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Jacob Burckhardt ( 1818-1897 )

"Man sollte bei Abfassung einer Monographie jedes Mal Tacitus' Agricola neben sich haben und sich sagen: je weitläufiger, desto vergänglicher."
Weltgeschichtliche Betrachtungen, Leipzig 1955, S. 17.
"Jacob Burckhardt schien unter den deutschen Historikern isoliert zu sein, als er das Vorhandensein einer weisen Ökonomie' in der Weltgeschichte in Frage stellte."
Georg Iggers: Deutsche Geschichtswissenschaft. Eine Kritik der traditionellen Geschichtsauffassung von Herder bis zur Gegenwart, München 1971, S. 168 f.
"Die Weigerung Burckhardts, eine akademische oder gar politisch einflußreiche Rolle zu übernehmen, ist der praktische Ausdruck eine tiefgehenden Skepsis gegenüber der damaligen Weltentwicklung, die sich an vielen Stellen auch literarisch äußerte. Sie kontrastiert scharf mit dem allgemeinen Optimismus, der die deutsche Szene nach der Bismarckschen Reichsgründung bestimmte."
Herbert Schnädelbach: Geschichtsphilosophie nach Hegel. Die Probleme des Historismus, München 1974, S. 49.
"Burckhardt, who otherwise rejected all speculative interpretations of history, found in culture a quasi-metaphysical force: it inspired all creativity, was perennial and universal, and offered hope to the anxious about the age of the masses."
Ernst Breisach: Historiography. Ancient, Medieval and Modern, Chicago 1983, S. 304.
"Jacob Burckhardt teilte zwar wesentliche Grundanschauungen des deutschen Historismus, doch fehlten ihm dessen Fortschrittsoptimismus und der Glaube an eine wirklich handlungsorientierende und sinnstiftende Kraft der Geschichtswissenschaft. In kritischer Distanz zu Technisierung, Industrialisierung und Fundamentaldemokratisierung opponierte er gegen die moderne Großstaatsentwicklung - besonders des neuen Deutschen Reichs - und prognostizierte scharfsinnig Konstellationen der politischen Katastrophen des 20. Jahrhunderts. [...] Universalgeschichtlich denkend relativierte er die Bedeutung von Nation und Nationalstaat und baute seine Vorstellung der geschichtlichen Welt anthropologisch von drei Grundbedürfnissen auf, von denen sich die ersten beiden auch institutionell verfestigten: dem politischen (Staat), dem metaphysischen (Religion) und dem kritischen' (Kultur) Bedürfnis. Diese Potenzen'-Lehre ermöglichte es ihm, über das Individualitätsdenken des deutschen Historismus hinauszukommen und Ereignisse, Zustände und Artefakte typologisch zu erfassen und zu ordnen."
Wolfgang Hardtwig: Über das Studium der Geschichte, München 1990, S. 119f.
"Vor allem durch seine anthropologische Grundlegung, aber auch durch sein typisierendes Verfahren hat B. der Geschichtswissenschaft entscheidende neue Perspektiven gegeben. Trotzdem nahm er durch die Art, wie er Geschichte ästhetisierend und kontemplativ als Bildungsprozess der Menschheit begriff, in der G.W. des 19. Jahrhunderts eine exponierte Außenseiterstellung ein."
Gangolf Hübinger in: Rüdiger vom Bruch/Rainer A. Müller (Hg.): Historikerlexikon. Von der Antike bis zum 20. Jahrhundert, München 1991, S. 43.
"Potentielle Präsenz des Geschichtlichen in dem Sinne, daß es als zukunftsträchtiges Experiment des Geistes wahrgenommen wird, ist […] das Zentrum des Geschichtsdenkens von Jacob Burckhardt."
Siegbert Peetz: Unzeitgemäße Begriffe der Kulturentwicklung, in: Wolfgang Küttler u. a. (Hg.): Geschichtsdiskurs in 5 Bänden, Bd. 3: Die Epoche der Historisierung, Frankfurt a. M. 1995, S. 448.
"Burckhardt nannte sich einen Ketzer und Ignoranten, einen 'armen Fremdling, der außerhalb des Zunftkreises steht.'"
Alexander Demandt: Geschichte der Geschichte. Wissenschaftshistorische Essays, Köln 1997, S. 284.
"The greatest influence was Leopold von Ranke, the professor of history and the central figure in the development of modern methods in the study of history. Though Burckhardt admired Ranke as an historian he despised him as in individual and he was contemptuous of his cultivation of the great and powerful. Even so he acknowledged that he learnt much from him, although he applied was he had learnt to writing a different sort of history."
Malcolm Kitch: Jacob Burckhardt: Romanticism and Cultural History, in: William Lamont (Hg.): Historical Controversies and Historians, London 1998, S. 136.
25.05.1818 | Geboren in Basel als viertes Kind von Jacob Burckhardt (reformierter Oberpfarrer) und Susanne Maria, geb. Schorendorf |
1837-1839 | Studium der evangelischen Theologie in Basel |
1839-1843 | Studium der Geschichte und Kunstgeschichte in Berlin und Bonn |
1843 | Promotion in absentia in Basel aufgrund seiner durch von Ranke angeregten Arbeiten über Karl Martell und Conrad von Hochstaden, Betreuer: Friedrich Brömmel |
1843 | Aufenthalt in Paris |
1844 | Habilitation für Geschichte bei Friedrich Brömmel in Basel |
1845 | Außerordentlicher Professor an der Universität Basel |
1844-1845 | Politischer Redakteur bei der "Basler Zeitung" |
1846-1847 | Mitarbeit an Franz Kuglers Handbüchern zur Kunstgeschichte |
1846-1848 | Aufenthalte in Italien und Berlin |
1848-1855 | Lehrauftrag an der Universität Basel, Gymnasiallehrer für Geschichte |
1853-1854 | Aufenthalt in Italien |
1855-1858 | Professor für Kunstgeschichte am Polytechnikum Zürich |
1858-1893 | Professor für Geschichte an der Universität Basel, ab 1882 auch im Fach Kunstgeschichte |
1872 | Ablehnung des Rufes als Nachfolger von Rankes an die Universität Berlin |
08.08.1897 | Gestorben in Basel |
1842
Die Kunstwerke der belgischen Städte, Düsseldorf 1842
1843
Quaestiones aliquot historiam Caroli Martelli illustrantes, Diss., Basel 1843
1843
Conrad von Hochstaden, Erzbischof von Kölln und Gründer des Köllner Doms, Bonn 1843
1852
Erzbischof Andreas von Krain und der letzte Concilsversuch in Basel 1482-84, Basel 1852
1853
Die Zeit Constantins des Großen, Basel 1853 (Kettwig 1990)
1855
Der Cicerone. Eine Anleitung zum Genuß der Kunstwerke Italiens, 2 Bde., Basel 1855 (München 2001)
1855
Die Gegenreformation in den ehemaligen Vogteien Zwingen, Pfeffingen und Birseck des untern Bistums Basel am Ende des 16. Jahrhunderts, Basel 1855.
1860
Die Kultur der Renaissance in Italien. Ein Versuch, Basel 1860 (Frankfurt a. M. 2003)
1868
Die Geschichte der Renaissance in Italien, Stuttgart 1868 (München 2000)
1898
Das Altarbild - Das Porträt in der Malerei - Die Sammler, Beiträge zur Kulturgeschichte von Italien, Basel 1898
1898
Griechische Kulturgeschichte, hg. von Jakob Oeri, Berlin 1898
1905
Weltgeschichtliche Betrachtungen, hg. von Jacob Oeri, Berlin/Stuttgart 1905 (Basel/Stuttgart u. a. 1978)
1918
Jacob Burckhardt. Vorträge 1844-1887, im Auftrag der Historischen und Antiquarischen Gesellschaft zu Basel hg. von Emil Dürr, Basel 1918
1948
Jacob Burckhardt und Heinrich Wölfflin. Briefwechsel und andere Dokumente ihrer Begegnung 1882-1897, hg. von Joseph Ganter, Basel 1948.
1949-1960
[ohne Hg.] Briefe. Vollständige und kritisch bearbeitete Ausgabe mit Benutzung des handschriftlichen Nachlasses hergestellt, 4 Bde., Wiesbaden 1949-1960
2000ff
Jacob Burckhardt Werke, Kritische Gesamtausgabe, hg. von der Jacob Burckhardt-Stiftung, 27 Bde., Basel 2000ff.
2002
The Letters of Jacob Burckhardt, hg. von Alexander Dru, Indianapolis 2002
2003
Jacob Burckhardt. Vorträge 1870 - 1892, aus dem Nachlaß hg. von Maurizio Ghelardi, München 2003
Bauer, Stefan: Polisbild und Demokratieverständnis in Jacob Burckhardts Griechischer Kulturgeschichte, (Beiträge zu Jacob Burckhardt, Bd. 3), Basel/München 2001.
Betthausen, Peter (Hg.): Jacob Burckhardt und die Antike, Mainz 1998.
Buck, August: Jacob Burckhardt als Redner, in: HZ 121 (1920), 256-267.
Cesana, Andreas/Lionel Gossman (Hgg.): Begegnungen mit Jacob Burckhardt (1818-1897). Vorträge in Basel und Princeton zum hundertsten Todestag (Beiträge zu Jacob Burckhardt, Bd. 4), in Vorbereitung.
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Fest, Joachim C.: Wege zur Geschichte. Über Theodor Mommsen, Jacob Burckhardt und Golo Mann, Zürich 1992.
Fuhrmann, Horst: Jacob Burckhardt und die Zunft der Historiker, Köln 1991.
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Ghelardi, Maurizio : Jacob Burckhardt. Storia della coltura, storia dell'arte, Venedig 2002.
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a) Quellen
Die Cultur der Renaissance in Italien
http://www.gutenberg2000.de/autoren/burckhar.htm
Deutschlands größtes Literaturarchiv im Internet enthält neben einer Kurzbiografie Burckhardts "Die Cultur der Renaissance in Italien".
Anbieter: Hille Partner GbR, in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift "Der Spiegel"
b) Sekundärinformationen
Biografie
http://www.bautz.de/bbkl/b/Burckhardt_j_c.shtml
Das biographisch-bibliographische Kirchenlexikon - Biografie und besonders Literatur sehr umfangreich.
Anbieter: Verlag Traugott Bautz
Schweiz
http://www.dhs.ch/externe/protect/textes/d/D11647.html
großer Lexikonartikel über Leben und Werk Jacob Burckhardts.
Anbieter: Das Historische Lexikon der Schweiz
Erasmus von Rotterdam
http://www2.eur.nl/archief/2000/event_300.html
Kurzinfo zur Vorlesung von Jan van Herwaarden, Erasmus Universität Rotterdam
Erasmus von Rotterdam in Vergleich mit Burckhardt
Niederländisch -
Anbieter: Vereinigung niederländischer Erasmus-Institute
Geschichte als Kultur und Erziehung
http://www.janus.umd.edu/May2001/Melson/01.html
Artikel über das Werk Jakob Burckhardts in englischer Sprache von David Melson.
Anbieter: janus. The University of Maryland undergraduate History Journal
Lexikonartikel
http://www.kirjasto.sci.fi/burckha.htm
Ausführlicher Artikel über Leben und Werk in englischer Sprache mit umfangreichem Werke und Literaturverzeichnis.
Anbieter: Pegasos. Eine Seite zur elektronischen Literaturrecherche aus Finnland
Florian Kiuntke
01.09.2003
Erstellt: 03.03.2006
Zuletzt geändert: 03.03.2006
Index
- Adams, Herbert Baxter
- Bancroft, George
- Beard, Charles Austin
- Becker, Carl Lotus
- Benjamin, Walter
- Bloch, Marc
- Bossuet, Jacques
- Bourdieu, Pierre
- Braudel, Fernand
- Burckhardt, Jacob
- Burgess, John William
- Comte, Auguste
- Croce, Benedetto
- Dilthey, Wilhelm Christian Ludwig
- Droysen, Johann Gustav
- Elias, Norbert
- Foucault, Michel
- Gierke, Otto Friedrich von
- Gramsci, Antonio
- Heimpel, Hermann
- Hintze, Otto
- Kantorowicz, Ernst Hartwig
- La Blache, Paul Vidal de
- Lamprecht, Karl
- Macaulay, Thomas Babington
- Marx, Karl
- Meinecke, Friedrich
- Mignet, François
- Mommsen, Christian Matthias Theodor
- Montaigne, Michel Eyquem de
- Montesquieu, Charles
- Niebuhr, Barthold Georg
- Nietzsche, Friedrich
- Pirenne, Henri
- Rabelais, François
- Ranke, Franz Leopold von
- Rousseau, Jean-Jacques
- Savigny, Friedrich Carl von
- Schlözer, August Ludwig
- Schramm, Percy Ernst
- Taine, Hippolyte
- Tocqueville, Alexis Clérel de
- Treitschke, Heinrich von
- Troeltsch, Ernst
- Voltaire
- Weber, Max




