Rezeption

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Wolfgang Behringer 

Neun Millionen Hexen 

Entstehung, Tradition und Kritik eines populären Mythos 

[Erstpublikation: GWU 49 (1998), 664-685]  

"Neun Millionen Hexen" seien in Europa verbrannt worden, so lautet eine immer wieder zu hörende Quantifizierung, mit der sich Lehrer an Schulen und Hochschulen auseinandersetzen müssen, weil sie durch die Medien in der Öffentlichkeit verbreitet werden. Die Neun-Millionen-Theorie, wie sie hier kurz genannt werden soll, ist von der seriösen Forschung stets zurückgewiesen worden, daher kann man an diesem Beispiel auch Betrachtungen anstellen über die geringe Wirksamkeit des wissenschaftlichen Korrektivs an populären Irrtümern. Der Autor dieses Artikels - und andere Wissenschaftler - haben die Erfahrung gemacht, daß Interviews regelmäßig auf die Inhalte zurechtgeschnitten wurden, welche Journalisten ihrem Publikum präsentieren wollen: eben "neun Millionen Hexen". [1] Ich möchte im folgenden zeigen, auf welche Weise dieser populäre Mythos entstanden ist, wer ihn propagierte, wer versucht hat, daraus Nutzen zu ziehen, und warum man diesem Mythos entgegentreten sollte. [2]

Vor der "Neun-Millionen-Theorie" 

Am Beginn einer Geschichtsschreibung über die europäische Hexenverfolgung [3] stand ein politischer Zweck: Auf der Tagesordnung der politischen Aufklärung stand seit Beginn des 18. Jahrhunderts die Abschaffung der Hexenprozesse. Ihre Historisierung lieferte ein wichtiges Argument, da die angebliche Verankerung der Verfolgung im Wort Gottes (Exodus 22,18) widerlegt war, wenn der Nachweis eines späten Aufkommens geführt werden konnte. Dies gelang dem Hallenser Juristen Christian Thomasius (1655-1728) in der ersten historischen Abhandlung über das Thema. Nach einem auch heute noch gültigen Nachweis aus den Quellen zog er den Schluß: "Die Fabel von der Secte der Hexen ist anno 1400 in Italien entstanden", nach Deutschland wurde sie zur Zeit des Malleus maleficarum (Hexenhammer) verpflanzt, also am Ende des 15. Jahrhunderts. [4]
An die Notwendigkeit einer Quantifizierung dachten weder Thomasius, noch die anderen Aufklärer der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. 

[665] Je weiter tatsächliche Hexenhinrichtungen in die Vergangenheit rückten, desto interessanter wurde offenbar der Versuch einer größenmäßigen Einordnung. Seit der Jahrhundertmitte finden sich gelegentlich Quantifizierungen, die sich durchweg in einem realistischen Bereich bewegen. Während des sogenannten "Bayerischen Hexenkrieges", einer der größten nationalen Aufklärungsdebatten in Deutschland, die 1766 aus dem engeren Umfeld des bayerischen Kurfürsten Max III. Joseph in einem weltanschaulichen Machtkampf bewußt inszeniert worden war [5], stellte einer der Parteigänger der Aufklärer folgende Frage an den konservativen Klerus:

"Sagen sie mir doch, warum werden jetzt so wenig Hexen verbrannt? Warum haben jetzt die Richter so wenig damit zu tun? Es sind im 15. und 16. Säculo, in einer Zeit von 140 Jahren 30.000 theils Hexen, theils Hexenmeister zum Scheiterhaufen verdammt worden. Jetzt sind diese Trauerspiele ganz selten ...". [6]

Der Verfasser dieser Passage, der katholische Pfarrer Jakob Anton Kollmann (1728-1787) aus der Gegend von Augsburg, der ob seiner Parteinahme nach München berufen und später mit der Leitung des Schulwesens beauftragt wurde, hatte bei der Nennung dieser Zahl nicht an das eigene Territorium gedacht, dessen Aktenüberlieferung man anläßlich der Debatte studiert hatte [7], und auch nicht nur an Deutschland, sondern an die europäische Christenheit. Wie der preußische Jurist Thomasius oder der lutherische Superintendent Eberhard David Hauber (1695-1765), der mit einem sechsunddreißigteiligen Periodikum "Bibliotheca sive acta et scripta magica" Transparenz auf diesem Sektor zu schaffen versucht hatte, waren die katholischen Aufklärer des deutschsprachigen Südens Kosmopoliten, die sich einer europäischen Vision verpflichtet fühlten, zu der die Abschaffung der Hexenprozesse gehörte. [8]

Auch in Frankreich waren Hexenprozesse theoretisch noch möglich, praktisch waren sie nach einer restriktiven Verordnung König Ludwigs XIV. von 1672 selten geworden und hatten schließlich aufgehört. Die Zentralfigur der französischen, in gewisser Hinsicht der europäischen Aufklärung, Voltaire (1694-1778), benützte diesen Umstand als wichtiges Argument zur Periodisierung in seinem historiographischen Hauptwerk: Einst Finsternis und Hexenwahn, nun das Licht des Sonnenkönigs und der modernen Wissenschaften. Zur Hervorhebung der Verdienste des Königs erlaubte es sich der Herrscher im Reich des Geistes, die Größe der Hexenverfolgungen auf eine eingängige Zahl anzuheben: Die von Voltaire geschätzten Zahl von 100.000 Hexenhinrichtungen hat die Zeitgenossen beeindruckt und wird bis heute gelegentlich genannt. Entsprechend dem "Esprit" des Erfinders war sie völlig aus der Luft gegriffen. [9] Weder Johann Heinrich Zedlers (1706-1751) Universal-Lexi-[666]con in seinen langen Artikeln über "Hexerey" und "Zauberey" [10], noch Diderots große französische "Encyclopedie", die sich sonst inhaltlich auf Voltaire verließ, befanden es für nötig, die Schrecken der Hexenprozesse durch Quantifizierungen zu unterstreichen. [11]

Im Jahre 1782 wurde die europäische Öffentlichkeit aufgeschreckt durch eine Hexenhinrichtung im reformierten Schweizer Kanton Glarus, die daran erinnerte, daß das Hexerei- oder Zaubereidelikt in den meisten Ländern noch im Strafgesetzbuch stand und Hexenprozesse potentiell weiter stattfinden konnten. Die Hinrichtung der Dienstmagd Anna Göldi (1734-1782) löste einen bis dahin beispiellosen Sturm der Entrüstung aus [12]. Der Göttinger Historiker August Ludwig Schlözer (1735-1809) druckte einen Artikel aus dem "Reichspostreuter" vom 4. Januar 1783 unter dem Titel "Abermaliger JustizMord [sic] in der Schweiz" in seinen "Stats-Anzeigen" nach. In einer Fußnote erläutert Schlözer den Neologismus "Justizmord": "Ich verstehe unter diesem neuen Worte die Ermordung eines Unschuldigen und sogar mit allem Pompe der heiligen Justiz, verübt von Leuten, die gesetzt sind, daß sie verhüten sollen, daß kein Mord geschehe, oder falls er geschehen, doch gehörig gestraft werde." Außerdem rief Schlözer auf, "diese ganze HexenGeschichte [sic] von Glarus" genau zu dokumentieren und "in extenso zur Publication" zu bringen [13].
Tatsächlich wurden nun reihenweise volkspädagogische Abhandlungen veröffentlicht. Der pietistische Pfarrer Johann Moritz Schwager (1738-1804) definierte in seinem "Versuch einer Geschichte der Hexenprozesse" klar den Zweck derartiger Unternehmen:

"Die Geschichte ist eine Lehrmeisterin für die Weisen und eine Geißel der Thoren; sie redet laut, so bald Tyranney und Despotismus sie nicht mehr zwingt, zu schweigen, und durch getreue Schilderungen schreckt sie neue Generationen ab, in die Fehler ihrer Vorfahren zu fallen." [14]

Die Entstehung der "Neun-Millionen-Theorie" 

Nicht alle zeitgenössischen Schriftsteller fühlten sich dem wissenschaftlichen Ethos eines Thomasius, Hauber, Schlözer oder Schwager verpflichtet, "durch getreue Schilderungen" ihr Ziel der Abschreckung zu erreichen. Einen anderen Weg, seine Zeitgenossen zu beeindrucken, wählte der Quedlinburger Stadtsyndikus Gottfried Christian Voigt (1740-1791) [15]. Das Fürstentum Quedlinburg stand damals unter der Schutzvogtei Kurbrandenburg- [667] Preußens, wo es unter Friedrich II. förderlich sein konnte, Kirchenkritisches auf den Markt zu bringen, zumal in der berühmten "Berlinischen Monatsschrift", dem Hauptorgan der Berliner Spätaufklärung mit Friedrich Nicolai (1733-1811) als eifrigstem Mitarbeiter. [16]

In seinem am 19. November 1783 zu Quedlinburg abgeschlossenen Aufsatz "Etwas über die Hexenprozesse in Deutschland" nahm Voigt nach allgemeinen Betrachtungen über den Fortschritt der Wissenschaften wie Voltaire Bezug auf "die Hexenprozesse und die Folter [...], um einleuchtend und überzeugend darzuthun, daß unsere Zeiten mit Recht aufgeklärt genannt zu werden verdienen". Allerdings dauere der Aberglauben fort und es bestehe "wahrlich die Gefahr, in die vorige Barbarei und Unwissenheit zurück zu fallen, und den Ruhm der Aufklärung zu verlieren, wenn wir nicht auf der Hut sind". Indem die Regierungen die Hexenprozesse eingestellt hätten, sei der Kampf noch nicht gewonnen. "Denn es herrscht noch überall, bei Gelehrten und Ungelehrten - bei Juristen und Theologen - nicht nur in katholischen Ländern allein, sondern selbst mitten in protestantischen Provinzen - nicht allein in finstern entlegenen Dörfern, sondern auch in den ansehnlichsten Städten - unter dem vornehmen und geringen Pöbel - der dickste, dümmste und schändlichste Aberglaube." [17] 

Um die Gefahr eines Rückfalls in den Hexenwahn kräftig an die Wand zu malen und seine Vorstellung von der unbedingten Notwendigkeit einer weitergehenden Volksaufklärung zu untermauern, kritisiert Voigt die Angabe Voltaires von den als Hexen hingerichteten "Ein hundert tausend Menschen" [18] und stellt eine eigene Berechnung auf der Grundlage des Quedlinburger Archivs an, dessen Verwaltung ihm unterstand. Für die Jahre 1569 bis 1598 habe er hier Akten von 30 Hexenprozessen mit Todesurteilen gefunden. [19] Auf die- [668] ser Basis begann Voigt nun mit seiner Hochrechnung, ausgehend von der Annahme, daß seine Akten unvollständig seien:

"Ich will daher nur annehmen, daß in dem genannten Zeitraume von 30 Jahren zum wenigsten 40 Personen durchs Feuer als Hexen hingerichtet sind; ob ich gleich glaube, daß ich, ohne die Sache zu übertreiben, 60 annahmen könnte. Nach diesem Verhältniß würden nun in jedem Jahrhunderte allher in Quedlinburg ungefährt 133 Personen als Hexen verbrannt worden sein [...]. Seit der Zeit also, da Quedlinburg [...] einen eigenen Staat ausgemacht hat, sind allhier in einem Zeitraum von 650 Jahren wenigstens 866 Menschen um der Hexerei willen zum Scheiterhaufen geführet [worden]." [20]

Ohne den geringsten Beweis für Hexenprozesse außerhalb des Zeitraums zwischen 1569 und 1598 rechnete Voigt Todesurteile mit einem einfachen Dreisatz hoch: Wenn in dreißig Jahren vierzig Hexen verbrannt wurden, dann seien es in hundert Jahren 133 Hexen. Wenn in einem Jahrhundert 133 Hexen verbrannt wurden, dann in 6,5 Jahrhunderten 866 Hexen. [21]
Doch damit nicht genug. Voigt wollte nicht als Lokalhistoriker glänzen, sondern der europäischen Aufklärung einen Dienst erweisen. Daher suchte er nach einem Multiplikator zur Hochrechnung auf europäische Verhältnisse. Als Parameter schienen ihm die Einwohnerzahlen geeignet:

"In Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien und England, und überhaupt in dem Theile Europens, welcher seit dem Ausgang des 6. Jahrhunderts sich zur christlichen Religion bekannt hat, sind wenigstens 71 Millionen Einwohner anzunehmen. Wenn nun in einem so kleinen Bezirk Deutschlandes, welcher kaum 11 bis 12000 Menschen fasset, in einem Jahrhunderte auf 133 Personen als Hexen hingerichtet sind; so beträgt dieses in der ganzen christlichen Kirche auf jedes Jahrhundert 858.454, und auf den von mir bezeichneten Zeitraum von elf Jahrhunderten 9 Millionen vierhundert zwei und vierzigtausend neunhundert vier und neunzig Menschen." [22]

Selbst wenn Voigts Zahlenbasis und seine Spekulationen über jahrhundertelang konstante Hexenverfolgungen in ganz Europa zugetroffen hätten - sogar in sich war diese Hochrechnung verquer. Denn statt vorher 650 Jahre legte er jetzt plötzlich elf Jahrhunderte zugrunde, vom Beginn des 7. bis zum Ende des 17. Jahrhunderts, wobei als Anfangspunkt das Pontifikat Papst Gregors des Großen (590-604) herangezogen wurde, der die Hexenprozesse eingeführt habe.
Voigts neue Modellrechnung funktionierte in zwei Schritten. Zuerst berechnete er die Zahl der pro Jahrhundert in Europa hingerichteter Hexen: 133 x 71.000.000 / 11.000 = 858.454,55. Multipliziert mit elf für die angebliche Zahl der Verfolgungsjahrhunderte wäre er allerdings auf die runde Zahl von 9.443.000 gekommen. Voigt rundete seine Zahl jedoch vorher ab und rechnete: 858.454 x 11 = 9.442.994. Bei höher angesetzten Einwohnerzahlen für Quedlinburg verringerte sich die Gesamtopferzahl entsprechend, bei 12.000 Einwohnern zum Beispiel auf 8.656.083 Opfer. Freilich kam es auf solche Details bei Voigts Berechnungsmethoden überhaupt nicht an. Im Gegenteil stellte er weitere Hochrechnungen in Aussicht:

"Wollte ich die unglücklichen Schlachtopfer mitzählen, welche theils vorher, nämlich vom dritten bis zum sechsten Jahrhundert, theils nachher, nämlich noch in dem gegenwärtigen Jahrhunderte, theils im übrigen Europa, als Polen, Schweden, Dännemarck etc. auf eben diese Weise hingerichtet sind; so könnte ich diese Berechnung noch weit höher treiben." [23]

[669] Voigts hanebüchene Hochrechnung erregte soviel Interesse, daß sie noch im selben Jahr im "Hannoverischen Magazin" nachgedruckt wurde. Acht Jahre später erschien der Aufsatz posthum an erster Stelle in einem Sammelband mit "Gemeinnützigen Abhandlungen". Die Hochrechnung mit den 9.442.994 Hexen ist darin unverändert enthalten. [24]

Die Latenzphase im frühen 19. Jahrhundert 

Die Reaktion auf Voigts "Neun-Millionen-Theorie" war von Seiten der Gelehrten reserviert, für eine Rezeption finden sich zunächst wenig Belege. Der österreichische Jurist Johann Christian Graeff schrieb 1817 in seinem "Versuch einer Geschichte der Criminalgesetzgebung [...], auch des Hexen- und Zauberwesens in der Steyermark" ohne Nennung einer Belegstelle, doch unverkennbar nach Voigt: 

"Man will berechnet haben, es seyen in dem Zeitraume von eilf Jahrhunderten in Europa nicht weniger als neun Millionen vier hundert und zwey und vierzigtausend neun hundert vier und neunzig Menschen, wegen Hexerey hingerichtet worden (!). Zu welcher ungeheuren Zahl denn auch die Steyermark einen verhältnißmäßigen Beytrag geliefert hat. Wenn übrigens die Berechnung auch übertrieben wäre [...], so ist es doch gewiß, daß unter dem Vorwande dieses - nur in den Einbildung bestehenden - Verbrechens unzählbare Ungerechtigkeiten verübt wurden." [25]

Wenngleich Graeff die Zahl seines preußischen Kollegen mit Skepsis wiedergibt, zeichnete sich doch jene Bereitschaft zur Vermehrung der Opferzahlen ab, die auch bei Historikern der Romantik beobachtet werden kann. Der Amsterdamer Stadtarchivar Jacobus Scheltema (1767-1830) behalf sich mit der Fehlinterpretation einer Quelle aus der Zeit König Franz I. von Frankreich, die 100.000 Hexen im Königreich vermutete. Scheltema machte daraus - ohne Rekurs auf Voltaire - kurzerhand 100.000 Hexenhinrichtungen. [26] Der französische Schriftsteller Baron Etienne-Léon de Lamothe (1786-1852), ein verarmter Adeliger, der später unter dem Namen "Lamothe-Langon" publizierte, verlegte 1829 den Beginn der großen Hexenverfolgungen auf den Anfang des 14. Jahrhunderts. Da aufwendige Recherchen sein ungenügendes Einkommen geschmälert und die Ergebnisse ohnehin nicht seinen Vorstellungen entsprochen hätten, erfand er kurzerhand die Quellen für große Hexenverfolgungen in Südfrankreich. Seine Fälschungen waren so erfolgreich, daß sie erst in den 1970er Jahren enttarnt worden sind. [27]

In der Vormärzzeit begründete Wilhelm Gottlieb Soldan (1803-1869) im Geiste des Historismus einen neuen Standard der historischen Hexenforschung, der so erfolgreich wurde, daß der amerikanische Historiker William Monter dafür den Begriff "Soldan Paradigma" geprägt hat. [28] Der liberale lutherische Theologe und spätere Abgeordnete in der [670] Zweiten Kammer des Landtags von Hessen-Darmstadt lieferte in seiner "Geschichte der Hexenprocesse. Aus den Quellen dargestellt" von 1843 Einzelbeispiele für entsetzliche Verfolgungen, exakte Quantifizierungen lagen ihm so fern wie anderen Jüngern Leopold von Rankes. [29] Diese Verfahrensweise blieb typisch für die professionelle Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts. Sofern sie sich überhaupt mit dem Hexenthema beschäftigte, präsentierte sie allein verifizierbare Fälle, entsprechend dem handwerklichen Ethos Johann Gustav Droysens (1808-1884), der in einer frühen Fassung seiner "Historik" im Zusammenhang mit der Erläuterung der Quellenkritik 1858 auf "die Zeit der Hexenprozesse" Bezug genommen hat. [30]

Selbst Jacob Grimm (1785-1863), der selbst kräftig an neuen Mythen bastelte, zitiert zwar die Werke Voigts, überging aber dessen Zahlenspiele und lehnt sich für die Hexenverfolgungen an die Autorität Soldans an. Dessen Verzicht auf jeden Quantifizierungsversuch bot freilich Raum für Spekulationen. Wenn Grimm schrieb, "zahllose schlachtopfer fielen in fast allen theilen Europas", so konnte dies Erwartungen wecken. [31] Grimms kongenialer französischer Freund, der Revolutionshistoriker Jules Michelet (1798-1874), dessen Diktum, die Hexe stamme "aus der Zeit der Verzweiflung", heute noch gerne zitiert wird, spricht zwar von "Millionen von Opfern", doch faßt er damit alle Verfolgten der europäischen und amerikanischen Geschichte zusammen: "Albigenser, Waldenser, Protestanten, Mauren, Juden, Indianer aus Amerika." [32]

"Neun Millionen Hexen" im Kulturkampf 

Zur Rezeption der Voigtschen Hochrechnung kam es erst zum Zeitpunkt einer neuerlichen Konfrontation zwischen Staat und Kirche, nämlich im Kontext jenes politischen Konflikts zwischen Staat und katholischer Kirche, der nach der Verurteilung des Rationalismus und Liberalismus durch Papst Pius IX. im sogenannten "Syllabus" 1864 das geistige Klima des letzten Jahrhundertdrittels in einigen europäischen Ländern prägte. [33] Im Kontext des 1866 in Österreich anhebenden Kulturkampfs publizierte der in Preßburg (Bratislava) geborene Wiener Professor für alttestamentliche Exegese Gustav Roskoff (1814-1889) seine "Geschichte des Teufels". Für Roskoff war die Hexenverfolgung nur eines von vielen Beispielen für die verhängnisvolle Verstrickung der christlichen Kirchen in die dualistische Teufelsvorstellung. Seine Ausführungen zum Hexenthema basieren hauptsächlich auf Soldan, von diesem übernahm er Lamothes Fälschungen, während er diejenigen Scheltemas zu ent- [671] decken imstande war. Unbeeindruckt von den Regeln historistischer Quellenkritik griff Roskoff Voigts Hochrechnung auf, die er jedoch möglicherweise nur vermittelt durch das Zitat bei Graeff kannte. Entscheidend für die weitere Tradition war, daß Roskoff die Zahl der Opfer auf griffige "ungefähr neun Millionen Hexer und Hexen, die in Flammen aufgehen mußten", reduzierte. Mit Roskoffs Autorität verschwand der Ursprung der Hochrechnung für spätere Autoren aus dem Blick. Roskoff wurde zum Urheber der Neun-Millionen-Theorie im engeren Sinn. [34]

Nach der Propagierung der päpstlichen Unfehlbarkeit auf dem l. Vatikanischen Konzil 1870, der "kleindeutschen" Staatsgründung von 1871 und dem Beginn der Bismarckschen Kulturkampfgesetzgebung waren die Bedingungen für eine Rezeption Roskoffs in Deutschland besonders günstig. Dem Hexenthema kam als Extrembeispiel eine hochrangige Bedeutung in der Polemik gegen das Infallibilitätsdogma zu. [35] Die einflußreichste Stimme gehörte dabei Soldans Schwiegersohn Heinrich Heppe (1820-1879), dem Ordinarius für evangelische Theologie an der gerade erst preußisch gewordenen Universität Marburg. [36] Als Kenner der Literatur wußte Heppe, daß die runden Zahlen Roskoffs auf Voigts Berechnung beruhten. "Diese Berechnung ist nun freilich nicht allein ungenau, sondern auch unrichtig, da die Zahlen, welche die Hexenverfolgungen im 17. Jahrhundert aufweist, nicht als Maßstab zur Abschätzung der Zahl der vor dem 15. und 16. Jahrhundert Hingerichteten (wo die eigentliche Hexenverfolgung erst begann) gebraucht werden kann". Doch obwohl Heppe diese Berechnung ablehnte, ließ er sich zu einer ähnlich großzügigen Schätzung verleiten: "Andererseits ist hervorzuheben, daß es viele Territorien ... gegeben hat, wo in einem Jahrhundert weit, weit mehr Hexen als im Quedlinburgischen hingerichtet worden sind, weshalb doch die Gesamtzahl der als Hexen und Zauberer Verbrannten immerhin nach Millionen zu beziffern sein mag." Soldans Tochter Henriette Heppe (1832-1883), die sich als Sachwalterin sowohl ihres Vaters als auch ihres verstorbenen Mannes betrachtete, publizierte 1880 Heppes konfessionell zugespitzte Überarbeitung als "Soldan-Heppe", der als neues Standardwerk den alten "Soldan" ersetzte. [37] Die vage, aber weit überhöhte Quantifizierung wurde durch den nächsten Bearbeiter, den Journalisten Max Bauer, in der konfessionell wieder entschärften letzten Ausgabe ("Soldan-Heppe-Bauer") von 1911 beibehalten, beidemale ohne Quellenangabe. Diese Ausgabe wird bis heute nachgedruckt. [38]

Katholische Autoren wehrten sich gegen derartige konfessionell inspirierte Polemik. Als Beispiel dafür steht der katholischen Pfarrer Johannes Diefenbach (1832-1911), Inspektor [672] der Deutschordenskommende in Frankfurt am Main/Sachsenhausen, der unter Bezug auf Voltaire und in direkter Zurückweisung der abstrusen Hochrechnung Voigts die Hinrichtung von 100.000 Hexen nahelegt. [39] In einem Artikel in "Wetzer und Weltes Kirchenlexikon" unterschied Diefenbach überdies im Literaturverzeichnis zwischen katholischen und protestantischen Autoren: So konnte jeder leicht erkennen, daß die "Neun Millionen" eine protestantische Zahl waren [40].

Protestantische Kontroversisten wie der Karlsruher Pastor Georg Längin erregten sich über diesen Versuch der katholischen Verharmlosung der Hexenverfolgungen und machten - gestützt auf die Autoritäten Roskoff und Heppe - die vorreformatorische Inquisition und die katholische Gegenreformation für "mehrere Millionen" verbrannter Hexen verantwortlich. [41] Im Gefolge Längins läßt sich beobachten, daß protestantische Lexika zu einer Vermehrung der Opfer neigten. Albert Haucks "Realencyclopädie für protestantische Theologie und Kirche" taxierte "die nur allzu zahlreichen unglücklichen Opfer dieses Verfahrens (nach mäßigster Schätzung gegen 100.000, nach höher greifenden Annahmen mehrere Millionen)". [42] Selbst das angesehene protestantische Lexikon "Religion in Geschichte und Gegenwart" merkte Ende der 1920er Jahre jenseits jeder Sorgfaltspflicht an: "eine Million (mittelbar und unmittelbar Betroffener) mag nicht zu hoch gegriffen sein". [43] 

Zurückhaltung bei den Fachhistorikern

Die professionelle Geschichtsschreibung wahrte gegenüber solch spekulativen Zahlen Distanz. Selbst ein auf Wirkung bedachter Autor wie der liberale württembergische Lehrerssohn Johannes Scherr (1817-1886), der nach seinem aktiven Engagement für die 1848er Revolution in die Schweiz flüchten mußte und neben seiner Arbeit an der Züricher Hochschule kulturhistorische Bestseller verfaßte, zog sich auf die halbwegs plausible Zahl von den 100.000 Hexen zurück - ohne Quellenangabe. [44] Die großen nichtkonfessionellen Lexika (Ersch/Gruber, Rotteck/Welcker, Brockhaus, Meyer, La Grande Encyclopédie, Encyclopedia Britannica, Enciclopedia Italiana) folgten in ihren verschiedenen Ausgaben den Vorgaben der seriösen Literatur und hielten sich mit Quantifizierungen zurück. Der sächsische Lokalhistoriker Johannes Moser nahm 1894 sogar eine ausdrückliche Destruktion der Mythen um die Quedlinburger Hexenverfolgungen vor und attackierte von dessen eigenen Fundamenten her Voigts "kuriose Berechnung". Andere Quedlinburger Autoren folgten ihm darin, doch blieben ihre Bemühungen unbemerkt. [45]

[673] Die Konjunktur der liberalen Hexenforschung vor dem Ersten Weltkrieg setzte in den Jahren um 1900 einen deutlichen wissenschaftlichen Kontrapunkt gegen die konfessionellen Polemiker. Im Vordergrund stand hier eine Gruppierung von Gelehrten aus dem katholischen Milieu, die ihrer Kirche kritisch gegenüberstanden, sich infolge der Proklamation des päpstlichen Unfehlbarkeitsdogmas teilweise dem "Altkatholizismus" angeschlossen hatten, und kaum der Apologie geziehen werden konnten. Der Mitherausgeber der "Historischen Zeitschrift" Sigmund Riezler (1843-1927) legte 1896 in einer methodisch bahnbrechenden Regionalstudie dar, wieviele Opfer im katholischen Bayern tatsächlich gefunden werden konnten [46]. Der befreundete Bonner Historiker Moriz Ritter (1840-1923) wagte erstmals einen Gesamtüberblick über die regionale Verteilung der Hexenverfolgungen im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation [47], sein Schüler Joseph Hansen (1862-1943), der Direktor des Kölner Stadtarchivs, dokumentierte in grundlegenden und bis heute gültigen Studien die Genese des "mittelalterlichen Hexenwahns". [48] Diese Arbeiten führender deutscher Historiker verdeutlichten, daß sich der Höhepunkt der Hexenverfolgungen auf wenige Jahrzehnte zwischen 1580 und 1630 eingrenzen ließ. Ritter stellte fest, daß es zwar eine "Zone der wildesten Verfolgungen" in den geistlichen Fürstentümern Trier, Mainz, Würzburg, Bamberg und einigen Kleinterritorien gab, daß in der Justiz "vieler anderer Fürstenstaaten" und vor allem der großen Territorien "wohl eine entsetzliche Grausamkeit in einzelnen Fällen, aber nicht die summarische Massenverurteilung aufkam" [49].

Die Politisierung im Nationalsozialismus 

Wenn sich die seriöse Forschung so deutlich gegen die ideologisch bedingte Opfervermehrung verwahrte, woher kommt dann die große Anhänglichkeit an diese Zahlen bis in die Gegenwart? Die Antwort dürfte weder kritische Zeitgeistmagazine, noch die Frauenbewegung oder die Esoterikszene erfreuen. Denn die "Neun-Millionen-Theorie" wandelte seit den 1920er Jahren ihre Bedeutung und wurden im Kontext der NS-Ideologie politisiert und neu interpretiert. In seinem 1930 veröffentlichten Buch "Der Mythus des 20. Jahrhunderts" vertrat der Chefredakteur des Nazi-Parteiblattes "Völkischer Beobachter", Alfred Rosenberg (1893-1946) die Ansicht, der Hexenwahn ginge auf das Schuldkonto des "rasselosen, wüsten Rom", des Papsttums als Nachfolger des etruskischen Haruspex. Auf ihn ginge "dann auch 'unsere' mittelalterliche Weltanschauung zurück, jener furchtbare Zauberglaube, jener Hexenwahn, dem Millionen des Abendlandes zum Opfer gefallen sind, der auch durchaus nicht mit dem 'Hexenhammer' ausgestorben ist, sondern in der kirchlichen Literatur von heute noch lustig weiterlebt, jeden Tag bereit, offen hervorzubrechen". Die "klassisch-nordische Antike" habe keine Hexenverfolgung gekannt; diese Heimsuchung der germanischen Kultur sei ein Ausfluß "syrischen" Wesens. Gemeint war: der jüdischen "Rasse". [50]

[674] Der aus einer hugenottischen Familie stammende Rosenberg hatte die letzte protestantische Opferrechnung übernommen und um eine rassistische Dimension erweitert. Als er nach der Machtübernahme der Nazis "Überwacher der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP" wurde, erreichte sein "Mythus" eine Auflage von mehr als einer Million Exemplare. [51] Rosenbergs Ansichten in der Hexenfrage wurden Gegenstand von Schulungsbriefen für Parteimitglieder, und die Parteipropaganda benutzte das Hexenthema im nationalsozialistischen "Kirchenkampf" [52], beispielsweise in Form von "Thesenanschlägen" an Kirchentüren, die an die "Befreiungstat" des "Deutschen" Martin Luther erinnern sollten. Die Münchner Volkskundlerin Barbara Schier hat darauf hingewiesen, in welchem Maße Art und Massivität des ideologischen Angriffs "das Thema Hexenwahn aktualisiert" haben. [53]

Neben dem rassistischen Ideologen interessierten sich im "Kirchenkampf" der NS-Bewegung zwei weitere Gruppierungen für das Thema der europäischen Hexenverfolgungen: Der völkische Feminismus und die neuheidnischen Glaubensbewegungen. Mathilde Ludendorff (1877-1966), neben ihrem Ehemann Erich Ludendorff (1865-1937) Führerin einer neuheidnischen Gruppierung [54], widmete speziell dem Hexenthema 1934 mit Auflagen von über hunderttausend Exemplaren das Pamphlet "Christliche Grausamkeit an Deutschen Frauen". In diesem Kontext kam es zur Wiederbelebung der Neun-Millionen-Theorie: "Christen" hätten nach Frau Ludendorff den "Hexenwahn gelehrt, Hexenverfolgung zur religiösen Pflicht erhoben, und zu diesem Verbrechen an den Frauen" angereizt. Ergebnis waren jene "grauenvollen Folterungen und Verbrennungen der neun Millionen 'Hexen' ..., die die Christen auf dem Gewissen haben". Wie die "Sowjetgreuel" für den Marxismus sei die Hexenverfolgung "Gradmesser für den Wert der Lehren, auf die sie sich gründen" [55]. Frau Ludendorff machte mit wünschenswerter Deutlichkeit klar, daß die völkische Bewegung die Schuld an den Hexenverfolgungen nicht mehr allein der katholischen, sondern auch der evangelischen Kirche zuschrieb: Die "neun Millionen Hexen" verwandelten sich so von einem protestantischen zu einem nationalsozialistischen Argument. [56]

Zu einer weiteren Radikalisierung dieser Argumentation kam es im Milieu des völkischen Feminismus [57]. In der Abhandlung "Der christliche Hexenwahn. Gedanken zum religiösen Freiheitskampf der deutschen Frau", einem "Kampfruf für jede nordisch-bewußte Frau", gewidmet "meinen deutschen Schwestern", die sich im Sinne der Monatszeitschrift "Die deutsche Kämpferin" zu einer "Schwesternschaft" zusammenschließen und endlich ihren [675] "Freiheitskampf" aufnehmen müssen (Vorwort), überbot Frieda Reimerdes (bzw. Friederike Müller-Reimerdes) erstmals die alte Neun-Millionen-Theorie. "Jüdische Denkart", "liberalistische Entwurzelung" und "art- und rassefremde Seelen- und Geistesgesetze" der "christlichen Priester- und Dogmenkirche" hätten nach Ansicht von Müller-Reimerdes "der deutschen Frauenwürde die tiefsten und blutigsten Wunden" geschlagen. Auch habe die "rassewidrige Weltanschauung" des Christentums zur "Entartung deutschen Mannestums" geführt, das sein "artgemäßes Heldentum, das einst nur gleichwertige Frauen ertragen konnte, mit orientalischem Mannestum vertauscht hat". Tausend Jahre lang hätten deutsche Frauen "unter einer nur vom Manne geformten, unwürdigen Stellung im Volksleben [ge]litten".

"Blonde Frauen und Mütter, die Trägerinnen nordischen Rasseerbguts" seien von der Kirche systematisch ausgerottet worden. Bei dem "vier bis fünf Jahrhunderte dauernden organisierten und offiziellen Menschenmord, dem nach den jüngsten Berechnungen nicht Tausende oder Hundertausende, sondern neun bis zehn Millionen Frauen zum Opfer fielen", rissen sich christliche Männer "um die Ehre, die eifrigsten Hexenvertilger zu sein". Daß auch Männer hingerichtet wurden, geschah ihrer Ansicht nach nur, "um der organisierten Frauenausrottung den Mantel 'fachlich-sachlicher' Begründung zu leihen und sie dadurch den christlichen Völkern gleichsam 'mundgerecht' zu machen". Gegenüber der christlichen Kirche, "diesem konsequentesten Männerkollektiv", solle das feierliche Gelübde stehen: "Ich werde ein Rächer meiner gemarterten Schwestern werden!" [58] Publiziert wurden diese Ansichten in den "Reden und Aufsätzen zum nordischen Gedanken" des vom "Amt Rosenberg" protegierten Jenaer Nordisten Bernhard Kummer (1897-1962), der zum nationalsozialistischen "Kirchenkampf" mit Werken über die weibliche Gottheit der Germanen und anderen Schriften beitrug. [59] Reimerdes' Pamphlet wurde in diversen Kontexten als Literaturangabe zur "wissenschaftlichen" Vertiefung des Themas angegeben, zum Beispiel in der NS-Zeitschrift "Der Schulungsbrief" 1937 oder in der großen Berliner Ausstellung "Frau und Mutter - Lebensquell des Volkes" 1939. [60]

Das Interesse an der Erforschung der Hexenverfolgung gewann während der NS-Zeit eine quasi amtliche Dimension mit der Errichtung einer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe "H-Sonderkommando", die seit 1935 dem Sicherheitsdienst (SD) Heinrich Himmlers angegliedert war und 1937 Teil der "Gegnerforschung" im "Reichssicherheitshauptamt" (RSHA) wurde (Amt III, ab 1941 Amt VII, Abt. C 3 "Wissenschaftliche Sonderaufträge" im RSHA). Diese aus SS-Männern mit wissenschaftlicher Ausbildung bestehende Arbeitsgruppe, die mit bis zu zwölf hauptamtlichen Mitarbeitern von 1935 bis 1944 tätig war, sollte mögliche Spuren einer germanischen Religion in den Prozeßakten suchen, vor allem aber belastendes Material gegen die großen Kirchen zusammenzutragen. Trotz einer positiven Evaluation am 11. April 1942 durch den Historiker Günter Franz (1902-1993), der die "Gegnerforschung" im RSHA (Freimaurertum, Liberalismus, Kommunismus, vor allem [676] aber Kirchen/Hexen und "Lösung der Judenfrage") wissenschaftlich betreute [61], erwies sich die Arbeitsgruppe als ineffektiv. Vermutlich mußte sie ab einem bestimmten Zeitpunkt vertuschen, daß ihre Ergebnisse in jeder Hinsicht - auch in quantitativer - enttäuschend waren: Bei zahlreichen Doppelnennungen brachte es die Arbeitsgruppe auf insgesamt ca. 30.000 Karteikarten von Personen, die von Hexenprozessen betroffen gewesen sind. [62] Auch wenn die geplanten Publikationen dieser Arbeitsgruppe nicht zustandekamen, kann man festhalten, daß die Propagierung weit übertriebener Opferzahlen bei den Hexenverfolgungen fester Bestandteil der nationalsozialistischen Propaganda gegen die beiden großen Kirchen war. Die Gesamtheit der in diesem Kontext publizierten Schriften bedürfte noch der Erforschung. [63] 

Neopaganismus und "Neun-Millionen-Theorie"

Seriöse Lexika hatten sich gegenüber den angeblich Millionen Hexen auch während der NS-Zeit spröde gezeigt. Weder in Deutschland noch in anderen Ländern wurden solche Zahlen ernstgenommen. Der der politischen Linken nahestehende Historiker Rossell Hope Robbins, der in den USA in der Ära McCarthy zeitweise Opfer eines Berufsverbots wurde und sich mit Schriftstellerei ernähren mußte, hielt in seiner "Encyclopedia of Witchcraft and Demonology" 1959 eine Zahl von insgesamt 200.000 Opfern für wahrscheinlich, was immerhin eine Verdoppelung der klassischen Zahl Voltaires darstellte. [64] Der jüdisch-deutsche Emigrant Kurt Baschwitz (1886-1968), der in den Niederlanden zu einer führenden Größe der Zeitungswissenschaften aufgestiegen war, wagte 1963 eine Gesamtdarstellung der europäischen Hexenverfolgungen, aus welcher spätere deutschsprachige Darstellungen ein Gutteil ihrer Weisheit bezogen. Ganz in der Tradition der älteren Geschichtsschreibung verzichtete Baschwitz auf eine Quantifizierung wie auf oberflächliche Parallelisierungen mit den Verfolgungen während der Zeit der NS-Diktatur. [65]

In Deutschland tauchten die "neun Millionen Hexen" dagegen bald wieder dort auf, wo sie zuletzt propagiert worden waren, nämlich in der neuheidnisch-esoterischen Ecke. Zwei Jahre vor der ersten Neuauflage von Roskoffs "Geschichte des Teufels", die aus den Biblio- [677] graphien einschlägiger Lexikonartikel verschwunden war, schwadronierte Ursula von Mangoldt in ihrer Einleitung zu Gerald B. Gardners Buch "Ursprung und Wirklichkeit der Hexen" 1965 von "neun Millionen" Hexen, eine Zahl, die sich in Gardners Text selbst nicht findet. Die Übersetzerin begründet ganz im Sinne Rosenbergs und Ludendorffs, die Hexenverfolgungen seien Ausdruck "des Kampfes der christlichen Kirche gegen alte heidnische Bräuche, die auszurotten die Priester und Instanzen der damaligen Geisteshaltung" als ihre Aufgabe angesehen hätten. [66] Man geht wohl recht in der Annahme, daß die Mär von den neun Millionen Hexen nach 1945 in Deutschland nicht direkt von den inzwischen nur mehr schwer erhältlichen Publikationen von Voigt oder Graeff übernommen worden ist, sondern Anknüpfungspunkte an die Indoktrination der NS-Zeit bestanden. [67]

Nicht wenige wegen politischer Belastung suspendierte Professoren hatten in den 1950er Jahren wieder in den Universitätsdienst zurückkehren können. Allerdings vermieden sie in der Regel - wenigstens in gedruckten Äußerungen - Anklänge an ihre unrühmliche Vergangenheit. [68] Dagegen publizierten deutschvölkische Autoren wie Mathilde Ludendorff und Bernhard Kummer im westlichen Nachkriegsdeutschland bis an ihr Lebensende ungestört weiter und unterhielten Kreise von Gleichgesinnten, welche die eigenartigen Ansichten des Milieus tradierten, auch wenn nicht mehr von "Rasse", sondern von "Art" geschrieben wurde und zeitweise Kelten die Germanen als mythischen Bezugspunkt ersetzten. [69]

Interessant ist in diesem Zusammenhang der Vergleich der neuheidnischen Milieus in Deutschland, England und den USA. Der von Frau Mangoldt übersetzte Gerald B. Gardner (1884-1964), ein Adept des Fin-de-Siécle-Okkultisten Aleister Crowley (1875-1947), gehörte seit 1937 zu den Stiftern jener neuen "Hexenreligion", die er beschreibt. [70] Das Neuheidentum verbreitete sich in verschiedenen Varianten und reicher Publikationstätigkeit vor allem in Großbritannien und den USA. In Pasadena/California hatte ein Ableger von Crowleys Thelema-Orden überlebt, dem unter anderem auch L. Ron Hubbard (1911-1986) angehörte, der Gründer der Scientology-Sekte. Sein Anführer fiel 1952 nach vergeblichen Versuchen, eine Inkarnation der weiblichen Gottheit zu schaffen, einer Laborexplosion zum Opfer. [71] Der Aufschwung der neuen "Hexenkulte" und der Esoterikszene generell war einer der Gründe für das Anwachsen der Opferzahlen auch außerhalb Deutschlands: "Mil-[678] lionen von Hexen" ließ der völlig überforderte Sandro Stratta in seinem esoterisch angehauchten Artikel "Stregoneria" im Turiner "Grande Dizionario Encyclopedico" exekutieren [72]. Und der englische Esoterikhistoriker Richard Cavendish meinte in seiner "History of Magic" ohne Beleg, "the victims of the witch persecutions may have numbered anything from 250.000 to a million." [73] 

Das Große Brennen im neuen Feminismus 

Der andere Grund für die Wiederkehr der Neun-Millionen-Theorie liegt im Erstarken eines radikalen Feminismus. Auch hier kamen die Anstöße aus den USA, wo 1968 der "action wing" der New York Radical Women das Wort "Hexe" neu definierte: Women's International Terrorist Conspiracy from Hell - WITCH. Die historischen Hexen wurden als verfolgte "foresisters" zum zentralen Mythos, "being the living remnant of the oldest culture of all." [74] Das New Yorker Frauenkollektiv WITCH wurde zur Quelle jenes neuen Hexenmythos, der sich bei Journalistinnen und Journalisten anhaltender Beliebtheit erfreut und zeitweise auch akademisch gebildete Feministinnen "ergriff". Der idolisierte Begriff wurde mit zahlreichen weiteren Akronymen unterlegt, wobei die witzige Auflösung Women Inspired To Commit Herstory den programmatischen Anspruch zum Umschreiben der Geschichte (Herstory versus History) verdeutlichte.

Außerhalb der professionellen Historiographie kam es jetzt in den USA zu einem rapiden Anstieg der Opferzahlen. "Millions" ließen Barbara Ehrenreich und Deirdre English 1973 in ihrem schmalen, aber einflußreichen Büchlein "Hexen, Hebammen und Krankenschwestern" hinrichten, einer mittlerweile klassischen Publikation der neuen Frauenbewegung, welche die Verschwörungsthese propagiert, Ärzte hätten mit Hexenverfolgungen die Frauen aus den Gesundheitsdiensten eliminieren wollen. [76] Eines der einflußreichsten Produkte des akademischen Feminismus, "Gyn/Ecology" von der amerikanischen Religionsphilosophin Mary Daly, erhebt diese Zahlen zum Zentralstück ihrer These vom unterdrückerischen Charakter "des Patriarchats" [77]. In diesem Kontext kam es in den 1970er Jahren zu expliziten Vergleichen der Hexenverfolgung mit dem Holocaust an den europäischen Juden, wobei neben Andrea Dworkin insbesondere Mary Daly den Genozid durch einen "Gynozid" übertreffen wollte. [78] Diane Purkiss, Lecturer in English an der University of Reading, hat herausgearbeitet, in welcher Weise sich Daly dabei selbst zur Hexe stilisierte und möglichen Kritikern die Rolle der Inquisitoren zuweist, wobei sie in ihrem denunziatorischen Duktus eher den Verfassern des "Hexenhammers" als den verfolgten Frauen glei- [679] che. Während das Schicksal historischer, tatsächlich als "Hexen" verbrannter Einzelpersonen zum bloßen Belegmaterial verkommt, dient "The Great Burning" als Legitimation der eigenen Radikalität. [79]

Purkiss diagnostizierte eine Art Wettbewerb mit dem Ergebnis, "daß Frauen mehr gelitten hätten als alle Opfer von Rassismus und Völkermord". Das Bestehen auf dem "Verbrennen" (burning) deute auf die Parallelisierung mit den Krematorien, wenn nicht auf Hiroshima oder Dresden. Die Botschaft, die Hexenverfolgung sei in Wirklichkeit eine Frauenverfolgung gewesen und diese habe den Holocaust quantitativ weit übertroffen, wurde charakteristischerweise erneut an der Schnittstelle von esoterischem Neuheidentum und Feminismus geboren, wo Autorinnen wie Miriam Simos (Starhawk) ihren Lebensunterhalt mit "magischen" Dienstleistungen bestreiten. [80] Wie im völkischen Feminismus werden hier mit Opferzahlen bis zu 13 Millionen Hexen neue Superlative erzielt, natürlich ohne die Spur eines Beleges, wo nicht nur die Quellen, sondern auch die Sekundärliteratur hinter dem eigenen Wunschdenken verschwindet. [81] Die neuen Schätzungen hatten eine doppelte Wirkung: Zum einen ließen sie amerikanische Lexikonredaktionen nicht unbeeindruckt. Weit abseits der historischen Wirklichkeit behauptet etwa Elizabeth E. Bacon in der "Encyclopedia Americana", nach Erlaß der päpstlichen Bulle "Summis desiderantes" von 1484 "300.000 to 2.000.000 persons were executed as witches". [82] Zum anderen wirkten die Erwartungen der neuen Frauenbewegung auf die europäische Diskussion zurück.

Hier allerdings hakte sich die Suche rasch wieder in der Gegend der alten "Neun-Millionen-Theorie" fest. 1977 schrieb Hannsferdinand Döbler in einem sonst relativ vernünftigen Buch: "Die Zahlen über den Hexenwahn sind ungenau, sie schwanken von 9,5 Millionen bis zu 500.000 Opfern; die Wahrheit wird bei einem mittleren Wert liegen". [83] Eine möglichst hohe Opferzahl erforderte die These einer "Vernichtung der weisen Frauen" durch den frühmodernen Staat, in welcher die zwei Bremer "Sozialwissenschaftler" Gunnar Heinsohn und Otto Steiger die Ehrenreich/English-These mit der eigenen Verschwörungsvorstellung mischen, das "geheime Verhütungswissen" der Hebammen sei ausgerottet worden, um durch möglichst viele Geburten eine Peuplierung der frühneuzeitlichen Fürstenstaaten zu erreichen. Bezüglich der Opferzahlen haben Heinsohn/ Steiger über den Querverweis Diefenbachs Voigts hochgerechnete 9.442.994 verbrannten Hexen wiederentdeckt. Obwohl sie zur Vortäuschung von Seriosität die einschlägige neuere Fachliteratur angaben, sprachen sie 1979 von einer "Vernichtung von Millionen von Frauen."  [84] Über ihre, durch unkritische und sensationsheischende Nacherzählung in dem Magazin "Der Spiegel" weit verbreitete [680] und dennoch unhaltbare Geschichtsklitterung ist alles Notwendige bereits gesagt worden. [85] Larissa Leibrock-Plehn urteilte in ihrer pharmaziehistorischen Dissertation: "Die beiden Autoren schmieden so eine absurde Verschwörungsthese, die möglicherweise dem heutigen Zeitgeist entgegenkommt, einer historisch-kritischen Überprüfung jedoch nicht standhält." [86] 

Sensation statt Information: Der Journalismus 

Wenn man bedenkt, welches Vertrauen selbst gebildete Leser in die großen liberalen Zeitungen setzen, weil man hier die Selbstkontrolle durch eine informierte Redaktion erwartet, verdient das Verhalten von Magazinen wie "Der Spiegel" [87] und "Der Stern", oder auch der "Süddeutschen Zeitung" besondere Aufmerksamkeit. Durch die eingangs erwähnten Artikel von Ingrid Kolb im "Stern" erhielt die Zahl "neun Millionen" Auftrieb wie zuletzt zu Zeiten der NS-Propaganda. Leider macht die Journalistin keine Angaben darüber, wie sie bei der Unentschlossenheit auch der radikalsten Literatur ausgerechnet auf diese Zahl kam. [88] Immerhin zeigt die Überlieferungskritik, daß die Optionen gerade für diese Zahl sich im wesentlichen auf zwei Referenzpunkte beschränken läßt: den Kulturkampf und den nationalsozialistischen "Kirchenkampf".

Ihre Erneuerung der Neun-Millionen-Theorie kam jedoch an. Die Wiener Kulturjournalistin Hilde Schmölzer schreibt: "Die Zahl der Opfer nachträglich auch nur ungefähr festzustellen, [ist] allerdings unmöglich angesichts der Tatsache, daß wahrscheinlich zwei Drittel der Akten verlorengegangen sind. Nach allgemeinen Schätzungen beläuft [sie] sie sich zwischen 9 Millionen und fünfhunderttausend, wobei die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte liegt." [89] Sogar in Dissertationen fand diese Art von Rabulistik Eingang: "Die Zahlen schwanken in den verschiedenen Quellen erheblich", berichtet in ihrer Doktorarbeit die Frankfurter Psychologin Evelyn Heinemann, wobei sie offenbar mit "Quellen" Literatur meint. Zu ihren Gunsten wollen wir annehmen, daß sie ihre Weisheit über "ein bis neun Millionen Menschen" als Opfer der Hexenverfolgungen nicht aus dem Magazin "Der Stern" oder von Mathilde Ludendorff bezogen hat, sondern aus dem Neudruck des mittlerweile über hundert Jahre alten Buches von Roskoff. [90] Inzwischen waren die "neuen Hexen" auch in Deutschland angekommen und wurden gebührend begrüßt: Der promovierte und habilitierte "wissenschaftliche Leiter" des Faust-Museums in Knittlingen Günter Mahal schwa- [681] droniert in seiner Einleitung zu Colette Fiats Buch "Frauen, die hexen": "Fest steht, daß zwei oder fünf oder sechs Millionen Frauen zuviel mit Fragen und Folterwerkzeugen gepeinigt und umgebracht wurden."[91]

Die Journalistin Erika Wisselinck (geb. 1927), langjährige Studienleiterin an der Evangelischen Akademie Tutzing und Übersetzerin von Mary Dalys "Gyn/Ökologie", behauptete 1986 in einer Publikation des Verlages "Frauenoffensive" mit dem präpotenten Titel: "Hexen. Warum wir so wenig von ihrer Geschichte erfahren und was davon auch noch falsch ist. Analyse einer Verdrängung" kategorisch: "Nach neuesten Erkenntnissen wurden Millionen umgebracht". Einen Beleg dafür gibt die Autorin nicht, Grundlage ihrer Kenntnisse über "die Geschichte unserer Vorschwestern" war vielleicht Daly. In Frage kommt jedoch auch Mathilde Ludendorffs "Christliche Grausamkeit an deutschen Frauen", das Wisselinck überraschenderweise heranzieht. Neuer Feminismus, völkische Frauenbewegung und nationalsozialistischer Neopaganismus reichen sich hier die Hand. Begriffe wie "Frauen-Holocaust" wirken vor einem solchen Hintergrund besonders befremdlich. [92] In einem Porträt der "Hexen-Forscherin" Wisselinck für die Süddeutsche Zeitung [93] durch Elisabeth Höfl-Hielscher heißt es 1987 in munterem Plauderton: "'Es ist wie beim Holocaust', sagte Erika Wisselinck: Derselbe Widerstand gegen die Ermittler, dieselbe Verharmlosung eines Massenmordens, dem, wie man heute schätzt, zwischen sechs und 18 Millionen Menschen, fast ausschließlich Frauen, zum Opfer gefallen sind". Der Artikel wirbt unverhohlen für den Kauf von Wisselincks Schriften, darunter ihres sicher hochinteressanten Buches "Frauen denken anders". [94]

Dem bereits im Mittelalter bekannten Prinzip der "doppelten Wahrheit" scheinen angesichts derart massiver "Invention of Tradition" [95] inzwischen auch seriöse Lexikonredaktionen zu folgen. Die große Brockhaus Enzyklopädie betet 1988 im Artikel " Frau" mit "Millionen von Opfern" den Glaubenssatz der radikalen Frauenbewegung nach. Folgt man dem Querverweis auf den nur ein Jahr später publizierten Artikel "Hexe", so findet man dort keine Bestätigung, sondern eine kompetente Zusammenfassung der jüngeren Forschung. Allerdings wird neben der seit Voltaire bekannten Zahl 100.000 unbegreiflicherweise auch den 500.000 Opfern von Heinsohn und Steiger (bzw. ihrer 1985 nach unten revidierten Schätzung) Raum geboten und vorsichtshalber auf "sehr viel höhere Zahlen" hingewiesen. Angesichts der sonst zitierten Literatur wäre dagegen der Verweis auf sehr viel niedrigere Zahlen angebracht gewesen. [96] 

[682] Das Ende der "Neun-Millionen-Theorie" 

Wenn sich die seriöse Forschung heute ernsthafter mit Fragen der Quantifizierung beschäftigt, dann hat dies mit jenem Paradigmenwechsel zu tun, der die Geisteswissenschaften für sozialwissenschaftliche Methoden geöffnet hat. Andererseits ließ es der reale Holocaust an den europäischen Juden in den Jahren 1941-1945 geboten erscheinen, den fiktiven Superlativ von den "neun Millionen Hexen" näher zu untersuchen. Dadurch kam - ohne daß sich dazu irgendeine programmatische Äußerung finden ließe - die Dekonstruktion der "Neun-Millionen-Theorie" seit den 1960er Jahren in Gang. Der englische Historiker Norman Cohn hat nicht nur die Fälschungen Lamothes enttarnt und damit die Chronologie der Hexenverfolgungen repariert, sondern auch die umlaufenden Zahlen von "einigen hunderttausend" Hexenverbrennungen als "phantastische Übertreibungen" kritisiert. [97]

Die neuere Forschung hat deutlich werden lassen, wo und wann Hexen verfolgt worden sind. Zahlreiche Regional- und Lokalstudien haben unter Verwendung serieller Quellen (Inquisitionsregister in südeuropäischen Ländern und in Lateinamerika, Protokolle von Appellationsgerichten, Gerichtsprotokolle, Gerichtsrechnungen, Chroniken, Tagebücher, etc.) Ergebnisse produziert, deren Validität über jeden Zweifel erhaben ist. Einige Berichte über angebliche große Verfolgungen, die bereits in der zeitgenössischen Literatur angeführt worden waren (Rémy, Boguet, de Lancre), konnten anhand erhaltener Akten falsifiziert werden, andere dagegen gewannen an Profil. Die größeren Verfolgungen in Europa dürften heute - von Teilen Polens abgesehen - alle bekannt sein. Die Überlieferungslage ist für den Verfolgungszeitraum vielleicht nicht in jedem Einzelfall, aber generell gut. Für manche Länder (z. B. Österreich, Ungarn, Venedig, Spanien, Portugal, Holland, Dänemark, Norwegen, Island, Finnland, Schweden, Estland, etc.) ist die Forschung weit vorangeschritten. [98] Auch über die Hexenverfolgungen in Deutschland wissen wir mittlerweile genug, um zu erkennen, daß es ein "Ausrottungsprogramm" gegen Hexen - mit welcher Motivation auch immer - nicht gegeben hat. [99]
Auf dieser Grundlage sind die Opferzahlen erstmals weit unter die von Voltaire angenommenen 100.000 gefallen. Der amerikanische Historiker Erik Midelfort hat 1981 für Europa eine Obergrenze von 70.000 Opfern gezogen und auf die Besonderheiten der Ereignisse in Mitteleuropa hingewiesen. [100] Der australische Historiker Brian P. Levack sprach 1987 von maximal 60.000 Hexenhinrichtungen in ganz Europa. [101] Im neuesten amerikani- [683] schen Handbuch für die frühmoderne Geschichte Europas spricht einer der besten Kenner dieser Materie, Thomas A. Brady, von "40-50.000 persons executed for the crime of witchcraft", davon die Hälfte auf dem Gebiet des "Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation".[102] Die seriöse feministische Historiographie nähert sich diesen Schätzungen an. Merry E. Wiesner sah 1993 "between 50.000 and 100.000 executed" und konstatiert ganz zu Recht, gemessen an der damals kleineren Zahl der europäischen Bevölkerung seien dies enorme Zahlen. [103]

Der Spekulationen über Obergrenzen müde, habe ich vor einigen Jahren versucht, das Problem der Quantifizierung von der anderen Seite anzugehen und Untergrenzen als Diskussionsgrundlage anzugeben. Diese liegen etwa bei 30.000 wegen Zauberei oder Hexerei hingerichteten Menschen in Europa, davon über 20.000 auf dem Boden des heutigen Deutschland, wo die historischen Hexenverfolgungen ihren Schwerpunkt hatten. Allein dieser "deutsche Sonderweg" ist schon ein guter Grund, im Geschichtsunterricht auf das Hexenthema einzugehen. Enthalten sind in der Zahl für Deutschland alle bisher belegbaren Hexenhinrichtungen, zusätzlich vorsichtige Schätzungen für noch nicht systematisch bearbeitete Gebiete auf der Grundlage dessen, was Querverweise in der zeitgenössischen Literatur, in Konsiliensammlungen, Briefwechseln etc. erwarten lassen. [104] Man mag es als Ironie der Wissenschaftsgeschichte werten, daß die Zahl 30.000 vor Beginn der großen Hochrechnungen als eine der ersten Schätzungen überhaupt schon einmal im Gespräch gewesen ist. [105] Daß sich diese als Untergrenze genannte Zahl wesentlich erhöhen, etwa verdoppeln könnte, ist nicht zu erwarten. Die zuletzt von Brady gegebene Schätzung von maximal 40-50.000 Opfern der Hexenverfolgungen sollte solange in Lexikoneinträgen, Zeitungsartikeln und im Geschichtsunterricht verwendet werden, bis weitere Untersuchungen gezeigt haben, ob innerhalb dieser Grenzen eine exaktere Bestimmung möglich ist. 

Zusammenfassung und Ausblick 

Zweck dieses Aufsatzes ist es, die Diskussion um Opferzahlen zu beenden. Die bis heute auf den deutschsprachigen Raum beschränkt gebliebene Neun-Millionen-Theorie stellt ein wichtiges Leitfossil für die Überlieferungskritik dar. In die Welt gesetzt worden war sie im Zusammenhang mit der letzten europäischen Hexenhinrichtung als Argument der "Volksaufklärung" gegen alteuropäische Traditionalisten. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Millionen-Argument im Rahmen des Kulturkampfs als Waffe liberaler protestantischer Theologen gegen die katholische Kirche instrumentalisiert. Während der Zeit der NS-Diktatur wurde das protestantische Argument rassistisch und neuheidnisch umgedeutet und feministisch angereichert. Jetzt diente es als Waffe gegen die christlichen Kirchen generell. In eine letzte wilde Spekulationsphase sind die Opferzahlen im Zusammenhang mit der radikalen Frauenbewegung und neuheidnisch-esoterischen Bewegungen seit den [684] 1970er Jahren geraten. Man kann als Fazit ziehen, daß die "Neun-Millionen-Theorie" von vornherein absurd war und von der seriösen Forschung stets abgelehnt worden ist, daß sie jedoch aus politischen Gründen ein langes Leben entwickelte. Wer sie nach 1945 propagierte, befand sich in denkbar schlechter Gesellschaft. Journalisten sollten von ihrer Verwendung Abstand nehmen und sich auf ihre Sorgfaltspflicht besinnen.

Jede Parallelisierung der Hexenverfolgungen mit den langfristigen und großräumig organisierten Vernichtungsprogrammen der NS-Zeit ist unhaltbar. Sicher gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Hexen- und Judenverfolgungen, etwa eine zugrundeliegende Verschwörungstheorie, Stereotypenbildung, millenaristische Hoffnungen etc. [106] Doch die Vermutung, potentiell jede Frau sei der Hexerei verdächtig gewesen, entbehrt der Verifizierbarkeit. Schlagworte wie "Frauen-Holocaust" sind unangebracht und irreführend. Von einer generellen Gefährdung von Frauen oder auch nur einer andauernden subjektiven Furcht ist in den Quellen nichts festzustellen. Das Hexenstereotyp wurde in der zeitgenössischen Wissenschaft von Männern tradiert, weil Männer die entsprechenden Funktionen ausfüllten. Es gibt keine Anzeichen dafür, daß sich die Hexereivorstellungen unter Frauen wesentlich davon unterschieden. [107]

Hexen personifizierten in Europa eine diffuse Bedrohung durch feindliche Mächte, welche das Individuum und sein soziales Umfeld, mitunter auch ganze Gemeinschaften in ihrer materiellen oder metaphysischen Existenz zu bedrohen schienen, nicht viel anders, als wir dies in außereuropäischen Gesellschaften finden können. [108] Diese Bedrohung erschien oft, aber nicht immer und regional in sehr unterschiedlichem Ausmaß, mit dem weiblichen Geschlecht verbunden. Die schottische Historikerin Christina Larner (1934-1983) hat dafür die weithin akzeptierte Formel "sex-related , but not sex-specific" gefunden. [109] Indem wir uns mit dem Hexenthema beschäftigen, erfahren wir viel über kollektive und individuelle Sorgen und Hoffnungen, Deutungsmuster und Verhaltensformen der Menschen einer vergangenen Zeit. Mehr als in normativen Quellen und selbst in Autobiographien oder Briefwechseln treten uns hier Menschen plastisch vor Augen und führen uns ein in die konkreten Probleme ihrer Zeit. Wir gewinnen Einblicke in das Alltagsleben, den zeitgenössischen Umgang mit der Natur oder das Verhältnis zwischen den Geschlechtern, über Probleme der Wahrheitsfindung vor Gericht, über kulturelle Barrieren zwischen einfacher Bevölkerung und gelehrter Oberschicht, die Fragilität naturwissenschaftlicher Hypothesen, auch über die [685] Gefährlichkeit von Fanatikern in Politik, Wissenschaft, Justiz, oder auch nur in der Nachbarschaft, die sich im Besitz der Wahrheit wähnen. Solche Fragen sind es, die das Hexenthema für Historikerinnen und Historiker heute aktuell erscheinen lassen. [110]

Anmerkungen 

[1] Ingrid Kolb: Hexen '82. In: Der Stern, 2. September 1982, S. 58-65 (Auflage: 1,87 Millionen). Ingrid Kolb: Hexen. Der alte Mythos und ein neuer Glaube. In: Der Stern, 11. Sept. 1986, S. 16-17, und 17A-17G (9 Seiten), S. 17G. (Auflage: 1,66 Millionen).

[2] Für verschiedene Auskünfte danke ich Frau Margit Reitzammer von den Städtischen Museen Quedlinburg. Für Korrekturen und Stellungnahmen zu früheren Fassungen des Essays danke ich Dr. Barbara Schier, PD Dr. Gerd Schwerhoff und Prof. Dr. H. C. Erik Midelfort.

[3] Generell dazu: Wolfgang Behringer: Zur Geschichte der Hexenforschung. In: Sönke Lorenz (Hg): Hexen und Hexenverfolgung im deutschen Südwesten. Ostfildern 1994, S. 93-146.

[4] Christian Thomasius: Dissertatio de origine ac progressu processus inquisitorii contra sagas. Halle 1712. Übersetzt und herausgegeben von Rolf Lieberwirth. Weimar 1967. Neuausgabe (lateinisch/deutsch) München 1986, S. 158ff.

[5] Wolfgang Behringer: Der "Bayerische Hexenkrieg". Die Debatte am Ende der Hexenprozesse. In: Das Ende der Hexenverfolgung (Hgg. von Sönke Lorenz und Dieter Bauer). Stuttgart 1995 [= Hexenforschung, Bd. 1], S. 287-313.

[6] Jakob Anton Kollmann: Zweifel eines Bayers über die wirkende Zauberkunst und Hexerei. An dem Lechstrom [Augsburg] 1768, S. 72. Abgedruckt auch in: Wolfgang Behringer (Hg): Hexen und Hexenprozesse in Deutschland (= dtv-dokumente 2957), 3., überarbeitete Auflage. München 1995, Dokument 260, S. 435.

[7] Gute Quellenkenntnis wird auch sichtbar bei: Johann Friedrich Rübel: Systematische Abhandlung von denen fast allgemein eingerissenen Irrthümern betreffend die Besizung des Menschen vom Teufel, Hexerey [...], nach physicalischen Lehrsätzen ausgeführt und erwiesen, o. O. 1758. - Constantin von Kauz: De cultibus magicis eorumque perpetuo ad ecclesiam et rempublicam habitu. Wien 1767 [2. Aufl. 1771].

[8] Eberhard David Hauber: Bibliotheca sive acta et scripta magica. Gründliche Nachrichten und Urtheile von solchen Büchern und Handlungen, welche die Macht des Teufels in leiblichen Dingen betreffen, 36 Stücke in 3 Bänden. Lemgo 1738-1745.

[9] Voltaire: Essai sur le siècle de Louis XIV., 2 Bde. Paris 1751. ND Paris 1957. Deutsch in: Francois-Marie Voltaire: Das Zeitalter Ludwigs XIV. [Leipzig] 1887. Neudruck München o. J., S. 378. Auch in: Voltaire. Ein Lesebuch für unsere Zeit, Berlin/Weimar 1989, S. 250ff. Die Zahl 100.000 konnte in diesen Ausgaben nicht verifiziert werden. Sie geistert durch die Literatur ohne genaue Quellenangabe, etwa bei: Voigt (1784); Diefenbach (1888) S. 180 (siehe unten).

[10] Johann Heinrich Zedler (Hg.): Großes vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschaften und Künste, 64 Bde. und 4 Ergänzungsbde. Halle/Leipzig 1732-1754, Bd. 12/1735), Sp. 1978-1995 (Hexerey); Bd. 61 (1749) Sp. 38-62 (Zauberer, Hexenmeister); Sp. 62-142 (Zauberey, Lat. Magia); Sp. 143-144 (Zauberinnen); Sp. 145-161 (Zauber-Kranckheiten); Sp. 164-172 (Zauber-Schäden); Bd. 63 (1750) Sp. 1635-1642 (Zulassung des Bösen). Historische Argumente des Thomasius: Zedler (1735), Bd. 12, Sp. 1980, Sp. 1982, Sp. 1984ff.; (1749) Bd. 61, Sp. 70f.

[11] Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers, Bd. 15 (1765), S. 368-372, "Sorcellerie (Magie)" und "Sorciers & Sorcieres (Hist. anc. & mod.)".

[12] Jacob Winteler: Der Anna-Göldi-Prozeß im Urteil der Zeitgenossen. Glarus 1951.

[13] "Abermaliger Justizmord in der Schweiz". In: August Ludwig Schlözer (Hg.): Stats-Anzeigen, Bd. 2 (1783) S. 273-277.

[14] Johann Moritz Schwager: Versuch einer Geschichte der Hexenprozesse. Berlin 1784, S. 340. Der Hinweis auf den aktuellen Bezug findet sich auf S. 266.

[15] Geb. 24.6.1740 in Wegeleben, gest. 15.11.1791 in Quedlinburg, Jurist, Stadtsyndikus, Prozeßdirektor bei der königlich-preußischen Erbvogtei zu Quedlinburg. Publikationen: Gottfried Christian Voigt: Abhandlungen über einzelne Gegenstände des Rechts und der Geschichte, Halle 1782. Ders.: Geschichte des Stifts Quedlinburg, 3 Bde., Leipzig 1786-1787, Quedlinburg 1791. Ders.: Betrachtungen über einige besondere und schädliche Rechte und Gewohnheiten, in: Hannoversches Magazin (1784) in Fortsetzungen. Ders.: Auszüge aus einigen Hexenakten bei der königl. preuß. Erbvogtei zu Quedlinburg/ noch einige Bemerkungen über Hexenprozesse und Folter/Etwas über die Hexenprozesse in Deutschland. Berlin 1784 [Gleimhaus, Halberstadt].

[16] Peter Schmidt: Buchmarkt, Verlagswesen und Zeitschriften. In: Horst Albert Glaser (Hg.): Deutsche Literatur. Eine Sozialgeschichte, Bd. 4: Zwischen Absolutismus und Aufklärung: Rationalismus, Empfindsamkeit, Sturm und Drang 1740-1786. Hgg. v. Ralph-Rainer Wuthenow. Reinbek 1980, 42-54, S. 70. Zu Quedlinburg: Gerhard Köhler: Historisches Lexikon der deutschen Länder. München 1989 (2. Auflage), S. 429.

[17] Gottfried Christian Voigt: Etwas über die Hexenprozesse in Deutschland. In: Berlinische Monatsschrift, Dritter Band, Berlin 1784. 297-311, S. 300.

[18] Voigt: Etwas über die Hexenprozesse, S. 303 (Anm. 17).

[19] Spätere Publikationen zeigen, daß auch bei Untersuchung serieller Quellen im Staatsarchiv Dresden (Vogteirechnungen, Inventarienverzeichnisse) nur einzelne zusätzliche Prozesse gefunden werden konnten. Nachweislich wurden in Quedlinburg 30 Personen wegen Hexerei verbrannt, darunter drei Männer. Bei einigen Personen ist der Ausgang des Verfahrens unbekannt, Graßhoff schätzt 35 Todesurteile bei etwa 60 Prozessen. Vor 1569 sind keine Hexenprozesse nachweisbar. Der Höhepunkt der Verfolgungen lag im Jahr 1570, also kurz nach ihrem Beginn. In diesem Jahr sind 17 Prozesse mit 15 Todesurteilen festzustellen. Die Hexenprozesse im 17. Jahrhundert führten nicht mehr zu Todesurteilen. Wilhelm Wolf: Ein Quedlinburger Hexenprozeß von 1663. Nach alten Kriminalakten. In: Neue Mitteilungen aus dem Gebiet historisch-antiquarischer Forschungen des thüringisch-sächsischen Vereins für Erforschung des vaterländischen Altertums. Nordhausen 1869. Alfred Kohl: Ein Quedlinburger Hexenprozeß aus dem Jahre 1575. In: Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde 5 (1872). Johannes Moser: Kleiner Beitrag zur Geschichte der Quedlinburger Hexenprozesse. In: Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde 27 (1894). Zitiert nach: Heike Graßhoff: Hexenverfolgungen in Quedlinburg - Massenmord oder der ganz "normale Wahn". Prozeßgeschehen, Glaubensvorstellungen, Hexendeutungsmuster herausgearbeitet in einer kulturgeschichtlichen Studie zum 16. und 17. Jahrhundert. Magisterarbeit Leipzig 1995, S. 70 und 109.

[20] Voigt: Etwas über die Hexenprozesse, S. 304f. (wie Anm. 17).

[21] Rechnerisch hätte Voigt hier auf 864,5 Opfer kommen müssen. Bei dem eigentlichen Multiplikator von 133,3333 wären es hingegen 866,666 Opfer geworden, aufgerundet 867. Voigt wählte einen "Mittelwert" von 866 Opfern. 

[22] Voigt: Etwas über die Hexenprozesse, S. 308 (wie Anm. 17).

[23] Voigt: Etwas über die Hexenprozesse, S. 309 (wie Anm. 17).

[24] Gottfried Christian Voigt: Über Hexerey, Hexenprozesse und Folter. In: Gemeinnützige Abhandlungen. Leipzig 1792. Erste Abhandlung, S. 1-167, S. 162-165.

[25] Johann Christian Graeff: Versuch einer Geschichte der Criminalgesetzgebung, der Land- und Banngerichte, Torturen, Urfehden, auch des Hexen- und Zauberwesens in der Steyermark. Graz 1817, S. 162.

[26] Jacobus Scheltema: Geschiedenis der heksenprocessen. Een bijdrage tot den roem des vaderlands. Haarlem 1828, S. 106. Dazu: Hans de Waardt: Oudewater. Eine Hexenwaage wird gewogen - oder: Die Zerstörung einer historischen Mythe. In: Westfälische Zeitschrift 144 (1994) S. 249-263.

[27] Etienne-Leon LaMothe-Langon: Histoire de l´Inquisition en France, 3 Bde. Paris 1829. - Darauf haben aufmerksam gemacht: Norman Cohn: Europe's Inner Demons. An Enquiry inspired by the great Witch-Hunt. London 1975, S. 126-138; Richard Kieckhefer: European Witch-Trials. Their Foundation in Populär and Learned Culture, 1300-1500. London 1976.

[28] William Monter: The Historiography of European Witchcraft: Progress and Prospects. In: Journal of Interdisciplinary History 2 (1971/72) 435-453, S. 435f.

[29] Geschichte der Hexenprocesse. Aus den Quellen dargestellt. Von Dr. Wilhelm Gottlieb Soldan, Gymnasiallehrer zu Gießen. Stuttgart/Tübingen 1843.

[30] Johann Gustav Droysen: Historik. Rekonstruktion der vollständigen Fassung der Vorlesungen (1857). Grundriß der Historik in der ersten handschriftlichen (1857/1858) und in der letzten gedruckten Fassung (1882). Textausgabe von Peter Leyh. Stuttgart/Bad Cannstatt 1977, S. 402. In der gedruckten Fassung wurde dieser Hinweis gestrichen: Ebd. S. 428.

[31] Jacob Grimm: Deutsche Mythologie. Berlin 1875-1878 (4. Auflage). ND Wiesbaden 1992, S. 872-960, speziell S. 892-894. Zu Grimms Methode: Ulrich Wyss: Die wilde Philologie: Jacob Grimm und der Historismus. München 1979, S. 208-226.

[32]Jules Michelet: La Sorciere. Paris 1862. Die Hexe. In das Deutsche übertragen von R. Klose. Leipzig 1863. Neu hgg. und mit einem Nachwort versehen von Günter Emig. Karlsruhe 1975. 2. Aufl. Berlin 1977, S. 196. Zu Michelet: Gabriel Monod: La Vie et la pensée de Jules Michelet, 2 Bde. Paris 1923. Werner Kaegi: Michelet und Deutschland. Basel 1936. The Blackwell Dictionary of Historians (1988) S. 277f.

[33] Roger Aubert: Syllabus. In: Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 9, (1964), Sp. 1202-1203. Norbert Miko: Kulturkampf. In: Ebd., Bd. 6 (1961) Sp. 673-675.

[34] An seinem Studienort Halle an der Saale könnte er Voigts Berechnung kennengelernt haben, wahrscheinlicher ist jedoch die Übernahme von Graeff, den er an anderer Stelle zitiert: Gustav Roskoff: Geschichte des Teufels, 2 Bde. Leipzig 1869, Bd. 2, S. 206-364 (Zauberei, Hexenprozesse), S. 312 (Anm. 6: Graeff), S. 328 (Neun Millionen). Roskoff ist, nach Graßhoff: Hexenverfolgung, S. 18 (wie Anm. 19), auch Urheber der unsinnigen Behauptung, in Quedlinburg seien 133 Hexen an einem Tag verbrannt worden.

[35] Jörg Haustein: Luthers Stellung zum Zauber- und Hexenwesen (= Münchner Kirchenhistorische Studien Bd. 2), Diss. theol. Kiel 1988. Stuttgart u. a. 1990, S. 13-30.

[36] L. H. Zuck: Heinrich Heppe. A Melanchthonian Liberal in the Nineteenth-Century German Reformed Church. In: Church History 51 (1982) S. 419-433.

[37] Soldan's Geschichte der Hexenprozesse. Neu bearbeitet von Dr. Heinrich Heppe. 2 Bde. Stuttgart 1880, S. VIII-X, Vorwort von Henriette Heppe, geb. Soldan. Bd. I, S. 452-455 die Diskussion der Quantifizierung. Ernst Bizer: Heinrich Heppe. In: Lebensbilder aus Kurhessen und Waldeck 6 (1958) S. 112-127. Ernst Bizer: Heinrich Ludwig Julius Heppe. In: NDB 8 (1969) S. 570 (dort die Ehefrau fälschlich als "Emilie" Heppe).

[38] Zur Geschichte von Heppes Überarbeitung vgl. das Vorwort zur dritten Auflage von Max Bauer. Soldan-Heppe: Geschichte der Hexenprozesse. Neu bearbeitet und herausgegeben von Max Bauer, 2 Bde. Hanau 1911, Bd. I, S. 444; Bd. II, S. 406.

[39] Johannes Diefenbach: Der Hexenwahn vor und nach der Glaubensspaltung in Deutschland. Mainz 1886, S. 180.

[40] Johannes Diefenbach: Hexenprozeß. In: Wetzer und Welte's Kirchenlexikon oder Enzyklopädie der katholischen Theologie und ihrer Hilfswissenschaften, 2. Auflage, 5. Band, Freiburg/Breisgau (Herder) 1888, Sp. 1993-2003.

[41] Georg Längin: Religion und Hexenprozeß. Zur Würdigung des 400jährigen Jubiläums der Hexenbulle und des Hexenhammers sowie der neuesten katholischen Geschichtsschreibung auf diesem Gebiete. Leipzig 1888, S. 268.

[42] Plitt/Zöckler: Hexen und Hexenprozesse. In: Albert Hauck (Hg.): Realencyclopädie für protestantische Theologie und Kirche, 3. Auflage, 8. Band. Leipzig 1900, S. 30-36.

[43]R. Ohle: Hexenglaube und Hexenprozeß im Christentum. In: RGG, Bd. 2. Tübingen 1928, Sp. 1872-1874.

[44] Johannes Scherr: Deutsche Kultur- und Sittengeschichte. Leipzig 1887 (9. Auflage), S. 391.

[45] Moser: Kleiner Beitrag, S. 622 (wie Anm. 19). Selmar Kleemann: Kulturgeschichtliche Bilder aus Quedlinburgs Vergangenheit. Quedlinburg 1922, S. 339. Zitate nach: Graßhoff: Hexenverfolgungen, S. 19 (wie Anm. 19).

[46] Sigmund Riezler: Geschichte der Hexenprozesse in Bayern. Im Lichte der allgemeinen Entwicklung dargestellt. Stuttgart 1896.

[47] Moriz Ritter: Deutsche Geschichte im Zeitalter der Gegenreformation und des Dreißigjährigen Krieges, Bd. 2. Stuttgart 1895 [Neudruck Darmstadt 1962], S. 479ff.

[48] Joseph Hansen: Zauberwahn, Inquisition und Hexenprozeß im Mittelalter und die Entstehung der großen Hexenverfolgung. Leipzig 1900 (Neudruck Aalen 1983); Joseph Hansen: Quellen und Untersuchungen zur Geschichte des Hexenwahns. Bonn 1901 (Neudruck Hildesheim 1963).

[49] Ritter: Deutsche Geschichte, S. 481 (wie Anm. 47).

[50] Alfred Rosenberg: Der Mythus des 20. Jahrhunderts. Berlin 1930, S. 67 ("Millionen") und 173f. Allgemein dazu: Raimund Baumgärtner: Weltanschauungskampf im Dritten Reich. Die Auseinandersetzung der Kirchen mit Alfred Rosenberg. Mainz 1977. George L. Mosse: Towards the Final Solution. A History of European Racism. New York 1978. Die Geschichte des Rassismus in Europa. Aus dem Amerikanischen von Elfriede Burau und Hans Günter Holl. Frankfurt/M. 1990, S. 120ff.

[51] Reinhard Bollmus: Das Amt Rosenberg und seine Gegner. Stuttgart 1970, S. 26. Robert Wistrich: Wer war wer im Dritten Reich. Ein biographisches Lexikon. München 1983, S. 293-297. 

[52] [anonym] Der Hexenwahn. In: Der Schulungsbrief. Das zentrale Monatsblatt der NSDAP und DAF (Hauptschulungsamt der NSDAP und Schulungsamt der DAF) 4 (1937), S. 102-107. 

[53] Barbara Schier: Hexenwahn und Hexenverfolgung. Rezeption und politische Zurichtung eines kulturwissenschaftlichen Themas im Dritten Reich. In: Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde 1990, S. 43-115, S. 49 und S. 91f.

[54] Armin Mohler: Die konservative Revolution in Deutschland 1918-1932. Ein Handbuch. Darmstadt 1972 (2. Aufl.), S. 388. Allgemein: Friedrich-Wilhelm Haack: Blut-Mythus und Rasse-Religion. Neugermanische und deutsch-völkische Religiosität. München 1983.

[55] Mathilde Ludendorff/W. v. d. Lammer: Christliche Grausamkeit an Deutschen Frauen. München 1934.

[56] Mathilde Ludendorff: Hexenmarterung auch durch protestantische Geistliche. In: Dies./Walter Löhde (Hg.): Christliche Grausamkeit an Deutschen Frauen. München 1938 (Auflage seit 1934: 108. Tausend) S. 9-17, S. 9 und S. 17.

[57] Sophie Rogge-Börner: An geweihtem Brunnen. Die deutsche Frauenbewegung im Lichte des Rassegedankens. Weimar 1928. Leonore Kühn: Magna Mater. Jena 1929. Dazu: Joska Pintschovius: Zur Hölle mit den Hexen. Abschied von den weisen Frauen. Berlin/Frankfurt 1991, S. 255ff.

[58] Friederike Müller-Reimerdes: Der christliche Hexenwahn. Gedanken zum religiösen Freiheitskampf der deutschen Frau (= Reden und Aufsätze zum nordischen Gedanken 26. Hgg. von Dr. Bernhard Kummer). Leipzig 1935, S. 7f., 17. (Rasseerbgut); 26 (zehn Millionen); 42 (Frauenausrottung); 59 (gemarterte Schwestern).

[59] Bernhard Kummer: Die weibliche Gottheit der Germanen. Leipzig 1933; Reaktion oder deutscher Fortschritt in der Geschichtswissenschaft. Leipzig 1935; Germanenkunde im Kulturkampf. Beiträge zum Kampf um Wissenschaft, Theologie und Mythus des 20. Jahrhunderts. Leipzig 1935. Dazu: Hermann Engster: Germanisten und Germanen. Germanenideologie und Theoriebildung in der deutschen Germanistik und Nordistik von den Anfängen bis 1945 in exemplarischer Darstellung. Frankfurt/Main u.a. 1986, S. 76f.

[60] Schier: Hexenwahn, S. 91 (wie Anm. 53).

[61] Jürgen Matthäus: "Weltanschauliche Forschung und Auswertung". Aus den Akten des Amtes VII im Reichssicherheitshauptamt. In: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 5 (1996) S. 287-330. Zum "SS-Ahnenerbe": Michael H. Kater: Das 'Ahnenerbe' der SS 1935-1945. Ein Beitrag zur Kulturpolitik des Dritten Reiches. Stuttgart 1974.

[62] Gerhard Schormann: Hexenprozesse in Deutschland. Göttingen 1981, S. 9-15. Heinz Boberach: Bestand R 58: Reichssicherheitshauptamt (Findbücher zu den Beständen des Bundesarchivs, Bd. 22). Koblenz 1982. Dieter Harmening: Himmlers Hexenkartei. Ein Lagebericht zu ihrer Erforschung. In: Jahrbuch für Volkskunde 12 (1989) S. 99-112.

[63] Beispiele dafür bei: Schier: Hexenwahn, S. 78-101 (wie Anm. 53), darunter: Berta Dultz: Der Ursprung des Hexenwahns. In: Germanien. Monatshefte [der SS] für Germanenkunde zur Erkenntnis deutschen Wesens, Sept. 1937, Heft 9, S. 270-276. Walter Bohm: Die Vernichtung deutschen Blutes durch die Kreuzzüge, die Inquisition und den Hexenglauben der Kirche. In: SS-Leitheft 6, 2. Jg. (1936), 7. Aug. 1936, S. 9-19.

[64] Rossell Hope Robbins: The Encyclopedia of Witchcraft and Demonology. New York 1959, S. 180.

[65] Kurt Baschwitz: Hexen und Hexenprozesse. Die Geschichte eines Massenwahns und seiner Bekämpfung. München 1963, S. 11. [Übersetzungen: Heksen en heksenprocessen. De geschiedenis van een massawaan en zijn bestrijding. Amsterdam 1964; Procés de sorcellerie. Histoire d'une psychose collective. Paris 1973]. Emil Dovifat: Kurt Baschwitz 80 Jahre. In: Publizistik 11 (1966) S. 67-69; Nachruf: Publizistik 13 (1968) 372f. Dieter Anschlag: Wegbereiter im Exil. Kurt Baschwitz: Journalist und Zeitungswissenschaftler. Münster/Westf. 1990.

[66] Ursula von Mangoldt: Zum Geleit. In: Gerald B. Gardner: Ursprung und Wirklichkeit der Hexen. Einführung von Dr. Margaret Murray. Aus dem Englischen übers. v. Ursula von Mangoldt. Weilheim/Oberbayern 1965, S. 5.

[67] Hannsferdinand Döbler: Beflügelt vom neuen Hexenwahn. Frauen entdecken die Magie: Über die Wiederbelebung eines Mißverständnisses. In: Die Zeit, 26. Sept. 1986, S. 98.

[68] In Kummers Nachkriegszeitschrift erschien zu Günter Franz der Artikel: Verdiente Historiker ohne Amt. In: Bernhard Kummer (Hg.): Forschungsfragen unserer Zeit 1 (1954) S. 10. Allgemein: Winfried Schulze: Deutsche Geschichtswissenschaft nach 1945. München 1989 [= Historische Zeitschrift, Beihefte Nr. 10]. Wolfgang Jacobeit/Hannjost Lixfeld/Olaf Bockhorn (Hg.): Völkische Wissenschaft. Gestalten und Tendenzen der deutschen und österreichischen Volkskunde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wien/Köln/Weimar 1994.

[69] Gisela Lienau-Kummer: Vorwort zur fünften Auflage. In: Bernhard Kummer: Midgards Untergang, 5. Auflage. Zeven 1972 [Verlag der Forschungsfragen unserer Zeit - Gisela Lienau, Zeven], I-XVIII - Schriftenverzeichnis Kummer und seiner Zeitschriften bis 1962 in: Bernhard Kummer (1897-1962) zum Gedächtnis. Zeven 1963, S. 85-104. Zur Kontinuität dieses Milieus: Karlheinz Weißmann: Druiden, Goden, Weise Frauen. Zurück zu Europas alten Göttern. Freiburg etc. 1991.

[70] Gerald B. Gardner: Witchcraft Today. London 1954. Dazu: Francis King: Ritual Magic in England: 1887 to the Present Time. London 1970, S. 179. Donald Nugent: Witchcraft Studies, 1959-1971: A Bibiographical Survey. In: Journal of Popular Culture 5 (1971) S. 710-725, schließt seine Besprechung 722ff. mit Rezensionen der Gardner-Adepten.

[71] Richard Cavendish: A History of Magic. London 1987, S. 158.

[72] Sandra Stratta: Stregoneria. In: Grande Dizionario Encyclopedico 17 (1972) S. 853-855.

[73] Cavendish: A History, S. 118 (wie Anm. 71).

[74] WITCH: Spooking the patriarchy. In: Charlene Spretnak (Ed.): The Politics of Women's Spirituality: Essays on the Rise of Spiritual Power within the Feminist Movement. New York 1982, S. 76. Hier zitiert nach: Diane Purkiss: The Witch in History. Early Modern and Twentieth Century Presentations. London/New York 1996, S. 9.

[75] Purkiss: The Witch, S. 9 (wie Anm. 74).

[76] Barbara Ehrenreich/Deirdre English: Witches, Midwives & Nurses. A History of Women Healing. Published by The Feminist Press. New York 1973. London 1976, S. 24. Deutsche Übersetzung: Hexen, Hebammen und Krankenschwestern. München 1975. 16. Auflage 1996.

[77] Mary Daly: Gyn/Ecology. The Metaethics of Radical Feminism. Boston 1978. London 1979, S. 196, 208, 217, 298, 306.

[78] Andrea Dworkin: Woman-Hating. New York 1974, S. 34-46 und 118-150. Nach: Purkiss, The Witch, S. 15 (wie Anm. 74). - "Daly's wish to manufacture a Holocaust of one's own seems both morally dubious and politically naive." Ebd. S. 17.

[79] Purkiss:The Witch, S. 13f. (wie Anm. 74). "Daly wants us to see her as the embodiment of the Hag, but sometimes she sounds more like Kramer and Sprenger." Ebd., S. 16.

[80] Starhawk [= Miriam Simos]: Dreaming the Dark. Magic, Sex and Politics. London 1982. London 1990, S. 187.

[81] Eine anderes Beispiel: Zsuzsanna Budapest: The Holy Book of Women's Mysteries. Oakland 1989. Dies.: The Goddess in the Office: A Personal Guide for the Spiritual Warrior at Work. San Francisco 1993. Dazu: Purkiss: The Witch, S. 17 (wie Anm. 74). Die Zahlen in Anm. 23, S. 28.

[82] Elizabeth E. Bacon: Witchcraft. In: The Encyclopedia Americana. International Edition. Danbury/Connecticut 1986, Bd. 29, S. 83f.

[83] Hannsferdinand Döbler: Hexenwahn. Die Geschichte einer Verfolgung. Münschen 1977, S. 302.

[84] Gunnar Heinsohn/Rolf Knieper/Otto Steiger: Menschenproduktion. Allgemeine Bevölkerungslehre der Neuzeit. Frankfurt/Main 1979. Später schraubten sie ihre Schätzungen herunter: Gunnar Heinsohn/Otto Steiger: Die Vernichtung der weisen Frauen. Hexenverfolgung. Kinderwelten. Menschenproduktion. Bevölkerungswissenschaft. Herbstein-Schlechtenwegen 1985 (3., erweiterte Auflage, München 1989), S. 135ff., 142ff.

[85] Rezensionen durch: Gerd Schwerhoff, in: Geschichtsdidaktik 11 (1986) S. 95-97. Sibylle Flügge, in: Feministische Studien l (1986) S. 149-153. Gerhard Schormann, in: Der Staat 25 (1986) S. 635f. Günter Jerouschek: Des Rätsels Lösung? Zur Deutung der Hexenprozesse als staatsterroristische Bevölkerungspolitik. In: Kritische Justiz 19 (1986) S. 443-459. Wolfgang Behringer: Die Drohung des Schadenzaubers. Von den Regeln wissenschaftlicher Arbeit. Eine Antwort auf Heinsohn und Steiger. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 232 vom 7. 10. 1987. Heide Wunder: Die komplexen Zusammenhänge der Hexenverfolgungen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 263 vom 12.11.1987.

[86] Larissa Leibrock-Plehn: Hexenkräuter und Arznei. Die Abtreibungsmittel im 16. und 17. Jahrhundert. Diss. rer. nat. Marburg 1990. Stuttgart 1992, S. 176.

[87] Propagierung der Heinsohn/Steiger-These in: Der Spiegel, Nr. 43 (1984).

[88]Vgl. Anm. 1.

[89] Hilde Schmölzer: Phänomen Hexe. Wahn und Wirklichkeit im Lauf der Jahrhunderte. Wien/München 1986, S. 137f. Zu Schmölzer: Heide Dienst/Edith Hörandner: Die Hexen kommen wieder. Zum feministischen Hexenbegriff, unter besonderer Berücksichtigung Österreichs. In: Helfried Valentinitsch (Hg.): Hexen und Zauberer. Die große Verfolgung - ein europäisches Phänomen in der Steiermark. Graz/Wien 1987, S. 391-395, S. 391f.

[90]Evelyn Heinemann: Hexen und Hexenglauben. Eine historisch-sozialpsychologische Studie über den europäischen Hexenwahn des 16. und 17. Jahrhunderts. Frankfurt/New York 1986, S. 10. In der Bibliographie der Roskoff-Neudruck von 1967.

[91] Günther Mahal: Hexen haben Konjunktur. Einführung zu: Colette Piat: Frauen, die hexen. Freiburg/Br. 1985, S. 8 [frz. Original Paris 1983].

[92] Erika Wisselinck: Hexen. Warum wir so wenig von ihrer Geschichte erfahren und was davon auch noch falsch ist. Analyse einer Verdrängung. München 1986, S. 7 ("Millionen", ohne Beleg), S. 10 (Ludendorff, "Christliche Grausamkeit an Deutschen Frauen"), S. 11 ("Frauen-Holocaust"), S. 126 (Rekurs auf den Stern-Artikel von 1986), S. 128 ("Holocaust an den Frauen", "Vorschwestern"). Für das stete Wirken der "Weisen Frauen" in der "Volksheilkunde" wird als Autorität eine Emmy Gräfin von Krockow, "bis 1945 Gutsherrin in Hinterpommern", angeführt. S. 33, Anm. 22.

[93] Dort erschien auch die Artikelserie: Erika Wisselinck: Der Justizmord als stehende Einrichtung. In: Münchner Stadtanzeiger (Wochenbeilage der Süddeutschen Zeitung) Nr. 65/66, 31. August 1984, S. 6-7 und 22; Dies.: Das Ausmaß des Schreckens bleibt dunkel. In: Ebd., Nr. 67/68, 7. September 1984, S. 5-6; Dies.: Mit Feuer und Schwert gegen ein Feindbild. In: Ebd., Nr. 69/70, 14. September 1984, S. 5-6 und 21.

[94] Elisabeth Höfl-Hielscher, Porträt: Erika Wisselinck. Hexen-Forscherin. In: Süddeutsche Zeitung Nr. 268 (1987) S. 21.

[95] Eric J. Hobsbawm/Terence Ranger (Eds.): The Invention of Tradition. Cambridge 1986.

[96] Brockhaus Enzyklopädie in vierundzwanzig Bänden, 19., völlig neu bearbeitete Auflage, Bd. 7 (1988), Artikel "Frau" S. 598. - Ebd., Bd. 10 (1989), Artikel "Hexe", S. 56.

[97] "fantastic exaggerations": Cohn: Europe's Inner Demons, S. 253 (wie Anm. 27).

[98] Bengt Ankarloo/Gustav Henningsen (Eds.): Häxornas Europa 1400-1700. Historiska och antropologiska studier. Lund 1987. Early Modern European Witchcraft. Centres and Peripheries. Oxford 1990. Robert Muchembled (Ed.): Magie et sorcellerie en Europe du Moyen Age à nos jours. Paris 1994.

[99] Gerhard Schormann: Der Krieg gegen die Hexen. Das Ausrottungsprogramm des Kurfürsten von Köln, Göttigen 1991. Dagegen: Thomas Becker: Hexenverfolgung in Kurköln. Kritische Anmerkungen zu Gerhard Schormanns 'Krieg gegen die Hexen'. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 195 (1992) S. 202-214. Walter Rummel: 'Der Krieg gegen die Hexen' - Ein Krieg fanatischer Kirchenfürsten oder ein Angebot zur Realisierung sozialer Chancen? Sozialgeschichtliche Anmerkungen zu zwei neuen Büchern. In: Rheinische Vierteljahresblätter 56 (1992) S. 311-324. 

[100] H. C. Erik Midelfort: Heartland of the Witchcraze: Central and Northern Europe. In: History Today 31 (1981) S. 27-31. H. C. Erik Midelfort: Alte Fragen und neue Methoden in der Geschichte des Hexenwahns. In: Dieter R. Bauer/Sönke Lorenz (Hg.): Hexenverfolgung. Beiträge zur Forschung - unter besonderer Berücksichtigung des südwestdeutschen Raumes. Würzburg 1995, S. 13-30, S. 15. 

[101] Brian R Levack: The Witch-Hunt in Early Modern Europe. London/New York 1987, S. 19 bzw. 21. Hexenjagd. Die Geschichte der Hexenverfolgung in Europa. Aus dem Englischen von Ursula Scholz. München 1995, S. 33 bzw. 35.

[102] Thomas A. Brady: Settlements: The Holy Roman Empire. In: Thomas A. Brady/Heiko A. Oberman/James D. Tracy (Eds.), Handbook of European History, 1400-1600. Late Middle Ages, Renaissance and Reformation. Leiden 1995, Bd. II, 349-385, S. 367.

[103]Merry E. Wiesner: Women and Gender in Early Modern Europe, Cambridge 1993, S. 219. Purkiss: The Witch, 28 (wie Anm. 74), findet an derselben Stelle "40.000 to 100.000 executions". Vgl. auch: Heide Wunder: "Er ist die Sonn', sie ist der Mond". Frauen in der Frühen Neuzeit. München 1992. S. 195.

[104] Behringer: Hexen und Hexenprozesse, S. 179-194 (wie Anm. 6).

[105] Jakob Anton Kollmann: Zweifel, S. 72 (wie Anm. 6).

[106] Norman Chon: The Pursuit of the Millenium. London 1957. Ronnie Po-chia Hsia: The Myth of Ritual Murder. Jews and Magic in Reformation Germany. New Haven/London 1988. Ronnie Po-chia Hsia: Witchcraft, Magic, and the Jews in Late Medieval and Early Modern Germany. In: Jeremy Cohen (Ed.): From Witness to Witchcraft. Jews and Judaism in Medieval Christian Thought [= Wolfenbütteler Mittelalter-Studien 11]. Wiesbaden 1997, S. 419-434.

[107]Keith Thomas: Religion and the Decline of Magic. Studies in Popular Beliefs in Sixteenth and Seventeenth Century England. London 1971 (3. Aufl. Harmondsworth 1980). Heide Dienst: Zur Rolle von Frauen in magischen Vorstellungen und Praktiken - nach ausgewählten mittelalterlichen Quellen. In: Werner Affeldt (Ed.): Frauen in Spätantike und Frühmittelalter. Lebensbedingungen - Lebensnormen - Lebensformen. Sigmaringen 1990, S. 173-194. Eva Labouvie: Verbotene Künste. Volksmagie und ländlicher Aberglaube in den Dorfgemeinden des Saarraumes (16.-19. Jahrhundert). St. Ingbert 1992. Rainer Walz: Hexenglaube und Magische Kommunikation im Dorf der frühen Neuzeit. Die Verfolgungen in der Grafschaft Lippe. Paderborn 1993 [= Habilschrift Essen 1992].

[108] Tamara Multhaupt: Hexerei und Antihexerei in Afrika, Diss. phil. Berlin 1989. München 1989.

[109] Christina Larner: Witchcraft and Religion. The Politics of Popular Belief, Oxford 1984, S. 87. Danach (ohne Angabe der Quelle): Levack: Witch-Hunt, S. 124 (wie Anm. 101).

[110] Heide Dienst: Vom Sinn und Nutzen multidisziplinärer Auswertung von Zaubereiprozeßakten. Zur Entstehung einer diesbezüglichen Datenbank in Österreich. In: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 100 (1992) S. 354-375. Ursula Bender-Wittmann: Frauen und Hexen - feministische Perspektiven der Hexenforschung. In: Regina Pramann (Hg.): Hexenverfolgung und Frauengeschichte. Beiträge zur kommunalen Kulturarbeit. Bielefeld 1993, S. 11-32. Eva Labouvie: Wissenschaftliche Theorien - rituelle Praxis. Annäherungen an die populäre Magie der frühen Neuzeit im Kontext der Magie- und  Aberglaubensforschung. In: Historische Anthropologie 2 (1994) S. 287-307. Ingrid Ahrendt-Schulte: Weise Frauen - böse Weiber. Die Geschichte der Hexen in der Frühen Neuzeit. Freiburg/U.a. 1994. Gerd Schwerhoff: Vom Alltagsverdacht zur Massenverfolgung. Forschungen zum Hexenwesen. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 46 (1995) S. 359-380.

 

Empfohlene Zitierweise

Behringer, Wolfgang: Neun Millionen Hexen. Entstehung, Tradition und Kritik eines populären Mythos, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/826/

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Erstellt: 17.01.2006

Zuletzt geändert: 17.01.2006