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Musiel, Claudius 

St. Maximin bei Trier (Reichsabtei) 

Rita Voltmer  

31.05.02  

* in Bézange-la-Petite, + ca. 1609, beerdigt auf Schloss Thorn; 

St. Maximiner Oberschultheiß, Amtmann und Hexenrichter; Schöffe am Trierer Hochgericht und kurfürstlicher Rat 

Claudius Musiel, dessen Geburtsdatum nicht bekannt ist, stammt aus dem lothringischen Bisingen (heute Bézange-la-Petite). Seine Beziehungen zur Abtei St. Maximin können auf eine lange familiäre Tradition zurückblicken, denn sein Vater Nikolaus war bereits maximinischer Meier und Schultheiß in Bisingen. Claudius folgte ihm vor 1577 in diesem lokalen Amt nach. Ein Universitätsstudium scheint Musiel nicht absolviert zu haben. 1574 erwarb Musiel das Trierer Bürgerrecht. Bereits im Jahr 1580 wurde er unter Bestätigung des alten Geschlechtsadels von Kaiser Rudolf II. in den Adelsstand erhoben. Fünf Jahre später belehnte ihn der Herzog von Lothringen mit den Anteilen an Burg und Herrschaft Berg. Schon vor diesem Zeitpunkt muss Musiel als Maximiner Oberschultheiß von Matthias von Saarburg, Abt zu St. Maximin (1568-1581), bestallt worden sein. 1589 ernannte ihn der maximinische Abt Reiner Biewer bereits zum Amtmann in der neu erworbenen Erbgrafschaft Freudenburg, die als gleichnamiges Amt dem Territorium der Abtei St. Maximin eingegliedert wurde. 1594, nach dem Tod von Johann von Piesport, übernahm Musiel die Amtmannschaft auch im Amt St. Maximin. Damit stand er bis zu seinem Tod unumschränkt an der Spitze der maximinischen Territorialverwaltung und an der Spitze der Gerichte. Im Jahr 1606 ernannte der Maximiner Abt einen Sohn Musiels, Johann, zum Amtmann von Freudenburg und Oberemmel und avancierte ihn damit zum möglichen Nachfolger seines Vaters. Allerdings scheint der Stern der Familie Musiel in St. Maximin nach der Absetzung des Abtes Reiner Biewer 1613 gesunken zu sein, ist danach doch kein Amtmann mehr aus dieser Familie im Gebiet der Reichsabtei nachweisbar. Musiel stand jedoch nicht nur in den Diensten der Abtei St. Maximin. Bereits 1574 hatte der Trierer Kurfürst Jakob III. von Eltz (1567-1581) ihn zum Schöffen am Trierer Hochgericht und später sogar zum kurfürstlichen Rat ernannt. Außerdem empfing Musiel als Stellvertreter des luxemburgischen Generalrentmeisters das Schirmgeld der Stadt Trier.  

Neben dem Aufstieg in der maximinischen Ämterhierarchie baute Musiel kontinuierlich den Besitz seiner vielköpfigen Familie aus, erwarb Grundstücke und Immobilien, verkaufte Kornrenten und betätigte sich als Geldverleiher. Zielstrebig verband er sich und seine Kinder durch geschickte Patenwahl mit der Trierer Oberschicht und bedeutenden geistlichen Institutionen sowie durch vorteilhafte Eheschließungen (1573 und 1600, siehe Stammbaum) mit dem lothringisch-luxemburgischen Kleinadel. Damit vergrößerte er erheblich das materielle und soziale Kapital seiner Familie. 

In enger Zusammenarbeit mit dem Maximiner Abt Reiner Biewer unterstützte und förderte er maßgeblich dessen Bestrebungen, die Reichsunmittelbarkeit von St. Maximin durchzusetzen. Als Richter in Hexenprozessen begegnet Musiel schon 1586 zu Beginn der großen Verfolgungswelle im Gebiet der Reichsabtei St. Maximin. In seiner Funktion als Oberschultheiß nahm er praktisch an allen maximinischen Prozessen teil, ab 1594 auch in seiner Funktion als Amtmann. Er ließ den Stand der Hexenverfolgung in St. Maximin bilanzieren und Verzeichnisse über Hinrichtungen, Besagungen sowie Prozesskosten aufstellen. Das sogenannte "Hexenregister des Claudius Musiel" hatte man bereits seit 1586 geführt. Als Schöffe am Trierer Hochgericht war er auch an den spektakulären Hexereiverfahren gegen Dr. Dietrich Flade (1589) und Niclas Fiedler (1591) beteiligt. Musiels Rolle in den schweren Hexenverfolgungen wird schlaglichtartig beleuchtet durch den Hinweis, dass er genau zu Beginn seiner Amtszeit 1594 bei einem Termin neun Hexenprozesse gegen Pächter und Meier beziehungsweise deren Frauen führen ließ, die zum Teil wegen nicht gezahlter, strittiger oder hinterzogener Pachtzinsen mit dem Abt in Streit lagen. Man warf ihnen vor, einen Mordanschlag gegen den Abt und seinen Amtmann (und damit gegen die treibenden Kräfte der Hexenjagd) geplant zu haben, damit keine weiteren Verbrennungen mehr stattfinden konnten. Im Übrigen ist Musiel selbst achtmal als angeblicher Hexenmeister besagt worden. Diese Denunziationen mögen ihre Erklärung finden in seiner exponierten Stellung innerhalb der Maximiner Hexenjagd, in seiner harten Hand gegenüber unzufriedenen Pächtern und in seiner Verwandtschaft mit einigen Familien der Trierer Oberschicht, deren Mitglieder in Verdacht kamen und teilweise hingerichtet wurden. 

Die Organisation der St. Maximiner Hexenprozesse diente Musiel nicht nur zur Profilierung und zur Anwendung seiner bürokratischen Fähigkeiten. Durch die überhöhten Prozessrechnungen waren die Hinterbliebenen oftmals gezwungen, Liegenschaften zu extrem niedrigen Preisen zu verkaufen. Nachweislich bot sich hier eine Möglichkeit des wohlfeilen Erwerbs von Grundstücken, die auch Musiel genutzt haben wird.  

Am Ende seines Lebens hatte Musiel seiner Familie einen bleibenden Wohlstand gesichert. Musiel kann als opportunistischer Prozessgewinnler gelten, der sich neben der Führung von Hexenprozessen ebenso der klassischen Aufstiegskanäle über Heirat und Ämterkumulation bedient hatte. Allerdings unterschied er sich darin in nichts von seinen Standesgenossen, die als Notare, Schöffen, Schultheißen und Amtleuten an der St. Maximiner und Trierer Hexenjagd beteiligt waren. 

Beilagen 

Literatur 

Rita Voltmer: Claudius Musiel oder die Karriere eines Hexenrichters. Auch ein Beitrag zur Trierer Sozialgeschichte des späten 16. Jahrhunderts, in: Gunther Franz, Franz Irsigler (Hgg.): Methoden und Konzepte der historischen Hexenforschung (Trierer Hexenprozesse - Quellen und Darstellungen 4), Trier 1998, S. 211-254. 

Rita Voltmer, Karl Weisenstein (Bearbb.).: Das Hexenregister des Claudius Musiel. Ein Verzeichnis von hingerichteten und besagten Personen aus dem Trierer Land (1586-1594) (Trierer Hexenprozesse. Quellen und Darstellung 2), Trier 1996. 

 

Bilder 


Abb. 1


Abb. 2


Abb. 3

 

Siehe auch folgende Artikel 

Biewer, Reiner von Rita Voltmer

Hexenregister des Claudius Musiel (1586-1594) von Rita Voltmer

St. Maximin bei Trier (Reichsabtei) - Hexenverfolgungen von Rita Voltmer

Omsdorf, Petrus, Notar in St. Maximin und Kurtrier (gest. 1615) von Rita Voltmer

Piesport, Johann von, St. Maximiner Amtmann und Hexenrichter (gest. 1594) von Rita Voltmer

Zilles, Nikolaus (1575-1638) von Rita Voltmer

Empfohlene Zitierweise

Voltmer, Rita: Musiel, Claudius. In: Lexikon zur Geschichte der Hexenverfolgung, hrsg. v. Gudrun Gersmann, Katrin Moeller und Jürgen-Michael Schmidt, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/1660/

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Erstellt: 15.02.2006

Zuletzt geändert: 09.06.2006