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Biewer, Reiner 

St. Maximin bei Trier (Reichsabtei) 

Rita Voltmer  

11.03.02  

Abt von St. Maximin bei Trier (1581-1613) und Befürworter der Hexenverfolgung.  

Die Amtszeit des Maximiner Abtes Reiner Biewer ist von den schweren Hexenverfolgungen der Jahre 1586-1596 gekennzeichnet. Von Hexenfurcht geplagt wie der Trierer Erzbischof Johann VII. von Schönenberg war Biewer bereit zu glauben, die Hexensekte habe geplant, ihn - wie angeblich bereits seinen Vorgänger Matthias von Saarburg - zu ermorden. In einem Hexenprozess aus dem Jahr 1594 bezeugte der Abt sogar, die verdächtigte Frau habe ihm aus nächster Nähe Zaubersalbe ins Ohr geblasen. Der niederländische Theologe Cornelius Loos musste gar 1593 in Anwesenheit von Reiner Biewer, dem Trierer Offizial Bartholomäus Bodegemius, dem Trierer Weihbischof Petrus Binsfeld und dem päpstlichen Nuntius Ottavio Frangipani in der Abtsstube von St. Maximin auf den Knien seine verfolgungskritischen Thesen widerrufen. Doch hat Biewer nicht nur aus existenzieller Furcht die massenhaften Verfolgungen in seinem Territorium geschehen lassen und die dort agierenden Hexenausschüsse herrschaftlich legitimiert. Der sich als Landesherr und Reichsfürst verstehende Abt scheint die Hexenjagd auch im Kampf mit Kurtrier um die Reichsunmittelbarkeit seiner Abtei benutzt zu haben; schließlich ließ sich der Nachweis souveränen Besitzes von Blut- und Hochgerichtsbarkeit als oberstem landeshoheitlichen Recht durch massenhaft geführte Hexenprozesse problemlos und unangreifbar erbringen. Als übergeordnete Rechtsinstanz erteilte der St. Maximiner Oberhof, eingerichtet in einem Haus nahe der Abtei, die nach der "Carolina" notwendigen Advise in Hexereiverfahren. Damit wurde der Trierer Oberhof als gutachtende Behörde nicht in die St. Maximiner Verfahren involviert, und somit hatte der Kurfürst keine Möglichkeit, den Instanzenzug als Beweis für seinen eigenen Hoheitsanspruch auf St. Maximin zu nutzen. Außerdem konnte er formalrechtlich die auf die "Carolina" gestützten Maximiner Hexenprozesse in keiner Weise als illegal anfechten und diesen möglichen Vorwurf als Begründung für einen gewaltsamen oder militärischen Eingriff in das Maximiner Territorium benutzen. 

Auch mit anderen Mitteln versuchte Biewer, sein Territorium auszudehnen und dauerhaft als souveräne Landesherrschaft zu etablieren. So kaufte er 1589 für eine stattliche Summe die Erbgrafschaft Freudenburg und gliederte sie seinem Herrschaftsgebiet ein. Daneben setzte er aber auch auf die herrschaftliche Repräsentation. Ausgesprochen prachtliebend vermehrte er den Kirchenschatz der Abtei um einige wertvolle Stücke und ließ 1604 ein Verzeichnis der Kostbarkeiten anlegen. Reiner Biewer beförderte - wie schon sein Vorgänger Matthias von Saarburg - den Wiederaufbau der 1552 durch die Truppen des Albrecht-Alkibiades von Brandenburg-Kulmbach stark zerstörten Kirchen- und Klosterbauten von St. Maximin, die bald als die schönsten im ganzen Erzbistum Trier galten. Allerdings hatte der Abt Reiner Biewer durch den großartigen Bau St. Maximin in solche Schulden gestürzt, dass er gezwungen wurde, sein Amt 1613 niederzulegen.

Offen bleiben muss bislang die Frage, ob Reiner Biewer bei seinem ohne Zweifel hohen Bedarf an finanziellen Ressourcen die Hexenverfolgungen auch aus materiellem Interesse führen ließ. Da es keine Konfiskationen in St. Maximin gab, blieb ihm diese Geldquelle verwehrt. Nachzuweisen ist allerdings, dass Biewer Pachtzinsen und Abgaben in seinen Grundherrschaften erhöhte und dagegen opponierende Meier und Hofleute auffällig häufig in Hexereiverfahren angeklagt und hingerichtet wurden. 

Literatur 

Rita Voltmer: Einleitung, in: Dies., Weisenstein, Karl (Bearb.): Das Hexenregister des Claudius Musiel. Ein Verzeichnis von hingerichteten und besagten Personen aus dem Trierer Land (1586-1594) (Trierer Hexenprozesse - Quellen und Darstellung 2). Trier 1996, S. 9-106. 

Rita Voltmer: Claudius Musiel oder die Karriere eines Hexenrichters. Auch ein Beitrag zur Trierer Sozialgeschichte des späten 16. Jahrhunderts, in: Gunther Franz, Franz Irsigler (Hg.): Methoden und Konzepte der historischen Hexenforschung (Trierer Hexenprozesse - Quellen und Darstellungen 4), Trier 1998, S. 211-254. 

 

Siehe auch folgende Artikel:  

Hexenregister des Claudius Musiel (1586-1594) von Rita Voltmer

St. Maximin bei Trier (Reichsabtei) - Hexenverfolgungen von Rita Voltmer

Musiel, Claudius von Rita Voltmer

Omsdorf, Petrus, Notar in St. Maximin und Kurtrier (gest. 1615) von Rita Voltmer

Piesport, Johann von, St. Maximiner Amtmann und Hexenrichter (gest. 1594) von Rita Voltmer

Zilles, Nikolaus (1575-1638) von Rita Voltmer

Empfohlene Zitierweise

Voltmer, Rita: Biewer, Reiner. Aus: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller u. Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1581/

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Erstellt: 15.02.2006

Zuletzt geändert: 09.06.2006

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