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Pasquier, Jean du 

Toul, Bistum (Toul) 

Elisabeth Biesel  

13.12.99  

Die Memoiren des Jean du Pasquier, der aus einer alten angesehenen Touler Patrizierfamilie stammte, sind aus mehreren Gründen interessant. Zum einen war Jean du Pasquier als Mitglied des städtischen Patriziats jahrelang Mitglied des Magistrats. Seit 1618 bekleidete er - ebenso wie seine Vorfahren - das Amt des Procureur général de la cité de Toul , so daß seine detaillierte Beschreibung der städtischen Institutionen, die er nach der Mitte des 17. Jahrhunderts verfaßte, nicht nur auf der Kenntnis der entsprechenden Verträge und Gesetzestexte beruhte, sondern auch auf seiner langen persönlichen Vewaltungspraxis und den Erfahrungsberichten seiner Vorfahren. Zum anderen hatte Jean du Pasquier die Veränderungen in den Institutionen der Stadt, die seit dem Beginn des 17. Jahrhunderts vom französischen König intendiert wurden, selbst miterlebt. Seine Beschreibungen und Kommentare bieten zudem die Möglichkeit, Verfassungsanspruch und -wirklichkeit miteinander zu konfrontieren. 

Jean du Pasquier beschreibt ausführlich das Wahlverfahren der zehn Justiciers und fünf Enquéreurs , das bis 1642 unverändert bestehen blieb. Beide Gerichtsinstanzen spielten eine wichtige Rolle für die Ausübung der Hochgerichtsbarkeit. Besondere Beachtung schenkte der städtische Generalprokurator Jean du Pasquier der Abwicklung von Hexenprozessen vor dem Tribunal des Dix . Eine Appellation an andere Gerichte war verboten, so daß es auch für Hexenprozesse keine Möglichkeit der Berufung gab. Inwieweit ein persönliches Engagement Jean du Pasquiers als städtischer Prokurator in den Verfahren selbst zum Tragen kam, läßt sich nicht feststellen. Aber seine positive Einstellung zu Hexenproben und der Folter als Mittel der "Wahrheitsfindung" ist in seinem Memoiren gut dokumentiert. 

Literatur 

Jean-Paul AUBE: Le livre des enquéreurs de Toul. In: Études touloises 41, 1986, S. 17-40. 

Elisabeth BIESEL: Hexerei und andere Verbrechen. Gerichtspraxis in Toul. In: Hexenprozesse und Gerichtspraxis. (Trierer Hexenprozesse - Quellen und Darstellungen 5) Trier 1999, (im Druck). 

Elisabeth BIESEL: Hexenjagd, Volksmagie und soziale Konflikte im lothringischen Raum. (Trierer Hexenprozesse - Quellen und Darstellungen 3) Trier 1997. 

Elisabeth BIESEL: "Son corps ars, bruslé et reduict en cendres". Die Hexenverfolgung in Toul als Versuch innerstädtischer Konfliktlösung. In: Les Cahiers Lorrains , No 1, 1999, S. 9-30. 

Albert Denis: La sorcellerie à Toul aux XVIe et XVIIe siècles. Nancy 1888. 

Henri LEPAGE: Archives de Toul. Inventaire et documents. Nancy 1858. 

Henri LEPAGE: Le livre des Enquéreurs de la cité de Toul. In: Bulletins de la Société d'Archéolgie lorraine 8, 1858, S. 177-247. 

Mémoires de Jean du Pasquier, procureur syndic de la cité de Toul. Toul 1878. 

 

Siehe auch folgende Artikel:  

Toul, Bistum (Toul) - Gerichtspraxis von Elisabeth Biesel

Toul, Bistum (Toul) - Hexenverfolgungen von Elisabeth Biesel

Procureur général de la cité de Toul oder der städtische Prokurator von Elisabeth Biesel

Tribunal des Dix oder die Dix Justiciers und die Cinq Enquéreurs von Elisabeth Biesel

 

Empfohlene Zitierweise

Biesel, Elisabeth: Pasquier, Jean du. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller u. Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1657/

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Erstellt: 15.02.2006

Zuletzt geändert: 09.06.2006

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