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Zilles, Nikolaus (1575-1638) 

St. Maximin bei Trier (Reichsabtei) 

Rita Voltmer  

15.03.02  

*1575 in Wolf (Mosel), +1638 in Trier; 

nach 1613 - 1638 St. Maximiner Amtmann und Hexenrichter.  

1. Lebensdaten und Amtsantritt in der Reichsabtei St. Maximin 

Nikolaus Zilles wurde 1575 in Wolf an der Mosel geboren und Ende 1638 in St. Maximin beerdigt. Zilles studierte an der Universität Trier und erwarb dort 1598 den Grad eines Magisters. 1610 trat er als Schreiber in den Dienst der Reichsabtei St. Maximin und fertigte in diesem Jahr aus Anlass einer päpstlichen Visitation ein Verzeichnis der Dienerschaft der Abtei an. Wann genau er Amtmann in St. Maximin wurde, ist nicht sicher. 1609 besetzten noch Claudius Musiel und sein Sohn Johann die beiden Amtmannschaften der zwei für St. Maximin nachweisbaren Verwaltungsbezirke. Nach dem Tod von Claudius Musiel übernahm Johann Musiel wahrscheinlich auch dessen Bezirk. Mit der erzwungenen Abdankung des Abtes Reiner Biewer im Jahr 1613 war wohl eine Umbesetzung der lokalen Beamten verbunden; die so eng mit der Person des Abtes Biewer verbundene Familie Musiel verlor offenbar ihren Einfluss, und Nikolaus Zilles wurde zum neuen St. Maximiner Amtmann ernannt. In einem Hexenprozess des Jahres 1615 begegnet Zilles jedenfalls schon als Inhaber dieses Amtes. Außerdem stand Zilles als Schultheiß in den Diensten der Trierer Dompropstei. In dieser Funktion leitete er 1630 die Voruntersuchung gegen eine der Hexerei verdächtigten Frau.  

2. Zilles als Hexenrichter  

Die erneut in St. Maximin einsetzende Hexenjagd in den Jahren 1629/31 ist im Gegensatz zur schweren Verfolgung am Ende des 16. Jahrhunderts von einer eher moderaten Haltung der Obrigkeit gekennzeichnet. Im Gegensatz zu Piesport und Musiel verzichtete Zilles auf eine zu enge Zusammenarbeit mit den Hexenausschüssen. Immer wieder gingen Beschwerden der dörflichen Hexenjäger bei ihm ein, dass er ihre Arbeit eher behindere als fördere und einmal verhaftete Personen nicht schnell genug zur Anklage und zur Folter bringe. Die von Zilles aufgestellte Gebührenordnung, welche feste Taxen auch für die Investigationen der Hexenausschüsse festsetzte, beschnitt zum Beispiel empfindlich deren Möglichkeit, wie bisher ihre oft nicht unbeträchtlichen Reise- und Bewirtungskosten den Angeklagten aufzubürden. Einige der in den Jahren 1629-1631 geführten Hexereiverfahren kamen oft nicht über die Voruntersuchung hinaus, die Ausschüsse mussten weitaus mehr Zeugen als noch während der ersten Hexenjagd 1586-1596 beibringen, und immer wieder verzichtete man unter Berufung auf unzureichende Klageschriften auf eine Anklage. Trotzdem hat auch Nikolaus Zilles zahlreiche Hexereiverfahren geführt. Immerhin sind mindestens 32 Personen in diesem Zeitraum verbrannt worden. Auch Zilles ließ ein dem so genanntes Hexenregister vergleichbares, allerdings wesentlich kleineres Verzeichnis von Besagungen zusammenstellen. Ob Zilles tatsächlich eine prozesskritische Haltung einnahm oder ob er angesichts der politischen Großwetterlage und dem ruinösen Zustand der maximinischen Finanzen einfach aus pragmatischen Gründen die ungebrochene Verfolgungswut der Hexenausschüsse zügelte, kann nicht entschieden werden.  

3. Zilles als Publizist im Kampf um die Reichsunmittelbarkeit der Reichsabtei St. Maximin 

Immerhin war auch Zilles ein eifriger Verteidiger der maximinschen Unabhängigkeit und ließ sich in einen publizistischen Streit mit dem Trierer Kurfürsten ein. Christoph von Sötern hatte 1633 unter dem Titel "Archiepisopatus et Electoratus Trevirensis per refractarios monachos Maximinianos aliosque turbati" ein Werk erscheinen lassen, in dem er den Nachweis suchte, dass die Abtei der geistlichen und weltlichen Gerichts- und Landeshoheit Kurtriers unterworfen sei und das Herzogtum Luxemburg keine Vogteirechte über St. Maximin habe. Darauf antwortete Zilles 1638 mit der in St. Maximin gedruckten "Defensio abbatiae imperialis s. Maximine", deren alleiniger Autor er allerdings nicht war. Dort versammelte er unter anderem 90 Urkunden als Belegstücke, welche die Reichsunmittelbarkeit der Abtei seit den Gründungsjahren beweisen sollten. Mit diesem in der Geschichte der Diplomatik hoch gerühmten Werk wurde Zilles bekannt; es erlebte 1648 in Köln eine neue Auflage.  

Literatur: 

Michael F.J Müller: Nicolaus Zyllesius, in: Trierische Chronik 6, 1821, S. 9-14 und 188. 

H.V. Sauerland: Ein Verzeichnis der Dienerschaft in der Trierer Maximinabtei um das Jahr 1610, in: Trierisches Archiv 2, 1899, S. 90-93. 

Rita Voltmer: Einleitung, in: Dies., Karl Weisenstein (Bearb.): Das Hexenregister des Claudius Musiel. Ein Verzeichnis von hingerichteten und besagten Personen aus dem Trierer Land (1586-1594) (Trierer Hexenprozesse - Quellen und Darstellung 2). Trier 1996. 

 

Siehe auch folgende Artikel:  

Biewer, Reiner von Rita Voltmer

Hexenregister des Claudius Musiel (1586-1594) von Rita Voltmer

St. Maximin bei Trier (Reichsabtei) - Hexenverfolgungen von Rita Voltmer

Musiel, Claudius von Rita Voltmer

Omsdorf, Petrus, Notar in St. Maximin und Kurtrier (gest. 1615) von Rita Voltmer

Piesport, Johann von, St. Maximiner Amtmann und Hexenrichter (gest. 1594) von Rita Voltmer

 

Empfohlene Zitierweise

Voltmer, Rita: Zilles, Nikolaus. Aus: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller u. Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1681/

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Erstellt: 15.02.2006

Zuletzt geändert: 09.06.2006

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