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Bodin, Jean 

12. Juli 2000 

* 1530 in Angers; 1596 in Laon, Staatsrechtler und Befürworter der Hexenverfolgung

Kurzbiografie 

Jean Bodin wurde 1530 in Angers geboren. Ab 1551 studierte und lehrte er zehn Jahre lang Rechtswissenschaften an der Universität Toulouse. 1561 trat er als Rechtsberater in die Dienste der königlichen Familie. Nach dem Tod seines Dienstherrns, des Duc d'Alençon, im Jahre 1583, war er noch 13 Jahre lang als procurateur in Laon tätig, bis er 1596 an einer Seuche starb.

Bekannt geworden ist Jean Bodin durch seine staats- und wirtschaftstheoretischen Schriften. Daß er aber auch ein heftiger Verfechter der Hexenverfolgungen war, dürfte im allgemeinen weniger geläufig sein, obwohl seine Démonomanie des Sorciers in hoher Auflage gedruckt und in vier Sprachen übersetzt wurde. Das 1580 erschienene Werk ist in vier Teile untergliedert. Während Bodin in den ersten drei Teilen eine juristische Fixierung des Hexen- und Zauberbegriffs versucht, diente das letzte Buch, das Probleme des Inquisitionsverfahrens und der Strafregelung behandelt, zahlreichen Richtern in Hexenprozessen als Handbuch und Nachschlagewerk.

Angeblich hat Bodin seine Démonomanie als Reaktion auf den Hexenprozeß gegen eine Frau namens Jeanne Harviller verfaßt, dem er im Jahre 1578 beigewohnt hatte. Aus seinen anderen Schriften ist jedoch zu erkennen, daß er sich zu diesem Zeitpunkt bereits vorher mit der Thematik auseinandergesetzt haben muß. Wie andere zeitgenössische Dämonologen auch äußerte sich Bodin kritisch über die Laxheit der Richter, die seiner Einschätzung nach nicht intensiv genug gegen die Hexen vorgingen. Zurückzuführen war diese Nachlässigkeit in seinen Augen zum einen auf die damals uneinheitlichen Prozeßregeln in Frankreich, zum anderen auf den grundsätzlichen Zweifel vieler Richter an der Existenz von Hexen und Zauberei. Im Horizont dieses Denkens betrachtete es Bodin als seine Aufgabe, die Richter von der großen Gefahr zu überzeugen, die Hexen und Zauberer für die Gesellschaft darstellten. Gleichzeitig wollte er die königlichen Amtleute zu strengeren Hexenverfolgungen bewegen.

Démonomanie 

In den ersten Kapiteln seiner Démonomanie widmet sich Bodin Fragen der Magie, der Mystik und der jüdischen Kabbalistik. Unter Berufung auf antike Autoren sowie zahlreiche Bibelstellen versuchte er nachzuweisen, daß Hexerei und Magie schon immer als Verbrechen erachtet worden waren. Wie in seinen anderen Werken untermauerte er hier seine Argumentation mit dem Verweis auf Autoritäten wie Daneau oder Grillandus, besonders schätzte er aber den Malleus Maleficarum .  

Wie definierte Bodin nun einen Zauberer oder eine Hexe? "Sorcier est celuy qui par moyens Diaboliques sciemment s'efforce de parvenir à quelque chose". Bodins Begriff des Zauberers ist sehr umfassend und schließt böse wie gute Geister ein. Zu Bodins Hexenvorstellung gehört auch der Glaube an die Verwandlung in Werwölfe, an das nächtliche Zusammentreffen der Hexen mit dem Teufel und an den Hexenflug. Entscheidend ist für ihn vor allem die böswillige Intention, die Abkehr von Gott und der Bund mit dem Teufel. Aus der Überzeugung, daß Hexerei das schwerste Verbrechen überhaupt darstellte, resultierte für Bodin die Forderung, daß eine Hexe härter bestraft werden müsse als zum Beispiel ein Mörder. Erkennen könne man Hexen unter anderem an Hexenmalen oder an ihrer Abstammung, an der Unfähigkeit zu weinen oder an der Unfähigkeit, dem Richter während des Prozesses ins Auge zu blicken.  

Im vierten Buch der Démonomanie beschreibt Bodin schließlich ausführlich die Verfahrensregeln für den Hexenprozeß, der anders als gewöhnliche Strafprozesse durchgeführt werden solle. Der juristische Beistand des Angeklagten durch einen Anwalt sei zum Beispiel nicht notwendig. Der Richter dürfe auch lügen, um den Angeklagten zu einem Geständnis zu bewegen. Um jemanden der Hexerei zu überführen, reiche es aus, einen Zeugen (statt der üblichen zwei) zu hören, auch die umlaufenden Gerüchte seien schon aussagekräftig genug. Ausschlaggebend für den Prozeß sei die Aussage des Angeklagten. Ein Schweigen des Angeklagten gelte ebenfalls als Geständnis.

Für Bodin gab es sieben Gründe, eine Hexe zu verurteilen: um Gottes Zorn zu beschwichtigen, um seine Gnade zu erhalten, um andere Übeltäter zu erschrecken, um diejenigen zu schützen, die nicht mit der Zauberei in Verbindung gekommen waren, um die Zahl der Übeltäter zu mindern, um den anständigen Zeitgenossen ein sicheres Leben zu bieten und um das Böse zu bestrafen.  

Nach der Fertigstellung des Werkes brachte es die Démonomanie , wie schon angedeutet, auf ein hohes Maß an Popularität. Das Buch beschwor eine neue Welle der dämonologischen Literatur herauf und entwickelte sich zu einer wichtigen Quelle für Dämonologen. Allerdings verlangten auch einige kritische Stimmen Gehör: Pierre Le Loyer oder Martin Del Rio erklärten die Verwandlung von Menschen in Tiere beispielsweise für unmöglich, der Arzt J. de Nynauld erachtete die Behauptung, der Teufel könne die von Gott erschaffene Natur verändern, als blasphemisch. Aufgrund verschiedener umlaufender Gerüchte wurde Bodin kurzzeitig sogar selbst verdächtigt und verhaftet. Die Démonomanie wurde von Rom aus verboten.

Im Gefolge der Untersuchungen von Robert Mandrou und Hugh Trevor-Roper hat sich die Vorstellung verbreitet, durch Bodins Werk sei es zu einem Anstieg der Hexenverfolgungen und -prozesse in ganz Europa gekommen. Jonathan L. Pearl, der sich intensiver mit der Démonomanie auseinandergesetzt hat, bezweifelt diesen starken Einfluß jedoch u.a. mit dem Verweis auf Bodins juristische Argumentationsweise. Da der Forschungsschwerpunkt bisher aber weitgehend auf Bodins staats- und wirtschaftstheoretischen Schriften lag, wird es in Zukunft Bodins Rolle als Verfechter der Hexenverfolgungen noch eingehender zu untersuchen gelten. 

Digitalisierte Ausgaben vor 1800 

De la Demonomanie des Sorciers. Paris 1581
BSB 4 Phys.m. 20
[Schlüsselseiten im Historicum.net]
Ausgabe Paris 1580: http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k52947mAusgabe Paris 1580: http://www.bvh.univ-tours.fr/Consult/index.asp?numfiche=221Ausgabe Paris 1586: http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k54603nAusgabe Paris 1587: http://historical.library.cornell.edu/cgi-bin/witch/docviewer?did=022
Ausgabe Lyon 1598: http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k54054wAusgabe Lyon 1598: http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k83041x

De la Démonomanie des Sorciers, Paris 1580. De Magorum Daemonomania libri IV, Basel 1581. Vom Außgelasenen wüttigen Teuffelsheer, trans. by Johann Fischart,
Hamburg 1698 http://www.bibliothek.uni-halle.de/buecher/text.htm.
Straßburg 1591:  http://www.rzuser.uni-heidelberg.de/~cd2/drw/F4/fischart/liste.htm

De magorum daemonomania libri IV, Basel 1581, http://www.bvh.univ-tours.fr/Consult/index.asp?numfiche=201

La Démonomacué des sorciers Des ... Johannis Bodini ... Daemonomania, Oder ausführliche Erzehlung Des wütenden Teuffels/ in seinen damahligen rasenden Hexen und Hexenmeistern. Welches der andere Theil Nicolai Remigii Daemonolatria. Wobey gleichfalls angehänget: Vielerhand warhaftige und erschreckliche Geschichte besessener Leute ... Nebst noch einigen betrieblichen und von Menschen practicirten kutzweiligen Begebenheiten. Frankfurt; Leipzig; Hamburg - Hertel – 1698.

Le fleav des demons et sociers, Niort 1616. http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k84820d

Literatur 

C. BAXTER, Jean Bodin's De la Démonomanie des sorciers. The Logic of Persecution, in: Sydney Angelo (Hrsg.), The Damned Art. Essays in the Literature of Witchcraft, London 1977, S. 76-105. 

Roland CRAHAY, Isaac Marie-Thérèse, Lenger, Marie-Thérèse: Bibliographie critique des éditions anciennes de Jean Bodin. (Académie royale de Belgique. Mémoire de la classe des lettres. Collection in-8@, 2e série, 70/2), Brüssel 1992 

Ursula LANGE, Untersuchungen zu Bodins Démonomanie, Frankfurt/Main 1970. 

E. W. MONTER, Inflation and witchcraft. The case of Jean Bodin, in: Rabb, Theodore K.; Seigel, Jerrold E. (Hrsg.), Action and Conviction in Early Modern Europe, Princeton 1969, 371-389

Jonathan L. PEARL, Humanism and Satanism. Jean Bodin's Contribution to the Witchcraft Crisis, in: Canadian Review of Sociology and Anthropology 19 (1982), S. 541-548 

Jonathan L. PEARL, Le rôle enigmatique de "la Démonomanie" dans la chasse aux sorciers, in: Jean Bodin. Actes du Colloque Interdisciplinaire d'Angers (24-27 Mai 1984), Vol II., Angers 1985, S. 403-410 

Jonathan L. PEARL, Bodin's Advice to Judges in Witchcraft of the Western Cases, in: Proceedings of the Annual Meeting of the Western Society for French History 16 (1989), S. 95-102.

Maxime PRÉAUD, La Démonomanie des Sorciers. Fille de la République, in: Jean Bodin. Actes du Colloque Interdisciplinaire d'Angers (24-27 Mai 1984), Vol II., Angers 1985, S. 419-425.

Empfohlene Zitierweise

Bodin, Jean. Aus: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller u. Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1584/

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Erstellt: 15.02.2006

Zuletzt geändert: 17.01.2008

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