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Teufelsbund und Teufelspakt (Mittelalter)

Almut Neumann 

10. Oktober 2007

1. Einführung 

Die Vorstellungen eines Teufelsbundes und eines Teufelspaktes entwickeln sich im Kampf der christlichen Kirche gegen Apostasie aus zwei unterschiedlichen theologischen Denkrichtungen. Sie werden durch die theologischen Schriften und die didaktische Literatur verbreitet. Beide Formen symbolisieren den freiwilligen Abfall des Christen vom Glauben, welcher sich in der Hinwendung zu anderen Religionen oder der Übernahme nicht autorisierter Glaubensinhalte und abweichender religiöser Praktiken und Moralvorstellungen manifestiert. Dienten die Bündnisvorstellungen zunächst dem Zweck, die Festigung des Glaubens zu erreichen, werden sie im Hochmittelalter zur Rechtfertigung des Glaubenkampfes eingesetzt und gehen im Spätmittelalter als Straftatbestand in die Rechtsprechung ein.

2. Der Teufelsbund 

2.1. Die Entwicklung der Teufelsbundvorstellungen im Alten und Neuen Testament 

Der Teufelsbund ist eine weiterentwickelte Warnung des Alten Testamentes vor einem Götzenbund. In diesem manifestiert sich der Vertragsbruch der zwischen dem Menschen und Jahwe geschlossenen Bünden, zu deren wichtigsten der Alte Bund (Ex 6,7; Lv 26,12; Dt. 26,17f.; 29,12f.) gehört. Er wird im Neuen Bund (Lk 22,20; 1 Kor 11,25; 2 Kor 3,6; Hebr. 9,15) bekräftigt. Mit der im 5. Jahrhundert v. Chr. unter dem Einfluss des persischen Dualismus fortschreitenden Transzendentalisierung Jahwes und der Bezeichnung als bedrohlich empfundener Eigenschaften des ambivalenten Jahwe als Satan (hebräisch: Widersacher, Feind, weiter: Ankläger) (vgl. Sach 3,12; Iob 1,6ff.; 1 Chr 21,1) bildet sich in den zwischentestamentlichen Schriften bereits die Vorstellung eines von Gott zugelassenen und folglich von ihm abhängigen Zwischenwesens, das gleichzeitig als Gegenspieler Gottes auftritt und mit Glaubensabfall und Glaubensbedrohung in Verbindung steht. Das Neue Testament, dessen Schriften ca. 300 n. Chr. endgültig zusammengestellt werden, klammert diese legendenartigen Erzählungen zwar aus, dennoch leistet es den späteren Teufelsvertragsvorstellungen Vorschub, wenn in der zentralen Bibelstelle des Neuen Testaments, der Versuchung Jesu, der Sohn Gottes vom Heiligen Geist in Gestalt des Teufels versucht wird (Mk 1,2f.; Mt 4,1-11; Lk 4,1-13). Diese Prüfung erfolgt in Anlehnung an die alttestamentliche Versuchung des Volkes Israels und stellt die messianisch-christologische Glaubensbotschaft in den Vordergrund, da sich Jesus Christus mit seiner Standhaftigkeit als wahrer Messias erweist. Die Rolle des Teufels als Verführer und Vertragspartner ist jedoch vorgeformt: „Alle Macht und Herrlichkeit dieser Welt ist mir übergeben und will sie Dir geben, wenn Du mich anbetest“ (Lk 4,1-13; bes. 4,6).  

2.2. Die Lehre vom Rechtsanspruch des Teufels  

Im Ringen um die Ausgestaltung des christlichen Glaubens im 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. entsteht die Lehre vom Rechtsanspruch des Teufels auf die sündige Seele. Der Teufel wird zu einem Wesen, das mit Zulassung Gottes mit Jesus Christus um die Seele des Menschen konkurriert (Roskoff 1967, Bd. 1, S. 225-229; Schwager 1986, S. 34ff.), durch Christi Tod und der damit verbundenen Sühne der menschlichen Schuld seinen Rechtsanspruch aber verloren hat. Diese Folgerung nennen Kirchenlehrer den Betrug am Teufel. In der Folge entwickelt sich in der geistlichen Literatur des Früh- und Hochmittelalters ein Motivkreis, in dem der sündige Mensch den Rechtanspruch des Teufels wieder aufleben lässt, da er ihm durch einen Vertragsschluss seine Seele übergibt. Eine Auflösung dieser Vereinbarung und das Löschen der diesseitigen Schuld ist nur durch Sündlosigkeit, Bußhandlungen und die Glaubenskraft von Fürsprechern möglich, zu denen anfangs noch Märtyrer und Heilige, später dann Maria, die Jesu Christi als Mittlerin zwischen den Welten um Hilfe bittet, gehören.  

2.3. Die Teufelsbundliteratur des Mittelalters 

Zu den wichtigsten Teufelsbunderzählung gehört die in Missionszeiten entstehende griechische Basiliusvita (4./ 5. Jahrhundert n. Chr.), die heidnische Zauberpraktiken verurteilt und das auf der Basiliusvita aufbauende griechische Theophilusmirakel (7. Jahrhundert n. Chr.). Letzteres wird im 8. Jahrhundert von Paulus Diaconus ins Lateinische übersetzt und in den folgenden Jahrhundert mehrfach bearbeitet und variiert. Das Theophilusmirakel weist folgende Handlung auf:

  1. der Kleriker Theophilus verfehlt sein persönliches Karriereziel  

  2. Abwendung von Gott 

  3. Kontaktaufnahme mit dem Teufel durch Vermittlung eines jüdischen Zauberers 

  4. freiwilliger Vertragsschluss 

  5. Erfüllung der Wünsche des Klerikers durch den Teufel 

  6. Reue und Anrufung Marias durch den Kleriker 

  7. Erlösung des Sünders und Aufnahme in den Himmel mit gleichzeitigem Betrug des Teufels, der den Vertrag zurückgeben muss  

 

Das Mirakel bezweckt die Darstellung der christlichen Gnadenbotschaft, nach der auch der schwerste Sünder wieder in die Glaubensgemeinschaft aufgenommen wird, wenn er ernsthaft bereut. Gleichzeitig wird der Klerus dazu angehalten, Gottes Weisheit und Weitsicht zu vertrauen, um die Gnadeninstanzen gar nicht erst bemühen zu müssen. Die Erzählung ist zunächst ausschließlich für die dogmatisch-religiöse Unterweisung und sittliche Bildung des Klerus bestimmt. In Folge der cluniazensischen Reform im 12. Jahrhundert findet sie aber auch ins gebildeten adligen Laientum Eingang. Ab dem 13. Jahrhundert wird das Theophilusmirakel zu volkssprachlichen Rittermirakeln umgeformt, um den „Streiter Christi“ für christliche Lebensformen zu gewinnen. Eine Verbreitung der Bündnisliteratur unter der einfachen Landbevölkerung in Deutschland ist im Mittelalter unwahrscheinlich.

2.4. Die Bedeutung der Teufelsbundliteratur 

Die Bündnisliteratur nimmt in der Dichtung des Mittelalters zahlenmäßig eine unbedeutende Stellung ein. Es dominieren fromme und erbauliche Erzählungen. Sie scheint aber ungeheuer beliebt gewesen zu sein, denn es gibt eine Vielzahl von Bearbeitungen und Abschriften. Der Theophilusstoff findet im gesamten christlichen Europa Verbreitung.  

Ein Grund dafür dürfte sein, dass der Stoff das Grundproblem jeder Religion thematisiert: Die Frage nach der Möglichkeit, den Glauben zu verlassen oder Glaubensregeln zu übertreten. 

Ein weiterer Grund dürfte in der Zugehörigkeit des Stoffes zur Heiligenliteratur zu sehen sein. Bereits im Neuen Testament wird der Teufel als Vertreter des Heidentums und als Gegenspieler Jesu Christi, des Gottesreiches und der Gläubigen angesehen. Daher wird der Teufel bereits im Frühchristentum dem Märtyrer gegenübergestellt, um dessen Glaubensstärke herauszuheben. Schon bald füllt die Heiligenverehrung und nach der Anerkennung 431 n. Chr. auch die Marienverehrung jene Lücke, die ein immer transzendenter werdender Gottessohn hinterlässt, nachdem er auf dem Konzil von Nicäa 325 n. Chr. mit Gott gleichgestellt wurde. Bis ins Spätmittelalter bleibt der Teufel ein wichtiger Teil der Heiligenliteratur und fehlt nur selten, weil der Gegensatz Teufel – Heiliger/Heilige für Spannung sorgt und daher für die Vermittlung religiöser Inhalte gut geeignet scheint. So liegt es nahe, auch die Vorstellungen von einem Teufelsbund in die Heiligenliteratur einzubinden und den Teufel Maria gegenüber zu stellen, die als Mittlerin zwischen Mensch und Jesus Christus angesehen wird. Dabei halten sich die Bündnismirakel genau an die theologischen Vorgaben, wenn Maria zwar als Fürsprecherin des Menschen auftreten darf, aber keine eigene Sündenvergebungskompetenz hat. Der Sieg über den Teufel obliegt weiterhin Jesus Christus. Dieser Sieg wird im Spätmittelalter in Satansprozess-Szenen ausführlich dargestellt, in denen der Teufel in der Rolle des Anklägers gegenüber Maria in der Rolle der Verteidigerin und Jesus Christus in der Rolle des Richters in der Durchsetzung seiner Rechte chancenlos ist.  

3. Der Teufelspakt 

3.1. Die Entwicklung der Teufelspaktvorstellungen durch die Kirchenlehre 

Die Vorstellungen von einem Teufelspakt haben ihren Ursprung in der Bekämpfung des heidnischen Kultes und der volksreligiösen Zaubereipraktiken. Wie stark der aus der Antike stammende Dämonenglaube und die Furcht vor übernatürlichen, von Dämonen verliehene Fähigkeiten ist, zeigt neben vielen anderen Bibelstellen die Beschuldigung Jesu Christi als Zauberer (Mk 3,22; Lk 11,15; Mt 12,24), mit der die Schriftgelehrten seine Wunderhandlungen zu erklären versuchen. 

Anfang des 5. Jahrhunderts macht Augustinus in „De civitate dei“ die Unvereinbarkeit von Christentum und Zauberei zum Bestandteil seiner Theologie und leitet aus den Vorstellungen der christlichen Dämonologie und der griechischen Philosophie die Lehre vom Dämonenpakt ab. Übertritt der Mensch die christlichen Gebote, tritt er freiwillig dem Reich des Bösen bei („civitas terrena“ oder „civitate diaboli“).

Im Hochmittelalter werden diese Gedanken weiter ausgeführt. Erste Ansätze einer scholastischen Dämonenpaktlehre begründet nach heutigem Wissen Albertus Magnus (1200-1280) in seinen 1243 und 1247 entstandenen Sentenzenkommentaren, in denen er zwischen dem „Pakt durch das Wort“ und dem „Pakt durch die Tat“ unterscheidet und Zaubereipraktiken und Magienanwendungen zu Apostasie erklärt. Darauf aufbauend entwickelt Thomas von Aquin in „Summa theologica“ (1269-1272) die Unterscheidung zwischen

a) ausdrücklichen Pakten („pactum expressum“), die bei einer Dämonenanrufen, zum Beispiel zum Zweck der Wahrsagerei, zustande kommen und 

b) stillschweigenden Pakten (pactum tacitum), die durch den Vollzug einer zauberischen Handlung ohne Anrufen und Mitwirkung des Paktierenden entstehen, wie dies bereits bei der Beobachtung der Himmelskörper der Fall ist (Summa theologica, II,II 92-97). 

Beide Formen sind keine Vertragsschlüsse („contractus“), wie dies im Teufelsbund der Fall ist, sondern allgemeine Abmachungen. Besonders verwerflich ist aber, dass der Paktierende durch den Kontakt mit bösen Mächten Wissen erwirbt, das Gott vorbehalten ist (vergleiche das spätere Faustmotiv) und sich damit klar von Gott abwendet. In seinem Bemühen, heidnische Relikte in einer christianisierten Welt zu bekämpfen, verschmilzt Thomas von Aquin folglich Zauberei und Häresie miteinander, so dass nun auch die Unterschiede zwischen Teufelsbund und Teufelspakt schwächer werden.

3.2. Der Teufelspakt im tendenziösen Schrifttum und den Warn- und Schreckerzählungen des Mittelalters 

Die ersten Teufelspakte werden in einem ab dem 11. Jahrhundert entstehenden tendenziösen Schrifttum weltlicher und kirchlicher Schriftsteller erwähnt, in denen die kirchenpolitischen und weltlichen Herrschaftsansprüche des Papsttums kritisiert werden. Die bedeutendste Papsterzählung ist die des gelehrten Papstes Sylvester II. (999-1003), dem unterstellt wurde, seine Fähigkeiten einem Teufelspakt zu verdanken. In den folgenden Jahren wurden der Erzählung Zaubermotive hinzugefügt, der Papst wird zum Magier, Gaukler und Würfelspieler, fragt den Teufel ständig um Rat und geht Teufelspakt und Teufelsbund gleichzeitig ein (Jansen Enikels Werke, 1891, S. 434-441; von Döllinger 1890, S. 185 ff.). Auch anderen Päpsten wird der Teufelspakt unterstellt, wobei die Sünder nach Ablauf der vereinbarten Frist vom Teufel geholt werden, etwa durch Genickbruch (Kiesewetter 1893, S. 121ff.). 

Parallel entsteht eine Warn- und Schreckliteratur, in der jeder Verstoß gegen christliche Regeln, wie Ehebruch, Aberglaube, Wucher mit einem gewaltsamen Tod bestraft wird. Im 1219-1220 entstandenen „Dialogus miraculorum“ von Cäsarius von Heisterbach (Strange 1851; Müller-Holm 1910) finden sich die folgenden Teufelspakterzählungen:

a) Ketzerexempel, in denen das erfolgreiche Wirken der Katharer mit dem Teufelsbund oder dem Teufelspakt erklärt wird.

b) Schwarzkünstler- und Studentenerzählungen, in denen vor kirchenunabhängigen Bildungsbestrebungen, zum Beispiel dem Erwerb naturwissenschaftlicher Kenntnisse zu Gauklerzwecken oder dem Studium der Schwarzen Kunst und den damit verbundenen Beschwörungen des Teufels bzw. der Dämonen eindringlich gewarnt wird. Aus diesen Erzählungen entwickelt sich in der Neuzeit der Fauststoff.

c) Erzählungen von Sündern, die für ihr unchristliches Verhalten mit dem gewaltsamen Tod bestraft werden. 

Alle Erzählungen betonen, dass die Leistungen des Teufels nicht von Dauer sind. Der Teufel gilt als betrügerisches Wesen, das nur an der Seele des Menschen interessiert ist und den Menschen nach Vertragsschluss tötet, selbst wenn er keine Leistung erbracht hat. Die Art des Vertragsschlusses – ausdrücklich, stillschweigend, schriftlich oder mit Blut unterzeichnet – ist hierbei ohne Belang.  

3.3. Die Bedeutung der Teufelspakterzählungen 

Die Teufelspakterzählungen nehmen nur eine kleine Stellung unter den Warn- und Schreckerzählungen ein. Interessant ist aber, dass die Erzählungen des Cäsarius von Heisterbach weit vor den Lehren von Albertus Magnus und Thomas von Aquin entstanden sind. Das bedeutet, dass die Vorstellung eines Bündnisse schließenden, mit Zaubereipraktiken in Verbindung stehenden, betrügerischen Teufels, vor dem niemand sicher ist, weil er seine Anhänger aus allen gesellschaftlichen Schichten rekrutiert, in der Vorstellungswelt des hochmittelalterlichen Klerus bereits verankert ist.

4. Der Eingang des Teufelspaktes in die Rechtsprechung 

Mit dem Beginn des Spätmittelalters wird die didaktische Teufelsbund- und Teufelspaktliteratur bedeutungslos, auch wenn die Motive unter anderem im spätmittelalterlichen Drama oder Mirakelspiel weiterhin aufgegriffen werden. Im Zuge des Machtstrebens der Kirche wird der Kampf gegen abweichende Glaubensinhalte nun gewaltsam geführt und 1326 der Kampf gegen Zauberei in der Bulle „Super illus specula“ von Papst Johann XXII. der Inquisition unterstellt, so dass zaubereiverdächtige Angeklagte als Ketzer verfolgt werden können. In der Folge werden auch Ketzer nicht mehr nur aufgrund ihrer Glaubensirrtümer verfolgt, sondern aufgrund von Beschuldigungen aus dem Teufels- und Dämonenglauben verurteilt. Die Teufelspakt- und Teufelsbundvorstellungen vermischen sich nun mit antiken und heidnischen Vorstellungen von nachtfahrenden Weibern, Tierverwandlungen, Zaubersalben, Dämonenflügen, Inkuben und Sukkuben. Mitte des 15. Jahrhunderts wird der Teufels- und Dämonenpakt als eigenständiges Verbrechen in den Inquisitionsprozess eingeführt und Zauberer aufgrund ihres Paktes mit dem Teufel verurteilt. Ab dem 13. Jahrhundert umherziehende fahrende Schüler und Landfahrer werden dagegen trotz der in der Schwarzkünstler- bzw. Esoterikliteratur unterstellten Teufels- und Dämonennähe als Gelehrte oder Gaukler eingestuft und nur in Einzelfällen der Inquisition unterstellt.

5. Der Teufelspakt als Bestandteil des Hexenbegriffs 

5.1. Erste Ansätze 

Mit der strafrechtlichen Verfolgung von Ketzern und Zauberen und der Verknüpfung ihrer Taten mit dem Einfluss des Teufels und rituellen Teufelskulthandlungen, ist die Integration des Teufelspaktes in den Hexenbegriff vorbereitet. In der 1435-1437 verfassten didaktischen Schrift „Formicarius“ von Johannes Nider wird bereits der Treueschwur der Hexen gegenüber dem Teufel erwähnt (Hansen 1963, S. 88-99). Zwischen 1430 und 1450 gestehen Angeklagte in einem französisch-westschweizerischen Waldenserprozess neben Teufelsdiensthandlungen bereits einen Teufelspakt (Blauert 1989, S. 29). Nach dem Konzil von Basel lässt sich 1450 im Geständnis der Els von Mersburg sogar die Verbindung Teufelskult, Teufelspakt und Schadzauberei nachweisen (Behringer 1993, S. 83f., Dokument 52)

5.2. Die Teufelspaktvorstellungen des „Malleus maleficarum“ von 1487 

Autor Heinrich Institoris stellt im „Malleus maleficarum“ in Anlehnung an Thomas von Aquin fest, dass Hexen einen Teufelspakt schließen, weil der Teufel den Menschen täuschen und zum Bösen verführen will (I,151). Dieser Paktschluss entspringt dem freien Willen des Menschen (I, 151), ist aber von der Zulassung Gottes abhängig, so dass die Macht des Teufels beschränkt ist (I,1; I, 153)

Institoris bevorzugt ein frühchristliches Teufelsbild, das die umlaufenden Teufelsbund- und Teufelspaktvorstellungen in sich vereint und durch die von Albertus Magnus und Thomas von Aquin ausgebildete Terminologie abgesichert wird. Für Institoris ist der Teufel Verführer und Glaubensprüfer zugleich, der in Gottes Auftrag die Konsequenzen des freien Willens zur Sünde aufzeigt und die Hexen durch ihren Paktschluss, der feierlich geschlossen werden kann, schuldig werden lässt. Gleichzeitig sind die Hexen willfährige Opfer des Teufels, die machtlos (1,200) boshafte Schadzauberei betreiben und zum Schluss von ihm betrogen werden (1,211), da er sie im Stich lässt oder zum Selbstmord treibt, damit sie nicht bereuen können (II, 37).

Mit der Ausgestaltung des Hexenbegriffs kann jeder beliebige Mensch zum Teufelsbündner oder Teufelspaktierer erklärt und mit Dämonen auf eine Stufe gestellt werden. Dass Hexen äußerlich nicht zu erkennen sind und äußere Ereignisse gar nicht konkret auf das Wirken einzelner Personen rückführbar sind, wird als deutlichster Beweis für die Wirksamkeit und Gefährlichkeit der verborgenen Bündnisse mit dem Teufel angesehen, so dass alle erdenklichen Anstrengungen unternommen werden müssen, Hexen zu entlarven und zu bestrafen. Um aber zu beurteilen, inwieweit sich die Teufelsbund- und Teufelspaktvorstellungen des Malleus maleficarum konkret im neuzeitlichen Prozessgeschehen niedergeschlagen haben, sei auf die aktuelle Hexenforschung verwiesen. 

6. Die Überwindung des Teufelsbund- und Teufelspaktglaubens 

Die Überwindung des Teufelspaktglaubens beginnt mit Descartes (1596-1650) und Hobbes (1588-1679), die das Einwirken des Teufels als physisch unmöglich ausschließen. Bahnbrechend ist das Werk „De betoverde wereld“ des Calvinisten Baltasar Bekker (1654-1698), der die Unpersönlichkeit des Teufels betont und feststellt, dass Teufelsbünde in der Bibel nicht nachweisbar sind (Roskoff 1967, Bd. 2, S. 446 ff.). Ihm kommt der Jurist Christian Thomasius 1701 mit der Schrift „De crimine magiae“ zu Hilfe, der den Teufelsbund bezweifelt, da dieser weder für den Menschen noch für den Teufel nützlich sei, da dem Teufel die lasterhaften Seelen sowieso gehören (Roskoff 1967, Bd. 2, S. 79ff.). Mit seinen Thesen entzieht Thomasius Teufelsbund und Hexenlehre die juristischen und theologischen Grundlagen, so dass sich die weltliche Rechtsprechung im 18. Jahrhundert langsam aus der Hexeninquisition zurückzieht. Im 20. Jahrhundert ist der Teufelspaktglaube im Protestantismus verschwunden, bleibt im Katholizismus aufgrund der Autorität der Kirchenlehrer jedoch zumindest theoretisch erhalten.

7. Zusammenfassung 

Aufbauend auf ersten Versuchen im Alten Testament, das ambivalente Wirken Jahwes als gütig und strafend abzumildern und sich von feindlichen Einflüssen der Umwelt abzugrenzen, entwickelt die christliche Theologie die Vorstellung eines Satans oder Diabolos, der mit Zulassung Gottes die Glaubensstärke des Menschen prüft und ihn zu einer abweichenden religiösen Verpflichtung, dem Bund mit dem Teufel oder zu heidnischen rituellen Handlungen, dem Pakt mit Teufeln oder Dämonen bewegen will. Ziel dieser Gedanken ist es, die missionierten Heiden des Klerus' zu einem gottgefälligen Leben an zu halten, Glaubensstärke zu propagieren und sich von heidnischen Riten und fremden Kulten ab zu grenzen. Vor diesem Hintergrund entwickeln die bedeutendsten Theologen des Christentums Augustinus, Albertus Magnus und Thomas von Aquin eine Dämonenpaktlehre, die dem Klerus einen Verhaltensrahmen vorgibt.

Im mittelalterlichen Kampf der Kirche um Machterhalt und ihren Status als Instanz, die eine Deutungshoheit über die Glaubensinhalte besitzt, verselbständigen sich diese Vorstellungen. Der Bund oder der Pakt mit dem Teufel wird zur geglaubten Wirklichkeit, teufelskultische Handlungen als reale Bedrohung angesehen und der Teufel zu einem Wesen erklärt, das jede verführerische Gestalt annehmen kann. Ab dem 14. Jahrhundert werden Pakte mit dem Teufel in die geistliche und weltliche Rechtsprechung aufgenommen und Paktierer verbrannt. Mit dem Einsetzen der Hexeninquisition im 16. Jahrhundert verbinden sich eine paranoide Furcht vor einem Kontrollverlust durch zaubernde Hexen mit einer fanatischen Intoleranz gegenüber abweichendem Verhalten, Andersgläubigen oder Andersdenken. So entsteht das Paradoxon, dass die geistliche und weltliche Obrigkeit das Christentum und seine messianische Gnadenbotschaft aushöhlt, als stände sie selbst mit dem zerstörerischen Wirken eines Teufels in Verbindung. Erst theologischer Zweifel an der Bündnisfähigkeit des Teufels können die Hexenverfolgungen Ende des 18. Jahrhunderts in die Schranken weisen.  

Literatur und Quellen

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Empfohlene Zitierweise

Neumann, Almut: Teufelsbund und Teufelspakt (Mittelalter). In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/5527/

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Erstellt: 09.10.2007

Zuletzt geändert: 09.10.2007

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