt) und Henriette, geb. Preßburg 

1824 

Die Familie konvertiert zum evangelischen Glauben 

1835 

Studium der römischen Mythologie, Kunstgeschichte und Griechisch in Bonn 

1836 

Studium des Rechts und der Philosophie in Berlin, Beschäftigung mit Hegel und Hinwendung zum Atheismus 

1841 

Promotion in absentia an der Universität Jena über "Die Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie" bei Oskar Ludwig Bernhard Wolff 

1841 

Mitarbeiter, dann Chefredakteur der "Rheinischen Zeitung" in Köln 

1843 

Heirat mit Jenny von Westphalen, 7 Kinder 

1843 

Emigration nach Paris, Herausgabe der Deutsch-Französischen Jahrbücher 

1844 

erste Treffen mit Friedrich Engels 

1845 

Ausweisung aus Frankreich, gemeinsame Arbeit mit Engels in Brüssel 

1845 

Erster Aufenthalt in England 

1847 

Gründung des "Deutschen Arbeitervereins" zusammen mit Friedrich Engels 

1848 

Ausweisung aus Brüssel, Rückkehr nach Paris, kurz danach nach Köln, dort Herausgeber der "Neuen Rheinischen Zeitung" 

1849 

Verbot der "Neuen Rheinischen Zeitung", Freispruch vor Gericht vom Vorwurf der Aufreizung zur Rebellion, Ausweisung als Staatenloser, über Paris nach London ins Exil 

1850 

Herausgeber der "Neuen Rheinischen Zeitung. Politisch-ökonomische Revue" (Hamburg/New York) 

1861 

Reise nach Deutschland, Treffen mit Ferdinand Lassalle (1825-1864) in Berlin 

1864-1865 

Mitwirkung bei der Gründung der "Internationalen Arbeiter-Assoziation" ("Erste Internationale") Verfasser der Inauguraladresse und der Statuten 

1881 

Tod seiner Frau Jenny 

14.03.1884 

Gestorben in London 

 

Werke (Auswahl)

1845 

Die heilige Familie, oder Kritik der kritischen Kritik, Frankfurt a. M. 1845 (Berlin 1985) 

1845 

Die Lage der arbeitenden Klasse in England, Leipzig 1845 

1847 

Misère de la philosophie, Brüssel 1847, dt. 1885 (Berlin 1979) 

1848 

Manifest der Kommunistischen Partei, London 1848 (Kückenshagen 2000) 

1850 

Die Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850, Hamburg 1850 (Berlin 1951) 

1852 

Der 18te Brumaire des Louis Napoleon, in: "Die Revolution. Eine Zeitschrift in zwanglosen Heften", New York 1852 

1859 

Zur Kritik der politischen Ökonomie, Berlin 1859 (Köln 2000) 

1867/1894 

Das Kapital, Bd. 1, Hamburg 1867; Bd. 2-3 hg. von Friedrich Engels 1885 bzw. 1894 (Köln 2001) 

1885 

Der Circulationsprozess des Kapitals, Hamburg 1885 

1890-1891 

Kritik des Gothaer Programms, geschrieben von April bis Anfang Mai 1875, in: "Die Neue Zeit" 18 (1890/1891) 

1929-1935 

Historisch-kritische Gesamtausgabe: Werke, Schriften, Briefe, hg. von Vladimir V. Adoratskij/David Rjazanov, Moskau 1929-1935 (1. Abt. Bd. 1/1, Frankfurt/M. 1927; Bd. 1/2-6, Berlin 1929-32; Bd. 7, Moskau 1935; 3. Abt. Bd. 1-4, Berlin 1929-32) 

1932 

Die deutsche Ideologie, Moskau 1932 

1939-1941 

Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie (1857-1858), Moskau 1939-1941 

1956 

Karl Marx/Friedrich Engels: Gesamtausgabe, hg. vom Institut für Marxismus-Lenismus beim ZK der SED, 39. Bde. Und ein Ergänzungsband in zwei Teilen, Berlin (Ost), 1956ff. 

1975 

Karl Marx/Friedrich Engels: Gesamtausgabe, hg. vom Institut für Marxismus-Lenismus beim ZK der KPdSU und vom Institut für Marxismus-Lenismus beim ZK der SED, Berlin (Ost) 1975ff. (weitergeführt von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften) 

2000 

Marx lesen. Die wichtigsten Texte von Karl Marx für das 21. Jahrhundert, hg. und kommentiert von Robert Kurz, Frankfurt a. M. 2000 

 

Sekundärliteratur

Bellers, Jürgen: Marx und die Politik, Siegen 2000.  

Brewer, Anthony: A Guide to Marx's "Capital". Cambridge/New York 1984. 

Calves, Jean-Yves: Karl Marx. Darstellung und Kritik seines Denkens, Olten/Feiburg i. Br. 1964. 

Carmichael, Joel: Karl Marx. The Passionate Logician, New York 1967.  

Cohen, Gerald A.: Karl Marx's Theory of History, Oxford 2000.  

Cole, George H.D.: A History of Socialist Thougt, 7 Bde., London 1953ff.  

Droz, Jacques (Hg.): Geschichte des Sozialismus, 12. Bde., Frankfurt/M./Berlin/Wien 1974ff.  

Ehlen, Peter: Marxismus als Weltanschauung, München 1982.  

Elster, Jon: Making Sense of Marx. Cambridge/New York 1985.  

Euchner, Walter (Hg.) : Klassiker des Sozialismus, 2 Bde., München 1991.  

Fetscher, Iring (Hg.): Der Marxismus. Seine Geschichte in Dokumenten, München 1983.  

Furet, Francois: Marx et la Révolution francaise, Paris 1986.  

Gemkow, Heinrich: Karl Marx. Eine Biographie, Berlin 1975.  

Gerlach, Olaf u. a. (Hg.): Mit Marx ins 21. Jahrhundert. Zur Aktualität der Kritik der Politischen Ökonomie, Hamburg 2003.  

Groh, Dieter: Karl Marx, in: Hans-Ulrich Wehler (Hg.): Deutsche Historiker, Göttingen 1973. 

Flechtheim, Ossip Kurt: Marx zur Einführung, Hamburg 2003.  

Göhler, Gerhard/Klaus Roth: Art. "Marxismus", in: Dieter Nohlen/Rainer-Olaf Schultze (Hg.): Lexikon der Politik, Bd. 1, München 1995.  

Haug, Wolfgang Fritz (Hg.): Historisches Wörterbuch des Marxismus, Hamburg 1994ff.  

Jessop, Bob (Ed.): Karl Marx's Social and Political Thought. Critical Assessments, 4 Bde., London 1990. 

Lieber, Hans-Joachim/Gerd Helmer: Marx-Lexikon. Zentrale Begriffe der politischen Philosophie von Karl Marx, Darmstadt 1988.  

Löw, Konrad: Der Mythos Marx und seine Macher. Wie aus Geschichten Geschichte wird. Dokumente, München, 2001.  

McLellan, David: Karl Marx. Leben und Werk, München 1974.  

Megill, Allan: Karl Marx. The Burden of Reason (why Marx rejected politics and the market), New York u. a. 2002.  

Payne, Robert: Karl Marx, New York 1968.  

Plamenatz, John: Karl Marx´s Philosophy of Man, Oxford 1975.  

Raddatz, Fritz J.: Karl Marx. Eine politische Biographie, Amsterdam 1975.  

Schieder, Wolfgang: Karl Marx als Politiker, München/Zürich 1991.  

Shaw, William H. : Marx´s Theory of History, London 1978.  

Sieber, Rolf/Horst Richter: Die Herausbildung der marxistischen Ökonomie, Berlin 1969.  

Tucker, Robert: Karl Marx. Die Entwicklung seines Denkens von der Philosophie zum Mythos, München 1963.  

Walker, Agnus: Marx. His Theory and its Context. Politics as Economics, London/ New York 1978. 

Wheen, Francis: Marx. Een biografie, Amsterdam 2000.  

Beer, Max: Karl Marx. Eine Monographie, Köln 1999.  

Fetscher, Iring: Marx, Freiburg i. Br u.a. 1999.  

Blumenberg, Werner: Karl Marx. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Reinbek bei Hamburg 1998.  

McLellan, David: Karl Marx. A Biographie, Houndmills u. a. 1995.  

Saage, Richard: Politische Utopien der Neuzeit, Darmstadt 1991.  

Schieder, Wolfgang: Art. "Kommunismus", in: Otto Brunner/Werner Conze/Reinhart Koselleck (Hgg.): Geschichtliche Grundbegriffe, Bd. 3, Stuttgart 1982, S. 455-529. 

Schieder, Wolfgang: Art. "Kommunismus", in: Otto Brunner/Werner Conze/Reinhart Koselleck (Hgg.): Geschichtliche Grundbegriffe, Bd. 5, Stuttgart 1984, S. 923-996.  

Singer, Peter: Marx, Oxford/New York 1996. 

 

Links

a) Quellen 

 

Werke  

http://www.marxists.org/archive/marx/index.htm

Umfangreiche Quellensammlung der Werke von Marx und Engels
Anbieter: weltweites Marxismus-Netzwerk, finanziert und erarbeitet durch Freiwilligenbeiträge

 

Werke  

http://gutenberg.spiegel.de/autor/400

Vielzahl von vor allem kleineren Schriften
Anbieter: Projekt Gutenberg.de

 

Textsammlung  

http://www.mlwerke.de/me/default.htm

Umfangreiche Textsammlung von Werken Karl Marx', chronologisch geordnet.
Anbieter: Lüko Willms,

 

Textsammlung  

http://www.sozialistische-klassiker.org/dir/me.html

Ebenfalls sehr umfangreiche Textsammlung zu Karl Marx, die einzelnen Texte können direkt aufgerufen werden.
Anbieter: Privates offenes Internetarchiv

 

b) Sekundärinformationen  

 

Leben und Werk  

http:// www.historyguide.org/intellect/marx.html

Sehr umfangreiche Sammlung von Schriften, mit Kurzlebenslauf und Kurzkommentar zu Marx´ Werk.
Anbieter: historyguide.org

 

Linksammlung  

http://cepa.newschool.edu/het/profiles/marx.htm

Umfangreiche Linksammlung zu Quellen und Sekundärinformationen
Anbieter: New School University, New York

 

Lexikoneintrag  

http://agso.uni-graz.at/lexikon/klassiker/marx/30bio.htm

Biografie, Bibliografie und Linksammlung, geeignet für einen ersten Einstieg.
Anbieter: Archiv für Geschichte der Soziologie in Österreich, Karl-Franzens-Universität Graz

 

Lexikoneintrag  

http://en2.wikipedia.org/wiki/Karl_Marx

Überblicksartikel zu Leben und Werk in englischer Sprache.
Anbieter: Wikipedia, offenes, privates Online-Nachschlagewerk

 

Lexikonartikel  

http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/biography/marx.html

Lexikonartikel in englischer Sprache.
Anbieter: Jewish Virtual Library

 

Marx-Gesellschaft  

http://www.marx-gesellschaft.de/

Internetangebot der 1992 gegründeten Marx-Gesellschaft mit u. a. Veröffentlichungen von Tagungstexten und einer Linkliste zum Thema.
Anbieter: Marx-Gesellschaft e. V.

 

Florian Kiuntke 

18.08.2003 

 



Erstellt: 03.03.2006

Zuletzt geändert: 31.07.2013