Magisterarbeiten

  / historicum.net / Themen / Hexenforschung / Themen/Texte / Magisterarbeiten

Sabine Seidel 

"Kindermund tut (nicht immer) Wahrheit kund" 

Betrachtung zur Rolle der Kinder in europäischen Hexenprozessen (unter Berücksichtigung südosteuropäiscner Magievorstellungen) 

Diplomarbeit an der Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz. 2003 

 

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

 

2. HEXENWAHN - SOZIALE UND GESELLSCHAFTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN

2.1. Kindheit in der frühen Neuzeit

2.2. Armut in der frühen Neuzeit

2.3. Auswirkungen auf die Hexenverfolgung

 

3. KINDER ALS OPFER

3.1.Einführung

3.1.1. Kinderopfer in der Geschichte

3.2. Kinderopfer im Hexenglauben

3.2.1. Kinderkannibalismus

3.2.2. Hexensalben aus Kinderleichen

3.3. Hexenhebammen

3.3.1. Handlungen der Hexenhebammen

3.3.2. Fallstudie Enn Volmers

3.4. Teufelspriester

3.4.1. Fallstudie Pfarrer Gregor Agricola

3.5. Gefängnis und Folter

3.5.1. Zustände im Gefängnis

3.5.2. Die Folter

 

4. KINDER ALS ANKLÄGER

4.1. Einführung

4.2. Gründe für die Anschuldigung

4.3. Woher stammt das Gedankengut der Kinder?

4.4. Fallbeispiele

4.4.1. Schweden

4.4.2. Deutschland

4.4.3. Österreich

4.5. Reaktionen der Öffentlichkeit

4.5.1. Kindermund tut (nicht immer) Wahrheit kund

 

5. KINDER ALS BESCHULDIGTE

5.1. Entstehung des Glaubens an Kinderhexen

5.2. Kinder vor Gericht

5.2.1. Aussage einer Vierjährigen

5.2.2. Aussage der 10-jährigen Entgen Lenart

5.2.3. Aussage des 11 - 12-jährigen Peter von Rodenkirchen

5.2.4. Hexenprozesse gegen Kindergruppen

5.2.4.1. Der Zauberer-Jackl-Prozess

5.2.4.2. Hexenbubenprozess von Braunau

5.2.4.3. Kinderhexenprozesse in Freising

5.2.5. Vergleich der Prozesse

a) Folter und Todesstrafe bei Kindern

b) "Milde Urteile"

c) Gründe für die Einziehung

5.3. Reaktionen der Familienmitglieder

 

6. HEXENFAMILIE - FAMILIE IN HEXENPROZESSEN

6.1. Einführung

6.2. Mütter als Lehrmeisterinnen

6.3. Reaktionen der Familienangehörigen

6.3.1. Rückhalt in der Familie

6.3.1.1. Fallbeispiel: Rebekka Lemp

6.3.2. Distanzierte Haltung der Familienmitglieder

6.4. Familien vor Gericht

6.4.1. Fallbeispiel: Familie Händl

6.5. Auswirkungen auf hinterbliebene Kinder

 

7. ZUSAMMENFASSUNG

 

8. ANHANG

 

I. Abbildungsverzeichnis

II. Literaturverzeichnis

III. Anmerkungen (zu den angegebenen Internetadressen)

 

1. EINLEITUNG 

<1> 

Hexen - wer kennt sie nicht? Schon als kleines Kind machen wir ihre Bekanntschaft in den diversen Märchen, allen voran in "Hänsel und Gretel" der Gebrüder Grimm. Hier begegnet uns die Hexe in Form einer alten, gebrechlichen und doch stets hämisch grinsenden Frau, meist mit Buckel, die obligatorische schwarze Katze auf der Schulter, langen knorrigen Fingern mit überlangen Fingernägeln, großer gebogener Nase, auf der sich zumeist auch noch eine Warze befindet, nur darauf wartend, die Kinder, welche aus Armut von den Eltern im Wald ausgesetzt wurden, endlich fressen zu können, und welche im Endeffekt selbst im Ofen landet. Auf den ersten Blick einfach nur ein Märchen, welches viele Klischees aufweist. Auf den zweiten Blick zeigt sich jedoch, dass auch schon in diesen kurzen Beschreibungen Elemente enthalten sind, welche den Hexenwahn Ende des 15. Jahrhunderts entflammen ließen. So waren es ursprünglich in erster Linie alte Frauen, die ihm zum Opfer fielen. Auch sagte man Hexen nach, Kinder zu töten und zum Teil auf dem Hexensabbat als besondere Leckerbissen zu verspeisen, und nicht zuletzt wurden die Taten der Hexen dadurch bestraft, dass sie bei lebendigem Leibe verbrannt wurden. Auch die Armut, welche in diesem Märchen zwischen den Zeilen durchschimmert, war einer jener sozialen Hintergründe, welche den Hexenwahn unter anderem mitbeeinflussten. 

Diese Arbeit widmet sich jedoch weniger den Hexen an sich, sondern untersucht vorrangig die Rolle von Kindern in den Hexenprozessen, welche keineswegs nur als die armen Opfer angesehen werden dürfen, deren Seelen schon bei der Geburt dem Teufel von den sogenannten Hexenhebammen geweiht wurden, welche in Heinrich Kramers "Hexenhammer" als die Schlimmsten unter ihnen angeprangert wurden. Hierauf soll unter anderem im dritten Kapitel eingegangen werden, wobei sich diese Arbeit, wie jene der meisten anderen Historiker auch, gegen die These von Heinsohn und Steiger wendet, derzufolge die Verfolgung der Hebammen vor allem eine politisch und ökonomisch motivierte Kampagne gegen die Geburtenkontrolle war. Neben den Hebammen soll in diesem Kapitel auch ein zweiter Berufsstand untersucht werden, welchem ebenfalls die Möglichkeit vorgeworfen wurde, schon kleinste Kinder dem Teufel zu weihen. Die Rede ist hier von den Geistlichen, welchen nachgesagt wurde, dass sie Kinder nicht im Namen Gottes, sondern im Namen des Teufels taufen würden. Es wird sich im Weiteren zeigen, dass nicht nur Hebammen und Geistliche der Kinderopfer wegen angeklagt wurden, sondern, dass sich Kinderopfer in vielen Aussagen finden. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Kinderopfer neben der Teilnahme am Hexensabbat, Abfall von Gott, Schadenszauber, Teufelsbuhlschaft und Hexenflug zu den stetigen Anklagepunkten gehörten und sich in allen Ländern wieder finden. Man warf den Angeklagten vor, aus den Knochen der Kinder Salben zuzubereiten, welche es den Hexen ermöglichen sollten, zu ihren jeweiligen Treffen, dem Hexensabbat, zu fliegen, oder auch zu verhindern, dass Hexen, selbst unter der Folter, Geständnisse ablegten, da man den diversen Salben zuschrieb, Hexen schmerzunempfindlich zu machen. 

Ab Ende des 16. Jahrhunderts begannen Kinder schließlich auch eine aktive Rolle in Hexenprozessen zu spielen, da sich Peter Binsfeld in seinem Werk "Tractatus de confessionibus maleficiorum et sagarum" zum ersten Mal mit der Frage beschäftigte, ob Kinder als rechtskräftige Zeugen vor Gericht aussagen durften und schließlich zu dem Ergebnis kam, dass es sich bei Hexenprozessen um ein "crimen exceptum", also um ein Ausnahmeverbrechen, handelte und daher auch Kinder als Zeugen vor Gericht zugelassen werden sollten. Man erhoffte sich von ihren Aussagen vor allem Informationen, welche man von Erwachsenen nicht erhalten würde. Binsfeld ahnte jedoch vermutlich kaum, welche Macht er damit in die Hände beziehungsweise vielmehr in den Mund der Kinder legte, wie das wohl berühmteste Beispiel, die Salemer Hexenprozesse, eindrucksvoll zeigt. Trotz entlastender Beweise für die angeklagten Frauen glaubte das Gericht in erster Linie den kreischenden und hysterischen Mädchen, welche in der Nähe angeblicher Hexen Krämpfe bekamen und sogar in Ohnmacht fielen. Interessant hierbei erscheint, dass Kinder nicht davor zurückschreckten, selbst eigene Familienmitglieder vor Gericht der Hexerei zu bezichtigen. Welche Rolle hierbei die einzelnen Familiensituationen und sozialen Verhältnisse spielten, soll in einem eigenen Kapitel, welches die sozialen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zum Inhalt hat, untersucht werden und später in einem vierten Kapitel, in welchem die Rolle der Kinder als Ankläger behandelt wird, eingebunden werden. Viele Familien mussten laufend gegen den Hunger ankämpfen, weshalb Kinder schon früh gezwungen wurden für sich selbst zu sorgen. Viele Kinder waren Halbwaisen und lebten bei Stiefmüttern beziehungsweise -vätern. Die Erziehung war meist sehr streng, so dass zum Teil Rachemotive bei der Beschuldigung eine Rolle gespielt haben dürften.

<2> 

Die letzte Station der Kinder in Hexenprozessen bildete ihre Rolle als Beschuldigte, welche im fünften Kapitel behandelt wird. Auffällig bei den so genannten Kinderhexenprozessen ist, dass es sich hierbei vor allem um Kinder der untersten sozialen Schicht, jene der Bettler, gehandelt hat. So war der österreichische Zauberer-Jackl-Prozess ein reiner Bettlerbuben-Prozess. Die kleinsten Kinder hatten noch eine geringe Chance mit dem Leben davon zu kommen, doch auch die Strafen und Folgen für sie waren für das heutige Verständnis mehr als grausam. So mussten sie beispielsweise zur Abschreckung und eigenen Läuterung der Hinrichtung von Familienmitgliedern oder Freunden beiwohnen, was sich wohl kaum positiv auf die Seele und den Charakter des Kindes ausgewirkt haben dürfte. Die Gründe, wie es zum Glauben an Kinderhexen kam, und die Reaktionen der betroffenen Eltern sollen hier ebenfalls behandelt werden. 

Nicht selten kam es jedoch auch vor, dass ganze Familien wegen Hexerei hingerichtet wurden, denn wenn eine Frau als Hexe verurteilt wurde, ging man davon aus, dass sie die Hexenkunst ihren Nachkommen gelehrt hatte. Ein gutes Beispiel für die Hinrichtung einer ganzen Familie stellt der Fall der Familie Händl (Mutter - Vater - fünf Kinder) im Zusammenhang mit dem Zauberer-Jackl-Prozess dar. Zuerst wurden jene Kinder verhört, von denen man annahm, dass sie am leichtesten gestehen und damit ihre übrige Familie belasten würden. Durch diese Belastung hatten die anderen Mitglieder keine Chance mehr dem Tode zu entkommen, auch wenn sie sogar unter der Folter, wie im Falle des 16-jährigen Sohnes, lange Zeit auf ihrer Unschuld beharrten. Bis auf die zwei jüngsten Kinder wurden alle Mitglieder der Familie hingerichtet. Aus diesem Grund soll auch ein Blick auf so genannte Hexenfamilien geworfen werden. Des Weiteren soll untersucht werden, welches Schicksal Kinder zu erleiden hatten, deren Eltern und / oder Geschwister verbrannt wurden, sie selber jedoch am Leben blieben. 

Die Aufteilung der vorgenannten Kapitel in Opfer - Ankläger - Beschuldigte ergibt sich durch die historische Entwicklung des Hexenwahns, da Kinder, wie bereits erwähnt, bis Ende des 16. Jahrhunderts ausschließlich eine passive Rolle spielten und ab dem 17. Jahrhundert auch aktiv am Prozessverlauf, entweder als Ankläger oder später auch als Beschuldigte, beteiligt waren. Diese Rollen werden in erster Linie anhand bereits vorliegender Quelleneditionen, insbesondere von Joseph Hansen [1], Eduard Hoffmann-Krayer [2], Wolfgang Behringer [3] sowie Jürgen Macha [4] dargestellt.

Hansens Quellen und Untersuchungen enthalten unter anderem Chroniken, diverse Gesetzestexte sowie zeitgenössische Literatur. Behringer übermittelt zusätzlich ein "Fragstuckh auf alle Articul, in welchen die Hexen vnd vnholden auf das allerbequemist möge Examinirt werden" [5] und stellt im Anschluss auch die "Responsoria" im Prozess gegen Barbara Kurzhalßin dar. [6] Weiters überliefert Behringer den bekannten und erschütternden Brief des Johannes Junius an seine Tochter Veronika [7] - um nur einige Auszüge zu nennen. Neben diesen Quelleneditionen wurden als Primärliteratur noch diverse Quellen aus dem Internet herangezogen. All diese Quellen wurden vor allem im Hinblick auf Kinder in Hexenprozessen durchgesehen. Anhand des gefilterten Materials, unterstützt durch einschlägige Sekundärliteratur, soll versucht werden, einen Überblick über die Rolle der Kinder in den Hexenprozessen zu geben.

Als Arbeitsthese liegt hierbei Evelyn Heinemanns psychoanalytische Studie "Hexen und Hexenangst" zugrunde, welche von der These ausgeht, dass zwischen Zeugen und Angeklagten stets Konflikte bestanden, "die zu heftigen Aggressionen führten, wobei die angeklagte Frau in der Regel benachteiligt und ungerecht behandelt worden war, so daß man deren Rache fürchtete. [...] Die Zeugenaussagen konzentrierten sich demzufolge auch darauf, der Angeklagten einen plausiblen Grund für die Rache nachzuweisen." [8] Die beschuldigte Person war selten eine Fremde, und man stand meist in irgendeiner persönlichen Beziehung zu ihr. Paradoxerweise ging man bei der Anklage meist davon aus, dass die Hexe einen berechtigten Groll hegte und nicht aus bloßer Rachsucht agierte, sondern vielmehr ein klares Unrecht ahndete. "Das Opfer interpretierte [nun] ein zufälliges Ereignis, wie das Einschlagen eines Blitzes, als von der Hexe erzeugten Schaden, weil er einen Schaden von der Hexe aufgrund seines eigenen, unmoralischen Verhaltens erwartete." [9] In Anlehnung an diese These soll in gegenständlicher Arbeit untersucht werden, ob dies auch für Anschuldigungen durch Kinder gilt beziehungsweise ob sie überhaupt verallgemeinert werden kann. Unter Erwachsenen scheint es plausibel, dass sich stets Gründe finden ließen, welche die genannte These bestätigen. Es ist jedoch fraglich, ob auch Kinder ihre Anschuldigungen aus Angst vor Sanktionen ihres eigenen unmoralischen Verhaltens vorbrachten.

<3> 

In dieser Arbeit erfolgt keine zeitliche Einschränkung des Themas, da dies durch die historische Entwicklung der Rolle, welche Kinder in den Hexenprozessen spielten, nicht möglich wäre. Eine territoriale Einschränkung erfolgt lediglich auf die Hexenprozesse in Europa, da die nordamerikanischen Salemer Prozesse bereits gut aufgearbeitet sind. [10] Durch das ansonsten weite territoriale Gebiet soll versucht werden, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Hexenprozessen beziehungsweise der Rolle der Kinder in den einzelnen Ländern aufzuzeigen. [11]

Besonderes Augenmerk soll bei der nachfolgenden Untersuchung auf anthropologische Aspekte gelegt werden, wofür sich Hexenprozesse in besonderer Weise eignen, da "individuelles und kollektives Unglück mit Hexereibeschuldigungen erklärt [wurde], indem man die 'verantwortlichen' menschlichen Akteure in der unmittelbaren Umgebung aufspürte und den geschädigten Parteien dadurch Wiedergutmachung zuteil werden ließ, daß man die Gemeinschaft von 'Hexen' reinigte, die gegen die Normen des Zusammenlebens verstießen." [12] Hierfür eignen sich in erster Linie die Verhörprotokolle, welche von Jürgen Macha und Wolfgang Herborn in hervorragender Weise bearbeitet wurden, da zwischen den Zeilen zum Teil die Verzweiflung sowohl der Beschuldigten als auch der Ankläger deutlich wird, denn anders wäre es wohl kaum zu erklären, dass eine Frau fordern könne, eine als Hexe Angeklagte, "welche solches gethan gottes vergessen, vnd ihro ge:/walt vnd vnrecht gethan, vnd wan sie ein solche Per:/sohn, were sie wehrt daß man sie mit gludigen Zan:/gen außer einander riße." [13] Durch diverse Fallbeispiele wird versucht, individuelles Schicksal aufzuzeigen, um damit das Verständnis für das Leid der Menschen jener Zeit zu verbessern.

Obwohl es mittlerweile also bereits mehrere Quelleneditionen gibt und die Erforschung des Phänomens der Hexenverfolgung auf eine lange Tradition zurückweisen kann - schon die Dämonologen versuchten in ihren Traktaten beziehungsweise Flugschriften auf historische Vorläufer zurückzugreifen - "waren die Historiker geneigt, diese 'bedauerliche Verirrung des menschlichen Geistes' als eine Erscheinung an der Peripherie der historischen Entwicklung zu betrachten, als eine Fußnote der Geschichte." [14] So waren es in erster Linie Theologen, Juristen, Mediziner, Soziologen sowie Ethnologen, die sich mit diesem Thema beschäftigten. Die ältere deutsche Hexenforschung ging dabei von der Annahme aus, "daß sich Hexenprozesse und -verfolgungen wie in einem breiten Strom seit dem Spätmittelalter bis zum Beginn der Aufklärung dahinzogen." [15] Außerdem erfolgte die Darstellung der Hexenprozesse meist nur im Rahmen der Heimatforschung. Zu den Vertretern der älteren deutschen Hexenforschung zählen unter anderem Sigmund von Riezler [16], Joseph Hansen [17] sowie Soldan-Heppe [18], deren Arbeiten noch heute als Standardwerke angesehen werden.

<4>

Seit den 1960er Jahren begann die Erforschung der Geschichte der Hexenverfolgung immer mehr ins Zentrum der Historiographie zu rücken, so dass man nicht nur von einem Paradigmenwechsel, sondern auch von einem eigenen Forschungszweig sprechen kann. Viele Anstöße kamen hierbei aus England, Amerika und Frankreich. So erscheint es auch nicht zufällig, dass gerade die Arbeit des US-Amerikaners Midelfort, "Witchhunting in Southwestern Germany" [19], als grundlegend angesehen werden kann, in welcher nunmehr im Gegensatz zur älteren Forschung, die sich vor allem auf die Herrscher beziehungsweise die Beamtenschaft konzentrierte, die von den Verfahren betroffenen Menschen in den Blickpunkt der Forschung gerückt wurden. Die neuere Forschung erkannte weiters, dass die Hexenprozesse großen örtlichen und zeitlichen Schwankungen unterworfen waren. Die internationale Hexenforschung ist sich heute weitgehend darüber einig, dass der Höhepunkt der Hexenverfolgung in Europa auf die Zeit zwischen 1560 und 1630 anzusetzen ist. Nichtsdestotrotz muss jedoch auch festgehalten werden, dass Hexen nicht nur ein Phänomen der Neuzeit sind, sondern dass es sie bereits in der Antike gegeben hat. Eines der neuesten Bücher, welches dies am deutlichsten veranschaulicht, ist jenes im November 2002 erschiene Werk von Daniel Odgen "Magic, witchcraft, and ghosts in Greek and Roman worlds - a sourcebook" [20], in welchem er 300 Texte in neuer Übersetzung ediert und diese "with brief but explicit commentaries" [21] versieht. Dieses Werk enthält nicht nur Texte von Sophokles, Herodot, Platon, Aristoteles, Vergil und Plinius, sondern auch jene weniger bekannter Autoren.

Einen deutlichen Aufschwung erlebte die Hexenforschung in den 1970er Jahren durch interdisziplinäre Arbeiten. Vor allem die Feldforschung der Sozialanthropologen, welche Zauberei und magische Elemente in so genannten primitiven Gesellschaften untersuchten, brachten entscheidende Erkenntnisse. Als einer der wichtigsten Vertreter dieser neuen Richtung ist sicherlich Edgar E. Evans-Pritchard zu nennen, der eine Historisierung der Sozialanthropologie anstrebte und dadurch die Beobachtung vertiefte, "daß besonders in Zeiten sozialer Umwälzungen die Angst vor Zauberei stieg." [22] Zu diesem Ergebnis kam er durch die Analyse der sozialen Funktion von Zaubereivorstellungen innerhalb einer afrikanischen Gesellschaft. [23]

Einen weiteren Meilenstein in der Forschungsgeschichte legte schließlich 1977 Gerhard Schormann, denn "erst seine Forschungen brachten in Umrissen eine Antwort auf die Frage, wann es wo wie viele Prozesse gegeben hat." [24] Weitere Anstöße kamen auch von der Frauenbewegung, von der besonders die Opferrolle der Frauen hervorgehoben wurde. Für die neueste Forschung soll auch auf eine Einrichtung im Internet - das "Forum Hexenforschung" [25] am Server Frühe Neuzeit der Universität München - hingewiesen werden. Neben einer Mailingliste zum wissenschaftlichen Informationsaustausch werden hier Rezensionen der neuesten Literatur veröffentlicht sowie auf entsprechende Veranstaltungen hingewiesen. Die Rubrik E-Texte dient der (Zweit-)Publikation wichtiger Texte der Hexenforschung, welche hier kostenlos abrufbar sind. Das Forum Hexenforschung kooperiert mit dem Arbeitskreis Interdisziplinäre Hexenforschung und stellt damit für jeden, der sich mit diesem Thema beschäftigt ein wichtiges und wertvolles Informationsmittel dar.

Selbstverständlich war auch die österreichische Forschung von den genannten Entwicklungen betroffen, und so legten 1987 vor allem Helfried Valentinitsch [26] und Heide Dienst [27] grundlegende Arbeiten für Österreich vor. Ein weiteres Werk, welches sich mit der Hexenverfolgung in Österreich beschäftigt, stammt von Manfred Tschaikner aus dem Jahre 1992. [28] Als ältere Vertreter der österreichischen Forschung sind Fritz Byloff [29] und Alfred Seebacher-Mesaritsch [30] zu nennen. Zu Letztgenanntem ist zu sagen, dass Seebacher-Mesaritsch kein Historiker war und obwohl er sich "bei der Darstellung der Fakten streng an das Quellenmaterial hielt, erhebt er mit Rücksicht auf literarische Konzessionen, die er der leichteren Lesbarkeit halber einräumen mußte, keinen Anspruch darauf, daß dieser Report als eine die Wissenschaft fördernde Arbeit angesehen werde." [31] Diese "literarischen Konzessionen" bedingen, dass sich der Text zum Teil wie ein Roman liest. Da jedoch auch die verwendeten Quellen wörtlich und der damaligen Schreibung entsprechend wiedergegeben werden, sollte dieses Buch von der Wissenschaft dennoch nicht voreilig abgelehnt werden. Die meisten übrigen Werke, welche sich ebenfalls auf Österreich beziehen, stellen in erster Linie akademische Arbeiten dar und liegen unter anderem von Ulrike Schönleitner [32], Heinz Nagl [33], Sieglinde Gosler [34] und Gerhard Sarman [35] vor. Die letztgenannte Arbeit ist vor allem auch deswegen von Bedeutung, da Sarman in einem zweiten Teil der Arbeit bisher unbekannte Archivalien zum letzten Todesurteil in einem Kärntner Hexenprozess ediert.

<5> 

Inzwischen ist die Zahl an Monographien sowie die Anzahl entsprechender Aufsätze zur Hexenforschung kaum mehr überschaubar, so dass es mittlerweile schon eine ganze Reihe von Aufsätzen und Sammelrezensionen gibt, welche die Entwicklungsstufen des Forschungszweiges anzeigen. Als einer der ersten erstellte Erik Midelfort 1968 einen Forschungsüberblick und gab damit sozusagen den programmatischen Startschuss, die internationale Literatur zu sichten und einen Forschungszusammenhang herzustellen. [36] Im Jahre 1989 erstellte Wolfgang Behringer einen weiteren Forschungsüberblick [37], in welchem er noch eine ganze Reihe weiterer Sammelrezensionen [38] anführt.

Trotz dieser gewaltigen Flut an Literatur, blieb ein Thema bisher mehr oder weniger von der Forschung ausgespart: Die Rolle der Kinder in den Hexenprozessen. Wurden Kinder in der einschlägigen Literatur überhaupt erwähnt, so spielten sie nur eine periphere Rolle, und kaum jemand interessierte sich für ihr Schicksal. Einzige Ausnahme bildet das Werk von Johann Diefenbach [39], welcher schon 1886 auf die Kinderhexen in Werthheim beziehungsweise Bettingen unter der Überschrift "Die 'inficirte Jugend'" verhältnismäßig ausführlich (Seite 20 - 52) einging. Er erkannte schon früh, dass "wenn ein Vogel, oder eine Gemse im Hochgebirge zur Winterzeit eine Handvoll Schnee ins Rollen bringt, so kann daraus eine Lawine entstehen, welche Thäler verschüttet und zahllose Hütten mit ihren Insassen begräbt" auch "die Aussagen zweier Kinder eine lawinenartige Wirkung hatten, so daß sie zahllose Menschen ins Verderben stürzten." [40] Neben diesem frühen Werk existieren zwei Berichte in Heimatblättern aus den Jahren 1933 [41] beziehungsweise 1950 [42], welche ebenfalls das Problem der Kinder in Hexenprozessen behandeln. Danach klafft jedoch eine Lücke von rund 40 Jahren, in welcher die Kinderhexen scheinbar in Vergessenheit gerieten, oder von der Forschung nicht beachtet wurden.

Erst Ende der 1980er beziehungsweise in den 1990er Jahren begannen sich einige Forscher auch diesem Thema zu widmen. So wies beispielsweise Wolfgang Behringer 1989 als einer der ersten darauf hin, dass die größte Hexenverfolgung im nordamerikanischen Salem ein reiner Kinderprozess war und betonte damit die entscheidende Rolle, welche Kindern in den Hexenprozessen zukam. Im Gegensatz zu den übrigen Kinderhexenprozessen sind die Salemer Prozesse bereits relativ gut erforscht, so dass schon Gunther Franz bemerkte, "daß es eine große Aufgabe ist, die zahlreichen deutschen Akten wenigstens teilweise zu edieren und sorgfältig zu analysieren", vor allem "wenn man bedenkt, welches Interesse die vom Umfang her begrenzten Prozeßakten von Salem, Massachusetts, in der Geschichtsforschung, Literatur und öffentlichen Meinung gefunden haben." [43] Einige dieser Prozessakten wurden unter anderem von Paul Boyer und Stephen Nissenbaum [44] ediert. Die Behauptung von Gunther Franz lässt sich auch anhand der diversen Fußnoten der einzelnen Aufsätze in Winfried Hergets Werk "Die Salemer Hexenverfolgung" [45] verifizieren. Da in diesem Werk die Hexenprozesse nicht nur per se, sondern auch, wie beispielsweise von Roger Thompson [46] der politische, wirtschaftliche und soziale Kontext oder von Heike Hartrath die Salmer Hexenverfolgung in der amerikanischen Literatur des 19. Jahrhunderts [47] behandelt werden, gewinnt man einen guten Überblick, welch große Rezeption diese Prozesse nicht nur in der Geschichtsforschung, sondern auch in der Literatur gefunden haben. Eines der neuesten Werke zu den Salemer Prozessen stammt nun von Mirja Leibnitz, in welchem sie die unterschiedlichen Diskurse in den "Salem Witchcraft" untersucht. [48]

<6> 

Eine solche Aufarbeitung steht für Kinderhexenprozesse in den europäischen Ländern bislang noch aus. Seit den 1990er Jahren begannen sich in Deutschland vor allem Hartwig Weber [49], Rainer Walz [50] und Hans Sebald [51] diesem Thema zu widmen. In Österreich waren im so genannten Zauberer-Jackl-Prozess, der bisher jedoch ausschließlich von Heinz Nagl in seiner Dissertation [52] entsprechend aufgearbeitet wurde, viele Kinder verwickelt. In Deutschland arbeitet nunmehr Claudia Jarzebowski [53] vom Friedrich-Meinecke-Institut für Geschichte an der Freien Universität Berlin an der Erforschung von Kinderhexenprozessen. Ihrer Meinung nach ist es erstaunlich, dass die Bearbeitung dieses Themas bisher eher ausgespart wurde, da "die Forschung zur Kindheit in jüngerer Zeit einen Paradigmenwechsel vollzogen" [54] und gerade aus der Hexenforschung viele Erkenntnisse über Kindheit in der Frühen Neuzeit gewonnen werden könnten.

Wie gezeigt wurde, spielen Kinder in der Hexenforschung also nach wie vor eine eher unterrepräsentative Rolle, weshalb durch die nachfolgenden Betrachtungen und Analysen in dieser Arbeit ein kleiner Beitrag dazu geleistet werden soll, die Lücke, welche Kinder in der Hexenforschung nach wie vor bilden, zu schließen und gleichzeitig ein Bild von der Situation der Kinder in diesem Bereich zu vermitteln. 

2. HEXENWAHN - SOZIALE UND GESELLSCHAFTLICHE RAHMENBEDINGUNGEN

Mein Kind, gehorche der Zucht deines Vaters,
und verlass nicht das Gebot deiner Mutter.

(Sprüche Salomon 1,8) 

2.1. Kindheit in der frühen Neuzeit

Bevor nun auf die Rolle der Kinder in den Hexenprozessen näher eingegangen wird, sollen einige allgemeine Rahmenbedingungen der Kindheit in der frühen Neuzeit geklärt werden. Hierbei ergibt sich jedoch das Problem, dass es für Kindheit in der frühen Neuzeit keinen einheitlichen Begriff und keine klare Auffassung gab. "Eine nach Jahren festgelegte Lebensspanne Kindheit gab es nicht. Ausschlaggebend war, daß Kinder noch nicht voll in einen Arbeitsprozeß integriert waren und als voll verantwortlich - in der Kirche oder vor Gericht - galten. [...] Eine klar gezogene Grenze zum Lebensabschnitt der Jugend kannte man in der Gesellschaft der Frühen Neuzeit ebenfalls nicht. Das Ende der Lebensspanne Kindheit war folglich nicht punktuell auf ein bestimmtes Alter terminiert. Zudem kommt, daß bis ins 17. Jahrhundert hinein viele Menschen ihr Alter nur ungefähr kannten, so daß häufig das äußere Erscheinungsbild den Ausschlag gab, ob jemand als Kind oder Erwachsener angesehen wurde." [55] Philippe Ariès [56] kommt daher auch zu seiner Kernthese, dass ein Kind früher nichts anderes als ein kleiner Erwachsener war. Seiner Ansicht nach war "die Dauer der Kindheit [...] auf das zarteste Kindesalter beschränkt, d. h. auf die Periode, wo das kleine Wesen nicht ohne fremde Hilfe auskommen kann; das Kind wurde also, kaum daß es sich physisch zurechtfinden konnte, übergangslos zu den Erwachsenen gezählt, es teilte ihre Arbeit und ihre Spiele." [57]

<7> 

Mittlerweile wird diese These bereits kritisiert, da erwiesen wurde, dass Kinder, zumindest in einem bestimmten Ausmaß, auch in dieser Zeit bereits als Kinder angesehen wurden, wie nicht zuletzt das - aus der späteren Neuzeit - recht zahlreich überlieferte Kinderspielzeug zeigt. Für den Psychohistoriker Lloyd de Mause [58] - er kann neben Philippe Ariès wohl als zweiter Klassiker der Geschichte der Kindheit angesehen werden - war Kindheit in der Neuzeit schlichtweg ein Alptraum. Er meinte: "Je weiter wir in der Geschichte zurückgehen, desto unzureichender wird die Pflege der Kinder, die Fürsorge für sie, und desto größer die Wahrscheinlichkeit, daß Kinder getötet, ausgesetzt, geschlagen, gequält und sexuell mißbraucht werden." [59] Auch diese These gilt heute als überholt, da erwiesen wurde, dass Kinder bei aller Zucht und Strenge in der Erziehung geliebt wurden und man um ihr Wohlergehen besorgt war. [60]

Wie erfolgte nun die Erziehung der Kinder? Selbstverständlich lassen sich hierüber keine generellen Aussagen treffen, da Erziehung, damals wie heute, nicht nur von Stand zu Stand, sondern auch von Familie zu Familie unterschiedlich verlief. "Sicherlich hing die Form der persönlichen Beziehungen entscheidend ab vom sozialen Status der Familie, von der Art des Arbeitszusammenhanges, in dem eine Familie stand, und nicht zuletzt auch von der Kinderzahl. Je kleiner die Zahl der Kinder war, um so mehr konnten sich die Eltern dem einzelnen Kinde widmen." [61] Außerdem wird auch jedes Kind seine Erziehung anders empfunden haben, so dass es sowohl in reichen als auch in armen Familien entweder eine glückliche oder eine unglückliche Kindheit gegeben haben wird. Bezugsperson für das Kind war, zumindest in den ärmeren Familien, in erster Linie die Mutter, jedoch konnten dies auch ebenso gut eine Amme, eine Magd, ein Knecht oder die im Haus lebenden Großeltern sein. [62] Vor allem bei wohlhabenderen Familien war das Ammenwesen weit verbreitet, wobei sich das Ammenwesen in der Neuzeit jedoch deutlich von jenem früherer Jahrhunderte unterschied. "Ammen gab es zu allen Zeiten, aber nur in den herrschenden Schichten, und dort wurden die Ammen üblicherweise ins Haus geholt, sie waren daher eher Kindermädchen und begleiteten den Schützling die ganze Kindheit über. Die Ammen vorhergehender Zeiten waren so ein guter Ersatz für die physiologische Mutter. Dies entspricht aber nicht mehr der neuen Praxis des Ammenwesens in der frühen Neuzeit" [63], meint Evelyn Heinemann, welche das Ammenwesen stark anprangert, da ihrer Meinung nach je nach Jahreszeit 5 - 15 % der Säuglinge auf der Reise starben.

Mal kommt es vor, daß eine Vermittlerin sechs Kinder auf einem kleinen Wägelchen mitnimmt, einschläft und nicht bemerkt, daß ein Baby herunterfällt und, von einem Rad überrollt, stirbt. Mal werden einem Gespannführer sieben Säuglinge anvertraut, von denen er einen verliert, ohne daß man in Erfahrung hätte bringen können, was aus ihm geworden ist. Ein andermal werden drei Neugeborene einer alten Frau anvertraut, die angibt, nicht zu wissen, zu wem sie sie bringen soll. [64]

Auch wenn dies ein sehr extremes Beispiel ist, so wurde das Ammenwesen durchaus auch schon zu damaliger Zeit vehement kritisiert, und Moralisten gaben zu bedenken, dass selbst Tiere ihre Jungen selbst ernähren. Außerdem sei es gefährlich "ein kleines Kind, das noch 'unfertig' sei, durch 'käufliche Milch' zu ernähren; und da anerkanntermaßen' die Natur durch die Nahrung geht', könne womöglich die Identität des Kindes durch eine solche 'Übertragung', die gleichermaßen Körper und Geist berühre, Schaden nehmen." [65]

<8> 

Generell war die Kindersterblichkeit in der Neuzeit noch sehr hoch. So starben beispielsweise in Oppenheim "von den zwischen 1721 - 1780 geborenen Kindern 49 % vor dem zehnten Lebensjahr, 23,2 % lebten weniger als ein Jahr." [66] Die Überlebenschancen der Kinder waren in erster Linie von den Lebensumständen der Eltern, aber auch vom Zeitpunkt der Geburt (Sommer oder Winter), ihrer Stellung in der Geschwisterreihe und nicht zuletzt von der damals üblichen Wickeltechnik abhängig.

Zunächst zog man dem Säugling ein grobes Hemdchen an, das sich mehrfach kräuselte oder faltete. Darüber schlug man eine Windel, preßte die Arme gegen die Brust und zog unter den Achseln ein Band durch, das Arme und Beine blockierte. Daraufhin wurden Wäsche und Bänder zwischen den Schenkeln zusammengefaltet, und das ganze wurde von den Füßen bis zum Hals so straff wie möglich von einem rundum laufenden Band zusammengeschnürt. Die Säuglinge hatten häufig rote Furchen, Druckstellen und, da sich Urin und Kot nicht vom Körper entfernen konnten, Wundstellen und skofulöse Bläschen. [67]

Dies bedeutet jedoch nicht, dass man sich nicht um das Wohl der Kinder kümmerte. Ganz im Gegenteil, man unternahm in der Regel alles Erdenkliche, um das Leben des Kindes zu erhalten und scheute weder das Geld für einen Arzt noch für eine Wallfahrt. Selbst Wahrsager wurden konsultiert, um das Kind zu heilen. So heißt es beispielsweise auch in einer Anklageschrift: "Es seien nämlich die Eltern des erkrankten Kindes, nachdem sie an underschiedlichen ortern Rath und Mittel gesucht hätten, entlich zu einem Wahrsageren komen/ welcher deutlich für geben/ solches Magtlein also durch Hexen Konst also verzauberet und gequelet sey worden, worauf dann der selbe Wahrsager dem Vater Rath [...] gegeben habe." [68] So berichten auch Ariès und Duby von einem Krankheitsfall in der Familie Scevole de Sainte-Marthe folgendes:

Die tüchtigsten Ärzte wurden an das Krankenbett gerufen, 'aber ihre Bemühungen waren nutzlos; sie gaben die Hoffnung auf seine Heilung auf'. Scevole zählte zu den Menschen, die sich bereits damals nicht mehr mit dem Tod eines kranken Kindes abfinden wollten. 'Da er ein sehr guter Vater und sehr gelehrt war', nahm er die Herausforderung an, trat an die Stelle der Quacksalber, die versagt hatten, und 'machte sich selbst daran, ihn zu heilen. Deshalb forschte er mit großem Eifer nach den ausgefallensten und gelehrtesten Dingen, die Natur und Konstitution von Kindern betrafen. Mit seinem lebhaften, klugen Geist gelang es ihm sogar, in die verborgensten Geheimnisse der Natur einzudringen, und er bediente sich seiner Kenntnisse so vortrefflich, daß er sein Kind dem Tod aus den Armen riß.' [69]

Trotz dieser scheinbar aufopfernd liebevollen Eltern-Kind-Beziehung war die Erziehung der Kinder auch von Zucht und Strenge geprägt. Sobald die Kinder sprechen und laufen gelernt hatten, wurde von ihnen erwartet, sich nach und nach der Hausordnung anzupassen und kleinere Aufgaben zu übernehmen. So mussten sie beispielsweise Vieh, vor allem Gänse und Schweine hüten, im Garten die Blumen gießen, jäten, Raupen vom Kohl lesen oder - vor allem als Mädchen - der Mutter bei der Zubereitung des Essens und den sonstigen Hausarbeiten helfen. Teilweise wurde auch die Mithilfe im väterlichen Betrieb erwartet und so "mußten Mutter und Kinder Papier streichen, daß ihnen die Fingerlein bluteten. [...] Das Schwesterchen [...] mußte fünfjährig schon spinnen" [70]. Dass den Kindern solche Arbeiten meist wenig gefielen, zeigt sich an der Reaktion dieses Schwesterchens. "Als sie einst von einem Reichstag hörte, den der Kaiser ausgeschrieben, und vernahm, daß dort Gesetze beschlossen würden, seufzte sie an ihrem Rocken: 'Ach du lieber Gott, wenn sie doch auch ernstlich verordnen möchten, daß so kleine Mädchen nicht spinnen dürfen.'" [71] In jungen Jahren war die Tätigkeit von Mädchen und Jungen dieselbe. Während jedoch die Tätigkeit in einem bäuerlichen Haushalt recht vielfältig war, "galt die Arbeit der Kinder der Landarmen als stumpfsinnig. Sie wurden vor allem zu den Nebenerwerbstätigkeiten wie etwa Textilarbeiten herangezogen. Es handelte sich zwar auch nur um leichte Arbeiten, aber die Kinder mußten oft den ganzen Tag bei der Arbeit in einem dunklen Raum sitzen. War die vorgeschriebene Arbeit der Kinder auf dem Lande getan, so waren sie die übrige Zeit weitgehend sich selbst überlassen und konnten ihre eigenen Spiele treiben, was für die Sozialisation ebenso bedeutsam war." [72]

<9> 

Solange es die Temperatur und Witterung erlaubte, spielten Kinder im Freien, wie auch das berühmte Kinderspielbild von Pieter Breughel (der Ältere). zeigt, welches in der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums in Wien hängt. 

Dieses Bild ist vor allem wegen seiner Detailgenauigkeit von Bedeutung. Im Vordergrund sieht man beispielsweise Kinder beim Reifendrehen. Jedoch gab es noch eine Menge anderer beliebter Spiele im Freien - unter anderem das Spiel mit den Murmeln, Ball spielen, Kreisel drehen oder kegeln. "Man haschte, schaukelte, spielte Blindekuh, machte Seifenblasen, lief auf Stelzen, spielte Verstecken, sprang Bock, tanzte Reihen, spielte die goldene und die faule Brücke, führte das Schelmspiel auf, bei dem ein Teil Diebe, der andere die Häscher darstellte, spielte 'Gerad und Ungerad', Platzwechseln, 'Schneider leih mir deine Scheer', 'Herr König, ich diente gern', 'Lachen verhalten' oder 'Gramüseli machen', Knöcheln, Fingerziehen, Hakeln usw." [73] Beliebtestes Spielzeug der Knaben im Freien war jedoch sicherlich das Steckenpferd.

Das Spielen der Kinder außerhalb des Hauses bedeutete für sie auch eine gewisse Loslösung aus der Herrschaft des Vaters, welcher als Hausherr die Gewalt über alle Hausbewohner besaß und vor allem von den Kindern strikten Gehorsam forderte, welcher oftmals auch mit Gewalt erzwungen wurde. Welchen Stellenwert eine Erziehung mittels Rute innehatte, zeigt am besten der folgende Ausspruch: 

"Wer seinem Kind der Ruthen spart, 

Der haßt sein Suhn nach Feindes Art." [74]

Oder auch: 

"Wer sein Kind liebt, der hält es stets unter der Rute, 

daß er hernach Freude an ihm erlebe 

und nicht an den Türen der Nachbarn anklopfen müsse." [75]

Trotz aller Strenge forderte Martin Luther jedoch auch, sich vor Übertreibungen zu hüten, denn "es sei schlimm, wenn die Kinder den Eltern wegen zu harter Strafen entfremdet würden. Die Liebe und das kindliche Vertrauen müssen bleiben und die Kinder merken, daß die Strafe nicht gern vollzogen wurde, sondern nur zu ihrem Besten." [76]

Die elterliche Erziehung mit der Rute setzte sich auch unter den Lehrern in den Schulen fort, so dass Andreas Reyher in seiner 1642 veröffentlichten Gothaer Schulordnung [77] unter anderem folgendes schrieb:

<10> 

 (36) Was die Disciplin oder Zuechtigung der Kinder anlanget sollen die Praeceptoren nicht sturmisch seyn noch die Kinder übel anfahren, viel weniger immer zuschlagen. Denn wenn die Kinder also nur in tyrannischer Furcht und Schrecken stets oder je offt und viel sitzen muessen so koennen sie nicht allein nicht halb so fleißig auf die Lection achtung geben und geht mit ihrem lernen desto laengsamer von statten; Sondern sie werden auch dem Schulmeister gram und verlieren allen Lust zum lernen.

(37) Darumb sollen die Schulmeister mit ihren Schul-Kindern freundlich und Väterlich umbgehen auch wenn sie eines oder das andre umb seines Verbrechens wille straffen muessen es dennoch also machen, daß die Kinder eine Väterliche Lieb und Treu gegen sich mitten in der Straffe spuehren und mercken koennen. 

(38) Sonderlich aber sol allen Schulmeistern mit Ernst verboten seyn, daß sie die Kinder umb des willen nicht schlagen, wenn sie ein Ding noch nicht können, sondern allein, wenn sie es nicht lernen wollen, oder sonst ungehorsamb und muthwillig seyn oder nicht still sitzen wollen, noch auff die Lection acht geben oder fuersetziglich aus der Schule bleiben oder sonst auff der Gassen oder in der Kirchen Bueberey anrichten ... [78]

Trotz dieser Anweisungen für die Lehrer darf jedoch nicht geschlossen werden, dass alle Kinder regelmäßig die Schule besuchten, denn bekanntlich war der Schulbesuch lange Zeit freiwillig, und es stand jedem frei, sein Kind in die Schule zu schicken und es mehr oder weniger lernen zu lassen. Hinzu kommt, dass vor allem Kinder der ländlichen Bevölkerung schwer abkömmlich waren und die Notwendigkeit von lesen, schreiben und rechnen nicht immer einsichtig war. Auch gab es bis zum 18. Jahrhundert kein einheitliches Schulsystem, und es existierten weder klare Lehrpläne noch definierte Lehrstoffe. "Auch an eigens ausgebildeten Lehrkräften fehlte es: der Volksschullehrer entsteht als 'Stand' erst zu Ende des 18. Jahrhunderts; eine Schule zu unterhalten, war oft Nebenbeschäftigung von Handwerkern oder Pfarrern oder ihren Frauen, in deren Räumen sie dann auch oft stattfand." [79] Wenn nun Kinder die Schule besuchten, so hieß dies noch lange nicht, dass alle Schüler anschließend tatsächlich lesen, schreiben und rechnen konnten, denn dies hing wesentlich auch davon ab, wie stark die Eltern den Schulbesuch unterstützten. "Des weiteren konzentrierte sich der Unterricht vor allem auf das Erlernen des Katechismus. Insgesamt stand die Wissensvermittlung nicht unbedingt im Vordergrund: Ziel der Schule war einerseits die Disziplinierung der Schüler, andererseits ihre Erziehung zu christlichen Untertanen." [80] Welch große Rolle die Religion im Unterricht spielte, zeigt sich nicht zuletzt auch an den, von der Schule aus geleiteten, gottesdienstlichen Verpflichtungen der Schüler:

An den Sonn-, Fest-, Feier- und Bußtagen fanden sich, wenn es zum erstenmal zur Haupt- und dann wieder zur Abendpredigt läutete, die Schüler und ihre Lehrer in der Schule ein ('die in winterzeiten zuvor soll eingeheizt werden'). Zuerst wurden die Abwesenden 'fleißig notirt'. Dann trug der Lehrer den Kindern den Predigttext vor. Wenn man 'zusammen leüttete', wurden die Schüler zur Kirche geführt. Die Lehrer sollten die Kinder zuvor zur Anhörung der Predigt ernstlich ermahnen. Mittels 'gleichbaldiger Schläge' (die freilich nicht die andächtige Gemeinde beirren durften) versuchten nun die Präzeptoren zu verhindern, daß die Schüler schwätzten, aßen oder anderen Mutwillen trieben. Nach dem Gottesdienst führte man die Kinder - wieder in der vorigen guten Ordnung - aus der Kirche zurück in die Schule, wo sie alsbald fleißig aus der Predigt examiniert und erneut in Gottes Wort getreulich informiert wurden. 'Die so nichts auss der Predig behaltten, oder sich in derselben ohngepürlich bezeiget, sollen sampt den absentibus [Abwesenden] Montags darauf der gepühr nach ernstlich gezüchtigt vnd abgestrafft werden.' [81]

Auch sollten, nach dem so genannten "Seelenführer" "die Eltern ihre Kinder in christlicher Zucht und Ehren ziehen, das elterliche Haus sollte für die zarten Kindlein die erste Schule und die erste Kirche sein." [82] Außerdem sollte sich der Hausvater nach der Predigt zu Hause mit Frau und Kindern zusammensetzen, um über die Predigt zu sprechen. Er "verhörte sie, was sie in der Predigt gemerkt hätten, und erzählte, was er gemerkt hätte. Er verhörte ihnen auch die zehn Gebote, die sieben Todsünden, das Paternoster und den Glauben." [83] Richard van Dülmen hingegen bezweifelt eine ausgeprägte religiöse Erziehung in den Familien und schreibt: "Wenn wir den zahlreichen Klagen Glauben schenken können, so vermißten viele Geistliche einen christlichen Geist sowohl im Elternhaus wie in der Schule, waren oft erschrocken, wie fern vom religiösen Glauben, besonders in welcher Unkenntnis seiner Lehre, viele Familien lebten." [84] In den meisten Fällen wird sich die religiöse Erziehung wohl in einem Mittelfeld bewegt haben, denn das Tischgebet sowie das Morgen- und Abendgebet waren in allen Familien für die religiöse Sozialisation der Kinder von Bedeutung. Um einer eventuellen mangelhaften religiösen Erziehung in der Familie Abhilfe zu schaffen, wurden eigene Kinderlehren eingerichtet und schloss sich an den Hauptgottesdienst ein eigenes Kinderexamen an. "Das Kinderexamen wurde von zweien der vier Geistlichen aus der Stadt und von zwei Präzeptoren der lateinischen sowie den beiden Schulmeistern der deutschen Schule abgehalten. Der personelle Aufwand macht deutlich, welch große Bedeutung man diesem Unternehmen beimaß." [85]

2.2. Armut in der Neuzeit

<11> 

Selbstverständlich war auch die nun geschilderte Kindheit nicht für alle Stände gleich, denn adelige Kinder erlebten eine vollkommen andere Kindheit, wobei sich sicherlich die Frage stellt, ob diese unbedingt glücklicher gewesen ist. - Da adelige Kinder in den Hexenprozessen jedoch so gut wie keine Rolle spielten, soll auf ihre Kindheit hier nicht weiter eingegangen werden. - Eine sicherlich andere Kindheit erlebten auch Kinder von Bettlern beziehungsweise Kinder, deren Eltern früh verstorben waren und die sich selbst durch Betteleien am Leben erhalten mussten. 

Bettler und Bettlerinnen gab es schon immer und wird es vermutlich auch immer geben, nur änderte sich ihr gesellschaftliches Ansehen in den vergangenen Jahrhunderten grundsätzlich, denn "im Mittelalter war das Betteln ein allgemein anerkannter und kaum in Frage gestellter Broterwerb für die Armen. Bettlerinnen und Bettler wurden allgemein toleriert. Die Armen hatten ein religiös motiviertes Recht auf Hilfe und die Reichen eine Pflicht zur Hilfeleistung. Die traditionelle mittelalterliche Almosenvergabe erwartete vom Empfänger der Almosen als Gegenleistung lediglich die Fürbitte für das Seelenheil des Spenders." [86] Dies änderte sich jedoch in der Neuzeit, als Bettler zunehmend mit negativen Begriffen wie zum Beispiel "Müßiggängern" etc. assoziiert beziehungsweise mit dem Bösen generell in Verbindung gebracht wurden. "Die Bevölkerung verband die Ausbreitung von Krankheiten oft mit den Bettlern [...] und reagierte darauf mit Angst vor Ansteckung und Ablehnung der Bettler, bis hin zu Vertreibungen." [87] Um das Anwachsen der "Bettlerheere" zu unterbinden, wurden gesetzliche und polizeiliche Maßnahmen erlassen, das Bettelzeichen eingeführt und jede Gemeinde verpflichtet, selbst für ihre Armen zu sorgen. "Die einheimischen Bedürftigen, die betteln wollten, mussten sich zunächst kirchspielweise (in ihren Pfarrgemeinden) erfassen lassen und sich dann einer Bedürftigkeitsprüfung unterziehen." [88]

Doch was waren die Ursachen der Armut in der Neuzeit? Diese lassen sich in die Ursachen der Armut Einzelner, zu denen unter anderem Krankheit, Alter, Tod der Eltern beziehungsweise des Ehepartners, Verlust der Arbeit und diverse Unglücksfälle zählen, sowie in die Armut Vieler, zu denen Kriege, Seuchen und Hungersnöte gezählt werden können, unterteilen. Verstärkend wirkte, dass die Preise für Nahrungsmittel in der Zeit vom 16. bis zum 17. Jahrhundert um das Dreifache erhöht wurden, während die Löhne in den Städten in der selben Zeit um 50 % zurückgingen. [89] Diese Teuerungen spiegeln sich auch in einem Kölner Schreiben vom 5. März 1586 wieder, in welchem es heißt:

Das getraid oppressiert uns am maisten, gilt der Roggen fl. 8 ½ in fl. 9 das Viertel, Und wird das Brot bei den Beckhen auf 1 ½ das Pfund gebacken. Die armen leuth ligen auf der gassen und sonst für der leuth thuer mit Betlen, das einer sein haus thuer schier nit dorff öffnen, strackhs erfinden sich 3 oder 4 der armen leuth dorfür Und bitten so kleglichen, das es einen stain erbarmen mag. [90]

Hinzu kamen klimatisch bedingte Missernten, deren Folgewirkung ein verringerter Bedarf an Arbeitskräften war, so dass das Gesinde bei Missernten mit Entlassung rechnen musste, womit sich der Teufelskreis zu schließen begann. Die verringerten Ernteerträge hatten auch eine qualitative Verschlechterung der Nahrung zur Folge, was zusammen mit schlechten Wohnverhältnissen, sofern diese überhaupt vorhanden waren, und fehlender Hygiene zu einem Nährboden für Krankheiten und Seuchen wurde, denen viele Menschen zum Opfer fielen. Zurückbleibenden Frauen und Kindern war damit der Abstieg in die Armut meist sicher.

<12> 

Um die Armut in der Neuzeit etwas zu lindern, wurden durch Stiftungen so genannte Armenhäuser errichtet, welche jedoch den Ärmsten der Armen den Zutritt durch diverse Aufnahmebedingungen wiederum versagten. So beschränkten die Münster Armenhäuser in der Regel "den Zugang auf Personen, die das Bürgerrecht der Stadt Münster seit mindestens drei Jahren besaßen. [...] Eine weitere Aufnahmebedingung verpflichtete die Armen, eine Grundausstattung an Mobiliar, Gebrauchsgegenständen und Kleidung mitzubringen. Bei ihrem Eintritt in die Gemeinschaft mussten sie dem Haus das Anfallsrecht zusichern, dass das Armenhaus zum Erben aller hinterlassenen Habseligkeiten und Vermögenswerte bestimmte." [91] Das Leben in Armenhäusern war durch die Hausordnung genau geregelt und der Tagesablauf durch Beten und Arbeiten gekennzeichnet, wobei die täglichen Gebete wieder dem Seelenheil des Stifters beziehungsweise der Stifterin galten. Außerdem waren die Insassen verpflichtet, je nach körperlicher Verfassung leichte Arbeiten zu verrichten und sich um kranke Mitbewohner zu kümmern.

Obwohl es schon früh getrennte Armenhäuser für Männer und Frauen gab, erhielten Kinder, die ihre Eltern verloren hatten und auch von keinen Verwandten oder anderen Personen aufgenommen wurden, in der Regel keine Unterkunft in den bestehenden Armenhäusern. Um diese Lücke zu schließen, stifteten die Eheleute Johan Verendorp und Margaretha Plate im Jahre 1592 ein Waisenhaus für zwölf ehelich geborene Bürgerkinder. "Die aufgenommenen Waisen sollten von einem Ehepaar versorgt und betreut werden. Es war ihnen erlaubt, zu bestimmten Tageszeiten in der Stadt um Almosen zu bitten. Um ihnen den späteren Broterwerb durch Arbeit zu ermöglichen und 'Bettlerkarrieren' zu vermeiden, sollten sie Unterricht im Lesen und Schreiben erhalten." [92] Auch hier erfolgt eine Einschränkung auf "ehelich geborene Bürgerkinder", womit vielen Kindern die Aufnahme in das Waisenhaus von vornherein verwährt wurde. Ihnen blieb somit zumeist nichts anderes übrig als betteln zu gehen, um sich das Überleben zu sichern. Vielfach schlossen sich Kinder und Jugendliche in einem solchen Fall zu Gruppen zusammen, wie am Beispiel des Zauberer-Jackl-Prozesses deutlich zu erkennen ist, von dem später noch die Rede sein wird. Kinder wurden jedoch auch häufig von ihren Eltern zum Betteln mitgenommen und vorgezeigt, in der Absicht dadurch ein erhöhtes Mitleid zu erregen. Im 17. Jahrhundert wurden schließlich wiederholt Werkhäuser für Bettelkinder eingerichtet, in dem Bestreben das Bettelwesen einzuschränken.

2.3. Auswirkungen auf die Hexenverfolgung

Diese Rahmenbedingungen hatten natürlich große Auswirkungen auf die Hexenverfolgung. So begegnete man den Bettlern beispielsweise mit zunehmendem Misstrauen und brachte sie häufig mit dem Bösen schlechthin in Verbindung. Weiters spielte zum Teil auch das im Nachhinein schlechte Gewissen ein große Rolle, wenn man Bettler beziehungsweise Bettlerinnen ohne eine milde Gabe wieder fortschickte. Diese/r stieß bei ihrem/seinem Weggang vielleicht eine Verwünschung aus und wenn kurz darauf tatsächlich ein Krankheits- oder Unglücksfall eintraf, so galt dies als sicheres Indiz dafür, von dem/der abgewiesenen Bettler/in verhext worden zu sein. "Die Hexereianklage habe dann für den wohlhabenden Bauern gleich mehrere Funktionen erfüllt: Er schaffte sich damit die lästige Nachbarin vom Hals und beruhigte überdies sein eigenes schlechtes Gewissen über das unnachbarschaftliche Verhalten, das im nachhinein durch die Schlechtigkeit der Hexe eine Legitimation erhielt." [93] Dies würde auch die These von Heinemann bestätigen.

Durch Missernten und herrschende Hungersnöte war natürlich auch der Neid und Hass unter den Menschen verbreitet und so konnte es einfach nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn beispielsweise die Kuh des Nachbarn mehr Milch gab oder das Getreide auf dem Feld des Nachbarn besser wuchs als auf dem eigenen. Wie schnell ließ sich da ein Beweis finden, dass der verhasste Nachbar B die Milch der Kuh des Nachbarn A durch Hexerei entzog oder Nachbar B den Regen durch Wetterzauber stärker auf das Feld des Nachbarn A niedergehen ließ, um sein eigenes Getreide vor Verwüstung zu schützen. Ein gutes Beispiel hierfür bildet auch "der letzte Hexenprozeß im Herzogtum Steiermark" [94], in welchem eine Frau - vorerst ohne ersichtlichen Grund - der Zauberei angeklagt und gefangen genommen wurde. Erst durch die Aussage ihrer ebenfalls eingezogenen Tochter erfährt man den wahren Grund der Verhaftung, welcher ausschließlich im Neid und der Rachsucht ihrer Mitbürger bestand. "Man were ihr neitig [kursiv durch die Verfasserin] gewesen, daß sie sich bewerbe und bereiche, daß sie so vill Brott bach und anbringe, indeme braffere Weiber in Markht weren, kunten gleichwoll nicht so vill Brott anbringen, alß ihre Mutter." [95]

<13> 

Einen Zusammenhang zwischen Missernten, Hungersnöten, Pest und Hexenverfolgung sieht auch Wolfgang Behringer, welcher die Preissteigerungen in Deutschland den Verfolgungswellen gegenüberstellt und zu folgendem Ergebnis kommt: "Zieht man eine Bilanz der hier zusammengestellten Daten über Preisentwicklung, Mortalitätskrisen und Hexenverfolgung, so kann man sagen, daß praktisch jede große Verfolgung in der Zeit einer Agrarkrise wurzelt, während man in den 'billigen' Jahren zwischen 1560 und 1630 allenfalls kleine Hexenprozesse finden kann." [96] In weiterer Folge führten Missernten und damit eine Mangelernährung zu erhöhten Kindesmissbildungen und einer erhöhten Kindersterblichkeit, was wiederum als Grund für viele Anklagen in Hexenprozessen diente, da der Zusammenhang von Mangelernährung und Missbildung beziehungsweise Tod eines Kindes von den Zeitgenossen nicht erkannt wurde.

Doch auch unter den Kindern spielte die Armut eine große Rolle im Hinblick auf Hexereibezichtigungen. Wie gezeigt wurde, mussten sich auch Kinder zum Teil schon durch Betteleien am Leben erhalten beziehungsweise sich bei ihren diversen Spielen anderen gegenüber durchsetzen. Wie leicht ließen sich da andere Kinder durch kleine Kunststücke oder Zaubertricks beeindrucken und wie schnell konnte man die Aufmerksamkeit der anderen Kinder erregen, indem man vorgab, man könne Hasen oder Mäuse zaubern. Dass solch harmlose Aussagen schnell zu einer Anzeige wegen Hexerei führen konnten, mussten viele Kinder schon bald am eigenen Leibe erfahren. Auch die strenge Erziehung hatte Auswirkungen auf die Hexenprozesse, vor allem wenn man der Frage nachgeht, warum viele Kinder ihre eigenen Eltern der Hexerei bezichtigten. Sie erhielten dadurch die Möglichkeit die Verhältnisse umzukehren und nun Macht über ihre Eltern auszuüben, und genossen es, einmal im Mittelpunkt zu stehen, anstatt stets von anderen Befehle zu erhalten. Doch hierauf soll später noch genauer eingegangen werden. 

In diesem Kapitel sollte gezeigt werden, unter welchen Bedingungen Kinder in der Neuzeit aufwuchsen und mit welchen Schwierigkeiten Erwachsene zu kämpfen hatten, um ein besseres Verständnis der nachfolgenden Hexenprozesse zu gewährleisten. All dies würde jedoch kaum erklären, warum Männer, Frauen und auch Kinder zu den furchtbarsten Geständnissen fähig waren und selbst nahe Verwandte beziehungsweise die eigenen Familienangehörigen der Hexerei bezichtigten, wenn es nicht auch die menschenunwürdigen Bedingungen in den Gefängnissen sowie die Folter gegeben hätte, wie ebenfalls später noch näher dargestellt wird. 

3. KINDER ALS OPFER

Hexen sterben unschuldig,
jedoch von allen als ärgste Verbrecher angesehen.

(Nach Sigmund von Riezler, S. 154) 

3.1. Einführung

Wenn wir nun einen Blick auf die Opferrolle der Kinder werfen, so erscheinen Hexen aus diesem Blickpunkt unweigerlich als kinderfressende Kannibalen beziehungsweise als widerwärtige Geschöpfe, welche kleine, vorzugsweise noch ungetaufte Kinder töteten, um aus ihrem Fleisch beziehungsweise ihren Knochen diverse Salben oder Getränke herzustellen. Doch wer waren die Hexen - und hier ist tatsächlich fast ausschließlich von Frauen die Rede, weshalb in diesem Kapitel überwiegend auch nur die weibliche Form verwendet wird - tatsächlich? Wie kam es in der Bevölkerung zum Glauben, Menschen könnten tatsächlich fähig sein, Kinder zu essen, beziehungsweise diese vorsätzlich zu töten? Um diese Fragen beantworten zu können, müssen vorerst einige grundsätzliche Details erörtert werden, denn schon allein der Begriff "Hexe" ist zum Teil recht vieldeutig. Wenn in dieser Arbeit von Hexen die Rede ist, so ist damit jener Begriff gemeint, unter anderem von Inquisitoren entwickelt wurde und die im Wesentlichen folgenden Elemente enthält: Abfall von Gott, Teufelsbuhlschaft, Hexensabbat (Hexenflug) und Schadenszauber.

<14> 

Dass der Begriff der Hexe gerade jene Elemente umfasst, ist in überwiegender Weise auf den Malleus Maleficarum zurückzuführen. Dieses, auch als "Hexenhammer" bekannte Buch, wurde 1487 als Anleitung zur Ausrottung der Hexen von Heinrich Kramer, alias Institoris, veröffentlicht. Die internationale Forschung ist sich mittlerweile einig, dass die lange Zeit angenommene Mitautorenschaft des deutschen Dominikaners Jakob Sprenger, unglaubwürdig ist. Es wird vermutet, dass Institoris die Autorität seines wohl weniger umstrittenen Ordensbruders Jakob Sprenger ins Feld führte, um gegen den Widerstand, der ihm trotz päpstlicher Autorität (Papst Innozenz VIII. hatte ihn zusammen mit Jakob Sprenger am 05. Dezember 1484 mittels Bulle "Summis desiderantes affectibus" zum Inquisitor ernannt) entgegenschlug, bestehen zu können. [97] Der Inhalt des Buches war an sich nicht neu. Jedoch war er laut Hansen dadurch gekennzeichnet, dass er nach drei Richtungen insofern eine selbständige Auffassung aufwies, indem er

1. nicht die ketzerische Qualität der vorgeblichen Verbrechen der Hexen, sondern das Maleficium, die schädigende Zauberei, in den Mittelpunkt stellt, 

2. das Hexentreiben grundsätzlich auf das weibliche Geschlecht zuspitzt, 

3. den Hexenprocess aus dem Kreise der Ketzerinquisition in den Kreis der weltlichen Jurisdiction hinüberzuspielen sucht. [98]

Der Hexenhammer, welcher in drei Teile gegliedert ist, ist damit "das schauerlichste Buch der Weltliteratur" [99], so urteilt zumindest Kurt Baschwitz, womit er jedoch nicht alleine steht. Der erste Teil beschäftigt sich mit der Frage, ob es Zauberei grundsätzlich gebe, ob hierfür eine göttliche Zulassung nötig sei und welche Taten von den Hexen verübt wurden, wobei besonders auf die Gefährlichkeit der Hexen-Hebammen hingewiesen wird, auf welche später noch genauer eingegangen wird. Der zweite Teil beschäftigt sich ebenfalls mit den Taten der Hexen und nennt Möglichkeiten und Mittel Behexungen zu beheben und zu heilen. Der dritte Teil wendet sich schließlich als Kriminalkodex an die Richter und gibt Anweisungen, wie der Prozess zu beginnen, fortzusetzen und schließlich durch den endgültigen Urteilsspruch mit dem gebührenden Ende zu beschließen ist. Dass dieses Buch einen solchen Einfluss auf die Hexenverfolgung haben konnte ist nicht nur seinem Inhalt, sondern vor allem auch einer Erfindung der Neuzeit: dem Buchdruck, zu verdanken, denn der Hexenhammer "wurde von 1487 - 1520 dreizehnmal, von 1574 - 1669 sechzehnmal gedruckt und hatte auf dem Gebiete des Zauber- und H.[exe]nwahns autoritative Geltung." [100]

Doch wie reagierte die Bevölkerung hierauf? Dies ist nicht so leicht zu beurteilen, da einerseits kaum Protokolle überliefert sind, in denen jemand nicht an die Hexerei glaubte und schon gar nicht, wenn deswegen nicht geklagt wurde und andererseits auch die Ansichten in der Sekundärliteratur auseinander gehen. So führt beispielsweise Wolfgang Behringer einige Zitate an, aus denen sich gut erkennen lässt, dass es in der Bevölkerung durchaus kritische Stimmen gab, beziehungsweise dass der Hexenwahn zum Teil auch ins Lächerliche gezogen wurde. [101] Grund für die Ablehnung war unter anderem, dass "selbst schlichten, ungelehrten Menschen [auffiel], daß die Angstvorstellung von der Übermacht der teuflischen Hexen auf Erden nicht in Einklang zu bringen war mit dem Glauben an Gottes Allmacht und Gerechtigkeit." [102]

Auffallend am Hexenhammer ist auch die Frauenfeindlichkeit, welche sich durch alle drei Bände zieht. So ist jede Frau, angefangen von der Nonne, verdächtig, "weil der Teufel den Ehrgeiz hat, gerade solche heiligen Jungfrauen zu verführen. Der Versucher läßt sich aber selbstverständlich auch das lebenslustige Mädchen nicht entgehen. Und mit einer traurigen Jungfrau, die von ihrem Liebhaber verlassen ist, hat er besonders leichtes Spiel. Auf sie alle ist also besonders zu achten. Eine Frau, die selten zur Kirche geht, ist verdächtig, eine Frau, die häufig den Gottesdienst besucht, aber erst recht, denn sie will sich verstellen." [103] Auch wenn eine solche Fokussierung auf das weibliche Geschlecht heute nur schwer verständlich ist, so hatten die Zeitgenossen dennoch triftige Gründe, warum gerade Frauen sehr leicht vom Teufel verführt werden konnten. So führt Jacob Vallick in seinem Tractat von Zauberern, Hexen und Unholden 1576 folgende drei Gründe hierfür an:

Zum ersten, weil die Weiber leichtlicher glauben weder die Männer tun. Man sagt gemeiniglich, wer leichtlich glaubt, wird leichtlich betrogen ... 

Die andere Ursache ist, weil die Weiber neufindig sind, wollen alle Dinge wissen und erfahren. Also wollte Eva Gutes und Böses wissen. 

<15> 

Zum dritten, so sind die Frauleut gar rachgierig. Sobald ihnen etwas mangelt, wollen sie solches rächen, und da es ihnen an der Macht fehlt, ist alsbald der Satan darbei und lehret sie solches heimlich durch Zauberei thun ... Deshalb lernen die Weiber mehr Zauberei als die Männer. Die Weiber sind auch gemeinlich geizig. Deshalb wollen sie reich sein, alle Ding haben und nach der Pracht leben. Solches verheißt ihnen der Satan und bringt sie also darbei. [104]

Auch wenn die beiden ersten Gründe aus heutiger Sicht wohl kaum eine Erklärung für den Hexenwahn liefern können, so steckt im dritten Punkt bereits ein Körnchen Wahrheit. Wie bereits in Kapitel II dargestellt, musste der Großteil der Bevölkerung mit Missernten und Hungersnöten kämpfen, weshalb Geiz und Neid sicherlich zum Teil die Gemüter der Menschen beeinflussten. Es erscheint daher auch nicht mehr verwunderlich, dass es vielfach die Bevölkerung selbst war, welche Hexenprozesse forderte, obwohl diese von Seiten der Obrigkeit zuerst eher abgelehnt wurden. So wird berichtet, dass dem Kurfürsten Georg Friedrich 1626 eine Bitte auf Ausrottung des überhandnehmenden Lasters der Zauberei vorgebracht wurde. "Dieselbe Bitte wurde ihm, da es dem Kurfürsten mit der schärferen Verfolgung der Hexen doch nicht so eilig war, unter dem 6. Februar 1627 auch schriftlich vorgetragen. In Dieburg stand nämlich damals eine ganze Menge von Personen im Geruch der Zauberei, und die Masse des Volkes war gegen sie mit solcher Wut erfüllt, daß selbst die Beamten, die nicht sofort alle Verdächtigten in Haft nahmen, sich bedroht sahen." [105]

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Bevölkerung dem Hexenwahn eher zwiespältig gegenüber stand. Einerseits musste man fürchten, beschuldigt und damit zumeist unweigerlich der Folter unterworfen zu werden, und andererseits suchte man nach Erklärungen, wie es möglich war, dass der allmächtige und gerechte Gott all die Kriege, Seuchen, Katastrophen und nicht zuletzt die hohe Kindersterblichkeit zulassen könne. Dies konnte nur mit Hilfe des Teufels und seinen Gehilfinnen geschehen - eine andere Erklärung war für die Zeitgenossen nicht möglich. 

3.1.1. Kinderopfer in der Geschichte

Obwohl im Hexenhammer Kinderopfer nicht nur den Hebammen sondern auch den übrigen Hexen besonders vorgeworfen wurden, sind Kinderopfer an sich schon ein sehr altes Motiv, welches sich bereits in der antiken Mythologie findet. In der griechisch-mythologischen Erzählung von der Opferung des Dionysoskindes wird berichtet, dass die Titanen dieses Kind getötet, zerstückelt, sein Fleisch in einem Kessel gesiedet und auf einem Spieß geröstet hatten. [106]

Jedoch nicht nur in der griechischen Mythologie sondern auch in der Bibel, im Alten als auch im Neuen Testament, finden sich Kinderopfer. So heißt es im Alten Testament: 

Ein großes Feuer wird entzündet, ein Kind wird von denen, die um das Feuer herumsitzen, von Hand zu Hand durch die Flammen geworfen, bis es [das Feuer] ausgelöscht ist. Darauf wird das Kind zu Asche gemacht, aus der Asche Brot zubereitet; wem [davon] ein Teil als Eucharistie ausgeteilt wird, der kommt nach solchem Genuß fast niemals mehr von dieser Häresie weg. [107]

Die Kinderopfer im Neuen Testament finden sich, wie allseits bekannt, bei Herodes, welcher, als er von der Geburt Jesus erfahren hatte, Sterndeuter aussandte, die ihm berichten sollten, wo das Kind sei. Diesen wurde jedoch im Traum geboten, nicht zu Herodes zurückzukehren. 

Als Herodes merkte, daß ihn die Sterndeuter getäuscht hatten, wurde er sehr zornig, und er ließ in Betlehem und der ganzen Umgebung alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, genau der Zeit entsprechend, die er von den Sterndeutern erfahren hatte. [...] (Math. 2,16 - 18) 

<16>

Auch in der jüdischen Mythologie lassen sich Kinderopfer nachweisen. Hier ist es vor allem Lilith, welche Frauen unter anderem während der Geburt gefährdete. Außerdem konnte sich Lilith den Frauen als Incubus nähern, so dass man sich gezwungen sah, der Frage nachzugehen, ob Frauen ein Kind gebären könnten, welches sie von Lilith empfangen hätten, denn es war allgemein bekannt, dass Kinder, welche von einem Dämon gezeugt wurden, für die Menschheit gefährlich waren. [108]

Ein weiterer Hinweis auf Kinderopfer findet sich 1211 bei Gervasius, welcher "die Alten" gelesen hatte und "viele Geschichten von ihnen fast nur mit der einzigen Veränderung [wiedergibt], daß er sie in sein Land und seine Zeit verlegt." [109] So berichtet er von den kinderfressenden Lamien der Römer, welche er jedoch als Lania bezeichnet. Lamien gelten im Prinzip als Vorläufer der Vampire. "Sie sind im griechischen Volksglauben gespenstische Frauen, die durch allerlei Blendwerk Kinder, vorzugsweise schöne Jünglinge anlocken, ihnen das Blut aussaugen und ihr Fleisch genießen." [110] Neben diesen Lamien gab es jedoch noch eine Reihe weiterer mythologischer Gestalten, welche Kinder raubten und fraßen. So zum Beispiel Empusen, zu deren Vorliebe es gehörte, Jünglinge durch Liebreiz zu locken, weniger um der Liebeslust willen, als wegen des Genusses von Menschenfleisch. Gello hingegen, konnte nach ihrem frühen Tod bereits durch die Lüfte fliegen und vermochte durch Schloss und Riegel einzudringen, um die Leber von Knaben zu verspeisen, welche als besonders wirksames Mittel für unwiderstehliche Liebe galt. [111]

1275 wurde in Toulouse Angela, Herrin von Laberethe, lebendig verbrannt, nachdem sie gestanden hatte "allnächtlich fleischlichen Umgang mit dem Satan gepflogen zu haben; seine Frucht sei ein Ungeheuer mit Wolfskopf und Schlangenschwanz gewesen, zu dessen Ernährung sie in jeder Nacht kleine Kinder habe stehlen müssen." [112] 60 Jahre später (1335) standen in einem Inquisitionsprozess 63 Männer und Frauen vor Gericht, von denen zwei ältere Frauen gestanden "daß sie auf dem Sabbat [...] gewesen seien, dort den Teufel angebetet, mit ihm und den übrigen Anwesenden Unzucht getrieben und das Fleisch getöteter Kinder gegessen hätten." [113] Der Glaube an Kinderopfer findet sich in dieser frühen Zeit jedoch nicht nur in Frankreich, sondern auch im Berner Territorium, wo zwischen 1392 und 1406 eine Zaubersekte ausfindig gemacht wurde, "die bei ihren Versammlungen angeblich dem Teufel huldigten und eigene sowie fremde Kinder töteten, kochten und verspeisten." [114]

3.2. Kinderopfer im Hexenglauben

3.2.1. Kinderkannibalismus

Kindesraub, Kindesmord und Geburten durch fleischliche Vermischung mit einem Dämon waren also bereits sehr früh verbreitet und ähnelten schon stark den Vorwürfen, welche gegen Hexen erhoben wurden und nun genauer betrachtet werden sollen. Interessant hierbei ist, dass sich diese Vorwürfe in den Hexenprozessen fast aller europäischen Länder finden lassen. So berichtet beispielsweise Dr. Johann Hartlieb in seinem "Buch aller verbotenen Kunst, Unglaubens und der Zauberei": "Es was in dem sechsten jar als bapst Martin gesetzt was, da stund uf zu Rom ain ungelaub, das etliche weib und man sich verwandelten in katzen und totten gar vil kinder zu Rom." [115] Johann Fründ (ca. 1400 - 1469), ein Luzerner Chronist, berichtet ebenfalls, dass da

waren ettliche under inen, die ir eigenen kind toten und sy brieten und assen und sotten, und in ir geselleschaft trugen und assent. [...] Ettlich waren auch als boß, das ire kind oder ander lüten kind des nachtes angriffen und sy trukten und sewreten denn ettliche tage und sturben denn. Und die liessen sy denn ir nachgeburen sehen, und wa sy die berürt hatten mit iren bösen henden, da warent denn die kint swarz oder blaw, wonnt sy böß vergifft materye an die hende gestrichen hatten, und gabent denne den lüten zu verstande, die seligen selen hetten sy gereichet. Und gehuoben sich denn übel umb die kind, und wenn sy vergraben wurden, so giengen sy denn nachtes dar und grubens wider uff und assens denn mit einandern heimlich. [116]

<17> 

Auch wenn die Vorgehensweise in den einzelnen Ländern unterschiedlich war, das Verbrechen an sich war das Gleiche. So war man auch einige Zeit der Meinung, dass Kinderschädigung als das am häufigsten genannte Verbrechen der Hexen angesehen wurde - wogegen sich die neuere Forschung jedoch vehement verwehrt. Die ursprüngliche Meinung ist jedoch nicht weiter verwunderlich, wann man beispielsweise ein Frageschema [117] aus dem Jahre 1590 näher betrachtet. Das genannte "Fragstuckh" enthält nämlich unter Punkt VI. "Circa punctum: khinder ausgraben" folgende Fragen:

1. Wie offt sie zur nachts vnd auf was freithofen khumen vnd khinder ausgraben helfen? 

2. Wer dazue geholfen, weme die khinder zuegehört vnd mit weme sie es ausgraben haben, wie lang es herr ist? 

3. Wer das khindlein aus dem greblein gehebt, vnd wer es alsdann hinweckh getragen vnd wohin? 

4. Was sie mit diesem khindt gethan, ob sie es kocht, was gestalten, gesoten oder gebraten, vnd wo sie es verzährt haben, wer den verzehren beigewohnt, ob es ihnen wohlgeschmeckht habe? 

5. Was sie mit dem vberbliebenen fleisch und painern angefangen oder darauß gemacht haben? 

6. Zue wehme sie darauß gemachte Materialia gebraucht vnd verwendt haben? [118]

Diese Fragen wurden den vermeintlichen Hexen während der Folter gestellt, welche von Schmerzen gepeinigt, praktisch keine andere Wahl hatten als die Taten zu gestehen. Danach wurde jedoch nicht erst gewartet bis Kinder starben, um sie später wieder auszugraben, sondern die Hexen raubten die Kinder aus den Wiegen und teilweise sogar aus den Betten der Eltern, sofern sie nicht durch Kreuze oder Gebete vor dem Zugriff dämonischer Wesen geschützt waren. So berichtet eine gefangene Hexe auf die Frage, auf welche Weise sie die Kinder verzehrten: 

Die Weise ist folgende: Besonders stellten wir den noch nicht getauften Kindern nach, aber auch den getauften, besonders wenn sie nicht mit dem Zeichen des Kreuzes oder durch Gebete geschützt werden. [...] Diese töten wir, wenn sie in der Wiege oder an der Seite der Eltern liegen, durch unsere Zeremonien; und während man glaubt, daß sie erdrückt oder sonst aus einem Grunde gestorben sind, stehlen wir sie heimlich aus der Gruft und kochen sie in einem Kessel, bis nach Ausscheidung der Knochen das ganze Fleisch fast trinkbar flüssig wird. Aus der festen Masse machen wir Salben, um unsere Wünsche, Künste und Fahrten bequem ausführen zu können, die flüssige Masse aber füllen wir in eine bauchige Flasche; wer hiervon unter Hinzufügung etlicher Zeremonien trinkt, wird sofort Mitwisser und Meister unserer Sekte. [119]

Diesen Vorstellungen geht Institoris in seinem Hexenhammer nach. Er beschäftigte sich im zweiten Teil seines Werkes mit der Art, das gotteslästerliche Hexenhandwerk zu betreiben und stellt darin fest, dass Hexen, welche die Kinder der eigenen Art verschlingen und zu verzehren pflegen, die schlimmste Sorte des Hexenwerkes darstellen: 

Sie sind es nämlich, die sich auch mit unzähligen anderen Schädigungen befassen: sie nämlich schicken Hagelschlag, böse Stürme und Gewitter, verursachen Unfruchtbarkeit an Menschen und Tieren, bringen auch die Kinder, die sie nicht verschlingen, den Dämonen dar, wie oben steht, oder töten sie sonst. Doch dies trifft nur die Kinder, die nicht durch das Naß der Taufe wiedergeboren sind; wenn sie jedoch, wie sich zeigen wird, auch wiedergeborene verschlingen, dann geschieht das nur mit Zulassung Gottes. Sie verstehen auch Kinder, die am Wasser spazieren gehen, ohne daß es einer sieht, vor den Augen der Eltern in das Wasser zu werfen; [...]

[Weiters verstehen sie es] die Zeugungskraft oder auch die Fähigkeit das Beilager zu halten wegzunehmen; Frühgeburten zu bewirken; die Kinder im Mutterleib durch bloße äußerliche Berührung zu töten, [...] die eigenen Kinder den Dämonen zu weihen [...] [120]

<18> 

Diese Vorstellungen waren tief im Hexenglauben verhaftet, und so erstaunt es kaum, dass in späterer Zeit selbst Kinder angaben, beim Ausgraben anderer Kinderleichen zumindest zugesehen zu haben, sofern sie nicht selbst dabei geholfen hatten. So gibt beispielsweise der 10-jährige Daniel Klein im Verhör am 15. Februar 1629 zu Protokoll: "Zu Bettingen habe er eine Kindesleiche helfen ausgraben, welche ein Mägdlein war und hätten in einem näher beschriebenen Hause Schmier daraus gesotten." [121] Auch die 5-jährige Tochter des Bürgers Michael Kapf erklärt bei der Beschreibung des Hexensabbats auf der Warth, dass sie Schmiere gesotten hätten. "Sei ein todt Kindlein gewesen, weiß nicht, ob es ein Büblein oder ein Mägdlein gewesen; sei ihres Armes lang gewesen." [122]

Doch was war nun eigentlich Sinn und Zweck dieses Kinderkannibalismus? Einerseits wurden Kinder als "besonderer Leckerbissen" auf dem Sabbat verspeist, da alle übrigen Speisen oftmals einen ekelerregenden Geschmack hatten. [123] In jenem vorhin zitierten Beispiel aus Rom gab eine Verhaftete an, sie würde den Kindern das Blut aussaugen, um damit ihr eigenes Leben zu verlängern. [124] (Das Motiv des Blutaussaugens, findet sich vor allem im südosteuropäischen Raum wieder und wird im Rahmen der Betrachtungen zu den Vampiren noch näher behandelt werden.) "Über viele Jahrhunderte, ja über Jahrtausende hielt sich der Glaube, daß es kein reineres, mächtigeres, zauberkräftigeres Blut als dasjenige von Kinder gebe. Deshalb sollen viele Erwachsene, zumal Ältere, Heilung im Bad von Kinderblut gesucht haben." [125] Weiterhin sagte man Kindern eine außergewöhnlich hohe Zauberpotenz nach. Durch den Genuss des Fleisches wurde, dem Glauben nach, diese Zauberkraft auch auf diejenige Person übertragen, welche das Fleisch aß. Der Genuss von Kinderfleisch, am besten noch von Embryonen, diente gleichzeitig dazu, sich unsichtbar zu machen. Auch wird die Hexenkunst der Verschwiegenheit dadurch bewirkt, "daß ein eben geborenes Kind männlichen Geschlechts, nicht getauft und dazu ein erstgeborenes getötet, im Ofen gebraten und mit anderen Dingen, die ausdrücklich zu nennen nicht frommt, eingeäschert und pulverisiert wurde. Wenn eine Hexe oder ein Verbrecher davon etwas bei sich trug, konnte sie auf keinen Fall ihre Verbrechen gestehen." [126]

Kinder wurden jedoch nicht immer sofort verspeist, sondern vielfach auch auf den Sabbat mitgenommen und dort dem Teufel geopfert. Die Opferung auf dem Sabbat ist gleichbedeutend mit neuer Kraft und neuem Leben, denn "wie die Zerstückelung des göttlichen Kindes erlaubt, daß sich die Gläubigen mit Tod und Auferstehung ihres Gottes identifizieren, so bewirken Kinderopfer und Kinderkannibalismus durch rituelle Aufnahme der Potenz des Opfers in den eigenen Köper Lebenserneuerung, Lebensverlängerung, ewiges Leben." [127] Außerdem verlangte auch der Teufel selbst stets Kinder. In einer "Wahrhaffte[n] Nachricht von einer Beschwerung des Satans, so in der letztabgewichenen heiligen Christ-Nacht 1730 zwischen 11 und 12 Uhr von 5 Bürgern in der Stadt Lindau vorgenommen worden" wird beispielsweise berichtet, dass der Teufel, um bei der Schatzsuche behilflich zu sein, forderte, dass ihm jene fünf Bürger ein ungeborenes Kind als Gegenleistung bringen sollten. [128] Des Weiteren war der Teufel bei seinen magischen Machenschaften auf Kinder geradezu angewiesen, um seine Hexen zu schützen, denn "seine Gespielinnen, die Hexen, pflegt er mit Kinderfleisch vor Angriffen zu schützen und stark zu machen. Von der Khündle Herz [...] gebe der böse Feündt den Weibern ein, daß sie nit schreyen khünden." [129]

3.2.2. Hexensalben aus Kinderleichen

<19> 

Kinder wurden jedoch nicht "nur" gegessen, sondern Kinderleichen wurden darüber hinaus, wie auf folgendem Bildausschnitt ersichtlich, gekocht, um daraus diverse Salben und Getränke zu erzeugen. Auch dieses Motiv des Hexenglaubens findet sich schon vor der Publikation des Malleus Maleficarum. 1459 wird mehreren Angeklagten in Arras in einem Waldenser-Prozess unter anderem vorgeworfen, dass sie "die zum Fliegen dienende Salbe aus einer mit geweihten Hostien gefütterten Kröte, gepulverten Knochen eines Gehängten, dem Blute kleiner Kinder und einigen Kräutern zubereitet" [130] hätten. In der Schweiz behaupteten Ende des 14. Jahrhunderts vor Gericht gestellte Frauen, "man brauche sich mit solchen aus Kinderleichen hergestellten Säften und Salben lediglich einzureiben, um sogleich unsichtbar zu werden. Auch bei der Verwandlung von Menschen in Tiere sollte sich die Zauberkraft dieser Mittel erweisen. In Italien [...] waren tote Kinder über alles gefragt, weil sich aus ihrem Fett die begehrten Liebeszaubermittel bereiten ließen." [131] So findet sich auch für diese Verbrechen eine eigene Stelle im Hexenhammer. Darin wird berichtet, dass der Teufel seinen neuen Anhängern erklärt, was er von ihnen erwarte. "Endlich fügt er noch hinzu, sollten sie Salben aus den Knochen und Gliedern von Kinder, und zwar besonders von solchen, die durch das Bad der Taufe wiedergeboren sind, bereiten, wodurch sie alle ihre Wünsche mit seinem Beistande erfüllt sehen würden." [132] In weiterer Folge wurden diese Salben auch für Schadenszauber aller Art verwendet. So gesteht eine Angeklagte, dass jeder, egal ob Mensch oder Tier, den sie mit einer solchen Schmiere einreibe, erlahmen müsse. [133]

Abschließend soll noch ein kurzer Blick in die Quellen selbst geworfen werden, wobei sich zeigen wird, dass die genannten Salben auf die unterschiedlichste Weise zubereitet werden konnten, was nicht zuletzt den, meist unter der Folter erzwungenen, Einfallsreichtum der als Hexen angeklagten Frauen widerspiegelt. So heißt es beispielsweise in einer Hexenzeitung über die Verfolgung in der protestantischen Herrschaft Wiesensteig aus dem Jahre 1563: 

Wie sy dann außer seiner Teufflischen Anraitzung / hülff/ vnnd zuthun vollgende Mordt / grewlicher Thaten vnnd Handlungen begangen haben. [...] 

Item. CC. vnd viij. Junger Künder / dar under xij. der Hayligen Tauff beraubt /vnd zway auß Mutterleib geschnitten worden. [...]

Vnnder obermelten Kündern haben sy vil / sonderlich aber die vngetaufften widerum außgraben die vnmenschlicher Jemmerlicher weyß / zu ainem Mueß versotten / vnd zum tayl auch zu ainnem Buluer verbrent / Darauß sy ain vergiffte schedliche zauwerey Salb gemacht / vnnd volgende Teuflische vngepürliche Stuck darein gepraucht haben. 

Naemlich allerlay Rathen / Hasen / Gayß / Hund / vnnd ander Thier / Desgleichen Menschen Fürnemlich aber Rott har / Sew borst / wollen / Spinnenwebben / Gemilb / Ayrschalen / Lacet / Etiom / Menstrum Muliebere / Bibergal Loroel / Gebranden wein / gelb vnnd weyß Gifft / vergiffte schedlinge Kreiter / vnnd dergleichen / welches alles zu sonnderer zeyt vnnd stunden von jnnen gesamlet / vnd mit Teuflischen Segen / vnd Caractern / vnderainnander Temperirt / vnd expenerirt wirt. 

Doch geprauchen nit allsamen solche stuck alle / Sonnder etwo zumtail aine weniger oder mehr. [134]

<20> 

Das Wasser, in welchem man die Kinder kochte, wurde zum Teil ebenfalls wieder mit diversen Kräutern und anderen Zutaten vermischt und daraus Regen oder vor allem Hagel erzeugt. Welche Zutaten für die richtige Bereitung der Salben nötig waren, lernten die Hexen, nach der Vorstellung des Chronisten und Hofkaplans von Kurfürst Friedrich von der Pfalz, Mathias Widmann von Kemnath (1475/76), in einer eigenen Schule: 

Item wen der arme verfurt mensch sich dem deuffel zu lehn hoit gegeben, so gibt ime der meister ein buchssen mit salben, ein stabe, besame oder was darzu gehort. Uff den muss der verfurt in die schule gehn und lert ine, wie er den stab sol schmeren mit der salbe, und die salbe wirt deuffelisch gemacht von der feistigkeit der kinde, die gebraten und gesodten sein, und mit anderen vergifften dingen, als schlangen, eidessen, krotten, spinnen. Die salben brauchen sie auch darzu, so sie iemant domit beruren oder bestreichen einmale, muss der mensch eins bosen doits sterben zustunde gehlingen. Item sie machen pulver aus dem inngeweide, aus der lungen, leber, hertz etc., und so es neblichte ist, so werffen sie das pulver in den nebel, der zeucht es uff in die lufft. Derselbig lufft ist vergifft, also das die leut gehling sterben oder sunst ein ewig krankheit gewinnen, und das ist ursach, das in ettlichen dorffern pestilentz regiert und zu allernechtst dobei ist man frisch und gesundt [...]. [135]

Auch die Kölner Hexenflugschrift aus dem Jahre 1594 berichtet über die "Bekentnis der zeuberer vnd zeuberin / welche Kurtzlich verbrandt sein worden". Der Autor dieser Flugschrift ist nicht bekannt. Er stützt sich in seinen Aussagen auf das Hörensagen aus ungenannten Quellen und gibt die typische Meinung der Leute über die Vorgänge am Hexensabbat wieder. So heißt es unter anderem darin: 

Es hat eine zauberin gesacht / vnd bekandt / [...] welche Vor den satan komen vnd haben mit zaberey keinen schaden getan / werden vbel geschlagen / aber die sein dem Sathan / am angenemsten / die im kinder offeriren / [...] 

Es hat ein andere bekandt / wie das sy eingesegnde Ostige [?] einer Erdt krötten zu Essen geben habt / vn Etliche gewisse wort darzu gesprochen haben / vnnd vnder ein Schwelle begraben / darmit zuwege gebracht / das sieben Kinder in Mütter leibe Todt bliben weren [...]. [136]

Diese Quellenauszüge mögen nun genügen, um zu zeigen, wie der Verzehr beziehungsweise die "Verarbeitung" von Kindern beziehungsweise Kinderleichen von den Zeitgenossen gesehen wurde. Die heutige internationale Forschung geht davon aus, dass diverse Salben ihre Wirkung aufgrund der Verwendung pflanzlicher Drogen, welche zu Halluzinationen führten, entfalteten. Verwendete Mittel waren unter anderem: Tollkirsche, junge Blätter der Pappel, welche ein altbekanntes Narkotikum darstellen, Mohn, Opium, Schierling, Bilsenkraut, Alraun und verschiedene Nachtschattengewächse. [137] Hieraus lassen sich auch die diversen Anschuldigungen erklären. So ist beispielsweise für den Hexenflug beziehungsweise die Teufelsbuhlschaft davon auszugehen, "daß zur Zeit der Hexenverfolgung tatsächlich bestimmte Salben mit betäubenden Wirkungen bekannt waren, die eventuell Flughalluzinationen oder sexuelle Träume auslösen konnten." [138] Die Aussage, Hexen würden durch die Salbe schmerzunempfindlich werden und könnten daher jegliche Tortur aushalten, ist ebenfalls darauf zurückzuführen, dass "tatsächlich [...] eine narkotisierende Wirkung bestimmter Salben pharmakologisch möglich [ist]." [139] Gunther Franz schließt in seinem Vortrag daraus, dass es "zwar nicht beweisbar, aber auch nicht auszuschließen [ist], daß es eine verbreitete Drogensubkultur gegeben hat, und daß manche Frauen sich durch Salben allein oder gemeinsam in Rausch versetzt haben." [140]

<21> 

Aus den vorgenannten Quellenauszügen wird jedoch auch deutlich, wie man versuchte, Erklärungen für die verschiedenen Katastrophen der Neuzeit, wie Pest, Kindersterblichkeit, Missernten aufgrund von Unwettern usw. zu finden. Wurden diese Vorwürfen gegen Hexen jeder Art erhoben, so warf man zwei Personen- beziehungsweise Berufsgruppen noch gesonderte Verbrechen vor, welche sie an Kindern begangen haben sollten: den Hebammen und den Geistlichen. Diese beiden Gruppen sollen nun etwas eingehender betrachtet werden. 

3.3. Hexenhebammen

Niemand schadet dem katholischen Glauben mehr als die Hebammen. 

Denn wenn sie die Kinder nicht töten, dann tragen sie, gleich als wollten sie etwas besorgen, die Kinder aus der 

Kammer hinaus, und sie in die Luft hebend opfern sie dieselben den Dämonen. [141]

So urteilt zumindest Heinrich Kramer in seinem Hexenhammer über Hebammen. Im zweiten Teil seines Werkes widmet er ihnen ein ganzes Kapitel zu der "Art wie die Hexenhebammen noch größere Schädigung antun, indem sie die Kinder entweder töten oder sie den Dämonen weihen (13. Kapitel)" [142]. Auch im dritten Teil kommt er nochmals auf sie zu sprechen und urteilt darin, dass die Hexenhebammen alle anderen Hexen an Schandtaten übertreffen und dass es von ihnen eine so große Anzahl gibt, "daß kein Dörfchen existiert, wo derartige sich nicht finden." [143]

Nun stellt sich die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass gerade Frauen, welche durch ihren Beruf prädestiniert waren, dabei zu helfen neues Leben auf die Welt zu bringen, in solch üblen Ruf geraten konnten, wie es im Hexenhammer den Anschein hat. Doch war dies auch tatsächlich der Fall? Hierzu ist zweierlei zu sagen: Erstens war der Hexenhammer, wie bereits erwähnt, durchzogen von einer nicht zu leugnenden Frauenfeindlichkeit, so dass Frauen generell, egal welchen Beruf sie ausübten und wie fromm sie auch waren, in den Verruf geraten konnten, Hexen zu sein. Weiterhin ist jedoch die hohe Kindersterblichkeit und Zahl von Totgeburten in der frühen Neuzeit zu berücksichtigen. Bis zu einem Drittel der Geborenen starben aufgrund fehlender Hygiene und Mangelernährung noch im Kleinkindalter. Außerdem waren die Leute tagtäglich von den Vorstellungen des Hexenglaubens umgeben. Jede Mutter, jede Familie suchte sicherlich nach Erklärungen, warum gerade ihr Kind sterben musste, und so war es nahe liegend in der Hebamme einen Sündenbock für den Tod des Kindes zu suchen und daher konnte, "wenn die Hysterie groß genug war, [...] auch sinnvolles, medizinisch gebotenes Handeln zum Hexenverdacht führen." [144]

Würde man mit dieser einseitigen Sichtweise an das Studium von Verhörprotokollen beziehungsweise anderer Quellen herangehen oder auch die Sekundärliteratur nur aus diesem Blickwinkel betrachten, so ließen sich sicher sehr viele Fälle finden, in denen Hebammen als Angeklagte vor Gericht standen. Setzt man die Zahl der hingerichteten Hebammen jedoch in Relation zur Gesamtzahl der Hingerichteten, und damit sind wir beim zweiten Punkt, so wird man feststellen, dass die Berufsgruppe der Hebammen durchaus keine überrepräsentative Rolle in der Hinrichtungsstatistik [145] spielte. [146] Außerdem waren Hebammen zum Teil auch als Sachverständige an Hexenprozessen beteiligt, um so eine eventuelle Schwangerschaft festzustellen, welche die Angeklagte bis zu ihrer Niederkunft vor Folter und Tod verschonte. Weiterhin waren sie auch "als Gutachterinnen in Kriminal- und Hexenprozessen, zum Beispiel bei der Suche nach dem Hexenmal [...] tätig, ohne selbst in Verdacht zu geraten." [147]

<22> 

Bevor jedoch einige Hebammenschicksale näher betrachtet werden, müssen noch zwei Autoren erwähnt werden, deren Thesen heftig umstritten sind. Die Rede ist hier von den beiden Bremer Bevölkerungswissenschaftlern Gunnar Heinsohn und Otto Steiger. Sie stellten einen Zusammenhang zwischen dem Verschwinden des Verhütungswissens, der Hexenverfolgung und einer Bevölkerungsexplosion her und kamen dabei zu dem Schluss, "daß die Geburtenkontrolle nicht nur durch die Hexenverfolgung weitgehend beseitigt worden ist, sondern daß die Vernichtung der weisen Frauen ausdrücklich in bevölkerungspolitischer Absicht zur Unterbindung der Geburtenkontrolle von Kirche und Staat ins Werk gesetzt wurde." [148] Weiterhin meinten sie: "Das Verschwinden der Geburtenkontrolle ergab sich demnach nicht als unbeabsichtigtes Nebenprodukt einer aus ganz anderen und bisher lediglich noch nicht verstandenen, über Jahrhunderte hinweg betriebenen Massentötung, sondern verdeutlicht erst die politische Rationalität hinter diesen Massakern. Eher läßt sich die neuzeitliche Hexenverfolgung als Nebenprodukt der Geburtenkontrollbekämpfung fassen." [149] Die beiden Autoren bezeichnen also die gesamte, sich über rund drei Jahrhunderte ziehende Hexenverfolgung lediglich als Nebenprodukt der Geburtenkontrollbekämpfung! Weiters ist der These von Heinsohn und Steiger entgegenzuhalten, dass, sollte sie richtig gewesen sein, es keinen Grund gegeben hätte, warum auch unzählige Kinder ihr Leben in Hexenprozessen lassen mussten, wie in den nächsten Kapiteln noch gezeigt werden wird. Laut Heinsohn und Steiger wurden die Hebammen schließlich verfolgt, um eine Geburtenkontrolle zu verhindern und damit zu erwirken, dass Frauen mehr Kinder bekamen. Warum sollten also andererseits Kinder als Hexen verbrannt werden?

Zugute halten muss man den beiden Autoren jedoch, dass sie einen nicht von der Hand zu weisenden Grund für ihre Theorie anführen, indem sie meinen, dass Hebammen vor allem deshalb im Zentrum der Verfolgung standen, da sie am besten konnten, was benötigt wurde, nämlich eine ungewollte Schwangerschaft zu verhindern. Den Grund warum diese Geburtenkontrolle nunmehr aufgehoben werden sollte, sehen Heinsohn und Steiger darin, dass Erntekatastrophen sowie die Pest dazu führten, dass viele Menschen starben, wodurch es zu einem Arbeitskräftemangel kam. Dass die Kirche schließlich die Initiative für die Hexenverfolgung ergriff, liegt ihrer Ansicht nach daran, dass "von allen zentralen Mächten Europas, die unter Arbeitskräftemangel leiden, die Kirche am härtesten getroffen ist. Sie läßt das relativ größte Gebiet des Kontinents bewirtschaften und erleidet insofern auch die schmerzlichsten Verluste. [...] Der durch die Hebammen geschädigte katholische Glauben erweist sich also als Schädigung des größten Grundherrn Europas an der Quelle seines Reichtums, nämlich an seinen unfreien Arbeitskräften." [150] Allerdings ist auch hier wieder entgegen zu halten, dass es - unter der Voraussetzung, dass die Theorie richtig wäre - unlogisch erscheint, warum man auch unzählige andere Frauen, Männer und Kinder verbrannte und damit weitere Arbeitskräfte tötete, wodurch sich der Arbeitskräftemangel nur zusätzlich erhöhte. Selbstverständlich wird die These von Heinsohn und Steiger auch von allen anderen Forschern massiv kritisiert. So meint beispielsweise Walter Rummel:

Nichts haben die Autoren begriffen von der Unsinnigkeit, moderne Staatsvorstellungen auf die frühe Neuzeit zu projizieren, nichts von den sozialen Spielräumen auch der Untertanen, die jenseits der platten Vorstellung staatlicher Unterdrückung liegen, nichts von der Mentalität jener Menschen, Anklägern wie Opfern, für die der Hexenglaube ein Teil ihres Weltverständnisses war, nichts schließlich von der Tatsache, daß Prozessakten, deren Lektüre sie für ihr Buch konsequent vermieden haben, für die Analyse wichtiger sind als in Theologenstuben verfasste Traktate. [151]

Weiters kritisiert er, dass "der gesellschafts- und staatskritische Anspruch der Rezipienten von Heinsohn und Steiger [...] auf der Strecke [blieb], weil es ganz offenkundig nicht um Annäherungen an eine historische Wirklichkeit, sondern um die Zementierung von Feindbildern und um die Mobilisierung eines Geschichtsbildes zum Zwecke tagespolitischer Auseinandersetzungen ging." [152] Dass die Annäherung an eine historische Wirklichkeit fehlt, lässt sich auch daran erkennen, dass neben den theoretischen Schriften der Dämonologen auch "zeitlicher und regionaler Verlauf der Verfolgungen einer bevölkerungspolitisch motivierten Steuerung 'von oben' [widersprechen]. [...] Denn die Vielfalt des komplexen Hexereibegriffes wird von ihnen auf ein einziges Element - die Figur der 'Hexenhebamme' - reduziert, alle anderen Elemente werden ausgeblendet oder, wenn sie wie im Falle des ganz zentralen Schadenszauber Erwähnung finden, bagatellisiert. Doch war für die Bevölkerung gerade die Schädigung von Mensch, Tier und Ernten durch Hexen vorrangig, wozu auch die magisch verursachte Impotenz gehörte, und nicht die Empfängnisverhütung". [153]

<23> 

Dies bestätigt auch der Fall der aus den spanischen Niederlanden stammenden Hebamme Maria Renoit. Sie wurde angeklagt, da sie sich angeblich auf die Kunst des Riemen- oder Nestelknüpfens verstand und sie zum Schaden der Männer anwandte, welche dadurch ihre Zeugungsfähigkeit verloren. Eine ledige Dienstmagd sagte im Zuge der Verhöre aus, dass Maria Renoit ihr gegenüber angedeutet habe, als sie ungewollt schwanger war, "sie könne machen ..., daß sie ein thot kindt zur welt brechte, und [sie] hette viel stetiger leuth geholffen, daß es nit ausgebrochen, das heißt gar nicht zur Schwangerschaft gekommen sei." [154] Die Untersuchungsrichter verfolgten die nach Heinsohn und Steiger belastende Aussage jedoch nicht weiter und Maria Renoit wurde schließlich lediglich des Landes verwiesen. "Die einzige Kölner Hebamme, die mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit Verhütungspraktiken verbreitet und bei Abtreibungen half, wurde also nicht mit dem Feuertod bestraft. Das bestätigt die Grundannahme, dass nicht das Wissen um Empfängnisverhütung und Abtreibungspraktiken, sondern Unglücksfälle, die als Schadenszauber ausgelegt wurden und für die man einen Sündenbock brauchte, Hebammen und andere Heilerinnen in den Verdacht gebracht haben, Hexen zu sein." [155]

3.3.1. Handlungen der Hexenhebammen

Was waren nun aber die Taten, welche man den so genannten Hexenhebammen vorwarf? Eine mögliche Antwort hierauf gibt das Beispiel einer Hebamme aus der Diözese Straßburg, von welcher folgendes berichtet wird: Eine schwangere Frau sollte, als der Tag der Geburt nahte, von einer Hebamme in lästiger Weise gedrängt worden sein, sie als Hebamme zu nehmen. Die Frau sagte zwar zu, nahm sich jedoch schließlich eine andere Hebamme. Acht Tage nach der Geburt betrat die erste Hebamme mit zwei weiteren Frauen die Kammer der Frau und stieß die Worte aus: "Siehe, diese schlechteste der Frauen soll nicht ungestraft davonkommen, weil sie mich nicht als Hebamme hat annehmen wollen." Die beiden übrigen Frauen legten jedoch ein gutes Wort für die Wöchnerin ein und so entschloss sich die Hebamme die Frau für ein halbes Jahr zu verschonen, ihr jedoch etwas in die Eingeweide zu geben, wodurch sie nach einem halben Jahr stark gepeinigt werden sollte. Als das halbe Jahr vorbei war, schied die Frau Dornen, Knochen und Holzstücke aus. [156]

Wenn es auch nur schwer vorstellbar ist, dass die Frau tatsächlich Dornen, Knochen und Holzstücke von sich gab, so lässt diese Geschichte doch gut auf den Konkurrenzdruck der Hebammen untereinander schließen. Jede Hebamme war aufgrund des geringen Lohnes von öffentlicher Seite ständig gezwungen sich Kundinnen zu sichern. Entschied sich eine Kundin jedoch einmal für eine andere Hebamme, so ist es durchaus vorstellbar, dass die verschmähte Hebamme einige Flüche oder Verwünschungen über der Schwangeren ausgestoßen hatte. In einer Zeit, in welcher der Glaube beziehungsweise Aberglaube eine große Rolle spielte, reichte dann schon eine Kleinigkeit, um diese mit den Flüchen in Verbindung zu bringen, und schon hatte man einen "handfesten Beweis" dafür von einer Hexe verhext worden zu sein. Der geschilderte Fall bestätigt außerdem die These von Heinemann, da die Wöchnerin sicherlich ein schlechtes Gewissen hatte, eine Zusage gebrochen zu haben. Sie sah ihr "falsches" Verhalten und musste daher die Rache der verschmähten Hebamme fürchten. 

Ein anderer sehr weit verbreiteter Glaube war, dass "sich den Hebammen eine besondere Gelegenheit zum Töten der Babys bei der Geburt böte, indem sie mit Nadeln durch die Fontanelle ins Hirn stechen konnten. Wenn ein Baby tot zur Welt kam, war eine Hebamme, bei der schon mehrere Totgeburten vorgekommen waren oder Kinder kurz nach der Geburt starben, besonders stark solchen Angriffen ausgesetzt. Im Mittelalter war es [nämlich] bei den Hebammen üblich, einen Fingernagel besonders lang wachsen zu lassen und ihn ganz spitz zuzuschneiden, um damit die Fruchtblase sprengen zu können, falls das nötig war. Es ist verständlich, daß angenommen werden konnte, es sei diese Waffe, mit der die Hexen-Hebamme die Babys tötete, denen sie auf die Welt verholfen hatte." [157]

<24> 

Hexenhebammen konnten jedoch nicht nur dem Kind schaden, sondern auch den Eltern. Wie bereits ausgeführt, hatten Hebammen Kenntnisse hinsichtlich der Empfängnisverhütung. So sehr diese von den Frauen vielleicht auch gewünscht wurde, so sehr wurde sie von der Kirche abgelehnt. Es wird daher den Werken der Hexen zugeschrieben, wenn ein Mann nicht zeugen beziehungsweise eine Frau nicht empfangen konnte. Dieser Glaube ging sogar so weit, dass man annahm, "daß sie die männlichen Glieder wegzuhexen pflegen, nicht zwar, daß sie wirklich die Leiber der Menschen derselben berauben, sondern sie nur durch Zauberkunst verhüllen." [158] Doch auch wenn eine Frau schwanger war, so wird es ebenfalls den Werken der Hexen zugeschrieben, wenn sie eine Fehlgeburt erlitt. So berichtet beispielsweise auch der Hexenhammer von einer Hexenhebamme, welche "durch bloße Berührung und zu jeder Stunde zu hexen und Frühgeburten zu bewirken wußte." In dieser Geschichte heißt es, dass eine schwangere Frau von ihrer Hebamme gewarnt wurde, in ihrem Zustande aus dem Haus zu gehen, doch einige Wochen nach dieser Warnung verließ sie trotzdem das Haus, um sich mit Frauen zu treffen. "Als sie dort eine Weile gesessen, kam die Hexe dazu und berührte die Herrin, wie um sie zu begrüßen, über dem Bauche mit beiden Händen. Plötzlich bemerkte sie, daß sich das Kind in schmerzhafter Weise bewegte. Als sie erschreckt darüber nach Hause zurückkehrte und die Sache der Hebamme erzählte, rief diese: 'Wehe, nun hast du dein Kind verloren!' Und wie sie es vorausgesagt, so zeigte es sich bei der Geburt. Denn sie tat keine eigentliche Frühgeburt, sondern gebar allmählich, bald Stücke des Kopfes, bald der Hände und Füße." [159]

3.3.2. Fallstudie Enn Volmers

Als Abschluss dieser Betrachtungen zu den Hexenhebammen soll nun noch kurz der Fall der 60-jährigen Kölner Hebamme Enn Volmers dargestellt werden. [160] Den Aussagen nach zu urteilen, dürfte Enn Volmers eine relativ rohe Person gewesen sein, denn von einer Zeugin wird sie folgendermaßen charakterisiert: "die Volmers En welche hiebeuorn aufm kriegh marckt nun aber in die diepegaß whone, seye eine lange Persohn rodig vnder angesicht". Ein anderer Zeuge berichtet, dass Enn Volmers, als sie seiner Frau während der Geburt beistand "mit gedachter seiner frawen in den nothen dergestaltt vnhoflich vmbgangen daß ihro die waßerblaß zer:brochen vnd daß kindt thot zur welt kommen". Der genannte Zeuge wollte hierüber jedoch keine Anzeige erstatten, sondern erzählte nur einem Bekannten von dem Vorfall, welcher diesen zur Anzeige brachte und der Zeuge auch deshalb vorgeladen wurde. Enn Volmers schilderte den unglücklichen Vorgang bei der Geburt freilich ganz anders und meinte, dass es schon aufgrund der Steiß-Fuß-Lage des Kindes im Gegensatz zur normalen Kopflage gar nicht möglich gewesen wäre die Fruchtblase zu beschädigen, denn nachdem "daß kindt ihm schloß gestanden, vnd die Mutter langh ihm elendt gewesen Und dan die blaß sich noch hoher ihm leib befinden thut, dahero eß dan vnmochlich hoher zu kommen alß die gebhurt und wan der frawen die blaß zerborsten muste eß durch daß kindt geschehen vnd verursacht sein."

Angeklagt war Enn Volmers jedoch nicht wegen der eben geschilderten Totgeburt, sondern aufgrund eines Vorfalles, welcher sich nur durch den tief verwurzelten Glauben der Menschen an Hexen erklären lässt. Enn Volmers hatte eine Bäckersfrau am 12. August 1629 von ihrem Kind entbunden, welches jedoch schon 12 Tage nach seiner Geburt, am 24. August wieder verstarb. Dieses Kind wurde am Sonntag (vermutlich 20. August) getauft. Ganz den Gepflogenheiten der Hebammen dieser Zeit entsprechend, sich auch nach der Geburt noch um Mutter und Kind zu kümmern, besuchte Enn Volmers die Klägerin auch am Montag nach der Taufe, wobei sie der Mutter das Kind "vom schoß" nahm, vielleicht um es nochmals zu untersuchen, oder einfach nur um das Kind zu liebkosen. Wie dem auch sei, das Kind wurde "dingstags kranck" und ist "donnerstags gar elendig gestorben ganz schwarz vber daß leib gewesen auf dem haupt schwarze boisen gehabt." Der Ausbruch der Krankheit sowie der Tod des Kindes unmittelbar nachdem die Hebamme es berührt hatte, konnten für die trauernde Mutter natürlich nur bedeuten, dass die Hebamme das Kind umgebracht hatte. Enn Volmers wurde inhaftiert und machte sich schon deshalb verdächtig, dass sie sich zuerst nicht mehr erinnern konnte, "der Pisterschen [Bäckersfrau] zu St Margerethen in der dranckgaßen wonhaft ihm cram [während der Geburt] bedienet" zu haben. Enn Volmers erklärt dies damit, dass sie nicht gewusst hatte, dass es sich bei der werdenden Mutter um eine Bäckersfrau handelte. Mit dem Tod des Kindes konfrontiert meint sie: "als sie daß kindt nach empfangener tauf ahm lesten angesprochen daß eß dhomahlen noch frisch vnd gesunt gewesen eß truge sich aber woll zu wan die kleinen kinder eine kranck:heit vberkommen, vnd darinnen sterben, daß sie alßdan blaw vnd bluedigh vber daß leibe werden."

<25> 

Im Zuge der Zeugeneinvernahme wird schließlich noch von einem anderen merkwürdigen Vorfall berichtet, der den Verdacht gegen Enn Volmers erhärtete. Lag eine Frau in den Wehen, so war es üblich, jemanden zur Hebamme zu schicken um diese abzuholen. Dem Volksglauben nach sollte dies so heimlich wie möglich geschehen, "damit die bösen Geister nichts davon hören, weil sie sonst den glücklichen Verlauf der Geburt hindern könnten." [161] Doch auch auf dem Weg zum Haus der Gebärenden lauerten Gefahren und so durfte die Hebamme "nur mit einer Laterne gehen, um durch das Licht geschützt zu sein." [162] So wurde auch Enn Volmers von der Magd der Ehefrau "Christiani Ardenhewers" während der Nacht geholt, welche aussagte, dass Enn Volmers von ihr verlangt haben solle, "daß sie die leucht in die lincke handt nemen vnd dragen solte, wo nit daß sie alßdan nit mitgehen wolte." Hier lässt sich deutlich die Symbolik der linken, also "verkehrten" Hand erkennen, welche nur ein Hinweis auf eine Teufelsdienerin sein konnte. Enn Volmers wies den Vorwurf von sich. Sie "habe gesagt daß sie die leucht auf der seidten dragen solte damitten sie desto beßer sehen kondten, wiße aber nit ob sie der lincken oder rechten handt gewach gehabt." Die Magd hingegen konnte sich noch genau daran erinnern, dass die Hebamme ausschließlich auf der rechten Seite gegangen wäre. "Alß sie vor vnd nach die leucht auß einer handt, in der anderen gewechselt habe sie die Verhafte En gesagt, Ob sie nit hörte, solte die lucht in die lincke handt nemen, Und seye gemelte hebahm steets ahn die rechte handt plieben."

Die Magd gestand auch, dass ihr deswegen Angst wurde, zumal es gerade Mitternacht gewesen war, als sie die Hebamme holte. Welche Angst diese Magd ausgestanden haben musste, lässt sich leicht nachvollziehen, wenn man bedenkt, dass die Dunkelheit der Nacht im 17. Jahrhundert meist lediglich durch den Mond und die Sterne erhellt wurde. Womöglich führte der Weg zur Hebamme beziehungsweise von dieser zum Haus der eigenen Herrin auch noch durch einen Wald, so konnte es leicht vorkommen, dass die Fantasie, vermischt mit dem Glauben an Hexen, an sich harmlose Aussagen in ein eindeutiges Indiz verwandelte, mit einer Hexe unterwegs zu sein. 

Wie schnell man durch Gerüchte in den Ruf einer Hexe kommen konnte, zeigt sich ebenfalls gut am Beispiel der En Volmers, wenn man die Aussage einer weiteren Zeugin betrachtet, welche zum Tod des Kindes folgendes berichtet: 

Darnach seye gle [gemelte = genannte] hebahm kommen die fraw zu be:suchen, welcher dan eßen vnd drincken dhagesetzt und habe die hebahm daß kindtgen eine zeitlang auf ihrem schoß gehabt, dabeuorn were daßelb gesont gewesen vnd habe gewonlicher weise woll geßen vnd gedruncken aber darnach hab eß an gefangen zu kreischen vnd zu schreyen vnd gar elen:dig ansehen laßen biß eß deß donnerstags darnach gestorben dho seye eß vber sein leib gants blaw vnd braun gewesen hab auch aufm heubt boußen ge:habt, ob eß eine schickung gottes, oder etwas boeses gewesen konne sie nit sagen, der pater der zu St. Lupus die Kinder lher hat, were darzu geroiffen ob dem Kindt mit gepetter zu helffen werde, welcher dan gesagt, daß daß Kindt foller feuers, vnd daß eß verspeet [zu spät] were, wie eß dan auch zwei stunden darnach gestorben. 

Hier kommt erschwerend hinzu, dass selbst der Pfarrer meinte, dass das Kind voller Feuer wäre, womit ja nur das Feuer der Hölle gemeint sein konnte. Jedoch solle die Zeugin auch gesagt haben, "daß die hebahm langh ein boeß gerucht gehabt", welches sie jedoch nicht näher beschreiben konnte, denn "daruon wise sie eigentlich nichts zu sagen, hette eß hier vnd dort horen sagen wuste aber nit siecherlich who." Allein diese Aussage, schon lange im Verdacht zu stehen eine Hexe zu sein, hätte für eine Einziehung genügt, auch wenn es, wie in diesem Falle, scheinbar keine "Beweise" für ein solches Gerücht gab.

Der Angeklagten wird schließlich noch ein zweiter Fall vorgeworfen, in welchem sowohl die Mutter als auch das Kind im Kindbett starben, jedoch würde es zu weit führen auch diesen Fall darzustellen. Auffallend ist sicherlich, dass die Angeklagte bisher sämtliche Vorwürfe bestritt, was darauf zurückzuführen ist, dass es sich bei dem zitierten Protokoll lediglich um eine Voruntersuchung durch die städtischen Beamten handelte und es daher in der Regel nicht zur Anwendung der Folter kam. Die Beamten hatten hierbei nur über die Schwere des Verbrechens zu entscheiden. Wenn der Rat aufgrund des Gutachtens eine weitere Strafverfolgung für notwendig erachtete, so erfolgte die ritualisierte Übergabe an den "Greven" den Stellvertreter des Erzbischofs in der Stadt. Die Gefangene wurde dann in das kurfürstliche Gefängnis überführt, was weitere Verhöre, diesmal auch unter Einbeziehung der "Peinlichen Befragung", also auch der Befragung in der Folterkammer, zur Folge hatte. [163]

<26> 

Auch Enn Volmers wurde ins kurfürstliche Gefängnis überführt, wo sicherlich auch sie peinlich befragt wurde und dieser Befragung nicht standhalten konnte, denn das Protokoll enthält die abschließende Bemerkung: 

Anno 1630 auf Sambstagh den 27 July ist die Volmers En vxor Philipßen von Ecks [...] durch Scheffen vrtheil condemniert vnd zu Melaten in einem darzu besteltem heußgen durch dem Scharff richter strangulirt vnd folgents verbrandt deren sehlen Gott gnade.

Der hier dargestellte Fall gibt einen kleinen Einblick wieso unter anderem Hebammen beschuldigt wurden, Hexen zu sein. Es wurde gezeigt, dass an sich bedeutungslose Handlungen ausreichten, um nicht nur Gerüchte entstehen zu lassen, sondern in weiterer Folge auch zum Tod führen konnten. Um jedoch keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen, vor allem wenn man sich nochmals die schwerwiegenden Vorwürfe des Hexenhammers Hebammen gegenüber beziehungsweise auch die heftig umstrittenen Thesen von Heinsohn und Steiger in Erinnerung ruft, sei abschließend nochmals darauf hingewiesen, dass durchaus nicht ausschließlich Hebammen verfolgt wurden, sondern dass diese nur einen kleinen Teil der gesamten Opferstatistik ausmachten. Dies soll jedoch freilich nicht die Tragik schmälern, dass sie sicherlich aufgrund ihres Berufes eher der Gefahr ausgesetzt waren in Verruf zu kommen, zumal Totgeburten auch im 17. Jahrhundert noch relativ häufig vorkamen und die Eltern, um den Tod ihres Kindes trauerten und nach einer Erklärung dafür suchten. 

3.4. Teufelspriester

Neben den Hebammen geriet noch eine andere Berufsgruppe, von der man eine Verfolgung wohl ebenso wenig erwartet hätte wie von den Hebammen, in die Mühlen der Inquisition: jene der Geistlichen. Auch wenn Hartwig Weber schreibt, dass sich unter den in Bamberg Gerichteten etliche katholische Pfarrer befanden und dass das Strafgericht in Würzburg mindestens neunzehn Kleriker und einige Vikare traf [164] so ist zu vermuten, dass auch ihr Anteil nur einen kleinen Teil in der Gesamtzahl der Opfer ausmachte. Um hierfür jedoch genauere Aussagen treffen zu können, müssten sämtliche Hinrichtungsstatistiken diesbezüglich ausgewertet werden. In der Sekundärliteratur werden Priester - mit Ausnahme des steirischen Hatzendorfer Pfarrers Gregor Agricola, dessen Schicksal noch genauer betrachtet wird - meist nur kurz erwähnt. Der Grund, weshalb sie in diesem Kapitel trotzdem Erwähnung finden, ist in der Tatsache zu suchen, dass man diese Priester beschuldigte, Kinder nicht im Namen Gottes, sondern im Namen des Teufels zu taufen und sie so diesem zuzuführen.

Dies war umso verhängnisvoller, als jeder Mensch - so Martin Luthers Überzeugung - "von Natur aus der Sünde und dem Bösen verfallen sei." [165] Erst durch die Taufe werden die Kinder vom Satan befreit und können zu Kindern Gottes werden. Im "tauff buchlin verdeutscht" regelt Martin Luther daher auch den Hergang der Taufe. So heißt es unter anderem darin:

Der teuffer blaße dem kind drey mal unter augen und spreche: Far aus, du unreyner geyst, und gib raum dem heyligen geyst. [Durch die Taufe selbst] ersauffe und unttergehe alles was yhm von Adam angepornn ist, und er selb dazugethan hat. Der Taufpriester soll mit dem Finger Speichel aufnehmen, hiermit die Nase und das linke Ohr des Täuflings berühren und daraufhin folgende Worte sprechen: Du teuffel aber fleuch, denn gotis gericht kompt herbey. [166]

Des Weiteren legte Luther fest, dass jede Taufhandlung mit einer exorzistischen Formel beginnen und auch enden solle. Interessant erscheint, dass es sich bei dieser exorzistischen Formel nicht um einen Gegenstand aus lang vergangenen Tagen handelt, sondern dass die Dämonenaustreibung erst 1969 (!) aus der deutschsprachigen katholischen Taufordo verschwunden ist. [167]

3.4.1. Fallstudie Pfarrer Gregor Agricola

<27> 

Als Beispiel dafür, wie Geistliche unter die Räder des Hexenwahns geraten konnten, soll das Schicksal des Hatzendorfer Pfarrers kurz betrachtet werden, wodurch auch einige Gründe deutlich werden, wie es überhaupt zum Glauben an die Teufelstaufe und damit zur Verhaftung kommen konnte. Einer dieser Gründe war der, auch unter Klerikern verbreitete, schlechte Lebenswandel. So hatten sich einige Geistliche "wegen Trunksucht, Zänkereien, Skandals auf der Gasse, unziemlichen Betragens bei einer Hochzeit, Eheverlöbnisses und Schwängerung der Tochter des Hauswirts, Schwänzen ihrer Lektionen und Vernachlässigung ihrer religiösen Pflichten [...] vor dem Kapitel zu verantworten [...]." [168]

Wie wir von Ferdinand Riegler [169] erfahren, frönte auch Pfarrer Agricola einem unsteten Lebenswandel. So "ist erst Jüngstlich heruorkhommen, das dieser Pfarer bey einer seiner gehabten Dienstmagt ein khündt erzeuget, und selbiges selbsten getaufft und zugleich alß Gött, oder sein aigener Gefatter, auß der Tauff gehöbt." Pfarrer Agricola liebte es jedoch nicht nur viele Mägde zu haben, "mit welchen er ununterbrochen in fleischlicher Wollust gelebt", sondern zeichnete sich auch durch seinen Geiz im negativen Sinne aus. Deshalb hielten es auch die Dienstboten "auß Uhrsachen seiner Khargheith" nicht lange bei ihm aus. Das so gesparte Geld setzte Agricola lieber in Spiel und Wein um. So wird von ihm berichtet, er "Spülle vnd Sauffe noch zum Oefftern, allermasßen Er erst Heitige Nacht bis gegen zwei Uhr früehe mit der wacht gespüldt vnnd getrunnckhen Habe." Auch wenn Pfarrer Agricola nicht ganz den Vorstellungen eines guten Gottesmannes entsprochen hatte, so darf dennoch nicht vergessen werden, dass diese Beschuldigungen im Zuge der Zeugeneinvernahmen erfolgten und daher nicht (ganz) der Wahrheit entsprechen müssen. Doch trotz allem musste Agricola sich durch seinen Lebenswandel den Argwohn der Bevölkerung zugezogen haben, da man ihn nach sechsjähriger Tätigkeit als Pfarrer in Hatzendorf verhaftete und dem Landgericht Feldbach überstellte. Agricola wurde das Priesteramt schon quasi in die Wiege gelegt, denn auch sein Vater - Urban Agricola - war Priester gewesen. Gregor Agricola studierte in Graz Philosophie und Theologie, wo er im Jahre 1638 auch die Priesterweihe empfing. "Seine erste Anstellung fand er als Kaplan bei St. Lorenzen zu Hengsberg. Dort wirkte er vier Jahre. Dann finden wir ihn durch 26 Jahre als Vikar zu Hartmannsdorf, bis er im Tauschwege als Pfarrer nach Hatzendorf kam." [170]

Doch wie kam es nun zur Verhaftung? Seebacher-Mesaritsch zufolge war Agricola "bestrebt, den im Landvolk weitverbreiteten Glauben an Hexen- und Teufelsspuk zur Befriedigung seiner sinnlichen Lüste zu missbrauchen. [Dies dürfte anfangs auch Erfolg gehabt haben, denn] er fand der Gefolgsleute genug, die bereit waren, die Heilige Dreifaltigkeit zu verleugnen, Hostien mit den Füßen zu treten und ihre Seelen dem Teufel in der Hoffnung zu verschreiben, dafür von diesem mit mystischen Kräften belohnt zu werden." [171] Ein weiterer Grund für seine Verhaftung hing nur im weitesten Sinne mit Agricola selbst zusammen, denn "dem Prozeß waren schwere Spannungen zwischen der Inhaberin der Herrschaft Riegersburg, Katharina Elisabeth von Galler, und dem Hauptpfarrer von Riegersburg vorangegangen, in deren Verlauf die Freifrau von Galler sogar versucht hatte, die Untertanen gegen den Pfarrer aufzuwiegeln. Diese Differenzen waren wohl auch mit ein Grund dafür, daß es eine Bettlerin überhaupt wagte, bei der Herrschaft Riegersburg den dem Hauptpfarrer unterstellten Pfarrer von Hatzendorf, Gregor Agricola, als Zauberer anzugeben und diese Anzeige auch von der Herrschaft zum Anlaß genommen wurde, um ein Vorverfahren einzuleiten." [172] Diese Anklägerin war Katharina Lorenzer, welche am 28. September 1673 Anzeige erstattete, dass sie nach dem Pilzesuchen beim Hatzendorfer Kreuz von einer dort tafelnden Gesellschaft unter der Leitung von Pfarrer Agricola mehr als ein Jahr zuvor Misshandlungen erlitten hatte. [173] Im Zuge dieser Aussage beschuldigte sie auch die 72 Jahre alte Martha Peurin, die alte Valtlin genannt, welche unter der Folter ebenfalls bekannte, dass "der Gregor Pfarrer zu Hazendorf bey dem Creiz auf dem angerl gevebet [?], gessen und drunkchen" habe. [174]

Am 19. Februar 1674 wurde daher auch Pfarrer Agricola in geistlichen Gewahrsam genommen. Ursprünglich wurden ihm Schauermachen, Hagelflüge und das Eingraben der Hostie beim Kreuz, um damit große Kälte und Reif zu bewirken, vorgeworfen. "Der 61jährige Agricola bestritt jede Schuld, und die meisten Zeugen gaben zu, daß sie nur wegen der großen Pein und Marter gegen den Pfarrer ausgesagt hätten." [175] In einem "normalen" Prozess wäre damit die Unschuld des Pfarrers erwiesen gewesen, nicht so jedoch in diesem Hexenprozess. Da sich vorerst keine weiteren Zeugen finden ließen und die Behörde außerdem mit den Verfahren gegen andere Beschuldigte beschäftigt war, musste Agricola ein volles Jahr in Haft bleiben. "Die große Zahl der Beschuldigungen, zahlreiche Verhaftete, die dem Landgericht immer größere finanzielle Opfer abverlangten, und der steigende Unmut der Bevölkerung, die nun verstärkt in Agricola die Ursache des ganzen Unheils erblickten, mögen wohl die Ursache gewesen sein, daß man den ehemaligen Pfarrer von Hatzendorf fallen ließ. Am 18. April 1675 kam es auf Salzburger Konsistorialbeschluß zum Befehl, die Folterung durch das geistliche Gericht vorzunehmen." [176]

<28> 

Doch es bedurfte keiner Folterung mehr, um dem Pfarrer ein Geständnis abzuwringen. Agricola war durch die lange Kerkerhaft bereits körperlich als auch seelisch vollkommen erschöpft, und so genügte schon das bloße Vorzeigen der Folterwerkzeuge. Er bekannte "schwer Atem schöpfend, die Zähne zusammenbeißend und schändlich winselnd, 'als wenn ihm der Teufel auf dem Maul wäre' [...] die Kinder seit 1670 im Namen des Teufels getauft zu haben, am Hexensabbat auf dem Schüsselkogel teilgenommen zu haben usw." [177] Diese Geständnisse, speziell die Teufelstaufe der Kinder, entsprangen jedoch nicht allein der Fantasie Agricolas, sondern es ist davon auszugehen, dass die Richter ihre (Suggestiv-)Fragen bereits so stellten, dass Agricola, wollte er den Qualen der Folter entgehen, keine andere Möglichkeit hatte, als zu gestehen. Dieses Verbrechens hatte ihn zuerst unter anderem Ursula Päurin beschuldigt, wie wir aus einem Schreiben des Regierungskommissars Graf von Purgstall erfahren. Dieser drängte auf ein rasches Ende des Prozesses, da "däglich Leit Undt Kinder [sterben], so Von den in Verhafft ligenden Pfarer getaufet worden, welches scheint auß des Pugelß Voriger Undt in ieziger außsag der Ursula Päurin, da man sich auf des Agricola dauf nicht zuvil Zustaifen, derowegen denen welche durch prolongirung dises proces disen armen selen die hilff zeitlich benemben, deren Undergang Zuverantworten Zustehet." [178]

Durch das Geständnis wäre Agricola der Tod durch Verbrennung am Scheiterhaufen sicher gewesen. Doch er verstarb bereits wenige Tage danach in seiner Kerkerzelle, nicht ohne dadurch neue "Beweise" für seine Schuld zu liefern, da zur gleichen Zeit "ein Rab welcher von Undterschidlichen gesehen worden auß des Agricola Quartier gepflogen und in desßen fenster gleichsamb gehaut, hernach aber durch ernennte schranen gefolgen, darueber er Agricola Umb 9 Uhr abendts in dem Zimer dotter gefunden worden." [179] Für die Bevölkerung gab es damit keinen Zweifel mehr, dass dieser Rabe nur der Teufel persönlich gewesen sein konnte, der sich die Seele des Pfarrers geholt hatte, wodurch auch die Wahrheit seiner Geständnisse bewiesen war. Dies bedeutete aber auch, dass sämtliche von Agricola getauften Kinder ebenfalls dem Teufel geweiht waren, weshalb Graf von Purgstall meinte: "Ich khan gewisßenß halber nicht Undterlasßen anregung zu thun daß nur die hazendorferische Kinder Von 6 Jaren hero widerum dauft werden. [...] Ist also högst notwendig, das alle die noch lebenden Kinder und Perschonen so er in Zeit seiner seelsorg gedauft rebaptisirt werden". [180] Diese Taufe wurde, wie der Vermerk in nachstehender Abbildung des Taufbuches der Pfarre Hatzendorf (Band I vom 01. Jänner 1656 bis 13. Jänner 1692) zeigt, im März des Jahres 1675 von Doctor Anthoni de Gabrielis, Hauptpfarrer zu Riegersburg und Georg Gregorius Zirbel, Pfarrer zu Hatzendorf vorgenommen, welche 245 Kinder erneut tauften, welche bereits von Gregorius Agricola getauft worden waren.

 

Dieser Fall des untersteirischen Pfarrers Agricola war jedoch kein Einzelfall in der Geschichte der Hexenverfolgung. So hat man in Schwäbisch Gmünd "den 1 Dec. [...] den Pfaff Haasen eingezogen und weggefihrt, ist zu Dilling nach abghauter Hand gericht worden." [181] Auch hier versuchte man "alle zwischen 1607 bis 1616 von ihm angeblich im Namen des Teufels getauften 575 Kinder nochmals zu taufen." [182]

In den Hexenprozessen im schwedischen Mora (1669/70) erzählten Kinder den Richtern bei der Beschreibung des Hexensabbats auf Bloculla ebenfalls, dass "ein Priester, den die Zauberinnen dorthin bestellt hätten, [...] die Kinder nun im Auftrag des Teufels [taufe]; diesen Akt begleite der Taufpriester mit zahlreichen gräulichen Schwüren und Eiden." [183] Auch in Bettingen gab ein Junge zu Protokoll, "[e]r sei getauft worden durch einen Pfarrherrn, der habe weiß ausgesehen und einen schwarzen Bart gehabt." [184] Der Glaube an die Teufelstaufe war also bereits soweit verbreitet, dass ihn selbst Kinder in ihre Denunziationen aufnahmen. Wie es zu solchen kam, wird im nächsten Kapitel noch genauer beleuchtet werden.

3.5. Gefängnis und Folter

<29> 

Spätestens nach der Betrachtung der angeführten Fallbeispiele stellt sich die Frage, wieso Menschen zu solchen Geständnissen bereit waren, da es offensichtlich erscheint, dass sie die gestandenen Taten niemals begangen haben konnten. Um dies zu verstehen, muss weiter ausgeholt werden und zuerst ein Blick in die Zustände der Gefängnisse - soweit dies aus den Überlieferungen noch möglich ist - geworfen werden, um einen kleinen Einblick in die physische und psychische Verfassung der Angeklagten zu gewinnen, denn anders können die bisher genannten und noch weiter folgenden Geständnisse nicht erklärt werden. 

3.5.1. Zustände im Gefängnis

Einen ersten kleinen Einblick gibt uns Heinrich Mathias August Cramer, der in seinem 37. Brief über das Inquisitionsgericht 1784 folgendes zur Situation in den Kerkern schreibt: 

In die Kerker der Inquisition gefuehrt zu werden, das ist eins der fuerchterlichsten Schicksale, die man sich nur denken kann, damit nichts zu vergleichen ist, gegen das der peinlichste Tod Erleichterung und Wohlthat bleibt! Nichts ist, glaube ich, in der Welt mehr im Stande die Seele mit Furcht, Zagen und Verzweiflung anzufuellen, als diese Wohnungen des menschlichen Elends und der fuerchterlichsten Grausamkeit. Es sind unterirdische Gewölber, die so angelegt sind, daß die ungluecklichen Bewohner derselben von aller menschlichen Gesellschaft getrennt, nicht einmal eigentlich wissen, wo sie sind, daß auch ihr Geschrey nicht einmal zu den mitleidigen Ohren eines Menschen dringen kann, der etwa ueber ihr Elend zu Gott seufzte. [185]

In diesen Gefängnissen, in welchen es im Winter oftmals so kalt war, dass den Leuten die Füße abfroren, durften sie sich nicht frei bewegen, sofern dies die Größe der Gefängnisse überhaupt zugelassen hätte, sondern wurden stets gefesselt oder angebunden, so dass sie ihre Gliedmaßen kaum beziehungsweise gar nicht bewegen konnten, wie Anton Prätorius eindrücklich schildert: 

In denselbigen [Gefängnissen - Anm. d. V.] sind entweder große, dicke Hölzer, zwei oder drei über einander, daß sie auf und nieder gehen an einem Pfahl oder Schrauben: durch dieselben sind Löcher gemacht, daß Arme und Beine daran liegen können. Wenn nun Gefangene vorhanden, hebet oder schraubet man die Hölzer auf, die Gefangen müssen auf ein Klotz, Steine oder Erden niedersitzen, die Beine in die untern, die Arme in die obern Löcher legen. Dann lässet man die Hölzer wieder fest auf einander gehen, verschraubt, keilt und verschließet sie auf das härtest, daß die Gefangen weder Bein noch Arme nothdürftig gebrauchen oder regen können. Das heißt, im Stock liegen oder sitzen. 

Etliche haben große eisern oder hölzern Kreuz, daran sie die Gefangen mit dem Hals, Rücken, Arm und Beinen anfesseln, daß sie stets und immerhin entweder stehen, oder liegen, oder hangen müssen, nach Gelegenheit der Kreuze, daran sie geheftet sind. 

Etliche haben starke eiserne Stäbe, fünf, sechs oder sieben Viertheil an der Ellen lang, dran beiden Enden eisen Banden seynd, darin verschließen sie die Gefangenen an den Armen, hinter den Händen. Dann haben die Stäbe in der Mitte große Ketten in der Mauren angegossen, daß die Leute stäts in einem Läger bleiben müssen. 

<30> 

Etliche machen ihnen noch dazu große, schwere Eisen an die Füßen, daß sie die weder ausstrecken, noch an sich ziehen können. Etliche haben enge Löcher in den Mauren, darinn ein Mensch kaum sitzen, liegen oder stehen kann, darinn verschließen sie die Leute ohngebunden, mit eisern Thüren, daß sie sich nicht wenden oder umbkehren mögen. [186]

Durch diese Unbeweglichkeit mussten die Gefangenen ihr Dasein nicht nur in den eigenen Exkrementen, welche, zusammen mit blutigen oder eitrigen Wunden aufgrund der erlittenen Folter, einen entsetzlichen Gestank verbreitet haben müssen, fristen, sondern waren auch dem Ungeziefer, wie Flöhen, Ratten und Läusen, hilflos ausgesetzt. Über diesen Gestank berichtet auch Graf von Purgstall am 28. Jänner 1675 an den Regierungskanzler: "daß ich aber selber tortur nicht beywonn, geschicht es weillen mier Unmiglich were ein so lange Zeit bey solchen gestankh Undt schwere Khelten zuverbleiben." [187]

Zu diesen Unannehmlichkeiten kam noch eine im Normalfall äußerst karge Kost, wobei manche Gefangene oft ganze Wochen hindurch lediglich bei Wasser und Brot gehalten wurden. Friedrich Merzbacher berichtet jedoch auch, dass gewisse Gefangene auch bessere Kost erhielten. So gab man ihnen beispielsweise "Braten und Wirsinggemüse zu Mittag, Kalbfleisch, Kohl und kalte Kalbsfüße zum Abend. Ebenso wurden für sie Fleischklöße, Reisgemüse und besondere Fleischspeisen gekocht und verschiedene Salate bereitet." [188] Es erübrigt sich jedoch zu erwähnen, dass eine solch üppige Kost - wenn überhaupt - nur einer äußerst kleinen Gruppe von Gefangenen zugute kam. Der Großteil der Gefangenen musste sich mit einem weit weniger abwechslungsreichen Speisezettel begnügen. So heißt es beispielsweise auch bei Soldan/Heppe/Bauer: "Das Essen war so übelriechend, daß sogar ein Bettelweib mit Rutenstreichen gezwungen werden mußte, es hinunterzuwürgen, ebenso ein gewiß nicht verwöhnter Betteljunge." [189] Wenn man nun in Betracht zieht, dass Gefangene oft mehrere Jahre in solchen Kerkern zubringen mussten, so lässt sich leicht nachvollziehen, dass solche Leute "ob sie wohl änfänglich gutes Muths, vernünftig, geduldig und stark gewesen, doch in die Länge schwach, kleinmüthig, verdrossen, ungeduldig, und wo nicht ganz, doch halb thöricht, mißtröstig und verzagt" [190] wurden und schließlich alles gestanden, was die Richter hören wollten, nur um ihrem Elend ein Ende zu machen.

Die Kommunikation mit Angehörigen war vom Gefängnis aus ebenfalls äußerst schwer möglich. Es musste um eine spezielle Erlaubnis angesucht werden, um Besuche von nächsten Angehörigen erhalten zu dürfen. Umso mehr gewinnen jenen Schreiben an Bedeutung, welche von Gefangenen an ihre Angehörigen aus dem Gefängnis gerichtet wurden. Als ein Beispiel sei hier der Brief von Rebecca Lemp an ihren Mann Peter zitiert, da in diesem auch die Verzweiflung, in welcher sich die Eingekerkerten befanden, gut zum Ausdruck kommt: 

O Du mein auserwehlter schaz, sol ich mich so vnschuldig von dir scheiden muessen, - das sey Got ymer vnd ewig klagt, - man net[et] eins, es mueß eins reden, man hat mich gemartert, - ich bin so vnschuldig als Got im Himel, - wan ich nur ein pünktlin vmb solche sach wist, so wolt ich, das mir Got den Himel versaget, - o du herzlieber schaz, wie geschicht meinem Herz, - o we, o we meiner armen waisen, - vater, schickh mir etwas, das ich sterb, ich mueß sonst an der marter verzagen, ... [191]

3.5.2. Die Folter

<31> 

Waren Gefangene trotz monate- beziehungsweise jahrelanger zermürbender Haft zu keinem Geständnis bereit, so erreichte dies in den meisten Fällen die Folter. Paradoxerweise hatte die Folter jedoch weniger den Sinn, dem Menschen Schmerzen zuzufügen, als vielmehr den Teufel aus ihm zu vertreiben. "Große Theologen vertreten jedenfalls ernstlich die Auffassung, wonach der Teufel bei von ihm Besessenen die Qualen der Folter selbst durchleiden müsse. Erst wenn der Satan aus dem Körper des Gefolterten entflohen sei, sei dieser wieder voll willensfähig und habe die Kraft, die Wahrheit zu bekennen." [192] Dass der Teufel in beinahe jedem Fall den Körper der/des Gefolterten verließ und diese/r zu einem Geständnis bereit war, wird niemanden verwundern, wenn wir einen Blick auf die Foltermethoden werfen. Bevor die bedauernswerten Opfer jedoch in die Folterkammer geführt wurden, mussten sie eine andere, vor allem für Frauen, nicht minder entwürdigende Tortur über sich ergehen lassen: das Scheren des ganzen Körpers.

Dazu wurden die Delinquentinnen völlig entblößt von den Folterknechten in einem Nebengelaß auf die so genannte Reckebank gestoßen und dort auf die schamloseste Weise festgebunden. Dann wurde den Unglücklichen mit Schermessern und brennendem Stroh (!) von oben bis unten am ganzen Körper alle Haare und Härchen entfernt - 'auch an dem Ort, den man vor züchtigen Ohren nicht erwähnt'. Dann suchten die vertierten, oft angetrunkenen Folterer im Schein einer Fackel überall nach Hexenmalen. 

Es ist kein Geheimnis, dass dabei von den rohen Henkern und ihren Gehilfen oft die schlimmste Unzucht verübt wurde, besonders, wenn die Richter nicht anwesend waren. Gutgebaute junge Mädchen und Frauen wurden mit Vorliebe geschändet und entjungfert. [193]

Dieses Scheren hing mit dem alten Glauben zusammen, wonach das Haar als bevorzugter Aufenthaltsort für Dämonen beziehungsweise als Versteck für etwaige Amulette galt, weshalb auch schon im Malleus Maleficarum als dritte Vorsichtsmaßregel gefordert wird, "daß die Haare von jedem Teile des Körpers abrasiert werden; und dabei gilt derselbe Grund, wie oben für das Ausziehen der Kleider. Sie haben nämlich bisweilen zur (Erzielung der) Hexenkunst der Verschwiegenheit irgend welche abergläubische Amulette von gewissen Dingen, sei es in den Kleidern, sei es in den Haaren des Körpers, und bisweilen an den geheimsten, nicht namhaft zu machenden Orten." [194] Außerdem musste das Haar entfernt werden, um nur ja keine Stelle zu übersehen, an der sich das "stigma diabolicum" - das Teufelsmal - befinden konnte. Es war der Dominikaner Nikolaus Jaquier, Inquisitor von Nordfrankreich, der 1458 erstmals sagte, dass jedem Zauberer auf dem Hexensabbat ein unvertilgbares Zeichen aufgedrückt werde [195], woran man Hexen auf jeden Fall erkennen könne. Von nun an stachen die Henker mit langen spitzen Nadeln in jede verdächtige Narbe, in jedes verdächtige Muttermal und so das Opfer keinen Schmerz verspürte beziehungsweise der Einstich nicht blutete, so hatte man den sicheren Beweis dafür, dass es sich bei der betreffenden Person um eine Hexe handelte. Heute ist sich die internationale Forschung weitgehend dahin einig, dass ein Nicht-Bluten einer Wunde auf den Schockzustand der Gefangenen zurückzuführen ist. Gerhild Scholz Williams sieht in der Nacktheit der Opfer neben den genannten Gründen noch einen anderen und meint: "Obwohl die vorgebliche Erklärung hierfür die Suche nach Teufelszeichen oder geheimen schützenden Amuletten war, lag der wirkliche Grund woanders: die Nacktheit der Hexe repräsentierte für die Betroffene eine besonders schreckerregende Manifestation ihrer Hilflosigkeit und Scham und machte sie so dem Verhör zugänglicher." [196]

Die Tortur selbst wurde grundsätzlich in mehreren Stufen angewandt, wobei die erste Stufe der Tortur, die "Territio verbalis" in der bloßen Vorstellung des Scharfrichters mit seinen Instrumenten bestand. "Zunächst versuchte der Richter durch den Anblick der Folterwerkzeuge die Beschuldigten zum Geständnis zu bewegen. Vermochte jedoch die Drohung mit der Tortur nicht das Geständnis zu erzwingen, dann schritt man zur "Territio realis". Dabei entkleidete der Nachrichter den Inquisiten und legte diesem Daumenstöcke an, ohne ihm aber Schmerzen zu verursachen." [197] Oftmals genügte bereits diese an sich noch harmlose Vorgehensweise, um die beziehungsweise den Gefangene/n zu einem Geständnis zu bewegen. Zeigte sich der/die Inquisit/in nach wie vor "verstockt" zog man die Daumenstöcke zu. Die Daumen wurden dabei zwischen zwei flache Eisenstücke gelegt und mit einer oder - wie hier abgebildet - zwei Schrauben zusammengepresst. Um die Schmerzen noch zu erhöhen, schlug der Henker mit einem Hammer beziehungsweise einem anderen schweren Gegenstand auf die Eisenstücke. Dem Daumenstock, auch Daumenschraube genannt, ähnlich waren die Beinschrauben, welche nach dem gleichen Prinzip funktionierten, jedoch Waden und Schienbein zusammenpressten, wobei es oftmals zu Zersplitterungen der Knochen kam. "Um nicht durch das Jammergeschrei der Gefolterten molestiert zu werden, steckte ihnen der Scharfrichter ein Kapistrum in den Mund, das das Schreien unmöglich machte." [198]

<32> 

Den zweiten Grad der Tortur bildete der so genannte Aufzug mit oder ohne Stein. Die Inquisitin beziehungsweise der Inquisit wurden wiederum entkleidet und die Hände auf dem Rücken gefesselt. An diesem Seil wurde ein weiteres Seil, welches entweder von der Decke hing beziehungsweise über eine Leiter lief, befestigt. Der Scharfrichter zog nun solange, bis die Arme rückwärts über dem Kopf standen, so dass diese vielfach ausgerenkt wurden und die Inquisiten entweder frei in der Luft schwebend hingen beziehungsweise über eine Leiter aufgezogen wurden. Zur Verstärkung der Schmerzen wurden den Opfern schwere Gewichte an die Zehen gehängt und die Gefolterten in dieser Stellung oft mehrere Stunden hängen gelassen. 

Zu den schwersten Foltergraden zählten der Spanische Bock oder das Brennen mit Schwefelhölzern. Hierbei "träufelte man den Hexen und Zauberern brennenden Schwefel oder Pech auf die nackte Haut oder fertigte aus diesen Stoffen Pflaster, die man auf den bloßen Körper klebte und dann anzündete. Nicht selten wählte der Scharfrichter besonders empfindliche Stellen, wie Hals, Nacken und Fußsohlen für diese Scheußlichkeiten aus." [199]

Die Aufzählung dieser Marterinstrumente ließe sich noch lange fortsetzen, da sie von Gebiet zu Gebiet variierten und vielfach auch dem Erfindungsreichtum der Henker keine Grenzen gesetzt wurden. Jedoch sollen diese Beispiele genügen, um eine Vorstellung zu bekommen, unter welchen Schmerzen die erfolgten Geständnisse zustande kamen. Dass es dennoch Leute gab, welche trotz aller Qualen nicht gestanden, erscheint beinahe als ein Wunder. Zu einem der erschütternsten Dokumente, welche sich aus der Zeit der Hexenverfolgung erhalten haben, zählt der Brief von Johannes Junius an seine Tochter Veronika von 1628, welcher auszugsweise hier kurz wiedergegeben werden soll, um die schrecklichen Qualen, welchen die Inhaftierten ausgesetzt waren, auch aus dem Munde eines Opfers zu vernehmen: 

[...] Vnd da kam leider, Gott erbarm es in höchstem himmel, der hencker und hat mir den Daumenstock angelegt, bede hende zusamen gebunden, daß das blut zu den negeln heraußgangen vnd allenthalben daß ich die hendt in 4 wochen nicht brauch koennen, wie du da auß dem schreiben seh kannst. So hab ich ... gesagt, weyl es Gottes ehr vnd nahmen anlang, den ich niht verleugnet hab, so will ich mein vnschuld vnd alle diese marter vnd pein in seine 5 wunden leg[en] er wirt mir mein schmertz lindern, daß ich solche schmertz aussteh[en] kann. Darnach hat man mich erst außgezogen, die handt vf den Rücken gebunden vnd vf die höhe in der fulter gezogen. Da dachte ich, himmel vnd erden ging vnder, haben mich achtmahl auffgezogen, vnd wieder fallen lassen, daß ich ein vnselig schmerzen empfan. [...] Und dießes ist alles fasel nackent geschehen, dann sie haben mich fasel nacket ausziehen lassen. [...] 

Als nun der Hencker mich wieder hinwegführt in das gefengnus, sagt er zu mir: Herr, ich bit euch vmb gotteswillen, bekennt etwas, es sey gleich war oder nit. Erdenket etwas, dan ihr könnt die marter nicht ausstehen, die man euch anthut, vnd wann ir sie gleich alle ausstehet, so kompt ir doch niht hinaus, wann Ir gleich ein graff weret, sondern fangt ein marter wider auf die andre an, bis ir saget, ir seyt ein Truttner, vnd sagt, eher niht dann lest man euch zufrieden, wie dann auß allen iren vrtheylen zu sehen, daß eins wie das ander gehte. [...]

<33> 

Nun hertzliebe dochter, was meinstu in was für eine gefahr ich gestanden und stehe. Ich sollt sag[en], ich sey ein truttner, vnd bin es niht, soll gott erst verleugnen vnd hab es zuvor niht gethan. Hab tag vnd nacht mich hoh bekümmert, endlich kam mir indem noch ein Rat vor. [...] Es war ja besser, ich sagt es nur mit dem mauhl und worten, vnd hette es aber im werck niht gethan, sollte es danach beychten vnd es die verantworten lassen, die mich dazu nötigen. [...] Nun folgt, hertzliebes kindt, was ich hab außgesagt, daß ich der großen marter vnd harten tortur bin entgangen, welche mir vnmöglich lenger also auszustehen geweßen were. [...] Nun hertzliebes kindt, da hastu alle meine Aussag vnd verlauf, darauf ich sterben muß vnd seint lauter lüg[en] vnd erdichte sach, so war mir gott helff. Dann dieses hab ich alles auß forcht der ferner angetrohenen marter vber die schon zuvor außgestandene Marter sag[en] muß[en]. Denn sie lassen nicht mit den martern nach, biß man etwas sagt, er sey so fromm als er wolle, so muß er ein trudener sein. [...] 

Guter Nacht denn dein vatter Johannes Junius sieht dich nimmermehr. 24. July ao 1628. [200]

4. KINDER ALS ANKLÄGER

Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge
hast du dir eine Macht zugerichtet, dass du vertilgest den Feind.

(Psalm, nach: Johann Diefenbach, S. 51) 

4.1. Einführung

Im vorigen Kapitel wurden Kinder lediglich in ihrer passiven Rolle als Opfer in den Hexenprozessen dargestellt. Auch der Hexenhammer kannte Kinder nur als Opfer und listete, wie gezeigt wurde, eine Reihe von Verbrechen an Kindern auf, deren die Angeklagten beschuldigt wurden. Dies begann sich jedoch Ende des 16. Jahrhunderts zu ändern. Kinder traten nun auch aktiv in Hexenprozessen auf - vorerst jedoch nur als Ankläger. Doch es sollte nicht lange dauern und Kinder wurden, gleich den Erwachsenen, als Hexen verhaftet, gefoltert und verurteilt, wie im nächsten Kapitel gezeigt werden wird. Die Grenze zwischen Kindern als Ankläger und als Verurteilte ist jedoch fließend, da Kinder ja zwangsläufig selbst am Hexensabbat teilgenommen haben mussten, um andere Teilnehmer angeben zu können beziehungsweise selbst besessen sein mussten, um vorzugeben, von jemandem behext worden zu sein. Doch glaubte man vorerst an ihre Unschuld, indem man in ihnen nach wie vor nur die armen Opfer der Hexen sah, weshalb man sie lediglich als Zeugen verhörte. Doch auch dies brachte zu Beginn einige offene Fragen mit sich: Durfte man den Aussagen der Kinder glauben? Konnten Kinder vor Gericht überhaupt verhört werden? Waren Minderjährige berechtigt Anklage zu erheben? Es war schließlich Weihbischof Peter Binsfeld, der sich 1589 in seinem "Tractatus de confessionibus maleficiorum et sagarum" erstmals mit diesen Fragen beschäftigte und sogar noch einen Schritt weiter ging. Binsfeld stellte gleichzeitig Überlegungen an, ob Kinder der Folter unterworfen werden dürfen. Seine Argumentation verlief schließlich folgendermaßen: "Hexerei ist ein Ausnahmeverbrechen (crimen exceptum), bei dem die üblichen Regeln nicht gelten. Anders als im ordentlichen Prozeß dürfen daher auch Kinder gefoltert werden, und die Aussagen der Kinder dürfen als Indizien gegen Erwachsene eingesetzt werden." [201](Als Kinder galten zur Zeit Binsfelds Mädchen und Knaben bis 14 Jahre.)

<34> 

Die Auswirkungen dieses Traktats waren verheerend, denn die Kinder erkannten schnell, welche Macht ihnen damit in die Hände beziehungsweise vielmehr in den Mund gelegt wurde, und so waren es ab dem 17. Jahrhundert häufig Kinder, die als Auslöser vieler Prozesse in Erscheinung traten und damit unzählige unschuldige Menschen in den Tod schickten. Es war vor allem ihre scheinbare Motivlosigkeit, die den Glauben an ihre Aussagen zusätzlich erhöhte. "Die Verantwortlichen erkannten nicht, daß Kinder durchaus Motive und Vorteile haben, die gewöhnlich im Inneren verborgen, unbewußt sind und damit schwer auszumachen von Inquisitoren, die in Theologie bewandert waren, nicht aber in irgendeiner Form von Kinderpsychologie." [202]

4.2. Gründe für die Anschuldigung

Was waren nun die Gründe für ihre Anschuldigungen? Selbstverständlich können hierzu keine generellen Aussagen getroffen werden, da jedes Kind eigene Gründe für seine Handlungen gehabt hatte. Dennoch lassen sich einige dieser Gründe in Gruppen fassen, denen die übrigen Motive der Kinder zugeordnet werden können. In erster Linie sahen Kinder nun die Macht, welche ihnen durch Peter Binsfelds Traktat eingeräumt wurde. "Wenn sie als Zeugen akzeptiert wurden, konnten sie zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit eines ganzen Gemeinwesens werden. Sie, die immer den Erwachsenen ausgeliefert waren, hatten es plötzlich in der Hand, über das Schicksal der Erwachsenen zu bestimmen." [203] Die Kinder selbst dürften diese, ihnen nun dargebrachte Aufmerksamkeit genossen haben, was von den Erwachsenen teilweise jedoch auch missbraucht wurde. "Sie versuchten nicht selten, Kinder, die schon entsprechende Äußerungen getan hatten, zur Schädigung oder Vernichtung von Gegnern zu benutzen, und wirkten so kräftig daran mit, sie in ihre neue Rolle zu manövrieren oder darin zu bestätigen. Erwachsene [...] nannten ihre Komplizen erst im Folterverhör. [...] Bei Kindern hatte man es einfacher. Man konnte sie leichter dazu bringen, eine missliebige Person als Teilnehmerin am Tanz zu nennen." [204]

Dies zeigt sich auch an einem Fall [205], welcher 1789 in Glaris (Schweiz) verhandelt wurde und in welchem die Frage geklärt werden sollte, ob eine "durch Zauberey an einem Knaben veruebt seyn sollende Verderbung" tatsächlich statt gefunden hatte. Ein 14-jähriger Knabe hatte seine Verwandten in Enneda besucht, "allwo er etwas besser als gewoehnlich bewirtet worden, kommt Abends vor 9. Uhren wider nacher Hause" - und erkrankte. Seine übrigen Verwandten hatten sofort alle möglichen Erklärungen für seine Erkrankung bei der Hand: "bald er habe Luft ueberkommen; bald er seye verderbt worden; bald er habe einen schaedlichen Schleck aus einem Truecklein genomben; bald der Toggenburger Doctor sage, er seye auf freyer Weite, durch die Bein hinauf verderbt werden, und was des albernen Zeuges mehr ware; das er [der Knabe - Anm. d. Verf.] selbsten sagt, anfaenglichen es nicht geglaubt zu haben." Da es sich hierbei um einen Prozess Ende des 18. Jahrhunderts handelt, ist schon deutlich die Skepsis gegenüber den Aussagen des Knaben sowie gegenüber den Hexenprozessen zu spüren, so dass die Angeklagte in diesem Fall freigesprochen wurde. Hätte dieser Prozess jedoch rund hundert Jahre früher statt gefunden, wäre aller Wahrscheinlichkeit nach ein anderes Urteil gefällt worden. Jedoch zeigt eine andere Stelle des Textes nach wie vor gut, welche Anerkennung den verhexten Kindern, welche nun als Zeugen vor Gericht auftraten, entgegen gebracht wurde. So sagte eine weitere Zeugin aus: "Sie habe faelschlich einen Gruß von des Knaben Verwandten in Enneda erdacht, und vorgegeben gehabt, er seye ihr von Enneda her begegnet; Anwort, damit sie den so beruechtigten Knaben, den so viele Leuthe besuchet und bewundert haben, auch zu sehen bekomme."

<35> 

Ein weiterer Fall, welcher ebenfalls zeigt, dass Kinder von den eigenen Eltern dazu angehalten wurden, vorzugeben, sie seien verhext worden, ist jener des angeblich besessenen Mädchens Christina Mayer aus dem Jahre 1739. Christina schied schon des längeren eiserne Gegenstände aus. Doch das Gericht mutmaßte schon bald, dass die Familie "alß sehr arme leuthe wohl auf allmoßen und beyhüff" aus war und deshalb die Tochter anhielten ihre Besessenheit vorzugeben. Daher drangen sie so lange in Christina ein, bis diese schließlich gestand:

Ihre Mutter seye allemahl zu Ihro hingestanden und habe ihro die Sachen in das Maul gestekt, daß Sie nicht schwätzen konnte. Was im Stuhlgang von Ihro gekommen, wisse Sie gar nicht, und den großen Nagel auf den Eisernen Ring habe Sie gar nicht im Mund gehabt, seyen eben auf den Boden hingefalllen, alles aber habe ihro ihre Mutter gegeben, und Sie angewiesen, auch zugesprochen, sie solle sich allzeit nur brav worgen (würgen), und habe Sie angewiesen, wie Sie die Ärm hinaus strecken und böhmen soll, als wären es gichter. Von den neugierigen Leuten, die, um dem Schauspiel beizuwohnen, ins Haus gedrängt waren, habe sie gegen fünf Batzen geschenkt bekommen. [206]

In diesem Fall wurde die angebliche Besessenheit des Kindes also dazu ausgenützt, um daraus Profit zu schlagen. Kinder wurden jedoch nicht nur von den eigenen Eltern dazu veranlasst vorzugeben besessen zu sein, sondern "die Aussage des Kindes bot [auch] der Obrigkeit einen Zugriff auf Hexereiverdächtigungen in der Bevölkerung, der ihr sonst fehlte. [...] Das Kind wurde mithin auch zu einem Werkzeug der Obrigkeit." [207] Es wird sich bei den Hexenfamilienprozessen im sechsten Kapitel noch zeigen, dass die Obrigkeit daher in erster Linie jene Kinder verhörte, von welchen am leichtesten ein Geständnis und vor allem die Anschuldigung der übrigen Familienmitglieder zu erwarten war, welche dadurch kaum noch eine Möglichkeit hatten, dem Tode zu entkommen. Vor allem in den nordamerikanischen Salemer Hexenprozessen wurden Kinder schließlich auch dazu benutzt, um selbst in anderen Städten Hexen aufzuspüren, da man ihnen die Fähigkeit einräumte, allein durch den Anblick oder eine Berührung zu erkennen, ob jemand eine Hexe beziehungsweise ein Zauberer sei.

Kinder wurden jedoch nicht nur von Erwachsenen benutzt, sondern hatten durchaus auch eigene Gründe für ihre Bezichtigungen. Einen dieser Gründe liefert der Fall des 14-jährigen Johan Herman, welcher bei Grote Grete in Dienst war und diese bezichtigte, sie hätte ihm das Zaubern gelernt, obwohl er sich anfangs dagegen gewehrt hätte. Grete wurde verhaftet, verhört und hingerichtet. Als Grund für diese Denunziation wird hier Rache angegeben, denn die genannte Frau galt, da sie von einigen weiteren Dienstboten ebenfalls beschuldigt wurde, als nicht ganz einfache Herrin. [208] Rache wird in den meisten Fällen auch als Grund angesehen, warum Kinder ihre eigenen Familienmitglieder denunzierten. Rache, für eine allzu strenge Erziehung. So heißt es auch in einer Analyse der Salemer-Hexenprozesse: "Zu lange war sie [die Denunziantin - Anm. d. V.] dem Höllenfeuer ausgesetzt gewesen, das ihr Vater ihr darstellte [...], (und sie litt) unter der unmenschlichen Belastung, eine Erwachsenen-Welt bewältigen zu müssen, die ohne Verständnis für die Bedürfnisse und Fähigkeiten von Kindern eingerichtet worden war." [209] Auch wenn dies ein Beispiel aus Amerika ist und daher vielleicht nicht auf europäische Verhältnisse angewandt werden kann, so zeigte sich doch in der Darstellung der Kindheit in der frühen Neuzeit, dass auch in Europa die Erziehung mittels Rute erfolgte. "Einen prügelnden erwachsenen Patriarchen durch die Anklage der Hexerei in die Knie zu zwingen war in der Tat jugendliche Rache." [210]

Weiters wurde gezeigt, dass Kinder vielfach sich selbst überlassen waren, und so konnten ihre Denunziationen auch dazu dienen, Aufmerksamkeit zu erregen. Es wurde ja bereits in den vorgenannten Fällen gezeigt, dass ein besessenes Kind in einer Zeit ohne irgendwelche Unterhaltungsmedien als Sensation galt, die man unter allen Umständen bestaunen wollte. Das Kind, welches sich sonst selbst die Zeit vertreiben musste, stand nun im Mittelpunkt und erhielt endlich jene Aufmerksamkeit nach der es sich lange Zeit gesehnt hatte. Aufmerksamkeit sollte ihnen jedoch nicht nur von Erwachsenen entgegengebracht werden, sondern vielfach diente die Vorgabe zaubern zu können auch dazu, bei Gleichaltrigen Eindruck zu machen und Anerkennung zu erwirken. [211] In Anbetracht dessen, dass sich viele Kinder durch Betteleien durchs Leben schlagen mussten, war dies besonders wichtig. Es wurde bereits erwähnt, dass sich viele bettelnde Kinder und Jugendliche zu Banden zusammenschlossen. Durch die Vorgabe zaubern zu können wurde einem sicherlich die Aufnahme in eine solche Bande, welche vielleicht auch als Familienersatz diente, erleichtert beziehungsweise die Rangordnung in einer solchen verbessert.

<36> 

Ein weiterer Grund ergab sich unbeabsichtigt aus einem damals üblichen Erziehungsmittel: Kinder wurden immer wieder dazu angehalten Hinrichtungen beizuwohnen. "Damit sollten sie frühzeitig Lektionen erhalten und vor Verstößen gegen christlichen Geist und Moral gewarnt werden." [212] In vielen Fällen hatte dies jedoch ganz andere Auswirkungen. Viele Kinder, vor allem die jüngeren, konnten solch traumatische Erlebnisse nicht verarbeiten. "Ein Junge berichtet, der Augenblick der Hinrichtung habe ihn so überwältigt, daß der Teufel ihn leicht habe 'verführen' können. Ein Mädchen erzählte, es sei zusammengebrochen, nachdem sie mitangesehen habe, wie zwei Männer hingerichtet wurden, und wenige Tage später habe sie angefangen, 'die Stimme des Teufels' zu hören." [213]

4.3. Woher stammt das Gedankengut der Kinder?

Es zeigt sich also, dass Kinder durchaus auch eine Reihe eigenständiger Motive für ihre Denunziationen hatten. Fraglich bleibt jedoch, ob ihnen auch die Folgen ihres Handelns bewusst waren. Hatten diese Kinder eine Ahnung, was sie mit ihren Aussagen anrichteten? War ihnen bewusst, welche Qualen die Angeklagten unter der Folter beziehungsweise bei der Verbrennung auf dem Scheiterhaufen ausstehen mussten? Überlegten sie, was es für ihr weiteres Leben bedeutete, wenn sie ihre eigenen Eltern denunzierten? Wenn ja, wie kam es dann, dass Kinder ihr Handeln nicht nochmals überdachten? Auf all diese Fragen lässt sich kaum eine Antwort finden. Vielleicht kann jedoch ein wenig Licht ins Dunkel gebracht werden, wenn man der Frage nachgeht, woher Kinder überhaupt ihre Informationen erhielten, welche sie für ihre Denunziationen benötigten. In erster Linie muss festgehalten werden, dass jene Kinder in einer Zeit aufwuchsen, welche vom Glauben an Hexen und Zauberer durchzogen war. Die Eltern redeten Zuhause über die Verbrechen der Hexen, ja versuchten, Kinder auch durch allerlei Amulette oder andere Mittel vor ihnen zu schützen, und selbst der Pfarrer predigte in der Kirche von ihnen und auch "im Religionsunterricht der Schule [wurde] das Gift des Hexenwahns schon den kindlichen Gemütern eingepflanzt und die kindliche Phantasie durch diese Schreckensbilder aufs höchste aufgeregt [...]. 'Die Begriffe von zahlreichem Zauber- und Hexengeschmeiß' heißt es in einer 1767 zu München erschienen Schrift gegen den Hexenwahn, 'werden von Alter zu Alter fortgepflanzt, ja den Kindern fast in der Wiege mit fürchterlichen Geschichten und Märlein eingeprägt." [214]

Außerdem darf nicht vergessen werden, dass durch die Erfindung des Buchdruckes auch schon Flugschriften über Hexen verbreitet waren, und sich immer wieder Lesekundige fanden, wodurch auch Kinder Zugang zum Inhalt dieser Schriften erhielten. Diese Flugschriften "boten den sensationshungrigen Lesern und den noch zahlreicheren Zuhörern, die sie sich vorlesen lassen mußten, spannende Schilderungen von grob-sinnlichen Ausschweifungen und schaurigen Untaten. Man begegnet allenthalben den Spuren solcher Flugschriften, die als die niedrigste und gewöhnlichste Sensationsliteratur jener Zeit viel Absatz fanden." [215] So gab beispielsweise auch ein Knabe namens William zu, dass er "ein Pamphlet studiert hatte, in dem die Details des Prozesses von Warboys beschrieben werden, und daß er gelernt hatte, die geeigneten Symptome zu imitieren." [216] Auch von einem "besessenen" Mädchen hieß es: "Das Volksbuch, das den jungen Somers so beeindruckt hatte, spielte auch für Ann eine inspirierende Rolle, insofern sie sich das Verhalten eines verhexten Kindes beizubringen versuchte." [217] Die Erklärung für dieses Verhalten liegt auf der Hand: Wie gezeigt wurde, erregten besessene Kinder Aufsehen und standen im Mittelpunkt. Dies musste natürlich auch andere Kinder beeindrucken, welche es den Besessenen gleichtun wollten. In einem anderen Fall, dem der 13-jährigen Elisabeth Pelle, imitierte das Kind die Verhaltensweisen nicht durch ein Studium von Gedrucktem, sondern erlernte sie von einer Freundin, ja wurde von dieser sogar angehalten vor ihren Augen dafür zu üben:

Nach längerem Leugnen gab das Mädchen zu, niemals besessen gewesen zu sein. Sie sei von einer zwei Jahre älteren, der Tochter eines Rittmeisters, im Beisein gewisser 'Meisterinnen', dazu verführt worden, 'welche gesagt: 'Du sollst dich anstellen, wie ich tue, und machen dich auch besessen.' Sie habe darauf, wie es ihr gewiesen, sich auf die Erde geworfen, geflötet, den Leib geschüttelt und gerufen. Dann habe sie des Rittmeisters Tochter die Hand darauf geben müssen, und sie habe ihr etwas zu essen gebracht. Nachher sei dieselbe öfter zu ihr gekommen und habe ihr die Gebärden gezeigt, wäre nämlich liegen gegangen, habe Hals und Füße zu Hauf gesetzt und mit dem Leibe gegluckt, ihr sagend, sie solle den Atem abhalten und Papier in den Hals stecken, so könnte sie glucken. Sie habe das öfter in Gegenwart der Meisterinnen exerzieren müssen. Jene habe aber nicht wollen verraten sein und ihr gesagt, sie solle alles leugnen. [218]

<37> 

In diesem Fall zeigt sich eindeutig, dass die Kinder die Vorstellungen des Hexensabbats in ihrem Spiel nachahmten und selbst einen Kreis aus Hexen bildeten, der von einer Anführerin geleitet wurde. Die 13-jährige Elisabeth war hiervon sicherlich beeindruckt und wollte dazugehören. Ob sie schließlich einsah welche Folgen ihr Handeln für andere hatte, oder ob sie einfach den eindringlichen Fragen der Richter nicht standhalten konnte und schließlich "schwach" wurde und gestand, lässt sich heute nicht mehr eindeutig feststellen, obwohl Letzteres wahrscheinlicher erscheint, zumal Elisabeth erst nach längerem Leugnen gestand. 

Um nochmals auf die Frage zurückzukommen, ob Kinder eine Ahnung hatten, welchen Qualen Menschen bei einer Lebendverbrennung ausgesetzt waren, ist zweierlei zu sagen: Einerseits mussten Kinder als erzieherisches Mittel immer wieder Hinrichtungen beiwohnen, so dass sie auch die Schmerzensschreie der Verurteilten hören und ihre Verzweiflung erkennen mussten. Wie auch schon zuvor erwähnt, konnten viele Kinder diesen Anblick nicht verarbeiten und brachen dabei zusammen. Daraus kann geschlossen werden, dass ihnen die Grausamkeit einer Hinrichtung durchaus bewusst war. Andererseits war dies auch eine "gute Gelegenheit" sich Informationen über das Hexenwesen zu verschaffen, denn es war üblich, die Geständnisse auf den so genannten Endlichen Rechtstagen, nach denen die Verurteilten hingerichtet wurden, öffentlich vorzulesen. Weiters muss auch festgehalten werden, dass Hinrichtungen in jener Zeit einem Volksschauspiel glichen, zu dem zahlreiche Menschen strömten. "Kinder durften nicht nur dabei zusehen, sondern wurden vom Priester, Lehrer oder Richter häufig aufgefordert, daran teilzunehmen, [... denn] mit dem Anblick öffentlicher Hinrichtungen sollten die Zuschauer gleichzeitig drei Lehren erhalten: Der große Feind (der Teufel) sei am Werk und bedrohe das Wohlergehen der Gemeinde; die Regierung bemühe sich nach Kräften, ihn fernzuhalten; Missetäter erhielten die Höchststrafe, wenn sie sich auf die Seite des Teufels schlügen." [219]

Des Weiteren muss beachtet werden, dass die Todesstrafe während der Zeit der Hexenverfolgung einen anderen Stellenwert hatte als aus heutiger Sicht, ja dass sie für eine gerechte Strafe angesehen wurde. Schließlich fordert schon das Alte Testament, man solle Zauberer nicht leben lassen. (Ex 22,17 - 19) Theophrastus Paracelsus schreibt 1531: " ... und es ist nicht unbillig noch unrecht, daß man sie [die Hexen - Anm. d. V.] und alle Zauberer mit dem Feuer hinrichtet. Denn sie sind die schädlichsten Leut und die bösesten Feind, so wir auf Erden haben, wenn sie jemand übel wollen." [220] Ähnlich äußert sich auch Thomas Murner 1512 in seinem Gedicht: "Nun ins feür und angezindt / Und ob man schon kein hencker findt/ ee das ich dich [gemeint ist eine Hexe - Anm. d. V.] wolt lassen gan/ Ich wolts ee selber zinden an." [221] Anhand dieser beiden Beispiele wird deutlich, dass die Zeitgenossen keine Skrupel vor der Verhängung und vor allem Vollziehung der Todesstrafe hatten, ja dass sie damit sogar die Seele der Hexe vor der ewigen Verdammnis bewahrten, denn "reinigend und läuternd sollte die Flamme den Körper des Verbrechers vertilgen." [222] Auch Peter Binsfeld geht der Frage nach, ob die Verurteilten bei lebendigem Leibe verbrannt werden sollten, welche er grundsätzlich bejaht und folgendermaßen argumentiert:

[fol 131 v]: [...] Wenn wir die Gesatz vnnd auch den sententz deß Richters woellen ansehen / ist zu sagen: Ja: Dann der Sententz vnd Urtheil wirdt gesehen / zu dem Effect gereychen/ vnd wenn vom Gesatz aufferlegt wirdt/ die straff des Feuwers / wirdt sie aufferlegt zu einer Pein. Ein todter Leib aber / dieweil er kein empfindtligkeit hat / ist er nit faehig daß Schmertzen vnd Peinen. Zu dem die Richter / so den Sententz wol 

[fol 132 r]: ziehen / seyn Diener der Gerechtigkeit: Darumb seyn sie den Gesatzen vnderworffen / vnd muessen die straff vben / so von dem Gesatz vorgeschrieben wirt: Insonderheit die hoeher Oberkeit erkennen. Dieser ding vnangesehen / erhaelt heut der gemeine Brauch / daß sie mit dem Strick getoedtet werden / vnd nachmals verbrendt / die Gefahr zu vermeiden / damit nicht der langsam Todt / von wegen grossen schmertzens / den Mißthaetigen oder zur Gotteslasterung / oder zur Verzweiffelung ziehe. Derhalben ist es bey uns Christen in brauch kommen / erstlich zu wuergen / vnd nachmals zu brennen: Es sey dann / daß in einem fall / von wegen sonderlicher Umbstaendt / die grausamkeit deß Lasters ein anders erfordere. So aber der Mißthaetiger im boesen halßstarrig verbleibet / nicht zu Hertzen kehret / vnnd Buß thut / wirdt er lebendig als ein Ketzer verbrendt / wie Praxis oder die Gerichtliche vbung in Italia vnnd Hispania lehret. Solches muß auch in dem Laster der Zauberer geschehen: Dan in 

[fol 132 v]: einem vnbußfertigen ist kein verzweiffelung zu foerchten / vnd die Ursach / daß man sie nit lebendig brenet / ist / damit sie in kein verzweiffelung / oder andere suend in so groessem schmertzen fallen. [223]

<38> 

Aus diesen Gründen wendet sich Peter Binsfeld auch gegen die aufkommende Praxis, den Verurteilten vor ihrer Hinrichtung übermäßig Wein zu reichen, um ihnen so die Furcht vor dem Tod ein wenig zu lindern. Für ihn stellt dies eine "allhoechste Vngerechtigkeit" dar, da man die Menschen so ihrer Vernunft beraubte und damit ihr Seelenheil in Gefahr brachte: 

[fol 135 r]: [Hier ist] zu verwerffen den verfluchten brauch / vnnd Gottlose vbung etlicher Diener der Gerechtigkeit / oder viel mehr in diesem fall der allerhoechster Vngerechtigkeit / welche / die zum todt verdampten / an der Seelen erst / dann am Leib toedten: Dann in dem / daß die arme Menschen mit mittelen vnd artzeneyen des heyls / zu erhaltung der Seelen zuversorgen / vnd ihr Hertz mit troestlichem zureden zu Gott / vnd ihrer anstehender Seligkeit zu erheben wehren / daß sie dieselbe gegen die Forcht deß Todts (wie sie naerrisch vermeynen) standthafftig machen / mit Wein vberschuetten / vnd damit die Vernunfft hinwegnemmen / also daß die arme Menschen Gottes / vnd ihrer Seelen Heyl vneingedeck / wie vnvernuenfftige thier / mit gewissem Gefahr ihrer Seligkeit dahin ohn Leib vnd Seel sterben / in alle Ewigkeit zum Leben nimmer zu bringen / dieweil nach solchem elenden todt / weder hoffnung der Vergebung / noch Platz der Buß vorhanden ist. [224]

Aus diesen Gründen wird ersichtlich, dass es sich um einen Anachronismus handeln würde, Kindern vorzuwerfen, sie hätten die Qualen der Verurteilten nicht richtig eingeschätzt, beziehungsweise sie hätten die Verurteilten im vollen Bewusstsein ihres Handelns auf den Scheiterhaufen gebracht. Viele Kinder dürften tatsächlich geglaubt haben, verhext worden zu sein und waren von der Richtigkeit ihres Handelns überzeugt. Wenn sie durch ihre Aussagen eine Hexe auf den Scheiterhaufen brachten, hatten sie, dem damaligen Verständnis nach, daher auch zum Wohlergehen der Gemeinde beigetragen. 

4.4. Fallbeispiele

Wie gezeigt wurde, waren die Gründe, welche dazu führten, dass Kinder als Denunzianten vor Gericht auftraten, vielfältig und können daher auch nicht vereinheitlicht werden. Deshalb sollen in Folge einige Beispiele in den verschiedenen Ländern näher betrachtet werden. Festgehalten werden muss, dass auf das wohl berühmteste Beispiel, in welchem Kinder als Ankläger auftraten, jenem der nordamerikanischen Salemer Hexenprozesse (1691 - 1693), aufgrund der Einschränkung dieser Arbeit auf Europa nicht eingegangen werden kann. Hierzu sei jedoch auf entsprechende Arbeiten unter anderem von Paul Boyer und Stephen Nissenbaum [225], Bernard Rosenthal [226] sowie Winfried Herget [227] verwiesen. Die folgenden zwei Bilder zeigen ebenfalls Szenen aus den Salemer Hexenprozessen und sollen als Beispiele dafür dienen, wie Kinder ihren Aussagen vor Gericht durch entsprechende Anfälle Gewicht verliehen.

Das obere Bild gibt einen guten Eindruck von der Hysterie, in welche die besessenen Mädchen ausbrachen. Auf dem unteren Bild ist unter anderem ein Mädchen zu sehen, welches scheinbar in Ohnmacht fällt, da es vom Blick einer Hexe getroffen wurde. 

4.4.1. Schweden

<39>

Als erstes Beispiel sei nun ein Blick nach Schweden, genauer gesagt nach Mora geworfen. Dieser 1669/70 stattfindende Prozess wurde allein durch das Gerede einiger Kinder ausgelöst, welche von Fahrten nach "Bloculla" [228] berichteten, wo sie am Hexensabbat teilgenommen hatten. Da sie von einem Palast erzählten, "in dessen Hofe die Tiere, von denen sie hingetragen wären, weideten, und in dessen Gemächern die opulentesten Gastmähler und wildesten Ausschweifungen stattfänden" [229] wuchs ihre Zahl schon bald beträchtlich an. Die verzweifelten Eltern drängten nun, "man möge endlich die schändlichen Zauberinnen ausrotten. Wenn die Obrigkeit nichts unternehme, so sei zu befürchten, daß das ganze Elend noch viel weiter um sich greife." [230] Die Juristen versuchten anfangs davon Abstand zu nehmen, auf das bloße Gerede unmündiger Kinder hin eine Untersuchung einzuleiten. Jedoch wurden sie von den Geistlichen dazu gedrängt, "indem sie behaupteten, daß der heilige Geist, der immer die Ehre Gottes gegen das Reich des Teufels verteidige, nicht zugeben würde, daß die Knaben lögen; denn es heiße im Psalm: 'Aus dem Munde der jungen Kinder und Säuglinge hast du dir deine Macht zugerichtet, daß du vertilgest den Feind und die Rachgierigen." [231] Wenn nun schon die Bibel forderte auf Kinder zu hören, so konnte dem schwerlich etwas entgegengesetzt werden und so nahm am 13. August 1669 die königliche Untersuchungskommission ihre Arbeit in Mora auf, mit dem Ergebnis, dass vierundachtzig [232] Erwachsene und fünfzehn Kinder verbrannt wurden. Hundertachtundzwanzig Kinder wurden während eines Jahres wöchentlich einmal an den Kirchtüren ausgepeitscht und zwanzig der Kleinsten an drei aufeinander folgenden Tagen gezüchtigt. [233]

Welche Gründe den Anschuldigungen der Kinder in diesem Fall zugrunde lagen, müsste in einer eigenen Untersuchung erarbeitet werden, welche hier jedoch zu weit führen würde. Ausgelöst wurde dieser Prozess jedenfalls durch die Aussage des 15-jährigen Eric Ericsen, welcher ein 18-jähriges Mädchen beschuldigte, sie würde Kinder für den Teufel stehlen. Daher bekannten auch einige Hexen in den Verhören, dass sie der Teufel durch die Luft nach Bloculla führe "jedoch müssten sie ihre eigenen, oder anderer Leute Kinder, die sie zur Nachtzeit raubten, mitbringen, und zwar jetzt mehrere als vormals, indem er sie hart schlage, wenn sie nicht wenigstens fünfzehn oder sechszehn [sic!] Kinder mit brächten." [234] Ein Ende der Hinrichtungen war erst in Sicht, als ein weltlicher Assessor mit Vorwissen seiner Kollegen einem Kind einen halben Taler versprach, wenn es seine Denunziation von einer Person auf eine andere übertrage. Das Kind folgte dieser Aufforderung, womit der Beweis erbracht war, dass nicht der Heilige Geist aus den Kindern spreche, sondern alles nur Lug und Trug war.

4.4.2. Deutschland

Es ist jedoch gar nicht nötig so weit in die Ferne zu schweifen, denn auch in Deutschland und selbst in Österreich lassen sich Beispiele dafür finden, in denen Kinder als Ankläger Prozesslawinen ins Rollen brachten. Als Beispiel für Deutschland wurde bereits der Prozess gegen Grete Grote genannt, welcher ebenfalls durch die Aussage eines 14-jährigen Jungen ausgelöst wurde. Am bekanntesten für Deutschland ist jedoch sicherlich der Prozess in Calw (Baden Würtemberg) der Jahre 1683/84. Dieser wurde durch die Aussagen von Kindern im Alter zwischen sieben und zehn Jahren eingeleitet, welche vorgaben in der Nacht zum Hexensabbat entführt zu werden. Der Prozess endete jedoch "nur" mit der Verurteilung einer alten Witwe und ihrem Stiefenkel sowie mit der Vertreibung einiger Personen aus der Stadt. Ein weiterer Fall stammt 1625 aus Augsburg, welcher mit dem tragischen Tod der Mutter endete, und das obwohl oder gerade weil den Aussagen des Kindes ursprünglich keine Beachtung geschenkt wurde. Die 11-jährige Maria beschuldigte eine Verwandte, bei welcher sie in der Schneiderei helfen musste, eine Hexe zu sein. Sowohl die Eltern als auch der Stadtrat reagierten zunächst sehr aufgeklärt. "Der Vater und auch die Mutter verprügelten das Kind mehrmals, doch dieses blieb bei seinen Aussagen. Die Eltern des Mädchens gingen nun zum Stadtrat, der es inhaftierte. Der Rat schenkte den Erzählungen aber zunächst keinen großen Glauben. Konkrete Nachprüfungen ergaben auch, daß das Mädchen log." [235]

<40> 

Das nun in die Enge gedrängte Mädchen musste seine Strategie ändern, wollte es nicht bekennen, dass alles nur erlogen sei und beschuldigte daher die eigene Mutter, welche schließlich in den Prozess verwickelt wurde und unter der Folter auch gestand, weshalb sie schließlich hingerichtet wurde. Dieser Fall stellt gleichzeitig ein gutes Beispiel dar, welches die eingangs erwähnte These von Evelyn Heinemann bestätigt. Das Mädchen war sich seines eigenen unmoralischen Verhaltens (der fälschlichen Beschuldigung einer Verwandten) bewusst und musste, nachdem man ihm seine Aussagen nicht glaubte, mit einer Strafe rechnen. Um dieser zu entgehen, blieb nur noch die Möglichkeit die eigene Mutter der Hexerei zu bezichtigen, was schließlich von "Erfolg" gekrönt war.

4.4.3. Österreich

Obwohl in Österreich, abgesehen vom Salzburger Zauberer-Jackl-Prozess (1675 - 1689) verhältnismäßig wenig Kinder in Hexenprozesse verwickelt waren, lässt sich auch hier ein Beispiel finden, in welchem ein Mädchen beziehungsweise vielmehr ihre Krankheit der Auslöser für einen Hexenprozess gegen die eigene Großmutter war: der 1583 stattgefundene so genannte Plainacherin-Prozess in Wien. Auffallend ist, dass dieser Prozess bereits vor Binsfelds Traktat stattgefunden hatte, was vermutlich darauf zurückzuführen sein dürfte, dass das Mädchen bereits 16 Jahre alt war und daher nach geltendem Recht nicht mehr als Kind betrachtet wurde. Trotzdem soll der Prozess hier eine kurze Erwähnung finden. Anna Schlutterbauer, so der Name des Mädchens, litt aller Wahrscheinlichkeit nach an Epilepsie, welche damals jedoch als Besessenheit galt. Das Mädchen war bereits mehrmals erfolglos exorziert worden, weshalb man schon bald die Großmutter, Elsa Plainacher, bei welcher das Mädchen lebte, als Verursacherin ansah. Es dauerte daher nicht lange und die 70-jährige Frau wurde festgenommen - und gefoltert. Das Mädchen wurde in der Zwischenzeit vor einer großen Zuschauermenge erfolgreich exorziert, und so blieb dem gelehrten Jesuiten Dr. Georg Scherer in einer Predigt unter anderem nichts weiter zu sagen als: "Und was verlier ich vil Wort in einer sonnenklaren sachen? Die Thäterin, welche die Teuffel in das Mensch eingezaubert, ist durch das Gericht allhie güttlich und peinlich examiniert worden, und bekennt lauter, sie hab solches und wol grewlicheres mehr gethan. Was will man mehr? Das Mägdlein bekennets, der Vatter bekennets, die Zauberin bekennets, der Augenschein gibts, alle Umstände bezeugens." [236]

Der Grund für diesen Fall dürfte darin zu suchen sein, dass Anna, als ihr Vater nach dem Tod ihrer Mutter erneut heiratete, mit 14 Jahren auf Wunsch ihres Vaters, jedoch gegen ihren eigenen Willen von der Großmutter weg in den Dienst gegeben wurde. Das Mädchen musste daher nicht nur mit der erneuten Heirat ihres Vaters sondern auch mit einer fremden Umgebung fertig werden. Sie wurde aus der Umgebung ihrer Großmutter gerissen und musste nun in einem anderen Haushalt dienen. An sich eine für damalige Verhältnisse übliche Praxis, doch scheinen die Kinder nicht immer problemlos damit klar gekommen zu sein. Anna gab sicherlich zumindest unbewusst ihrer Großmutter die Schuld für ihre neue Lebenslage und wehrte sich dagegen mit als Besessenheit bezeichneten Anfällen. Vermutlich sehnte sie sich einfach nur nach Geborgenheit und wollte mit ihrer Krankheit Aufmerksamkeit erregen. Wenn man nun davon ausgeht, dass ihr zumindest im Unterbewusstsein klar war, dass ihr Verhalten falsch war und sie daher Sanktionen fürchten musste, lässt sich die genannte Arbeitsthese auch auf diesen Fall anwenden. 

<41> 

Selbstverständlich ließen sich diese Fallbeispiele noch weiter fortsetzen. So gab es beispielsweise auch in Holland Prozesse, welche von Kindern in einem Waisenhaus ausgelöst wurden. Ebenso in Frankreich und Schottland. Es erscheint jedoch nicht weiter zielführend, all diese Prozesse im Einzelnen zu besprechen, zumal ein kleiner Überblick darüber im Anhang dieser Arbeit gegeben wird. Die Kernaussage sollte auch schon anhand dieser drei Beispiele klar geworden sein: Kinder hatten unterschiedliche Gründe, warum sie Erwachsene denunzierten, und auch die Öffentlichkeit reagierte unterschiedlich darauf. In diesen Beispielen lässt sich außerdem die These verifizieren, dass Hexenprozesse zumindest teilweise aufgrund der eigenen Angst vor Strafen angestrengt wurden. 

4.5. Reaktionen der Öffentlichkeit

Abschließend sei nochmals der Frage nachgegangen, wie nun einerseits die Bevölkerung und andererseits auch das Gericht auf die Denunziationen der Kinder reagierte. Einiges davon wurde bereits angesprochen und soll deshalb hier nur nochmals kurz erwähnt werden. Seitens der Richter wurde gezeigt, dass sie versuchten von Kindern Informationen, in erster Linie hinsichtlich der Teilnehmer am Hexensabbat, zu bekommen, welche sie von Erwachsenen vielleicht nicht erhalten hätten und dass sie Kinder, speziell in den Salemer Prozessen, dazu "einsetzten", Hexen auch in anderen Städten ausfindig zu machen. Seitens der Bevölkerung wurde bereits darauf hingewiesen, dass besessene Kinder großes Interesse hervorriefen und jeder das Kind bestaunen wollte. Wurden am Kind Exorzismen vorgenommen, so wurden diese ebenfalls gespannt von der Bevölkerung verfolgt. Die Eltern eines besessenen Kindes dürften wohl eher zwiespältig darauf reagiert haben, denn einerseits waren sie es - wie bereits gezeigt wurde - welche das Kind dazu drängten, seine Besessenheit vorzutäuschen und versuchten daraus Profit zu schlagen. Andererseits musste es für die Eltern jedoch auch ein Schock gewesen sein, ein Kind, welches angeblich mit dem Teufel im Bunde stand, im eigenen Haus zu haben. Mussten sie doch befürchten, dass der Teufel auch von ihnen Besitz ergreifen würde. Um Kinder vor weiteren Übergriffen des Bösen zu schützen und sie vor allem davor abzuhalten auf die Hexentänze zu fahren, gingen viele Eltern dazu über, ihre Kinder nachts nicht schlafen zu lassen. Dies hatte jedoch zur Folge, dass diese chronisch nervös und reizbar waren, was ihre Fantasie nur umso mehr beflügelte.

Vielfach standen die Eltern ihren verhexten Kindern auch hilflos gegenüber wie das Beispiel aus Calw zeigt: "Die aufs äußerste erschreckten Eltern der verhexten Kinder wandten sich schließlich in ihrer Not erneut an den Fürsten in Stuttgart und erbaten Anweisungen und Belehrungen darüber, wie sie mit ihren Sprößlingen verfahren sollten." [237] Die übrigen Kinder waren von der Besessenheit meist fasziniert und versuchten diese nachzuahmen. Festgehalten sei an dieser Stelle jedoch auch, dass diese Reaktionen nicht einfach verallgemeinert werden dürfen. Es ist anzunehmen, dass es auch Menschen gab, die nicht an den Spuk glaubten beziehungsweise Kinder, welche ganz und gar nicht daran interessiert waren, die Besessenheit zu "erlernen", doch würde man vergeblich nach diesen Menschen in den erhaltenen Protokollen und Dokumenten suchen. Musste man doch fürchten, wenn man öffentlich gegen den Hexenwahn auftrat, als Ungläubiger selbst in den Sog der Inquisition gezogen zu werden.

4.5.1. Kindermund tut (nicht immer) Wahrheit kund

Ende des 17. Jahrhunderts begann sich jedoch die Einstellung den Denunziationen der Kinder gegenüber zu ändern, und es mehrten sich kritische Stimmen, welche davor warnten Kindern Glauben zu schenken. So beispielsweise in Tübingen, wo Juristen (um das Jahr 1684) über dreißig Kinder zwischen drei und zwanzig Jahren befragten und zu dem Schluss kamen, dass diese entweder geträumt hatten oder einfältig waren. Weiters gelangten die Behörden zu der Überzeugung, dass sich Geist und Körper schlafender Kinder nicht trennen ließen "und erklärten den Stadtbewohnern, der Teufel habe nicht die Macht dazu. Zum anderen bezeichneten sie die Vorstellung als unsinnig, Kinder könnten zu irgendeinem Ort fliegen, sonderlich, wenn sie zur gleichen Zeit in ihren Betten schliefen. Sodann erklärten sie die Träume und Phantasien der Kinder zu Wahnvorstellungen. Ferner bestritt sie [die Kommission - Anm. d. V.] entschieden, man könne mit Hilfe von Geistererlebnissen zu verläßlichen Beweisen gelangen. Und schließlich meinte sie, die Geschichten der Kinder seien so widersprüchlich, daß man sich auf keine verlassen könne." [238]

<42> 

Ein weiteres Beispiel einer erstaunlich aufgeklärten Haltung zeigt sich am Fall der zuvor erwähnten Stadt Calw. Hier befahl die von den hilflosen Eltern angeflehte Obrigkeit: 

[...] dem Dekan, dem Pfarrer und den Präceptoren des Gymnasiums, sie sollten den Eltern und Kindern eindringlich versichern, daß ihnen der Teufel keinerlei Schaden anzutun vermöchte, da sie ja mit dem allerheiligsten Blut unseres Heilands erlöst und durch die heilige Taufe in seinen Gnadenbund aufgenommen seien. Die Geistlichen, Lehrer und Eltern sollten aber mit den verführten Kindern fleißig beten, beständig und eifrig den Namen Jesu anrufen und den Choral 'Gott, der Vater, wohn uns bei und laß uns nicht verderben' anstimmen. [...] Schließlich sollten die (protestantischen) Eltern von der irrigen Meinung abgebracht werden, sie könnten mit den bei den benachbarten 'Papisten' besorgten Amuletten und abergläubischen Mitteln irgendetwas ausrichten. [... Weiters sollte] nur in den öffentlichen Kirchenversammlungen Gott der Herr um Hilfe gegen die List des bösen Feindes angerufen werden dürfen; dabei sollten allerdings die verführten Kinder nicht eigens erwähnt werden. Die bisherige Unterrichtung der Kinderhexen in Gottes Wort möge indes fortgesetzt und sie darüber hinaus zu andächtigem Beten 'ohnausgesetzt angehalten' werden. Unter Androhung von Prügelstrafen sollten dabei Eltern und Lehrer den Kindern verbieten, weiterhin über die Hexentänze und die Verführungen des Teufels miteinander zu sprechen. Im übrigen sei es angebracht, die Kinder auseinanderzuhalten." [239]

Auch am Beispiel der beiden besessenen Mädchen, welche 1656 in Brakel (Deutschland) exorziert wurden, zeigte sich, dass die Öffentlichkeit den Vorspielungen nicht immer glaubte. Die beiden beschuldigten die Magd des Bürgermeisters eine Hexe zu sein, welche sich jedoch gegen die Vorwürfe wehrte und damit (vorerst) auch Erfolg hatte. Man schenkte den Anschuldigungen der Mädchen keinen Glauben. Die beiden Schwestern hörten mit ihren Anschuldigungen jedoch ebenfalls nicht auf, und so sollte ein Exorzismus Klärung bringen. Seit 1614 waren hierfür im Rituale Romanum, einer Sammlung von Regeln für die von Geistlichen zu vollziehenden Riten, untrügliche Merkmale festgelegt, wie man Besessene von anderen unterscheiden könne. So hieß es unter anderem darin:

Die gewöhnlichsten Merkmale der Teufelsbesessenheit aber sind folgende: Wenn der Mensch mehrere Worte in einer ihm unbekannten Sprache redet oder jenen versteht, der eine ihm unbekannte Sprache redet; wenn er entfernte oder verborgene Dinge bestimmt offenbart und anzeigt; wenn er eine seinem Alter oder natürlichen Zustand überlegene Stärke zeigt, und dergleichen mehr. Je mehr Zeichen der Art, desto sicherer die Merkmale der Teufelsbesessenheit. [240]

Wie die Mädchen auf den Exorzismus, welcher von Pater Antoninus in der Klosterkirche vorgenommen wurde, reagierten, beschreibt das folgende Gedicht eines anonymen Verfassers: 

Sie schüttelten ihre Füß' und Händ'
Doch Köpfe hielten sie von der Wand,
Damit die nicht zerschlagen:
Sie wollten doch besessen sein,
Bewegten darum ihre Bein',
Betrug ließ sich doch merken.

Er fragt sie in lateinischer Sprach'
Zu antworten, dem höllischen Drach'.
Kein Wort konnten sie ausgeben.
Er befiehlt in französischer Sprach'
Zu antworten, dem höllischen Drach'.
Unwissend waren sie im Leben.
Sie sprachen: 'Wir können kein Latein,
Als was man redet insgemein.'


Er schlug sie mit einem Strick
Wohl etwas hart auf ihren Rück',
Geschwind tun sie parieren:
Beklagten sich der Schmerzen sehr,
Weinten auch allimmer mehr.


Der Priester merkte ihre Falschheit gar,
Das sahen auch die Leut' ganz klar,
Die gegenwärtig waren. [...] [241]
<43>

In diesem Gedicht kommt deutlich zum Ausdruck, dass die Mädchen, auch wenn sie durch diverse Zuckungen etc. vorgaben besessen zu sein, sehr genau darauf achteten, sich dabei nicht ernstlich zu verletzen. Auch weist der Verfasser des Gedichtes darauf hin, dass die Mädchen keinerlei Fremdsprachen konnten und damit klar auf der Hand lag, dass es sich bei ihnen um Betrügerinnen handelte. [242]

Obwohl diese Beispiele erstaunlich aufgeklärt klingen, darf nicht davon ausgegangen werden, dass die Behörden nicht (mehr) an den Teufel und damit an Hexen glaubten. Dafür war es noch zu früh. Ihre Haltung ist allein auf ihre Einstellung zurück zu führen, dass sie davon ausgingen, alles sei nur Blendwerk des Teufels, welches dazu diene, die Menschen zu verwirren und Hass unter ihnen zu säen. Ein tatsächliches Ende der Hexenprozesse sollte sich erst abzeichnen, als immer mehr Würdenträger und auch Kinder aus höheren Familien in die Prozesse verstrickt wurden. 

5. KINDER ALS BESCHULDIGTE

Die Zauberer sollst Du nicht leben lassen. 

(Ex 22,17 - 19)

Hätten mehrere Behörden nach der Auffassung von Calw entschieden, wären die Hexenprozesse gegen Kinder aller Wahrscheinlichkeit nach bereits früher beendet gewesen. Die Behörden der meisten übrigen Länder legten jedoch ein konträres Verhalten an den Tag und gingen der Frage nach, ob Kinder, welche schließlich von sich aus behaupteten am Hexensabbat teilgenommen zu haben, nicht ebenfalls zu Schadenszauber aller Art fähig seien. Dies führte dazu, dass man in den denunzierenden Kindern nicht mehr ausschließlich die Opfer der Hexen und Zauberer sah, sondern dazu überging, auch Kinder gerichtlich zu verfolgen, zu foltern und hinzurichten. Hinzu kommt, dass man in dieser Zeit auch verstärkt begann, dass Bettlerwesen zu bekämpfen. Daher waren es nun "in erster Linie die Kinder der Landstraße, mit denen man sonst nichts anzufangen wußte und die man daher um so lieber dem Freimann überantwortete, als man sich mit dem Gedanken tröstete, daß diese Brut zauberischer Eltern ohnehin dem Teufel verfallen sei." [243]

5.1 Entstehung des Glaubens an Kinderhexen

Im vorigen Kapitel wurde unter anderem der Frage nachgegangen, welche Gründe Kinder für ihre Beschuldigungen hatten und woher sie ihre Informationen darüber bezogen. Diese beiden Fragen stehen in einem engen Zusammenhang mit der Frage, wie es nun zum Glauben an Kinderhexen kommen konnte, welche im Folgenden erörtert werden soll. In erster Linie muss dabei bedacht werden, dass Kinder von sich aus immer wieder behaupteten, sie könnten zaubern und hätten am Hexensabbat teilgenommen, um so andere Menschen, anfangs nur Erwachsene, später auch andere Kinder, denunzieren zu können. Diese Teilnahme ist auch auf nebenstehendem Bild gut ersichtlich, auf welchem Kinder durch ihre Größe deutlich von den Erwachsenen unterschieden werden können. Die Aussagen der Kinder mussten unweigerlich dazu führen, dass man auch in ihnen Mitglieder der Teufelssekte sah, welche unter allen Umständen ausgerottet werden musste. Außerdem waren sich die meisten Theologen einig, dass die Heranwachsenden "von der Wiege an launisch [seien] und ständigen 'Gemütsbewegungen' unterworfen. Darin drücke sich - äußerlich sichtbar - die innere Neigung aller Geschöpfe zum Bösen aus. Kinder, unterstrich der lutherische Prediger Bernhard Waldschmidt, sind von Natur aus schlecht." [244]

<44> 

Dieser Meinung war auch der Protestant Michael Freude, welcher 1671 ebenfalls der Frage nachging, wie aus unschuldigen Kindern Hexen werden konnten. "Neben den Eltern, die entweder durch eigene Pakte mit dem Teufel oder durch mangelnde Erziehung einen schlechten Einfluß auf das Kind hätten, betont Freude die 'selbsteygene Boßheit', die denjenigen Kindern innewohnte, die ohne äußere Veranlassung hexen, zaubern und anderen Menschen sowie Tieren und Pflanzen schaden würden." [245] Damit hing auch der Glaube zusammen, dass Kinder, wenn sie schon schlecht seien, um so leichter vom Teufel verführt werden könnten, was sie ja auch selbst in ihren Aussagen immer wieder bestätigten. Freude erwähnt neben der eigenen Bosheit der Kinder auch einen zweiten Punkt, welcher den Glauben an Kinderhexen verstärkte: die mangelnde Erziehung der Erwachsenen. Auch der Augsburger Theologe Gottlieb Spi(t)zel [246] sieht einen Grund für Kinderhexen in der mangelnden Erziehung. Er meint daher:

[...] die Verblendung der Menschen zeige sich vornehmlich daran, daß sie es an der rechten Erziehung und gebührenden Unterweisung ihrer Nachkommen fehlen ließen. Auf diese Weise würden die Erwachsenen schuldig an Seele und Leib [247] der Kinder. [...] Schlimme Auferziehung, einhergehend mit der Praxis, Kinder zu verfluchen und zu verwünschen, treibe die Minderjährigen geradezu ins Zauberwesen hinein. Durch schändliches Fluchen und Anwünschen der Erwachsenen würden die Kinder dem Teufel in die Klauen getrieben - sowohl in leiblicher wie geistlicher Weise. So werde es den Hexen und Zauberern leichtgemacht, die Kleinen zu umgarnen, zu verführen und sie als teuflische Bundesgenossen zu gewinnen. [248]

Dies hatte natürlich zur Folge, dass sich nicht nur Eltern, sondern auch Lehrer und selbst die Kirche verstärkt einer - vor allem religiösen - Erziehung der Kinder zuwandten. (Es wurde bereits am Beginn dieser Arbeit auf die vielen religiösen Pflichten der Kinder sowie auf die Einrichtung der Kinderlehre hingewiesen.) Jedoch begann sich damit auch ein (Teufels)Kreis zu schließen: Kinder lehnten sich unter anderem ja gerade wegen dieser rigiden religiösen Erziehungsmaßnahmen auf und begannen Erwachsene als Hexen zu denunzieren um damit aus dem strengen Erziehungswesen auszubrechen. Die Erwachsenen hingegen reagierten nur mit umso strengeren Maßnahmen darauf. Ein System, welches demnach schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt war. 

Ein weiterer Grund, wie es zum Glauben an Kinderhexen kommen konnte, ist darin zu sehen, dass Hexen in ihren Geständnissen immer wieder angaben, schon in frühen Jahren von der eigenen Mutter verführt worden zu sein. Umgekehrt gestanden auch als Hexen eingezogene Frauen, ihren eigenen Kindern das Zaubern und Hexen gelehrt zu haben. So unter anderem Katharina Simmen von Steinbergern, welche in ihrem Prozess in Urseren (Schweiz) am 20. Jänner 1459 laut Verhörprotokoll folgendes aussagte: 

Item aber Het sy vergigen, wie sy ir tochter hab gelert, wenn ira iemann waz ze leid tuy, Das sii das eim wol verdienen künn mit bosheit. 

Item aber Hät sy vergigen, Das sy mit ira tochter sy gangen nebent der Hitzlinneregg in ein tal, und da ist der tüfel zu inen kommen, und gab ir tochter greten den eid, das sy müst verschweren Got und all sy Heilgen. 

Item het sy vergigen, das ir tochter dem suster Haby we gemachet, der V wuchen im Bett lag. [249]

<45> 

Die Frau gesteht hier also nicht nur, ihrer Tochter das Zaubern gelehrt zu haben, sondern auch mit ihr gemeinsam Schaden angerichtet zu haben. Weiters hatte sie zugelassen, dass sich ihre Tochter dem Teufel mittels Eid verschrieb. Auch nebenstehender, leider etwas unscharfer, Bildausschnitt aus dem Jahre 1588 zeigt eine Hochzeit zwischen einem Mädchen und dem Teufel - am Schwanz erkennbar - welche von der Mutter arrangiert wurde. Wenn nun sowohl Eltern zugaben ihren Kindern zaubern und hexen gelehrt zu haben, als auch Kinder gestanden, von den Eltern verführt worden zu sein, musste dies bei den Behörden zwangsläufig zum Glauben führen, dass auch Kinder hexen könnten. Außerdem ging bereits der Hexenhammer davon aus, dass "die Hexen meistens die eigenen Kinder den Dämonen darbringen, oder sie unterrichten, und gewöhnlich die ganze Nachkommenschaft infiziert ist." [250]

Neben diesen "realen" Kindern, welche zum Teil freiwillig, zum Teil unter der Folter vorgaben, von den Eltern verführt worden zu sein, gab es, der Vorstellung der Zeitgenossen nach, auch noch "richtige Teufelskinder", welche durch den Verkehr einer Frau mit dem Teufel entstanden. Auch diese mehrten den Glauben an Hexenkinder, denn "man findet beynahe gar keine Acten, besonders wenn's eine Hexe betraf, in welchen nicht auch dieser Artikel mit vorkäme [...]." [251] Diese Teufelskinder hatten meist keine natürliche Gestalt, sondern glichen Würmern oder anderen Wesen. So berichtet beispielsweise eine als Hexe eingezogene Frau, "daß aus solchem getriebenen schändlichen Beyschlafe ihr einsmals ein schwarzer, rauer Windwurm abgegangen. [...] Item, daß ihr nachgehends wieder eine Frucht in Gestalt eines Mägdgens von einem Pott-Krug groß, abgegangen, welches sie zwey Tage bey sich gehabt, des Tages in ihr Bette verwahrt, des Nachts aber zu sich genommen, auch mit ihren Brüsten gestillet, und gemercket, daß es gesogen, ihr Geist David aber hätte es ihr nach zweyen Tagen weggenommen." [252] Der Teufel nahm die Kinder jedoch nicht immer zu sich, sondern ließ sie zum Teil auch bei der Mutter. In diesem Falle reichte eine Ernährung durch die Muttermilch jedoch kaum aus. So gesteht Angela, dass sie "allnächtlich fleischlichen Umgang mit dem Satan gepflogen [... habe]; seine Frucht sei ein Ungeheuer mit Wolfskopf und Schlangenschwanz gewesen, zu dessen Ernährung sie in jeder Nacht kleine Kinder habe stehlen müssen." [253]

Doch eine Frage wurde bisher nicht beantwortet: Wie konnte Gott zulassen, dass selbst kleine Kinder vom Teufel verführt wurden? Gottlieb Spizel erklärte dies folgendermaßen: 

[...] Gott selbst habe es ja 'zugelassen', daß Kinder diesem Elend anheimfielen. Diese himmlische Zulassung aber sei kein Akt der Willkür, sondern höheres Erziehungshandeln. Der Herr stoße zwar die Kleinen ins Verderben, aber die Menschheit wolle er aufrütteln, ermahnen, zur Buße bewegen und am Ende retten. Was wie ein Verhängnis aussehe, sei in Wirklichkeit Ausfluß göttlicher Gnade. Die Kinderhexen seien das Opfer Gottes. Zum Heil fehle nur die moralische Konsequenz, die Umkehr der Sünder. [254]

<46> 

Eine ähnliche Erklärung warum Gott die Hexerei überhaupt zulasse, wird ebenfalls im Hexenhammer angeführt, in welchem es heißt, dass Gott "nicht Böses in seinen Werken sein ließe, wenn er nicht so allmächtig und gütig wäre, daß er Gutes schüfe auch aus dem Schlechten." [255] Auch Peter Binsfeld schließt sich dieser Meinung an und antwortet auf die Frage, warum Gott die Zauberei zulasse wie folgt:

[fol. 4 r]: Darum wenn GOTT nicht zulaest / kann der Teuffel mit aller seiner Macht das geringste dem Menschen auff Erden nicht schaden. Es verhaengt aber GOTT solche Gewalt dem Teuffel vnd seinen Gliedern / erstlich / damit er dem Menschen zu erkennen gebe / die Reichthumb / sein Weißheit vnd Wissenheit / welcher auß dem boesen / guts herfuer bringen kann: Zum anderen / damit sein Gerechtigkeit gegen die / so gesuendiget / nicht Buß wircken woellen / offenbar werde: 

[fol 4 v]: und letzlich damit man wisse / daß die mit rechtem Vrtheil betrogen / vnd in mancherley Irrthumb gefuehret werden / welche das Liecht der Warheit verachten / vnd sich zum Vatter der Luegen abwenden. [256]

Dies bedeutet, dass es nach Ansicht der Zeitgenossen nicht nötig war, dass Gott alles Böse verhindere, da er barmherzig genug sei, geschehenes Übel in Gutes zu verwandeln und das Böse nur dazu diene, den Glauben der Menschen an seine Güte zu stärken. Durch die Zulassung der Kinderhexen wolle er damit den Menschen ihre eigene Schlechtigkeit deutlich vor Augen führen und ihnen damit die Möglichkeit zur Umkehr und Reue geben. 

5.2. Kinder vor Gericht

Die Gründe warum Kinder Erwachsene oder auch andere Kinder beschuldigten Hexen zu sein, wurden bereits im vierten Kapitel angeführt. Auch wenn man nun von Seiten der Richter dazu überging in den Aussagen der Kinder Hinweise dafür zu sehen, dass die denunzierenden Kinder ebenfalls Hexen seien, blieben die Gründe für ihre Aussagen meist dieselben, weshalb sie hier nicht nochmals besprochen werden müssen. Jedoch sollen nun einige Kinder selbst zu Wort kommen: 

5.2.1. Aussage einer Vierjährigen

Die Auszüge des folgenden Gesprächs, welches der Reutlinger Chronist Hoffstetter der Sprache des Kindes entsprechend festgehalten hatte, zeigen, dass selbst kleinste Kinder schon genau über die Vorgänge am Hexensabbat Bescheid wussten. Das Gespräch fand zwischen Hoffstetters Schwägerin Christeil (wohl Christine) und einem 4-jährigen Mädchen statt. Das Kind wollte von Christeil wissen, ob sie ihm glaube, dass es am Hexensabbat teilgenommen habe. Christeil glaubt ihm zunächst nicht und fragt wie es denn mitten in der Nacht zum Sabbat kommen solle, worauf das Kind antwortete: 

Mein Ahna [...] legt mir allezeit am nachtzen nidel, darna hebt sie mich wider auf, wenn ich eine Weile gelegen bin. [...] Mein Ahne hat ein schöne plaue Steka und sezt mi allemal hintel sia. Und mein Ehni [Großvater] nimt mein Hanß Martin [Bruder?] auf einel Gabel und mein Mottel [Mutter] nimbt mein Hans Jelgä [Bruder?] und mein Vattel fährt au aus. [:..] Mein Ahne hat desagt, wenn ichs sagte, so verbrennet man sie. Loß Disteile, i wolt Di wol meh [mehr] sagen, o sag abel noiz. [257]

Christeil schenkt dem Mädchen nun doch ein wenig Aufmerksamkeit und so beschuldigt es noch zwei weitere Personen. Wie diese Aussage zeigt, hatten sogar 4-jährige Kinder eine klare Vorstellung wie man zum Hexensabbat gelangen konnte. Sagte dieses Mädchen doch, dass seine "Ahna" es auf einen blauen Stecken setze und auch Großvater, Vater und Mutter auf einem Gefährt zum Sabbat gelangen. Doch auch vom Sabbat selbst hatte das Kind bereits Vorstellungen. So berichtet es: 

Es sizt ein söner Dönig da. [...] I muß ihm nur das Fingerlin bitin. [...] Mein Hans Martin muß allemal sein drosse und dleine Deigen [Geige] mit hinausnehmen und muß zu Tanz machen. Der Dönig machet au auf. Darna tazet mei Hans Maltel mit der Balbel und der Lisa. [258]

<47> 

In der Vorstellung des Kindes nimmt der Teufel also die Gestalt eines schönen Königs an. Hans Martin, vermutlich sein Bruder, nimmt Musikinstrumente mit zum Sabbat und spielt dort zum Tanz auf. Ob diese Aussagen bereits genügten um gegen die genannten Personen einen Prozess einzuleiten geht aus den Unterlagen leider nicht hervor. Fraglich bleibt auch, aus welchen Gründen das Mädchen diese Aussagen machte. Da es jedoch noch sehr jung war, ist anzunehmen, dass es lediglich Aufmerksamkeit erregen wollte. 

5.2.2. Aussage der 10-jährigen Entgen Lenart

Durchaus ernst genommen wurden vor Gericht jedoch die Aussagen der 10-jährigen Entgen Lenart, welche am 7. Mai 1653 verhört wurde. Entgen hatte keine leichte Kindheit hinter sich. Sie war Halbwaise, da ihr Vater zwei Jahre vor dem Verhör erschossen wurde. Ihre Mutter lernte bald darauf einen anderen Mann kennen, welchen sie auch heiratete und mit diesem den Ort verließ, ohne jedoch ihre Kinder (Entgen und ihre beiden Geschwister) mitzunehmen. Entgen war daher gezwungen, sich in Folge selbst durch Betteleien am Leben zu erhalten. Es ist anzunehmen, dass Entgen auch auf einem ihrer Bettelzüge festgenommen wurde. Sie wurde in den Frankenturm in Köln gebracht und dort zuerst zu den Vorgängen am Hexensabbat verhört. [259] Entgen gab zu Protokoll, dass "Ihre Mutter sie zuuorderst aufm hexen danß geführt, vmb alda dessen genuglichkeit vnd freundtlich Spielen anzuhoren, vnd dahin zuerscheinen." Außer von der Mutter wurde sie auch einmal von zwei Frauen zum Hexentanz geführt. Dort war es ihre Aufgabe, beim Auftragen der Speisen zu helfen. Im Gegensatz zu manchen anderen Kindern beschreibt Entgen den Teufel als böse, denn wenn sie "ihm aufdragen eine schußel fallen lassen seye sie vom boeßen geschlagen vnd vbel tractirt worden." Entgen durfte auch vom Fleisch und den Getränken kosten, jedoch habe das Fleisch "einen schmach gehab alßwan eß von einem foulich [Kadaver] gewesen, der dranck aber [habe] alß piß [geschmeckt]." Weiters hatte sie am Sabbat Gott und den Heiligen absagen und sich dem Teufel mit Leib und Seele hingeben müssen, welcher sie auch "ahm bein gepitzet daß eß gebludet vnd damitten ein briefgen wegen vorgemelten absagens geschrieben, hab ihro auch selbig mahl den in der hl tauf empfangenen cresum von der stirnen abgecratzet vnd seine vnzucht [...] betrieben."

Die Frage, ob sie selbst "auch iemandtem etwas boeß gethan oder zugefuegt" habe, verneint sie mit Ausnahme ihres Bruders, welchem sie "daß feber angehexet, wie sie demselben einige hembder zübracht, vnd dieselbe auß anstifttung deß teuffels mit Pont salff angestriechen." Am schwersten belastet Entgen jedoch ihre Mutter, welche nach Aussage Entgens nicht nur die Erste war, die sie auf den Hexentanz mitgenommen hatte, sondern Entgen gab auch zu Protokoll, dass sie "auß geheisch ihrer Mutter wol einige Kinder zu dem endt geroiffen welche mit auf die denß gefuhrt, vnd daselbsten Gott abgesagt, aldo daß bluth von Jhnen genomen, vnd die absagung Gottes damitten geschrieben." Entgen wurde also nicht vom Teufel, sondern von ihrer eigenen Mutter dazu angehalten, andere Kinder zu verführen!

Auf die Frage, wie "lang eß verlitten daß sie daß hexen gelernet" antwortet sie "beinahe zwei ihar." Die Richter halten ihr entgegen, dass dies kaum möglich sei, da sie ja ausgesagt hätte, dass ihre Mutter sie schon vor zwei Jahren verlassen habe. Doch Entgen weiß sofort eine Erklärung: "Ihre Mutter komme in katzen oder honts gestalt vnd offenbare Ihro zuuorderst in welcher gestalt sie erscheinen wolle, damitten sie sich nit erschrecken moge, vnd wan sie mit ihr reddet so redde sie in menschlicher gestalt, ihm abscheidt aber flige sie mit dem henker vort." Am Schluss des Protokolls wird Entgen noch gefragt, ob alles wahr sei und sie "willig seye darauf zu leben vnd zu sterben" was Entgen bejaht. Am 18. Feber 1655 wird Entgen Lenart daher "durch Scheffen vrtheil condemnirt vnd zu Melaten vfm Rondeel durch dem Scharfrichter entheubt folgents aber der leib verbrandt."

Auffallend an diesen Aussagen ist, dass Entgen vor allem ihre Mutter schwer belastete, was jedoch damit zu erklären ist, dass diese sie verlassen hatte um nach dem Tod von Entgens Vater mit einem anderen Mann ein neues Leben zu beginnen. Wie das Verhältnis zu ihren Geschwistern war, ist den Aussagen kaum zu entnehmen. Da sie jedoch nur ihrem Bruder Fieber angehext hatte, ist davon auszugehen, dass das Verhältnis zu diesem etwas schlechter gewesen sein dürfte, als zu ihrem anderen Bruder beziehungsweise ihrer Schwester. Möglich ist auch, da Entgen angibt ihn verhext zu haben, als sie ihm einige Hemden brachte, dass sie sich um ihren Bruder kümmerte, dieser Aufgabe aber überdrüssig war. Vielleicht hatte der Bruder auch etwas an ihrer Arbeit auszusetzen, sodass sich Entgen an ihm rächen wollte. - Doch müssen dies wohl Spekulationen bleiben. - Es ist den Aussagen leider ebenfalls nicht zu entnehmen, ob die Geschwister gemeinsam bettelten oder ob Entgen vielleicht zu einem ihrer Geschwister überhaupt keinen Kontakt hatte. Die Aussagen selbst enthalten alle Bestandteile des Teufelsglaubens: Hexensabbat, Teufelsbuhlschaft, Verschreibung mittels Blut, Hexenflug, Tierverwandlung, die Speisen schmecken meist schlecht. 

<48> 

Dass Entgen bereit war, auf ihre Aussagen hin zu sterben, sogar "wie balder wie lieber" könnte einerseits darauf hin deuten, dass Entgen bewusst war, dass sie nach diesen Aussagen kaum mehr freikommen konnte. Wahrscheinlicher ist aber, dass Entgen keinen Sinn mehr in ihrem Leben sah, sich aller Wahrscheinlichkeit nach auch einsam fühlte nachdem sie nicht nur ihren Vater verloren hatte, sondern auch noch von ihrer Mutter verlassen wurde und daher lieber tot sein wollte, als weiterhin ein Leben als Bettelkind zu fristen. Als Motiv für die Beschuldigung der Mutter kann die Arbeitsthese nicht angewandt werden, da es sich in diesem Fall eindeutig um einen reinen Racheakt handelte, bei welchem die ursprüngliche Schuld bei der Mutter lag, indem sie Entgen verließ, um ohne ihr ein neues Leben anzufangen. Daher liegt kein unmoralisches Verhalten seitens Entgen vor, welches als Grundbedingung der Arbeitsthese anzusehen ist.

5.2.3. Aussage des 11 - 12-jährigen Peter von Rodenkirchen

Als Abschluss der Betrachtungen der Aussagen einzelner Kinder seien noch die Aussagen des 11 - 12-jährigen Peter kurz wiedergegeben, um zu zeigen, dass es in den Vorstellungen vom Hexensabbat zwischen Jungen und Mädchen kaum Unterschiede gab. Peter wurde am 14. Juni 1645 zum ersten Mal verhört [260] und sagte bezüglich seiner Lebensumstände aus, dass er elternlos sei und bei einer Pflegefrau lebe, welche sich wie er vom Betteln ernähre. Verhaftet wurde Peter, da er Geld aus einem Opferstock für die Armen in der Kirche gestohlen hatte. Aus einem Prozess wegen Diebstahls wurde jedoch schon bald ein Hexenprozess, da Peter zugab, von einem anderen Jungen gelernt zu haben, wie man Hasen mache. Diese Kunst habe er selbst einem weiteren Jungen beigebracht. Für die Richter war klar, dass man Hasen nur mit Hilfe des Teufels machen könne, weshalb sie sofort auch auf diesen zu sprechen kamen. Peter gibt zwar zu, am Sabbat gewesen zu sein, jedoch hätte er keine Lust gehabt mitzutanzen, sondern wollte lieber zusehen. Der Teufel habe ihm daher "die Thur ahn der müllen eroffnet vnd ihme eßen und drincken zubracht." Auf einem anderen Tanz, welcher "ahm Newmarckt" stattfand, hatte sich Peter dem Teufel verschrieben. Er musste dabei "vor den teuffel welcher auf einem stoil gesessen, knehen vnd diese worth sprechen [...] wollte Gott absagen, vnd ihme hiefuro dienen." Der Teufel habe ihn auch "vfm heubt" angegriffen "dauon er ein Linckzeichen behalten." Zu diesem Tanz hatte er auch die beiden anderen Jungen mitgenommen, welche dort ebenfalls Gott abgesagt hatten und sich dem Teufel ergaben. Der Teufel habe ihm weiters ein Mädchen, namens Catharina, zugeführt, welches in Folge seine Buhlin wurde.

Es zeigt sich also auch in diesem Fall, dass alle Vorstellungen eines Hexensabbats in den Aussagen enthalten sind: Tanz, Essen und Trinken, Buhlschaft, Absage Gottes und Verschreibung an den Teufel sowie Teufelszeichen. Diese Aussagen reichten völlig, um auch Peter am 18. Dezember 1647 mit dem Schwert hinrichten zu lassen. Auch in diesem Fall trifft die Arbeitsthese nicht zu, da Peter erst nach seiner Verhaftung und daher vermutlich erst unter dem Druck des Verhörs beziehungsweise sogar erst unter der Folter andere Kinder beschuldigte. Wie bereits gezeigt wurde, hatten Inquisiten in diesem Fall kaum eine andere Möglichkeit als weitere Personen zu denunzieren. 

Auffällig an den letzten beiden Aussagen ist, dass es sich beide Male um Kinder handelte, welche sich ihren Lebensunterhalt durch Betteln verdienten und dass alle Kinder sich selbst der Hexerei bezichtigten. Dies ist jedoch nicht weiter verwunderlich, denn "schließlich ist genau dieser Umstand der Selbstbezichtigung ein wesentliches Merkmal der Kinderhexen, das bislang auch in der kaum vorhandenen Forschung zu Fragen Anlass bot. Aus heutiger Sicht sind die Motive für die Selbstaussagen der Kinder noch nicht klar erforscht." [261] Der Erforschung dieser Gründe geht auch Hartwig Weber in seinem Buch nach. Er stellt dabei einen Zusammenhang zwischen den Selbstbezichtigungen der Kinder und ihrer Art für den Lebensunterhalt aufzukommen her, indem er meint, dass ihre Selbstanklagen "von dem Vorhaben geleitet [waren] sich ein wie auch immer geartetes Auskommen, Unterkunft samt Verpflegung, zu verschaffen. Deshalb legten sie es darauf an, wegen Schadenzauberei und Teufelspaktes inhaftiert zu werden. Wie es in den Akten heißt, war dieses verwahrloste, verarmte junge Gesindel nur deshalb auf die Einkerkerung so begierig, weil zu hoffen war, sie würden sich endlich einmal wieder richtig sattessen können." [262]

<49> 

Ob dies tatsächlich als Grund angesehen werden kann, sei jedoch dahingestellt, denn wie gezeigt wurde, wuchsen Kinder im Glauben an Hexen auf und mussten auch vielen Hinrichtungen beiwohnen. Ihnen musste daher auch bewusst gewesen sein, in welche Gefahr sie sich durch ihre Aussagen begaben. In wie weit Bettelkinder hoffen konnten sich an der kargen Gefängniskost satt essen zu können, müsste ebenfalls in einer eigenen Studie untersucht werden, in welcher vor allem dem "Erfolg" der Betteleien der Kinder nachgegangen werden müsste. Weber meint weiters, dass die Kinder, vor allem wenn sie in Gruppen auftraten, "ihre Aussagen wechselseitig erweiterten, ergänzten und sich gegenseitig bestätigten." [263] Dass jedoch auch dies nicht immer vor einer Hinrichtung schützte, werden die weiteren Darstellungen zeigen. In weiterer Folge führt Weber nur mehr jene Gründe an, welche bereits in Kapitel IV. genannt wurden. Was Kinder daher tatsächlich veranlasste sich als Hexen beziehungsweise Hexer auszugeben, muss vorerst unbeantwortet bleiben.

5.2.4. Hexenprozesse gegen Kindergruppen

Wurden Kinder in Gruppen verhaftet, so handelte es sich hierbei zumeist ebenfalls um Gruppen von Bettelkindern, wie unter anderem der Zauberer-Jackl-Prozess in Salzburg (1675 - 1689), der Braunauer Prozess gegen fünf Bettelbuben (1699/1700) sowie die beiden Freisinger Kinderhexenprozesse (1715 - 1723), welche im Folgenden kurz betrachtet werden sollen. [264]

5.2.4.1. Der Zauberer-Jackl-Prozess [265]

Dieser Prozess rankt sich um die legendäre Gestalt des Jakob Koller, welcher als Anführer der Bettelbuben galt, selbst jedoch nie gefasst werden konnte, obwohl auf seine Festnahme sogar Prämien in beträchtlicher Höhe ausgesetzt waren. Einer der festgenommenen Jungen - Christian Fleiß - erklärt diesen Umstand damit, dass sich Jackl, wie Jakob Koller genannt wurde, unsichtbar machen könne. Er hätte dies auch getan, als sie bei einem Bauern aßen und vom Gericht hundert Mann gekommen wären, um Jackl zu verhaften. Dieser habe die Stubentüre aufgemacht und zu denen gesagt: "Geht nur her, ihr werdet mir nicht schaden! Darauf habe sich Jackl 'verblent' (unsichtbar gemacht). Die 100 Mann hätten länger als eine Stunde herumgesucht. Jackl sei immer unter ihnen ganz unsichtbar umhergegangen. Letztlich hätten die Suchtruppen einen Stein mitgenommen, in der Meinung dieser wäre Jackl." [266] Um sich unsichtbar zu machen, benützte Jackl öfters auch ein "schwarzes Käppl". In der Vorstellung der Kinder nimmt Jackl immer mehr die Eigenschaften des Teufels selbst an. So sei Jackl "ihnen stark nachgeeilt und habe sie angesprochen, ob sie nicht etwas lernen wollten. Während Jackl sie das Katzen-, Mäuse- und Schwarze-Vögel-Machen gelehrt habe, habe er sie nach ihren Namen gefragt und mit einem Messer gemärkt." [267] - Eine deutliche Parallele zum Zeichen, mit welchem der Teufel seine Hexen und Zauberer merkte. - Oftmals bietet Jackl den Kindern auch Geld an, wenn sie mit ihm gehen wollten, an anderer Stelle wird er brutaler und zwingt sie dazu, da er sie ansonsten umbringen werde.

Anstelle von Jackl wurden immer mehr Kinder eingezogen. Das erste Mitglied der Bande, welches nicht nur verhaftet, sondern am 15. September 1677 auch hingerichtet wurde, war der 12-jährige Dionysus Feldner. Ihm folgte noch im selben Jahr Matthias Thoman Hasendorfer, welcher im Verhör etliche weitere Komplizen nannte und so wesentlich dazu beitrug, den Prozess ins Rollen zu bringen. Veitl Lindtner und Georg Eder, alias Meister Hämerl, waren ebenfalls zwei Malefikanten, deren Hilfe sich die Kommission ein volles Jahr lang bediente, da beide bereitwillig andere Mitglieder denunzierten. "Vielleicht versuchten Hämerl und Veitl, durch ihre großzügigen Angaben und Beschuldigungen ihr Leben zu retten, aber als die Kommissare ihre Hilfe nicht mehr bedurften, mußten sie sterben." [268]

Insgesamt mussten in diesem Prozess 139 Malefikanten ihr Leben lassen. 39 dieser Malefikanten waren zwischen zehn und vierzehn Jahren. Unter den Eingezogenen befanden sich jedoch auch fünfzehn Kinder unter zehn Jahren, die beiden jüngsten Kinder waren der 2-jährige Matthias Kärfues und der ca. 3-jährige Georg Debellack. Erschreckend ist in diesem Fall nicht nur der Umstand, dass man selbst Kindern, die kaum des Sprechens mächtig waren, zutraute hexen zu können und Schaden anzurichten, sondern auch, dass bereits so junge Kinder sich selbst überlassen waren und in Gruppen von Bettlern lebten. Hierbei stellt sich jedoch die Frage, ob es sich um Kinder handelte, deren Eltern ebenfalls eingezogen wurden und welche mit ihnen gemeinsam bettelten, oder ob es sich bei den Altersangaben um Irrtümer handelte, da nicht anzunehmen ist, dass sich 2 beziehungsweise 3-jährige Kinder bereits selbst ernähren konnten. 

<50> 

Das Urteil in diesem Prozess richtete sich nach dem Alter der Kinder. Jene unter zehn Jahren kamen mit dem Leben davon und wurden in Pflegefamilien gegeben sowie ausgiebig in der Religion unterwiesen. Kinder zwischen zehn und vierzehn Jahren wurden vor der Verbrennung entweder erdrosselt oder mit dem Fallbeil geköpft, wobei sich kein eindeutiger Trend bei der Hinrichtungsart abzeichnet. Jedoch wurden jüngere eher mit dem Fallbeil geköpft, da dieses als die mildeste Hinrichtungsart galt. Kinder über vierzehn Jahren wurden vor der Verbrennung ausschließlich erdrosselt. Auffällig dabei ist, dass kein einziges Kind lebend verbrannt wurde. 

5.2.4.2. Hexenbubenprozess von Braunau [269]

Leider fehlen zu diesem Prozess die Akten und so konnten die Abläufe lediglich aus den Rechnungsbänden des Pfleggerichts Braunau rekonstruiert werden. Trotzdem soll dieser Prozess auch hier kurz erwähnt werden, da an ihm deutlich wird, auf welch skurrile Weise man zum Teil zu Geständnissen und auch zu Verurteilungen kam. Verwickelt waren in diesen Prozess fünf Bettelbuben, von denen leider auch eine Altersangabe fehlt. Um die "verstockten" Buben zum Sprechen zu bringen, wurde angeordnet, Hasel- und Birkenruten bereitzuhalten, welche vorher jedoch in Heiligdreikönigwasser einzutauchen seien. Das heißt es wurde auch bei Kindern bereits eine Art Folter angewandt um zu Geständnissen zu gelangen, wie später noch näher ausgeführt wird. Interessanter erscheint jedoch die Anordnung, den am stärksten Verdächtigen mit Schweinekot einzureiben. Die Frage, ob sich dahinter die Vorstellung verbirgt, dass der Teufel durch den Geruch vertrieben werden soll, muss hier leider unbeantwortet bleiben. Für den weiteren Verlauf des Prozesses ist außerdem entscheidend, dass "die Burghauser Regierungsjuristen [...] das Verfahren [bestimmten], das in Braunau in die Praxis umzusetzen war. Die Regierungsräte trafen also ihre Entscheidungen allein nach der Aktenlage, ohne die Beschuldigten überhaupt zu Gesicht zu bekommen."

Ausreichende Rutenstreiche erreichten auch in diesem Fall ein Geständnis der Kinder: drei der fünf Hexenbuben sollten hingerichtet werden, zwei davon mit dem Schwert enthauptet, der dritte erdrosselt. Anschließend waren die Körper der Kinder zu verbrennen. Die beiden anderen Kinder sollten angesichts der brennenden Scheiterhaufen ausgepeitscht und ermahnt werden, von ihrem gottlosen Lebenswandel abzulassen. Aus diesem Urteil kann geschlossen werden, dass die Kinder unterschiedlichen Alters waren und die beiden Kinder, denen das Leben geschenkt werden sollte, vermutlich noch jünger als zehn Jahre waren. Doch es sollte anders kommen. Ganz im Gegensatz zu den damaligen Gepflogenheiten weigerte sich Michael Bauer - er sollte erdrosselt werden - "sich zu einem seligen Ende präparieren zu lassen und die angebotene Vorbereitung anzunehmen." Das bedeutet, er weigerte sich, vor seinem Tod zu beichten und die heilige Kommunion zu empfangen. Angesichts dieser Tatsache herrschte nun große Ratlosigkeit, da sich die Obrigkeit für das Seelenheil der Verurteilten verantwortlich fühlte. Die Hinrichtung wurde daher vorerst um einen Tag verschoben, um den Geistlichen Gelegenheit zu geben Michael doch noch zu bekehren. Offenbar hatten sie auch Erfolg, denn am 19. Februar 1700 werden alle drei Kinder hingerichtet. Die beiden anderen werden "empfindlich mit Ruten gezüchtigt" und in das Braunauer Gefängnis zurückgebracht um zu beobachten, ob sich bei ihnen eine Besserung einstellt. Für eines der beiden Kinder fällt dies jedoch negativ aus und so wurde es am 13. August 1700 ebenfalls durch das Schwert hingerichtet. Lediglich Joseph Stoiber kam bei diesem Prozess mit dem Leben davon. 

5.2.4.3. Kinderhexenprozesse in Freising [270]

Die Freisinger Prozesse gliedern sich in zwei Prozesse, wobei der erste von 1715 - 1717 und der zweite von 1721 - 1723 dauerte. Im ersten Prozess waren fünf Bettelbuben zwischen neun und vierzehn Jahren angeklagt, welche vor einheimischen Kindern behaupteten, magische Fähigkeiten zu haben und Mäuse beziehungsweise Ferkel machen zu können. Es waren schließlich auch jene Stadtkinder, welche die Gerüchte über die magischen Fähigkeiten der Bettelbuben in Umlauf brachten, und so kam es am 03. Dezember 1715 zur Verhaftung von Andre und Lorenz. Die beiden Kinder nannten bereitwillig weitere Kameraden, und Andre erzählte von seinen Träumen. Dies kam jedoch schon einem Geständnis gleich, und die Richter bohrten weiter: "Ob er vom bösen freundt nit öffters besucht worden und vielleicht gar sich underschriben habe?" Andre antwortete: 

Der böse Freund in Gestalt eines Bettelweibes habe ihne [...] rechterseits im Pauch [...] gekhrazt, daß ein Nadldupf voll Bluet herauskhommen, so sye abgewischt und mit einem kleinen Föderl auf einem Papier hin und hergekratzt, die ihne gefragt, wie er haißt, und er hat geantwortt, Andre; wie sye ihme dann dises Föderl in die rechte Handt geben, ihme selbe auf dem Pappier hin- und hergefirth, und auf seine Frage, was es bedeutt, geantwortt, Deinen Bluetstropfen schreibe ich auf disen Zötl [...], darauf sye ihne gefragt, ob es ihme recht seye, der gesagt 'ja' [...]. [271]

<51> 

Aufgrund der Aussagen der beiden Kinder wurden schon bald Balthasar, Antoni und der schon 23-jährige Georg Pröls, auch als "krumppe Görgl" bezeichnet, verhaftet. Die Kinder waren zwar in Einzelzellen untergebracht, konnten sich aber dennoch untereinander verständigen, und so wuchs mit der Zeit ein kritisches Bewusstsein ihrer Lage. Die Folge war, dass sie gemachte Aussagen widerriefen oder häufig änderten. Die Obrigkeit reagierte darauf, indem sie versuchte, mit Konfrontationen den Widerstand der Gefangenen zu brechen. "Dabei wurden zwei oder mehr Kinder gegenübergestellt, die sich gegenseitig ihre Behauptungen und Beschuldigungen vortragen mußten. Die Obrigkeit erhoffte sich davon eine freiwillige Angleichung der einzelnen Aussagen durch die Buben selbst. Aufgrund dieser neuen Maßnahme bedrohte nun auch der befreundete Kamerad die eigene Glaubwürdigkeit, die Gruppe konnte keinen Halt mehr bieten." [272] Die Folter, in diesem Falle mit Spitzruten, bewirkte ein Übriges und so gestanden die Kinder schließlich. Der 13-jährige Andre erhängte sich am 12. August 1717 in seiner Zelle. Georg Pröls wurde freigelassen, Antoni erlag in seiner Zelle einer Krankheit. Drei Kinder wurden am 12. November 1717 mit Schwert und Feuer hingerichtet, zwei andere, darunter auch Veit Adlwart, mussten der Hinrichtung zusehen und wurden mit Ruten gezüchtigt und anschließend in geistliche Aufsicht entlassen.

Der zweite Freisinger Hexenprozess begann vier Jahre später durch die erneute Einziehung von Veit Adlwart, welcher vorerst wegen Diebstahls verhaftet wurde. Aus unbekannten Gründen wurde die Anklage jedoch schon bald in Hexerei umgewandelt und weitete sich schnell aus. Es kann jedoch vermutet werden, dass die Umwandlung in einen Hexenprozess mit Veits erster Inhaftierung zusammen hing. Veit konnte dem Druck der Obrigkeit nicht lange standhalten und versuchte sich in seiner Zelle das Leben zu nehmen, indem er sich mit den Fingernägeln die Adern der Nase öffnete. Der Selbstmordversuch misslang jedoch und hatte zur Folge, dass man Veit "in die neueingerichteten Spezialzellen im Keller des Hexenturms, in denen sie [die Gefangenen - Anm. d. V.] völlig isoliert und unter ständiger Bewachung gehalten wurden" [273], verlegte. Die übrigen Kinder sprachen sich anfangs nicht nur in ihren Aussagen ab, sondern berichteten sich auch gegenseitig von den eigenen Verhören. "Der Schuri, erzählte Georg Zechetmayr [...] habe zue deme Peterl gemelt, man würdte ihme vorsagen, daß er auf Hexendänz gewest. Der geandtwohrt, wann ich aber nichts waiß, der Peterl [274] aber repetiret, er waiß auch nichts, habe es dennoch sagen müssen, man wirdt dises schon lehrnen." [275]

Die ersten Todesurteile erfolgten im September 1721, Veit Adlwart wurde am 15. Dezember 1721 hingerichtet. Ein Ende der Verhaftungen und Hinrichtungen war erst in Sicht, als immer mehr Angehörige höherer Schichten in diesen Prozess verwickelt wurden. "Von über hundert Verdächtigten wurden zwar die meisten freigelassen, darunter alle alten Frauen, hingerichtet wurden schließlich drei Bettlerinnen mittleren Alters und acht 'Zauberbuben' zwischen 14 und 23 Jahren mit einem Durschnittsalter von 16 Jahren." [276]

5.2.5. Vergleich der Prozesse

Vergleicht man nun diese drei Prozesse so fällt auf, dass in erster Linie Bettelknaben in die Prozesse verwickelt waren. Ob es sich hierbei um ein Produkt des Zufalls handelt, oder bettelnde Mädchen tatsächlich weniger oft eingezogen wurden, beziehungsweise ihre Zahl unter den Bettelkindern generell niedriger war, müsste in einer speziellen Studie untersucht werden. Eine annähernde Auswertung ist hier lediglich für den Zauberer-Jackl-Prozess möglich. Nagl selbst hatte bereits berechnet, dass "95 Malefikanten, also mehr als zwei Drittel, männlich waren, dagegen nur 38 der 133 hingerichteten Delinquenten weiblich." [277] Wendet man diese Untersuchung auch beziehungsweise nur auf die Kinder an, so kann festgestellt werden, dass sich unter den 39 hingerichteten Kindern unter vierzehn Jahren lediglich sechs Mädchen befanden. [278] Dies entspricht einem Anteil von rund 15 %. In wie weit hieraus verallgemeinernde Aussagen getroffen werden können, muss vorerst dahin gestellt bleiben. Auch können mögliche Gründe für dieses Verhältnis in dieser Arbeit nicht untersucht werden, obwohl sie sicherlich interessante Ergebnisse bringen würden.

a) Folter und Todesstrafe bei Kindern

<52> 

Eine weitere Gemeinsamkeit der Prozesse ergibt sich durch die Tatsache, dass kein verurteiltes Kind, im Gegensatz zu unzähligen Erwachsenen, bei lebendigem Leibe verbrannt wurde und auch die Folter in abgewandelter Form angewandt wurde. Wie bereits erwähnt, beschäftigte sich Peter Binsfeld als erster mit der Frage, ob Kinder ebenfalls der Tortur unterworfen werden sollen, welche er grundsätzlich bejahte. Er meinte hierzu: 

[fol. 111 r]: 

Es gibt die erfahrung/ daß etliche Zauberer vnnd Hexen die Knaeblein vnnd Maegdtlein zu jren Versamlungen mit fuehren: Von welcher Sachen gewissenschafft / beruff ich mich auff die Processen vieler Richter dieser zeit / vnd die gemeine wissenheit dieser Statt Trier / welcher widerstreben ist ein grosse thorheit vnd halßstarrigkeit. Auch mangele nicht an Gelehrten / die halten das zeugnuß der minderjaerigen mache ein anzeigung zur peinlicher frage. Vnd wirdt bewaeret zu unserem Vorhaben: In dem Laster verletzter Maiestat /wirt mit peinigung zu zeugen angenommen / ein 14 jaeriger vnnd minder. Jedoch wirdt der minderjaeriger nicht gepeinigt / als ein alter. Der minderjaeriger wirdt bewegt mit Drauworten / mit Ruthen oder mit ledderen Riemen gestrichen. Und daß zu dem Endt vnd Effect / daß er ein anzeigung mache. [279]

Dass es jedoch kaum nur beim Zeigen der Ruten blieb, ist aus vorgenannten Prozessen bereits ersichtlich. Bei dieser Foltermethode darf allerdings nicht vergessen werden, dass diese angesichts der familiären und schulischen Erziehungsmaßnahmen von Zeitgenossen wohl kaum als solche empfunden wurde. Allerdings blieb es auch nicht immer "nur" bei Rutenschlägen. So wird beispielsweise von einem Mädchen - dem Butzen Madel - berichtet, dass sie "in der tortur dermassen in schlaff gerathen, daß sie wider herunter gelassen, mit ihren kleidern angethan, in die rathsstueben hinauf schnarchendt und unempfindlich getragen, und nachdem sie uff die 28 stundt geschlaffen, wider erwacht [...]." [280] Aus dieser Schilderung lässt sich schließen, dass scheinbar auch Kinder in der Folterkammer aufgezogen wurden, nachdem man das Mädchen "wieder herunter ließ" als es unter der Tortur ohnmächtig wurde. Außerdem kann daraus entnommen werden, dass man auch Kinder unbekleidet folterte. Diese Beschreibung stellt jedoch eine sehr harte Form der Folterung dar, denn in den meisten übrigen Schilderungen werden Kinder in erster Linie "empfindlich mit Ruten gestrichen". Diese wurden, wie im Braunauer Prozess, zuerst in geweihtes Wasser geweicht, beziehungsweise waren, wie im Freisinger Prozess, mit Spitzen beziehungsweise Dornen versehen. [281] Das Problem des Strafausmaßes wurde auch in Zedlers Universal-Lexikon Mitte des 18. Jahrhunderts behandelt in welchem es heißt:

Hierbey ist nun zufoerderst die Materie, so von des Alters Unterschied im Articel [...] zu wiederholen, und demnach zu wissen, daß von Rechts wegen eine junge Hexe oder Zauberer, so die Jahre der Kindheit, als das 7 Jahr nicht ueberschritten, mit keiner Gerichtlichen Straffe belegt werden moege. Denn in selbigem Alter hat die Gefaehrde nicht statt. Aber mit Vaeterlichen oder Schulmeisterlichen Straffen und Zuechtigungen kan und soll auch dasselbe Kind zu bessern Sitten gebracht werden. Eine 14jaehrige Person aber, oder die nahe bey 14 Jahren, und eines boshafften Gemueths waere, auch sonst etwan abscheuliche und gefaehrliche Umstaende dabey einlieffen, koennte nach der gemeinen Rechte mit der ordentlichen Straffe belegt werden, sonderlich da keine Hoffnung der Besserung, wie dißfalls leider die Erfahrung zeiget, vorhanden waere. [282]

<53> 

Unter Berufung auf den Salzburger Zauberer-Jack-Prozess wird weiters darauf hingewiesen, dass Minderjährige nicht immer sofort hinzurichten seien, sondern, dass man versuchen sollte, sie zu bessern, indem man sie zu "ehrlichen Leuten" gibt: 

[...] daß zu Salzburg diejenigen jungen Hexen und Zauber=Buben, so annoch die Vogtbarkeit oder das 14 Jahr nicht erreichet, und dennoch bey ziemlicher Boßheit und Verstand gewesen und guetlich bekennet haben, daß sie diesem Laster beygethan, zu ehrlichen Leuten in Correction und Zucht gegeben worden, aus Hoffnung, daß sie mit anwachsenden Jahren ihre verderbte unverstaendige Weise lassen wuerden; aber umsonst, massen sie von Jahren zu Jahren aerger geworden, und von ihren teuflischen einmahl erlernten Possen nicht mehr abzuwenden gewesen; dannenhero damit man deren Seelen noch gewinnen moegen, habe man die an dergleichen Alter sonst zu erzeigende Barmhertzigkeit bey Seiten gesetzt, und selbige vermittelst des Fall=Beiles hingerichtet. [283]

Der Graf von Oettingen-Wallerstein wollte diese Altersregelung jedoch umgehen, indem er vorschlug, die Kinder bis zu ihrer Volljährigkeit in Haft zu halten und sie erst dann hinzurichten. [284] Auch die Carolina selbst, welche jedoch in erster Linie Richtlinien für jugendliche Diebe enthielt, forderte keine strikte Einhaltung der Altersgrenze, denn "waren die Umstände des Delikts so beschaffen, daß boßheyt das alter erfüllen möcht, so sollten die Richter beratschlagen, ob der Verbrecher nicht trotz seiner Jugend oder Kindheit an Gut, Leib oder Leben abzustrafen sei." [285]

Anlass zur Beschäftigung mit der Frage, wie Kinder zu bestrafen seien, gab auch ein Prozess gegen den Lehrer Beschorn in Lemgo (Deutschland) im Jahre 1654, welcher im Verhör gestand, seinen Schülern das Zaubern beigebracht zu haben. Die Kinder wurden daher eingezogen, und viele konnten dem Druck der Verhöre nicht standhalten und gestanden ebenfalls. Die Obrigkeit holte darauf hin verschiedene Gutachten ein, welche jedoch unterschiedlich ausfielen. So hieß es in der Stellungnahme der Stadt Lemgo: "Es sei nicht zweckmäßig, allein auf die Aussage der Knaben hin 'zu procediren vnd zuverfahren'. [...] Der Rat wies darauf hin, daß die Aussagen der Knaben 'sehr divulgiret vnd vnter die leute gebracht' worden seien, und bat den Grafen um Diskretion in der Sache, um Unheil zu vermeiden." [286] Hier wird also nicht nur die Todesstrafe, sondern schon die Einleitung des Verfahrens überhaupt abgelehnt. Ganz anders das Gutachten des Pfarrers Dreckmeier von Schötmar, welcher zwar eine Besserung der Kinder durch christliche Erziehung empfahl, selbst jedoch nicht wirklich an einen Erfolg glaubte. "Deswegen sollten sie zum Christentum zurückgeführt und dann heimlich getötet werden. Unter Berufung auf Exodus 22,17 [287] forderte er, daß das Gesetz an den Kindern erfüllt werde." [288] Die theologische und juristische Fakultät der Universität Helmstedt wählte einen Mittelweg. Kinder, welche das 14. Lebensjahr erreicht hätten und bei welchen eine große Bosheit spürbar sei, seien mit dem Tode zu bestrafen. Da die meisten Kinder jedoch jünger waren, sollten sie mit Ruten gezüchtigt werden und ihnen vorgehalten werden, dass auch sie die Todesstrafe verdient hätten. Außerdem sei es empfehlenswert, dass alle Kinder zur Abschreckung und Läuterung der Hinrichtung des Lehrers beiwohnen sollten. [289]

b) "Milde Urteile"

Wie bereits gezeigt wurde, hing auch im Zauberer-Jackl-Prozess die Art der Hinrichtung meist vom Alter der Delinquenten ab. Kinder unter zehn Jahren hatten noch eine geringe Chance mit dem Leben davon zu kommen. Kinder bis vierzehn Jahre wurden zum Teil mit dem Fallbeil, welches als mildeste Hinrichtungsart galt, vor der Verbrennung geköpft, ältere Kinder zuerst erdrosselt. Eine weitere Hinrichtungsmöglichkeit, welche scheinbar vor allem in Graz üblich war, stellt jene des 9-jährigen Mathiesel dar. Ihm sollten im warmen Bade die Adern geöffnet werden. Das Kind blutete jedoch nicht aus, und so ordnete die Regierung schließlich seine Einweisung in das Grazer Bürgerspital an. [290] Auch im Prozess gegen die Familie Messner im Jahr 1671 findet sich diese Hinrichtungsart wieder. Eingezogen wurde Martha Messnerin mit ihren beiden Töchtern sowie deren Kindern. Martha und ihre beiden Töchter wurden auf dem Scheiterhaufen verbrannt, nachdem sie zuerst erwürgt worden waren. Auch die beiden Enkelinnen, die 10-jährige Urschl Messnerin sowie die 13-jährige Urschl Dräxlin, sollten hingerichtet werden, "doch soll ihnen die Stadthebamme wegen ihrer Jugend im warmen Bade die Adern öffnen und sie zu Tod bluten lassen. Die Körper sind dann zu verbrennen." [291] Die Hebamme dürfte sich allerdings geweigert haben, den Kindern die Adern zu öffnen, so dass man beiden Kindern das Leben schenkte, wenn sie sich bessern und ein Ort zur ihrer Unterbringung finden lasse. Die Regierung ließ die Kinder bis zu ihrer "Besserung" ebenfalls ins Bürgerspital bringen. Ihr weiteres Schicksal ist leider nicht bekannt. Überliefert ist diese Hinrichtungsart auch aus Regensburg, wo man "einem unschuldigen 8jährigen Mägdgen, welches diese Zauberey auch schon gelernet haben sollte [...] die Adern [öffnete], daß es sich zu Tode bluten mußte." [292]

<54> 

Es zeigt sich also, dass trotz an sich genauer Richtlinien, wie Kinderhexen zu bestrafen seien, die Prozesse nicht immer automatisch mit einem Todesurteil enden mussten. So wurde "im Unterschied zu anderen Herrschaftsgebieten [...] im Württemberg des 17. Jahrhunderts die Todesstrafe an Kinderhexen jedoch nur selten ausgesprochen und vollzogen. [...] In der Regel waren die Bestrafungen von dem Zweck geleitet, die Minderjährigen durch Erziehung zu bessern und auf den rechten Weg zurückzuführen. [...] Straf- und Erziehungsmaßnahmen sollten das Gute stützen und das Böse bekämpfen." [293] Auch in der Reichsstadt Reutlingen sah man von einer Todesstrafe für Kinder zum Teil ab. "Statt dessen sollte man für etliche Jahre mit Unterricht, Gebet, Zuspruch und Disziplin auf Besserung hinarbeiten. Bessern sie sich aber nicht, so sollen sie später geköpft und anschließend verbrannt werden - jedoch nicht vor dem vierzehnten Lebensjahr." [294] Auch aus Graubünden (Schweiz) ist ein Fall überliefert, in welchem sogar die römische Inquisition fünfzehn Hexenkindern das Leben rettete. Rom erfuhr von den Graubündner Hexenkindern im Mai 1654 durch einen Brief des Nuntius in Luzern, in welchem stand, dass "die weltliche Obrigkeit der Räter [...] viele Jungen und Mädchen im Alter zwischen 8 und 12 Jahren als angebliche Hexen [...] zum Tode verurteilen [wolle]. Um dies abzuwenden, schlug der Nuntius vor, die Kinder sollten von dem Inquisitor in Mailand aufgenommen und - angesichts ihrer Armut - auch versorgt werden." [295] Nachdem Rom schon des Längeren versucht hatte, die Justiz in Graubünden von ihrem harten Kurs abzubringen, beauftragte Papst Innozenz X. den Nuntius "dafür zu sorgen, dass ihm die Kinder anvertraut würden, aber ohne dass dies an Bedingungen geknüpft werde - also ohne Verpflichtung, sie an die weltliche Justiz zurückzuschicken - , und sie dann nach Mailand zu schicken." [296]

Insgesamt wurden nach einigen Schwierigkeiten schließlich fünf Jungen und zehn Mädchen nach Mailand geschafft. Diese sollten im Glauben unterwiesen werden und anschließend bei "rechtschaffenen Männern und ehrbaren Frauen" untergebracht werden, um sich bei diesen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ebenfalls vom Feuertod verschont wurde in einem weiteren Fall die 10 - 12-jährige Greschl. Ihre Mutter war zusammen mit einem Landstreicher, welcher 1602 lebendig verbrannt wurde, eingezogen worden. Man warf beiden vor allem Wettermacherei vor. Greschl wird in den Prozess verwickelt und bestätigte mit weiteren Ausschmückungen die Angaben ihrer Mutter. Weiters nannte sie noch sechs weitere Teilnehmerinnen am Hexensabbat. Trotzdem blieb ihr der Feuertod erspart. Sie "wird vielmehr milde genug für die Unterbringung in einem Nonnenkloster in Aussicht genommen, damit sie ihrer boshaften Mutter nicht wieder in die Hände komme, und einstweilen mit Arbeit beschäftigt." [297] Auch im Falle des Mühlendorfer Zauber-Buben-Prozesses von 1716 finden wir ein außerordentlich mildes Urteil vor. Die Knaben wurden unter dem Verdacht des Mäusemachens, Vergrabens einer Hostie und des Wetterzaubers verhaftet. "Als Strafe scheint [jedoch] nur körperliche Züchtigung durch den Schulmeister verhängt worden zu sein, keine Todesstrafe!" [298]

c) Gründe für die Einziehung

Kehrt man nach diesem Exkurs zur Folter und Todesstrafe bei Kindern nochmals zu den Unterschieden beziehungsweise Gemeinsamkeiten der drei beschriebenen Prozesse gegen Gruppen von Kindern zurück, so lassen sich anhand dieser auch gut die Ursachen, welche zu einer Einziehung führen konnten, aufzeigen. Im Fall des Zauberer-Jackl-Prozesses gerieten die Kinder, wenn man so möchte, "en passant" in die Fangarme der Inquisition, da man eigentlich auf der Suche nach dem Anführer der Bettelbuben - Jakob Koller - war, diesen jedoch nicht fassen konnte. Durch die Aussagen der Kinder wurden schließlich immer mehr Personen in den Prozess verwickelt. Im zweiten Fall (dem Braunauer Prozess) ist die Ursache für die Einziehung leider nicht klar ersichtlich. Da es sich jedoch um Bettelkinder gehandelt hatte, kann angenommen werden, dass die Kinder eventuell bei kleineren Diebstählen ertappt wurden. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass die Kinder jemandem, der ihnen keine Almosen geben wollte, mit einem Fluch drohten und daraufhin ein Ereignis eintrat, welches die betreffende Person mit den Verwünschungen der Kinder in unmittelbaren Zusammenhang brachte und diese daraufhin anzeigte. Jedoch müssen dies Spekulationen bleiben. Im dritten Fall, dem ersten Freisinger Prozess, ist der Grund der Einziehung wieder klar erkennbar. Die Bettelkinder gaben von sich aus vor, magische Fähigkeiten zu haben. Die beeindruckten Stadtkinder brachten diese Gerüchte in Umlauf und veranlassten dadurch die Einziehung der Bettelkinder. Der zweite Prozess begann mit der Verhaftung Veit Adlwarts aufgrund eines Diebstahls und wurde erst später in einen Hexenprozess umgewandelt. 

<55> 

Da es sich bei allen drei Prozessen um Gruppen von Kindern handelt und gegenständliche Prozesse auch nur aus der Sekundärliteratur erschlossen wurden, können kaum Aussagen bezüglich der Arbeitsthese getroffen werden. Sicherlich wäre ein Zutreffen denkbar, da anzunehmen ist, dass auch bettelnde Kinder immer wieder abgewiesen wurden und die Menschen anschließend wegen dieser Abweisung ein schlechtes Gewissen hatten, welches sie durch die Anzeigung der Kinder bereinigen wollten. Um hierfür jedoch verbindliche Aussagen treffen zu können, müssten die Prozesse anhand der Akten näher untersucht werden. 

5.3. Reaktionen der Familienmitglieder

Abschließend stellt sich nun noch die Frage, wie die Eltern beziehungsweise die übrigen Verwandten auf ihre hexenden Kinder reagierten. Zum Teil wurde diese Frage bereits im vorigen Kapitel beantwortet, jedoch zeigt sich, dass sich auch die Reaktionen der Erwachsenen veränderten, als die besessenen Kinder nicht mehr als Opfer der Hexen galten, sondern auch selbst als Hexen beziehungsweise Hexer verurteilt wurden. Selbstverständlich können auch hier keine Aussagen getroffen werden, welche auf alle Familien zutreffen, da sicherlich jede Familie anders reagierte. Es braucht auch nicht mehr erwähnt werden, dass die meisten Familien mit Ratlosigkeit reagierten und verzweifelt waren, dass auch ihre Kinder dem Bösen in die Hände gefallen waren. Sie versuchten ihre Kinder durch allerlei Amulette vor weiteren Verführungen zu schützen, beziehungsweise hinderten sie nachts am Schlafen um zu vermeiden, dass ihre Kinder wieder zum Hexensabbat ausfuhren. Wie weit diese Angst ging, lässt sich auch daran erkennen, dass "sich Eltern [weigerten] ihr Kind in eine Schule zu schicken, die von einem 'Hexenkind' besucht wurde." [299]

Jedoch gab es auch Reaktionen, welche zeigen, dass viele Familien mit der neuen Situation überfordert waren und zu ihren Kindern auf Distanz gingen, ja diese regelrecht aus dem Hause jagten. So zum Beispiel der Vater der 8-jährigen Maria Salome Wagner: "als das Mädchen im Jahre 1668 allerhandt ungebührende reden über Hexerei und Zauberei im Munde führte und sich nicht beruhigen ließ, statt dessen aber immer mehr Leute des Dorfes wie auch zahlreiche Kinder der Nachbarschaft denunzierte, warf er das geschwätzige und ungehorsame Kind kurzerhand aus dem Haus." [300] Ein anderer Vater reagierte noch radikaler: "Du hexen, verbrennen muoß man dich" [301], warf er seiner 9-jährigen Tochter Elisabeth Widmar vor. Und an die Gerichtsbeamten gewandt meinte er: "Solch töchterlin [...] möge man hinthuon, wo man wolle, sie [die Eltern] gedenckhen das selbig nicht mer An: noch zuo sich zunemmen, vil weniger für Ihr kündt zue hallten." [302] Aus dieser Aussage spricht deutlich die Angst der Eltern, welche sich nicht mehr anders zu helfen wussten, als ihr Kind zu vertreiben. Mussten sie doch fürchten, dass ihr Kind seine Aussagen auch gegen die Eltern selbst richten und so die ganze Familie in einen Hexenprozess verwickeln würde, wie im nächsten Kapitel genauer untersucht werden soll.

6. HEXENFAMILIE - FAMILIE IN HEXENPROZESSEN

Wie das eye so das kücken,
wie das kücken, so der vogel,
also legt er eyer.

(Leitspruch während der Hexenverfolgung) 

6.1. Einführung

Wie schon in den vorigen Kapiteln angeklungen ist, betraf eine Einziehung beziehungsweise eine Verurteilung einer Hexe, egal ob einer erwachsenen Frau beziehungsweise eines erwachsenen Mannes oder eines Kindes, selten nur eine einzige Person, sondern hatte stets Auswirkungen auf die gesamte Familie. Dies begann damit, dass Kinder angaben, von ihrer Mutter das Zaubern gelernt zu haben, und Frauen gestanden, ihren Kindern das Hexen gelehrt zu haben. Des Weiteren hatte es für die Versorgung der Familie große Auswirkungen, wenn der Mann hingerichtet wurde, da es für die Frau meist kaum möglich war, einen eventuellen Betrieb beziehungsweise Hof alleine weiter zu führen. Doch auch unter der Verurteilung einer Frau hatte die gesamte Familie zu leiden. Nicht nur dass den Kindern die Mutter genommen wurde, fehlte auch die Arbeitskraft der Frau am Hof beziehungsweise im Betrieb. Wie die Familien auf die Einziehung einer/s Angehörigen reagierten, welche Möglichkeiten sie zur Verteidigung hatten, welche Erfolge sie zum Teil dabei erzielten und auch welche Auswirkungen, vor allem auf die Kinder, die Verurteilung eines beziehungsweise mehrerer Familienmitglieder hatte, soll in diesem Kapitel näher untersucht werden. 

<56> 

Es wurden jedoch nicht immer nur einzelne Familienangehörige, sondern auch ganze Familien in einen Prozess verwickelt und der Hexerei angeklagt. Dabei zeigte sich, dass sich die Behörden in diesem Fall bei der Auswahl der zu verhörenden Mitglieder in erster Linie am schwächsten Glied der Familie, in den meisten Fällen daher an den jüngsten Kindern, orientierten, da von diesen am leichtesten ein Geständnis zu erhalten war, durch welches auch die übrige Familie schwer belastet wurde und daher kaum noch einer Todesstrafe entgehen konnte. Auf solche Prozesse soll in diesem Kapitel ebenfalls näher eingegangen werden. 

6.2. Mütter als Lehrmeisterinnen

Wie nun schon mehrmals erwähnt, waren es laut Aussagen der Inquisiten in erster Linie die Mütter, welche ihre Kinder verführten und ihnen schon in frühen Jahren das Zaubern lehrten. Diese Meinung fußt, wie so viele andere auch, auf den entsprechenden Textstellen des Hexenhammers. So heißt es in den Vorschriften für die ordnungsgemäße Durchführung eines Verhörs: "Desgleichen befragt, wer seine Eltern seien, antwortete, sie seien am Leben in dem und dem Orte oder gestorben an dem und dem Orte. Desgleichen befragt, ob eines natürlichen Todes oder eingeäschert, sagte er, so und so. Hier merke, daß dies geschieht, weil [...] die Hexen meistens die eigenen Kinder den Dämonen darbringen, oder sie unterrichten, und gewöhnlich die ganze Nachkommenschaft infiziert ist." [303] Es ergeht daher an die Richter die Weisung, "auf die Familie, Abstammung oder auch Nachkommenschaft einer jeden eingeäscherten oder festgenommenen Hexe deshalb acht[zu]geben [...], weil solche meistenteils als infiziert befunden werden." [304] Dies führte auch dazu, dass es für die Einziehung einer Person schon genügte, beziehungsweise die übrigen Vorwürfe erheblich verstärkte, wenn bereits die Eltern beziehungsweise ein Elternteil, in den meisten Fällen die Mutter, als Hexe verbrannt wurden. So auch im Falle der Lena Eggler aus dem Jahre 1548. Ihr wird unter anderem vorgeworfen, dass sie das Vieh verhext habe, so dass es keine Milch gebe, und dass es auf ihren Schadenszauber zurückzuführen sein, dass die Frau eines weiteren Zeugen mehrere stumme Kinder geboren habe, was nicht mit rechten Dingen zugehen könne. Unter anderem erinnert sich ein Zeuge, dass Lena, deren Mutter in Luzern (Schweiz) bereits als Hexe verbrannt wurde, in ihrer Jugend einem zudringlichen Burschen auf die Hand geschlagen hatte, worauf dieser erkrankt sei. Sogleich entstand das Gerücht, dass auch sie eine Hexe sei und man sie, gleich ihrer Mutter, zum Tode verurteilen sollte:

Item uli schäffer an egglen sagt, wie er vor etlichen jaren gehört von einer frowen, genannt michlini, die sagt, wie dann der ietzgen Eggleren muter in Entlibuch vor etlichen jaren gfangen vnd gen Lucern gfurt vnnd da gericht ward, do was die ietzig lena Egglerin so jung ettwas vngfärlich vber x jaren. Vnd vff ein zit, als ein junger gsell zu ir sass, als das meidtli ein ristli werch in hennden hat, vnd greif das meidtli an, do hat das meidtli ein dängel werch inn hennden vnnd schlug den gsellen vff die hannd ald vff den fus, iren entweders, do ward im gantz wee an dem selben glid. Do ward ein söllich mumel in entlibuch, das sy meinten, man sölt das meidtli der muter nach schicken. [305]

Auch Christoph Frölich von Frölichsburg (1657 - 1729) hält in seiner Schrift [306] fest:

Da die Zauberei 'eine der erschröcklichsten Missethaten ist und billich unter die delicta excepta gerechnet wird, sonderlich unter diejenigen, so einer sehr schweren Beweisung seynd', so sind sowohl zu Inquisition als zur Tortur nur 'geringere Anzeigungen' erforderlich. Insbesondere muß schon das 'gemeine Geschrei' zur Einleitung eines Prozesses genügen. Andere Verdachtsgründe, die zur Einziehung rechtfertigen, sind: wenn eine Person von zauberischen Eltern geboren ist, wenn jemand andere Leute nicht 'redlich' anschauen kann oder gewisse Zeichen am Körper trägt. [307]

Ein verbreiteter Leitspruch dieser Zeit war daher: "Wie das eye so das kücken, wie das kücken, so der vogel, also legt er eyer. [Woraus d]ie Juristen folgerten, daß Kinder von Hexen, besonders die Töchter von ihren Müttern das Hexenhandwerk lernten." [308] Interessanter Weise enthalten die Protokolle tatsächlich in erster Linie Hinweise, dass Töchter das Handwerk von der Mutter lernten und auch mit ihr gemeinsam Schadenszauber verübten, wie die folgenden Beispiele zeigen werden. Eine Ausnahme bildet jedoch der Fall der Kanzlerfamilie Haan des Hochstifts Bamberg. Die 47-jährige Katharina Haan, deren Mutter bereits ebenfalls als Hexe verbrannt wurde, gibt zu Protokoll, ihren Sohn nach anfänglichem Zögern dem Teufel verschrieben zu haben. Sie sagt aus, "daß ihr Sohn ungefähr zwei Jahre alt gewesen sei, als ihre Mutter, ihre Amme, ihre Kinderfrau und die Kastnerin versucht hätten, den Jungen dem bösen Geist zu opfern. Das habe zunächst verhindert werden können, weil sie (die Mutter) anfangs nicht ihre Einwilligung gegeben habe. Später habe sie jedoch nachgegeben. Daraufhin sei ihr Buhlteufel in das Zimmer gekommen, habe den Jungen berührt und gesagt: 'Du bist mein, solange Du lebst.'" [309] - Man beachte an diesem Satz auch, dass der Sohn nur so lange er lebe dem Teufel gehören solle. Was ist jedoch nach dem Tod des Kindes?

<57> 

Grundsätzlich wurden jedoch in den meisten Fällen Mädchen von der Mutter verführt, was mit dem generell höheren Frauenanteil unter den Opfern zusammenhängen dürfte. Rita Voltmer sieht den hohen Frauenanteil darin begründet, dass

das geschlechtsbezogene Magieverständnis und nachfolgend der besondere Zuschnitt der Hexenlehre, [...] den Frauen geradezu arbeitsteilig die dämonisch besetzte Zauberei zuschrieb. Die spezifisch weiblichen Pflichten der Nahrungszubereitung, Geburtshilfe, Kindererziehung, Krankenpflege, Versorgung des Milch- und Kleinviehs legten es scheinbar nahe, die Schuld an Todesfällen und Schädigungen in diesem Bereich den Frauen zuzuschreiben. [310]

Glücklicherweise sahen nicht alle Zeitgenossen einen zauberischen beziehungsweise schadensstiftenden Zusammenhang zwischen Mutter und Tochter. So erwiderte unter anderem Agrippa von Nettersheim dem dominikanischen Inquisitor Nikolaus Savini schon 1519 auf die Aussage, dass Hexen ihre Kinder gleich nach der Geburt dem Teufel weihen und das Böse daher in den Familien eingewurzelt sei: "Ist das deine Theologie, schändlicher Mönch? Schleppst du mit solchen Phantastereien unschuldige Frauen zur Folterbank und erklärst du mit solchen Winkelzügen Menschen zu Ketzern? Mit dieser Ansicht bist du selbst ein schlimmerer Ketzer als Faustus und Donatus! Wenn es so ist, wie du behauptest, dann sprichst du ja der Taufe ihre Gnadenwirkung ab ..." [311] Leider bildeten Vertreter solcher Aussagen jedoch eher eine Ausnahme.

Betrachten wir nun einige Fälle, in welchen Mutter und Tochter sich gegenseitig belasteten beziehungsweise zusammen eingezogen wurden. Ein berührender Fall aus dem Jahre 1746 beziehungsweise 1747 ist jener der 57-jährigen Barbara Bingesserin aus Alleshausen im Marchtal. Diese Region wurde insgesamt von drei Prozesswellen in den Jahren 1586 - 1596, 1627/28 und 1745 - 1757 heimgesucht. Diese letzte Prozesswelle basierte vor allem auf dem massiven Druck zur Verfolgung seitens der Bevölkerung und endete mit sechs Todesurteilen und einem Sterbefall im Kerker, vier Frauen entkamen einem tödlichen Schuldspruch. Barbara Bingesserin war eine alleinstehende Heilerin und Bettlerin, welche nicht in die dörfliche Ordnung integriert schien und schon lange in der Bevölkerung als Hexe verschrieen war. Nachdem sie schon einmal eingezogen, vom juristischen Gutachter Sebastian Josef Wunibald von Settelin aus Biberach jedoch freigesprochen worden war, erfolgte ihre neuerliche Einziehung aufgrund des massiven Drucks aus Alleshausen. [312] Nach ihrer Verhaftung hielt sie der Folter lange stand, bis "endlich und nach mehrmaliger Tortur, Exorzismos und Benedictiones [...] der allmächtige Gott an dem heil. Weihnachtsabend ihr steinhartes Herz berührt und erweicht [hat], wo sie dann ohne ferneren geringsten Zwang aussagt und bekennt." [313]

<58> 

Von der Folter zermürbt gesteht sie schließlich auch, ihre 15-jährige Tochter Anne mit zum Hexentanz genommen zu haben. Allerdings fügt sie hinzu: "Sie habe ihr Kind mit auf diesen Schelmentanz und Weg genommen und wolle es nun auch mit sich in die Ewigkeit nehmen. Es sei ihr ein liebes Kind gewesen und sei ihr noch lieb bis auf diese Stunde. Ja, wenn ihr das Kind jetzo unter das Gesicht kommen würde, wollte sie ihm sagen: Annele, wir haben einander allezeit lieb gehabt, jetzo wollen wir auch miteinander in die Ewigkeit gehen und sehen, daß wir in den Himmel kommen." [314] Nach dieser Aussage wurde natürlich auch die Tochter eingezogen und beide Frauen hingerichtet. Dieses Beispiel zeigt gut, dass auch zu große Mutterliebe gefährlich werden konnte. Scheinbar hatte die Beschuldigte niemanden mehr außer ihrer Tochter, weshalb sie zu dieser ein besonders inniges Verhältnis hatte und sie daher auch lieber mit sich in den Tod nehmen wollte, als alleine zurückzulassen. Möglich ist auch, dass die Mutter befürchtete, ihre Tochter würde nach dem Tod der Mutter selbst nicht in der Lage sein, für ihren Unterhalt zu sorgen, da sie ja auf keine Unterstützung seitens weiterer Familienangehöriger beziehungsweise der Dorfgemeinschaft hoffen konnte. Außerdem war zu befürchten, dass sich das Gerücht, die Mutter sei eine Hexe, nach deren Tod schnell auf die Tochter übertragen werde, so dass auch dieser der baldige Tod so gut wie sicher war. [315]

Aus Lankowitz (Graz-Umgebung) ist ein Fall überliefert [316], in welchen im Zeitraum von November 1671 bis Februar 1672 drei Generationen von Frauen verwickelt waren: die angeblich 100 Jahre alte Almwirtin Martha Messnerin, ihre beiden Töchter, die 40 Jahre alte Maria und die 50 Jahre alte Christl sowie deren Kinder, die 10 Jahre alte Urschl, die stumme und geistesschwache Christina und die 13 Jahre alte Urschl Dräxlin. Von der Großmutter wurde schon aufgrund ihres hohen Alters angenommen, dass sie eine Hexe sei. Die alte Frau wurde durch den Aufzug gefoltert, wobei ihr zur Verstärkung der Schmerzen noch schwere Gewichte an die Zehen gehängt wurden. Sie war außerstande diese Tortur auszuhalten und gestand daher, sich schon vor 34 Jahren dem Teufel verschrieben zu haben und auch ihre Töchter zum Hexensabbat mitgenommen zu haben. Die Greisin überlebte die Folterqualen nicht und starb am 25. Dezember 1671 im Kerker.

Nach dieser Denunziation wurden auch ihre Töchter gefoltert. Die 40-jährige Maria beteuerte jedoch standhaft ihre Unschuld. Um auch sie zum Sprechen zu bringen, wandten die Richter schließlich eine Taktik an, auf die später noch genauer eingegangen werden wird: Sie stellten der Frau ihre 10-jährige Tochter gegenüber, welche "der Mutter - laut Protokoll 'unerschrocken' - ins Gesicht sagte, sie sei auf das Kremser Schloß und nach Sankt Johann geflogen und hätte mit ihrem schwarzen Liebhaber geschmaust und getanzt." (42) Nach dieser Anschuldigung und nach mehrmaliger Folter gestand schließlich auch Maria und gab zu, ihre Töchter ebenfalls zum Hexensabbat mitgenommen zu haben. Ebenso erging es ihrer Schwester Christl. Nachdem schon die 10-jährige Urschl ihre Mutter belastet hatte, wurde nun auch die 13-jährige Urschl Dräxlin verhört, welche ebenfalls vom Hexenflug und nächtlichen Orgien berichtete. "Ihr Schwarzer heiße Hänzerlmann, sagte das Kind. Das erste Mal sei er ihr vor zwei Jahren im Kremser Schloß als Bock erschienen. Dann sei sie zum Fluge stets auf ihm gesessen. Wenn sie nach Hause wollte, hätte sie nur zu sagen brauchen: 'Teufel, jetzt wollen wir heimfliegen. Wir befehlen uns in dein Herz und du befiehlst dein Herz in unser Herz.'" (43) Der Prozess endete am 03. Februar 1672 damit, dass Maria und Christl am Scheiterhaufen erwürgt und ihre Leichen anschließend zu Asche verbrannt wurden. Auf das Schicksal der Kinder wurde bereits im vorigen Kapitel hingewiesen. Ihnen sollten aufgrund ihrer Jugend die Adern im warmen Bad geöffnet werden, so dass sie sich zu Tode bluten mussten. Die Hebamme weigerte sich jedoch, und so wurden die Kinder ins Bürgerspital eingewiesen. Die geistesschwache Christina wurde freigesprochen und dem Landgericht Obervoitsberg als Hausgehilfin zugeteilt. 

Für die Behörden war dieser Fall ein deutlicher Beweis dafür, dass eine Hexe ihre Kunst stets auf ihre Nachkommen übertrage und so in jedem Fall die gesamte Familie, auch über Generationen hinweg, mit dem Teufel im Bunde stehe, so dass es am besten sei, stets die gesamte Familie hinzurichten um alles Übel auszurotten. 

6.3. Reaktionen der Familienangehörigen

<59> 

Nach diesen beiden Beispielen stellt sich nun die Frage, wie die übrigen Familienmitglieder bei der Einziehung einer verdächtigen Person reagierten und zu ihren "schwarzen Schafen" in der Familie standen. Selbstverständlich waren diese Reaktionen in jeder Familie unterschiedlich, doch lassen sie sich kurz zu zwei Reaktionsweisen zusammenfassen: Einerseits gab es Familien, welche bis zum Tode des als Hexe/r beschuldigten Mitgliedes und zum Teil sogar darüber hinaus für dessen Unschuld kämpften, und andererseits gab es Familien welche sich sofort bei bekannt werden des Gerüchtes vom Familienmitglied distanzierten, um so möglichst nicht selbst ebenfalls in den Prozess hineingezogen zu werden. Sehen wir uns diese beiden Seiten nun etwas genauer an: 

6.3.1. Rückhalt in der Familie

Ein ungewöhnliches Beispiel bildet jener Fall von Matthias Horn, von welchem es heißt, er habe "einem der Blutschöffen, der seine Frau zur Folter schleppen wollte, einen Arm entzwei [geschlagen]." [317] Selbstverständlich setzten sich nicht alle Ehemänner mit solcher Vehemenz für ihre Frauen ein. Jedoch zeigt sich, zumindest am mecklenburgischen Quellenmaterial, welches von Katrin Moeller analysiert wurde, dass sich Angehörige in etwa einem Fünftel aller Prozesse auf den Rückhalt der Familienangehörigen verlassen konnten. Diese schritten "zur aktiven Unterstützung vor die landesherrlichen Obergerichte, wandten sich hilfesuchend an die Universitäten oder engagierten auf eigene Kosten professionelle Verteidiger beziehungsweise Notare." [318] Dass sich diese aktive Verteidigung durchaus auszahlte, zeigt sich auch daran, dass "die Freispruchsquote [...] in Fällen mit einer versuchten Verteidigung, und sei es nur durch die Einreichung von Supplikationen, fast doppelt so hoch [war], wie in Verfahren ohne Schritte zur Zurückweisung der Schuld." [319] Leider schützte eine aktive Verteidigung jedoch nicht immer vor dem Tod, wie ein Fall aus Lindheim zeigt:

Fünf bis sechs Weiber zu Lindheim [...] wurden entsetzlich gemartert, damit sie bekennen sollten, ob sie nicht auf dem Kirchhofe des Orts ein vor kurzem verstorbenes Kind ausgegraben und zu einem Hexenbrei gekocht hätten. Sie gestanden dieses zu. Der Gatte einer dieser Unglücklichen brachte es endlich dahin, daß das Grab in Gegenwart des Ortsgeistlichen und mehrerer Zeugen geöffnet ward. Man fand das Kind unversehrt im Sarge. Der fanatische Inquisitor hielt jedoch den unversehrten Leichnahm für eine teuflische Verblendung und bestand darauf, daß, weil sie es doch alle eingestanden hätten, ihr Eingeständnis mehr gelten müsse, als der Augenschein. Man müsse sie deshalb 'Zur Ehre des dreieinigen Gottes', der die Zauberer und Hexen auszurotten befohlen habe, vertilgen. Sie wurden in der Tat verbrannt. [320]

Trotz dieses negativen Beispieles war der Rückhalt auch hinsichtlich eines Geständnisses von enormer Wichtigkeit, da auffällt, "daß gerade Angeklagte mit einem erheblichen Rückhalt bei ihren Familienmitgliedern sehr viel seltener ein Geständnis unter der Folter ablegten. Offensichtlich führte das Wissen um Unterstützung in der Familie zu einer größeren Kraft gegen die physischen Gewalttaten. [321]

Katrin Moeller weist jedoch auch darauf hin, dass dieses Engagement der Familie weniger der Liebe zum Partner beziehungsweise zur Partnerin entsprang, als vielmehr der Angst, selbst in den Prozess verwickelt zu werden, beziehungsweise unter den Nachteilen, welche eine Verurteilung für die gesamte Familie bringen würde, leiden zu müssen, denn 

das Hexereigerücht, das den Einzelnen betraf, konnte sich immer zum Gerücht über die gesamte Familie auswachsen. Das gemeyne geschrey führte darüber hinaus zu fundamentalen Komplikationen im Berufs- und Alltagsleben, die ebenso die nicht angeklagten Familienangehörigen betrafen. [...] Forderungen nach dem Ausschluß aus Beruf und Ämtern, Schwierigkeiten bei eigenen Eheschließungen oder der Verheiratung der Kinder, finanzielle Belastungen der Familien, der rapide Schwund des Ansehens sowie eine zunehmende Isolierung waren dabei nur einige Problemlagen, die auf solche Familien zukamen. [...] Vor allem jedoch war die Ehre der gesamten Familie stark beschädigt. Die Verurteilung eines Familienmitgliedes mußte in einer Gesellschaft, in der die Ehre - wie Paul Münch charakterisiert hat - als Grundwert betrachtet wurde, zwangsläufig tiefgreifende negative Auswirkungen auf die Position und das Ansehen einer Familie gehabt haben. [322]

6.3.1.1. Fallbeispiel: Rebekka Lemp

 

Zum Abschluss der Betrachtungen welche den Rückhalt der Familien in Hexenprozessen beinhalten, soll kurz auf den Nördlinger Hexenprozess gegen Rebekka Lemp aus dem Jahre 1590 eingegangen werden. Sie war die Tochter eines Leinenwebers und bereits seit 20 Jahren mit Peter Lemp verheiratet. Die Familie zählte zu den angesehensten Familien der Stadt, welche jedoch trotz eigenem Hausbesitz in einer Dienstwohnung lebten. Rebekka und Peter hatten sechs Kinder, welche zum Zeitpunkt Rebekkas Verhaftung zwischen 6 und 19 Jahre waren. Rebekka selbst war etwa 40 Jahre und geriet durch die Besagung von Ursula Haider in Verdacht. Ihre Verhaftung erfolgte am 01. Juni 1590 in Abwesenheit ihres Mannes. Rebekka hielt der Folter lange Zeit stand, was eventuell auch auf den Rückhalt der Familie zurückzuführen ist. Schon zwei Tage nach ihrer Verhaftung erhält sie einen Brief ihrer Kinder, welcher einerseits darauf schließen lässt, dass es sich um eine wohlhabende Familie handelte, andererseits jedoch auch deutlich zeigt, dass in dieser Familie über die Zustände, welche im Gefängnis herrschten, entweder nicht gesprochen wurde, oder man sich in gehobeneren Kreisen tatsächlich keine Vorstellungen davon machte. So schrieben die Kinder: 

<60>

Unseren freundlichen, kindlichen Gruß, herzliebe Mutter. Wir lassen Dich wissen, daß wir wohlauf sind. So hast du uns auch entboten, daß Du wohlauf seiest und wir meinen, der Vater wird heute, will es Gott, auch kommen. So wollen wir es Dich wissen lassen, wann er kommt. Der allmächtige Gott verleihe Dir seine Gnade und den heiligen Geist, daß Du wieder mit Freuden und gesundem Leib zu uns kommst. Amen. Herzliebe Mutter, laß Dir Bier kaufen und laß Dir Schnittlein backen und laß Dir kleine Fischlein holen und laß Dir ein Hähnchen holen bei uns. Und wenn Du Geld brauchst, so laß es holen. Du hast es in Deinem Säckel wohl. Gehab Dich wohl, meine herzliebe Mutter. Du darfst Dich nicht sorgen um das Haushalten bis Du zu uns kommst. Zu tausendmal eine gute Nacht gebe Dir Gott. [323]

Am gleichen Tag wird sie zum ersten Mal, wohl nur gütlich, verhört und erwidert unter Anrufung Gottes: "So wahr Christus am Kreuz für sie gelitten, sie sei unschuldig. Wie sollte sie ihrem lieben Hauswirt und ihren Kindlein solche Schmach antun? Sie habe ihre Kinder allzeit zur Gottesfurcht erzogen und mit ihnen Psalmen gesungen. Auch könne sie sich nicht denken, wer sie solcher Sachen geziehen habe, da sie doch mit niemand in Feindschaft gelebt habe." [324] Als Peter Lemp von der Reise zurückkehrte unternahm er sofort Schritte zur Entlassung seiner Frau, welche jedoch stets abgelehnt wurden. Jedoch wurde Rebekka, wie ihr Brief vom 10. Juli 1590 an ihren Mann zeigt, nach wie vor nicht gefoltert, obwohl sie bereits seit mehr als einem Monat in Haft saß. Sie besteht zwar noch auf ihre Unschuld und glaubt auch der Folter standhalten zu können, jedoch klingt bereits eine gewisse Unruhe durch:

Mein herzlieber Schatz, sei ohne Sorge. Wenn ihrer 1000 auf mich bekennen, so bin ich unschuldig oder es kommen alle Teufel und zerreißen mich. Und wenn man mich sollt strenglich fragen, so könnte ich nichts bekennen, auch wenn man mich in 1000 Stücke zerisse. Sei nur ohne Sorge, ich bin auf meine Seele unschuldig. Wenn ich gemartert werde, so glaube ich es nicht, denn ich bin gerecht. [...] Verbürge doch viel für mich. Du hörst ja meine Unschuld. Um Gottes willen, laß mich nicht in der Not stecken. [325]

Auf diesen Brief hin, verfasst Peter Lemp eine erneute Bittschrift, in welcher er vor allem Rebekkas gottesfürchtiges Leben hervorhebt. Auch habe sie ihre Kinder stets im Glauben an Gott erzogen, so dass auch diese etliche Psalme auswendig kannten: 

Ehrenfeste, fürsichtige, ehrsame, wohlweise, großgünstige, gebietende Herren! Ich hoffe und glaube und halte es für gewiß, daß mein Weib alles, dessen man sie bezichtigt, nicht einmal Zeit ihres Lebens in Gedanken gehabt, vielweniger denn, daß sie solches mit Wort und in der Tat sollte jemals auch nur im geringsten getan haben. Denn ich bezeuge es mit meinem Gewissen und vielen guten, ehrlichen Leuten, daß soviel ich und andere bemerken konnten, sie zu allen Zeiten gottesfürchtig, züchtig, ehrbar, häuslich und fromm, dem Bösen aber jederzeit abgeneigt und feind gewesen. Sie hat auch mich als ihren lieben Hauswirt die Zeit ihres Lebens ehrlich gehalten, worüber ich für meinen Teil zufrieden gewesen bin. Ihre lieben Kinder hat sie gleichfalls, wie es auch einer treuen Hausmutter gebührt und zusteht, neben und mit mir getreu und fleißig nicht allein in ihrem Katechismus, sondern auch in der heiligen Bibel, besonders aber in den lieben Psalmen Davids unterrichtet und unterwiesen, also daß ich, Gott sei Lob und ohne mich zu rühmen, kein Kind habe, das nicht etliche Psalmen Davids auswendig weiß und erzählen könnte. Zudem kann niemand begründet behaupten, daß sie einmal einem Menschen einen einzigen Schaden am Leib oder sonst wo zugefugt hätte. Deshalb ist es meine und meiner lieben Kinder, welche ich (Gott sei immer Lob) sechs an der Zahl habe, untertäniges und demütiges Flehen und um Gottes und des Jüngsten Gerichts willen, in welchem Jesus Christus, der gerechte Richter erscheinen wird, dienstliche Bitte, daß Eure ehrbaren und weitsichtigen Weisheiten als unserer ordentlichen Obrigkeit hiermit gegen unsere liebe Mutter ein gnädiges Einsehen haben und tragen und sie wieder zu uns gelangen lassen. [326]

Doch auch diese Bittschrift bleibt ohne Erfolg und so wird Rebekka Lemp am 29. Juli 1590 zum ersten Mal mit Anlegung der Daumenschrauben und der Spanischen Stiefel peinlich verhört. Noch bestreitet sie alle Vorwürfe. Als sie jedoch bereits am nächsten Tag erneut gefoltert und in diesem Fall auch aufgezogen wird, kann sie der Folter nicht mehr standhalten und gesteht Teufelsbuhlschaft und Teufelspakt. Schon allein dieses Geständnis hätte für die Todesstrafe gereicht. Trotzdem wird sie in den nächsten Tagen weiter gefoltert und so gesteht sie auch Schadenszauber verursacht zu haben und nennt weitere Komplizinnen, wobei dies ausschließlich Frauen von Bürgermeistern, Ratsherren und Beamten waren. Am 02. August 1590 verfällt Rebekka in tiefe Verzweiflung. Sie weiß, dass sie dem Tod nicht mehr entkommen kann und bittet ihren Mann in einem bereits schon früher zitierten Brief: "Vater, schick mir etwas, daß ich sterbe, ich müßte sonst an der Marter verzagen." [327] Rebekka ist bereits so schwach, dass sie nach einem erneuten Verhör am nächsten Tag kaum noch sprechen kann und in ihre Zelle getragen werden muss. Als es ihrem Mann jedoch um den 10. August 1590 gelingt, zu seiner Frau zu gelangen, schöpft sie neuen Mut und neue Kraft und widerruft alles. Dies zeigt gut, wie wichtig die Unterstützung der Familie für die Inquisiten war. Außerdem lässt sich auch auf ein ausgesprochen gutes Verhältnis zwischen Rebekka und ihrem Gatten schließen, da viele Männer zwar anfangs für ihre Frau kämpften, sich nach dem ersten Geständnis jedoch eher von ihr abwandten. Peter Lemp jedoch hielt auch weiterhin zu seiner Frau. Am 20. August 1590 wird Rebekka jedoch erneut - scheinbar schwer - gefoltert, da sie in diesem Verhör auch gesteht, tote Kinder gegessen zu haben. Am 09. September 1590 ist Rebekkas Leidensweg schließlich zu Ende. Sie wird mit vier weiteren Frauen auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

<61> 

In einem letzten Brief an ihren Ehemann verfügte sie zuvor noch: "Das Ringlein trag mir zur Erinnerung. Aus der Halskette mach 6 Teile. Laß es unsere Kinder an den Händen tragen ihr Lebtag. O Schatz, man nimmt mich Dir mit Gewalt. [...]" [328]

6.3.2. Distanzierte Haltung der Familienmitglieder

Jedoch konnten nicht alle Angeklagten mit einem solchen Rückhalt aus der Familie rechnen. Neben relativ passiven Haltungen von Familienangehörigen sind vereinzelt sogar Fälle überliefert, in welchen die Beschuldigung direkt von der Familie ausging. So sagt beispielsweise der 16-jährige Niclaus von Cöls folgendes gegen seine an Fallsucht leidende Mutter aus: "Die Mutter habe ihm und auch dem Vater die Bibel aus der Hand genommen und hinter die Thür geworfen. Auch der Augenschein lehre, daß sie ein böses Weib sei. Habe auch mit seinem Vater niemals recht zufrieden sein können. Wenn sein Vater, oder er etwas aus Gottes Wort oder in Psalmen gelesen, habe sie es nit leiden wollen. Habe auch etliche mal nach seinem Vater mit Messer geworfen. Sein Vater habe oft zu ihr gesagt: Sie müsse noch verbrannt werden, weil sie ein böses Weib sei." [329]

Solche Anschuldigungen aus der unmittelbaren Familie bildeten jedoch eher die Ausnahme. Vielmehr legten die Familienmitglieder ein passives Verhalten an den Tag, wobei sich zeigt, dass vor allem Angehörige der Unterschicht passiv auf eine Einziehung eines Familienmitgliedes reagierten, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass in vielen dieser Familien die Mittel für eine aktive Verteidigung fehlten. Neben diesen finanziellen Schranken fehlten in den Unterschichten meist auch notwendige Rechtskenntnisse. Ein weiterer Grund für eine passive Haltung ist darin zu sehen, dass viele Ehen aus rein wirtschaftlichen Gründen geschlossen wurden und daher eine Liebesbeziehung zwischen den Ehepartnern fehlte. Dies führte daher auch eher zu einer Distanzierung von den Beschuldigten, was einerseits auf die Angst zurückzuführen ist, selbst in den Prozess verwickelt zu werden. Andererseits stellte eine Einziehung, welche ja fast durchwegs mit einem Todesurteil verbunden war, auch eine "bequeme" Möglichkeit dar, den ungeliebten Partner auf einfache Weise wieder los zu werden. Alles in allem wurden Hexenprozesse jedoch nur in seltenen Fällen zur Austragung von Familienkonflikten genutzt, obwohl vor allem Witwen häufig Rache als Motiv für die Vergiftung und zauberische Tötung ihrer Ehemänner nannten und die mangelhafte Versorgungsleistung dieser anprangerten. [330]

Als eines von vielen Beispielen für ein distanziertes Verhalten seitens des Ehemannes sei jenes von Chim Berend erwähnt. Seine Frau, Trine Roden, wurde, wie schon im Falle von Rebekka Lemp, während der Abwesenheit ihres Ehemannes verhaftet. Zu Beginn des Verfahrens leistete Chim Berend seiner Frau noch Beistand. Als das Ehepaar jedoch vor die Wahl gestellt wurde, die Anklage mit 20 Gulden abzugelten oder die Unschuld der Frau durch die Wasserprobe zu erweisen, drang die Frau selbst auf die Wasserprobe. Da sie diese jedoch nicht bestand, verlor der Ehemann jedes Interesse am Prozess. "Von den nachfolgenden Umständen der Tortur und den Aussagen der Trine Roden erfuhr er nach seinen Angaben erst beim Abhalten des peinlichen Halsgerichtes und vom Hörensagen anderer Leute." [331]

Ein weiteres Beispiel, welches nicht nur auf erschütternde Weise zeigt, dass sich der Ehemann von den Vorwürfen gegen seine Frau distanzierte, sondern sogar an deren Schuld glaubte und dessen einzige Sorge war, sie solle sich doch um Gottes Willen nicht mehr vor den Henkern nackt ausziehen und scheren lassen, stellen die Briefe des Zöllners David Mohr an seine inhaftierte Ehefrau aus dem Jahre 1627 dar [332]. In einem ersten Brief schreibt er noch: "Liebe Hausfrau, aus getreuem gemüth gebe ich euch dieses zu bedenken, wenn ihr eine arme verführte Sehl seiet [...]". Er ist hier von ihrer Schuld also noch nicht wirklich überzeugt, ermahnt sie aber "ihr wollet euch nit mehr durch den Henker zwingen und so jämmerlich zerreissen lassen, sondern wollet gedenken, wie Christus unser Seligmacher sagt: überwinde dich selbst, nimm dein Kreutz und folge mir nach." Schon diese Worte mögen die Frau, welche doch in Wirklichkeit keine der vorgeworfenen Taten begangen hatte, schwer getroffen haben. Doch wie viel vernichtender muss der andere Brief ihres Mannes für sie gewesen sein, welcher auszugsweise hier wiedergeben werden soll:

Liebe Hausfrau Catharina! Euer betrübter Zustand ist mir hart zu Herzen gegangen, Ob nun wohl ich mir Anfangs keine Gedanken hab machen können, daß ihr eine solche Person seiet, so weiß ich aber, daß ohne den Willen gottes keinem Menschen ein Härlein auf seinem Kopf gekrümmt werden kann, und ist mir alsbald dieser Trost eingefallen, daß dies Unglück aus lautterer göttlicher Schickung zu eurem Sehlen Heyl geschehen sey. 

Dieweil ich denn auch von Ihrer gestreng, Herrn obbristen verstanden, wehr auf Eich bekanndt, und was ihr mit denselben menschen, so uf Euch gestorben, für Werk begangen, glaub ich wohl, daß ihr eine zauberische und arme verführte Person seiet, und der Buß wohl bedürftig. 

Wenn ihr auch schon durch Hülf des Leidigen Teufels die nachfolgende erschreckliche Pein, welches menschlicher Weiß möglich ist, ausstehen werdet, so müßt ihr doch in ewiger Gefängnis sitzen bleiben, und werdet nichts destoweniger von der Obrigkeit und allen Menschen für eine unbußfertige Sünderin und bekannte Zauberin gehalten werden. 

<62> 

Mich verwundert sehr und schmerzt mich im Herz, daß ihr euch durch Henker nakt ausziehen und wider die Natur scheren und schänden lasset. Vielmehr aber verwundere ich mich, daß ihr des leidigen Teufels in Ewigkeit sein und pleiben wollet. O Gott erbarme sich der arme Verführten Sehl. Gehet in euch, schemet euch vor eurem erschaffer, vor Gott dem Allmächtigen, schemet euch vor Gott unserem gerechten strengen Richter, der alles gesehen hat, was ihr vor seinen göttlichen Augen gethan habt. Schemet euch, daß ein solch unbußfertiges Leben von euch geführt wird, schemet euch vor denen, wider die ihr gesündigt habt, schemet euch nicht vor mir, dann euch ist von mir Alles verziehen, und obwohl ich euch in dieser Welt nicht mehr sehen kann, noch sehen will, so verhoffe ich doch, wenn ihr die Heimsuchung Gottes erkennet, und werdet euer Gewissen reinigen, daß wir uns wieder im Ewigen Leben mit Freuden ansehen werden. [...] Wenn ihr nun wollt eurer Seele Ruhe schaffen, so müßt ihr eurer Seele den Eingang zur ewigen Seligkeit durch eure Buß und Bekennung eurer Sünden machen. [...] Hiermit wünsche ich euch eine gute Nacht und befehle euch in den Schutz Gottes und der lieben Englein und aller Heiligen Gottes [...]. 

6.4. Familien vor Gericht

In vielen Fällen hatten Familienangehörige, auch wenn sie es wollten, gar nicht die Möglichkeit, eine als Hexe eingezogene Person zu verteidigen, da sie selbst ebenfalls in den Prozess verwickelt waren. Vielfach reichte schon die Verwandtschaft mit einer als Hexe verdächtigen Person aus, um selbst ebenfalls als eine solche verdächtigt zu werden. Katrin Moeller kam in ihrer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass bei mindestens "einem Drittel der etwa 4000 mecklenburgischen Prozesse [...] die Familie betreffend Zaubereiverdächtigungen als erschwerendes Indiz angeführt [wurde]. Überwiegend waren es gleich mehrere Familienmitglieder (34 %), die vor Gericht gebracht wurden. In 20 % der Fälle war es die Anklage des Ehepartners, die zu einem nachfolgenden Prozeß gegen die Ehefrau oder den Ehemann führte, in 14 % der Fälle ging das Gerücht von den Eltern aus. Etwas weniger häufig waren Prozesse von Kindern (8 %) und Geschwistern (7 %) dazu angetan, Familienangehörige mit vor Gericht zu zerren." [333]

Obwohl man annehmen sollte, dass die Familie zusammenhielt und gegenseitig ihre Unschuld bestätigte, endeten die meisten der eingezogenen Mitglieder auf dem Scheiterhaufen. Meist kamen nur die jüngsten Kinder mit dem Leben davon. Der Grund dafür liegt einerseits in der Folter, welcher viele nicht standhalten konnten, andererseits jedoch auch in einer ausgefeilten Verhörstrategie der Behörden. In den meisten Fällen wurden zuerst die schwächsten Mitglieder der Familie verhört, von denen anzunehmen war, dass man leicht zu einem Geständnis kommen konnte und die dadurch auch die übrigen Mitglieder schwer belasten würden. Dies waren vor allem die Kinder, bei denen oftmals bereits die Androhung von Rutenstreichen genügte, um ihren Widerstand zu brechen und sie zu einem Geständnis zu bringen. Durch ein solches Geständnis hatte auch die übrige Familie kaum mehr eine Möglichkeit der Folter zu entkommen, unter welcher auch die Stärksten mit der Zeit zusammenbrachen und bekannten, was man von ihnen hören wollte. Dies geht auf den Juristen Christian Thomasius (1655 - 1728) zurück, welcher meinte, dass "bei der Verhängung der Folter eine bestimmte Reihenfolge eingehalten [werden müsse] und mit dem am meisten Verdächtigen begonnen werde, bei dem der Richter die Wahrheit am leichtesten zu finden glaube. Die Gesetze empfehlen, beim Vorliegen gleich schwerer Indizien bei dem zu beginnen, der furchtsamer oder von geringerem Alter sei. Daher sollen Kinder eher als die Eltern und Frauen eher als die Männer gefoltert werden." [334]

Ein Fall, in welchen die gesamte Familie verwickelt wurde, stellt jener der bambergischen Kanzlerfamilie Haan aus dem Jahre 1627/28 dar, welcher von Andrea Renczes in einem eigenen Buch [335] behandelt wurde und daher hier nicht detailliert dargestellt werden braucht. Verwickelt waren in diesen Prozess neben dem Ehepaar Georg und Katharina Haan, deren bereits verheiratete Kinder, Georg Adam Haan und Katharina Röhm, sowie Carl Leonhard Haan, die 14-jährige Ursula Maria Haan und Daniel Haan, von welchem keine Altersangabe überliefert ist. Jedoch dürfte er jünger als Ursula Maria gewesen sein, da er einerseits einen Vormund hatte und andererseits von ihm als "Brüderlein" gesprochen wurde. - Von diesem Fall wird vor allem hinsichtlich der Testamente Hingerichteter später nochmals zu sprechen sein.

6.4.1. Fallbeispiel: Familie Händl

Im Folgenden soll jedoch der Fall der Bettlerfamilie Händl im Zusammenhang mit dem Zauberer-Jackl-Prozess aus dem Jahre 1678 exemplarisch betrachtet werden. [336] Auslöser dieses tragischen Prozesses war die Aussage des 9 - 11-jährigen kl. Hanerl welcher eine gewisse "Andl" und ihre zwei Kinder der Hostienschändung bezichtigte. Mit dieser Andl war die ca. 43 Jahre alte Mutter Anna Händl sowie der 15-jährige Sohn Georg und die 11-jährige Tochter Barbara gemeint. Alle drei wurden steckbrieflich gesucht und konnten schon bald gefangen werden. Der Vater, Christoph Händl, dessen Alter nicht näher bekannt ist, zog mit den übrigen drei Kindern, der 16-jährigen Ursula, welche das älteste Kind war, dem 7-jährigen Hanerl und dem 5-jährigen Maxl auch nach der Inhaftierung seiner Frau und seinen beiden Kindern bettelnd im Erzstift Salzburg umher. Welche andere Möglichkeit hätte er auch gehabt? Eine aktive Verteidigung seiner Familienangehörigen war aufgrund der fehlenden finanziellen Mittel und vermutlich auch der Unkenntnis in rechtlichen Angelegenheiten nicht möglich. Andererseits konnte er das Erzstift mit seinen kleinen Kindern zu Fuß kaum schnell genug verlassen. Selbst wenn ihm eine solche "Flucht" gelungen wäre, ist anzunehmen, dass er, sobald er ebenfalls in Verdacht geriet und gesucht wurde, auch außerhalb von Salzburg aufgegriffen worden wäre. Mutter Anna sowie Georg und Barbara hatten von vornherein kaum eine Möglichkeit dem Todesurteil zu entkommen, denn wie sollten sie nachweisen, dass sie die Hostienschändung nicht vollführt hatten?

<63> 

Obwohl sich dieser Vorwurf in erster Linie gegen die Mutter richtete, welche ihre Kinder ebenfalls dazu verführt haben sollte, wurden dennoch zuerst die Kinder verhört. Der Grund dafür liegt in der zuvor beschriebenen Taktik der Richter, welche sich dadurch ein leichteres Geständnis erhofften. Als erster der Familie wurde daher der 15-jährige Georg am 10. Jänner 1678 verhört. Als er hartnäckig leugnete, wurde er mit kl. Hanerl konfrontiert, welcher ihn beschuldigte, den Zauberer-Jackl zu kennen, von diesem das "Mäuse, Razen und Mändlmachen" gelernt zu haben und am rechten Fuß gemerkt worden zu sein. Obwohl sich eine entsprechende Narbe bei Georg finden ließ, leugnete er weiterhin. Auch das Scheren und Streichen mit Ruten erwirkte kein Geständnis. Dr. Zillner, der untersuchende Kommissar, war vorläufig ratlos. Er "hatte sich in Georg Händl getäuscht, der Bub war überraschend hartnäckig." (151) Nachdem von Georg kein Geständnis zu erhalten war, versuchte man es als nächster bei seiner Schwester, der 11-jährigen Barbara. Auch sie leugnete zuerst, konnte jedoch auf Dauer dem Druck des Verhörs nicht standhalten. Als auch sie visitiert wurde und man am Fuß eine Narbe fand, ließ der Kommissar die Nadelprobe vornehmen, welche Barbara jedoch nicht verspürte. Damit war das Teufelszeichen gefunden. Sie bestätigte schließlich die Hostienschändung und belastete damit Mutter und Bruder. Weiters gab sie zu, mit ihrem Vater auf dem Hexentanz gewesen zu sein, leugnete aber, mit diesem ungebührlich zugehalten zu haben. Mit dieser Aussage hatte Barbara die gesamte Familie, mit Ausnahme der beiden jüngsten Kinder, belastet. Nach dieser Aussage gestand auch Georg und beschuldigte ebenfalls seine Eltern sowie seine Geschwister. 

Der Kommissar konnte nun ruhigen Gewissens das Verhör mit Anna Händl vornehmen, da sie ja bereits von ihren beiden Kindern belastet wurde. Sie wurde am 15. Jänner 1678 zum ersten Mal einvernommen und leugnete von Anfang an eine Bekanntschaft mit dem kl. Hanerl. Doch Kommissar Zillner interessierte sich vielmehr für den Aufenthaltsort und das Aussehen ihres Mannes sowie ihrer restlichen drei Kinder - und Anna gab bereitwillig und scheinbar arglos Auskunft. Dies führte dazu, dass Christoph Händl und die drei Kinder schon wenige Tage später ebenfalls verhaftet wurden. Vom Geständnis ihrer Tochter Barbara zeigte sich Anna wenig beeindruckt und bestritt weiterhin jede Schuld. Außerdem gab sie an, zu Ostern ein Kind zu erwarten, weshalb sie auch von einer Hebamme untersucht wurde, welche die Schwangerschaft bestätigte. Trotzdem wurde Anna am 01. März 1678 erneut verhört, obwohl ihre Schwangerschaft sie eigentlich davor bewahrt hätte. Sie leugnete jedoch weiterhin. Nach weiterem "ernstlichen Zusprechen" durch den Kommissar - wie immer dies auch ausgesehen haben mag - gab Anna schließlich ihren Widerstand auf. "Ihr Mann und die Kinder waren gefügig gemacht worden, belasteten sie schwer, hatten also den Kampf gegen die Kommission bereits verloren. Wie sollte sie als Frau all die Qualen durchstehen, und welchen Sinn hatte dieses elende Leben noch? Anna gestand also, ihre Kinder dem Teufel zugeführt zu haben, rettete aber immerhin noch ihr ungeborenes Kind, indem sie darauf bestand, es noch nicht dem Satan geopfert zu haben." (154) - Am 29. März 1678 schenkte sie in ihrer Zelle einer Tochter das Leben. - Anna versuchte sich später dadurch zu retten, dass sie ihrem Beichtvater bekannte unschuldig zu sein, was jedoch nur zu einem neuerlichen - vermutlich peinlichen - Verhör führte, indem sie ihre früheren Aussagen wieder bestätigte.

Einfacher war dagegen die Vernehmung der beiden jüngsten Kinder. Der 7-jährige Hanerl widersprach nur ein einziges Mal, doch nach der Konfrontation mit seiner Schwester Barbara war auch dieses "Problem" gelöst. Selbst der erst 5-jährige Maxl wurde wie jeder andere verhört, obwohl der Bub die Gefahr, in welcher er schwebte, noch gar nicht erfassen konnte, wie folgende Aussage zeigt: "Er kenne ihn [den Zauberer-Jackl - Anm. d. V] nicht, das habe ihm seine Schwester Ursula zu sagen befohlen." (155) Nachdem Maxl die angeblichen Orgien am Hexensabbat nicht zu schildern vermochte und während des Verhörs auch ständig weinte, vermutete Dr. Zillner, dass der Teufel anwesend sei und das Kind am Reden hindere. Tatsächlich bekannten schließlich auch seine Geschwister Barbara und Hanerl, dass der Teufel hinter ihm stehe, worauf der Raum mit Weihwasser besprengt wurde. Den größten Widerstand leistete noch die 17-jährige Ursula, welche standhaft leugnete. Nachdem man jedoch auch sie geschoren und visitiert hatte, sie mit ihren Geschwistern konfrontiert, gedroht, ernstlich zugesprochen und schließlich empfindlich mit Ruten gestrichen hatte, war es mit der Kraft des Mädchens ebenfalls vorbei, und sie gestand, was man von ihr hören wollte. 

<64> 

Als letzter der Familie wurde schließlich der Vater Christoph Händl verhört. Auch er leugnete anfangs. Doch welchen Sinn hätte ein langer Widerstand, welcher doch nur mit entsetzlichen Qualen auf der Folter verbunden gewesen wäre gehabt, da bereits seine ganze Familie gestanden und ihn durch ihre Geständnisse ebenfalls schwer belastet hatte? Er brauchte daher nicht einmal mehr mit der Rute gestrichen zu werden, sondern gestand "freiwillig". Damit lag auch vom letzten Familienmitglied ein Geständnis vor. Am 12. März 1678 wurde er daher zusammen mit Georg, Barbara und Ursula hingerichtet, wobei zumindest die Kinder vor ihrer Verbrennung erdrosselt wurden. Anna Händl wurde erst am 30. April 1678 ebenfalls zuerst erdrosselt und anschließend verbrannt. Die beiden jüngsten Kinder, Hanerl und Maxl, kamen mit dem Leben davon und wurden vermutlich zu einer Pflegefamilie gegeben und aufgezogen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass sie der Verbrennung ihrer Eltern beziehungsweise Geschwister zur "Abschreckung und Läuterung" beiwohnen mussten. 

Dieser Fall zeigt gut, welche nichtige Gründe ausreichten, um eine ganze Familie auszulöschen und mit welchen Methoden die Kommissare versuchten, zu Geständnissen zu gelangen. Durch die Beschuldigung der eigenen Kinder hatten die Erwachsenen keine Möglichkeit mehr, einer Todesstrafe zu entkommen. Leugneten sie die Anschuldigungen der Kinder, war ihnen ein Verhör in der Folterkammer sicher, welchem auf Dauer kaum jemand gewachsen war. Die Kinder hingegen hatten vor den Kommissaren beziehungsweise den Rutenstreichen meist panische Angst, so dass sie lieber gestanden und auch ihre Eltern oder Geschwister belasteten. Hielten, vor allem ältere, Kinder vorerst der Befragung stand und leugneten, wurden sie schon bald mit ihren Geschwistern, welche bekannt hatten, konfrontiert. 

6.5. Auswirkungen auf hinterbliebene Kinder

Wie schon im vorstehenden Fallbeispiel deutlich wurde, kamen die jüngsten Kinder meist mit dem Leben davon. Doch welche Auswirkungen hatte eine Verurteilung der Eltern und/oder Geschwister für diese? Die seelischen Folgen eines solchen Dramas sind unbeschreiblich. Allein der Anblick der brennenden Scheiterhaufen, auf welchen die nächsten Verwandten gefesselt waren, müssen traumatische Folgen gehabt haben. Die so schon schwer geschockten Kinder, beziehungsweise nunmehrigen Waisen, wurden zur besseren Erziehung anschließend zu fremden Leuten gegeben, welche sicherlich ebenfalls kaum liebevoll mit ihnen umgegangen sind. Zum einen galt es, sie durch Zucht und strenge religiöse Unterweisung wieder auf den rechten Weg zu bringen, zum anderen mussten zusätzliche Münder gestopft werden. Jedoch auch die sozialen Folgen waren äußerst schwerwiegend. "Niemand kann ermessen, welchem Druck, welcher Lebensbeeinträchtigung und welch beständiger Bedrohung Kinder aus "Hexenfamilien" ausgesetzt waren. Der Makel, eine Hexe zur Großmutter, Tante oder gar Mutter zu haben, brannte sich wie ein untilgbares Stigma ein." [337]

Unvorstellbar ist auch die Sorge der zum Tode verurteilten Eltern um ihre hinterbliebenen Kinder. Zum Teil sind uns letzte Verfügungen erhalten, welche abschließend kurz betrachtet werden sollen. Im Falle der Rebekka Lemp wurde bereits erwähnt, dass sie ihren Ehemann bat, ihre Halskette in sechs Teile zu trennen und den Kindern daraus Armkettchen zu machen. Weiters sind auch aus dem bereits erwähnten Fall der Kanzlerfamilie Haan einige Testamente überliefert. In diesen Testamenten werden stets auch die Armen bedacht, welche für das Seelenheil der Hinzurichtenden beten sollten. Auffällig sind auch die großzügigen Spenden an karitative Einrichtungen, welche ebenfalls dem Seelenheil dienen sollten. Doch interessieren in diesem Fall in erster Linie die hinterbliebenen Kinder der Verurteilten. So vermachte beispielsweise Katharina Röhm, sie ist die 24-jährige Tochter des Kanzlerehepaares, ihrer Kinderfrau einen braunen Rock, damit diese gut auf ihr Kind aufpasse. Auch ihre Schwester solle einen Gürtel erhalten, damit sie Katharinas Kind versorge. [338] Das Testament des Kanzlers selbst, beginnt ebenfalls mit der Sorge um seine hinterlassenen Kinder. "Den beiden jüngsten Kindern sollen 3000 fl im voraus gegeben werden. Beim Tod eines dieser Kinder solle das Überlebende dessen Erbe sein. Anschließend bestimmte Dr. G. Haan die Vormünder für seine Kinder. Hans Ernsten (Person nicht identifiziert) wolle er seiner jüngsten Tochter gönnen, aber auch dem Daniel, dessen zweiter Vormund Herr Triebel war. [...] Fünf doppelte Dukaten sollen wie folgt verteilt werden: einen der jüngsten Tochter, den zweiten dem Daniel, den dritten und vierten Georg Adams Kindern [339], den fünften dem Martin Röhm." [340]

Diese beiden Testamente zeigen einen deutlichen Unterschied in der Sorge für die hinterbliebenen Kinder. Während Katharina Röhm in erster Linie Gewand an andere erwachsene Personen vermachte, welche sich um ihr Kind kümmern sollten, vererbte der Kanzler den Kindern selbst in erster Linie Geld und kümmerte sich um deren Vormünder. Von der Ehefrau Dr. Georg Adam Haans, also der Schwiegertochter des Kanzlers, ist kein eigentliches Testament erhalten, jedoch äußerte sie während eines Verhörs die auffällige Bitte, der Fürstbischof möge sich nach ihrem Tod ihrer kleinen Kinder annehmen. [341] Eine Erklärung hierfür ist nicht erwiesen, jedoch wird vermutet, dass sie bereits befürchtete, dass auch weitere Familienmitglieder in den Prozess verwickelt werden würden und daher nicht mehr für ihre Kinder sorgen konnten.

<65> 

Zum Abschluss sei noch das Testament der erst 14-jährigen Kanzlertochter Ursula Maria Haan erwähnt, welche ebenfalls hingerichtet wurde. Auch sie legte fest, dass Messen für sie gelesen werden sollen und tätigte einige kirchliche Spenden. Ansonsten vermachte sie vielen unterschiedlichen Personen diverse Gegenstände beziehungsweise Geld. So erhielt beispielsweise neben einigen weiteren Erwachsenen auch ihr Vormund für seine Mühe bei der Verwaltung einen Becher. Ihrem Brüderlein Daniel hinterließ sie den größten silbernen Becher und das silberne Fläschlein. Außerdem solle er die vergoldeten Bänder und den Gürtel bekommen. Ihrer Nichte Ursel Katharina, der Tochter ihres Bruders Georg Adam, vermachte sie ihren schönsten Beutel. Ihre beiden Patenkinder erhalten je einen Dukaten, ihr Neffe, das Kind von Martin und Katharina Röhm, ihr silbernes Kindlein, wohl ihre Puppe, auf der ein Name stand. [342] Ursula Maria scheint in ihrem Testament somit alle Personen, welche ihr wichtig waren, bedacht zu haben.

Diese Testamente zeigen, zusammen mit den in dieser Arbeit zitierten Briefen, in welcher Sorge Eltern ihrer Kinder wegen vor ihrer Hinrichtung waren. Einige der Eingezogenen gaben schon bei ihrer Festnahme jegliche Hoffnung auf, ihre Kinder wiederzusehen. Ein rührendes Beispiel stellt jenes der Ursula Eck dar. Bevor man sie ins "Gefängnis brachte, backte sie ihren Kindern einen Kuchen; sie ließ sich vom Zentgrafen noch einmal um ihr Haus führen, wünschte den Nachbarn gute Nacht und äußerte: 'Sie sehe doch ihr Haus und Kindt nit mehr'." [343] Über das tatsächliche weitere Schicksal hinterbliebener Kinder gibt es leider keine Unterlagen, außer sie wurden später selbst als Hexen verhaftet und verurteilt. Wie bereits angeführt wurde, standen viele Kommissare im Glauben, dass eine Verwandtschaft mit einer Hexe dazu prädestinierte selbst ebenfalls der Hexensekte anzugehören, weshalb zu vermuten ist, dass viele der ursprünglich verschonten Kinder nach einigen Jahren das gleiche Schicksal ereilte, wie jenes ihrer Eltern oder Geschwister.

7. ZUSAMMENFASSUNG

Die vorliegende Arbeit hatte es sich zur Aufgabe gestellt, die anfangs nur passive, später jedoch auch aktive Rolle der Kinder in Hexenprozessen darzustellen und somit ihre historische Entwicklung aufzuzeigen. In einem einleitenden Kapitel wurden die sozialen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, welche wesentliche Auswirkungen auf die Hexenprozesse hatten, kurz beleuchtet. Hierbei wurde die Kindheit in der frühen Neuzeit dargestellt, wobei sich zeigte, dass viele Klischees, welche lange Zeit unangefochten galten, nunmehr als überholt angesehen werden. So beispielsweise die Thesen von Philippe Ariès und Lloyd de Mause, wobei Ersterer annahm, dass ein Kind, sobald es laufen gelernt hatte, übergangslos zu den Erwachsenen gezählt wurde, und Zweiterer davon ausging, dass Kindheit in der frühen Neuzeit ein reiner Alptraum war. Auch wenn Kinder der frühen Neuzeit, zumindest teilweise, sicherlich unter schwierigeren Bedingungen als heute aufwuchsen, zeigte sich doch, dass Eltern um ihr Wohl besorgt waren und im Falle einer Krankheit nichts unversucht ließen, um ihrem Kind zu helfen. Trotzdem war eine Erziehung ohne Rute undenkbar, welche sich auch in der Schule fortsetzte, jedoch nur zum Besten des Kindes dienen sollte. Neben dem Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen wurde in der Schule vor allem auf eine religiöse Bildung der Kinder Wert gelegt, was nicht zuletzt die zahlreichen religiösen Pflichten der Kinder bestätigen. 

Viele Kinder wuchsen jedoch in weniger geordneten Verhältnissen auf, da ihre Eltern entweder früh verstarben oder sich ausschließlich durch Betteleien ernährten. Diese Armut hatte wiederum große Auswirkungen auf die Hexenprozesse, da Bettler schon bald mit dem Bösen schlechthin in Verbindung gebracht und daher als Hexen oder Zauberer angeklagt wurden. Bedingt war die Armut durch individuelle Unglücksfälle beziehungsweise durch Seuchen, Kriege und Missernten, welche zu Lebensmittelknappheit und starken Teuerungen führten. Dies wirkte sich in weiterer Folge auf das soziale Leben der Menschen aus, welches schnell von Neid, Hass und Missgunst geprägt war und so die Hexenverfolgung ebenfalls wesentlich beeinflusste. Selbstverständlich wäre eine Hexenverfolgung in dem Ausmaße wie sie unter anderem im Territorium des heutigen Deutschlands erfolgte, allein aufgrund dieser Rahmenbedingungen nicht möglich gewesen. Eine solche Verfolgung kann nur durch die unwürdigen Bedingungen in den Gefängnissen und der Folter erklärt werden, unter welcher die Inquisiten kaum eine andere Möglichkeit hatten, als selbst die absurdesten Taten zu bekennen. Es wurde in dieser Arbeit auch darauf hingewiesen, dass die Folter jedoch nicht den Zweck hatte, den Menschen Schmerzen zuzufügen, als vielmehr den Dämon aus ihnen zu vertreiben, so dass sie die "Wahrheit" gestehen konnten und somit in erster Linie als Beweismittel diente. In diesem Sinne wurde auch die Verbrennung am Scheiterhaufen als gerechte Strafe angesehen, da das Feuer die Seele des Verurteilten reinigen sollte, weshalb man auch Kinder immer wieder dazu anhielt, den Hinrichtungen beizuwohnen. Die seelischen Auswirkungen solcher Erlebnisse seien hierbei dahingestellt. 

<66> 

Ein weiteres wesentliches Einflusselement war jenes 1487 erschienene Werk des Dominikaners Heinrich Kramer. Dieser "Hexenhammer", in welchem das Hexenwesen auf das weibliche Geschlecht zugespitzt wurde, sollte den Richtern, vor allem im dritten Teil, als Richtschnur für die Verhörsführung dienen. Heinrich Kramer sieht in seinem Werk Kinder in erster Linie als Opfer. Sie werden von Hexen angeblich gegessen, dem Teufel am Hexensabbat geopfert, oder ihre Leichen zu diversen Salben verarbeitet. Die Gründe für diesen - angeblichen - bestialischen Kindermord beziehungsweise Kinderkannibalismus lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: 

  1. Kindern wurde eine besondere Zauberkraft zugeschrieben, welche durch den Verzehr des Kinderfleisches auch auf die eigene Person übergehen würde;  

  2. Kinderblut diente dazu, das eigenen Leben zu verlängern;  

  3. Kinder galten, im Gegensatz zu anderen Speisen auf dem Hexensabbat, als besonderer Leckerbissen;  

  4. der Genuss von Kinderfleisch konnte dazu führen, unsichtbar zu werden;  

  5. er bewirkte die Kunst der Verschwiegenheit, das heißt, Hexen konnten auch unter der Folter nicht gestehen.  

Wurden Kinder nicht verspeist, sondern aus ihren Leichen Säfte, welche vor allem in Italien als beliebtes Liebeszaubermittel dienten, und Salben erzeugt, so bewirkten diese, dass:

  1. Hexen durch Einreiben des eigenen Körpers beziehungsweise eines Gegenstandes mit diesen Salben fliegen konnten und so zum Sabbat gelangten;  

  2. man durch Einreiben des Körpers unsichtbar wurde;  

  3. eine Verwandlung in Tiere ermöglicht wurde;  

  4. man mit ihnen Schadenszauber jeglicher Art durchführen konnte.  

Kindesmord und Kinderkannibalismus finden sich in fast allen Aussagen wieder. Trotzdem hob der Hexenhammer besonders eine Berufsgruppe hervor, welcher diese Handlungen nachgesagt wurden: jene der so genannten Hexenhebammen. Es zeigte sich jedoch, dass Hebammen in der Opferstatistik keineswegs überrepräsentativ vertreten sind, sondern sich ihre Zahl nur in einem kleinen Bereich bewegte und sie des Öfteren in Hexenprozessen auch auf Seiten der Richter standen um bei der Auffindung des Teufelszeichen zu helfen beziehungsweise eine vorgegebene Schwangerschaft festzustellen hatten. In dieser Arbeit wurde als Beispielsfall jener der 60-jährigen Kölner Hebamme Enn Volmers untersucht, durch welchen gezeigt wurde, wie Anzeigen zustande kommen konnten. In Zeiten, welche durch den Glauben an Hexen geprägt waren, reichten oft schon Kleinigkeiten aus, um darin einen "Beweis" für eine Verhexung zu sehen. Miss- beziehungsweise Totgeburten waren keine Seltenheit und so musste die Hebamme oftmals als Sündenbock herhalten. 

Neben den Hebammen geriet jedoch auch der Berufsstand der Geistlichen in Verdacht, Kinder, durch die Taufe, dem Teufel zu weihen. Hierfür wurde der Fall des Hatzendorfer Pfarrers Gregor Agricola untersucht. In Verruf gerieten die Geistlichen vor allem durch einen verbreiteten schlechten Lebenswandel. Ihnen wurde vorgeworfen, Kinder nicht im Namen Gottes, sondern im Namen des Teufels zu taufen, was dazu führte, dass viele Kinder nach der Hinrichtung der angeblichen Teufelspriester erneut getauft wurden. 

<67> 

Seit Ende des 16. Jahrhunderts traten Kinder schließlich auch aktiv in Hexenprozessen auf - vorerst jedoch lediglich als Ankläger. Einer der ersten, welcher sich mit der Frage beschäftigte, ob Kinder einerseits als Zeugen in einem Prozess zuzulassen seien, und ob diese andererseits auch gefoltert werden dürfen, war der Weihbischof Peter Binsfeld. Er bejahte diese Fragen in seinem 1589 in lateinischer Sprache erschienen, jedoch schon ein Jahr später ins Deutsche übersetzten, Werk grundsätzlich, da es sich im Falle der Hexen um ein Ausnahmeverbrechen handle und daher auch Kinder als Zeugen herangezogen werden dürfen. Die Motive dafür, dass auch Kinder Erwachsene und zum Teil sogar ihre eigenen Eltern des Hexenverbrechens beschuldigten, waren äußerst vielfältig und lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: 

  1. Wurden Kinder als Zeugen akzeptiert, konnten sie zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit eines gesamten Gemeinwesens werden;  

  2. Gab ein Kind vor, besessen zu sein, konnte es demnach mit einer ihm ansonsten wohl kaum dargebrachten Aufmerksamkeit rechnen, wie im Fall des 14-jährigen Knaben aus Glaris gezeigt wurde;  

  3. Die Vorgabe zaubern zu können, erregte nicht nur bei Erwachsenen, sondern auch bei Gleichaltrigen Aufmerksamkeit und stärkte das Ansehen unter den Spielkameraden;  

  4. Durch die Möglichkeit als Zeugen gegen Erwachsene vor Gericht auszusagen, hatten Kinder, welche ansonsten gezwungen waren, die Befehle jener auszuführen, die Möglichkeit nun selbst Macht über diese auszuüben.  

Die genannten Punkte können als mögliche Motive gelten, warum Kinder von sich aus andere Personen denunzierten. Wie in dieser Arbeit auch gezeigt wurde, erfolgte eine Denunziation jedoch auch auf Anleitung der Erwachsenen. Sowohl die eigenen Eltern, welche sich dadurch einerseits finanzielle Vorteile versprachen, und andererseits eventuelle "gegnerischen" Personen auf einfach Weise los werden wollten, als auch die Behörden, welche hofften, durch die Aussagen der Kinder weitere Personen inhaftieren zu können, manövrierten Kinder in ihre neue Rolle. 

Für Kinder war es oftmals ein Leichtes zu Informationen über den Hexensabbat zu gelangen, da das Thema "Hexe" in aller Munde war, und sogar in der Kirche von der Kanzel darüber gepredigt wurde. Weiters gab es durch die Erfindung des Buchdrucks Flugschriften, aus denen man sich, sofern man nicht selbst lesen konnte, vorlesen ließ. Zusätzlich mussten Kinder Hinrichtungen verurteilter Hexen beiwohnen, denen eine Verlesung des Geständnisses vorausging.

Die Reaktionen der Erwachsenen auf die denunzierenden Kinder waren unterschiedlich. Einerseits wurden Kinder in ihrem Verhalten bestärkt, andererseits stand man ihnen jedoch auch skeptisch gegenüber, wie das Beispiel der beiden besessenen Mädchen aus Brakel zeigte. Es dauerte jedoch nicht lange und die Einstellung diesen Kindern gegenüber begann sich grundlegend zu ändern, indem, vor allem die Obrigkeit, in ihnen nicht mehr nur die Opfer der Hexen sah, sondern dazu überging auch Kinder zu verhaften, zu foltern und hinzurichten. Folgende Gründe waren für die Bildung des Glaubens an Kinderhexen ausschlaggebend: 

  1. Kinder gestanden von sich aus, hexen zu können und am Hexensabbat teilgenommen zu haben;  

  2. Erwachsene gaben in ihren Verhören an, schon als Kinder von ihren Eltern verführt worden zu sein;  

  3. Die "selbsteygene Boßheit" der Kinder, verbunden mit einer mangelnden Erziehung durch die Erwachsenen, machte es dem Teufel leicht, Kinder für sich zu gewinnen - so der Glaube der Menschen;  

  4. Kinder konnten außerdem durch den geschlechtlichen Verkehr zwischen dem Teufel mit einer Frau gezeugt werden. Obwohl diese meist Missgeburten waren, wurde auch durch sie der Glaube an Hexenkinder verstärkt.  

Wurden Kinder, egal ob einzeln oder in Gruppen, vor Gericht gestellt, machte man keinen altersbedingten Unterschied in der Glaubwürdigkeit ihrer Aussagen. Gestanden Kinder nicht von sich aus, so wurden auch sie der Folter unterworfen, welche jedoch meist in anderer Weise als bei Erwachsenen vorgenommen wurde und in den meisten Fällen in einer entsprechenden Anzahl an Rutenschlägen bestand, wobei die Ruten entweder vorher in Weihwasser geweicht wurden oder mit Dornen besetzt waren. Das Urteil selbst richtete sich in einem gewissen Grad nach dem Alter der Kinder. So wurden Kinder unter zehn Jahren in den meisten Fällen nicht hingerichtet, sondern kamen zu Pflegefamilien, welche sie durch entsprechende Zucht und religiöse Unterweisung wieder auf den rechten Weg zurückführen sollten. Kinder zwischen zehn und vierzehn Jahren wurden vor der Verbrennung meist erdrosselt oder durch das Fallbeil geköpft, welches als mildeste Hinrichtungsart galt. Auffällig ist, dass in diesen Prozessen, allen voran dem Zauberer-Jackl-Prozess, zum Großteil Bettelkinder verwickelt waren, was eventuell auf eine fehlende Sozialisierung dieser Kinder zurückzuführen ist. Wurden auch Kinder aus einer mehr oder weniger intakten Familie angeklagt beziehungsweise verhaftet, so waren die Reaktionen der Eltern sehr unterschiedlich und reichten von Hilflosigkeit bis zu einer völligen Abwendung von ihren Kindern, indem sie diese aus dem Hause jagten und nichts mehr mit ihnen zu tun haben wollten, wie die angeführten Beispiele zeigten. 

<68> 

Auf die Reaktionen einer Familie bei Einziehung eines Familienmitgliedes wurde auch in Kapitel VI) nochmals eingegangen, wobei sich zeigte, dass diese von einer aktiven Unterstützung, welche für die Inhaftierten hinsichtlich eines Freispruches beziehungsweise einer Vermeidung eines Geständnisses von enormer Bedeutung waren, bis zu einer völligen Abwendung von der/dem Angeklagten reichten. Als Beispiel für eine aktive Unterstützung wurde der Fall von Rebekka Lemp aus Nördlingen besprochen, während die Briefe des Zöllners David Mohr als Beispiel dafür dienten, dass selbst Ehemänner ihre Frauen für schuldig hielten und sich von ihnen abwandten. In den meisten Fällen, vor allen jenen, in denen Angehörige der Unterschichten verwickelt waren, legten die Angehörigen ein meist passives Verhalten an den Tag, da ihnen einerseits die finanziellen Mittel für eine aktive Verteidigung und zumeist auch die nötige Rechtskenntnis fehlten. In vielen Fällen hatten Angehörige jedoch gar keine Möglichkeit, ihren Familienmitgliedern Unterstützung zu leisten, da sie selbst ebenfalls in den Prozess verwickelt waren. Wurden ganze Familien eingezogen, verhörte man in erster Linie die Kinder, da man hoffte, von diesen leichter ein Geständnis zu erhalten, in welchem sie auch die übrigen Familienmitglieder belasteten, wie am Fallbeispiel der Familie Händl aus Salzburg gezeigt wurde. Nachdem die jüngsten Kinder meist mit dem Leben davon kamen, wurde am Schluss dieses Kapitels noch versucht, die Auswirkungen auf hinterbliebene Kinder zu skizzieren, deren Eltern und/oder Geschwister hingerichtet wurden. Über ihr tatsächliches weiteres Leben können hierbei jedoch lediglich Vermutungen angestellt werden. In einigen Fällen finden sich ihre Namen jedoch einige Jahre später erneut in Protokollen von Hexenprozessen, da das Stigma, aus einer Hexenfamilie zu stammen, untilgbar an ihnen haftete und sie daher selbst als Hexe/r angeklagt wurden.

Weiters zeigte sich, dass die aufgestellte Arbeitsthese - zwischen Opfer und Angeklagter bestehe insofern ein soziales Verhältnis, indem eine Anklage stets auf einem unmoralischen Verhalten des Anklägers basiere - nur in einigen Fällen bestätigt werden konnte, jedoch anhand der hier untersuchten Beispiele nicht verallgemeinert werden kann. Ob sie aufgrund dieser Beispiele jedoch generell zu falsifizieren ist, sei dahingestellt, da man für eine solche Vorgangsweise sicherlich weitere Fälle untersuchen müsste. Des Weiteren muss angemerkt werden, dass sie auf Prozesse, in welchen mehrere Kinder beziehungsweise ganze Familien verwickelt waren, nicht angewandt werden kann, da eine Denunziation in diesen Fällen meist erst unter der Folter erfolgte. 

Anhand der in der Arbeit genannten Beispiele zeigte sich, dass Kinder eine nicht zu unterschätzende Rolle in den Hexenprozessen spielten. Einige Fragen mussten bei der Betrachtung ihrer Rolle vorerst unbeantwortet bleiben, was nicht zuletzt darauf zurückzuführen ist, dass die Forschung lange Zeit den Blick vor den Kindern verschlossen hielt und sich erst in letzter Zeit verstärkt auch ihnen zuwendet. Es bleibt zu hoffen, dass auf derzeit noch unbeantwortete Fragen auch in Zukunft eine Antwort gegeben werden kann. 

8. Anhang (Überblick über Kinderhexenprozesse)

<69> 

Die nachfolgenden Daten erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern stellen lediglich eine Zusammenstellung jener größeren Prozesse dar, welche in der Literatur, die für diese Arbeit verwendet wurde, vorgefunden wurden. Die nachfolgende Liste soll jedoch einen kleinen Überblick verschaffen und eventuell zur Ergänzung durch weitere Forschungen anregen. Dabei ist zu beachten, dass keine Verfahrensdaten zur Opferrolle der Kinder angegeben werden, da diese praktisch in allen Hexenprozessen vorkam. Auch wurde auf die Auflistung einzelner Prozesse verzichtet, deren Folgen der Denunziation nicht über die betroffene Familie hinausgingen, und sich daher nur in einem sehr beschränkten Ausmaß hielten. Weiters wurde die Altersgrenze von 14 Jahren in zwei Fällen dieser Auflistung überschritten. Die beiden Fälle wurden jedoch trotzdem in die Liste aufgenommen, da die Prozesse größere Ausmaße erreichten. Zusätzlich enthält diese Liste einige Daten, welche für die Entwicklung der Hexenverfolgung von entscheidender Bedeutung waren. 

1252: Das Mittel der Folter wird von Papst Innozenz IV. und 1265 von Clemens IV. ausdrücklich als legitimes Mittel des Inquisitionsprozesses anerkannt. 

1484: Papst Innocenz VIII. ernennt Heinrich Kramer und Jakob Sprenger in seiner Bulle "Summis desiderantes affectibus" zum Inquisitor. Diese Bulle stellt gleichzeitig einen Wandel in der Einstellung der Kirche zur Hexenverfolgung dar und ist durch die Erfindung des Buchdrucks das erste Werk der Hexenliteratur, welches massenhafte Verbreitung findet. 

1487: Heinrich Kramer, alias Institoris, veröffentlicht den Malleus Maleficarum, jenes berühmt-berüchtigte Buch, das als Grundlage für die Hexenverfolgung diente und die Verfolgung der Hexen vor allem auf das weibliche Geschlecht zuspitzte. 

1566: Die Kinder eines Amsterdamer Waisenhauses geben vor besessen zu sein und beschuldigen eine alte Straßenhändlerin. Die Verantwortlichen reagierten in diesem Fall jedoch sehr aufgeklärt. Sie verhinderten den Kontakt der Kinder unter einander indem sie sie zu verschiedenen Familien in der Stadt schickten und schon bald hörten die Anfälle der Kinder auf. 

1589: Peter Binsfeld beschäftigt sich in seinem Werk "Tractatus de confessionibus maleficiorum et sagarum" erstmals mit der Frage ob Minderjährige als Zeugen vor Gericht zugelassen werden dürfen beziehungsweise ob sie auch der Folter unterworfen werden können und bejaht dies. 

1590: wird sein Werk in München mit dem Titel "Tractat von Bekanntnuß der Zauberer und Hexen" ins Deutsche übersetzt. 

1589: Die 10-jährige Jane der Familie Throckmorten in Warboys löst durch ihre Krankheit (aus heutiger Sicht Epilepsie), welche damals jedoch als Besessenheit angesehen wurde, einen Prozess aus. Schon bald hielten sich auch viele andere Kinder für besessen. Beschuldigt wurde Mutter Samuel, eine alte Frau aus dem Dorf, welche neben zwei weiteren Beschuldigten gehängt wurde. 

1589: Ein 14-jähriger Junge löst in Bobingen (Nähe Augsburg) eine Hexenverfolgung aus, indem er erzählte, selbst am Hexensabbat teilgenommen zu haben und daher auch alle Hexen zu kennen. Obwohl man ihm ursprünglich keinen Glauben schenkte, wurden dennoch im Laufe der weiteren Verfahren 45 Personen inhaftiert und mindestens 27 Frauen als Hexen verbrannt.

ca. 1600: In Frankreich gibt die 8-jährige Françoise Secretain vor, besessen zu sein. Henry Boguet nimmt sich des Falles an, verhaftet die beschuldigte Frau, welche unter der Folter weitere Namen nennt. Die Lawine beginnt zu rollen. 

1613: In Roermond (Niederlande) spuckt ein 12-jähriges Mädchen während dem Spielen Nägel, Geld, Garn und Bänder aus dem Mund und beschuldigt die eigene Mutter diese Zaubereien von ihr gelernt zu haben. Die Mutter gesteht unter der Folter und zieht damit weitere Menschen mit sich in den Tod. Insgesamt wurden in diesem Prozess innerhalb eines Vierteljahres 64 Menschen hingerichtet. 

1625: Eine 11-Jährige löst einen Prozess in Augsburg aus. Sie beschuldigt ursprünglich eine nahe Verwandte, nachdem man ihr keinen Glauben schenkte, die eigene Mutter, welche im weiteren Verlauf hingerichtet wird. 

<70> 

1628/29: Am Weihnachtstag 1628 reichen die Bürger der Stadt Werthheim eine Supplik an die Herrschaft zur Hexenverfolgung ein, da die beiden Söhne von Barthol Klein, 10 und 5 Jahre alt, "nachdenkliche Reden von geschehener Hexerei" geführt hatten. Die beiden Kinder werden verhört. Der Ältere denunziert 4 weitere Erwachsene und 2 Kinder, so dass sich der Prozess in Bettingen schnell ausweitet. Am 07. Mai 1629 werden 6 Personen, am 24. Juli 1629 weitere 4 Personen hingerichtet. Die Folgen dieses Prozesses sind jedoch noch nach Jahren zu spüren, da noch 1644 Personen einvernommen werden, deren Anzeige auf das Jahr 1629 zurückgeht. 

1634: 4 Knaben einer Schulklasse sollen vom Teufel verführt worden sein, und werden zur Beobachtung ins Spital gebracht und der Aufsicht des Schulmeisters von Erlenbach unterstellt. Obwohl dieser in der Nacht stets mit ihnen betet, um sie so am Ausfahren zu hindern, bekennen die Kinder, dass sie trotzdem "draußen" waren und beschuldigen weitere Kinder und Erwachsene, indem sie vorgeben, diese auf dem Sabbat getroffen zu haben. 

1654: Der 14-jährige Johan Herman beschuldigt seine Dienstgeberin Grote Grete ihm das Zaubern gegen seinen Willen gelernt zu haben. Einige der weiteren Bediensteten stimmen in die Beschuldigungen mit ein und Grete wird verhaftet, gefoltert und hingerichtet. 

1654: In Graubünden sollen 15 Kinder zwischen 8 und 12 Jahren als angebliche Hexen zum Tode verurteilt werden. Dies wird dem Heiligen Offizium in Rom vom Nuntius in Luzern mitgeteilt. Rom versuchte schon des Längeren die Justiz in Graubünden vom harten Kurs bei den Verfolgungen abzubringen und lässt daher die Kinder nach Mailand holen. Damit wird ihr Leben gerettet. 

1656 - 1658: 2 junge Mädchen in Brakel (Hochstift Paderborn) im Alter von 16 - 20 Jahren (also eigentlich keine Kinder mehr) geben vor besessen zu sein. Obwohl man ihnen anfangs keinen Glauben schenkte stieg die Zahl der Besessenen schon bald auf 12 an. Die Verfolgung wurde eingeleitet und kostete schließlich 30 Personen das Leben. 

1656 - 1657: 11 Kinder in Parchim geben aus den unterschiedlichsten Gründen an, von Catrina Zeleke verhext worden zu sein. Catrina wird auch beschuldigt ein Kind getötet zu haben. Sie wird verhaftet, gefoltert und stirbt schließlich unter der Folter. Doch die Anfälle der Kinder lassen auch jetzt nicht nach. Die Denunziationen dauerten so lange an, bis sie sich auch gegen den Bürgermeister, Rat und Stadtvogt wandten. 

1669/70: In Mora (Schweden) löst die Aussage eines 15-jährigen Jungen, welcher ein Mädchen beschuldigt des Nachts Kinder für den Teufel zu stehlen, eine wahre Prozesslawine aus, in deren Verlauf 70-80 Erwachsene [344] und 15 Kinder verbrannt wurden.

1675 - 1689: Zauberer-Jackl-Prozess in Salzburg. Dieser Prozess rankt sich um die legendäre Gestalt des Zauberer Jackls, welcher jedoch nie festgenommen werden konnte. In diesem Prozess, welcher ein reiner Bettel-Buben-Prozess war, wurden insgesamt 139 Malefikanten hingerichtet, darunter 39 Kinder im Alter von 10 bis 14 Jahren und weitere 53 Jugendliche zwischen 15 und 21 Jahren. 

1683/84: Kinderhexenprozess in Calw (Baden Württemberg). Dieser wurde durch die Aussagen von Kindern im Alter zwischen 7 und 10 Jahren eingeleitet, welche vorgaben in der Nacht zum Hexensabbat entführt zu werden. Der Prozess endete jedoch "nur" mit der Verurteilung einer alten Witwe und ihrem Stiefenkel sowie mit der Vertreibung einiger Personen aus der Stadt.

1691 - 1693: Die 9-jährige Elizabeth Parris löst in Salem die wohl bekannteste Hexenjagd aus, in welche Kinder verwickelt waren, indem sie vorgibt, von der Sklavin Tituba verhext worden zu sein. Schon bald geben immer mehr Mädchen vor, besessen zu sein. Insgesamt sterben in diesem Prozess 19 Menschen. 1693 werden 8 bereits Verurteilte begnadigt, 2 Monate später alle noch Inhaftierten frei gelassen. 

1697: Die 11-jährige Christina Shaw löst in Schottland einen Prozess aus, in welchem 21 Menschen der Hexerei angeklagt und 7 davon verbrannt wurden. Christina gab solange vor besessen zu sein, bis die 7 Personen verbrannt waren und gesundete danach augenblicklich. 

<71> 

1699/1700: In einem Braunauer Prozess sind 5 Bettelbuben verwickelt, welche unter der Folter (Rutenstreiche) Geständnisse ablegen. 4 der Knaben werden hingerichtet, ein einziger überlebt und wird wieder freigelassen. 

1715 - 1717: In diesen ersten der beiden Freisinger Kinderhexenprozesse waren mehrere Bettelkinder (zwischen 9 und 14 Jahre) verwickelt, welche durch ihre Behauptungen, sie könnten Mäuse und Ferkel machen, Aufsehen erregten. Sie wurden gefangen, gefoltert und gestanden. Nach 20-monatiger Gefangenschaft erhängte sich einer der Buben im Gefängnis, ein weiterer erlag seiner Krankheit. 3 Kinder wurden hingerichtet, 2 weitere mussten der Vollstreckung des Todesurteils zusehen und wurden dabei mit Ruten gezüchtigt. 

1716: In Mühlendorf werden mehrere Knaben unter dem Verdacht des Mäusemachens, Vergraben einer Hostie und des Wetterzaubers verhaftet, jedoch außerordentlich milde, lediglich mit Züchtigung durch den Schulmeister, bestraft. 

1721-1723: Einer der freigelassenen Knaben des 1. Freisinger Prozesses wird aufgrund eines Diebstahls erneut verhaftet. Der Prozess weitet sich schnell aus und die ersten Todesurteile wurden vollstreckt. Insgesamt wurden jedoch viele der Inhaftierten 1723 wieder freigelassen. Allerdings muss dabei beachtet werden, dass diese durch die lange Gefangenschaft und schwere Folter in den meisten Fällen körperliche Schäden davontrugen. 

I. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Kinderspielebild von Pieter Breughel d. Ä.
(Original in der Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museum in Wien) hier aus: http://amor.rz.hu-berlin.de/~h0444xbo/brueghel.htm (12.02.2003)

Abb. 2: Kinderopfer zur Bereitung einer Hexensalbe
Original im "Compendium Maleficarum" von Francesco Maria Guazzo (1626) hier aus: http://www.nd.edu/~dharley/witchcraft/Guazzo.html#parents (17.02.2003)

Abb. 3: Erwachsene opfern dem Teufel ein Kind
Original im "Compendium Maleficarum" von Francesco Maria Guazzo (1626) hier aus: http://www.nd.edu/~dharley/witchcraft/Guazzo.html#parents (17.02.2003)

Abb. 4: Kochen von Kinder(leichen) (Bildausschnitt)
Original am Titelblatt der Schrift des Hexenverfolgers Peter Binsfeld "Tractatus de confessionibus maleficorum et sagarum" von 1589; hier aus: http://www.sfn.uni-muenchen.de/forumhexenforschung/Hexen_und_hexenprozesse.pdf (22.02.2003)

Abb. 5: Auszug aus dem Taufbuch der Pfarre Hatzendorf aus der Zeit um 1675
aus: Valentinitsch, Helfried (Hrsg.).1987. Hexen und Zauberer. Die große Verfolgung - ein europäisches Phänomen in der Steiermark. Graz, Wien. S 329.

Abb. 6: Daumenschraube
(Original: in den "Beylagen" der Constitutio Criminalis Theresiana oder Der Römisch=Kaiserl. zu Hungarn und Böheim etc. Königl. Apost. Majestät Mariae Theresiae ... Peinliche Gerichtsordnung", erschienen in Wien 1768) hier aus: http://www.gazette.de/Archiv/Gazette-27-August2000/ Buchkunst.html (12.02.2003)

Abb. 7: Hängefolter
Miller, Rob. 1990. Körperstrafen im juristischen Sinn. Von der peinlichen Befragung. Hexenprozesse 1450 - 1750. hier aus: http://mywebpage.netscape.com/corpungermany/jur1.htm(13.02.2003)

Abb. 8: Kinder als Ankläger in den Salemer Prozessen
Original im Peabody Essex Museum hier aus: http://www.rootsweb.com/~nwa/witch.html (03.03.2003)

Abb. 9: Kinder als Ankläger in den Salemer Prozessen
hier aus: http://www.culturalresources.com/images/SalemWitchcraft.jpg (03.03.2003)

Abb. 10: Kinder vor dem Teufel
Original im "Compendium Maleficarum" von Francesco Maria Guazzo (1626) hier aus: http://www.nd.edu/~dharley/witchcraft/Guazzo.html#parents (13.03.2003)

Abb. 11: Hochzeit zwischen einem Mädchen und dem Teufel, von der Mutter arrangiert
(Bildausschnitt aus dem Jahre 1588) hier aus: http://www.boudicca.de/pic15.htm (19.03.2003)

Abb. 12: Rebekka Lemp mit ihrer Familie beim Beten
In: Praxis Geschichte 4 (1991) (Photo: Wagner/Photohaus Hirsch). Hier aus: http://www.sfn.uni-muenchen.de/forumhexenforschung/Die_geschaendete_ehre.pdf (19.07.2002)

II. Literaturverzeichnis

Quellensammlungen: 

Behringer, Wolfgang (Hrsg.). 42000. Hexen und Hexenverfolgung in Bayern. München. 

Buchner, Eberhard. 1926. Medien, Hexen und Geisterseher. Kulturhistorisch interessante Dokumente aus alten deutschen Zeitungen und Zeitschriften (16. bis 18. Jahrhundert). München. 

Günter, Karl-Heinz [u. a.]: 61971. Quellen zur Geschichte der Erziehung. Berlin. 

Hansen, Joseph. 1901. Quellen und Untersuchungen zur Geschichte des Hexenwahns und der Hexenverfolgung im Mittelalter. Mit einer Untersuchung der Geschichte des Wortes Hexe von Johannes Franck. Bonn. 

Hexentraktate: 

Binsfeld, Peter. 1590. Tractat Von Bekantnuß der Zauberer vnnd Hexen. Ob vnd wie viel denselben zu glauben. Anfaenglich durch den Hochwürdigen Herrn Petrum Binsfeldium Trierischem Suffraganien, vnd der H. Schrifft Doctorn kurtz vnd Summarischer Weiß in Latein beschrieben. Jetzt aber allen Liebhabern der Warheit / vnd Gerechtigkeit zu gutem / verteutscht. Trier. 

Cramer, Heinrich Matthias August. 1784. Briefe über Inquisitionsgericht und Ketzerverfolgung in der roemischen Kirche. 2. Bd., Leipzig. 

Kramer, Heinrich (Institoris). 1906. Malleus maleficarum. Der Hexenhammer. Zum ersten Male ins Deutsche übertragen und eingeleitet von J.W.R. Schmidt. 1. - 3. Teil. Berlin. 

Akteneditionen: 

Hoffmann-Krayer, Ed[uard] (Hrsg.). 1899. Luzerner Akten zum Hexen- und Zauberwesen. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde 3, 22-40, 81-122, 189-224, 291-329. 

Macha, Jürgen und Herborn, Wolfgang (Bearb.). 1992. Kölner Hexenverhöre aus dem 17. Jahrhundert. Köln, Weimar, Wien. (= Mitteilungen aus dem Stadtarchiv Köln. Hrsg. v. Hugo Stehkämper. 74. Heft). 

Nachschlagewerke: 

Biedermann, Hans. 21973. Handlexikon der magischen Künste von der Spätantike bis zum 19. Jahrhundert. Graz. 

- Vampire. S 505 - 507. 

Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens. 1987. Hrsg. von Hanns Bächtold-Stäubli unter Mitwirkung von Eduard Hoffmann-Krayer. Berlin, New York. 

- Nachzehrer: Bd. 6 (Mauer - Pflugbrot) Sp. 812 - 822. 

Zedler, Johann Heinrich. 1749. Grosses vollstaendiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Kuenste welche bishero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert werden. Ein und Sechzigster Band, Zas - Zet. Leipzig und Halle. 

Sekundärliteratur:

Ariès, Philippe und Duby, Georges (Hrsg.). 1991. Geschichte des privaten Lebens. Von der Renaissance zur Aufklärung. 3. Bd. Frankfurt am Main. 

Baschwitz, Kurt. 1963. Hexen und Hexenprozesse. Die Geschichte eines Massenwahns und seiner Bekämpfung. München. 

Behringer, Wolfgang. 1987. Hexenverfolgung in Bayern: Volksmagie, Glaubenseifer und Staatsräson in der frühen Neuzeit. München. 

Behringer, Wolfgang. 1989a. Erträge und Perspektiven der Hexenforschung. In: Historische Zeitschrift, Bd. 249, 619 - 640. 

Behringer, Wolfgang. 1989b. Kinderhexenprozesse. Zur Rolle von Kindern in der Geschichte der Hexenverfolgung. In: Zeitschrift für Historische Forschung. 16. Bd., Heft 1/4. Berlin. 31 - 47. 

Bosch, Hans. 1900. Kinderleben in der deutschen Vergangenheit. Leipzig. (= Monorgarphien zur deutschen Kulturgeschichte. Hrsg. von Georg Steinhausen). 

Byloff, Fritz. 1934. Hexenglaube und Hexenverfolgung in den österreichischen Alpenländern. Berlin und Leipzig. (= Quellen zur deutschen Volkskunde. Hrsg. von V. v. Geramb und L. Mackensen. 6. Heft). 

Diefenbach, Johann. 1886. Der Hexenwahn vor und nach der Glaubensspaltung in Deutschland. Mainz. 

Dienst, Heide. Hexenprozesse auf dem Gebiet der heutigen Bundesländer Vorarlberg, Tirol (mit Südtirol), Salzburg, Nieder- und Oberösterreich sowie des Burgenlandes. In: Valentinitsch, Helfried (Hrsg.). 1987. Hexen und Zauberer. Die große Verfolgung - ein europäisches Phänomen in der Steiermark. Graz, Wien. 265 - 290. 

Dülmen, Richard van. 1990. Kultur und Alltag in der Frühen Neuzeit. Das Haus und seine Menschen 16. - 18. Jahrhundert. 1. Bd. München. 

Franz, Gunther. Der Malleus Judicum, Das ist: Gesetzeshammer der unbarmherzigen Hexenrichter von Cornelius Pleier und andere Gegner der Hexenprozesse bis Friedrich Spee. In: Herget, Winfried [Hrsg.]. 1994. Die Salemer Hexenverfolgung: Perspektiven - Kontexte - Repräsentationen = The Salem witchcraft persecutions. Trier. 27 - 48. 

Franz, Gunther. Hexensalbe - was Sie schon immer über Herstellung und Gebrauch wissen wollten. In: Rita Voltmer und Günter Gehl (Hrsg.). 2003. Alltagsleben und Magie in Hexenprozessen. Weimar. (= Historie und Politik; 13.) 57 - 63. 

Gebhard, Horst Heinrich, Pfr. 1989. Hexenprozesse im Kurfürstentum Mainz des 17. Jahrhunderts. Diss. theol., Univ. Mainz. 

Heinemann, Evelyn. 21998. Hexen und Hexenangst. Eine psychoanalytische Studie des Hexenwahns der frühen Neuzeit. Göttingen. 

Heinsohn, Gunnar und Steiger, Otto. 1985. Die Vernichtung der weisen Frauen. Beiträge zur Theorie und Geschichte der Bevölkerung und Kindheit. Herbstein. 

Kitzinger, Sheila. 1980. Frauen als Mütter. Mutterschaft in verschiedenen Kulturen. München. 

Klaniczay, Gábor. 1991. Heilige, Hexen, Vampire. Vom Nutzen des Übernatürlichen. Berlin. (= Kleine kulturwissenschaftliche Bibliothek; 31). 

Lecouteux, Claude. 2001. Die Geschichte der Vampire. Metamorphose eines Mythos. Aus dem Französischen von Harald Ehrhardt. Düsseldorf und Zürich. 

Merzbacher, Friedrich. 21970. Die Hexenprozesse in Franken. München. 

Moelller, Katrin. Vom Umgang mit "Schwarzen Schafen" - Verhaltensstrategien Angehöriger bei Hexereibezichtigungen in der Familie. In: Voltmer, Rita und Gehl, Günter (Hrsg.). 2003. Alltagsleben und Magie in Hexenprozessen. Weimar. (= Historie und Politik; 13.) 107 - 124. 

Nagl, Heinz. 1974. Der Zauberer-Jackl-Prozeß. Hexenprozesse im Erzstift Salzburg 1675 - 1690. 1. Teil. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. 112. und 113. Vereinsjahr. Salzburg. (Zugleich: phil. Diss., Univ. Innsbruck: 1966.) 

Nagl, Heinz. 1975. Der Zauberer-Jackl-Prozeß. Rechtsgeschichtliches zum Zauberer-Jackl-Prozeß. 2. Teil. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. 114. Vereinsjahr. Salzburg. (Zugleich: phil. Diss., Univ. Innsbruck: 1966.) 

Renczes, Andrea. 1990. Wie löscht man eine Familie aus? Eine Analyse Bamberger Hexenprozesse. Pfaffenweiler. (= Forum Sozialgeschichte. Hrsg. von Ulrich Knefelkamp. Bd. 1) 

Riegler, Ferdinand. 1926. Hexenprozesse. Mit besonderer Berücksichtigung des Landes Steiermark. Zur steiermärkischen Kultur. Graz.

Riezler, Sigmund von. o. J. Geschichte der Hexenprozesse in Bayern. Im Lichte der allgemeinen Entwicklung dargestellt. Stuttgart. 

Rummel, Walter. 2003. Die historische Hexenverfolgung - "Vernichtung der weisen Frauen" oder Handlungsfeld der Volkskultur gegen Hexerei? In: Rita Voltmer und Günter Gehl (Hrsg.). 2003. Alltagsleben und Magie in Hexenprozessen. Weimar. (= Historie und Politik; 13.) 81 - 93. 

Scholz-Williams, Gerhild. Das rechte Wort: Hexerei und die Diskurse der Dissidenz und der Entdeckung im sechzehnten Jahrhundert. In: Herget, Winfried (Hrsg.). 1994. Die Salemer Hexenverfolgung: Perspektiven - Kontexte - Repräsentationen = The Salem witchcraft persecutions. Trier. 49 - 80. 

Schwager, Johann Moritz. 1784. Versuch einer Geschichte der Hexenprocesse. 1. Band. Berlin. (Nachdruck von 1970.) 

Schwerhoff, Gerd. 1995. Vom Alltagsverdacht zur Massenverfolgung. Neuere deutsche Forschungen zum frühneuzeitlichen Hexenwesen. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 46. 359-380. 

Sebald, Hans. 1996. Hexenkinder. Das Märchen von der kindlichen Aufrichtigkeit. Frankfurt am Main. 

Seebacher-Mesaritsch, Alfred. 1972. Hexen-Report. Bericht über eine Massentragödie in der Steiermark 1425 - 1746. Graz. 

Seebacher-Mesaritsch, Alfred. Der letzte Hexenprozeß im Herzogtum Steiermark. In: Valentinitsch, Helfried (Hrsg.). 1987. Hexen und Zauberer. Die große Verfolgung - ein europäisches Phänomen in der Steiermark. Graz, Wien. 345 - 350. 

Soldan-Heppe. 1912. Geschichte der Hexenprozesse. Neu bearbeitet und herausgegeben von Max Bauer. I. und II. Bd. München. 

Valentinitsch, Helfried. Die Verfolgung von Hexen und Zauberern im Herzogtum Steiermark - eine Zwischenbilanz. In: Valentinisch, Helfried (Hrsg.). 1987. Hexen und Zauberer. Die große Verfolgung - ein europäisches Phänomen in der Steiermark. Graz, Wien. 297 - 316. 

Voltmer, Rita. Konflikt, Streit, Gewalt. Geschlechterverhältnis und Sexualität in den Dörfern des Luxemburger, Eifeler und Trierer Landes zur Zeit der Hexenverfolgung. In: Rita Voltmer und Günter Gehl (Hrsg.). 2003. Alltagsleben und Magie in Hexenprozessen. Weimar. (= Historie und Politik; 13.) 33 - 46. 

Walz, Rainer. Kinder in Hexenprozessen. Die Grafschaft Lippe 1654 - 1663. In: Wilbertz, Gisela u.a. (Hrsg.). 1994. Hexenverfolgung und Regionalgeschichte. Die Grafschaft Lippe im Vergleich. Bielefeld. (= Studien zur Regionalgeschichte. Bd. 4; Beiträge zur Geschichte der Stadt Lemgo). 211 - 231. 

Weber, Hartwig. 1991. Kinderhexenprozesse. Frankfurt am Main, Leipzig. 

Weber, Hartwig. 1996. "Von der verführten Kinder Zauberei". Hexenprozesse gegen Kinder im alten Württemberg. Sigmaringen. 

Weber, Hartwig. 1999. Die besessenen Kinder. Teufelsglaube und Exorzismus in der Geschichte der Kindheit. Stuttgart. 

TEXTE AUS DEM INTERNET:

I) Kinder in Hexenprozessen 

Decker, Rainer. 1994a. Teuflische Besessenheit und Hexenverfolgung. Paderborn, Rietberg und Reckenberg. 1657 - 1660. (In: Hexenverfolgung und Regionalgeschichte. Die Grafschaft Lippe im Vergleich. Hrsg. von Gisela Wilbertz, Gerd Schwerhoff, Jürgen Scheffler. Verlag für Regionalgeschichte. Bielefeld, 1994. 297 - 310) 

http://www.homepage.victorvox.de/decker/lemgo.html (13.08.2002)

http://homepage.victorvox.de/decker/kapitel1.htmlDecker, Rainer. 1994b. Die Hexen und ihre Henker. Freiburg i. B. (1. Kapitel im Original, 13 - 30). (05.11.2002)

Decker, Rainer. 1999. "Ihre Prozessführung verstösst sogar gegen das Naturrecht" - Wie die römische Inquisition 15 Bündner Hexenkindern das Leben rettete. In: Bündner Monatsblatt. Zeitschrift für bündnerische Geschichte und Landeskunde. Heft 3 (1999) 179 - 191. 

http://homepage.victorvox.de/decker/Hexenkinder.html (13.03.2003)

Dorner, Johann. 2000. Der Braunauer Hexenbubenprozess der Jahre 1699/1700. Ein Beispiel eines Hexenprozesses im Rentamt Burghausen. In: Der Bundschuh. Schriftenreihe des Museums Innviertler Volkskundehaus, Band 3/2000, Verlag Moserbauer, Ried im Innkreis, 28 - 33)

http://www.listserv.dfn.de/cgi-bin/wa.exe?A2=ind0110&L=hexenforschung&O=D&F=&S=&P=304 (20.08.2002)

Graf, Klaus. Kurzinformation zur Hexenverfolgung in Schwäbisch Gmünd. Anhang zu: Hexenverfolgung in Schwäbisch Gmünd (Quellentext). Die Einträge zur Strafjustiz 1613 - 1617 in der Chronik des Friedrich Vogt (1674) 

http://www.uni-koblenz.de/~graf/hexengd.htm (13.08.2002)

Hanser, Harald: Scheren am Leibe. (Leserbeiträge zu "Körperliche Züchtigungen im Juristischen Sinne) 

http://mywebpage.netscape.com/corpungermany/berichte.html (12.02.2003)

Hentschke, Thilo: Ursachen der Armut in der Frühen Neuzeit. In: Gudrun Gersmann und Torsten Reimer (Hrsg.): München im Dreißigjähren Krieg. Ein universitäres Lehrprojekt, 1. Version vom 06.12.2000. 

http://www.sfn.uni-muenchen.de/krieg/m30jk/armut.htm (07.02.2003)

Irsigler, Franz. 2002. Hebammen, Heilerinnen und Hexen. In: Katalog zur Ausstellung: Hexenwahn - Ängste der Neuzeit des Deutschen Historischen Museums in der Zeit vom 03. Mai bis 06. August 2002. Berlin. 

http://www.dhm.de/ausstellungen/hexenwahn/aufsaetze/10.htm (04.02.2003)

Jarzebowski, Claudia: Das Rätsel der Kinderhexen. In: Damals Online. 

http://www.wissenschaft.de/sixcms/deteil.php?id=122843 (08.10.2002)

Lange, Thomas. 2002. Wolf Weber, 11 Jahre, Anne aus Dreieich, 16 Jahre - hingerichtet im August 1582 in Darmstadt. Zwei exemplarische Quellen zur Hexenverfolgung (mit Transkription: Urgicht und Bekandtnus der alten Weberin / Der Dreieichnerin gütlich Bekenntnis / Landgraf Georg I. von Hessen). (Aus: zeitenblicke 1 (2002), Nr. 1 (08.07.2002)) 

http://www.zeitenblicke.historicum.net/2002/01/lange/lange.html#hexenverfolgung (18.07.2002)

Lienert, Eva Maria und Wilhelm: Die geschändete Ehre der Rebekka L. oder: Ein ganz normaler Hexenprozeß ... (Aus: Praxis Geschichte 4 (1991) 

http://www.sfn.uni-muenchen.de/forumhexenforschung/Die_geschaendete_ehre.pdf (19.07.2002)

Mättig, Thomas: Bettler in der Frühen Neuzeit. In: Gudrun Gersmann und Torsten Reimer (Hrsg.): München im Dreißigjähren Krieg. Ein universitäres Lehrprojekt, 1. Version vom 06.12.2000. 

http://www.sfn.uni-muenchen.de/krieg/m30jk/bettler.htm (07.02.2003)

Ohlendorf, Jann Gerrit. sfn 29.08.2001. Das Bild vom Kind: Kinderkörper im 16. Jahrhundert. Kulturgeschichte des menschlichen Körpers im 16. Jh. 

http://www.sfn.uni-muenchen.de/forschung/koerper/jgoarb_de.html (31.01.2003)

Ratz, Robert: Kinder auf dem Blocksberg. Neue Ergebnisse in der Hexenforschung. (Pressedienst der FU Berlin vom 15.05.2001) 

http://www.fu-berlin.de/presse/fup/archiv/pdw01/pdw_01_026.html (08.10.2002)

Rummel, Walter: "Weise" Frauen und "weise" Männer im Kampf gegen Hexerei. Die Widerlegung einer modernen Fabel. (Aus Christof Dipper, Lutz Klinkhammer und Alexander Nützenadel: Europäische Sozialgeschichte. Festschrift für Wolfgang Schieder (=Historische Forschungen 68), Berlin 2000, S. 353 - 375.) 

http://www.sfn.uni-muenchen.de/forumhexenforschung/weisefrauen.html (20.08.2002)

Schwarz, Gritt: Kinderhexenprozesse in Freising (Seminararbeit an der LMU-München) 

http://www.5b-6b-sind-hier.de/klasse6b/prozesse/inqu.pdf (17.10.2002)

Wache, Robert. Kindheit in der Frühen Neuzeit. 

http://amor.rz.hu-berlin.de/~h0444xbo/home.htm (30.01.2003)

AKIH-Tagung in Stuttgart-Hohenheim vom 27.02. - 01.03.2003. Bericht von Rita Voltmer vom 19.03.2003 

http://www.listserv.dfn.de/cgi-bin/wa.exe?A2=ind0303&L=hexenforschung&P=R7196&I=-3 (31.03.2003)

ANW = Armut, Not und Gute Werke. Soziale Stiftungen in Münster. Eine Ausstellung, erarbeitet vom Stadtarchiv Münster. 

http://www.muenster.de/stadt/armut/index1.html (07.02.2003)

Auszug aus den Oberkeitlichen Proceß-Acten des Raths von dem Eydgenössisch-Democratischen Freystaate Glaris Evangel. Rel. in der Schwez, über die eingeklagte, durch Zauberey an einem Knaben verübt seyn sollende Verderbung, Anno 1789. In: Neues Göttingisches historisches Magazin. 1791 - 94. 1792,1, S. 22 - 42. 

http://www.ub.uni-bielefeld.de/diglib/aufklaerung/ (22.10.2002)

Entgen Lenart, die letzte Hexe von Köln. 

http://home.t-online.de/home/anamande/daten01.html#bottom bis

http://home.t-online.de/home/anamande/daten10.html#bottom beziehungsweise

http://home.t-online.de/home/anamande/belege01.html#bottom bis

http://home.t-online.de/home/anamande/belege10.html#bottom (08.10.2002)

Hexenwahn, der: (ohne Autor und Datum) 

http://www.eberhard-gottsmann.de/Gottsmann/schule/Hexenwahn.pdf (20.02.2002)

"Kindhexe" Agatha Gatter, die und ihr Retter Dr. Johannes Pistorius. Ein Freiburger Malefizprozess aus dem Jahr 1603. 

http://www.latein-pagina.de/hexen/pistorius.htm (08.10.2002)

Kölner Hexenflugschrift 1594 (Faximilie) 

http://mitglied.lycos.de/hexenforschung/1que/q007b.htm (10.10.2002)

Trine Zeleke. (Besessene Kinder ausschließlich aus der eigenen Verwandtschaft) 

http://www.corina-bomann-online.de/hexen/trine.html (29.07.2002)

Urseren, Prozess 1459: Hexenprozess gegen Katharina Simmen von Steinbergen in Urseren 1459. Original in: Der Geschichtsfreund. Historische Mitteilungen der fünf Orte. Bd. 6 (1849) 244 - 248. Hier: 

http://www.mysunrise.ch/users/nschatzmann/prozess_urseren_1459.htm (02.11.2002)

Wie Kinder zu Hexen wurden. Eine Berliner Historikerin untersucht ein bislang kaum erforschtes Thema: Kinder als Angeklagte in Hexenprozessen. 

URL: http://www.netzeitung.de/servlets/page?section=704&item=144645 (13.08.2002)

 

Anmerkungen (zu den angegebenen Internetadressen)

Sämtliche der hier angegebenen Internet-Adressen wurden zuletzt am 06.04.2003 auf Aktualität überprüft, wobei sich folgende Änderungen ergaben: 

a) Die Homepage von Rainer Decker ist auf folgende Adresse umgezogen: http://www.bid-owl.de/rdecker/Homepage/index.html, wobei die hier zitierten Texte nicht mehr online abrufbar sind.

b) Der hier zitierte Artikel von Claudia Jarzebowski ist ebenfalls nicht mehr online abrufbar. Es erscheint in der Online-Ausgabe des Heftes "Damals" lediglich der Hinweis auf das Erscheinungsdatum des Artikels. Vgl. http://warpsix.dva.de/sixcms/detail.php?id=125139.

c) Die private Homepage von Bomann Corina, auf welcher sich der Text über "Trine Zeleke" befand, hat sich ebenfalls geändert, wobei eine neue Adresse leider nicht bekannt ist. 

d) Auch der Prozess Urseren 1459 ist scheinbar nicht mehr online, da auch die von den Suchmaschinen "www.msn.de" beziehungsweise "www.Google.de" ausgeworfene Internet-Adresse (http://www.diax.ch/users/nschatzmann/prozess_urseren_1459.htm) zu keinem Ergebnis führt.

Anmerkungen

  • [1]

     Quellen und Untersuchungen zur Geschichte des Hexenwahns und der Hexenverfolgung im Mittelalter. Bonn, 1901.

  • [2]

     Luzerner Akten zum Hexen- und Zauberwesen. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde. 3. Jg. Zürich, 1899.

  • [3]

     Hexen und Hexenprozesse in Deutschland. München, 2000.

  • [4]

     Kölner Hexenverhöre aus dem 17. Jahrhundert. Köln [u.a.], 1992.

  • [5]

     Behringer: 2000, 280 - 285.

  • [6]

     Behringer: 2000, 285 - 299.

  • [7]

     Behringer: 2000, 306 - 311.

  • [8]

     Heinemann: 1998, 52.

  • [9]

     Heinemann: 1998, 54 f.

  • [10]

     Vgl. die Ausführungen zu den Salemer Hexenprozessen.

  • [11]

     Im Original der Diplomarbeit wurde in einem letzten Kapitel auch auf den südosteuropäischen Bereich eingegangen. Nachdem es in diesem jedoch ausschließlich im katholisch-protestantischen Teil, nicht jedoch im orthodox islamischen Hexenprozesse beziehungsweise Hexenvorstellungen gegeben hat, ansonsten jedoch eher der Glaube an andere magische Formen, beispielsweise Vampire, verbreitet war, wird dieser Teil in der Online-Ausgabe der Diplomarbeit ausgeklammert und in einem eigenen E-Text veröffentlicht. Hexen(vorstellungen) und Magie in Südosteuropa

  • [12]

     Klaniczay: 1991, 55.

  • [13]

     Macha: 1992, 60.

  • [14]

     Schwerhoff: 1995, 360.

  • [15]

     Behringer: 1987, 3.

  • [16]

     Geschichte der Hexenprozesse in Bayern. ohne Jahr.

  • [17]

     Quellen und Untersuchungen zur Geschichte des Hexenwahns und der Hexenverfolgung im Mittelalter. 1901.

  • [18]

     Geschichte der Hexenprozesse. 1912.

  • [19]

     Witch-Hunting in South-Western Germany 1562 - 1684. The Social and Intellectual Foundations. Standford, 1972.

  • [20]

     New York [etc.]: Oxford University Press, 2002.

  • [21]

     Mailingliste Hexenforschung, Beitrag von Ludger Kaczmarek , 10. Dezember 2002, http://www.listserv.dfn.de/cgi-bin/wa.exe?A2=ind0212&L=hexenforschung&O=D&F=&S=&P=2778

  • [22]

     Zitiert nach: Behringer: 1987, 7.

  • [23]

     Evans-Pritchard: Witchcraft, Oracles and Magic among the Azande. Oxford, 1937 (deutsch: Frankfurt am Main, 1978, 2. Aufl. 1988 nach der gekürzten Fassung Oxford, 1976).

  • [24]

     Schwerhoff: 1995, 260.

  • [25]

     URL: http://www.sfn.uni-muenchen.de/forumhexenforschung/index.html

  • [26]

     Valentinitsch, Helfried. 1987. Hexen und Zauberer. Die große Verfolgung - ein europäisches Phänomen in der Steiermark. Graz, Wien.

  • [27]

     Dienst, Heide. 1986. Magische Vorstellungen und Hexenverfolgungen in den Österreichischen Alpenländern (15. - 18. Jahrhundert). In: E. Zöllner (Hrsg.): Wellen der Verfolgung in der österreichischen Geschichte. Wien. 70 - 95. Dies. Hexenprozesse auf dem Gebiet der heutigen Bundesländer Vorarlberg, Tirol (mit Südtirol), Salzburg, Nieder- und Oberösterreich sowie des Burgenlandes. In: Valentinitsch, Helfried (Hrsg.): 1987.S.265-291.

  • [28]

     "Damit das Böse ausgerottet werde." Hexenverfolgung in Vorarlberg im 16. und 17. Jahrhundert. Bregenz, 1992.

  • [29]

     Byloff, Fritz. 1934. Hexenglaube und Hexenverfolgung in den österreichischen Alpenländern. Quellen zur deutschen Volkskunde, 6. Berlin, Leipzig.

  • [30]

     Seebacher-Mesaritsch, Alfred. 1972. Hexen-Report. Bericht über eine Massentragödie in der Steiermark. 1425 - 1746. Graz.

  • [31]

     Umschlagtext des genannten Werkes.

  • [32]

     Schönleitner, Ulrike. 1987. Zauberei- und Hexenprozesse in den österreichischen Alpenländer. Dipl. Univ. Wien.

  • [33]

     Nagl, Heinz. 1966. Der Zauberer-Jackl-Prozeß. Hexenprozesse im Erzstift Salzburg 1675 - 1690. Phil. Diss. Univ. Innsbruck.

  • [34]

     Gosler, Sieglinde. 1955. Hexenwahn und Hexenprozesse in Kärnten von der Mitte des 15. bis zum ersten Drittel des 18. Jahrhunderts. Diss. Univ. Graz.

  • [35]

     Sarman, Gerhard. 1995. "Ihme zur straff und andern zum abscheuhen und exempl." Der Maria Saaler Hexenprozeß gegen den Bettler Christian Wuchter 1720 - 1723. Dipl. Univ. Wien.

  • [36]

     Midelfort, H. C. Erik 1968. Recent Witch Hunting Research, or Where Do We Go from Here? In: The Papers of the Bibliographical Society of America 62, 373 - 420.

  • [37]

     Behringer, Wolfgang. 1989. Erträge und Perspektiven der Hexenforschung. In: Historische Zeitschrift 249, 619 - 640.

  • [38]

     Vgl. Behringer: 1989a, 619 f.

  • [39]

     Diefenbach, Johann. 1886. Der Hexenwahn vor und nach der Glaubensspaltung in Deutschland. Mainz.

  • [40]

     Diefenbach: 1886, 20.

  • [41]

     Solleder, Fridolin. Zu Würzburg brennen sie Kinder. In: Die Frankenwarte. Blätter für Heimatkunde. Nr. 34. Beilage zum Würzburger General-Anzeiger vom 24. August 1933.

  • [42]

     Merzbacher, Friedrich. Ein Kinderhexenprozeß in der Reichsstadt Schweinfurt. In: Schweinfurter Heimatblätter. Jg. 1950, Nr. 15. Schweinfurter Tagblatt vom 2. September 1950.

  • [43]

     Franz: 1994, 47.

  • [44]

     Paul Boyer und Stephen Nissenbaum (Hrsg.): The Salem Witchcraft Papers: Verbatim Transcripts of the Legal Documents of the Salem Witchcraft Outbreak of 1692, 3 Bde. (New York: Da Capo, 1977).

  • [45]

     Die Salemer Hexenverfolgung: Perspektiven - Kontexte - Repräsentationen = The Salem witchcraft persecutions. Trier: 1994.

  • [46]

     "The Political, Economic and Social Context of Salem Witchcraft, a.a. O., 81 - 94.

  • [47]

     "Die Salmer Hexenverfolgung in der amerikanischen Literatur des 19. Jahrhunderts", 209 - 233.

  • [48]

     Leibnitz, Mirja. 2002. Das Verschwinden der unsichtbaren Welt: Unterschiedliche Diskurse in den Salem Witchcraft. Trieste.

  • [49]

     Weber, Hartwig. 1991. Kinderhexenprozesse. Frankfurt am Main, Leipzig; Ders. 1996. Von der verführten Kinder Zauberei. Hexenprozesse gegen Kinder im alten Württemberg. Sigmaringen; Ders. 1999. Die besessenen Kinder. Teufelsglaube und Exorzismus in der Geschichte der Kindheit. Stuttgart.

  • [50]

     Walz, Rainer. Kinder in Hexenprozessen. Die Grafschaft Lippe 1654 - 1663. In: Hexenverfolgung und Regionalgeschichte. Die Grafschaft Lippe im Vergleich. Hrsg. v. Gisela Wilbertz u.a. Bielefeld: 1994. (= Studien zur Regionalgeschichte. Bd. 4; Beiträge zur Geschichte der Stadt Lemgo. Bd. 4). S. 211 - 231.

  • [51]

     Sebald, Hans. 1996. Hexenkinder. Das Märchen von der kindlichen Aufrichtigkeit. Frankfurt am Main.

  • [52]

     Vgl. Anmerkung 34.

  • [53]

     Das Rätsel der Kinderhexen. In: Damals Online. [http://warpsix.dva.de/sixcms/detail.php?template_id=3058], Juni 2002.

  • [54]

     Ratz, Robert: Kinder auf dem Blocksberg. Neue Ergebnisse in der Hexenforschung. (Pressedienst der FU Berlin vom 15.05.2001)http://www.fu-berlin.de/presse/fup/archiv/pdw01/pdw_01_026.html (08.10.2002).

  • [55]

     Wache: Internet-Artikel (30.01.2003).

  • [56]

     Paris, 1960 - französischer Originaltitel: "L'enfant et la vie familiale sous l'ancien régime" beziehungsweise München, 1975 -deutsche Übersetzung mit geändertem Titel: "Die Geschichte der Kindheit".

  • [57]

     Zitiert nach: Ohlendorf: 2001, Internet-Artikel (31.01.2003).

  • [58]

     Hört ihr die Kinder weinen? Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit. Frankfurt am Main, 1977.

  • [59]

     zitiert nach: Ohlendorf: 2001, Internet-Artikel (31.01.2003).

  • [60]

     Da sowohl die These von Ariès als auch von de Mause zum Großteil als überholt gilt, werden für dieses Kapitel die Werke der beiden Autoren nicht weiter verwendet, zumal hier lediglich nur ein kurzer Überblick über Kindheit in der Neuzeit gegeben werden soll.

  • [61]

     Van Dülmen: 1990, 105.

  • [62]

     Vgl. Wache: Internet-Artikel (30.01.2003).

  • [63]

     Heinemann: 1998, 82.

  • [64]

     Heinemann: 1998, 83.

  • [65]

     Ariès und Duby (Hrsg.): 2000, 322 f.

  • [66]

     Wache: Internet-Artikel (30.01.2003).

  • [67]

     Heinemann: 1998, 86.

  • [68]

     Zitiert nach: Rummel: 2003, 90.

  • [69]

     Ariès und Duby (Hrsg.): 2000, 317.

  • [70]

     Bosch: 1900, 57.

  • [71]

     Bosch: 1900, 57.

  • [72]

     Van Dülmen: 1990, 111.

  • [73]

     Bosch: 1900, 73.

  • [74]

     Bosch: 1900, 61.

  • [75]

     Ohlendorf: 2001, Internet-Artikel (31.01.2003).

  • [76]

     Bosch: 1900, 48.

  • [77]

     Original-Titel: Special- und sonderbahrer Bericht / Wie nechst goettlicher Verleyhung / die Knaben und Maegdlein auff den Dorffschaften / und in den Staedten die unter dem untersten Hauffen der Schul-Jugend begriffene Kinder im Fuerstenthumb Gotha / Kurtz - und nuetzlich unterrichtet werden können und sollen: Anweisungen für den Schulmeister).

  • [78]

     Günter u.a.: 1971, 108.

  • [79]

     Van Dülmen: 1990, 116.

  • [80]

     Van Dülmen: 1990, 117.

  • [81]

     Weber: 1991, 78 f.

  • [82]

     Bosch: 1900, 45.

  • [83]

     Bosch: 1900, 46.

  • [84]

     Van Dülmen: 1990, 120.

  • [85]

     Weber: 1991, 74.

  • [86]

     Armut, Not und gute Werke (in Hinkunft als "ANW" zitiert). Internet-Artikel (07.02.2003).

  • [87]

     Mättig, 2000. Internet-Artikel (07.02.2003).

  • [88]

     ANW, Internet-Artikel (07.02.2003).

  • [89]

     Vgl. Hentschke, 2000. Internet-Artikel (07.02.2003).

  • [90]

     Behringer: 2000, 200.

  • [91]

     ANW, Internet-Artikel (07.02.2003).

  • [92]

     ANW, Internet-Artikel (07.02.2003).

  • [93]

     Schwerhoff: 1995, 371.

  • [94]

     Vgl. Seebacher-Mesaritsch: 1987, 345 - 350.

  • [95]

     Seebacher-Mesaritsch: 1987, 348.

  • [96]

     Behringer: 1987, 104.

  • [97]

     Vgl. Behringer: 2000, 77.

  • [98]

     Hansen: 1901, 360.

  • [99]

     Baschwitz: 1963, 92.

  • [100]

     HDA, III/Sp. 1838.

  • [101]

     Vgl. Behringer: 1987, 212 f.

  • [102]

     Baschwitz: 1963, 16.

  • [103]

     Baschwitz: 1963, 92 f.

  • [104]

     zitiert nach: Behringer: 2000, 159.

  • [105]

     Soldan/Heppe/Bauer: 1912, II/45.

  • [106]

     Vgl. Weber: 1996, 52.

  • [107]

     zitiert nach: Weber: 1996, 47.

  • [108]

     Vgl. Weber: 1991, 114 f.

  • [109]

     Soldan/Heppe/Bauer: 1912, I/161.

  • [110]

     Sturm/Völker: 1994, 507.

  • [111]

     Vgl. Weber: 1991, 113 f.

  • [112]

     Soldan/Heppe/Bauer: 1912, I/151.

  • [113]

     Riegler: 1926, 5.

  • [114]

     Weber: 1991, 120.

  • [115]

     Zitiert nach: Hansen: 1901, 131.

  • [116]

     Zitiert nach: Hansen: 1901, 535.

  • [117]

     Fragstuckh auf alle Articul, in welchen die Hexen vnd vnholden auf das allerbequemist möge Examinirt werden. (Online-Version vom 20.02.2003 - "Der Hexenwahn").

  • [118]

     Der Hexenwahn (Online-Version vom 20.02.2003).

  • [119]

     Hexenhammer: 1906, II/31 f.

  • [120]

     Hexenhammer: 1906, II/27 f.

  • [121]

     Diefenbach: 1886, 24.

  • [122]

     Diefenbach: 1886, 38.

  • [123]

     Vgl. Soldan/Heppe/Bauer: 1912, I/285.

  • [124]

     Vgl. Riezler: o. J., 69.

  • [125]

     Weber: 1996, 75.

  • [126]

     Hexenhammer: 1906, III/94.

  • [127]

     Weber: 1996, 57.

  • [128]

     Vgl. Buchner: 1926, 87.

  • [129]

     Weber: 1996, 74.

  • [130]

     Soldan/Heppe/Bauer: 1912, I/225.

  • [131]

     Weber: 1991, 128 f.

  • [132]

     Hexenhammer: 1906, II/29.

  • [133]

     Vgl. Renczes: 1990, 69 f.

  • [134]

     Zitiert nach: Behringer: 2000, 139.

  • [135]

     Zitiert nach: Behringer: 2000, 86. Vgl. auch Hansen: 1901, 231 - 235. Hansen gibt den gesamten Text wieder, während sich bei Behringer nur Ausschnitte finden.

  • [136]

     Faksimile-Ausgabe der Kölner Hexenflugschrift 1594 im Internet (10.10.2002).

  • [137]

     Vgl. Franz: 2003, 60.

  • [138]

     Franz: 2003, 57.

  • [139]

     Franz: 2003, 57.

  • [140]

     Franz: 2003, 59.

  • [141]

     Hexenhammer: 1906, I/159.

  • [142]

     Vgl. Hexehammer: 1906, II/135 - 146.

  • [143]

     Hexenhammer: 1906, III/211f.

  • [144]

     Irsigler: Ausstellungskatalog 2002 (Online-Version vom 04.02.2003).

  • [145]

     Vgl. die Hinrichtungsstatistik aus Würzburg aus den Jahren 1627 bis 1629, wobei in den angeführten 29 Bränden insgesamt 152 Personen verbrannt wurden, darunter jedoch lediglich eine Hebamme (im 4. Brand). Behringer: 2000, 252 - 258.

  • [146]

     Vgl. Irsigler: Ausstellungskatalog 2002 (Online-Version vom 04.02.2003).

  • [147]

     Irsigler: Ausstellungskatalog 2002 (Online-Version vom 04.02.2003).

  • [148]

     Heinsohn, Steiger: 1985, 13.

  • [149]

     Heinsohn, Steiger: 1985, 13.

  • [150]

     Heinsohn, Steiger: 1985, 108.

  • [151]

     Rummel: 2003, 84.

  • [152]

     Rummel: 2000, 356. (Online-Version vom 20.08.2002).

  • [153]

     Rummel: 2000, 358. (Online-Version vom 20.08.2002).

  • [154]

     Irsigler: Ausstellungskatalog 2002 (Online-Version vom 04.02.2003).

  • [155]

     Irsigler: Ausstellungskatalog 2002 (Online-Version vom 04.02.2003).

  • [156]

     Hexenhammer: 1906, II/135 - 137.

  • [157]

     Kitzinger: 1980, 135.

  • [158]

     Hexenhammer: 1906, II/78.

  • [159]

     Hexenhammer: 1906, II/ 77 f.

  • [160]

     Vgl. Macha: 1992, 92 - 126 sowie Urteil 153.

  • [161]

     HDA III / Sp. 1595.

  • [162]

     HDA III / Sp. 1595.

  • [163]

     Vgl. Macha: 1992, XV f.

  • [164]

     Vgl. Weber: 1991, 262 f.

  • [165]

     Zitiert nach: Weber: 1999, 91.

  • [166]

     Zitiert nach: Weber: 1999, 92.

  • [167]

     Weber: 1999, 106.

  • [168]

     Merzbacher: 1970, 189.

  • [169]

     Vgl. für die folgende Charakterisierung Riegler: 1926, 85.

  • [170]

     Riegler: 1926, 85.

  • [171]

     Seebacher-Mesaritsch: 1972, 70.

  • [172]

     Valentinitsch: 1987, 309.

  • [173]

     Vgl. Grasmug: 1987, 325.

  • [174]

     Vgl. Seebacher-Mesaritsch: 1972, 76.

  • [175]

     Grasmug: 1987, 327.

  • [176]

     Grasmug: 1987, 328.

  • [177]

     Grasmug: 1987, 328.

  • [178]

     Seebacher-Mesaritsch: 1972, 105.

  • [179]

     Seebacher-Mesaritsch: 1972, 109.

  • [180]

     Seebacher-Mesaritsch: 1972, 110.

  • [181]

     Graf: o. J. Online-Text vom 13.08.2002.

  • [182]

     Graf: o. J. Online-Text vom 13.08.2002.

  • [183]

     Weber: 1991, 281.

  • [184]

     Diefenbach: 1886, 25.

  • [185]

     Cramer: 1784, 242 f.

  • [186]

     Zitiert nach: Behringer: 2000, 278.

  • [187]

     Riegler: 1926, 39.

  • [188]

     Merzbacher: 1970, 120.

  • [189]

     Soldan/Heppe/Bauer: 1912, I/332.

  • [190]

     Soldan/Heppe/Bauer: 1912, I/332.

  • [191]

     Behringer: 2000, 306.

  • [192]

     Merzbacher: 1970, 140.

  • [193]

     Hanser: Internet-Artikel (12.02.2003).

  • [194]

     Hexenhammer: 1912, III/72.

  • [195]

     Vgl. Soldan/Heppe/Bauer: 1912, I/222.

  • [196]

     Scholz-Williams: 1994, 57.

  • [197]

     Merzbacher: 1970, 142.

  • [198]

     Soldan/Heppe/Bauer: 1912, I/348.

  • [199]

     Merzbacher: 1970, 144.

  • [200]

     Zitiert nach: Behringer: 2000, 306 - 311.

  • [201]

     Zitiert nach: Behringer: 1989b, 35.

  • [202]

     Sebald: 1996, 105.

  • [203]

     Behringer: 1989b, 42.

  • [204]

     Walz: 1994, 217.

  • [205]

     Vgl. für die folgende Darstellung: Auszug aus den Obrigkeitlichen Proceß-Acten (Online-Version vom 22.10.2002).

  • [206]

     Weber: 1999, 174.

  • [207]

     Behringer: 1989b, 42.

  • [208]

     Vgl. Walz: 1994, 213 f.

  • [209]

     Sebald: 1996, 105.

  • [210]

     Sebald: 1996, 105.

  • [211]

     Vgl. Walz: 1994, 214 f.

  • [212]

     Sebald: 1996, 179.

  • [213]

     Sebald: 1996, 179.

  • [214]

     Riezler: o. J., 271.

  • [215]

     Baschwitz: 1963, 324.

  • [216]

     Sebald: 1996, 83.

  • [217]

     Sebald: 1996, 84.

  • [218]

     Decker: 1994a (Online-Version vom 13.08.2002).

  • [219]

     Sebald: 1996, 179.

  • [220]

     Zitiert nach: Behringer: 2000, 105.

  • [221]

     Zitiert nach: Behringer: 2000, 104.

  • [222]

     Seebacher-Mesaritsch: 1972, 252.

  • [223]

     Binsfeld: 1590, a.a.O.

  • [224]

     Binsfeld: 1590, a.a.O.

  • [225]

     1978. Salem possessed: the social origins of witchcraft. - 8. print. Cambridge, Mass. Harvard Univ. Pr.

  • [226]

     1995. Salem story: reading the witch trials of 1692 - Repr., Cambridge [u. a.]: Cambridge Univ. Press, 1995 (= Cambridge studies in American literature and culture; 73).

  • [227]

     1994. Die Salemer Hexenverfolgung: Perspektiven - Kontexte - Repräsentationen = The Salem witchcraft persecutions. Trier.

  • [228]

     Vgl. die auffallende lautliche Ähnlichkeit zum deutschen Blocksberg!

  • [229]

     Soldan/Heppe/Bauer: 1912, II/173.

  • [230]

     Weber: 1991, 280.

  • [231]

     Soldan/Heppe/Bauer: 1912, II/174 f.

  • [232]

     Baschwitz erwähnt lediglich 70 (23 und 47) hingerichtete Frauen (Vgl. Baschwitz: 1963, 323); Hartwig Weber spricht von 72 Frauen, welche hingerichtet wurden (Vgl. Weber: 1999, 146). Die Zahl der hingerichteten Kinder (15) bleibt jedoch bei allen Autoren gleich.

  • [233]

     Soldan/Heppe/Bauer: 1912, II/ 173 f.

  • [234]

     Weber: 1999, 146.

  • [235]

     Behringer: 1989b, 43.

  • [236]

     Dienst: 1987, 270.

  • [237]

     Weber: 1991, 291 f.

  • [238]

     Sebald: 1996, 100.

  • [239]

     Weber: 1991, 292 f.

  • [240]

     Zitiert nach: Decker: 1994b (Online-Version vom 05.11.2002).

  • [241]

     Zitiert nach: Decker: 1994b (Online-Version vom 05.11.2002).

  • [242]

     Dieser Fall wurde später jedoch vom Jesuitenpater Bernhard Löper, welcher als Exorzismus-Experte galt, erneut aufgerollt. Dieser schenkte den Mädchen Glauben. Der Text im Internet berichtet noch von der erfolgreichen Heilung der beiden Mädchen, enthält ansonsten aber leider keinen Hinweis über einen möglichen Prozess und dessen Ausgang.

  • [243]

     Byloff: 1934, 89.

  • [244]

     Weber: 1991, 89.

  • [245]

     Zitiert nach: Jarzebowski: 2002 (Online-Version vom 08.10.2002).

  • [246]

     Bei Weber wird Spizel mit "tz" geschrieben, nach dem Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon Band X (1995) Sp. 1040-1041 jedoch: Gottlieb Spizel beziehungsweise auch Theophil Spizelius (11.09.1639 - 17.01.1691) Vgl. http://www.bautz.de/bbkl/s/spizel_t.shtml(13.03.2003).

  • [247]

     Kursivstellungen bereits im zitierten Text!

  • [248]

     Zitiert nach: Weber: 1996, 31.

  • [249]

     Urseren: Online-Version vom 02.11.2002. Diese Aussage findet sich mit zum Teil leicht geänderter Schreibweise auch bei Hansen: 1901, 572 f.

  • [250]

     Hexenhammer: 1906, III/51.

  • [251]

     Schwager: 1784, 258.

  • [252]

     Schwager: 1784, 254.

  • [253]

     Soldan/Heppe/Bauer: 1912, I/151.

  • [254]

     Zitiert nach: Weber: 1996, 32.

  • [255]

     Hexenhammer: 1906, I/166.

  • [256]

     Binsfeld: 1590, a.a.O.

  • [257]

     Zitiert nach: Weber: 1991, 96 f.

  • [258]

     Zitiert nach: Weber: 1991, 97.

  • [259]

     Vgl. zu den Aussagen von Entgen: Macha: 1992, 204 - 211. Ein Auszug der Aussagen findet sich auch im Internet: Entgen Lenart, die letzte Hexe von Köln. (08.10.2002).

  • [260]

     Vgl. für die folgenden Aussagen: Macha: 1992, 154 - 162.

  • [261]

     Ratz: 2001 (Online-Version vom 08.10.2002).

  • [262]

     Weber: 1996, 111.

  • [263]

     Weber: 1996, 111.

  • [264]

     Aus Platzgründen muss auf eine detaillierte Wiedergabe jedoch verzichtet werden. Es werden daher nur die wichtigsten Ereignisse kurz zusammengefasst um anschließend etwaige Gemeinsamkeiten beziehungsweise Unterschiede der Prozesse aufzuzeigen.

  • [265]

     Für genauere Informationen vgl. Nagl: 1974 und 1975.

  • [266]

     Nagl: 1974, 408.

  • [267]

     Nagl: 1974, 418.

  • [268]

     Nagl: 1974, 481.

  • [269]

     Vgl. für die folgende Darstellung des Prozesses: Dorner: 2000, 28 - 33. Hier: Online-Version vom 20.08.2002.

  • [270]

     Vgl. für die folgenden Ausführungen: Schwarz, Gritt: Seminararbeit an der LMU-München. o. J. Hier: Online-Version vom 17.10.2002. Die Seitenangabe der Zitate entspricht der Paginierung der Online-Version.

  • [271]

     Schwarz: o. J., 7.

  • [272]

     Schwarz: o. J., 8.

  • [273]

     Schwarz: o. J., 12.

  • [274]

     Gemeint ist wohl eher Schuri!

  • [275]

     Schwarz: o. J., 12.

  • [276]

     Behringer: 1989b, 40.

  • [277]

     Nagl: 1974, 522.

  • [278]

     Vgl. Alphabetische Liste der in den Prozess verwickelten Personen. - Nagl: 1974, 524 - 539.

  • [279]

     Binsfeld: 1590, a.a.O.

  • [280]

     Weber: 1991, 266.

  • [281]

     Diese Feststellung soll jedoch die Grausamkeit der Folterung keineswegs schmälern, denn durch die meist sehr hohe Zahl an Schlägen, stiegen die Schmerzen auch hierbei sicherlich ins Unermessliche.

  • [282]

     Zedler: 1749, Sp. 135.

  • [283]

     Zedler: 1749, Sp. 135.

  • [284]

     Vgl. Behringer: 1989, 38.

  • [285]

     Zitiert nach: Weber: 1996, 85.

  • [286]

     Walz: 1994, 221.

  • [287]

     Die Zauberinnen sollst du nicht leben lassen. - Anm. d. V.

  • [288]

     Walz: 1994, 222.

  • [289]

     Vgl. Walz: 1994, 222 f.

  • [290]

     Vgl. Seebacher-Mesaritsch: 1972, 244 f. Dieser Fall wird auch bei Byloff: 1934, 132 erwähnt, jedoch geht auch dieser nicht näher darauf ein.

  • [291]

     Byloff: 1934, 104.

  • [292]

     Buchner: 1926, 91.

  • [293]

     Weber: 1996, 135.

  • [294]

     Weber: 1991, 105.

  • [295]

     Decker: 1999 (Online-Version vom 13.03.2003).

  • [296]

     Decker: 1999 (Online-Version vom 13.03.2003).

  • [297]

     Byloff: 1934, 65.

  • [298]

     Byloff: 1934, 150.

  • [299]

     Walz: 1994, 220.

  • [300]

     Weber: 1996, 121.

  • [301]

     Weber: 1996, 121.

  • [302]

     Weber: 1996, 139.

  • [303]

     Hexenhammer: 1906, III/51.

  • [304]

     Hexenhammer: 1906, III/203.

  • [305]

     Hoffmann-Krayer: 1899, 304.

  • [306]

     Joh. Chr. Frölichs de Frölichsburg, der Röm. Kayserl. Majest. Ober-Oesterreichischer Regimets-Rath zu Innsprugg etc. Commentarius in Kayser Carl des Fünfften und des H. Röm. Reichs Peinliche Hals-Gerichts-Ordnung (1714)

  • [307]

     Zitiert nach: Soldan/Heppe/Bauer: 1912, II/216.

  • [308]

     Gebhard: 1989, 121.

  • [309]

     Renczes: 1990, 70 f.

  • [310]

     Voltmer: 2003, 33.

  • [311]

     Zitiert nach: Behringer: 2000, 118.

  • [312]

     Vgl. Bericht der Tagung des AKIH vom 27.02.-01.03.2003 in Stuttgart-Hohenheim (Online-Version vom 19.03.2003).

  • [313]

     Soldan/Heppe/Bauer: 1912, II/282.

  • [314]

     Soldan/Heppe/Bauer: 1912, II/283.

  • [315]

     Nähere Aufschlüsse zu diesem Fall wird vielleicht die kurz vor dem Abschluss stehende Magisterarbeit von Constanze Störk (Univ. Tübingen) bringen, welche sich mit den Hexenverfolgungen in der Reichsabtei Marchtal 1586 - 1757 beschäftigt und erste Ergebnisse bereits auf der erwähnten AKIH-Tagung präsentierte. (Vgl. FN 347).

  • [316]

     Vgl. Seebacher-Mesaritsch: 1972, 39 - 44

  • [317]

     Soldan/Heppe/Bauer: 1912, II/86.

  • [318]

     Moeller: 2003, 108.

  • [319]

     Moeller: 2003, 117.

  • [320]

     Soldan/Heppe/Bauer: 1912, I/323.

  • [321]

     Moeller: 2003, 120.

  • [322]

     Moeller: 2003, 109.

  • [323]

     Lienert: 1991 - Online-Version vom 19.07.2002.

  • [324]

     Lienert: 1991 - Online-Version vom 19.07.2002.

  • [325]

     Lienert: 1991 - Online-Version vom 19.07.2002.

  • [326]

     Lienert: 1991 - Online-Version vom 19.07.2002.

  • [327]

     Lienert: 1991 - Online-Version vom 19.07.2002.

  • [328]

     Lienert: 1991 - Online-Version vom 19.07.2002.

  • [329]

     Diefenbach: 1886, 39.

  • [330]

     Vgl. Moeller: 2003, 112.

  • [331]

     Moeller: 2003, 115.

  • [332]

     Vgl. Diefenbach: 1886, 113 - 115.

  • [333]

     Moeller: 2003, 111.

  • [334]

     zitiert nach: Nagl: 1975, 190.

  • [335]

     Wie löscht man eine Familie aus? Eine Analyse Bamberger Hexenprozesse. Pfaffenweiler, 1990. (Forum Sozialgeschichte; Bd. 1).

  • [336]

     Vgl. für die folgende Darstellung: Nagl: 1975, 149 - 156.

  • [337]

     Weber: 1991, 36.

  • [338]

     Renczes: 1990, 127.

  • [339]

     Georg Adam ist sein Sohn, die Dukaten sind also für seine Enkelkinder bestimmt.

  • [340]

     Renczes: 1990, 129.

  • [341]

     Vgl. Renczes: 1990, 138.

  • [342]

     Vgl. Renczes: 1990, 135 f.

  • [343]

     Gebhard: 1989, 160.

  • [344]

     Die Angaben der Opfer schwanken in diesem Fall unter den einzelnen Autoren relativ stark.

Empfohlene Zitierweise

Seidl, Sabine: "Kindermund tut (nicht immer) Wahrheit kund". Betrachtung zur Rolle der Kinder in europäischen Hexenprozessen (unter Berücksichtigung südosteuropäiscner Magievorstellungen). Reihe: Wissenschaftliche Qualifizierungsarbeiten zum Hexen- und Magieglauben, hg. von Katrin Moeller, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/947/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 23.01.2006

Zuletzt geändert: 24.03.2009