P-Z

Voigt, Gottfried Christian

Dieser Artikel ist noch unbearbeitet, werden Sie Beiträger!

1. April 2008 

* 24. Juni 1740 in Wegeleben (Fürstentum Halberstadt), Stadtsyndikus und Prozessdirektor, † 15. November 1791 in Quedlinburg

Kurzbiografie 

Voigt studierte zwischen 1760 und 1762 in Helmstedt. Anschließend fand er 1762 eine Anstellung als fürstlicher Regierungsadvokat in Quedlinburg, ab 1780 als Stadtsyndikus und Prozessdirektor bei der Königlich-Preußischen Erbvogtei. Voigt hat sich im regionalen Kontext zu einigen juristischen Themen und Fragestellungen geäußert, etwa zum Institut der weiblichen Vormundschaft, zu historischen Rechtsgebräuchen oder den Hexenprozessen. Bis heute beachtet werden einige regionalhistorische Betrachtungen zu Quedlinburg. Voigts kurze Abhandlung und Schilderung von Hexenprozessen in Deutschland gilt als Wurzel der „9-Millionen-Opfer-These“. Durch eine Hochrechnung der lokalen Verfolgungsziffern in Quedlinburg zwischen 1569 und 1598 glaubte er so auf das Ausmaß der Gesamthexenverfolgung schätzen zu können. Für Quedlinburg hatte er für diesen Zeitraum 30 Hexenprozesse mit Todesfolge ausfindig gemacht.

"Ich will daher nur annehmen, daß in dem genannten Zeitraume von 30 Jahren zum wenigsten 40 Personen durchs Feuer als Hexen hingerichtet sind; ob ich gleich glaube, daß ich, ohne die Sache zu übertreiben, 60 annahmen könnte. Nach diesem Verhältniß würden nun in jedem Jahrhunderte allher in Quedlinburg ungefährt 133 Personen als Hexen verbrannt worden sein [...]. Seit der Zeit also, da Quedlinburg [...] einen eigenen Staat ausgemacht hat, sind allhier in einem Zeitraum von 650 Jahren wenigstens 866 Menschen um der Hexerei willen zum Scheiterhaufen geführet [worden]" (Behringer 1998). 

Auf ähnliche Weise errechnete Voigt die Verfolgungsziffern für ganz Europa von 9 Millionen vierhundert zwei und vierzigtausend neunhundert vier und neunzig Menschen. Heutige Schätzungen gehen von einer Gesamtzahl von etwa 40.000-50.000 Todesopfern aus. 

Ausgaben vor 1800 

Auszüge aus einigen Hexenakten bei der Königl. Preuß. Erbvogtei zu Quedlinburg, in: Berlinische Monatsschrift 1784, St. 5, S. 430-452. 

Noch einige Bemerkungen über Hexenprozesse und Folter, in: Berlinische Monatsschrift 1784, St. 5, S. 453. 

Etwas über die Hexenprozesse in Deutschland. In: Berlinische Monatsschrift, Dritter Band, Berlin 1784, S. 297-311. 

Literatur 

Wolfgang Behringer, Neun Millionen Hexen, Entstehung, Tradition und Kritik eines populären Mythos, [Erstpublikation: GWU 49 (1998), 664-685], hier: in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/826-1/ (1. April 2008).

Friedrich Carl Gottlob Hirsching (Hg.), Historisch-literarisches Handbuch berühmter und denkwürdiger Personen, welche in dem 18. Jahrhundert gestorben sind, Leipzig, Künstlern [...], 17 Bde., Leipzig 1794-1815.

Johann Georg Meusel, Lexikon der vom Jahr 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller, 15 Bde., Leipzig 1802-1815.

G. S. Rötger, Nekrolog für Freunde deutscher Literatur 1791-1794, 4 Bde., Helmstedt 1796-1799.

Christoph Weidlich, Biographische Nachrichten von den jetztlebenden Rechts-Gelehrten in Teutschland : mit einer Vorrede von dem gegenwärtigen Zustande der juristischen Litteratur in Teutschland, 2 Bde., Halle 1781.

Empfohlene Zitierweise

Moeller, Katrin: Voigt, Gottfried Christian. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/5753/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 30.03.2008

Zuletzt geändert: 30.03.2008

Index P-Z