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Benjamin Ziemann 

Perspektiven der Historischen Friedensforschung 

aus: Benjamin Ziemann (Hrsg.): Perspektiven der Historischen Friedensforschung, Essen: Klartext-Verlag 2002 (Frieden und Krieg. Beiträge zur Historischen Friedensforschung, Bd. 1) 


Das um die Themen Frieden und Krieg, Gewalt und Gewaltlosigkeit kreisende Forschungsfeld in den Geschichts- und Sozialwissenschaften befindet sich seit einigen Jahren im Umbruch. Es ist dabei weiter, differenzierter und pluraler geworden. Seine sachliche und konzeptionelle Bedeutung in den genannten Wissenschaften hat sich eher vergrößert denn verkleinert. [1] Das Ende der Blockkonfrontation und die Wiederkehr des Krieges nach Europa im früheren Jugoslawien, der erinnerungspolitische und wissenschaftliche Streit um die Wehrmachtsausstellung und die sie tragende Institution oder die jüngst erfolgte Gründung einer "Deutschen Stiftung Friedensforschung" durch die Bundesregierung: diese Stichworte - deren Liste leicht verlängert werden könnte - bezeichnen politische, institutionelle und intellektuelle Facetten dieses Prozesses. Für die Historische Friedensforschung bedeuten diese Veränderungen zugleich neue Herausforderungen. Institutionell hat sie ihren Platz in der bundesrepublikanischen und internationalen Geschichtswissenschaft gefunden und inhaltlich viele wichtige Forschungsbeiträge erbracht. [2] Der spezifische konzeptionelle Zugriff und die Schwerpunkte der historischen Friedensforschung bedürfen jedoch weiterer Überlegungen.

Dafür lassen sich zumindest drei Gründe nennen. Ganz allgemein läßt sich sagen, daß auch nach den seit 1989/90 erfolgten politischen Umwälzungen der Traum von einer gewaltfreien Moderne problematischer denn je erscheint. Diese Vorstellung und ihre Desavouierung in der Realität ist ein gesellschaftliches Problem. Darin liegt jedoch auch eine fortwährende Herausforderung an die mit der modernen Welt befaßten Sozialwissenschaften. Sie haben die theoretische und wissenschaftsgeschichtliche Dimension der Vorstellung eines Fortschritts hin zur Gewaltfreiheit als eine Bedingung ihrer eigenen Arbeit fortwährend kritisch zu reflektieren. [3] Dies gilt in besonderem Maße für jede Form der Friedensforschung. Denn diese hat sich durch ihre normativen Prämissen besonders hohe Erwartungen an die Ergebnisse ihrer Arbeit aufgebürdet - und steht damit eben jederzeit in der Gefahr, diese enttäuschen zu müssen. Des weiteren ist daran zu erinnern, daß die historische Friedensforschung sich stets auf die Begriffe und Konzepte der sozialwissenschaftlichen Friedensforschung bezogen hat. Unter welchen Bedingungen der Rückgriff auf bestimmte sozialwissenschaftliche Konzepte sinnvoll ist, ist für den Historiker jedoch periodisch einer Prüfung zu unterwerfen. Schließlich steht die historische Friedensforschung vor der Aufgabe, sich inhaltlich auf die Durchsetzung von neuen Konzepten in der Geschichtswissenschaft zu beziehen und die bislang versäumte Klärung von zentralen Begriffen ihrer Arbeit voranzutreiben. 

Die in diesem Band versammelten Aufsätze wollen dazu einen ersten Beitrag leisten. Die einleitenden Bemerkungen versuchen, Hinweise zur Strukturierung dieses inhaltlich und methodisch pluralen Forschungszweiges zu bieten. Dazu werden zunächst (I.) die Geschichte, die Wertorientierung und die beiden zentralen Begriffe der Historischen Friedensforschung diskutiert. In einem zweiten Schritt (II.) werden Forschungsfelder und methodische Perspektiven sowie einige Desiderate skizziert. 

I. 

Die historische Friedensforschung ist ein Nachzügler. Ihre Entwicklung erfolgte mit einer gewissen Verzögerung gegenüber der sozial- und politikwissenschaftlichen Friedensforschung. Diese in den Jahren nach 1945 neu begründete und institutionalisierte wissenschaftliche Disziplin verdankte sich einer besonderen Konstellation, die sich aus der nordamerikanischen Wissenschaftsszene in den 1950er und 1960er Jahren rasch nach Norwegen, Schweden und in andere Länder verbreitete. Drei Momente trafen dabei zusammen. [4] Erstens stellte die UNESCO - beginnend mit dem 1947/48 durchgeführten "Tension-Project"[5] - fortlaufend beträchtliche Summen zur Förderung von Forschungen über die Natur der menschlichen Aggressivität und die Ursachen und Lösungsmöglichkeiten internationaler Konflikte zur Verfügung. Ohne ein derartiges politisches Interesse und die damit verbundene finanzielle Hege hätte sich diese Forschungsrichtung in dieser Geschwindigkeit nie entwickelt. Sozialpsychologische, soziologische und politikwissenschaftliche Ansätze wurden bei diesen Arbeiten gleichermaßen verfolgt. Entscheidend war jedoch - zweitens - die dominant behavioristische und struktur-funktionale Grundorientierung der beteiligten Wissenschaftler, und zwar vor allem jener Mehrheit von ihnen, die in den ersten beiden Dekaden über das System internationaler Beziehungen arbeitete. Friedensforschung war eine Form der sozialen Physik, die aus der makrosoziologischen Analyse von 'Tatbeständen' und Gesetzmäßigkeiten einen direkten Durchgriff auf anwendungsorientierte, praktisch umsetzbare Ergebnisse versprach. [6] Die spezifische Modellierung des Friedensbegriffs, der als Höchstwert allen Bemühungen zugrunde lag, und seine Auswirkungen auf die empirische Verifikation wissenschaftlicher Thesen lag dabei zunächst außerhalb jeder Reflexion. Dies verweist - drittens - auf das zentrale Motiv, das der Durchsetzung einer neuen Disziplin zugrunde lag. Friedensforschung bezweckt nicht nur die analytische Beschreibung des Friedens oder seine Erhaltung. Ihre Ziele sind weitaus umfassender, man könnte auch sagen: maßlos weit gefaßt. Es ging und geht langfristig um den Aufbau einer neuen Form von Gesellschaft, und kurzfristig darum, das Überleben der Menschheit unter der Bedingung eines jederzeit möglichen atomaren Konflikts zu sichern. Auch nach dem Ende des Kalten Krieges ist nicht mehr und nicht weniger als die "Existenzerhaltung der Menschheit" das eigentliche Ziel der Friedensforschung. [7] 

Nach dem Vorbild der amerikanischen und skandinavischen Pioniere erfolgte die Institutionalisierung der Friedensforschung in der Bundesrepublik seit Ende der 1960er Jahre wie im Zeitraffer, wobei das vorhandene Personal durch den boomenden Betrieb "bis zur Erschöpfung ausgepreßt" wurde. [8] Dafür waren wohl nicht nur die sozialliberale Reform- und Entspannungspolitik und das politische Interesse der Studentenbewegung maßgeblich, sondern ebensosehr die sozialwissenschaftlich-kritische Reformulierung der Curricula in der Bildungsreform. Von großer Bedeutung war ferner die in allen Bereichen der Politik durchschlagende Planungseuphorie, die über die Wissenschaftsförderung unmittelbar auf all jene gesellschaftswissenschaftlichen Ansätze und Disziplinen wirkte, die sich als 'anwendungsorientiert' darstellen konnten. [9] 

Im Kontext dieser wissenschaftsexternen Interventionen und Anreize, sich mit dem 'Frieden' als Thema zu befassen, und der daraus resultierenden Inflationierung des Versprechens, darüber etwas 'Wahres' aussagen zu können[10], nahm dann auch der historische Zugang zur Friedensforschung seit Anfang der 1970er Jahre aufgrund individueller Initiativen konkrete Gestalt an. [11] Die Arbeit an der Institutionalisierung eines "Arbeitskreises für Historische Friedensforschung", die 1984 schließlich dauerhaft erfolgte, gestaltete sich zunächst auch deshalb schwierig, weil die Förderpolitik der als zentrale Anlaufstelle konzipierten 'Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Konfliktforschung' zu diesem Zeitpunkt in die Kritik geriet. Im übrigen waren die 'claims' zu diesem Zeitpunkt bereits abgesteckt. [12] Implizite Spannungen zwischen historischer und sozialwissenschaftlicher Friedensforschung ergaben sich aber nicht nur aus der Konkurrenz um knappe Ressourcen, sondern auch aus einem konzeptionellen Charakteristikum letzterer. War diese doch, wie Nicolaus Sombart 1968 hellsichtig formulierte, ein Zwilling der "Zukunftsforschung" und widmete sich als solcher der szientistischen Reformulierung utopischer Hoffnungen auf eine bessere Welt. [13] Die Beschäftigung mit Frieden und Friedensbemühungen in der Vergangenheit war dafür ein entbehrlicher Luxus. Dies hinderte jedoch die historische Friedensforschung nicht daran, in ihrer ersten systematischen Ausformulierung gerade die Rezeption und Anwendung von Modellen und Theoremen ihres sozialwissenschaftlichen Vetters als entscheidenden Vorzug anzupreisen, der die neue Konzeption von der seit langem in mannigfacher Weise praktizierten geschichtswissenschaftlichen Beschäftigung mit Themen wie Krieg und Frieden unterscheide. [14] 

Die seit Mitte der 1980er Jahre in rascher Folge publizierten Forschungsarbeiten der historischen Friedensforschung haben innerhalb der Geschichtswissenschaft eine überwiegend positive Resonanz gefunden, die insbesondere die empirisch-fachwissenschaftliche Qualität der einzelnen Beiträge hervorgehoben hat. [15] Dabei ist allerdings auch die Frage aufgeworfen worden, ob es konzeptionell eine "eigenständige Qualität" der historischen Friedensforschung gebe, die über die wohlwollend-kritische Behandlung kriegsgegnerischer Personen [16] und Prozesse sowie die Orientierung der Forscher am Grundwert des Friedens hinausweise. Gerade im Hinblick auf die vielfachen Überschneidungen mit einer sozial- und gesellschaftsgeschichtlich orientierten und damit "auch die Gegentendenzen thematisierenden Kriegs- und Militärgeschichte", die bekanntlich in den letzten Jahren einen erheblichen Aufschwung genommen hat, sei ein eigenständiges Profil der historischen Friedensforschung nur schwerlich zu erkennen. [17] 

In der Tat läßt sich feststellen, daß die wichtigsten Themenfelder und Erklärungsansätze der historischen Friedensforschung auch in vielen geschichtswissenschaftlichen Arbeiten gerade im Bereich der Zeitgeschichte behandelt werden, welche nicht unter diesem Rubrum firmieren. [18] Dieser Befund verweist zunächst darauf, daß ein an der Norm des Friedens orientiertes aufklärerisches Erkenntnisinteresse ungeachtet mancher Vertreter bellizistischer Positionen in Publizistik und Gesellschaftswissenschaften[19] zwar vielleicht nicht überall geteilt, aber doch eher ignoriert [20] als offen attackiert wird. Als eine wissenschaftlich legitime Fragestellung ist Friedensforschung weitgehend unstrittig. Zwar hat es jüngst nicht an einem Versuch gefehlt, die friedenswissenschaftliche 'Instrumentalisierung' der Militärgeschichte als ebenso problematisch hinzustellen wie ihre frühere Vereinnahmung für Zwecke der militärischen Mobilisierung. So sei etwa die Frage, ob Hochrüstung den Frieden eher sichere als Abrüstung, wissenschaftlich gar nicht zu entscheiden. [21] Diese Position ist nicht nur in ihrer irrtümlichen Berufung auf das 'Objektivitätsideal' der Weberschen Wissenschaftslehre unhaltbar. [22] Sie ist zudem schlichtweg inkompatibel mit den Befunden der Geschichtswissenschaft, die den Konnex von Wettrüsten und Kriegsbereitschaft etwa am Beispiel des Ersten Weltkrieges seit langem erhärtet hat. [23] 

Es scheint dennoch wenig hilfreich, das Profil der historischen Friedensforschung allein in der Fixierung auf die normative Orientierung am Frieden und einem daraus folgendem Erkenntnisinteresse zu suchen. Es ist gut zu wissen und auch ein mit Bedacht gesetztes wissenschaftspolitisches Signal, daß die Vertreter der historischen Friedensforschung sich nicht nur beiläufig, sondern ganz explizit der regulativen Idee des Friedens verpflichtet haben. Aus dem Rückgriff auf die gegenwärtig dominante Alltagsmoral (die den Frieden als eines der wichtigsten politischen Ziele ansieht und deshalb selbst jeden gravierenden Verstoß gegen ihn durch die verbale Berufung auf seine Sicherung legitimiert) ist jedoch noch nicht unmittelbar eine wissenschaftlich produktive Fragestellung gewonnen. Jede Berufung auf den Frieden wirft zudem das Problem der begrifflichen Zuschreibung auf. Ist Frieden dabei als Abwesenheit der sog. 'strukturellen Gewalt', als ein der Möglichkeit nach gewaltfreier Zustand oder vielmehr als das stets unabgeschlossene Bemühen um die institutionelle Einhegung von physischer Gewalt zu verstehen? Denn je nach der gewählten Option ist damit die Gefahr verbunden, Erkenntnischancen in "normativ vorgeschriebener Blindheit" gegenüber dem Phänomen der Gewalt und seinen Paradoxien sogar explizit zu verfehlen. [24] Welche Untersuchungsgegenstände und Konzepte man für die historische Friedensforschung als 'relevant' ansehen mag, hängt unmittelbar mit der genaueren Bestimmung ihrer analytischen Grundbegriffe zusammen. [25] Eine intensive Debatte um die beiden zentralen, komplementär aufeinander bezogenen Begriffe "Gewalt" und "Frieden" hat bislang nicht stattgefunden, und zwar aus vorwiegend pragmatischen Gründen. [26] Es ist eines der Ziele des vorliegenden Bandes, diese überfällige Debatte anzustoßen und so zu konturieren, daß sie für weitere Auseinandersetzungen anschlußfähig wird. Dazu im folgenden einige knappe Überlegungen. 

Begriff und Gegenstand der Gewalt sind inzwischen seit einer Reihe von Jahren Gegenstand einer Hochkonjunktur wissenschaftlicher Arbeiten im Bereich der empirischen Soziologie, der Geschichtswissenschaft und auch der ethisch-philosophischen Metareflexion. [27] Anders als in der jüngeren sozial- und kulturgeschichtlichen Forschung, die sich von vornherein explizit dem Phänomen der physischen Gewalt zugewendet hat, war die historische Friedensforschung zumindest in den 1970er Jahren teilweise vom Begriff der "strukturellen Gewalt" beeinflußt. [28] Dieser Begriff ist zuerst 1969 durch Johan Galtung formuliert worden, der in einem bis heute als zentrale Referenz dienenden Aufsatz "personelle", in einer Handlungssequenz durch Akteure ausgeübte Gewalt von "struktureller" unterschied, welche in die Strukturen der Gesellschaft eingelassen sei. Beiden Ausprägungen der Gewalt lag ein gemeinsamer Oberbegriff zu Grunde, demzufolge Gewalt als eine Beeinflussung von Menschen zu verstehen sei, die dazu führe, daß ihre aktuelle somatische und mentale Existenz unter der potentiell Möglichen verbleibe. [29] In den 1990er Jahren hat sich zu diesen beiden Formen der Begriff der "kulturellen Gewalt" gesellt, verstanden als "jene Aspekte der Kultur [...], die dazu benutzt werden können, direkte oder strukturelle Gewalt zu rechtfertigen oder zu legitimieren". [30] 

Der Begriff der strukturellen Gewalt hat sich seit seiner ersten Verwendung in Windeseile in der internationalen Friedensforschung, in den westeuropäischen und nordamerikanischen Friedensbewegungen und in denjenigen Teilen der linksliberalen Öffentlichkeit verbreitet, in denen die Zusammenhänge zwischen dem Rüstungswettlauf des Kalten Krieges und der Unterentwicklung in der sog. 'Dritten Welt' zentral auf der politischen Agenda standen. [31] Der Charme dieses Begriffs bestand nie in seiner theoretischen Plausibilität, sondern darin, daß er das positive gesellschaftliche Neuordnungsversprechen der Friedensforschung bündig zusammenfaßte und damit erlaubte, in der Konkurrenz zu den etablierten Wissenschaftsdisziplinen und in der Arena der politischen Öffentlichkeit unter dieser Flagge zu segeln. Die in diesem Begriff liegende Verheißung einer möglichst umfassenden Realisierung der im Menschen angelegten physischen und geistigen Potentiale implizierte zunächst eine eher rechenhaft-bilanzierende Kritik an den Kosten und der Ungerechtigkeit des kapitalistischen Weltsystems. [32] Erst in einer späteren Phase verschmolz der Begriff mit einer fundamentalen Kritik des westlichen Rationalitätsmodells, dessen per se friedlosen kristallinen Strukturen das buddhistische 'Nirvana' als eine positiv konnotierte Form der Entropie entgegengesetzt wurde. [33] Diese explizite religiöse Aufladung der Friedensidee durch Galtung vermittelt bereits einen ersten Hinweis darauf, welche Aufgaben sich bei der künftig nötigen Säkularisierung des Friedensbegriffs stellen. 

Die Problematik des Begriffs der 'strukturellen Gewalt' liegt nicht allein in seiner schwierigen Operationalisierbarkeit begründet, welche die sozialwissenschaftliche Friedensforschung verschiedentlich beschäftigt hat. [34] Sie liegt vielmehr im Sinn wissenschaftlicher Begriffsbildung, sowie in den Schwierigkeiten, die ad hoc gebildete Begriffe mit sich bringen, die nicht an hinreichend ausdifferenzierte und komplexe sozialwissenschaftliche Theoriebildungen anschließen. Der Sinn wissenschaftlicher Begriffe liegt darin, daß sie Unterschiede markieren und erlauben, mit dieser Differenz Sachverhalte zu beschreiben und theoretische Beobachtungen daran anzuknüpfen. [35] Für diese Selektionsleistung ist es generell sinnvoll, den Inhalt oder die Intension, also jene Merkmale, die allen im Umfang des Begriffes befindlichen Dingen gemeinsam sind, nicht über Gebühr auszudehnen, da der Begriff sonst unscharf wird. [36] Genau dies tut jedoch der Begriff der 'strukturellen Gewalt', der in sich tendenziell alle Formen der sozialen Ungleichheit, der 'Deprivation' und der vorenthaltenen Bedürfnisbefriedigung einschließt. Die Differenzierung des Gewaltbegriffs in 'direkte', 'strukturelle' und 'kulturelle' Gewalt führt zur Entdifferenzierung der wissenschaftlichen Analysefähigkeit. Nach Meinung seiner Befürworter weist das Konzept der 'strukturellen Gewalt' auf die "Reproduktionszusammenhänge einer Gesellschaft als Ganzes" hin, welche eine mangelnde Bedürfnisbefriedigung großer Bevölkerungsgruppen bewirken. [37] Aber gerade die Gesellschaft als "Ganzes" läßt sich nicht in einem Begriff fassen, sondern nur in ihrer Differenz zur nichtgesellschaftlichen 'Umwelt' und intern durch ein Bündel von Leitunterscheidungen konzeptualisieren. Begriffe und Konzepte wie das der Differenzierung von marktbedingten 'sozialen Klassen' oder von 'Inklusion' und 'Exklusion'[38] - um nur einige zu nennen -, stehen in der Theoriebildung zur Verfügung, um die von Galtung begrifflich verfehlten Formen sozialer Ungleichheit zu erfassen. Die durch technokratische 'Sachzwänge' in den Ländern der sog. 'Dritten Welt' bewirkte Verelendung läßt sich als Form "datensetzender Macht" begreifen. [39] Für die Analyse der Legitimierung physischer Gewalthandlungen in Texten und Sprechakten steht das Instrumentarium der Diskursanalyse zur Verfügung, welche die empirisch vorfindlichen Regeln legitimen Sprechens auf methodisch kontrollierte Weise untersucht. Einen eigenen Gewaltbegriff benötigt man dafür nicht. Ob man im Einzelfall überhaupt von 'Gewalt' sprechen kann, wird ja durch solche Diskurse mit reguliert, und so ist die Rede von der 'kulturellen Gewalt' wohl eher als ein verfehlter Versuch zu verstehen, in dieses politische Feld mit einem wissenschaftlichen Begriff einzugreifen. [40] 

Statt des überholten Konzepts der 'strukturellen Gewalt' stößt das von Heinrich Popitz vorgeschlagene Programm einer "Phänomenologie der Gewalt" auch in der historischen Friedensforschung auf Resonanz. [41] Popitz folgt mit seiner Bestimmung von Gewalt als einer "Machtaktion, die zur absichtlichen körperlichen Verletzung anderer führt"[42], explizit den Regeln wissenschaftlicher Definition, indem er Gewalt als eine spezifische Art der - hier als Gattungsbegriff fungierenden - Macht(ausübung) zu präzisieren versucht. Er erlaubt damit zugleich, an die in der Soziologie entwickelten Theorietraditionen zur Beschreibung von 'Macht' anzuschließen. Das spezifisch 'phänomenologische' Ziel dieses Ansatzes besteht darin, die abstrakte variablensoziologische Erörterung von möglichen Ursachen der Gewalt durch eine genaue Beschreibung der sich aktuell und in der Vergangenheit zeigenden Gewalthandlungen selbst zu ersetzen. Das Bemühen um eine umfassende kausale Erklärung von Gewalt wird damit jedoch keineswegs aufgegeben. Vielmehr verbindet sich damit die Prämisse, durch das deutende Verstehen eine angemessene ursächliche Erklärung von Gewalt als einer speziellen Form des sozialen Handelns überhaupt erst leisten zu können. [43] 

Die neuerliche Präzisierung des Gewaltbegriffs durch Popitz vermag der historischen Friedensforschung wichtige Impulse zu geben. Weiterer Diskussion bedürfen dabei allerdings einige konzeptionelle Schlußfolgerungen, die in den Beiträgen dieses Bandes kontrovers beurteilt werden. Zur Debatte steht zum einen die Bandbreite möglicher Gewaltformen, die zum Gegenstand der Historischen Friedensforschung werden sollten. Dirk Schumann plädiert dafür, das gesamte Kontinuum möglicher Gewalthandlungen "von der Ohrfeige bis hin zur Mitwirkung an Krieg und Massenmord" zu untersuchen. Nicht nur aus forschungspragmatischen, sondern auch aus konzeptionellen Gründen plädiert Wolfgang Knöbl dagegen für eine Eingrenzung sinnvoller Untersuchungsstrategien auf die Formen organisierter Gewalt auf der Makro- und Mesoebene der Vergesellschaftung, welche durch staatliche Institutionen repräsentiert wird. Dieser Vorschlag trifft sich mit dem Interesse der Historischen Friedensforschung (und der Historiker generell) an der Analyse des Krieges als Form staatlich legitimierter und ausgeübter Makrogewalt. Er beinhaltet allerdings den Vorschlag, mit Hilfe der neo-institutionalistischen Theorie die Dynamik und die Ambivalenzen staatlicher Gewaltausübung weitaus differenzierter zu analysieren, als es in den bisher von Seiten der Geschichtswissenschaft vorliegenden Arbeiten geschehen ist. [44] 

Diskussionsbedarf besteht zum anderen im Hinblick auf die begriffliche und forschungspraktische Integration aggressionstheoretischer Überlegungen in die Gewaltanalyse. Heinrich Popitz hat mit Entschiedenheit darauf hingewiesen, daß eine Friedensforschung, die sich "im wesentlichen" auf Aggressionstheorien stütze, auf tönernen Füßen stehe. Demgegenüber sei etwa auf gänzlich "nüchtern" oder "gedankenlos-gelangweilt" vollzogene Gewalthandlungen zu verweisen. Zu bedenken sind auch Konstellationen, in denen gerade die Distanzierung zwischen Täter und Opfer und die Anonymität der letzteren das Geschäft der Verletzung und Tötung erleichtert. [45] Die Historische Friedensforschung hat eine aus Feindbildern resultierende innere und äußere Aggressionsbereitschaft am Beispiel des deutschen Kaiserreichs frühzeitig thematisiert und daraus Schlußfolgerungen für die Gewaltdisposition von politischen Eliten und breiten Bevölkerungsschichten gezogen. [46] 

In seinen Thesen zur konzeptionellen Weiterentwicklung der Feindbildanalyse plädiert Sven Reichardt für eine behutsame Integration aggressionstheoretischer Überlegungen in die historische Gewaltforschung. Er weist jedoch auf die nötigen Vermittlungsschritte hin, die zur Umsetzung von Frustrationserfahrungen in aggressiv motivierte Gewalthandlungen nötig sind. Die Vorstellung eines mechanistisch-automatischen Zusammenhanges von Ursache und Wirkung sei verkürzend. [47] Entscheidend für die ergiebige Weiterführung dieser Fragestellung dürfte die Erarbeitung von gut dokumentierten Mikroanalysen sein, in denen das Ineinandergreifen verschiedener Momente von Gewalthandlungen exemplarisch dargestellt werden kann. Dabei wären nicht zuletzt Fälle spontaner Gewaltausübung zu untersuchen. Denn diese widersprechen einer impliziten anthropologischen These, die vielen Theorien der sozialwissenschaftlichen Friedensforschung und wohl auch manchen Versionen des Programms der Feindbildforschung zu Grunde liegen. Demnach werde der Mensch erst durch soziale oder kognitive Konditionierung zur Gewalt erzogen. Demgegenüber beharrt die phänomenologische Gewaltforschung auf der Kontingenz menschlicher Gewaltsamkeit. Der Mensch müsse nie, könne aber stets gewaltsam handeln. [48] 

Die intensive Diskussion eines präzisen Gewaltbegriffes und seiner Implikationen mag den Anschein erwecken, als werde der Friedensbegriff nachrangig behandelt. Dieser Anschein trügt. Denn "Frieden" und "Gewalt" - und nicht etwa "Krieg" und "Frieden" - sind als Leitbegriffe der Friedensforschung komplementär miteinander verbunden. Jede mögliche Option für die Definition von "Frieden" beinhaltet jeweils eine bestimmte Modellierung und Akzentuierung des Gewaltbegriffs sowie entsprechende Forschungsstrategien - und umgekehrt. Dieses Problem ist in der sozialwissenschaftlichen Friedensforschung seit langem bekannt und hat dort zu der zuweilen als "Dilemma" empfundenen Spaltung in eine "traditionelle" und eine "kritische" Strömung geführt. Diese kommunizieren indes nicht nur wissenschaftlich, sondern auch mit den mehr oder minder feinen Usancen der diskursiven Ausgrenzung und der Verbalinjurie. [49] Festzuhalten bleibt, daß die sozialwissenschaftliche Friedensforschung keinen kohärenten Friedensbegriff gebildet und verfolgt, sondern die historisch bereits vorfindliche Polyphonie von Angeboten noch erheblich gesteigert hat. Die Auffassungen über den Frieden als Gegenstand der Friedensforschung gehen in dieser selbst so weit auseinander "wie kaum zuvor". [50] Die weithin übliche Kontrastierung eines 'negativen' von einem 'positiven' Frieden, die sich im Gefolge von Galtungs Gewaltbegriff durchgesetzt hat, trifft nur einen Ausschnitt aus einem breiten Spektrum. [51] Eine präzise und auch historiographisch operationalisierbare Definition des Friedens läßt sich nur dann treffen, wenn man dessen Gegenstandsbereich von vornherein auf die Ebene des Systems der internationalen Beziehungen und der in ihm anzutreffenden Konflikte eingrenzt. [52] Es ist Ernst-Otto Czempiel zuzustimmen, wenn er darauf hinweist, daß auch der als 'negativ' bezeichnete Friedensbegriff der internationalen Beziehungen in sich äußerst voraussetzungsvoll ist und viele Elemente dessen enthält, was auf den 'positiven' Frieden hinführt. Die historische Friedensforschung ist dennoch wohl gut beraten, angesichts der sich gegenseitig diskriminierenden Friedensbegriffe nicht einem zu folgen, sondern das gesamte Modell der Klassifikation sich graduell steigernder Friedlichkeiten einer Strategie der Historisierung zu unterwerfen und damit die eigentliche Kompetenz der Geschichtswissenschaft zu stärken. Auf drei mögliche Optionen dafür soll hier kurz hingewiesen werden. 

Die erste zielt auf eine Historisierung des positiven Friedens und der mit ihm avisierten politischen Ordnungsmodelle. Am Beispiel der frühneuzeitlichen Bildtraditionen weist Thomas Kater darauf hin, daß der positive Friede stets nur mittelbar zum Gegenstand der Betrachtung werden kann, nämlich durch die Summe der ihm beigeordneten bildlichen und begrifflichen Attribute. [53] Die vergangene Wirklichkeit von 'Frieden' besteht ganz wesentlich in dem möglichen Handlungsraum, den dieser Begriff semantisch durch Inklusion und Exklusion definiert und mit wandelnden Bedeutungen aufgeladen hat. Ganz allgemein verweist dieser Befund auf das dringende Desiderat einer umfassenden, nicht nur den akademischen 'Höhenkamm' erfassenden Begriffs- und Diskursgeschichte des 'Friedens', die über das für die 'Geschichtlichen Grundbegriffe' prägende Konzept der 'Sattelzeit' hinaus bis unmittelbar an die Schwelle der Gegenwart fortzuführen wäre. [54] 

Dieses Bemühen um semantische Historisierung läßt sich ergänzen und präzisieren, wenn man die spezifische Zeitstruktur bedenkt, in dem der Frieden als ein 'noch nicht' vollständig durchgesetztes Ziel bislang immer zu denken ist. Moderne Gesellschaften können sich kaum auf eine tiefgreifende Erfahrung des Friedens beziehen; sie prozedieren vielmehr ganz wesentlich im Modus der Erwartung des Friedens. Sie werten damit einen Begriff auf, mit dem sich in erster Linie die strukturelle Empfindlichkeit gegen eine Verkürzung der Lebenserwartung bündig symbolisieren läßt. Frieden ist ein "Gegenangstbegriff". [55] In diesem Sinne war z.B. der pazifistische Protest gegen die Wiederbewaffnung und den 'Atomtod' in der Bundesrepublik der 1950er Jahre nicht etwa ein Ausdruck der Kriegsmüdigkeit und der negativen Erfahrungen, die man mit dem Zweiten Weltkrieg verband. Er symbolisierte vielmehr die Angst vor dem Kalten Krieg und vermittelte den geordneten Übergang der Deutschen von den Traumata der Nachkriegszeit in die unter US-amerikanischer Hegemonie wachsende Wohlstandsgesellschaft. [56] 

In diesem Verständnis sollte sich die historische Friedensforschung um eine Historisierung der Friedenserwartung bemühen. Dabei lassen sich zum einen die Zuschreibungen und Konnotationen analysieren, welche den Friedensbegriff neuerdings nicht nur mit Lebens-, sondern auch mit Renten-, Wohlstands- und Souveränitätserwartungen aufladen. [57] In diesem Sinne stellt es nicht eine trennscharfe Begriffsdefinition, sondern ein aus der Geschichte des deutschen Protestantismus und seiner spezifischen Gewissenskultur historisch zu erklärendes Phänomen dar, wenn der umfassende Friede an die als möglich erwartete "Befreiung von Täuschung und Schuld" gekoppelt wird. [58] Andererseits ist gerade ein derart auf "Erwartungsverläßlichkeit" zielender Friedensbegriff [59] in besonderem Maße anfällig für Enttäuschungen. Dementsprechend sollte die Historisierung der Friedenserwartungen in eine "Phänomenologie der Enttäuschungen" einmünden und damit diesen quasi naturwüchsigen Prozeß in ein Motiv der historischen Erkenntnis (im Sinne der Ent-Täuschung) ummünzen. [60] 

Dabei kämen nicht zuletzt die gesellschaftlich notwendigen Agenturen der "Enttäuschungsabwicklung" in den Blick, die dieses Problem bearbeiten. [61] Für die gesellschaftliche Selbstbeschreibung waren hier in früheren Zeiten die christlichen Kirchen allzuständig, insbesondere unter Gebrauch des Theodizee-Konzeptes. Diese Möglichkeit hat sich jedoch seit dem Ersten Weltkrieg nicht nur in der theologischen Fachdiskussion, sondern auch in der lebensweltlichen Überzeugungskraft bei der Masse der Gläubigen endgültig verbraucht. [62] In einer langen Übergangsphase des 19. und 20. Jahrhunderts haben sich weiterhin auch die Friedensbewegungen selbst diese Aufgabe zu eigen gemacht, was vielleicht zum Teil ihr schlechtes Image in der Öffentlichkeit erklärt. Niemand möchte sich gerade vom werblichen Propagandisten einer Ware sagen lassen, daß sie momentan nicht verfügbar ist. In jüngster Zeit ist die Friedensforschung an die Stelle beider getreten. Sie erklärt, warum Frieden zwar im Prinzip jederzeit, aber im Moment noch nicht möglich zu sein scheint. Ob diese funktionale Verschiebung als 'Fortschritt' zu fassen ist, sei hier dahingestellt. [63] 

Auf einer funktionalen Ebene versprechen die seit einigen Jahren auch hierzulande mehr und mehr nachgefragten Angebote der Mediation, die jedem Scheitern einer einvernehmlichen Konfliktlösung innewohnende Enttäuschung zu kompensieren und Auseinandersetzungen verschiedenster Größenordnung doch noch einer Lösung zuzuführen. Ulrich Bröckling historisiert und problematisiert diese Konjunktur einer Pazifizierungstechnik in einer an Michel Foucaults Begriff der "Gouvernementalität" angelehnten Perspektive. [64] Dabei geht es nicht darum, diese oder andere Formen gewaltloser Konfliktbewältigung als subtile Form der Manipulation oder sozialen Kontrolle zu denunzieren. Das Ziel einer solchen Analyse ist vielmehr, die implizite Anthropologie und die politisch-sozialen Ordnungsmodelle und -versprechen herauszupräparieren, die dem professionalisierten Mediationsangebot zu Grunde liegen. Eine solche Analyse vermag die Verhaltenszumutungen und Kosten aufzuzeigen, die das am Modell der 'rational-choice' orientierte neoliberale Schlichtungskonzept der "Befriedung durch Befriedigung" (Bröckling) jedem aufbürdet, der sich auf es verläßt. 

Eine dritte wichtige Option für die Historisierung des Friedensbegriffs betrifft dessen innere Verbindung zum Begriff der Gewalt. Jeder Friedensbegriff, ob positiv oder negativ, formuliert implizit oder explizit einen Horizont der möglicherweise zu seiner Sicherung nötigen Gewaltanwendung. In neueren Theorien geschieht dies zumeist in der Vorstellung eines zivilisatorisch notwendigen, staatlichen Gewaltmonopols - wobei hier offen bleiben muß, inwieweit diese 'Notwendigkeit' auch aus einer a priori erfolgenden Normsetzung folgt. [65] Diese Beobachtung wird von Birgitta Nedelmann zu der Forderung an die historische Friedensforschung erweitert, diese möge sich gerade mit jenen Gewaltformen beschäftigen, die zur Bewältigung von Gewalt und damit zur Durchsetzung des Friedens nötig sind. [66] Demzufolge käme es darauf an, die in der Bewältigung von Gewalt durch Gewalt liegenden strukturellen und personellen Ambivalenzen zum Gegenstand der Historisierung zu machen und damit die Bedingungen und die Ambivalenzen des Prozesses der Friedensstiftung aufzuzeigen. Dies betrifft nicht zuletzt die Verfahrensweisen und -regeln jener Institutionen wie etwa der international zusammengesetzten 'peace-keeping-forces', die mit dem Geschäft der Friedensstiftung durch Gewaltbewältigung praktisch beschäftigt sind. [67] 

Alle drei skizzierten Optionen lassen sich zu der Schlußfolgerung bündeln, daß die historische Friedensforschung die Geschichte des Friedens nicht an einem abstrakten begrifflichen Maßstab messen und damit der kurzschlüssigen identitätspolitischen Hilfestellung für die aktuelle Friedenspolitik zuführen sollte. Die besonderen Erkenntnischancen der Geschichtswissenschaft liegen nicht nur in der "Abwehr überzogener Erwartungen" an die Lerneffekte aus der Geschichte des Friedens[68], sondern vielmehr noch in der Rekonstruktion der widersprüchlichen Bedingungen, unter denen Frieden zum Gegenstand kollektiver Erwartungen geworden ist. 

II. 

Mit der Diskussion von Gewalt und Friede als Leitbegriffen sind konzeptionelle Probleme angesprochen, die in der einen oder anderen Weise alle Themenfelder der historischen Friedensforschung betreffen. Zugleich entwickeln sich diese Forschungsfelder in Auseinandersetzung mit der allgemeinen historischen Fachdiskussion und den methodischen Angeboten der benachbarten Sozialwissenschaften eigenständig weiter, stagnieren im Einzelfall aber auch. Neue Ansätze und Themen kommen hinzu. Der vorliegende Band ist nicht als eine umfassende Bestandsaufnahme der einzelnen Arbeitsgebiete der historischen Friedensforschung und ihrer Erträge intendiert. [69] Seine Beiträge beziehen sich vielmehr in selektiver Weise auf die vorliegenden Arbeiten und versuchen von dort aus, neue Fragen und Ansätze zu diskutieren. 

Dabei fällt zunächst auf, daß manch 'klassisches' Thema der Historischen Friedensforschung (und der Geschichtswissenschaft allgemein) seit einer Reihe von Jahren praktisch kaum noch substantiell untersucht worden ist. [70] Einigermaßen nachvollziehbar scheint dies zumindest noch für die historische Forschung über Kriegsursachen. Diese hatte sich in den 1970er Jahren vor allem mit den Ursachen des Ersten Weltkrieges auseinandergesetzt. Dabei spielte auch die kritische Auseinandersetzung mit einer rein quantifizierenden Thesenbildung in der Politikwissenschaft eine Rolle. In dieser Konzentration auf ein historisches Ereignis ist die Fragestellung stagniert, obwohl inzwischen eine Fülle von empirischem Material zu den Ursachen verschiedener Kriege vorliegt, das einer historischen Neubewertung harrt. [71] Intellektuell und forschungsgeschichtlich rätselhaft bleibt dagegen die Tatsache, daß das Themenfeld Rüstung und Abrüstung seit geraumer Zeit nicht mehr in systematischer Perspektive monographisch bearbeitet worden ist. [72] Gehört Rüstung - verstanden als Prozeß der Bereitstellung von Gewaltmitteln - doch in der neueren Geschichte zu den wichtigsten Voraussetzungen dafür, daß gewaltförmige Konfliktlösungen bei kollektiven Akteuren nicht nur auf Akzeptanz stoßen, sondern überhaupt empirisch umsetzbar sind. Die politikhistorische Analyse von Rüstungen kann die damit verbundenen Herrschaftskonflikte offenlegen und so verdeutlichen, daß Rüstung kein naturwüchsiger Prozeß ist. [73] Unter Berücksichtigung neuerer techniksoziologischer Perspektiven läßt sich zudem die symbiotische Beziehung zwischen sozialen Netzwerken und technischen Aktanten aufzeigen, deren politische Qualität in der dominanten Sprache des technologischen 'Sachzwanges' zu verschwinden droht. [74] Hier bieten sich gerade in zeithistorischer Perspektive eine Fülle innovativer Themenfelder an, die der Bearbeitung durch die historische Friedensforschung harren. Jede neuerliche Auseinandersetzung mit diesem Thema kann dabei in weiten Teilen unverändert an einen inzwischen beinahe zwei Jahrzehnte alten Diskussionsstand anknüpfen. [75] 

Der Stagnation lassen sich Themenfelder gegenüberstellen, auf denen die historische Friedensforschung fortlaufend wichtige Arbeiten vorgelegt hat. Dazu zählt etwa die Geschichte der organisierten Friedensbewegungen, die national wie international der erste wichtige Gegenstand dieses Forschungszweiges war. [76] Nicht in den beiden grundlegenden Synthesen zum Thema [77], aber doch in nicht wenigen der vielen biographischen Aufsätze und Monographien hatte diese Geschichtsschreibung einen 'heroischen' Charakter. Denn sie schilderte gerade am deutschen Beispiel den Kampf einer in der öffentlichen Meinung verfemten kleinen Gruppe von Außenseitern, die gegen eine schier übermächtig scheinende militaristische Kultur ankämpfte - und dabei zuweilen deren Habitusformen übernahm. Künftige Arbeiten werden diesen 'heroischen' Charakter des Pazifismus stärker problematisieren und historisieren. Notwendig ist auch eine Lösung von der Dominanz organisationsgeschichtlicher Arbeiten hin zu solchen, die stärker die kulturellen Symboliken und informellen sozialen Netzwerke von pazifistischen Bewegungen und deren kurzzeitigen Mobilisierungswellen in den Blick nehmen. Vor allem für die Zeit nach 1945 wäre das Konzept der 'neuen sozialen Bewegungen' als methodisches Angebot dafür zu prüfen. Der Sinn dieser Anregung wird kaum darin liegen, die empirischen Daten über Mobilisierungswellen, Mitglieder und Ziele von Friedensbewegungen nach einem ebenso starren wie dürren sozialwissenschaftlichen Konzept zu klassifizieren. [78] Die Ergiebigkeit dieses Ansatzes liegt vielmehr darin, die spezifische Form der Protestbewegungen - nämlich den Protest - als ein zentrales Merkmal ihrer paradoxen Intervention zu begreifen, die in der Gesellschaft gegen die Gesellschaft protestiert. In dieser Perspektive lassen sich die Kommunikationsformen und thematischen 'Skripts' der 'neuen' Friedensbewegungen wie auch ihre spezifische Koppelung an die Massenmedien analysieren, die eine wesentliche Bedingung für die Resonanz von Protestbewegungen geworden sind. [79] 

Sofern mit Blick auf die Friedensbewegungen weiterhin organiationsgeschichtlich gearbeitet wird, wäre dieser Ansatz durch eine Kulturgeschichte der pazifistischen Politik zu erweitern. In dieser Perspektive werden die internen Kommunikationsmuster und Zeichensysteme politischer Institutionen und Organisationen hermeneutisch verfremdet und damit als materielle Bedingung ihres Handelns ernst genommen. [80] Die oft diskutierte Frage nach dem Erfolg bzw. Mißerfolg pazifistischer Organisationen würde dadurch etwa in neuem Licht erscheinen. Denn Friedensbewegungen sind für ihre Mitglieder nicht nur dadurch attraktiv, daß sie Friedensziele erreichen, sondern oftmals gerade dadurch, daß die Mitglieder ihre eigenen sozialen und lebensweltlichen Ziele in ihnen realisieren und damit einen expressiven Politikstil prägen. [81] 

Vor allem für die Zeit seit 1945 steht ferner die stärkere Berücksichtigung internationaler Perspektiven an, und zwar nicht nur im für das 19. Jahrhundert bereits etablierten Vergleich pazifistischer Organisationen. [82] Vielmehr ist das Augenmerk darüber hinaus auf die transnationale Diffusion und Aneignung von kulturellen Mustern zu richten, die sich an die politische Thematisierung von Friedenszielen anlagern. [83] Weiterhin sind die Friedensbewegungen künftig auch in geschlechtergeschichtlicher Perspektive zu analysieren. [84] Dies beinhaltet nicht nur, die historiographisch weitgehend marginalisierte Rolle von Frauenfriedensbewegungen aufzuarbeiten. Es impliziert auch eine kritische Rekonstruktion der hegemonial männlichen Argumentationsformen und Politikstile des Pazifismus, die nicht unwesentlich zu dieser Marginalisierung beigetragen haben. 

Eine produktive Begegnung gibt es seit langem auch zwischen der historischen Friedensforschung und der Militärgeschichte. In dieser Beziehung verstand sich die Friedensforschung zunächst als ein kritisches Korrektiv, das an die auch in Deutschland vorhandene Tradition der linksliberalen, anarchistischen und sozialistischen Militärkritik anknüpfen konnte. [85] Eine solche Funktionsbestimmung als Kritik wird auch heute noch vertreten. Dies geschieht allerdings in unreflektierter Fortsetzung der linkshegelianischen Konzeption von Kritik, die stets eine "Entfremdung" des Menschen (hier: als Soldat) von seiner eigentlichen Bestimmung unterstellt hat. [86] Wegen ihrer problematischen impliziten Anthropologie und dem äußerlichen Maßstab, der die Kritik anleitete, ist diese Form mit guten Gründen bereits vor mehr als 150 Jahren in die 'Kritik der politischen Ökonomie' übergeleitet worden, welche Maßstäbe an ihren eigenen Geltungsansprüchen mißt und in ihrer Genese rekonstruiert. [87] In Anlehnung an moderne literaturwissenschaftliche Methoden kann und sollte man diese Analyseform heute besser in Form einer dekonstruktivistischen Behandlung des Militärs fortführen. Diese macht die von einem Beobachter behaupteten Differenzen als dessen Unterscheidungen kenntlich und problematisiert damit seinen 'blinden Fleck'. In Abwendung von einer ontologischen Weltsicht reformuliert die Dekonstruktion das militärkritische Anliegen, indem es die Zeit- und Kontextabhängigkeit der im Militär verwendeten Identifizierungen beobachtet und damit in ihren Verweisungen 'diffŽranciert'. [88] 

Die mit dem Ende der Blockkonfrontation anhebende und noch anhaltende Konjunktur der Themen Militär und Krieg in der Geschichtswissenschaft hat zur Entfaltung einer Fülle von methodischen Ansätzen und Erkenntniszielen und damit zu einem ausgeprägt pluralen Charakter der Militärgeschichtsschreibung geführt. Gemeinsame Erkenntnisinteressen von Militärgeschichte und historischer Friedensforschung liegen vor allem in der Einbindung kriegerischer Gewaltphänomene in ihre gesellschaftsgeschichtlichen Kontexte. [89] Weiterer Diskussionsbedarf besteht im Hinblick auf die Frage, ob und in welcher Form die Militärgeschichte den Begriff der Gewalt zentral stellen und sich als eine historische Soziologie organisierter Gewaltverhältnisse begreifen sollte. [90] Gerade hier können Militärgeschichte und historische Friedensforschung von einer Klärung des Gewaltbegriffes profitieren. [91] 

Daneben war und bleibt die Wirkung militaristischer Einstellungen und Habitusformen auf die politische Kultur ein wichtiges Thema der historischen Friedensforschung. Es ist allerdings aus der perspektivischen Verengung durch das Konstrukt des deutschen 'Sonderweges' zu befreien, das den preußischen Militarismus zu einem überhistorischen "Prototyp" verdinglicht hat. [92] Auch sollte die Wirkungsgeschichte der militaristischen Kultur deren Folgen künftig stärker auch empirisch belegen und nicht nur aus stereotypen Zuschreibungen und normativen Texten ableiten. [93] 

Ein wichtiger Anknüpfungspunkt für Analysen militaristischer Mentalitätsmuster ist die Feindbildforschung, denn jede militaristische Kultur neigt zur stereotypen Fixierung und Hypostasierung des Bildes ihrer innen- und außenpolitischen Gegner. Wie Sven Reichardt in seinem umfassenden Überblick über Ansätze und Perspektiven der Feindbildforschung verdeutlicht, liegt deren Funktion vor allem in der Homogenisierung und Integration der jeweils eigenen Gruppenzugehörigkeit. Die Prägung (kriegerischer) Konflikte durch und ihre langfristigen Auswirkungen auf die Kohärenz von Feindbildern sind nur ein wichtiger Aspekt, in dem dieser Ansatz für die historische Friedensforschung von Belang ist. Für die konkrete geschichtswissenschaftiche Umsetzung ist es dabei nicht zuletzt nötig, die spezifische visuelle Qualität von Feindbildern und das darin liegende Erkenntnispotential nicht vorschnell durch konventionelle, ikonographisch uninformierte Praktiken der Bildanalyse zu verschenken. [94] 

Eine wichtige konzeptionelle Anfrage an die historische Friedensforschung hat hervorgehoben, daß die "positiven" Bedingungen und Formen des Friedens selbst künftig stärkere Berücksichtigung finden sollten. [95] Hierfür werden verschiedene Optionen in diesem Band diskutiert. [96] Jost Dülffer plädiert für eine Erforschung des Friedensschlusses in der neueren Geschichte. Er schließt an das begrifflich erst relativ neue Auseinanderfallen von "Frieden" und "Friedensvertrag" an, welche das Problem der Kriegsbeendigung scheinbar eindeutig zu einer völkerrechtlichen Technik spezifiziert hat. Demgegenüber komm es darauf an, den gesamten Kranz struktureller Bedingungen der Demobilisierung von Gewaltapparaten und der Deeskalation von Gewaltbereitschaft in seinen politischen, sozialen und mentalen Dimensionen in den Blick zu nehmen. Damit kann das Gelingen und das Scheitern von Friedensprozessen in vergleichender Perspektive untersucht werden. [97] Birgitta Nedelmann problematisiert die Suche nach einem 'positiven' Frieden durch den Hinweis auf die nicht nur kategoriale, sondern auch praktische Verschränkung von Gewalt und Frieden. Am Beispiel der Friedensbemühungen im Nahen Osten weist sie auf die Ambivalenz gegenüber einer friedlichen Konfliktlösung hin, die sowohl personell in den Verhandlungspartnern als auch strukturell in den beteiligten Gesellschaften angelegt ist und damit Gewalthandeln gerade dann hervortreibt, wenn der Frieden kommt - oder aus Sicht der Beteiligten: zu kommen droht. [98] 

Es gehört zu den seit 1945 oft geäußerten Behauptungen der Friedensdiskussion, daß der Friede seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr lokal, regional oder national definiert werden könne, sondern nur noch global, als dauerhafter "Weltfriede" in einer "Weltgesellschaft". [99] Der Totalisierung von Gewaltanwendung und technologischer Gewaltdrohung in Zweitem Weltkrieg und 'Kaltem Krieg' entsprach die zeitliche und räumliche "Totalisierung des Friedensbegriffs". [100] Dieser Situation und der in ihr liegenden Nachfrage an wissenschaftlichen Deutungsangeboten steht die historische Friedensforschung hierzulande inhaltlich und konzeptionell weitgehend unvorbereitet gegenüber. Sie ist bisher beinahe ausschließlich der Spur des gewaltförmigen Prozesses in der neueren deutschen Geschichte gefolgt, den einige Beobachter unter dem Rubrum des "deutschen Sonderweges" mit einer besonderen Qualität ausgezeichnet wissen wollten. Wenn man die heuristische Forderung nach einer Geschichte von Gewalt und Frieden im globalen Maßstab ernst nimmt, so heißt dies zuallererst, von der metaphysischen Nabelschau des 'Sonderweges' Abschied zu nehmen. Stattdessen steht die historische Friedensforschung - wie die deutsche Geschichtswissenschaft insgesamt - vor der für sie neuartigen Herausforderung, konzeptionelle Perspektiven für eine Weltgeschichte als Geschichte der Weltgesellschaft im 19., 20. und 21. Jahrhundert zu entwerfen. Diese Geschichtsschreibung sollte auch im Hinblick auf Prozesse der Gewalt und Gewalteinhegung nicht der Versuchung erlegen, Globalisierung als Verallgemeinerung eines (zumeist simplifizierend angelegten) Modells der westlichen Zivilisation zu schreiben. Das Spezifikum der Globalisierung besteht vielmehr darin, daß sich neue soziale und politische Differenzierungsformen im Weltmaßstab durchsetzen, womit sich regionale und nationale Strukturen und Konflikte im Rahmen ihrer jeweiligen Vorgeschichte darauf beziehen müssen. Im Hinblick auf die Ausübung von Gewalt zeigt sich u.a. eine Diffusion und Verbreitung von Formen industriell betriebener Destruktion in die verschiedensten Regionen der Welt, welche oftmals 'privat' betrieben wird und von den internationalen Machtzentren zunehmend weniger kontrolliert werden kann. [101] 

Ein Aspekt der Weltgesellschaft ist jedoch, daß sich nicht nur neue Formen des Konfliktes, sondern auch solche der Kooperation in den internationalen Beziehungen durchsetzen. Ursula Lehmkuhl stellt das in der Politikwissenschaft entwickelte Modell der "global governance" vor, mit dem sich Formen der horizontalen, nicht-hierarchischen und eher lockeren Vernetzung analytisch beschreiben lassen. Dabei werden Strukturen jenseits staatlicher Institutionen und formeller Organisationen aufgebaut. Mit diesem Konzept bieten sich neue Möglichkeiten für die historische Friedensforschung, Akteure, Strukturen und Institutionalisierungsformen der weltweiten Kooperation in historischer Perspektive zu untersuchen und damit das Desiderat einer Geschichte der globalen Vergesellschaftung des Friedens sukzessive einzulösen. Der geschichtswissenschaftliche Zugang kann zugleich dazu beitragen, die normativen Prämissen des "governance"-Konzeptes an der historischen Realität zu überprüfen. [102] Die Auseinandersetzung mit diesem Modell fordert zugleich zu einer erneuten historischen Betrachtung der Zusammenhänge zwischen der Demokratisierung und der Friedensfähigkeit politischer Systeme auf. Diese unter dem Label des "Democratic Peace" geführte Debatte kann von einer historischen Kontextualisierung des quantitativen Datenmaterials ebenso profitieren wie von einer genaueren Analyse der institutionellen Mechanismen, in denen der behauptete Zusammenhang zwischen demokratischer Regierungsform und gewaltvermeidender Konfliktregulierung zum Tragen kommen soll. [103] 

Neben der thematischen Auffächerung neuer Gegenstandsbereiche gehen konzeptionelle Impulse auch von neuen Ansätzen und methodischen Konzepten aus, die zwar in der Geschichtswissenschaft allgemein - und auch dort nur sehr ungleichgewichtig - in den letzten Jahren verstärkt rezipiert wurden, bislang jedoch noch kaum in der historischen Friedensforschung. In diesem Zusammenhang ist zum einen das Konzept der Diskursanalyse zu nennen, das auf eine Revision des gängigen hermeneutischen Textverständnisses zielt und Beziehungen zu den Theorien des französischen Strukturalismus, aber auch zum begriffsgeschichtlichen Ansatz aufweist, wie ihn Reinhart Koselleck entwickelt hat. [104] 

Die möglichen Anwendungsgebiete der Diskursanalyse im Bereich der historischen Friedensforschung sind vielfältig. Am dringendsten erscheint ihr Einsatz gegenwärtig wohl im Bereich der Geschichte des Pazifismus. Noch verstärkt durch den oftmals gewählten biographischen Zugriff, dominiert hier ein ganz ungebrochen emphatisches Verständnis vom Pazifisten als einem wahrhaftigen, authentischen Sprecher, bei dem Wort und Tat ineinanderfallen und unvermittelt auf sein Subjekt zurückführbar sind. [105] In dieser Perspektive bleibt die Tatsache außer Betracht, daß das pazifistische Sprechen als eine legitime Äußerungsform über den Frieden in erheblichem Umfang durch Diskurse reguliert und bestimmt wird, in denen die politische Öffentlichkeit und besonders der politische Gegner ein bestimmtes Bild vom Pazifisten und der Legitimität seines Tuns präformieren. [106] Ein um die Kategorie des Subjekts zentriertes Verständnis des Pazifisten unterschlägt das semantische Bedingungsgefüge, in dem über die Grenzen des für den Frieden Sagbaren und Machbaren entschieden wird. Bereits die Begriffsprägung "Pazifismus" selbst verdankt sich etwa der Tatsache, daß ältere Bezeichnungen wie z.B. "Friedensfreund" gegen Ende des 19. Jahrhunderts als zu "schlaff" empfunden wurden und an "Kredit zu verlieren" begannen, wie der - sich nun selbst so bezeichnende - 'Pazifist' Alfred Herman Fried 1901 festhielt. [107] Die moralische Unbedingtheit und kämpferische Attitüde, die zentrales Merkmal des spezifisch 'pazifistischen' Sprechens im 20. Jahrhundert ist, mußte erst auf einen neuen Schlüssel-Begriff gebracht werden, um sich im politischen Diskurs überhaupt angemessen positionieren zu können. Der Überschuß an moralischen Erwartungen und Ansprüchen, der damit strukturell in der pazifistischen Rede angelegt war, kam in jeder konkreten Situation durch die Effekte des realpolitischen Diskurses wie ein Bumerang unvermeidlich als ein Vorwurf wieder zum Sprecher zurück, ob er nun wollte oder nicht. 

Ein zentrales Aufgabenfeld der Diskursgeschichte wird weiterhin der 'Frieden' und sein semantisches Umfeld im Verlauf des 20. Jahrhunderts, besonders seit 1945 sein. Es gehört zu den bereits oft notierten, aber bisher m.W. nirgendwo systematisch analysierten Besonderheiten der spätestens seit dem Zweiten Weltkrieg geführten Rede über den 'Frieden', daß dieser Begriff ubiquitär einsetzbar geworden ist. Er dient zur Begründung gewaltfreien Widerstandes ebenso wie zur Rechtfertigung von Angriffskriegen, legitimiert Ab- genauso wie Aufrüstungsbemühungen. Diese semantische Entleerung und Funktionalisierung eines politischen Kernbegriffes ist keine Verfälschung des eigentlichen Wortsinnes durch nicht dafür autorisierte Personen. Sie ist vielmehr in der Totalisierung des Friedensbegriffs im Schatten der atomaren Drohung angelegt, dürfte aber auch mit der Restrukturierung des Diskursfeldes von 'Souveränität' und 'Sicherheit' in den internationalen Beziehungen seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Verbindung stehen. [108] Ein wichtiges Feld der Diskursanalyse ist ferner die Untersuchung von Sprachbildern und Metaphern, welche die Aufmerksamkeit in der Kommunikation auf bestimmte Phänomene lenken und damit regulieren. Empirisch ist hier z.B. an den sog. 'Kalten Krieg' und damit an eine konflikthafte Auseinandersetzung zu denken, in der ohnehin mehr mit Wörtern als mit Waffen gekämpft worden ist. [109] 

Überfällig ist schließlich auch eine Auseinandersetzung der historischen Friedensforschung mit geschlechtergeschichtlichen Fragen und Ansätzen. Diese hat in ihren Anfängen zunächst das Ziel verfolgt, die in der Geschichtswissenschaft marginalisierten Handlungen und Handlungsspielräume von Frauen präsent zu machen, ein Ziel, das auch heute, gerade im Zusammenhang mit Frauenfriedensbewegungen weiterhin aktuell ist. [110] Im Zusammenhang damit problematisiert die Geschlechtergeschichte explizite und implizite Relevanzzuweisungen, mit denen im üblichen historiographischen Betrieb - gerade in den ihm zu Grunde liegenden Periodisierungen - 'unwichtige' von 'wichtigen' Themen und Fragestellungen getrennt werden. Aus diesem Grunde hat sich die Geschlechtergeschichte auch frühzeitig des diskurstheoretischen Instrumentariums bedient, das die strukturelle Beharrungskraft solcher Hierarchisierungsformen zu problematisieren vermag. Der Hauptbeitrag der neueren dekonstruktivistischen Positionen in der Geschlechtergeschichte zur Friedensforschung liegt in der Entschiedenheit, mit der dichotomische Identifizierung von weiblichem Frieden und männlicher Gewalthaftigkeit aufgelöst und historisiert wird. Damit wird nicht zuletzt eine Entmystifizierung der in der Geschichte der Frauenbewegung wie ein Echo wiederkehrenden Vorstellung einer essentiell 'friedfertigen' Mütterlichkeit möglich. Die geschlechtergeschichtliche Beschäftigung mit dem Frieden weist enge Verbindungen zur neueren Diskussion in der Kriegs- und Militärgeschichte auf, wo die Kategorie 'Geschlecht' dazu benutzt wird, das feministische Interesse an einer Befreiung der Frau durch Entmilitarisierung konzeptionell umzusetzen. [111] 

Die historische Friedensforschung wird sich auch künftig normativ und in ihrer empirischen Arbeit am Leitwert des Friedens orientieren und dabei die gesamte Bandbreite ihrer bisherigen und einiger neuer Forschungsfelder verfolgen. Sie wird sich dabei allerdings stärker als bisher auf die Zusammenhänge von Frieden und Gewalt beziehen und dabei das Problem der 'gewaltbewältigenden Gewalt' reflektieren. In ihrem analytischen Vorgehen - nicht unbedingt im Wertverständnis der daran beteiligten Wissenschaftler - wird sie sich auf 'Frieden' im Sinne all jener sozialen und politischen Prozesse beziehen, welche die Einhegung und Negation von gegen den menschlichen Körper gerichteten physischen Gewalthandlungen beinhalten. Und insbesondere für das 20. Jahrhundert wird sie den Streit um die Wertladung und politische Bestimmung des Friedens als ein eigenständiges Diskursfeld problematisieren, in dem um die Gestalt und die Legitimität des Friedens fortwährend gestritten wird. Mit dieser Präzisierung und Reflexion ihrer Fragestellungen und Erkenntnismittel wird die historische Friedensforschung auch in der Zukunft wichtige Beiträge zur allgemeinen Geschichtswissenschaft leisten. 

Anmerkungen: 

[1] Vgl. die Hinweise bei Peter Imbusch, Gewalt - Stochern in unübersichtlichem Gelände, in: Mittelweg 36 Jg. 9, 2000, Heft 2, S. 24-40, S. 34ff.; Wolfram Wette, Militärgeschichte zwischen Wissenschaft und Politik, in: Thomas Kühne/Benjamin Ziemann (Hg.), Was ist Militärgeschichte?, Paderborn 2000, S. 49-71. - Ulrich Bröckling, Anja Kruke und Thomas Kühne danke ich für kritische Hinweise zu einer ersten Version dieses Textes. 

[2] Für die internationale Diskussion vgl. Anne C. Kjelling/Jeffrey Kimball (Hg.), Papers of the Peace History Commission IPRA, Malta 31 October-4 November 1994, Oslo und Oxford/Ohio 1995. 

[3] Wegweisend dafür die Reflexionen und Fallstudien in: Hans Joas, Kriege und Werte. Studien zur Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts, Weilerswist 2000; Peter Imbusch, Zivilisation und Gewalt, sozialwiss. Habil. Marburg 2000 (Ms.). 

[4] Zum Folgenden vgl. die Hinweise in Selbstbeschreibungen der Friedensforschung: Ekkehart Krippendorf (Hg.), Friedensforschung, Köln. Berlin 1968; Karlheinz Koppe, Geschichte der Friedens- und Konfliktforschung, in: Peter Imbusch/Ralf Zoll (Hg.), Friedens- und Konfliktforschung. Eine Einführung mit Quellen, Opladen 1996, S. 19-62; Ulrike C. Wasmuht, Geschichte der deutschen Friedensforschung: Entwicklung - Selbstverständnis - politischer Kontext, Münster 1998, bes. S. 55-114; als Analyse exemplarisch vor allem: Peter A. Lawler, A Question of Values: Johan Galtung's peace research, Boulder, Col. 1995, S. 15-66. Eine systematische wissenschaftssoziologische Darstellung, die keine hagiographischen Absichten verfolgt, steht aus. 

[5] Vgl. Hadley Cantril (Hg.), Tensions that cause Wars, Urbana 1950, bes. S. 7-21. 

[6] Vgl. exemplarisch die bei Cantril, Introduction, in: ders. (Anm. 5), S. 14 geäußerten Erwartungen. 

[7] Zitat: Detlef Bald, Staat, Militär und die Erhaltung des Friedens, in: Mathias Jopp (Hg.), Dimensionen des Friedens. Theorie, Praxis und Selbstverständnis der Friedensforschung, Baden-Baden 1992, S. 143-163, S. 156. Vgl. Lawler (Anm. 4), S. 56-62. 

[8] Die äußeren Daten bei Wasmuht (Anm. 4), Kap. IV u. V. Eine gründliche Analyse, die insbesondere die Verbindungen zur sozialliberalen Bildungs- und Wissenschaftspolitik zu berücksichtigen hätte, steht aus. Dafür wären neben den einschlägigen Beständen des Bundearchivs Koblenz auch die diversen Aktenbestände von Institutionen der Friedensforschung im Archiv der sozialen Demokratie in Bonn und im Archiv des Instituts für Zeitgeschichte in München zu beachten. Zitat: Claus Koch, Friedensforschung - ein Pyrrhussieg, in: Dieter Senghaas (Hg.), Friedensforschung und Gesellschaftskritik, Frankfurt/M. 1973, S. 201-219, S. 203. 

[9] - Zur westdeutschen Planungsgeschichte der langen 60er Jahre, in: Axel Schildt/Detlef Siegfried/Karl Christian Lammers (Hg.), Dynamische Zeiten. Die 60er Jahre in den beiden deutschen Gesellschaften, Hamburg 2000, S. 362-401. 

[10] Vgl., direkt auf unser Thema bezogen, Niklas Luhmann, Die Wissenschaft der Gesellschaft, Frankfurt/M. 1990, S. 622ff. 

[11] Vgl. u.a. Wolfgang Huber (Hg.), Historische Beiträge zur Friedensforschung, München 1970; Annette Kuhn, Theorie und Praxis historischer Friedensforschung, Stuttgart. München 1971. 

[12] Vgl., mit eindeutigen Hinweisen auf die Bedeutung des Kontextes der Forschungsförderung, Heinz Duchhardt, Zur Organisation der Friedensforschung in der Bundesrepublik Deutschland. Der Arbeitskreis für historische Friedensforschung, in: Christof Dipper/Andreas Gestrich/Lutz Raphael (Hg.), Krieg, Frieden und Demokratie. Festschrift für Martin Vogt zum 65. Geburtstag, Frankfurt/M. 2001, S. 217-225; allgemein: Wasmuht (Anm. 4), S. 197ff. 

[13] Nicolaus Sombart, Die Friedensforschung, in: Frankfurter Hefte Jg. 23, 1968, S. 821-828, S. 821. Explizit etwa bei der 1965 in Hannover gegründeten "Gesellschaft zur Förderung der Zukunfts- und Friedensforschung"; vgl. Alexander Schmidt-Gernig, Die gesellschaftliche Konstruktion der Zukunft. Westeuropäische Zukunftsforschung und Gesellschaftsplanung zwischen 1950 und 1980, in: WeltTrends. Zeitschrift für internationale Politik und vergleichende Studien Nr. 18, 1998, S. 63-84, S. 70. 

[14] Vgl. maßgeblich: Wolfram Wette, Geschichte und Frieden. Aufgaben historischer Friedensforschung, in: Reiner Steinweg (Red.), Lehren aus der Geschichte? Historische Friedensforschung, Frankfurt/M. 1990 (Friedensanalysen, Bd. 23), S. 14-60, hier S. 19f., 33. 

[15] Vgl. neben den Einzelrezensionen und Bezugnahmen insbes. Wolfgang Kruse, Kriegerische Geschichte und pazifistische Geschichtswissenschaft: Das Jahrbuch für Historische Friedensforschung, in: Geschichte und Gesellschaft Jg. 24, 1998, S. 339-343; Wilfried von Bredow, Historische Friedensforschung. Die Erträge eines wissenschaftlichen Arbeitskreises, in: Archiv für Sozialgeschichte Jg. 36, 1996, S. 523-528. 

[16] Zum - inzwischen weitgehend überwundenen - normativen 'bias' mancher Forschungen zum Pazifismus vgl. Christian Jansen, Die Militanz der Antimilitaristen. Neue Literatur zum Pazifismus in Deutschland vor 1933, in: Neue Politische Literatur Jg. 37, 1992, S. 214-232. 

[17] Kruse (Anm. 15), S. 342. 

[18] Wolfram Wette, Selbstverständnis und Aufgaben historischer Friedensforschung, in: Andreas Gestrich/Gottfried Niedhart/Bernd Ulrich (Hg.), Gewaltfreiheit. Pazifistische Konzepte im 19. und 20. Jahrhundert (Jahrbuch für Historische Friedensforschung, Bd. 5), Münster 1996, S. 191-206, bes. S. 192ff. 

[19] Vgl. etwa Cora Stephan, Das Handwerk des Krieges, Berlin 1998. 

[20] Vgl. z.B. Karl Otto Hondrich, Lehrmeister Krieg, Reinbek 1992, und dazu die Kritik von Joas, Kriege (Anm. 3), S. 262-271. 

[21] Gerd Krumeich, Sine ira et studio? Ansichten einer wissenschaftlichen Militärgeschichte, in: Kühne/Ziemann (Anm 1), S. 91-102, bes. S. 98. 

[22] Vgl. ebd., S. 98. Dies ist ein schönes Beispiel für den "methodologischen Stabilbaukasten", den viele Historiker verwenden, um den Stachel der Weberschen Theoriebildung zu ziehen. Weber selbst verfolgte stets das Ziel, wissenschaftliche Erklärung trotz dezidierter politischer Interessen durchhalten zu können. Vgl. die fulminante Kritik bei Ute Daniel, Auf Gänsefüßchen unterwegs im Wertedschungel - Eine Lektüre von Max Webers ÇWissenschaftslehreÈ, in: Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte Jg. 29, 2000, S. 183-206, Zitat S. 186. 

[23] Vgl. u.a. Volker R. Berghahn, Rüstung und Machtpolitik. Zur Anatomie des 'Kalten Krieges' vor 1914, Düsseldorf 1973; Michael Geyer, Deutsche Rüstungspolitik 1860-1980, Frankfurt/M. 1984, S. 83ff.; ferner der Hinweis bei Heinrich Popitz, Phänomene der Macht, Tübingen 1992 (2. Aufl.), S. 75f., 267. 

[24] Vgl. den Beitrag von Birgitta Nedelmann in diesem Band. 

[25] Zum Kriterium der Relevanz vgl. Wette, Geschichte (Anm. 14), S. 19f., 41ff. 

[26] Vgl. Jost Dülffer, Internationale Geschichte und historische Friedensforschung, in: Wilfried Loth/Jürgen Osterhammel (Hg.), Internationale Geschichte. Themen - Ergebnisse -Aussichten, München 2000, S. 247-266, S. 248. 

[27] Vgl. zuletzt Mihran Dabag/Antje Kapust/Bernhard Waldenfels (Hg.), Gewalt. Strukturen, Formen, Repräsentationen , München 2000, dort S. 343-354 eine nützliche Auswahlbibliographie jüngerer Arbeiten. 

[28] Vgl. Wette, Geschichte (Anm. 14), S. 36f., sowie, auch zum Folgenden, den Beitrag von Dirk Schumann in diesem Band. Vermittelt über seinen Gegenbegriff, den 'positiven Frieden', spielt die Vorstellung einer 'strukturellen Gewalt' aber auch beim jüngst vorgeschlagenen Konzept der "Friedenskultur" eine gewisse Rolle. Vgl. Thomas Kühne, "Friedenskultur", Zeitgeschichte, Historische Friedensforschung, in: ders. (Hg.), Von der Kriegskultur zur Friedenskultur? Zum Mentalitätswandel in Deutschland seit 1945 (Jahrbuch für Historische Friedensforschung, Bd. 9), Hamburg 2000, S. 13-33, bes. S. 14. 

[29] Johan Galtung, Violence, Peace and Peace Research, in: Journal of Peace Research Jg. 6, 1969, S. 167-191, bes. S. 168; vgl. den Hinweis darauf in: ders., Frieden mit friedlichen Mitteln. Friede und Konflikt, Entwicklung und Kultur, Opladen 1998, S. 341. 

[30] Galtung, Frieden (Anm. 29), S. 341; ders., Cultural Violence, in: Journal of Peace Research Jg. 27, 1990, S. 291-305. 

[31] Vgl. dazu Lawler (Anm. 3), S. 67-89. Für die Rückwirkung auf Friedensforschung und Friedensbewegungen viele Hinweise in: Corinna Hauswedell, Friedenswissenschaften im Kalten Krieg. Friedensforschung und friedenswissenschaftliche Initiativen in der Bundesrepublik Deutschland in den achtziger Jahren, Baden-Baden 1997, v.a. Kap. 3. Eine genaue Analyse der Wirkungen auf die Diskursformen der Kritik des Kalten Krieges steht aus. 

[32] Der Nachweis fällt leicht, daß 'strukturelle Gewalt' nur scheinbar ein kritisches Konzept ist. Vgl. Thomas Lindenberger/Alf Lüdtke, Einleitung. Physische Gewalt - eine Kontinuität der Moderne, in: dies (Hg.), Physische Gewalt. Studien zur Geschichte der Neuzeit, Frankfurt/M. 1995, S. 7-38, hier S. 20. Doch damit verhält man sich immer noch affirmativ zu dem intellektuellen Moralcode, der Kritik gegen Affirmation ausspielt. Die Frage ist, ob das Konzept sachgerecht oder unsachgerecht ist. 

[33] Vgl. Lawler (Anm. 3), S. 191-222. 

[34] Vgl. den Beitrag von Birgitta Nedelmann in diesem Band. 

[35] Vgl. - ungeachtet seiner spezifischen Prämissen - z.B. Luhmann, Wissenschaft (Anm. 10), S. 383ff. 

[36] Diese Regel ist auch dann sinnvoll, wenn "kein Geringerer als Jürgen Habermas" den Begriff - oder das Wort? - 'strukturelle Gewalt' verwendet. (So Imbusch, Gewalt (Anm. 1), S. 30). Solche Autorisierungsformeln haben in der römisch-katholischen Kirche Geltung, nicht aber in der Wissenschaft. 

[37] Imbusch, Gewalt (Anm. 1), S. 30. 

[38] Vgl. z.B. Rudolf Stichweh, Die Weltgesellschaft. Soziologische Analysen, Frankfurt/M. 2000, S. 85-102. 

[39] Vgl. Popitz (Anm. 23), S. 30ff., 166ff. 

[40] Vgl. den Beitrag von Alexander Pollak in diesem Band. Religiöse Gewaltlegitimationen als ein wichtiges Beispiel und die damit verbundenen symbolischen Praktiken thematisiert Friedhelm Boll (Hrsg.), Volksreligiosität und Kriegserleben (Jahrbuch für Historische Friedensforschung, Bd. 6), Münster 1997. 

[41] Vgl. die Beiträge von Dirk Schumann und Birgitta Nedelmann in diesem Band, sowie Trutz von Trotha, Gewaltforschung auf Popitzschen Wegen, in: Mittelweg 36, Jg. 9, 2000, Heft 6, S. 26-36. 

[42] Popitz (Anm. 23), S. 48. 

[43] Für eine - gemessen an der Diktion Max Webers - beinahe jedem Historiker verständliche Rekonstruktion dieser Position vgl. Thomas Welskopp, Der Mensch und die Verhältnisse. "Handeln" und "Struktur" bei Max Weber und Anthony Giddens, in: Thomas Mergel/ders. (Hg.), Geschichte zwischen Kultur und Gesellschaft. Beiträge zur Theoriedebatte, München 1997, S. 39-70, bes. S. 46-56. 

[44] Vgl. die Beiträge von Dirk Schumann und Wolfgang Knöbl in diesem Band; zum Problem auch Michael Geyer, Krieg, Staat und Nationalismus im Deutschland des 20. Jahrhunderts, in: Jost Dülffer/Bernd Martin/Günter Wollstein (Hg.), Deutschland und Europa. Kontinuität und Bruch. Gedenkschrift für Andreas Hillgruber, Frankfurt/M. Berlin 1990, S. 250-272; erste Überlegungen zur konzeptionellen Integration kriegerischer Makro-Gewalt in einen handlungstheoretischen Gewaltbegriff bei Trutz von Trotha, Formen des Krieges. Zur Typologie kriegerischer Aktionsmacht, in: Sighard Neckel/Michael Schwab-Trapp (Hg.), Ordnungen der Gewalt. Beiträge zu einer politischen Soziologie der Gewalt und des Krieges, Opladen 1999, S. 71-95. 

[45] Popitz (Anm. 23), S. 48f.; vgl. exemplarisch: Wolfgang Sofsky, Die Ordnung des Terrors: Das Konzentrationslager, Frankfurt/M. 1997, S. 256-275. 

[46] Jost Dülffer/Karl Holl (Hg.), Bereit zum Krieg. Kriegsmentalität im wilhelminischen Deutschland 1890-1914. Beiträge zur historischen Friedensforschung, Göttingen 1986. 

[47] Vgl. den Beitrag von Sven Reichardt in diesem Band. 

[48] So Popitz (Anm. 23), S. 50. 

[49] Ein nützlicher Überblick über diese Relationen bei Sabine Jaberg, Der Gewaltbegriff als generierender und differenzierender Faktor der Friedensforschung, Bonn 1999 (AFB-Texte 3/99), Zitate S. 43. Die Dilemmatik dieser Situation beruht indes nur auf der von Jaberg unterstellten Prämisse des 'strukturellen' Gewaltbegriffs. 

[50] Vgl. dazu bereits Wilhelm Janssen, Friede, in: Otto Brunner/Werner Conze/Reinhart Koselleck (Hg.), Geschichtliche Grundbegriffe, Bd. 2, Stuttgart 1975, S. 543-591, S. 591; zum Spektrum möglicher Antworten u.a. Reinhard Meyers, Begriff und Probleme des Friedens, Opladen 1994, S. 64-71; Dieter Senghaas (Hg.), Den Frieden denken. Si vis pacem, para pacem, Frankfurt/M. 1995, bes. S. 445-459. 

[51] Vgl. Milton Rinehart, Understanding the Concept "Peace". A Search for Common Ground, in: Peace & Change Jg. 20, 1995, S. 379-396. 

[52] Vgl. den Beitrag von Ernst-Otto Czempiel in diesem Band. 

[53] Vgl. den Beitrag von Thomas Kater in diesem Band. 

[54] Janssen, Friede (Anm. 50) bricht demnach in der Mitte des 19. Jahrhunderts ab. 

[55] Niklas Luhmann, Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie, Frankfurt/M. 1984, S. 453. 

[56] Vgl. Michael Geyer, Cold War Angst. The Case of West-German Opposition to Rearmament and Nuclear Weapons, in: Hanna Schissler (Hg.), The Miracle Years. A Cultural History of West Germany, 1949-1968, Princeton 2001, S. 376-408. 

[57] Vgl. z.B. das bei Luhmann, Soziale Systeme (Anm. 55), S. 453 zitierte Beispiel. 

[58] So Wolfgang Huber u.a., Frieden, in: Theologische Realenzyklopädie, Bd. XI, Berlin. New York 1983, S. 599-646, hier S. 635. 

[59] Arend Wellmann, Frieden, in: Ulrich Albrecht/Helmut Volger (Hg.), Lexikon der Internationalen Politik, München. Wien 1997, S. 161-164, S. 161. 

[60] Peter Furth, Überlegungen zu einer Phänomenologie der Enttäuschungen I-II, in: Düsseldorfer Debatte 2/1987, S. 5-15, ebd. 3/87, S. 29-50. 

[61] So die Formulierung von Luhmann, Soziale Systeme (Anm. 55), S. 453. 

[62] Vgl. z.B. Benjamin Ziemann, Katholische Religiosität und die Bewältigung des Krieges. Soldaten und Militärseelsorger in der deutschen Armee 1914-1918, in: Boll (Anm. 40), S. 116-136. 

[63] An dieser Stelle wäre die wissenssoziologische Perspektive von Friedrich Tenbruck, Frieden durch Friedensforschung? Ein Heilsglaube unserer Zeit, in: Manfred Funke (Hrsg.), Friedensforschung - Entscheidungshilfe gegen Gewalt, München 1975, S. 425-439, neuerlich zu diskutieren. Die Friedensforschung hat darauf nur mit politischer Abwehr, nicht jedoch inhaltlich reagiert. Zum konzeptionellen Hintergrund vgl. ders., Die unbewältigten Sozialwissenschaften oder Die Abschaffung des Menschen, Graz. Wien. Köln 1984. 

[64] Vgl. den Beitrag von Ulrich Bröckling in diesem Band. 

[65] Vgl. z.B. Dieter Senghaas, Frieden als Zivilisierungsprojekt, in: ders. (Anm. 50), S. 196-223; vgl. den Beitrag von Thomas Kater in diesem Band. Eine neuerliche Diskussion des Themas 'legitime Gewalt', das durch den Streit um 'positiven' oder 'negativen' Frieden lange verdeckt wurde, fordert Christoph Weller, Das Ende der Gewalt. Anmerkungen zur theoretischen (Un-)tauglichkeit des Gewaltbegriffs, in http://www-user.uni-bremen.de/~iniis/afk/weller.htm. Zu den Rückwirkungen dieses Problems auf den Pazifismus vgl. Andreas Gestrich/Bernd Ulrich/Gottfried Niedhart (Hg.), Gewaltfreiheit. Pazifistische Konzepte im 19. und 20. Jahrhundert (Jahrbuch für historische Friedensforschung, Bd. 5), Münster 1996. 

[66] Vgl. den Beitrag von Birgitta Nedelmann in diesem Band. 

[67] Vgl. den Beitrag von Wolfgang Knöbl in diesem Band. 

[68] Wette, Selbstverständnis (Anm. 18), S. 192. 

[69] Dem kommt am ehesten nahe: Jost Dülffer/Karl Holl/Gottfried Niedhart/Wolfram Wette, Historische Friedensforschung 1-3, Hagen 1997 (Studienbrief der FernUniversität Hagen). 

[70] Folgt man dem Katalog bei Wette, Selbstverständnis (Anm. 18), S. 194; vgl. ders., Geschichte (Anm. 14), S. 21-41. 

[71] Analytisch originell und empirisch ertragreich der Perspektivenwechsel in: Jost Dülffer/Martin Kröger/Rolf-Harald Wippich, Vermiedene Kriege. Deeskalation von Konflikten der Großmächte zwischen Krimkrieg und Erstem Weltkrieg (1856-1914), München 1997. Gefragt wird hier, wie ein großer Krieg bis 1914 trotz zahlreicher Konflikte vermieden werden konnte. Vgl. jüngst auch Bernd Wegner (Hg.), Wie Kriege entstehen. Zum historischen Hintergrund von Staatenkonflikten, Paderborn 2000. 

[72] Arbeiten zu einzelnen Firmen oder Branchen gibt es selbstredend zuhauf, jedoch kaum konzeptionelle Anstrengungen. Vgl. als Überblick Stefanie van de Kerkhof, Rüstungsindustrie und Kriegswirtschaft. Vom Nutzen und Nachteil wirtschaftshistorischer Methoden für die Militärgeschichte, in: Kühne/Ziemann (Anm. 1), S. 175-194, bes. S. 178ff. 

[73] Vgl. v.a. Geyer, Rüstungspolitik (Anm. 23), dort S. 9ff. auch zur Definition von Rüstung. 

[74] Vgl. Stefan Kaufmann, Technisiertes Militär. Methodische Überlegungen zu einem symbiotischen Verhältnis, in: Kühne/Ziemann (Anm. 1), S. 195-209. 

[75] Zum Problem der Abrüstung und Rüstungskontrolle vgl. Jost Dülffer (Hg.), Parlamentarische und öffentliche Kontrolle von Rüstung in Deutschland 1700-1970, Düsseldorf 1992; Detlef Bald (Hg.), Rüstungsbestimmte Geschichte und das Problem der Konversion in Deutschland im 20. Jahrhundert, Münster. Hamburg 1993 (Jahrbuch für Historische Friedensforschung, Bd. 1). Dirk Boenker (Baltimore) bereitet für einen der kommenden Bände von Frieden und Krieg. Beiträge zur Historischen Friedensforschung eine kritische Bestandsaufnahme zu den Themen Rüstung und Abrüstung vor. 

[76] Vgl. im folgenden den Beitrag von Jeffrey Verhey in diesem Band. 

[77] Dieter Riesenberger, Geschichte der Friedensbewegung in Deutschland. Von den Anfängen bis 1933, Göttingen 1985; Karl Holl, Pazifismus in Deutschland, Frankfurt/M. 1988. 

[78] So die berechtigte Kritik von Jost Dülffer, Rezension: Steve Breyman, Movement Genesis. Social Movement Theory and the 1980s West German Peace Movement (1998), in: Stig Förster/Gerhard Hirschfeld (Hg.), Genozid in der modernen Geschichte (Jahrbuch für Historische Friedensforschung, Bd. 7), Münster 1999, S. 195f. Ähnlich abstrakt und vor allem ohne jeden Hinweis auf die in der Tat zentralen Paradoxien des Friedens: Alice Holmes Cooper, Paradoxes of Peace. German Peace Movements since 1945, Ann Arbor 1996. 

[79] Vgl. Niklas Luhmann, Die Gesellschaft der Gesellschaft, Frankfurt/M. 1998, S. 847-865; exemplarisch: Wilfried von Bredow/Rudolf H. Brocke, Krise und Protest. Ursprünge und Elemente der Friedensbewegung in Westeuropa, Opladen 1987 

[80] Methodisch wegweisend: Thomas Mergel, Parlamentarische Kultur im Reichstag der Weimarer Republik. Politische Kommunikation, symbolische Politik und Öffentlichkeit 1919-1933, Düsseldorf 2001. 

[81] Ralph Summy/Malcolm Saunders, Why Peace History?, in: Peace & Change Jg. 20, 1995, S. 7-38, S. 17f. 

[82] Grundlegend v.a. Sandi E. Cooper, Patriotic Pacifism. Waging War on War in Europe 1815-1914, New York. Oxford 1991. 

[83] Sowohl inhaltlich als auch methodisch ist hier an die Forschungen zur "68er-Bewegung" zu denken. Hinweise geben manche Beiträge in: Ingrid Gilcher-Holthey (Hg.), 1968. Vom Ereignis zum Gegenstand der Geschichtswissenschaft, Göttingen 1998 (v.a. der Beitrag von Jakob Tanner). 

[84] Vgl. den Beitrag von Jennifer A. Davy in diesem Band. 

[85] Vgl. exemplarisch: Wolfram Wette unter Mitwirkung von Helmut Donat (Hg.), Pazifistische Offiziere in Deutschland 1871-1933, Bremen 1999. 

[86] Vgl. Eckehart Krippendorff, Militärkritik, Frankfurt/M. 1993, bes. S. 19. Das hegelianisierende Motiv auch in: ders., Friedensforschung als Entmilitarisierungsforschung, in: Wolfram Wette (Hg.), Militarismus in Deutschland 1871 bis 1945. Zeitgenössische Analysen und Kritik (Jahrbuch für historische Friedensforschung, Bd. 8), Münster 1999, S. 313-324, S. 313. 

[87] Vgl., Bibliotheken hagiographischer und denunziatorischer Literatur ersetzend: Andreas Arndt, Karl Marx. Versuch über den Zusammenhang seiner Theorie, Bochum 1985, Kap. 1 und 2; speziell zur Entfremdungsmythologie ders., Unmittelbarkeit. Zur Karriere eines Begriffs in Feuerbachs und Marx' Bruch mit der Spekulation, in: Hans-Jürg Braun u.a. (Hg.), Ludwig Feuerbach und die Philosophie der Zukunft, Berlin 1990, S. 503-527. 

[88] Vgl. die verständliche Beschreibung bei Niklas Luhmann, Deconstruction as Second-Order Observing, in: New Literary History Jg. 24, 1993, S. 763-782, und weniger verständlich: Birgit Wartenpfuhl, Destruktion - Konstruktion - Dekonstruktion. Perspektiven für die feministische Theorieentwicklung, in: Ute Luise Fischer u.a. (Hg.), Kategorie: Geschlecht. Empirische Analysen und feministische Theorien, Opladen 1996, S. 191-209; exemplarisch: Christa Hämmerle, Von den Geschlechtern der Kriege und des Militärs: Forschungseinblicke und Bemerkungen zu einer neuen Debatte, in: Kühne/Ziemann, Militärgeschichte (Anm. 1), S. 229-262; Kaufmann, Technisiertes Militär (Anm. 74) 

[89] Vgl. den Beitrag von Bernhard Chiari in diesem Band. 

[90] Vgl. dafür das Plädoyer in: Thomas Kühne/Benjamin Ziemann, Militärgeschichte in der Erweiterung. Konjunkturen, Interpretationen, Konzepte, in: dies., Militärgeschichte (Anm. 1), S. 9-46, bes. S. 35ff. 

[91] Vgl. dazu auch, entgegen einer zuweilen vertretenen Meinung nicht polarisierend, sondern vermittelnd: Birgitta Nedelmann, Gewaltsoziologie am Scheideweg. Die Auseinandersetzungen in der gegenwärtigen und Wege der zukünftigen Gewaltforschung, in: Trutz von Trotha (Hg.), Soziologie der Gewalt (Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 37), Opladen und Wiesbaden 1997, S. 59-85, S. 72ff. Auch wenn man seinen anthropologischen Prämissen nicht folgen mag - die ein vielleicht gewolltes Gegenstück zur oben erwähnten Anthropologie der Friedensforschung bilden -, ist als Analyse weiterhin sehr anregend: Wolfgang Sofsky, Traktat über die Gewalt, Frankfurt/M. 1996. 

[92] Vgl. etwa Ulrich Albrecht, Der preußisch-deutsche Militarismus als Prototyp. Aspekte der internationalen wissenschaftlichen Diskussion, in: Wette, Militarismus (Anm. 86), S. 38-60. Für eine subtile, in der Sache entschiedene Rekonstruktion und Kritik des Klischees vom 'Sonderweg' vgl. Michael Geyer, Deutsche - Europäer - Weltbürger. Eine Überlegung zum Aufstieg und Fall des Modernismus in der Historiographie, in: Ralph Melville u.a. (Hg.), Deutschland und Europa in der Neuzeit, Stuttgart 1988, 1. Halbband, S. 27-47. 

[93] Vgl. den Beitrag von Wolfgang Knöbl in diesem Band; exemplarisch: Benjamin Ziemann, Sozialmilitarismus und militärische Sozialisation im deutschen Kaiserreich 1871-1914. Desiderate und Perspektiven in der Revision eines Geschichtsbildes, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht Jg. 52, 2001. 

[94] Vgl. den Beitrag von Sven Reichardt in diesem Band. Der letzte Punkt verweist allgemein auf das dringende Desiderat einer methodisch reflektierten historischen Bildkunde des 19. und 20. Jahrhunderts. 

[95] Kruse (Anm. 15), S. 342. 

[96] Vgl. auch die konzeptionellen Überlegungen von Edgar Wolfrum, Die Kultur des (Un-)Friedens vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Dimensionen einer Gesamtsicht, in: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft Jg. 48, 2000, S. 894-908. 

[97] Vgl. den Beitrag von Jost Dülffer in diesem Band. 

[98] Vgl. den Beitrag von Birgitta Nedelmann in diesem Band. 

[99] So z.B. klassisch Georg Picht, Was heißt Frieden? (1971), in: Senghaas (Anm. 50), S. 177-195, Zitat S. 190f. 

[100] Egbert Jahn, Frieden, in: Dieter Nohlen (Hg.), Wörterbuch Staat und Politik, München. Zürich 1996, S. 173-176, S. 174. 

[101] Als konzeptionellen Aufriß vgl. Michael Geyer/Charles Bright, World History in a Global Age, in: American Historical Review Jg. 100, 1995, S. 1034-1060. 

[102] Vgl. den Beitrag von Ursula Lehmkuhl sowie die Beiträge von Ernst-Otto Czempiel und Jost Dülffer in diesem Band. 

[103] Vgl. den Beitrag von Wolfgang Knöbl in diesem Band sowie den skeptischen Überblick bei Dülffer, Internationale Geschichte (Anm. 26). 

[104] Vgl. dazu den Beitrag von Alexander Pollak in diesem Band, sowie: Willibald Steinmetz, Diskurs, Diskursanalyse, Diskursgeschichte, in: Stefan Jordan (Hg.), 100 Stichworte Geschichte, Stuttgart 2001; Achim Landwehr, Geschichte des Sagbaren. Einführung in die Historische Diskursanalyse, Tübingen 2001. Die folgenden Bemerkungen orientieren sich - wie der Beitrag von Alexander Pollak - stärker an einem sprach- und begriffsgeschichtlichen Zugang. Für die Chancen und Erträge einer stärker an Foucaults Machtbegriff orientierten Diskursgeschichte vgl. exemplarisch: Ulrich Bröckling, Disziplin. Soziologie und Geschichte militärischer Gehorsamsproduktion, München 1997. 

[105] Vgl. z.B. Lothar Wieland, Die Verteidigungslüge. Pazifisten in der deutschen Sozialdemokratie 1914-1918, Bremen 1998 

[106] Eine systematische Analyse steht aus. Hinweise in: Holl (Anm. 77), S. 83ff.; Jost Dülffer, Der Pazifismus als Feind. Zur NS-Perzeption der Friedlichkeit, in: Ernst Willi Hansen/Gerhard Schreiber/Bernd Wegner (Hg.), Politischer Wandel, organisierte Gewalt und nationale Sicherheit. Beiträge zur neueren Geschichte Deutschlands und Frankreichs, München 1995, S. 211-223. 

[107] Zit. nach Karl Holl, Pazifismus, in: Otto Brunner/Werner Conze/Reinhart Koselleck (Hg.), Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, Bd. 4, Stuttgart 1978, S. 767-787, S. 771f. 

[108] Hinweise z.B. in: Peter A. Bruck, Strategies for Peace, Strategies for News Research, in: Journal of Communication Jg. 39, 1989, S. 108-129; Jakob Tanner, Militär und Gesellschaft in der Schweiz nach 1945, in: Ute Frevert (Hg.), Militär und Gesellschaft im 19. und 20. Jahrhundert, Stuttgart 1997, S. 314-341. 

[109] Als Ansätze für einen diskursgeschichtlichen Zugang vgl. Kenan Holger Irmak, Der Kalte Krieg (in) der Sprache. Zur sozialgeschichtlich erweiterten Diskursanalyse, in: Cornelius Borck u.a. (Hg.), Faktizität-Kontext-Diskurs. Diskursanalyse in den Geschichts-, Kultur- und Sozialwissenschaften, Bielefeld 1997, S. 111-126; Christina Schäffner, The 'Balance' Metaphor in Relation to Peace, in: dies./Anita L. Wenden (Hg.), Language and Peace, Aldershot 1995, S. 75-91. Auch hier trifft man auf die methodisch verkürzende Unterstellung einer 'Lüge': Gerhard Kade, Die Bedrohungslüge. Zur Legende von der "Gefahr aus dem Osten", Köln 1979. 

[110] Vgl. hierzu und zum Folgenden die Beiträge von Jennifer A. Davy, Irene Stoehr und Kathleen Canning in diesem Band. 

[111] Vgl. dazu grundlegend und methodisch weiterführend: Hämmerle (Anm. 88). 

 

Empfohlene Zitierweise

Ziemann, Benjamin: Perspektiven der Historischen Friedensforschung (2002), in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1887/

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Erstellt: 21.02.2006

Zuletzt geändert: 21.02.2006