Band1

Studien zur Internationalen Geschichte


Band 1: Mollin, Gerhard:
Die USA und der Kolonialismus. Amerika als Partner und Nachfolger der belgischen Macht in Afrika 1939-1965, Berlin 1996.


Die Umwandlung der europäischen Überseeherrschaft in ein Verhältnis informeller Abhängigkeit der Neustaaten zu ihren ehemaligen Metropolen in der Mitte des 20. Jahrhunderts, Teil des umfassenderen Prozesses der Globalisierung und Multilatera1isierung der internationalen Beziehungen, vollzog sich unter maßgeblicher Einflußnahme durch die Regierung der USA. Es werden Beweggründe, Ziele und Methoden der amerikanischen „Kolonialpolitik“ am Beispiel der Beziehungen der USA zur Kolonialmacht Belgien sowie zum nachkolonialen Congo durch vier Generationen hindurch untersucht, und zwar auf drei Ebenen: der multilateralen der UN, der bilateralen Beziehungen zwischen den USA und Belgien, der lokalen Entwicklung in „Mutterland“ wie Kolonie.

Eines der zentralen Ergebnisse der Untersuchung ist, daß die Führungsmacht des Westens eine ambivalente Haltung gegenüber dem Spätkolonialismus einnahm: Während sie diese Herrschaftsform vor der Generalversammlung der UN rhetorisch bekämpfte, hat sie die belgische Souveränität im Congo in den UN-Ausschüssen geschont und im direkten Verhältnis zu Brüssel den Eindruck entstehen lassen, das Regime nötigenfalls auch zu verteidigen. Unter den neuen Bedingungen der Congo-Krise unterband die amerikanische Regierung zwar den belgischen Versuch einer Rekolonisation, dies aber ausschließlich, um der UdSSR keinen Grund für eine Intervention zu lassen. Die seit jener Zeit im Raum stehenden Vermutungen, die USA hätten die belgische Position in Afrika untergraben, um sich selber Zugriff auf die Bodenschätze des Congo zu verschaffen, sind haltlos.