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Eynatten, Maximilian von 

Manfred Probst 

1. Mai 2008  

* 1574 oder 1575 in Brüssel, Gegner der Hexenverfolgung, 29. Juni 1631 zu Antwerpen

1. Kurzbiografie  

Maximilian von Eynatten gehörte der Linie Eynatten-Schoonhoven an. Er hinterließ ein Werk, mit dem es sich zu beschäftigen lohnt. Allerdings fanden seine Person und sein Werk in der Wissenschaft bisher keine Aufmerksamkeit. So sind wir zunächst auf die Angaben der Titelseite seines Werkes verwiesen, wo er als Reverendus Dominus Maximilianus von Eynatten, Lizentiat der Theologie, Domherr und Scholasticus aus Antwerpen vorgestellt wird, der mit Fleiß den Inhalt des Manuale gesammelt habe. Scholasticus meint hier den an einem Kathedralkapitel tätigen Kanoniker, der den Schulbetrieb verantwortlich leitete und häufig auch selbst unterrichtete, die „licentia docendi“ erteilte und die Magister kontrollierte (vgl. J. Verger, Scholasticus: LMA VII, 1520f). Maximilian war von 1616-1631 auch Siegelbewahrer des Bistums. Er hatte also eine bedeutende Position im damaligen Bistum Antwerpen, das zu den Spanischen Niederlanden gehörte, inne und war ein einflussreicher Mann. 

2. Das Manuale Exorcismorum und sein Kontext 

Beim Manuale Exorcismorum handelt es sich um ein Handbuch katholischer Provenienz für Exorzisten. Es geht darin um Besessenheit und Zauberei. Die erste Auflage dieses Manuale erschien 1619 in Antwerpen. Die darin enthaltenen Texte sind ausschließlich in lateinischer Sprache verfasst. Das Format des Handbuchs ist klein und handlich. Es machte keine Mühe, dieses Buch bei einem längeren Fußmarsch oder bei einem Ritt bei sich zu führen. Nur fünf Jahre vorher - nämlich 1614 - war geraume Zeit nach dem Trienter Reformkonzil (1545 - 1563), aber noch in seinem Auftrag - das Rituale Romanum (RR) erschienen mit den Riten für die Feier der Sakramente und Sakramentalien. Es wurde für den Gebrauch nicht zwingend vorgeschrieben, aber dringend empfohlen. Sein letztes Kapitel trägt die Überschrift „De exorcisandis obsessis a daemonio“ (Über das Exorzisieren der von einem Dämon Besessenen), behandelt also denselben Aspekt, der im Werk des Maximilian von Eynatten von 1619 zuerst genannt ist. Schon der erste Blick auf das von ihm gesammelte Material lässt erkennen, dass es das letzte Kapitel des RR mehrfach an Umfang übertrifft. 

3. Approbation des Manuale 

Das Titelblatt vermerkt nach der Verfasserangabe, dass das Werk durch einige belgische Vorsteher und andere gelehrte Männer begutachtet und gebilligt worden sei. Darüber hinaus enthält das Manuale eine offizielle „Approbatio“ des Bischofs Johannes von Antwerpen, die am 23. Juni 1618 gegeben wurde. Sie wurde in allen unten genannten Gesamtausgaben bis 1709 abgedruckt, während sie in den Teilausgaben 1684 (?), 1706, 1709, 1713 und 1715 fehlt.  

4. Zur Motivation des Autors 

Das Manuale von 1619 beginnt mit der mehr als zwei Druckseiten umfassenden Vorrede des Herausgebers. Darin wird in kurzen Worten der Inhalt des Manuale angekündigt. Es bietet drei Teile. Der erste enthält Instruktionen und allgemeine Dokumente für den Dienst des Exorzisten. Der zweite präsentiert die Art und Weise, vom Teufel oder einem Dämon Besessene mit Gebeten, Beschwörungen und anderen darauf bezüglichen Dingen zu exorzisieren. Der dritte Teil umfasst Möglichkeiten, Zaubermittel und Zaubereien abzuwehren, durch die Menschen sowohl am eigenen Leib wie auch an anderen Gütern durch die Zulassung Gottes geschädigt würden. Hinzugefügt wurden zudem Heilmittel gegen die Angriffe der Geister in Häusern und anderen Orten sowie Hinweise, wie die Erscheinungen böser und guter Geister unterschieden werden könnten. Der Leser findet auch Segnungen für Gegenstände, die man für Besessene und Verzauberte benutzte. Die letzte Angabe des Vorwortes gilt den Quellen, aus denen der Autor schöpfte. Er habe alles gesammelt aus dem Missale, dem Pontifikale, dem Rituale Romanum, dem Pastorale von Mecheln und anderen anerkannten Autoren. Daraus solle sich der Exorzist mit Klugheit auswählen, was ihm für den konkreten Fall geeignet erscheine. Er solle sich jedoch hüten, Formeln zu benutzen, die von seinem Ordinarius nicht approbiert seien.  

Was den Antwerpener Domherrn bewegte, diese Sammlung durchzuführen und herauszugeben, sagt er direkt nicht. Doch aus dem Faktum der Herausgabe des Manuale unter seinem vollen Namen dürfte sich zunächst ableiten lassen: Für Maximilian von Eynatten lässt das Rituale Romanum volle Freiheit, auch andere Traditionen im Bereich Besessenheit und Zauberei zu benutzen. Dieses ist für ihn nur eine - vielleicht die bedeutendste - Quelle, in der Exorzisten entsprechende Hilfen für ihre Aufgaben fanden. Daneben benutzte er ebenso - an zweiter Stelle - das heimatliche Pastorale von Mecheln. Darüber hinaus zog er vor allen Dingen bei den Segnungen weitere kirchliche Quellen heran und ist schöpferisch mit ihnen umgegangen.  

Ein zweites wird deutlich, ohne dass es ausdrücklich ausgesprochen wird. Das im RR 1614 vorhandene Material für den Umgang mit Besessenen und Verzauberten reichte ihm nicht aus. Es bietet lediglich eine einzige Exorzismushandlung, während sein Manuale Exorcismorum eine große Anzahl verschiedener Exorzismen für verschiedene Zwecke enthält. Auch haben die neun Instruktionen für die Exorzisten einen wesentlich größeren Umfang als die des RR und auch des Mechelner Pastorale von 1607. In seinem Vorgehen wird deshalb auch indirekt Kritik an diesem Teil des RR deutlich. Das, was es bietet, reicht für die Anforderungen der Praxis - wie Maximilian von Eynatten sie sieht - nicht aus. Das gilt in abgeschwächtem Maß auch für sein Heimatrituale, das eine ganze Reihe von Exorzismushandlungen enthält. 

So drängt sich hier zunächst die Vermutung auf, dass von Eynatten zu der Partei gehörte, die von dem im 17. Jahrhundert überhand nehmenden Teufels- und Hexenglauben stark beeindruckt war. 1487 bereits war der „Malleus Maleficarum“ (Hexenhammer) erstmals gedruckt worden, der dann immer wieder aufgelegt wurde. Im Vergleich zu dessen Hintermännern und zu Maximilian von Eynatten scheinen die Redaktoren des RR von 1614 den Wirkmöglichkeiten des Teufels gegenüber eher nüchtern und zurückhaltend gewesen zu sein. Jedenfalls begnügten sie sich mit einer, wenn auch ausführlichen Exorzismushandlung, während das Manuale eine breite Palette anbot. 

Bezüglich der Motivation ist ein Hinweis des approbierenden Bischofs Johannes von Antwerpen aufschlussreich. Er erhoffe sich, dass die Exorzisten wegen dieses neuen Werkes weniger geeignete Exorzismusbücher, die im Umlauf seien, übergehen werden. Leider werden hier keine konkreten Buchtitel oder Namen genannt. Betrachtet man das Umfeld, so weit es bisher erforscht ist, dann müsste diese Bemerkung auf den berüchtigten Hexenhammer, der in Lyon ab 1604 zusammen mit den Exorzismushandbüchern „Flagellum Daemonum“ und „Fustis Daemonum“ des Girolamo Menghi herauskam, gemünzt sein. Jedenfalls sollten extreme Werke verdrängt werden.  

5. Inhalt des Manuale 

Der Autor des Manuale Exorcismorum ist ein ausgewiesener Theologe. Er versuchte deshalb, rational an die grassierenden Phänomene Besessenheit und Zauberei heranzugehen. Das zeigt die klare Sprache und die dreifache Zielstellung des Vorworts. Im ersten Kapitel entfaltet er so etwas wie eine Theorie des pastoralen Umgangs mit Besessenen und Verzauberten. Er legt ausführlich dar, was er unter Besessenheit und Zauberei versteht und wie die Kirche mit diesen Zuständen von Menschen, Tieren und Sachen umgehen soll.  

Dabei geht er selbstverständlich davon aus, dass sie durch die heilige Schrift und die kirchliche Tradition beglaubigte Tatsachen sind. Die Frage, ob der Teufel oder die Dämonen übernatürliche Handlungen vollbringen können, wird durch von Eynatten nicht gestellt. 

Die Besessenheit versteht der Autor als das Einfahren des Teufels oder eines Dämons von außen in den Körper eines Menschen und aus der daraus folgenden Einflussnahme auf das Handeln des Betroffenen. Gewöhnlich seien Sünden dafür die Ursache, aber auch die Verzweiflung über den Verlust von weltlichen Gütern, oder eine bereits bestehende Vertrautheit mit einem Dämon oder auch durch eine Verfluchung. Es kann aber auch um der Ehre Gottes wegen geschehen oder um die Vermehrung des Verdienstes des Betroffenen. Körperliche Besessenheit könne nur bei einer ausdrücklichen Zulassung Gottes eintreten (vgl. II. Instruktion). Sie kann nur durch die in den kirchlichen Exorzismushandlungen wirksame Macht Gottes geheilt werden. Er stellt im zweiten Teil seines Manuale dafür neun verschiedene Modelle zur Verfügung. 

Zauberei geschieht durch von Zauberern oder Hexen ausgeführte Handlungen, die aber immer auf Wirkungen des Teufels oder eines Dämons zurückgehen. Deshalb spricht er von „teuflischem Zauber“. Dieser kann sich in körperlichen Krankheiten ausdrücken, die nicht immer leicht von natürlichen Krankheiten zu unterscheiden sind. Hier kann man von einer äußeren Anwesenheit des Teufels oder eines Dämons sprechen, aber sie ist verschiedenen von der körperlichen Besessenheit (vgl. III. Instruktion). Sie kann durch Segnungen, durch Essen und Trinken gesegneter Dinge und durch Exorzismen geheilt werden. Voraussetzung ist oft die Entdeckung und Entfernung der angewandten Zaubermittel.  

Der dritte Teil des Manuale enthält sowohl Exorzismen und eine Reihe von Segnungen gegen Zaubermittel und Zauberei. Exorzismen setzt er ein gegen körperlich Verzauberte, gegen Fieber, Pest und andere natürliche Krankheiten, gegen Liebestränke, gegen Behinderungen im Vollzug der Ehe, gegen weibliche und männliche dämonische Wesen (Succubi und Incubi), gegen von Giftmischerei betroffene Tiere, gegen Zauberschaden an Lebensmitteln wie Milch und Früchten, gegen Schädlinge auf dem Feld und im Wasser und gegen Zauber in Häusern. Dann folgen Segnungen von Sachen, die Besessene wie Verzauberte brauchen: für Weihwasser, Salz, Brot, Lammfleisch und anderes Fleisch, Eier, alle Arten von Früchten, alle Nahrungsmittel, Wein, Bier und anderes Trinkbare, nur für Wein, Öl, Medizin, Brautgemach, Schlafzimmer, Feuer, in dem Zaubermittel verbrannt werden, Weihrauch oder Räucherwerk und eine Segnungsformel für alles. 

Von Eynatten geht es um den pastoralen Umgang mit den betroffenen Menschen. Er will wirklich helfen mit den geistlichen Mitteln, die die Kirche für Besessene und Verzauberte nach seiner Auffassung zur Verfügung hat.  

Deutlicher als das Rituale Romanum unterscheidet er zwischen Besessenheit und Zauberei, denen er jeweils ein eigenes Kapitel widmet. Was zunächst wie eine saubere Trennung zwischen Besessenheit und Zauberei aussieht, erweist sich beim Studium des dritten Kapitels als eine weitgehend theoretische Position. Denn in der Praxis der Exorzismus- oder Segnungshandlungen werden die Ursachen und die eingesetzten Mittel immer wieder vermischt. Eine wirklich klare Abgrenzung von Besessenheit und Zauberei kann aus dem Manuale Exorcismorum letztlich nicht erhoben werden. Denn alle Formen von Zauberei oder die Wirkungen von Zaubermitteln werden auf Dämonen zurückgeführt. Dadurch werden Mittelspersonen wie Hexen und Hexer in gewisser Weise entlastet, weil die wesentliche Rolle den Dämonen zugeschrieben wird und nicht den Hexen oder Zauberern. Deshalb befasst er sich nur nebenbei mit ihnen.  

6. Kritische Würdigung des Manuale Exorcismorum und seines Autors 

6.1 Maximilian von Eynatten zwischen Verfolgungsbefürwortung und -ablehnung 

Schaut man die vielfältigen Exorzismen für vielfältige Gelegenheiten des menschlichen Lebens an, so scheint Maximilian vom Dämonen- und Hexenglauben seiner Zeit überzeugt zu sein. Unkritisch bestätigt er alle Imaginationen bezüglich der Handlungsmöglichkeiten des Teufels und der Dämonen gegenüber Menschen, Tieren und der ganzen Natur. Überall war Raum für das Wirken von Dämonen, weil man keine naturwissenschaftliche Erklärung etwa für die Entstehung von Wetter- und Naturerscheinungen hatte. Er gibt auch Anweisungen und Ratschläge, wie man mit Menschen, die angeblich von Dämonen sexuell bedrängt werden oder gar Beischlaf erleiden, umgehen soll.

Im Kapitel 3 über die Zauberei finden wir bei vielerlei Gelegenheiten ausführliche Anweisungen des Redaktors. Gerade dies dürfte ein Hinweis darauf sein, dass von Eynatten am dritten Teil des Manuale am meisten gelegen war und dass er in diesem Bereich persönliche Erfahrungen einbringen konnte. Auch die späteren Teilausgaben dieses dritten Kapitels scheinen darauf hinzuweisen, dass das Interesse der Seelsorger und der Priester sich im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts langsam vom Phänomen der Besessenheit weg auf die vielfachen Ängste der Menschen gegen Zauberei und Zaubermittel gewandt hat.  

6.2 Theologie und Medizin 

Zwiespältig scheint von Eynattens Verhältnis zu den Ärzten zu sein. Einerseits schreibt er ihnen durchaus Kompetenz auch für Besessene und Verzauberte zu. Dem Bemühen des Seelsorgers und Exorzisten muss das ärztliche Bemühen parallel laufen. Auf der anderen Seite lässt er in den Instruktionen auch eine gehörige Portion Skepsis gegen ihre Kunst und ein Überlegenheitsgefühl des Theologen gegen die auf Erfahrungsbasis arbeitenden Mediziner erkennen. Selbst die von Ärzten verordnete Medizin soll nach ihm gesegnet werden. Das Rituale Romanum von 1614 hat hier eine klarere Haltung. Alles, was die Medizin betrifft, soll der Priester oder Exorzist dem Arzt überlassen. Eine Segnung der Medizin ist nicht vorgesehen.  

6.3 Keine Gewaltanwendung 

Im Manuale des Maximilian von Eynatten findet man keine Vorschrift oder Erlaubnis zur Gewaltanwendung gegen Besessene wie etwas die Beräucherung mit Schwefeldämpfen bei Girolamo Menghi. Auch gibt es nicht den Ruf nach Folter für Hexen und Zauberer. Wohl heißt es einmal, dass gewalttätige Besessene für die Vornahme des Exorzismus gefesselt werden, aber dabei handelt es sich um eine Vorsichtsmaßnahme. Es findet sich auch nichts über das Aufspüren von Hexen oder Hexern. Vielleicht sind Hexen gemeint, wenn der Antwerpener Domherr am Ende der Instruktion I davor warnt, leichtfertig andere für Zustände von Besessenheit oder Zauberei namhaft zu machen. Die Ursachen seien in der eigenen Sündhaftigkeit zu suchen. Bei der Beschuldigung anderer sei schon viel Unrecht an unschuldigen Menschen geschehen. Nur einmal am Ende der Instruktion VI kommt er darauf zu sprechen, dass es erlaubt sei, die Hexe herbeizuholen und zu zwingen (cogere), dass sie versteckte Zaubermittel zeige oder entferne. Das zeitgenössische Problem der Hexen und ihrer Verfolgung wird bewusst entschärft. Von Eynatten darf also nicht mit Vertretern der Verfolgungsbefürwortung von Hexen auf eine Stufe gestellt werden. Ganz im Gegenteil, versuchte er dem Hexenglauben entgegenzuwirken, indem er ein spirituell-kirchliches Deutungs- und Heilungsangebot für Besessene zusammenstellte.

6.4 Gegner der Hexenverfolgungen 

Man darf mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Maximilian von Eynatten zu den Gegnern des Hexenhammers und auch des Girolamo Menghi gehörte. Vielleicht wollte er mit seinem Manuale Exorcismorum gerade zeigen, dass nicht das Aufspüren sowie physische Verfolgung und Ausmerzung von Hexen die Aufgabe der Kirche sei, sondern der Kampf gegen den Bösen und Heilung der von ihm an Mensch und Tier verursachten Schädigungen mit geistlichen Mitteln. Die betroffenen Menschen waren für ihn Bedrängte, Kranke, Besessene, denen die Kirche helfen musste. Er mischte sich mit seinem Manuale in den intensiven Austausch zwischen Verfolgungsbefürwortern und –gegnern ein und propagierte ein gewaltfreies, mit theologischen Mitteln geführtes Vorgehen gegen das Böse und die Hexen. Das Motto des Maximilian von Eynatten lautet: Seelsorge und geistliche Hilfe für Kranke, Bedrängte und Besessene. Zu den wirksamsten Mitteln in diesen Situationen gehörten Gebet und Beschwörung des Bösen im Namen Jesu Christi. Wohl deshalb hat er sein Werk programmatisch „Manuale Exorcismorum“ benannt.

Sein Beitrag in dieser Auseinandersetzung um den Bösen und die Bösen besteht darin, einen anderen Weg zur Bewältigung des Problems aufzuzeigen als Inquisition und Hexenvernichtung. Als christlicher Theologe sah er sich dem biblischen Auftrag verpflichtet, Dämonen auszutreiben und Kranke zu heilen oder ihnen wenigstens beizustehen. Von Eynatten in dieser Situation eine grundlegende Überprüfung oder gar Infragestellung des Dämonenglaubens zu erwarten, wäre ahistorisch. In der Überzeugung von den Wirkmöglichkeiten der Dämonen erweist er sich gänzlich als Kind seiner Zeit. In der Frage des Umgangs mit den Betroffenen vertrat er eine gewaltfreie pastorale Richtung, wie sie sich auch bei den zeitgleichen oder späteren – etwa heute sehr prominenten – Kritikern des Hexenglaubens aus dem Jesuitenorden Adam Tanner (1572 – 1632) oder Friedrich Spee (1591 – 1635) findet.

Maximilian von Eynatten hat nicht alleine die Linie seines Manuale vertreten, sondern kann – auch nach Ausweis des Titelblattes – in eine Reihe anderer Ordinariate und bedeutender Geistlichen gerückt werden. Der Bischof von Antwerpen approbierte das Buch offiziell und erhoffte sich davon die Verdrängung von Büchern, die eine stärkere Betonung rechtlicher oder magischer Mittel aufwiesen. So kann Maximilian von Eynatten als Vertreter einer kirchlichen Gruppierung gewertet werden, die den seelsorglichen Umgang mit Besessenen, Verzauberten und Hexen in den Mittelpunkt des Handelns rückte. Sein Manuale passt damit gut in den Kontext der um diese Zeit in den Spanischen Niederlanden verfolgten Politik einer starken Zurückhaltung gegen Hexenprozesse und Schadenszauber (Decker 2003, S. 93-97). Wie erfolgreich Maximilian von Eynatten dabei war, beweist die Anzahl der Auflagen seines Manuale. Dass er in Europa zu einer qualifizierten Minderheit gehörte, zeigt der Vergleich der Auflagen seines Manuale mit den vielfachen Auflagen der Exorzismushandbücher eines Girolamo Menghi.

7. Ausgaben und Verbreitung des Manuale 

Gesamtausgaben 

Manuale Exorcismorum: Continens Instructiones, & Exorcismos ad eiiciendos e corporibus obsessis spiritus malignos, & ad quaeuis maleficia depellenda, & ad quascumque infestationes daemonum reprimendas: R.D. MAXIMILIANI AB EYNATTEN S:T:L:Canonici & Scholastici Antuerpiensis industria collectum: Reuerendiss. aliquot BELGII ANTISTITUM aliorumque doctorum virorum iudicio recensitum & probatum, Antwerpen: Officina Plantiniana bei Balthasar Moretus, Ww. Johannes Moretus, Johannes Meursius, 1619, 17 ungez. S., 314 S., 3 Bl., 16,5 cm.
vhd: DB Rottenburg, Bibliotheca domus presbyterorum Gaesdonck 656 [Digitale Ausgabe bei DigitalLibrary].

Manuale Exorcismorum..., Antwerpen 1626, 314 S.
vhd: Frankfurt/M. St. Georgen, Glasgow University Library, EAB Paderborn, DB Köln

Manuale Exorcismorum..., Antwerpen: Balthasar Moretus, 1635, [8] Bl., 359 S., 15,5 x 10 cm.
vhd: St. Anna Mü 12 Lit. 21, DB Köln

Manuale Exorcismorum..., Antwerpen: Balthasar Moretus, 1648, 359 S.,
vhd.: Bibliotheca domus presbyterorum Gaesdonk 655, StB Xanten, UB Köln, StadtB Trier, Paris NB E.9527

Manuale Exorcismorum..., Antwerpen: Hieronymus Verdussen, 1678, 6 Bl., 430 S., 13,9 x 8,5 cm.
vhd: DB Köln; PS Mainz, St. Michael-Gymnasium Bad Münstereifel, ULB Düsseldorf, OratB Kevelaer, Paris NB E.4653 [Digitale Ausgabe bei Google.books].

Manuale Exorcismorum..., Antwerpen: Heinrich & Cornelius Verdussen, 1709, [6] Bl., 292 S., 16,2 x 10,5 cm.
vhd: StadtB Koblenz, DB Köln, UB Köln,

Teilausgaben 

Manuale Exorcismorum, continens Instructiones, et Exorcismos Ad ejiciendos è Corporibus obsessis Spiritus malignos & ad quaevis maleficia depellenda, & ad quascumque infestationes daemonum reprimendas. R.D. Maximiliani ab Eynatten, S.T.L. Canonici & Scholastici Antverpiensis industria collectum. Löwen: Typis J.F. van Overbeke, o.J. (nach 1687), 74 S., 190 S. (2 S.) Index.

angebunden an:
Methodus tripartita, sive Praxis brevis et clara Adjuvandi Agonizantes, Ut piè & Christianè moriantur, Ex variis auctoribus, ad usum Confessariorum & Morientium solatium collecta, Latinè, Gallicè. Flandricè. Exhibita per R.P.S.C.E. Subnectuntur aliquod resolutiones quoad Sacramentorum administrationem in casu necessitatis. Löwen: J.F. van Overbeke, o.J. (nach 1687) Cum Approbatione
vhd. Glasgow University Library Ferguson Add. 141

Manuale Exorcismorum..., Brüssel: Johannes de Smedt, 1706, 92 S., 12,6 x 8,2 cm.
vhd: StB Neustift 8745

Manuale Exorcismorum..., Brüssel: Johannes de Smedt, 1709, 92 S. 

angeb. an:
Methodus tripartita sive Praxis brevis et clara Adjuvandi Agonizantes..., Brüssel: Johannes de Smedt, 1709.
vhd.: OratB Kevelaer

Manuale Exorcismorum..., Brüssel: Johannes de Smedt, 1713, 92 S., 13,2 x 7,9 cm: 

angebunden an:
Methodus tripartita sive Praxis brevis et clara Adjuvandi Agonizantes...: Brüssel: Johannes de Smedt, 137 S., 3 ungez. S.
vhd.: Bibliotheca domus presbyterorum Gaesdonck 22

Manuale Exorcismorum..., Antwerpen: Peter Jouret 1715, 79 S., 

angeb. an:
Methodus tripartita sive Praxis brevis et clara Adjuvandi Agonizantes, Antwerpen: Peter Jouret, 1715, 211 S. und Index, 13,5 x 8,0 cm.
vhd:. B des ehem. Brigittenklosters 660, Kaldenkirchen

Die Gesamtausgaben und auch die Teilausgaben unterscheiden sich nur wenig voneinander. Die Teilausgaben enthalten den dritten Teil des Manuale von Eynatten. Sie sind wiederum weitgehend identisch in Inhalt und Aufbau. Sie signalisieren wohl, dass der Bedarf für die vorausgehenden Teile nachgelassen hatte. Nicht mehr Besessenheit von Menschen scheint im Vordergrund des Interesses zu stehen, sondern Zauberei und Heilmittel. Das bestätigen auch neue Bücher des 17. und 18. Jahrhunderts, die Mischungen von verschiedensten Segnungen und Exorzismen enthalten (vgl. M. Probst, Bibliografie der katholischen Ritualiendrucke, Münster 1993, 116-130).  

Das Verbreitungsgebiet des Manuale Exorcismorum kann noch nicht vollständig abgesteckt werden. Die Ausgaben von 1619 und 1687(?) finden sich in Glasgow. Drei Ausgaben besitzt die französische Nationalbibliothek in Paris. Jeweils einmal nachgewiesen ist das Manuale in Paderborn, Koblenz, Vallendar, Mainz, Frankfurt, Rottenburg, München, Neustift in Südtirol. Die Verbreitung dieses Buches im übrigen Europa müssen wir offen lassen. Mit Sicherheit aber war es in Belgien, in Frankreich (vgl. J.-B. Molin - A. Aussedat-Minvielle, Répertoire des Rituels ...en France, Paris 1984, 541 – 563) und in den katholischen Gebieten Deutschlands, dort vor allen Dingen am Niederrhein in Gebrauch. 

Literatur 

Manfred Probst, Besessenheit, Zauberei und ihre Heilmittel. Dokumentation und Untersuchung von Exorzismushandbüchern des Girolamo Menghi (1523-1609) und des Maximilian von Eynatten (1574/75- 1631), Münster 2008 (LQF 97).

Rainer Decker, Die Päpste und die Hexen. Aus den geheimen Akten der Inquisition, Darmstadt 2003.

Jacques Verger, Scholasticus: Lexikon des Mittelalters VII, 1520f.

Hans de Waardt, Erik H. C. Midelfort, Jürgen M. Schmidt (Hg.), Dämonische Besessenheit; Demonic Possession. Zur Interpretation eines kulturhistorischen Phänomens, Bielefeld 2005.

Empfohlene Zitierweise

Probst, Manfred: Eynatten, Maximilian von. Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/5871/

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Erstellt: 27.05.2008

Zuletzt geändert: 03.07.2008

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