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Omsdorf, Petrus, Notar in St. Maximin und Kurtrier (gest. 1615) 

St. Maximin bei Trier (Reichsabtei) 

Rita Voltmer  

13.07.01  

Der mit einer wohlhabenden Trierer Bürgerstochter verheiratete Notar Peter Omsdorf war Gerichtsschreiber am Trierer Offizialat, Prokurator am weltlichen Hochgericht zu Trier und kann auch als Schreiber von Hexenprozessen im kurtrierischen Amt Pfalzel und am unter kurtrierischer Landeshoheit stehenden Hochgericht der Abtei St. Matthias/Eucharius nachgewiesen werden. Darüber hinaus war er Hochgerichtsschöffe in St. Maximin und Beisitzer des St. Maximiner Oberhofs. Als Schöffenmeister unterfertigte er seit 1596 Rechtsgutachten in Hexenprozessen. Gemeinsam mit dem Trierer Hochgerichtsschöffen Christoph Fath leitete er 1589 die kurfürstliche Kommission, welche Besagungen gegen den im gleichen Jahr hingerichteten Trierer Stadtschultheißen Dr. Dietrich Flade sammeln sollte.  

Schon am ersten nachweisbaren Maximiner Hexenprozeß (1572) war Omsdorf als Schreiber beteiligt. Als Schreiber und verantwortlicher Notar findet er sich danach in jedem im Gebiet der Reichsabtei St. Maximin geführten Verfahren, die er vom ersten anzufertigen Extrakt bis zur Verlesung des Geständnisses protokollierte; auch den Hexenausschüssen war er bei der Zusammenstellung der Klageschriften behilflich. Aus den gesamten Unterlagen eines Prozesses fertigte er jeweils die uns überlieferten Reinschriften der Akten an. Dabei führte er eine Kanzlei mit mehreren Schreibern, an die er einen großen Teil seiner vielen Aufgaben delegieren konnte. Allein am sog. "Hexenregister des Claudius Musiel" haben 14 verschiedene Schreiber gearbeitet. Das macht deutlich, welchen Fortschritt in der Verwaltung die schriftliche Erfassung und Archivierung von Hexenprozesse verursachte. Omsdorf hat mit Sicherheit den größten finanziellen Vorteil aus der St. Maximiner Verfolgung gezogen, deren "erfolgreiche" Abwicklung er auch deswegen intensiv betrieben hat. Außerdem scheint dieser der Trierer Oberschicht angehörende Mann fest von der Existenz der Hexen und der Notwendigkeit ihrer Verfolgung überzeugt gewesen zu sein. Nach 1596 verliert sich seine Spur; 1615 wird er als verstorben bezeichnet. 

Literatur:  

Rita Voltmer: Einleitung. In: Dies., Karl Weisenstein (Bearb).: Das Hexenregister des Claudius Musiel. Ein Verzeichnis von hingerichteten und besagten Personen aus dem Trierer Land (1586-1594) (Trierer Hexenprozesse - Quellen und Darstellung 2). Trier 1996, S. 61*-63*. 

 

Siehe auch folgende Artikel 

Biewer, Reiner von Rita Voltmer

Hexenregister des Claudius Musiel (1586-1594) von Rita Voltmer

St. Maximin bei Trier (Reichsabtei) - Hexenverfolgungen von Rita Voltmer

Omsdorf, Petrus, Notar in St. Maximin und Kurtrier (gest. 1615) von Rita Voltmer

Piesport, Johann von, St. Maximiner Amtmann und Hexenrichter (gest. 1594) von Rita Voltmer

Zilles, Nikolaus (1575-1638) von Rita Voltmer

Empfohlene Zitierweise

Voltmer, Rita: Omsdorf, Petrus. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1656/

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Erstellt: 15.02.2006

Zuletzt geändert: 09.06.2006