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Andreas Weiß und das „Wunder von Muskau“ 

Katrin Moeller 

19. März 2009 

* geb. in Vlissingen (Zeeland/Niederlande), 1676 Aufenthalt in (heute: Bad) Muskau (Oberlausitz), † nach 1677 (evtl. in Dresden (Sachsen)), Söldner, bekennender Teufelsbündner und christlicher Konvertit  

Kurzbiografie 

Andreas Weiß, geboren als Tyllius Weiß, war nach eigenen Angaben der Sohn des Schiffers Can Weiß und seiner Ehefrau Sybilla aus Vlissingen (Zeeland/Niederlande). Die Eltern ließen sich als Glaubensflüchtlinge (Manichäer) in der Nähe von Amsterdam nieder. Weiß, der in seiner Jugend eine rudimentäre Schulbildung erhielt und lesen (aber nicht schreiben) konnte, erlernte auf Geheiß des Vaters die Bortenwirkerei, verbrachte seine Gesellenzeit anschließend in England und Frankreich. Dort trat Weiß in den Militärdienst ein und nahm auf französischer Seite am Holländischen Krieg (1672-1679) teil.  

Während des Krieges legte Tyllius Weiß gemeinschaftlich mit acht weiteren Personen einen Teufelspakt ab, der ihn vor allem vor den Gefahren des Krieges schützen, ihn gleichzeitig gegenüber anderen Söldnern auszeichnen sollte. Nach Kriegsende nutze er die Rückkehr seines Dienstherrn nach Schlesien zur Flucht aus. Am 25. November 1676 wendete sich Weiß nach mehreren anderen gescheiterten Versuchen erfolgreich an den Diakon der Kirche von Muskau (Oberlausitz) Martinus Francisci (1647-1698), da die Frist seines auf 7 Jahre und 17 Tage begrenzten Paktes in der Nacht zum 5. Dezember in der Stunde nach Mitternacht ablaufen sollte und er unter panischen Ängsten aufgrund der bevorstehenden Höllenfahrt litt. Unter dem Vorwand ungetauft zu sein, ließ er sich zum Christen Andreas Weiß taufen, entsagte dem Teufel und wurde anschließend erfolgreich in die christliche Gemeinschaft integriert. Trotz des Geständnisses mehrerer Mordtaten im Namen des Teufels unterzog man Weiß lediglich eines „exorzistischen“ Programms, strengte jedoch keinerlei gerichtliche Mittel gegen ihn an. Über diesen Vorgang verfasste der Diakon wohl 1677 eine kurze Abhandlung, in der er über die geglückte Rettung berichtete. Weiß’ Spuren verlieren sich kurz darauf, da er wenigstens zunächst nach Dresden zog, um ein unerkanntes aber christliches Leben zu führen.

Die Abhandlung des Muskauer Diakons Martinus Francisci (1647-1698) 

Die Schilderungen des lutherischen Diakons über den Teufelsbund und seine Auflösung erschien vermutlich fast unmittelbar nach der erfolgreichen Bekehrung des Sünders im Jahr 1677. Noch im gleichen Jahr wurde der zunächst eher als Tatsachenbericht konzipierte Entwurf durch weitere Ausführungen zum Manichäismus und zum theologischen bzw. seelsorgerisch-geistlichen Umfeld der „exorzistischen“ kirchlichen Handlungen bereichert und unter einem erweiterten Titel erneut abgedruckt. Die Abhandlung unterstrich die Differenz zum katholischen Exorzismus vehement und erhielt eine starke konfessionelle Ausrichtung. Die Glorifizierung der lutherischen Lehre und Frömmigkeit nimmt unter den    Funktionen der Abhandlung einen herausragenden Stellenwert ein. Nur ein Jahr später erfolgte eine dritte Auflage, wiederum ergänzt und diesmal mit einem zweiten Teil versehen, einem Bericht über einen Besessenheitsfall in der nahe gelegenen Kleinstadt Peitz.

Insgesamt folgt der Bericht des Diakons einerseits einem Mirakelbericht, andererseits trägt das Werk prägnante Züge einer lutherischen sittlich-didaktischen Erbauungsschrift, auch wenn sie in manchem einem „umgekehrten“ didaktischen Strafwunder gleicht, die häufig in Predigten als Exempel benutzt wurden (Signori 2007, S. 62). Sowohl vom Aufbau wie vom Inhalt verfolgt der Autor offenbar beide Ziele.


Abb. 1:

Geht es zunächst knapp um die Profangeschichte in der alle bekannten und relevanten persönlichen Daten zur Legitimation der „realen“ Person aufgezählt werden, schildert Martinus Francisci anschließend den Ausgangsbefund eines Mannes im erbärmlichen Zustand zwischen massiven Ängsten, Selbstmordgedanken und Anfechtungen des Teufels. Zur Vermittlung von Authentizität werden nicht nur die scheinbaren Realitäten aufgezählt, die für den tatsächlich eingegangenen Teufelspakt sprechen, sondern es werden alle Schilderungen stringent aus der Perspektive des beobachtenden Geistlichen dokumentiert und bewertet. Schon in den mittelalterlichen Mirakelberichten verschaffte dies den Werken eine weit höhere Legitimation (Signori 2007, S. 44).

Eine ähnliche Funktion nahmen die vielfältigen kritischen Überprüfungen durch den Geistlichen wie auch die namentliche Nennung aller hinzugezogenen Personen (weitere Geistliche aus benachbarten Orten, die weltliche Herrschaft des Ortes, das Wachpersonal, die Taufpaten etc.), die genaue Schilderung und Wiedergabe von Gebeten, Psalmen und Gesängen ein. Immer wieder erhob Francisci den Vorwurf eines Betrugs oder zog Aussagen des Teufelbündners in Zweifel, um so die Glaubwürdigkeit des Berichtes zu erhöhen. Diese Skepsis speiste sich zugleich aus der Befürchtung, hier dem Teufel selbst gegenüberzustehen oder dem Betrug eines Ketzers ausgeliefert bzw. gar einem Wiedertäufer behilflich zu sein (Francisci 1677a, S. 9f.).  

Ähnliche Befürchtungen hatten zuvor in anderen Orten zur Ablehnung der „Behandlung“ geführt. Besonders in der zweiten und dritten Auflage wird zudem die Warnung vor der Ketzerei stärker herausgestellt, indem Francisci die Folgen des Teufelspakts, die erlittenen Plagen als direkte Folge des Manichäismus herausstellte. Insgesamt bietet die Abhandlung somit viele Indizien für die Wahrnehmung der Hexerei als Häresieverbrechen (Utz Tremp 2008). Als rettbar erwies sich Tyllius Weiß schließlich, weil er durch das Verschulden der Eltern in die Sekte hineingeboren, der Gunst Gottes aufgrund seines eigenen freien Willens durch den bewussten Akt der Konvertierung noch teilhaftig werden konnte. Der freie menschliche Wille, häufig Quelle von Sündhaftigkeit und Verderbnis, wird hier didaktisch zum Angelpunkt der Errettung konzipiert und weist damit auf die stark frühaufklärerischen Züge der Abhandlung, die nicht zuletzt viele Elemente der sozialen Rehabilitation von Sündern diskutierten.

Nach der Schilderung der Umstände und Folgen des Teufelspaktes (siehe unten), der zahlreichen sittlichen Verwerfungen des Klienten und seiner Prüfung, erfolgt die eigentliche Läuterung, die über die Annahme des lutherischen Glaubens in Form des Bekenntnisses, des katechetischen Unterrichts, der Taufe und der Spende des Abendmahls schließlich in der Erlösung mit Ablauf des zeitlich befristeten Pakts gipfelt. Breiten Raum nehmen dabei die Schilderung der Plagen und Leiden ein, die Weiß bis zur endgültigen Erlösung und Trennung vom Teufel erleidet und die immer wieder mit den Leiden und der Erlösung Jesu kontextualisiert werden. Stringent wird die Beschwerungen des Opfers mit jedem Schritt hin zum Bruch mit dem Teufel immer dramatischer, wird seine Bußfertigkeit und Reue einer sorgfältigen göttlichen Prüfung unterzogen. Erscheint Weiß zunächst nur melancholisch und von Selbstmordgedanken geplagt, fungiert er schon bald als Besessener oder Rasender, treten durch den Teufel verhinderte Kriegsverwundungen nachträglich zu Tage und gleicht der Körper schließlich einer einzigen großen Wunde (Francisci 1677a, S. 42f).

Ähnlich dramatisierend erfolgen die verschiedenen krisenhaften Phasen der Läuterung, etwa wenn es dem Konvertit nur schwer gelingt, Gebete nachzusprechen oder der Taufe teilhaftig zu werden. Eine besondere Prüfung erfährt Weiß Charakterfestigkeit und Glaube. So wird er – vor allem aus der Angst heraus, der Teufel könne ihn zu Gewalttaten verführen – durch vier Wachen beaufsichtigt. Der Teufel suggeriert daher immer wieder, dies sei Anzeichen einer baldigen Verhaftung und Verurteilung. Ein anderes Motiv sind die vom Teufel gegebenen Gegenstände, die Weiß zunächst nicht alle preisgibt, sie auf dem Weg der Heilung jedoch später selbst vernichtet.

Den Gipfelpunkt der Erzählung bildet die Verbrennung der teilweise schwer vernichtbaren alten Kleidung zur Taufe, die symbolisch den Eintritt in das neue Leben und die Läuterung verkörpert. Hier wird metaphernreich an die in Kursachsen zu diesem Zeitpunkt für die Opfer immer noch gefährliche allerdings bereits erheblich entschärfte Hexenverfolgung erinnert, ohne sie jedoch direkt zu benennen (Wilde 2003, S. 436f.). Einem direkten Hexereiverdacht unterlag Andreas Weiß nie, obwohl er selbst gestand, viele Untaten und Morde auf Geheiß des Teufels verrichtet zu haben und in den Kursächsischen Konstitutionen bekannter Maßen der alleinige Teufelspakt für ein Todesurteil bereits ausreichend war (Schmidt 2000). Die weltliche Herrschaft – der Reichsgraf von Callenberg – legitimierte alle geistlichen Schritte, ordnete die Bewachung an und trat sogar als Taufpate auf, zeigte sich an einer weiteren Untersuchung des Falles jedoch vollkommen uninteressiert. Die Verbrennung der Kleidung ist zugleich das einzige exorzistische Mittel, dass außerhalb der Gebete, Gesänge, Seelsorge und kirchlichen Sakramente genannt wurde. Fast idealtypisch wird die für den lutherischen Glauben so wichtige Wortheiligung in vielen angewandten Praktiken unterstrichen, wächst die Läuterung parallel mit der wachsenden Glaubensfestigkeit des Konvertiten. Nach der überstandenen Krise, der Nacht zum 5. Dezember, in der der Teufelspakt endete und in der es zu einigen dämonischen Erscheinungen kam (Sturm und Lärm ohne das materieller Schaden entsteht), ging es dem Konvertiten deutlich sichtbar und ohne weitere Krisen besser.  

Die Abhandlung schließt mit moralisierenden Schilderungen des öffentlichen Dankesgebets in den Kirchen, des gottgefälligen Lebenswandels und der Integration des ehemaligen Teufelsbündners in das christliche Lebensumfeld. Am Ende begibt sich Andreas Weiß nach Dresden, um dort seiner ehrlichen Nahrung nachzukommen und unerkannt als „normaler“ Lutheraner zu leben.  

Insgesamt erweist sich die Schilderung als ein mit vielen Erzählmotiven durchsetzte (Graf 2001), stark formalisierte lutherische Wundererzählung (Dürr 2007). Allerdings bleibt das Motiv des Wunderbaren im Hintergrund. Diese Funktion wird dennoch in vielen Details ersichtlich, etwa bei Ausführungen über die Wirkungslosigkeit des katholischen aber auch der calvinistischen Glaubens zur Lösung des Teufelspaktes (Francisci 1677a, S. 18).  

Wie sehr hier rezeptive Vorgänge eine höhere Bedeutung für das „Wunder von Muskau“ tragen, offenbart der Hinweis des Diakons, dass nur zwei Jahre zuvor bei einem Aufenthalt des Magdeburger Pastors und späteren Quedlinburger Hofprediger Christian Scrivers (1629-1693) umfangreich Wissen über einen anderen, sehr ähnlich gelagerten Teufelspakt im Falle Peter Otts (aus Goslar) im Ort verbreitet wurde. Scrivers Ausführungen erlebten über ein Dutzend Auflagen und zeigen das breite öffentliche Interesse am Thema. Die Ausgaben anfangs des 18. Jahrhunderts polemisierten bereits im Titel gegen Balthasar Bekker, der die Möglichkeit des Teufelspaktes aufgrund der rein geistlichen Natur des Teufels mit seinem Werk „De betooverde Wereld“ (1691-1693) entschieden ablehnte. Dass sich die spektakulären Fälle vergleichbarer Teufelspakte in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts mehrten und auflagenstarke Publikationen nach sich zogen, weist jedoch auf eine breite Diskussion der Problematik schon in den sechziger und siebziger Jahren des 17. Jahrhunderts hin. Lange bevor Bekker und Thomasius ihre Schriften veröffentlichten, formierte sich eine vehemente Kritik am für den Hexenglauben konstitutiven Dämonenglauben, auf die in solchen Schriften in Form eines Pro oder Contras reagiert wurde. Nicht zuletzt zeigt die etwa zeitgleiche Einstellung der Hexenverfolgungen in den lutherischen-orthodoxen Territorien mit stark konfessionell-religiöser Ausrichtung wie etwa Kursachsen (Wilde 2003, S. 431-448), Mecklenburg-Güstrow (Moeller 2007, S. 154-159) und  Brandenburg, dass die Teufelspakttheorie kaum noch Geltungskraft entfalten konnte. Die gleichen personellen Netzwerke, die entscheidend zur weitgehenden Einstellung der Hexenverfolgungen oder wenigstens einer weitreichenden Entschärfung beigetragen hatten, führten später zur grundsätzlichen Kritik am Dämonenglauben.

Erzählmotive zum Teufelspakt und zu magischen Handlungen 

Der Teufelspakt wurde im Rahmen eines bewusst herbeigeführten, abendlichen Zeitvertreibs im Heerlager geschlossen, der leicht schauerlichen Charakter trug. Eine größere Anzahl Söldner klärte zunächst die Konditionen des Paktes untereinander, bevor sie den Teufel durch Fluchen und Jammern herbei riefen (Francisci 1677a, S. 13f). Sobald der Teufel in Gestalt einer französischen Dame erschien, flohen einige Personen heimlich, zurück blieben mit Tyllius Weiß insgesamt 9 Personen. Nachdem der Teufel die Ernsthaftigkeit der potentiellen Teufelsbündner erfragte, besprachen sie die Details des Paktes, der sich durch ein gegenseitiges Geben und Nehmen auszeichnete.  

Man einigte sich darauf, dass die Männer Glück im Spiel, mit dem weiblichen Geschlecht und im Kriegsgeschäft (Hieb-, Stoß- und Schußfrei) haben sollten. Als Gegenleistung versprachen die Männer soviel Zank und Streit beim Spiel anzufangen und soviel Morde als möglich zu begehen. Der Teufelspakt wurde auf 7 Jahre und 17 Tage geschlossen, danach verfiel Leib und Seele vollkommen dem Teufel. Anschließend besiegelte man den Pakt durch einen schriftlichen Vertrag. Als Weiß unterschreiben sollte, fügte ihm der Teufel mit einem Draht eine Wunde im oberen Glied des Daumens zu, aus dem Blut tropfte und später als Teufelsmal sichtbar blieb. Weiß bzw. eher Francisci wusste zu berichten, dass jeder der ungefähr 1100 Teufel sein individuelles Kennzeichen pflegte. Mittels eines kaum charakterisierbaren Schreibwerkzeuges, das sich wie etwas „Leibliches“ anfühlte, fixierte man den Vertrag endgültig. Da Weiß nicht schreiben konnte, führte ihm der Teufel die Hand. Der Vertrag enthielt überdies die Bedingungen, dass die Teufelsbündner Gott, die Engel und die Eltern verfluchten (Apostasie). Der Teufel unterschrieb mit dem Namen Diabolus Ku.

Damit der Pakt tatsächlich vollzogen werden konnte, fanden sich die Anwärter in der Mitternachtsstunde an einem Kreuzweg ein, wo die Verträge in neue Tücher gewickelt, in der Mitte niedergelegt und stillschweigend ein Kreis darum gebildet wurde. Der Teufel erklärte nochmals die Vertragsbedingungen und besiegelte mit jedem einzelnen den Pakt, indem er den Vertrag übergab. Anwesend waren dabei allerhand „Cavalliere“, Tiere und etwa tausend Teufel. Einen klassischen Hexensabbat bildete diese Zusammenkunft allerdings nicht. Ebenso wenig wurde eine Buhlschaft thematisiert. Lediglich die symbolhafte Erscheinung des Teufels in Gestalt einer französischen Dame erinnert an die sexuellen Bestandteile des Paktschlusses. Auffälliger Weise fehlen auch die Beschreibungen von Unzuchtsvergehen, während die anschließenden Sünden in Form von Mord- und Gewalttaten bzw. der Spiel- und Trunksucht intensive Schilderungen erfuhren. Ob sich hier die sittlichen Vorbehalte des lutherischen Diakons und Berichterstatters niederschlagen oder bewusst Elemente des Hexenglaubens negiert wurden, bleibt schwierig zu beantworten.  

Insgesamt tragen die Schilderung deutlich den Charakter eines Paktschlusses innerhalb der „gelehrten“ Magie, näheren sich die Erzählmotive dem Fauststoff an. Das spätere eigene Geständnis wie auch die Analogie zum Hexereiverbrechen wurde Weiß zu keinem Zeitpunkt gefährlich. Mit der Selbstanzeige verband sich kaum das Risiko einer üblichen Hexereibeschuldigung. Warum die Zeitgenossen hier qualitativ so sorgfältig zwischen dem magischen Verbrechen des Teufelspaktes und der Hexerei unterscheiden, bleibt erklärungswürdig. Auch auf die weiteren Verbrechen im Rahmen der Vertragserfüllung wurde lediglich in Form der Seelsorge kritisch reagiert. Insgesamt lässt sich eine deutliche Distanz zum Wundergeschehen erkennen, dass mit der Realität von Mord und Kriminalitätsverfolgung offenbar wenig gemein hatte.

Fortan war Weiß im Krieg vor Verwundungen geschützt, er bekam dazu vom Teufel eine gelbliche Waffensalbe ausgehändigt (Francisci 1677a, S. 17), Kugeln konnte er bspw. mit der Hand abfangen, andere fingen Granaten mit ihren Hüten ein. Er gewann stets im Spiel, konnte das Geld jedoch lediglich wiederum zum Glücksspiel verwenden und sich nichts davon kaufen. Später wird auch die klassische Verwandlung des Geldes in Kot thematisiert. Dennoch berichtete Francisci, dass Weiß stets ein gutes Auskommen aufgrund der teuflischen Beziehungen gehabt hätte. 

Der Bericht gibt überdies Hinweise auf ein anderes magisches Objekt. Weiß besaß ursprünglich ein „Händlein“, eine Alraunenwurzel. Allerdings gab er die Wurzel, aus der weißer Saft floss, stach man mit einer Nadel hinein, bald für einen Beutel Tabak fort (Francisci 1677a, S. 19f.), ohne das das magische Potenzial der magischen Reliquie irgendeine besondere Bedeutung für Weiß entfaltete.  

Die anderen acht Teufelsbündner wurden 1673 im Feldlager vor Maastricht vom Teufel geholt. Warum ihr Bund eine kürzere Laufzeit hatte, thematisierte Francisci nicht. In ihrer Angst suchten die lange unbußfertigen Söldner kurz vor Ablauf der Frist den Schutz eines katholischen Feldpredigers. Doch die geweihten Kerzen in der Hand, das getrunkene Weihwasser und die umgehängten Paternoster taugten nicht zur Bannung des Teufels. Die konfessionelle Konnotation dieser Passagen lässt nichts an Deutlichkeit fehlen. Die Welt verdunkelte sich, mit Windbrausen kam der Teufel und lies von den acht Paktierern lediglich die rechte Hand, etwas Gehirn und Blut zurück (Francisci 1677a, S. 18). Diese Begebenheit ist zugleich Weiß Erweckungserlebnis. Fortan wird er einerseits melancholisch, andererseits suchte er nach einem Ausweg, den er schließlich im sächsischen Muskau fand.

Quellen 

Martinus Francisci, Warhafftiger Bericht/ Was sich Mit dem vormahls Manichaeisch- und mit dem Teuffel verbunden gewesenen Menschen ... Nahmens Tyllius Weiß/ nachmahls aber getaufften/ und ... glücklichgeretteten Andreas Weis ... So lange er sich allhier in Mußkau aufgehalten/ glaubwürdig zugetragen, [S.I.] [ca. 1677]. [Online-Ausgabe der ULB Halle: http://digitale.bibliothek.uni-halle.de/content/titleinfo/857711 (http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:gbv:3:1-97470)] [VD17 3:649333F].

Martinus Francisci, Der Verkehrte/ nun Bekehrte Manichaeer Oder Christlicher Bericht/ Von einen jungen Menschen/ Nahmens Andreas Weiß/ von Flißingen aus Seeland. So nicht nur allein der verdampten Manichaeischen Kätzerey von Jugend auf zugethan gewesen/ sondern auch gar mit dem leidigen Teuffel einen Bund/ auff 7. Jahr und 17. Tage gemacht ... : Welcher aber ... bey hiesigem Ministerio in Mußkau Rath und Trost gesuchet/ und zur Christl-Evangelisch-Lutherischen Religion bekehret ... worden / In einer ... Nach-Mittags-Predigt ... III. Adventus des verstrichenen 1676sten Jahrs ... vorgestellet/ Und anitzo sambt beygefügtem ... Tauff-Actu Dem ... Leser mitgetheilet, Wittenberg (Johann Wilcke) 1677 [VD17 3:649259K; Schlüsselseiten: http://vd17.bibliothek.uni-halle.de/pict/2004/3:649259K/]

Martinus Francisci, Der verkehrte nun bekehrte Manichaeer Oder Christlicher Bericht/ Von einen jungen Manichaeischen Menschen/ Namens Andreas Weiß/ gebürtig von Flißingen aus Seeland/ so mit dem leidigen Teuffel einen Bund auff 7. Jahr und 17. Tage gemacht/ Welcher aber Bey dem Ehrw. Ministerio zu Muskau in OberLaußniz ... errettet worden Anizzo zum andernmahl Nebst einer Historia von einen Besessenen zu Peiz durch den Druck mitgetheilet, Bautzen (Friedrich Arnst, Andreas Richter) 1678 [VD17 1:001292W, Schlüsselseiten].

Christian Scriver, Das Verlohrne und wiedergefundene Schäfflein/ Oder Historischer Christlicher Bericht von einem jungen Menschen/ der sich vom Satan/ mit Ihm einen Bund zu machen/ ... verleiten lassen/ Darauff ... erschröcklich gequälet/ Endlich aber ... befreyet worden: Nebst einer Historischen Zugabe von allerhand merckwürdigen Sachen/ der heutigen sichern Welt zum Schrecken/ denen Bußfertigen und Frommen aber zum Troßt, Magdeburg / Helmstedt (Lüderwaldt) 1672 [1. Auflage, VD17 23:258747E; Schlüsselseiten].

Literatur 

Renate Dürr, Prophetie und Wunderglauben – zu den kulturellen Folgen der Reformation, in: Historische Zeitschrift 281, 2005, S. 3-32.

Klaus Graf, Erzählmotive in frühneuzeitlichen Kriminalquellen, in: Jürgen Beyer / Reet Hiiemäe (Hg.), Folklore als Tatsachenbericht, Tartu 2001, S. 21-36, in: Freiburger Dokumentenserver, URN: urn:nbn:de:bsz:25-opus-61712 [06.01.2009].

Katrin Moeller, Dass Willkür über Recht ginge. Hexenverfolgung in Mecklenburg im 16. und 17. Jahrhundert, Bielefeld 2007.

Jürgen Michael Schmidt, Kursächsische Konstitutionen. Aus: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller u. Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1648/.

Gabriela Signori, Wunder. Eine historische Einführung, Frankfurt/M. / New York 2007.

Manfred Wilde, Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen. Köln / Weimar / Wien 2003.

Empfohlene Zitierweise

Moeller, Katrin: Andreas Weiss und das "Wunder von Muskau". Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/6963/

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Erstellt: 14.05.2009

Zuletzt geändert: 15.05.2009

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