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Meyfart, Johann Matthäus
21.03.00
* 09.11.1590 Jena, +26.1.1642 Erfurt Studierte in Jena und Wittenberg, wurde 1616 Adjunkt der Philosophischen Fakultät in Jena. Unterrichtete am Akademischen Gymnasium in Coburg vor allem Dogmatik, Kirchengeschichte und "Exerciia oratoria". 1623 übernahm er das Direktorat der Schule, promovierte 1624 an der Universität Jena zum Dr. theol. und war seit 1633 Professor an der Universität Erfurt, deren Rektor er 1634 wurde. Nach dem "Prager Frieden" (1636) war er Pfarrer an der Erfurter Predigerkirche und Senior des geistlichen Ministeriums. Er gehörte zu den Repräsentanten der vorpietistischen Reformbestrebungen im Luthertum und kämpfte gegen die Hexenverfolgung.
1631/32 verfaßte Meyfart das Werk "Christliche Erinnerung, An Gewaltige Regenten, vnd Gewissenhaffte Praedicanten, wie das abschewliche Laster der Hexerey mit Ernst außzurotten, aber in Verfolgung desselbigen auff Cantzeln ynd in Gerichtsheusern sehr bescheidentlich zu handeln sey", das 1635 im Druck erschien. Die "Christliche Erinnerung" beruhte besonders auf seinen Erfahrungen in Coburg, wo er einige Hexenprozesse miterlebt hatte. Meyfart betrachtete die Hexenprozesse als ein Zeichen der Verderbtheit seiner Zeit und war fest davon überzeugt, daß hierbei Unrecht geschehe. Er kritisiert nicht nur die Willkür, zu der die Rechtsprechung bei den Hexenprozessen einlud, sondern vor allem auch die finanzielle Ausschlachtung der Prozesse und die Tatsache, daß keine Ärzte und Juristen bei den Prozessen zugelassen waren. Meyfart forderte die Obrigkeit auf,die Verantwortung für die Hexenprozesse zu übernehmen; Das wichtigste Thema seiner Abhandlung ist die Folter. Er lehnte ein Geständnis, das unter der Folter entstanden war, ab, da es in der Regel nicht bei klaren Verstand abgegeben und daher zu viele Unschuldige verurteilt würden. Meyfart weist auch auf die von Anfang an hoffnungslose Situation der Angeklagten und auf die häufige Vergewaltigung hin und fordert mehr Milde bei der Behandlung. Der Teufel sitze nicht in den Frauen, sondern in denjenigen, die die Hexenverfolgung billigten und durchführten.
Aber Meyfart brachte auch einige Vorschläge zur Verbesserung vor: Anzeigen sollten erst nach reiflicher Prüfung erstattet werden dürfen; Verteidiger sollten den Angeklagten zur Seite gestellt werden, die Obrigkeit sollte Sorge dafür tragen, die Prozesse nicht allein den Richtern und Folterknechten zu überlassen.
Meyfart selbst sah sich bei diesen Ermahnungen als Prophet der Endzeit und sagte den Folterern ein böses Ende für den - nicht mehr fernen - Tag des Jüngsten Gerichts voraus.
Literatur
Bertheau, Art. Meyfart, in: ADB 21, Berlin 1970 (ND), S. 646-648; Erich Trunz, Johann Matthäus Meyfart. Theologe und Schriftsteller in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, München 1987.(B.H.)
Empfohlene Zitierweise
Meyfart, Johann Matthäus. Aus: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller u. Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1652/
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Erstellt: 15.02.2006
Zuletzt geändert: 05.05.2006
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