Edierte Einzelquellen

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Geständnis der Maria Adams aus Oberweis bei Bitburg (Auszug) 

Maria Adams wurde am 22. Februar 1630 hingerichtet 

Transkription und Transposition: Rita Voltmer 

Hexenprozesse in der Stadt Trier und im Herzogtum Luxemburg Geständnisse (Auszüge aus Prozessakten) 

Die Transkription dieser Quelle durch Rita Voltmer wurde im Begleitband zur Ausstellung "Hexenwahn, Ängste der Frühen Neuzeit" des Deutschen Historischen Museums (Berlin) veröffentlicht. Die Geständnisse von Niclas Fiedler und Maria Adams wurden in die Internetpublikation allerdings nicht aufgenommen und werden daher an dieser Stelle zur Verfügung gestellt.

Rita Voltmer, Hexenprozesse in der Stadt Trier und im Herzogtum Luxemburg Geständnisse (Auszüge aus Prozessakten), in: Rosemarie Beier-de Haan, Rita Voltmer und Franz Irsigler (Hg.), Hexenwahn. Ängste der Neuzeit. Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung des Deutschen Historischen Museums, Berlin 2002, S. 72-81. 

Die Zweitpublikation erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Autorin. 

Zur Umsetzung der Druckversion als E-Text auf historicum.net: Der Originaltext wurde zititerfähig wiedergegeben. In der linken Spalte wird die Transkription der Quelle, in der rechten Spalte die Transposition von Rita Voltmer wiedergegeben. Um das Verständnis zu erleichern, wurde in den Fällen, in denen es erforderlich schien, eine freiere Übersetzung gewählt. Die Transkription selbst löst Abkürzungen stillschweigend auf und gibt keine Hinweise auf Streichungen, Einfügungen oder Zeilenwechsel. Auf einen solchen textkritischen Apparat wurde um der besseren Lesbarkeit willen verzichtet.

 

[S. 77] 

Demnach der proceß heuth dato, dieweil man gestern mit zweyen deßselbigen lasters behafften personen occupirt und beschefftiget geweßen, eröffnet und die sub dato letsten Januarii beygefugte advis Numero V ubersehen, ist deroselben zufolgh die behafftin vor gericht gefordert, welche alßgleich so paldt vorkommen, ehe und bevohr ein wort mit ihr geredt, guttwilliglich sich schuldigh angeben, sprechendt, wille vor fernere pein ihr bekenntnuß thun, dan waß nottigh were ihr leib und glieder zerreißen zu lassen und bekent daß vor etlichen jahren sie bey herrn Cornelui pastoren zu Bettenfeldt gedient, welcher underschiedtlich mohlen unzucht mit ihr volprachten, inmitteler zeit ihres diensts, alß eines tages naher Oberweyß hinabgehen wollen, wehre in dem Bettenfelder busch der böß feyandt in gestalt vorgenannten herrn Cornelii ihr begegnedt vorkommen, welcher sie zur unzucht angereyßt und zugleich den willen mit fleischlicher vermischungh mit ihr stehenden fueß volpracht, deßen natur unfreudigh und gleich wie ein eyßkachel kaldt geweßen. Nach volprachter unzucht wehre unverzuglich vor ihr verschwommen also daß darahn gemerckt, daß sie betrogen wehre. 

[S. 77] 

Nachdem das Verfahren erst am heutigen Tag eröffnet worden ist, da man sich gestern mit zwei anderen, desselben Verbrechens der Zauberei beklagten Personen beschäftigten musste, hat das Gericht das Rechtsgutachten vom 31. Januar (den Akten beigefügt als Nummer 5) zur Kenntnis genommen. Daraufhin rief man die Verhaftete vor Gericht, die auch sogleich vorgeführt wurde und - bevor man ein Wort mit ihr gesprochen hatte - sich sofort für schuldig erklärte mit den Worten, sie wolle in Abwendung weiterer Marter ein Geständnis ablegen, es sei nicht nötig, ihren Körper und ihre Glieder zu zerreißen, und gesteht wie folgt, dass sie vor einigen Jahren bei Pfarrer Cornelius in Bettenfeld gedient habe, der häufig Unzucht mit ihr getrieben habe. Während dieser Zeit, als sie eines Tages nach Oberweis habe hinuntergehen wollen, sei ihr im Bettenfelder Busch plötzlich der Teufel in Gestalt des zuvor genannten Pfarrers Cornelius erschienen. Er habe sie zur Unzucht angestiftet und sofort den Beischlaf mit ihr vollzogen, dessen Art aber unangenehm und kalt wie ein Eiszapfen gewesen sei. Nach vollbrachter Unzucht sei er aber unverzüglich vor ihren Augen verschwommen, und da erst habe sie bemerkt, dass sie betrogen worden sei. 

Folgendt uber drey wochen, ungefehr wehr derselbe abermahl ihr im gartten, so zu Bettenfeldt beseits ausgelegen, in gestalt vorgenannten herrn Cornelii vorkommen, und nachmahlen zur unzucht sie angereitzt, welches sie damahlen ihme abgeschlagen, vermeldendt daß sie ihme nit alle wegh gelaustert habe. 

Nach ungefähr drei Wochen sei der Teufel ihr im Gartenstück, das außerhalb von Bettenfeld liege, wiederum in Gestalt des Pfarrers Cornelius erschienen und habe sie erneut zur Unzucht angehalten. Dieses Mal jedoch habe sie es ihm abgeschlagen mit der Begründung, sie würde ihm nicht immer Gehorsam leisten. 

Zum dritten nachterhandt wehre der böß feyandt ahn dem Bettenfelder bronen, so in einem grundtgen gelegen, zu ihr kommen, domahlß widerumb sich mit ihr fleischlich vermischt, und stracks nach verubter unzucht hette ihr zugemuet Gott und unßer lieber frawen abzusagen und ihme in seine gewaldt sich zu ergeben, welches begeren und zumuetung sie abgeschlagen und sagt daß sie von Gott nit abstehen wille, wie dan auch nicht abgestanden wehre. 

Zum dritten Mal sei ihr der Teufel am Bettenfelder Brunnen, der im Talgrund liegt, erschienen. Damals habe er wieder Unzucht mit ihr getrieben, und stracks nach vollbrachtem Beischlaf habe er von ihr gefordert, Gott und unserer Lieben Frau abzusagen und sich in seine Gewalt zu geben. Diese Forderung habe sie aber ausgeschlagen und gesagt, dass sie nicht von Gott abfallen wolle, so wie sie es auch nicht getan habe. 

[S. 78]  

Ehrinnert daß schwerlich zu glauben, weil sie etlichmahl mit dem boeß feyandt unzucht geubs, daß derselb sie zur absagungh Gottes nit solte angehalten und gepracht haben. Behafftin spricht daß Gott abzusagen hefftigh sich verweygert und derowegen in dem dem boßen nit folgen willen, biß zu letzt daß dorzu gleich genöttiget worden. 

[S. 78]  

Das Gericht hat sie ermahnt, es sei nur schwer zu glauben, da der Teufel einige Male Unzucht mit ihr getrieben habe, dass er sie nicht zur Absagung Gottes angestiftet und schließlich auch gebracht habe. Die Verhaftete antwortet, sie habe sich heftig geweigert, Gott abzusagen, und habe dem Teufel darin keinen Gehorsam leisten wollen, doch sei sie schließlich doch dazu gezwungen worden. 

Erfragt ob dan von Gott abgestanden. Spricht Ja, und begert man solle es also einschreiben, sie mußte es sagen, womit sie hiedannen kommen möge. Ehrmahnt ob dan nit wahr daß sie von Gott abgestanden. Spricht nein, wehre nit davon abgestanden. 

Gefragt, ob sie denn dann von Gott abgefallen sei. Spricht sie, ja, und sie wolle, dass man es in den Akten aufschreibe, sie müsse es gestehen, sonst käme sie nicht davon. Ermahnt, ob es denn nicht wahr sei, dass sie von Gott abgefallen sei. Spricht sie, nein, sie sei nicht abgefallen. 

Variando uff anmahnungh gestehet Gott und unßer lieber frawen abgesagt und sich dem bößen ergeben zu haben. Sagt daß der böß, Gott Judas und unßere liebe frawe, daß klein frewgen genent. Welche Gottes Verleugnungh geschehen in Bademer busch anchdem abermahlß der böß unzucht mit ihr verubt uff welche Gottes absagungh der böß ihr geldtt wie es schiene zu sein, in ihren schoß gegeben, alß aber von ihr verschwomen, wehre es lautter pferdz dreck geweßen. 

In Abänderung ihrer Aussage gesteht sie nach Ermahnung, Gott und unserer Lieben Frau abgesagt und sich dem Teufel ergeben zu haben. Sagt sie, der Teufel habe Gott Judas und unsere Liebe Frau das kleine Fräulein genannt [d.h. sie abfällig als unverheiratet und damit als Hure bezeichnet]. Die Verleugnung Gottes habe sich im Bademer Busch zugetragen, wo auch der Teufel erneut Unzucht mit ihr getrieben habe. Nach der Verleugnung Gottes habe der Teufel ihr, wie es schien, Geld gegeben, nachdem er aber verschwunden sei, habe es sich in lauter Pferdedreck verwandelt. 

Erfragt wie langh es verlitten, daß sie in dise verfuhrungh kommen. Antwort daß sich der jahren nit erinnern könne, wehre geschehen vor ihren bestätnus zur zeit alß bey vorgenanntem herrn pastorn von Bettenfeldt gedient, welches ungefehr ahn die zwantzig oder mehr jahren. Gestehet daß der böß zum offtermahlen und unzahlbahr mir ihr unzucht volpracht, deß natur jederzeit kaldt und unfreudig geweßen. Und sagt daß durch daß unzuchtiges weßen, so sie mit genanntem herr Cornelio gefuhrt, zu dißer verfuhrungh gerathen. 

Gefragt, wie lange es her sei, dass sie in diese teuflische Verführung geraten sei. Antwortet sie, dass sie sich an das genaue Jahr nicht mehr erinnern könne. Es sei geschehen vor ihrer Verheiratung, als sie noch bei vorgenanntem Pfarrer von Bettenfeld gedient habe und das sei ungefähr 20 und mehr Jahre her. Der Teufel habe unzählige Male Unzucht mit ihr getrieben, das sei aber immer kalt und unangenehm gewesen. Nur weil sie mit dem Pfarrer Cornelius ein so unzüchtiges Leben getrieben habe, sei sie erst in die teuflische Verführung gekommen. 

[S. 79] 

Uff erfragungh wie der böß sich selbst und hingegen sie behafftin genent. Sagt daß er sich Lucifer und die behafftin frewgen genent hette. Erfragt weitters uber ihre verfuhrungh, wie und welche gestalt ihr buel sie zur dantzplatzen gefuhrt haben mögte. Spricht daß sie uff keiner dantzplatzen geweßen, wiste auch von keinen personen zusagen. 

[S. 79]  

Gefragt, wie der Teufel sich selbst und sie genannt habe. Sagt sie, er habe sich Luzifer und sie Fräulein genannt. Weiter über ihre teuflische Verführung befragt, wie und in welcher Gestalt ihr teuflischer Buhle sie zum Hexensabbat gebracht habe. Sagt sie, sie sei auf keinem Tanzplatz gewesen und wisse auch nichts von irgendwelchen Personen zu sagen. 

Variando uff erinnerungh bekent einmahl uff einer dantzplatzen ahn Brazelborn uff Bittert geweßen zu sein, woselbsten sie die hingerichte Thielen Gret von Oberweyß gesehen, Und sagt daß ein großer handel alda geweßen etliche gedantzt, gepfyffen, ein diß, die ander daß gethan. 

In Abänderung ihrer Aussage auf Ermahnung gesteht sie, einmal auf dem Tanzplatz bei Brazelborn auf Bittert gewesen zu sein, wo sie die hingerichtete Gret Thielen aus Oberweis gesehen habe. Dort herrsche ein großes Gewimmel, einige hätten getanzt, einige gepfiffen, die einen dies, die anderen das getan. 

Die pfeyffen hetten seltzam gelaut wehr ein ding, wie ein hörche gewesen, der pfyffer aber wehre ihr unbekent. 

Die Pfeifen hätten sich seltsam angehört, es seien Dinger wie Hörner gewesen, den Pfeifer habe sie nicht gekannt. 

Weitters uber ihre complices erfragt, sagt daß sie niemandt mehr erkent dan die vorgenannten Thielen Griett und Steins Henrichen haußfraw Trein von Oberweyß. 

Weiter über ihre Komplizen befragt, sagt sie, sie habe niemanden erkannt außer der bereits genannten Gret Thielen und der Ehefrau von Heinrich Stein, Trein zu Oberweis. 

Erfragt wie sie dahin uff die danztplatz kommen. Sagt daß ihr buehll jedes mahlß mit seinem schwarzen bock zu ihr kommen, ihr schwartz schmär gegeben, womit sich uff die stirn, hände und fueß geschmärt, und doruff alßgleich links uff den bock sitzendt zum schornstein hinauß durch die lufft in aller geschwindigkeit zu gesagter dantzplatzen gefuhrt. Woselbsten nebent die vorgenannten personen noch weitters gesehen und gekent Cönnen Wilhelm zu Oberweyß, welcher mit seinem sohn auß der herschafft gewichen, item Heuchers Hanßen haußfrauwe Sunna, und Ritters Mergh, so jetzo witfrawe zu Oberweyß, item Schroden Hanßen witfrawe Maria, Kochs Peters haußfrawe Trein zu Oberweyß. 

Gefragt, wie sie zum Tanzplatz gekommen sei. Sagt sie, ihr Buhle sei jedes Mal auf einem schwarzen Bock zu ihr gekommen, habe ihr schwarze Zaubersalbe gegeben. Damit habe sie sich Stirn, Hände und Füße eingeschmiert und sei sogleich links auf dem Bock sitzend in großer Geschwindigkeit durch den Schornstein hinaus zum Tanzplatz geflogen. Dort habe sie neben den vorgenannten noch weitere Personen gesehen und erkannt, nämlich Wilhelm Cönen aus Oberweis mit seinem Sohn, die aus der Herrschaft geflohen seien, außerdem Sunna, die Ehefrau von Hanß Heucher, und Mergh Ritter, die jetzt Witwe in Oberweis sei, außerdem Maria, die Witwe von Hans Schroder, und Trein, die Ehefrau von Peter Koch zu Oberweis. 

Uber die manier des dantzens erfragt, sagt daß die complices mit den rucken zusamen dantzten. 

Nach der Art des Tanzens gefragt, sagt sie, dass die Komplizen Rücken an Rücken miteinander getanzt hätten. 

[S. 80]  

Erfragt waß vor anschlägh bey ihrer versamblungh gehalten und beschloßen worden. Antwort daß sie keine gutte anschlägh gehabt, dan ein mahl dahien geschloßen und sich vereiniget die liebe frucht zu verderben, andermahls die ecker und sonst alles waß dem menschen zu nutz erschaffen und gewachsen mogte, darzu ihre bewilligungh jedoch ungern gegeben. 

[S. 80]  

Gefragt, welche Anschläge bei ihren Versammlungen vorgeschlagen und beschlossen worden seien, sagt sie, sie hätten keine erfolgreichen Anschläge zuwege gebracht. Einmal hätten sie beschlossen, die Ernte zu verderben, ein anderes Mal die Eckern und ansonsten alles, was dem Menschen zum Nutzen erschaffen sei und wachse. Dazu habe sie nur ungern ihre Zustimmung gegeben. 

Erfragt uff waß wegh sie solches zu weggen geprächten. Spricht daß sie die ecker etlich mahl in Hollandt verkaufft, dan der böß hette sich alß ein holländisch kauffman dargestelt, demwelchen die complices alßden die ecker verkaufften. Andermahlß hetten sie bey ihrer versamblungh zu verderbungh frucht und ecker ein nebel erweckt, zu dem ende ein jedtweder mit einer roden in die dabei fließende bach in des deuffels nahmen geschlagen, woruff ein nebel entstanden, derzu sie behafftin geholffen. 

Gefragt, wie sie solches zustande gebracht hätten. Sagt sie, dass sie die Eckern einige Male nach Holland verkauft hätten, denn der Teufel habe sich als holländischer Kaufmann ausgegeben, dem die Komplizen dann die Eckern verkauft hätten. Ein anderes Mal hätten sie auf ihrer Versammlung einen Nebel hervorgerufen, um Früchte und Eckern zu verderben, dafür habe jeder von ihnen mit einer Rute in den fließenden Bach in des Teufels Namen geschlagen, daraufhin sei ein Nebel entstanden. Dazu habe sie Beistand geleistet. 

Erfragt ob sie jemahls daß hochwurdig sacrament verunehret oder zu verunehren ihr zugemuet worden. Sagß daß sie jedes mahl daß hochwurdig sacrament zu recht eingenohmen und genoßen wol wahr daß von dem boßen feyandt angereytzt und zugemanet worden, daßelb zu verunehren und es ihme zuzustellen und daß in etlich mahlen, sie aber in deme ihme niemahlß gehorsam geweßen. 

Gefragt, ob sie jemals das heilige Sakrament missbraucht und verhöhnt habe oder dazu angehalten worden sei. Sagt sie, sie habe das heilige Sakrament stets richtig eingenommen und geschluckt. Zwar habe der Teufel sie oft angestiftet, es zu verhöhnen und es ihm zu bringen, aber darin habe sie ihm keinen Gehorsam geleistet. 

  

Quelle: Stadtbibliothek Trier 2180b/124 2°, fol. 18v-fol.21r. 

 

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Erstellt: 19.01.2006

Zuletzt geändert: 19.01.2006