Sachbegriffe

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Baphomet 

Peter Dinzelbacher
(Übersetzung Johannes Peisker)

20. September 2010 

Dieser Begriff beschreibt den mutmaßlichen Namen eines Götzenbildes, das die Tempelritter angeblich verehrt haben sollen, als König Philip IV. von Frankreich Beweise sammelte, um diesen reichen Militärorden zu zerstören (1307-1314). 

Etymologie 

Mutmaßlicher Name eines Götzenbildes, das die Tempelritter angeblich verehrt haben sollen, als König Philip IV. von Frankreich Beweise sammelte, um diesen reichen Militärorden zu zerstören (1307-1314). 

Obwohl die Frage nach Idolatrie eine feste Größe der schriftlichen Verhöre war, die gegen den Orden von 1307 bis 1314 genutzt wurde, nennen jedoch nur sehr wenige von hunderten erzwungener Geständnisse „Baphomet“. Wenn die Verehrung eines „heidnischen“ oder „dämonischen“ Götterbildes bekannt wurde, blieb dies in den meisten Fällen anonym. Der Name Baphomet wurde offensichtlich gewählt aufgrund der Verbindung der Templer mit den Sarazenen, die laut mittelalterlicher christlicher Propaganda, welche in schriftlichen Quellen seit dem späten elften Jahrhundert formuliert wurde, ein Götterbild namens Baphomet oder Bafumetz verehrten. Allerdings ist dieses Wort, das dem Namen des biblischen Monsters Behemoth (Ijob 40) etwas ähnlich klingt, nichts weiter als eine okzitanische Verballhornung von „Mohammed“, dem Begründer des Islam, in ein dämonisches Götterbild. Idolatrie ist eine Standardanklage gegen alle Nichtchristen gewesen seit der Zeit des Apostels Paulus, der sie in seinen Briefen oft verdammte, wie sie auch in der hebräischen Bibel verurteilt wurde. 

Rezeptionsgeschichte einer Legende 

Wenn der Name „Baphomet“ selbst in unserer Zeit manche mysteriöse Vorstellungen hervorruft, liegt dies an einer umwobenen Legende, die anscheinend von der deutschen okkulten Gesellschaft Klerikat der Tempelherren stammte, welche 1767 von dem protestantischen (heimlich jedoch katholischen) Theologieprofessor Johann August Freiherr von Starck gegründet wurde. Das Ritual, das ausgeführt werden musste, um in diese halb-freimaurerische Gruppe aufgenommen zu werden, beinhaltete ein Gebet vor einem Altar mit einer Statue Baphomets. Viele andere, mehr oder weniger okkulte Gruppen haben behauptet (und behaupten), die wahren Erben der ermordeten Ritter zu sein und überliefern in gleicher Weise den Namen Baphomet; der Führer des Ordo Templi Orientis, Aleister Crowley (1875-1947), nannte sich selbst sogar „allmächtiger


Abb. 1:

Baphomet.“ In die Gelehrtenwelt hielt Baphomet einzug durch die ausgeklügelten, jedoch vollständig unhaltbaren Spekulationen eines berühmten Dichters und Orientalisten, Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall (1774-1856). Er veröffentlichte 1818 eine Studie über die Mysterien dieser Figur, in der er behauptet, Baphomet sei Teil der geheimen Lehre der Templer gewesen, die ihm zufolge eine Form des häretischen Gnostizismus war. Allerdings befasst sich der Hauptteil seiner Abhandlung mit den Skulpturen einer romanischen Kirche in Niederösterreich (Schöngrabern), die er als einen Bilderzyklus interpretiert, der die geheime Doktrin des Ordens repräsentiere.

Weitaus populärer waren die fantastischen, jedoch für wahr gehaltenen „Geständnisse“ und „Offenbarungen“ einer Gruppe französischer Autoren des späten 19. Jahrhunderts. In ihren Werken, konnte man „Aufzeichnungen“ lesen, die zeigten, dass eine Gruppe von Satanisten „Baphomet“ als ein Palladium verehrte, weshalb sie auch als Palladisten bekannt waren. Sie verkündeten, dass das Götterbild der Templer über die Jahrhunderte im Geheimen aufbewahrt  wurde zusammen mit dem Schädel des 1314 verbrannten letzten Großmeisters der Templer. Die Sekte hatte ihre Zentren angeblich in Charleston, South Carolina, in den Vereinigten Staaten und später in Rom. Ein Autor, C. Hacks (unter dem Namen Bataille veröffentlichend), beschreibt Palladinisten- und Freimaurerlogen, inklusive Beschreibungen von Höhlen im großen Felsen von Gibraltar, wo Gefangene „Baphomets“ herstellten. Besonders in katholischen Kreisen hatten solche Geschichten beachtlichen Erfolg, da sie anscheinend nützliche Propaganda für den Kampf der Kirche gegen die Freimaurerei darstellten. 1897 jedoch erklärte der wichtigste Autor in diesem Feld, Gabriel Jogand-Pagès alias Léo Taxil (1854-1907), dass alles eine Mystifizierung ohne realen Hintergrund gewesen sei, sich lustig machend über die Leichtgläubigkeit einiger hochrangiger Mitglieder der Katholischen Kirche. 

Nach unserem besten Wissen war „Baphomet“ eine Erfindung der mittelalterlichen anti-islamischen und anti-templerischen Propaganda. Im 18. Jahrhundert wiederentdeckt, wurde der Name mit verschiedenen okkulten Gruppen in Verbindung gebracht, die behaupteten, geheime Templertraditionen aufrechtzuerhalten. Erst 1965 erhielt der französische Autor Pierre Klossowski den Prix des Critiques für sein Buch Le Baphome, die Geschichte eines Jungen inmitten homoerotischer Templerrituale. Es wurde allerdings zu keiner Zeit, weder in der Antike, noch im Mittelalter oder der Frühen Neuzeit, irgendeine Gottheit oder Dämon namens „Baphomet“ verehrt, noch existierte ein Kultbild dieses Namens.

Quellen 

Hildebrand Gerber, Leo Taxil’s Palladismus-Roman. Oder: die "Enthüllungen" Dr. "Bataille's" , Margiotta's und "Miss Vaughans" über Freimaurerei and Satanismus, 3 Bde., Berlin 1897/98.

Joseph Freiherr von Hammer-Purgstall, Mysterium Baphometis relevatum seu fratres militiae templi, in: Fundgruben des Orients VI, Wien 1818, S. 1-120 und 445-499.

Literatur 

Gregor A. Gregorius, Aleister Crowley’s Magische Rituale, Berlin 1980.

E. Sidney Hartland, Satanism, in: James Hastings (Hg.), Encyclopaedia of Religion and Ethics XI,  Edinburgh 1932, S. 203-207.

Anke Krüger, Das ‘Baphomet-Idol, in: Historisches Jahrbuch 119, 1999, S. 120-133 [Onlineausgabe im Templerlexikon der Universität Hamburg].

Empfohlene Zitierweise

Dinzelbacher, Peter: Baphomet. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/7934/

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Erstellt: 18.08.2010

Zuletzt geändert: 20.09.2010