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Spina, Bartolomeo de

Klaus-Bernward Springer  

11. Januar 2008 

* um 1475 Pisa – †1546 / 47 Rom, dominikanischer Inquisitor und Theologe, seit 1542 päpstlicher Hoftheologe; Verfasser dreier Werke zum Hexenwesen.

1. Person und Werk  

Der in Pisa geborene Bartolomeo aus der adligen Familie Spina de Sarzano trat 1493 ins konventuale Dominikanerkloster St. Katharina ein, wurde 1502 zum Priester geweiht, 1509 in die lombardische Observantenkongregation transfiliiert und war 1513 bis 1518 Magister studentium am Generalstudium in Bologna und Schüler des Sylvester Prierias. Sein umfangreiches und breit gestreutes Oeuvre eröffnete Spina 1518 mit den „Metaphysicales defensiones“. 1519 publizierte er das „Propugnaculum Aristotelis de immortalitate animae contra Thomae Cajetanum“ gegen seinen früheren Ordensmeister, der 1517 zum Kardinal ernannt worden war und im gleichen Jahr die „Tutela veritatis de immortalitate animae contra Petrum Pomponatium“. Beide Werke wurden vom Inquisitor von Brescia Girolamo da Lodi (1518-1526), der 1518-1520 zugleich Prior von San Dominico in Bologna war, konfisziert.

1517-1519 war Spina außerdem Vikar des Inquisitors Antonio Beccari von Ferrara für den Unterdistrikt von Ferrara und Modena. Die 1514-1523 nacheinander wirkenden Vikare Lazzaro da San Colombano, Antonio da Brescia, Bartolomeo Spina und Tommaso da Vicenza eröffneten insgesamt 31 Hexenprozesse; zwischen 1518-1520 gab es in Modena 22 Verfahren bzw. Denunziationen; was auf Spinas Eifer zurückgeführt wird (Ginzburg 1989, S. 1). Anfang 1519 führte er in Modena den Hexenprozess gegen Chiara Signorini, die am 24. Februar des Jahres zu ewigem Kerker verurteilt wurde. Auf die mitunter beträchtliche Zahl der Vikare eines Inquisitors wies Spina im Kap. 13 der Quaestio hin: um 1523 wurde der Inquisitor von Como durch acht bis zehn Vikare unterstützt; über 1.000 Prozesse jährlich sollen zu etwa hundert Hexenverbrennungen in diesem Inquisitionsbezirk geführt haben. Spina war jedoch nie Inquisitor im eigentlichen Sinne (vgl. Tavuzzi 2007, S. 41f.).

1525  soll Spina in Bologna Baccalaureus geworden sein, doch bezeichnete er sich in den 1525 gedruckten Apologiae wie in der Widmung der Quaestio als Doctor theologiae. 1530 wurde er in Bologna Magister der Theologie. Im gleichen Jahr verfasste er ein befürwortendes Gutachten zur Scheidung des englischen Königs Heinrichs VIII. im römischen Eheprozess. 1530-32 war er Assistent des Generalmagisters mit dem Titel „Provinzial des Heiligen Landes“, 1531 Generalvikar des Ordens, 1534-36 Provinzial und Visitator der Konvente in Kalabrien. 1536-1545 wirkte er als Professor in Padua, 1542 ernannte ihn Papst Paul III. zum päpstlichen Hoftheologen (magister sacri palatii). Als solcher gehörte er der päpstlichen Theologenkommission für das 1545 eröffnete Trienter Konzil an. Als dort über die Dogmatisierung der Unbefleckten Empfängnis verhandelt wurde, gab der literarisch sehr rührige Spina dagegen gemäß der dominikanischen Ordenstheologie von der „Heiligung Mariens“ den Traktat des Turrecremata „De veritate Conceptionis B. Viriginis“ aus der Zeit des Basler Konzils heraus. Spina starb vor Vollendung des 1547 in Rom erschienenen Werks Ende 1546 oder Anfang 1547.

2. Werke  

Spinas dämonologische Ansichten beruhen auf drei 1525 in Venedig veröffentlichten Werken: der „Quaestio de strigibus et lamiis“, (1523 vollendet), dem „Tractatus de praeeminentia sacrae theologiae super alias omnes scientias et praecipue humanarum legum“ und den „Apologiae tres de lamiis adversus Ioannem Franciscum Ponzinibium iurisperitum“. Die 33 Kapitel der Quaestio behandeln den Canon Episcopi, die 12 bzw. 10 Kapitel in beiden Teilen des Tractatus die theologische Zuständigkeit in Fragen von Häresie und Glaubensabfall der Hexen, und die drei Teile der Apologiae mit 12, 10 und 4 Kapiteln die Kritik des Ponzinibius sowie ein aus einem Kapitel bestehender vierter Teil die ältere Kritik des Oltradus. Da Hexen und Hexer ihr Taufversprechen gegen Gott brachen und in die Dienste des Teufels wechselten (Quaestio Kap. 32), dieser in vielerlei Gestalt erscheinen und täuschen kann (Kap. 15), ist es Aufgabe wie Problem der theologisch und juristisch gebildeten Richter, die übernatürliche Realität zu beurteilen.

Die drei Traktate wurden mehrfach einzeln und gemeinsam publiziert, so 1581 als „Novus malleus maleficarum“. Ihre Bedeutung beruht auf der Rezeption des Malleus maleficarum und der Auseinandersetzung mit Ponzinibius über die korrekte Verfahrensweise von Inquisitionsprozessen und um die Realität von Hexensabbat und Hexenflug bzw. die Frage der Gültigkeit des Canon Episcopi.

2.1. Zum Kontext  

Vor Heinrich Institoris (Kramer) und dessen Hexenhammer war das inquisitorische Vorgehen gegen Hexen eher sporadisch. Laut Widmung der Quaestio wäre die Hexensekte nun vermehrt in der ganzen Welt aufgetreten. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts beschäftigten sich italienische Inquisitoren intensiv mit dem Problem: Thomas de Vio Cajetan, De maleficiis (um 1500); Vincentius Dodo, Apologia contra questionem de lamiis Samueli de Cassinis (1506); Bernhardus (Rategno) de Como, Tractatus de Strigiis (um 1508); Sylvester (Mazzolini) Prierias, De strigimagarum daemonumque mirandis. Rom 1521 und Bartolomaeus de Spina. Etwa parallel dazu publizierte 1510 Jakobus Hoogstraeten (1508-1527 Inquisitor der Kirchenprovinzen Köln, Mainz und Trier) in Köln den „Tractatus magistralis declarans quam graviter peccent quaerentes auxilium a maleficis“ und 1522 dessen Vikar Bernhard von Luxemburg den „Catalogus haereticorum“, der sich auch mit Hexerei befasste. Nach Spina äußerten sich Inquisitoren und dominikanische Theologen kaum noch zur Hexenfrage. Doch hatten Hexenverfolgungen generell abgenommen, um zu Ende des Jahrhunderts anzusteigen.

Alle genannten italienischen und deutschen Autoren mit Ausnahme Institoris gehörten der Observanz an, die drei letztgenannten Italiener einschließlich Spinas der Congregatio Lombardica (Tavuzzi 2007, S. 201). Während in Deutschland und Italien die erstarkenden Territorialgewalten zunehmend die Inquisitionsgerichtsbarkeit an sich zogen, dehnten Inquisitoren ihre Befugnisse durch päpstliche Mandate aus (zu Dudum Hadrians VI. vom 20.7.1523 und zum Breve Clemens VII. vom 18.1.1524 vgl. Kap. 3 der Quaestio) und zogen auch Fälle einfachen Aberglaubens vor ihre Gerichte. „Nach und nach suchte man die den Sabbat, die Teufelsanbetung und die Profanierung der Sakramente betreffenden Geständnisse der Hexen unter der Rubrik ‚heresis fascinariorum’ (N. Jacquier) oder ‚heresis strigatus’ (B. Spina) einzuordnen“ (Ginzburg 1993, S. 218). Andernfalls wurde – so auch von Spina in den Apologiae – implizite Apostasie und Häresie angenommen (ebd.). Nach Peter Burke (1977, S. 49) könnten die zunehmenden Hexenverfolgungen mit dem Interesse der Renaissance an Magie zusammenhängen.

2.2.     Rezeption des Malleus maleficarum

Spina gehört wie Prierias zu den Autoren, die sich mehrfach auf den Hexenhammer bezogen, so in Quaestio Kap. 11 (Potes … in Malleo maleficarum videre …), 17, 31 (Idem confirmant multa talia, quae refert Malleus Maleficarum …), 32 sowie in Apologiae I, Kap. 4. An den genannten Stellen erfolgt der Hinweis auf den Hexenhammer jeweils als Beleg bzw. zur Unterstützung der erwähnten Sachverhalte.

2.3.    Auseinandersetzung mit Ponzinibius

Wie weite Teile der Bevölkerung sahen Inquisitoren, Juristen sowie kirchliche und staatliche Autoritäten Hexerei als Faktum an; die Verteidiger angeklagter Hexen mussten prinzipiell deren Wirkmacht einräumen. Da Hexenprozesse nur unter dem Aspekt der Ketzerei in die Kompetenz der Inquisition fielen, waren Zuständigkeitsregelungen gegenüber weltlichen Gerichten wie dem geistlichen Gericht des Bischofs von Bedeutung. Tractatus und Apologiae waren eine Reaktion auf Ponzinibius Kritik an der Behandlung der Hexen durch die Inquisition, was von Spina als Angriff gegen die inquisitorische Kompetenz angesehen wurde.

Im „Tractatus subtilis et elegans de lamiis ...“ von 1520 empörte sich der nicht weiter nachweisbare Giovanni Francesco Ponzinibio gegen die Ungerechtigkeit des inquisitorischen Prozessvorgehens. Er kritisierte das Verfahren vor allem formal (wie Agrippa von Nettesheim im Metzer Hexenprozess von 1519) etwa in bezug auf Geständnisse. „Da die Hexen Unmögliches geständen, müssten ihre Geständnisse lügenhaft sein“ (Nagel 1995, S. 138; vgl. Kneubühler 1977, S. 56). Dass der Jurist die Gleichberechtigung des römischen Rechts mit dem Kirchenrecht konstatierte und weltliche Assessoren zu Inquisitionsprozessen hinzuziehen wollte, erregte den Zorn von Inquisitoren und Theologen. Zusammen mit dem Franziskaner Cassini stieß Ponzinibius die ersten Kontroversen über die Realität des Hexensabbats im Italien des beginnenden 16. Jahrhunderts an.

Gemäß dem Canon Episcopi, der im 12. Jahrhundert ins Corpus Iuris Canonici aufgenommen wurde, sah Ponzinibius Magie, Zauberei und Hexerei als Verblendung und nutzte eine kirchliche Rechtsbestimmung gegen jene, die im Hexenwesen eine reale Bedrohung sahen. Noch Spinas Ordensmitbruder Johannes Nider hatte in seinem „Formicarius“ um die Mitte des 15. Jahrhunderts den nächtlichen Ritt mit Diana in Übereinstimmung mit dem Canon als Vision bzw. Illusion während eines Traums angesehen (Lea 1957, S. 260f.). Dieser Tradition folgte Ponzinibius und verneinte u.a. die Realität des Hexensabbats und die unter der Folter erlangten Aussagen der Hexen. Aufgrund dieser Fundamentalkritik war die Widerlegung bzw. (vermeintlich) korrekte Interpretation des Canon Episcopi ein wichtiges Thema. Die Bedeutung Spinas und seiner Traktate – besonders der Quaestio – liegt im Versuch, den Unterschied zwischen früherer und jetziger Hexerei darzulegen und damit die Glaubwürdigkeit des Canon Episcopi zu erschüttern. Der Dominikaner äußerte Zweifel am Ursprung des Canons des (häretischen) Konzils von Ancyra 314 wie an seiner Autorität, doch beendete seine Intervention die Diskussion nicht. Francisco de Vitoria äußerte sich in den „Relectiones 12 theologicae“ (um 1540) vorsichtig. Er hätte niemand Glaubwürdigen getroffen, der mit Sicherheit etwas Magisches gesehen hätte und schloss sich der Interpretation an, dass nach dem Canon Episcopi der Hexenflug eine Illusion sei. Schließlich stellte er fest, dass in der Frage Juristen gegen Theologen stünden, zitierte Cassini, Tostato, Dodo und Torquemada (aber nicht Spina!) und stimmte mit Torquemada überein, dass Dämonen nach vielen Zeugnissen Magie vollbringen könnten. Doch wurden Spinas Argumente gegen den Canon Episcopi in der Folgezeit rezipiert. Neben dem Trierer Weihbischof Peter Binsfeld (1546-1598) berief sich Martin Antoine Delrio SJ (1551-1608) auf Spina.

Spina betonte im „Tractatus de praeeminentia sacre Theologie“ die exklusive Kompetenz der Theologie in der Hexenfrage. Laut Kap. 2 der Quaestio seien die Vorwürfe gegen die Hexen berechtigt; die unter der ständigen Aufsicht der Kirche arbeitenden Inquisitoren würden nicht irren. Außerdem würden Hexen bei ihren Geständnissen die Wahrheit sagen. Es sei für den Teufel kein Problem, Hexen zum Sabbat zu transportieren, ohne Naturgesetze zu brechen (vgl. Clark 1997, S. 185). Wie Institoris, Bernhard von Como, Dodo, Hoegstraeten, Prierias und Gianfrancesco Pico della Mirandola, dessen Werk Spina im Prooemium des Tractatus nennt, ging er vom Hexenflug und der Teilnahme der Hexen am Hexensabbat oder an Teufelsversammlungen aus (vgl. Leutenbauer 1972, S. 7, 25f.; Max 1993, S. 59). Hexenflug und Hexensabbat galten nicht mehr als Halluzination, sondern als Realität, auf die die Todesstrafe stand; die Leugnung dieser Vorgänge war Häresie.

Auf den sich ausbreitenden Hexenglauben war zu reagieren. Laut Quaestio Kap. 32 hätte die Bevölkerung die Inquisitoren zum Handeln durch viele Anzeigen gezwungen, zum Teil auch gegen allernächste Verwandte. Spina ging davon aus, dass es sich um keine Halluzinationen, sondern um übernatürliche, aber reale und empirisch nachweisbare Phänomene handelte, auch wenn mitunter gerade die Klugen getäuscht würden (vgl. Apologiae I, Kap. 3). Zu Strafen und Strafmaß von Hexerei äußerte sich Spina nicht, vielmehr ging es ihm um eine Grundlagendiskussion und die (vermeintliche) Wahrheit der übernatürlichen Vorgänge. Er sah in der Inquisition ein Mittel, um Hexen wie Geschädigten zu helfen. Es gelte, die Gemeinschaft vor vielen Übeln zu bewahren (Apologiae I, Kap. 1). Auch wenn beim neuen Hexenstereotyp antijüdische Vorstellungen wie vom Sabbat (der Hexen) eine Rolle spielten, ist antisemitisches Gedankengut bei Spina nicht feststellbar.

2.4.    Rezeption und Nachwirken von Spinas Gedankengut

Die Rezeption Spinas erfolgte parallel zu der des Hexenhammers bzw. unterstützte diese. Peter Binsfeld verwies im 1590 auch auf deutsch erschienenen „Tractatus de confessionibus maleficorum“ mehrfach auf Spina; er wurde gemeinsam mit dem Hexenhammer als Beleg angeführt, zum Beispiel: „Bartholomaes Spineus, sacri pallatii (!) Magister, in q. de strigibus, cap. 8. Malleus malefic. I. par. q 10. et alibi.“ (Kümper, Binsfeld, Tractat 114; vgl. auch ebd. 135f., 173f., 265). Gegen den Canon Episcopi wurde u.a. Kap. 25 von Spinas Quaestio angeführt (Kümper, Binsfeld, Tractat 298). Der Theologe Johann Baptist Fickler, Erzieher des bayrischen Herzogs, erzbischöflich salzburgischer Protonotar und Verfasser des „Iudicium generale de poenis maleficarum“ von 1582, soll den Neuen Hexenhammer des Spina als eine seiner wichtigsten Informationsquellen angesehen haben (Riezler 1896, S. 194; zu Ficklers Handexemplar von Spinas Novus Malleus vgl. Steinruck 1965, S. 258f. mit Anm. 47).

Vermutlich benutzte Johannes Weyer in „De praestigiis Daemonum“ (deutsch: „Von Teuffelsgespenst …“, Frankfurt/M. 1586, unveränderter Nachdruck Darmstadt 1969) Spinas Schriften, da ein „Bartholomaeus Pisanus“ ebenso wie Sylvester „Prioras“ (!) im Register genannt werden. Doch folgte Weyer ausdrücklich Ponzinibius (vgl. Weier, Teuffelsgespenst, Sp. 445), weshalb er Spinas Gegenargumente nicht präsentierte.

Fälschlich gab Delrio an, laut Spina würde der Teufel wegen der Leugnung des Schadenszaubers der Hexen durch Weyer und andere Autoren unterstützt; die Inquisitoren wären sonst längst mit Hexen und Zauberern fertig geworden. Da Spina lange vor Weyer starb, ist diese Geschichte historisch nicht möglich. „Delrio hat in das Citat an Stelle des auf Ponzinibius bezüglichen Wortes adversarii einfach Wieri gesetzt“ (Binz 1896, S. 71 Anm. 1; vgl. Fischer 1975, S. 115 Anm. 306). Delrio, der mehr als 1.000 Autoren in seinem Werk anführte, benutzte neben den drei die Hexen betreffenden Traktaten einschließlich einiger Exempel auch weitere Werke Spinas, so „De necessitate confessionis ante sacram communionem“. Hervorzuheben ist die Bedeutung von Delrios Disquisitiones auf Predigtwerke der Jesuiten wie auf Juristen aller Konfessionen (darunter Benedikt Carpzow und Christian Thomasius). Über Delrio hatten Spinas Ausführungen möglicherweise eine weitere Nachwirkung.  

2.5.    Fazit

Die Bedeutung Spinas, die er durch seine Schriften und weniger durch sein inquisitorisches Wirken gegen Hexen erlangte, besteht darin, ein wichtiger Zeuge für inquisitorische Vorstellungen zu Anfang des 16. Jahrhunderts zu sein. Der „Volksglaube“ bezüglich des Hexenwesens wurde von Inquisitoren wie Spina übernommen und etwa im Fall von Hexenflug und -sabbat zur Basis ihrer Untersuchungen. Als übernatürlicher Sachverhalt gehörte nach Spina die Strafbarkeit von Hexerei vor das geistliche Gericht der Inquisition; letztlich erfolglos bestand er daher auf dem Vorrang der Theologie vor allen anderen Wissenschaften. Das Insistieren auf den Ergebnissen von „Befragung“ und Folter als der Wahrheit und Realität entsprechend wurde ebenso wie die „Wiederlegung“ des Canon Episcopi mit der Unterscheidung zwischen früherem und zeitgenössischem Hexenwesen zusammen mit dem Hexenhammer zu Ende des 16. Jahrhunderts rezipiert.

3. Werke Spinas 

Opuscula, 3 Bde., Venedig 1519-1535. 

Einzelwerke:

Quaestio de strigibus et lamiis (Venedig 1525, Frankfurt/Main 1588.

(Häufig mit den zwei folgenden Werken, aber auch mit anderen Werken gedruckt.)

Tractatus de praeeminentia sacrae theologiae super alias omnes scientias et praecipue humanarum legum, Venedig 1525.

Apologiae tres de lamiis adversus Ioannem Franciscum Ponzinibium iurisperitum, Venedig 1525.  

Novus malleus maleficarum sub Quaestione de strigibus seu maleficis, Köln 1581. (Gemeinsamer Druck aller drei Traktate)

Ab 1582 häufig den Ausgaben des Malleus maleficarum beigegeben. Spinas Werke auch im Tractatus illustrium in utraque, tum Pontificii, tum Caesarei iuris facultate Iurisconsultorum, de iudiciis criminalibus S. Inquisitionis (bzw. Tractatus universi iuris), Bd. 11/2. Venedig 1584. 

Auszüge bei: Joseph Hansen, Quellen und Untersuchungen zur Geschichte des Hexenwahns und der Hexenverfolgung im Mittelalter, Bonn 1901 (Neudruck 1963), S. 326-337, S. 327-334 (Quaestio de strigibus), S. 334 (De praeeminentia s. theologiae), S. 334-337 (Apologiae).

Englische Auszüge (Quaestio) in: Henry Charles Lea, Materials Toward A History of Witchcraft. Vol. 1. Arranged and ed. by Arthur C. Howland, New York-London 1957, S. 178, 385-395.  

Italienische Auszüge (Quaestio Kap. 1, 2, 17, 18; (Apologiae) In Ponzinibium de lamijs, Kap. 4) in: Sergio Abbiati / Attilio Agnoletto / M. R. Lazzati (Ed.), La Stregoneria. Diavoli, Streghe, Inquisitori dal trecento al settecento, Milano 1984 (121999), S. 255-269 (S. 367f. zu Ausgaben der Werke Spinas).

4. Weitere Quellen 

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5. Literatur  

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Julio Caro Baroja, Die Hexen und ihre Welt. Mit einer Einführung und einem ergänzenden Kapitel von Professor Dr. Will-Erich Peuckert, Stuttgart 1967 (span.: Madrid 1961) [S. 129f., 313f.].

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Empfohlene Zitierweise

Springer, Klaus-Bernward: Spina, Bartolomeo de. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/5644/

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Erstellt: 11.01.2008

Zuletzt geändert: 16.01.2008

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