Heft 3, 2011

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@KIH-eSkript. Interdisziplinäre Hexenforschung online 3, 2011: Teuflische Beziehungen - teuflische Gestalten. Der dämonische Kontrapunkt des Hexenglaubens

Redaktion: Jana Staeck 

Feind oder Freund? 

Der Teufel in Spanien und in der Neuen Welt im 16.‑18. Jahrhundert 

Iris Gareis 


Heft 3, 2011, Sp. 77-84

Vade retro, Satanás,
Weiche zurück Satan,
sagte [der Exorzist] Andreini, und mit einem Sprung
von der Alten zu einem jungen Mädchen,
wusste der Teufel einen Ausweg zu finden.

El exorcista calabrés”, (Francisco de Quevedo zugeschrieben) [1]

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I. Einführung 

Im Spanien der Frühen Neuzeit war der Teufel eine vertraute, doch zugleich schwer fassbare Gestalt: Einerseits warnten Vertreter der Kirche unablässig vor diesem gefährlichen Feind der Menschen, der ständig nach neuen Opfern suchte, um sie in die ewige Verdammnis zu stürzen; andererseits tummelten sich Teufelsfiguren allenthalben in bildlichen Darstellungen in Kirchen, als Tanzmasken und besonders eifrig auf der Theaterbühne. Dabei wechselten ernste Erörterungen des Teufels und seines Wirkens unter den Menschen ab mit schwankhaften Auftritten „echter“ oder „falscher“ Teufel. Die Gegensätzlichkeit und Zweideutigkeit der Aussagen über diese Figur ließ es für den Einzelnen oft nicht zu, das Wesen des Teufels unzweifelhaft zu bestimmen, denn ob er als Feind oder Freund auftrat schien von einer Reihe von Faktoren abzuhängen. Sahen ihn einige als äußerst gefährlichen Zeitgenossen an, dem man besser aus dem Wege ging, glaubten andere, er sei sehr wohl zu beeinflussen und für die eigenen Absichten zu nutzen, sofern man nur die richtigen Zauberformeln kannte. Ob man ihn fürchtete, oder versuchte, sich seiner zu bedienen, er war jedenfalls geradezu allgegenwärtig. 

Die verwirrende Vielfalt seiner Erscheinungsformen, erklärt sich schon allein aus den unterschiedlichen Interpretationen, die in verschiedenen Bevölkerungsschichten über die Figur des Teufels und seine Wesensmerkmale in Umlauf waren. Dazu gesellten sich noch regionale Besonderheiten, die den lokalen Ausformungen der Teufelsgestalt ebenfalls eine eigene Färbung verliehen. 

Mit der spanischen Expansion nach Amerika wurde das Erscheinungsbild des Teufels noch komplexer, da man ihm nun auch die Attribute und Charakteristika der von der indigenen Bevölkerung verehrten Gottheiten zuschrieb. Als die Konquistadoren auf ihren Eroberungszügen in den autochthonen Kultstätten mächtige Skulpturen von Schlangen, Feliden und anderen Tieren mit großen Fangzähnen vorfanden, war es naheliegend, diese Götterdarstellungen als Abbilder des Teufels zu deuten. Die Überreste von Blutopfern auf den Altären indigener Kultbauten taten ein Übriges, um die spanischen Missionare und Eroberer von der teuflischen Natur der amerikanischen Gottheiten zu überzeugen. [2]

Wurde in der ersten Zeit nach der Conquista der Verschmelzungsprozess des Teufels mit autochthonen Gottheiten und Geistwesen einseitig von den Europäern betrieben, scheint die Teufelsfigur mit fortschreitender kolonialer Durchdringung allmählich auch in die indigenen Kulturen Eingang gefunden zu haben. [3] Allerdings handelte es sich um einen sehr langen Prozess der Einverleibung der Teufelsgestalt in das jeweilige indigene Pantheon, wobei die Figur nicht selten gänzlich umgedeutet wurde. Häufig warf die europäische Teufelsfigur große Verständnisprobleme auf, wie aus Zeugenaussagen in Zaubereiprozessen und Erzählungen über verschiedene unheilstiftende Wesen hervorgeht. [4] Auf die indigenen Zeugen wirkte die Identifikation ihrer Gottheiten mit dem Teufel verständlicherweise recht befremdlich, insbesondere aber war die klare Polarisierung in gute und böse Wesenheiten in den einheimischen Religionen vor der Eroberung durch die Europäer gar nicht bekannt. Die Gleichsetzung der amerikanischen Götter mit dem Teufel als Personifikation des Bösen, der als Kontrahent gegen die guten Kräfte auftrat, ergab in Religionen, denen die Begriffe Gut und Böse als antagonistische Kräfte fremd waren, keinen Sinn. [5] Hier bedurfte es zunächst einer größeren Interpretationsleistung, um die widersprüchlichen Figuren der spirituellen Wesen aus der indigenen Vorstellungswelt und diejenige des europäischen Teufels in ein kongruentes Bild einzupassen.

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Bevor dieser Zusammenprall der europäischen und amerikanischen Vorstellungswelten ins Zentrum der Untersuchung rücken kann, muss zuerst das Wesen des Teufels in Spanien ergründet werden, um sodann seinen Sprung über den Atlantik zu verfolgen. Bei allen Differenzen in der Deutung der Teufelsgestalt in Spanien und in seinen überseeischen Besitzungen bleibt als Konstante die Zweideutigkeit der schillernden Figur auch in Amerika erhalten.

II. Der Teufel in Spanien – ein schillerndes Wesen 

Flores Arroyuelo erinnert in seiner Studie über den Teufel im Spanien der Frühen Neuzeit an die ständige Präsenz der Figur im Alltagsleben und die Familiarität im Umgang mit dieser Verkörperung des Bösen. Erst die konstanten Ermahnungen von Theologen und Predigern hätten den Eindruck von der Allgegenwart des Teufels im Leben der Spanier erzeugt und ihn ähnlich wie ein weiteres Familienmitglied in die Gesellschaft eingeführt. [6] So warnte etwa Juan de Avila 1575 seine Leser vor der List und den Betrügereien des Teufels, indem er sie von den vielfältigen Sprechweisen, zahlreichen Namen und Erscheinungsformen in Kenntnis setzte, die der Feind des Menschengeschlechts zur Verwirrung seiner Opfer benutzte. [7]

Nach Ansicht der Zeitgenossen waren die vielfältigen Erscheinungsformen des Teufels im frühneuzeitlichen Spanien daher in erster Linie auf seine Strategie zurückzuführen, die Menschen durch Täuschung zum Bösen zu verführen. Um sein Ziel erreichen zu können, das darin bestand die Menschen ins Verderben zu reißen, musste er sich jedoch immer neuer Verkleidungen und Masken bedienen. Besonders gut charakterisierte Pierre de Lancre, zu Beginn des 17. Jahrhunderts Hexenrichter im französischen Baskenland, dieses Wesensmerkmal des Teufels, als er die Welt mit einer Theaterbühne verglich, auf der vom Teufel unzählige unterschiedliche Rollen verkörpert wurden. [8] Außerdem liegt die verwirrende Erscheinungsvielfalt des Teufels zu einem guten Teil in dem Umstand begründet, dass er zwar als Verkörperung eines abstrakten Prinzips – nämlich des Bösen – über keinen eigenen Körper verfügte, um aber überhaupt mit den Menschen in Kontakt treten und kommunizieren zu können, eine materielle Gestalt annehmen musste. [9] In dem Maß, in dem der Teufel sich den Menschen annäherte, absorbierte er jedoch immer mehr anthropomorphe Züge und entfernte sich zugleich von dem abstrakten Prinzip, das er eigentlich verkörperte, denn die Menschen sind nun einmal nicht nur gut oder böse. Die Vermenschlichung des Teufels nahm ihm viel von dem einstigen Schrecken und ließ ihn zusehends an Macht verlieren. [10] Um überhaupt sein Ziel erreichen zu können, das ja darin bestand, die Menschen zum Bösen zu verführen, war es daher notwendig, dass er sich der List und seiner großen Verstellungskünste bediente, um seine Opfer ins Verderben zu stürzen. Wie schon 1529 der spanische Dämonologe Fray Martín de Castañega in seinem Traktat über Aberglauben und Zauberei festhielt, konnte der Teufel nur mit Erlaubnis Gottes agieren, er selbst hatte keinerlei Macht über die Menschen und selbstverständlich war er machtlos gegenüber Gott. Es blieb ihm deshalb nur die Möglichkeit sein Vorhaben durchzusetzen, indem er auf die Täuschung seiner Opfer rekurrierte und sie in Versuchung führte, das heißt sich die Laster der Menschen zunutze machte, um sie zu verderben. [11]

In den spanischen theologischen Schriften und Lehrtexten der Zeit tritt das abstrakte Prinzip des Bösen im Charakter des Teufels naturgemäß stärker in den Vordergrund als in anderen Repräsentationen. In den dämonologischen Traktaten ist er eindeutig böse und seine Handlungen bringen nur Unheil über die Menschen. Francisco Suárez fasste 1609 in seiner Abhandlung „De Virtute“ die theologische Lehrmeinung seiner Zeitgenossen über das Wesen des Teufels zusammen. Demnach waren dessen Hauptcharakteristika seine Bemühung, die Menschen zu betrügen und ihnen Schaden zuzufügen. [12] Hieronymo Sanpedro führte 1554 das unheilvolle Wirken des Teufels besonders auf den Neid zurück, den er gegenüber dem Menschengeschlecht hege. Da er selbst nie die Freuden des ewigen Lebens würde erfahren können, wollte er dies auch den Menschen unmöglich machen. [13]

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Hinsichtlich der beschränkten Macht, die der Teufel ausüben konnte, stimmten die spanische gelehrte Tradition und populäre Auffassungen weitgehend überein. [14] Was jedoch die eindeutig böse Ausrichtung des Teufels anbelangte, klafften die gelehrten Anschauungen und populäre Ideen auseinander. In populären Traditionen Spaniens hielt man den Teufel nicht für eine ausschließlich böse Figur. Außerhalb der gelehrten Tradition verlor die Funktion des Teufels als Personifikation eines abstrakten Prinzips offensichtlich an Bedeutung. Der Feind des Menschengeschlechts zeigte selbst menschliche Züge, was ihn manipulierbar werden ließ. Besonders in populären Bevölkerungsschichten Spaniens hatte sich die Auffassung durchgesetzt, man könnte mit dem Teufel verhandeln. Zahlreiche frühneuzeitliche Quellen, besonders Aussagen aus Zaubereiprozessen der Inquisition, belegen diese Vorstellung vom Teufel als Verhandlungspartner, dessen Unterstützung man in allerhand Unternehmungen in Anspruch nahm. [15] Als besonders nützlichen Helfer erachtete man ihn bei der Schatzsuche, bei der man Beschwörungsformeln systematisch anwendete, um die zuständigen Teufel herbeizuzitieren. Außerdem glaubte man auch, dass Schätze durch bestimmte Dämonen oder Teufel bewacht würden. Bevor man den Schatz heben konnte, mussten diese Hüter vertrieben oder milde gestimmt werden, damit sie die Beute herausgaben. [16] Teufel rief man auch an, um Glück im Spiel zu erlangen oder um die Liebe eines Menschen zu gewinnen. [17] Auf die Liebesmagie war vor allem der „Diablo Cojuelo“, also der hinkende Teufel, spezialisiert. In dieser Funktion begegnet er uns in zahlreichen Dokumenten aus spanischen Zaubereiprozessen. [18] Darüber hinaus wurde ihm sogar in einem Roman aus der Mitte des 17. Jahrhunderts ein Denkmal gesetzt. Der Text mit dem Titel „Der hinkende Teufel“ erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der einen Flaschenteufel findet. Er lässt sich von dem Teufelchen versprechen, dass es nach seiner Befreiung dem jungen Mann dabei helfen wird, die Liebe einer bestimmten Frau zu gewinnen. Bevor die beiden das eigentliche Ziel ins Visier nehmen, die Liebe dieser Frau für den jungen Mann zu erobern, unternehmen sie erst einmal einen Ausflug durch die Wohnungen der Madrider Mitbürger, in die der hinkende Teufel seinen Schützling hineinblicken lässt. Hinketeufel und junger Mann bilden ein vergnügtes Team auch im Rest des Buches, das die beiden in einer Verfolgungsjagd nach der Frau durch halb Spanien führt. [19]

Luis Vélez de Guevara (1579-1644), der Autor des Romans war von Haus aus Dramatiker und musste schon deshalb mit der Gestalt des Teufels vertraut sein, traten Teufel doch in vielen spanischen Theaterstücken der Frühen Neuzeit als handelnde Figuren auf. [20] In Mysterienspielen und im barocken Ideendrama, etwa von Pedro Calderón de la Barca (1600-1681), verkörpert der Teufel das Prinzip des Bösen und versucht die Menschen zum Bösen zu verführen. [21] Dabei erschien der Teufel in nicht weniger als 47 „Autos sacramentales“ oder Mysterienspielen aus der Feder Calderóns. Die „Autos sacramentales“ erfreuten sich im spanischen Raum großer Beliebtheit und hatten eine ungebrochene Aufführungstradition vom Mittelalter bis zu ihrem Verbot im Jahr 1765. [22] In anderen, weniger ernsten Bühnenwerken gaben echte und falsche Teufel lustige Figuren ab. Francisco de Quevedo [23] zum Beispiel schrieb solch einer falschen Teufelsfigur in seinem Zwischenakt-Stück „Die fingierte Teufelsbesessene“ eine tragende Rolle zu. Um sich vor den Nachstellungen eines alten Mannes zu retten, gab eine verheiratete Frau vor, sie sei vom Teufel besessen, um dem ältlichen Verehrer die Möglichkeit zu eröffnen, sie als Exorzist verkleidet in ihrem Haus aufzusuchen. Als der Verehrer sich im Gewand eines Priesters in das Haus zu dem geplanten Schäferstündchen begab, fand er wider Erwarten nun wirklich einen Teufel vor, der ihn und seinen Helfer mit einem Stock schrecklich verprügelte, woraufhin beide in panischer Angst aus dem Haus flohen. Tatsächlich hatte die Frau ihren Ehemann eingeweiht, der die Rolle des Teufels offenbar sehr überzeugend spielte. [24]

Außer auf der Theaterbühne und in literarischen Werken traten Teufel bei Festumzügen in verschiedenen Gestalten auf. Bei Fronleichnams-Prozessionen stand die Tarasca, ein drachenähnliches Ungeheuer, das in einem großen Festwagen dargestellt wurde, als Verkörperung des Bösen. [25] Nach zeitgenössischen Abbildungen zu urteilen, gaben die auf dem Wagen beziehungsweise auf dem Rücken der Tarasca postierten Schauspieler und Sänger allerdings eher ein lustiges als furchterregendes Bild ab. [26] Die Tarasca bildete zusammen mit maskierten Tänzern und riesenhaften Masken, den sogenannten „gigantes“, die Vorhut der eigentlichen Prozession. Bei den Fronleichnamsfeiern der Frühen Neuzeit in Murcia verfügte die Tarasca als Repräsentation des Teufels über sieben Köpfe. Das Monstrum bestand aus einer Holzkonstruktion, die mit bemalter Leinwand verkleidet war. Ihre sieben Köpfe waren beweglich und schnappten nach den Zuschauern, die sich ihrerseits einen Spaß erlaubten und der Tarasca Fetzen von Stoff, alte Hüte und andere Gegenstände in die offenen Mäuler warfen. Zusätzlich erzeugten im Innern versteckte Feuerwerkskörper den Eindruck, als könnte der künstliche Drache aus seinen sieben Mäulern Feuer speien. [27] Nach der Conquista setzten die Spanier ihre Fronleichnams-Festtraditionen in den amerikanischen Kolonien fort. So kam zum Beispiel in der peruanischen Hauptstadt Lima ebenfalls eine Konstruktion der Tarasca mit mehreren beweglichen Köpfen zum Einsatz, die nach den Zuschauern schnappten und Feuer speien konnten, was zur allgemeinen Belustigung erheblich beitrug. Dazu gesellten sich ebenso wie in Spanien die „diablillos“, als Teufel maskierte Darsteller, die zu den lustigen Weisen einer Musikgruppe wie wild umher tanzten. [28]

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Bildliche Darstellungen des Teufels in der Kunst religiöser Räume, prägten ebenfalls die Vorstellung von seiner äußeren Erscheinung, vor allem in populären Bevölkerungsschichten, denen der Zugang zu Druckerzeugnissen meist verwehrt blieb. Um Fehlinterpretationen durch die Betrachter vorzubeugen, mussten die Künstler von der Inquisition erlassene, genaue Vorgaben beachten. Der bedeutende spanische Maler Francisco Pacheco (1564-1644) widmete sich in seinem 1649 veröffentlichten Handbuch der Malkunst diesem Problem eingehend. Als Gutachter der Inquisitionsbehörde, konnte er den spanischen Künstlern mit seiner Abhandlung wertvolle Ratschläge liefern, um Schwierigkeiten mit der Inquisition zu vermeiden. [29] Bei der Erörterung der korrekten Darstellungsweise religiöser Themen und Figuren, räumte Pacheco auch Engeln und Teufeln einen gebührenden Platz ein. Zu beachten waren bei der Darstellung etwa das Geschlecht, Alter oder körperliche Konstitution dieser Figuren. Während Engel schöne und liebliche Gesichtszüge aufweisen und helle Farben vorherrschten sollten, dominierten bei Teufelsdarstellungen dunkle Farben und abstoßende Gesichtszüge. [30] Diese Vorgaben führten zu einer Vereinheitlichung der Darstellungen von Engels- und Teufelsgestalten in spanischen und amerikanischen Kirchen.

III. Der Teufel in der Neuen Welt

Zur Zeit der spanischen Eroberung der großen Reiche auf dem Festland Mittel- und Südamerikas, war der Teufel in Spanien also eine vertraute, ja geradezu familiäre Figur. [31] Die Allgegenwart des Teufels im Mutterland blieb nicht ohne Folgen auf die Wahrnehmung der indigenen Religionen durch die Konquistadoren. Einheimische amerikanische Götterfiguren betrachteten die Europäer sogleich als Inkarnationen des Teufels. So bezeichnete der Konquistador Hernando Pizarro 1533 die indigenen Priester einer großen Kultstätte in Peru als „Priester und Diener des Teufels“. Den Tempel selbst titulierte er als „mezquita“, das heißt nannte ihn eine Moschee. Mit seiner Wortwahl erinnerte Pizarro an die Reconquista, die 1492 mit dem Sieg über die letzte maurische Herrschaft auf der iberischen Halbinsel vollendet wurde und signalisierte, dass die indigenen Kultstätten ebenso zu zerstören seien, wie die Gotteshäuser der Mauren in Spanien. [32] Zu dieser Einschätzung der indigenen Kulte als Anbetung falscher Götter, also als Idolatrie, gesellten sich dann die Übereinstimmungen in den bildlichen Repräsentationen der einheimischen Götterfiguren mit der europäischen Teufelsvorstellung. So zeigten Darstellungen Luzifers, im Moment als er dem Erzengel Michael unterlag, ihn meist schon als drachenähnliches Ungeheuer und in Bildern von der Versuchung im Paradies herrschte die Schlange als Verkörperung des Teufels vor. Ähnliche riesenhafte Tierdarstellungen, häufig in der Gestalt von Schlangen, Alligatoren, Jaguaren oder Mischwesen zwischen Mensch und Tier repräsentierten die amerikanischen Götter in den großen Kultstätten Mexikos und Perus. Es verwundert daher nicht, dass die Spanier diese Repräsentationen für Darstellungen des Teufels und seines Dämonenheeres hielten. [33]

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Die ikonographischen Übereinstimmungen zwischen europäischem Teufelsbild und den Darstellungen indigener Gottheiten schienen die Theorie vom teuflischen Ursprung der amerikanischen Religionen zu bestätigen. Nach dieser Theorie, die unter den europäischen Zeitgenossen zahlreiche Anhänger fand, wurden die Pläne des Teufels durch die Christianisierung Europas vereitelt, weshalb er mit seiner Gefolgschaft an Dämonen im damals noch unbekannten Amerika Zuflucht gesucht habe. Dort sei es ihm gelungen, eine absolute Herrschaft über die Indianer zu errichten und sie zur Idolatrie zu verführen. [34] Zu alledem kamen noch verblüffende Ähnlichkeiten mancher indigener Riten mit katholischen Sakramenten, vor allem Beichte und Kommunion hinzu. José de Acosta (1540-1600), ein spanischer Jesuit, der von 1572-1587 in Peru und Mexiko lebte und ab 1576 Ordensprovinzial in Peru war, erklärte in seinem Buch „De Procuranda“ (1588), dass der Teufel die Indianer durch List dazu gebracht habe, die katholischen Sakramente in pervertierter Form für ihn auszuführen. [35] Folgte man konsequent der Interpretationslinie Acostas, dann wurde Idolatrie, das heißt die Anbetung eines falschen Gottes, zur Dämonolatrie, das heißt zur Anbetung des Teufels. [36] Damit war die Angleichung der indigenen amerikanischen Gottheiten an den europäischen Teufel auch theoretisch vollzogen. Ihre indigene Anhängerschaft geriet dadurch zu einer amerikanischen Version der europäischen Hexensekte, die sich nach Ansicht frühneuzeitlicher Dämonologen zur Anbetung des Teufels zusammenfand. Aus alledem entwickelten die Spanier eine Ideologie der Eroberung, die einerseits auf die Bekämpfung des Teufels und seiner höllischen Gefolgschaft abzielte, und andererseits die Seelen der Indianer retten sollte, die falls sie weiterhin in den Klauen des Teufels verblieben wären nach dem Tod unweigerlich ewige Höllenqualen erlitten hätten. [37]

Um die indigenen Religionen wirksam zu bekämpfen und die autochthone Bevölkerung nachhaltig zum Christentum zu bekehren, legten die kolonialen Autoritäten eine Reihe von Maßnahmen auf. Strategien zur Missionierung der indigenen Amerikaner schlossen Missionierungskampagnen, Predigten auf öffentlichen Plätzen, die Aufführung von Lehrstücken und speziell für diesen Zweck entwickelte Bildprogramme in den neuerrichteten Kirchen ein. Bei ihren Christianisierungskampagnen setzten Missionare häufig Rollbilder ein, die leicht zu transportieren und daher geeignet waren in eingängigen Bildern die Worte der Missionare zu illustrieren und den Eindruck ihrer Rede zu vertiefen. [38] Zugleich mit der Unterweisung in der christlichen Lehre wollte man auch den Glauben an die alten Götter ausrotten. Während sich diese Bemühungen in Mexiko nur in gelegentlichen Prozessen gegen indigene Priester niederschlugen, rief man im Vizekönigtum Peru zu Beginn des 17. Jahrhunderts eine Institution ins Leben, die das Übel der Idolatrie gründlich ausrotten sollte. In mehreren Kampagnen begaben sich vom Erzbischof in Lima ernannte Idolatrierichter in die indigenen Gemeinden des Erzbistums, um Priester der alten Götter, Kultstätten und Anhänger der Kulte aufzuspüren. Während die Priester der indigenen Gottheiten gefangen gesetzt wurden, die Kultstätten zerstört, Götterstatuen und Paraphernalia in einer Art „Auto de fe“ verbrannt wurden, bemühte man sich, die Masse der indigenen Bevölkerung wieder in den Schoß der Kirche zurückzuführen. [39] In den Berichten der ersten Idolatrierichter werden die Zahlen zerstörter Götterbilder auf zigtausende beziffert. Ebenso seien tausende ehemaliger „Götzenanbeter“ wieder mit der Kirche versöhnt worden. [40]

Trotz dieser wiederholten Bemühungen der Idolatriebekämpfer und ihrer Erfolgsmeldungen, mag man sich bei manchen Aussagen indigener Zeugen jedoch fragen, welcher Erfolg diesen Mitteln zur christlichen Unterweisung eigentlich beschieden war. Im Jahr 1656 gab etwa ein Einheimischer aus dem Norden Perus zu Protokoll, er habe vernommen, dass der Gott Guari, der im weiten Umkreis als wichtigste Gottheit verehrt wurde, „der Antichrist sei und dass er ein bärtiger Mann sei, so wie ein Spanier...“. [41]

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Mehr als ein Jahrhundert nach dieser Aussage, nämlich im Jahr 1771, stiftete die europäische Teufelsfigur weiterhin große Konfusion im Universum des indigenen Heilers und Schamanen Juan de Atocha aus Nordperu. Auf die Frage, ob er den Teufel in seinen Heilsitzungen anrufe, antwortete er, dass der Teufel sicherlich bei diesen Krankenheilungen anwesend sei. Als der kirchliche Richter nochmals nachfragte, ob er den Teufel jemals gesehen oder ihn angerufen habe, entgegnete der Heiler, er habe den Teufel noch nie gesehen, nie gerufen oder gar gesprochen. Auf den offenkundigen Widerspruch in seinen Aussagen hingewiesen, erklärte der Mann dem Richter, dass er wohl glauben wolle, alle diese Heilungen würden mit Hilfe des Teufels vollzogen, doch die Geistwesen, die erschienen, um ihm bei der Krankenheilung zu helfen, seien keinesfalls teuflische Wesen und deshalb hätte er den Teufel auch noch nie von Angesicht zu Angesicht gesehen. [42] Offensichtlich hatte der Teufel europäischen Zuschnitts keinen rechten Platz in den religiösen Vorstellungen des andinen Heilers gefunden. Seine Aussage vor dem kirchlichen Richter spiegelt die Zweifel wider, die Juan de Atocha über das Wesen des Teufels hegte. Trotz längerer Reflexionen über die Beziehung des Teufels zu den andinen Gottheiten, die ihm bei der Krankenheilung zur Seite standen und dessen Platz im andinen Pantheon, konnte Juan de Atocha wie seine Aussage nahelegt zu keinem schlüssigen Ergebnis gelangen. [43]

Während also die der Gestalt des Teufels zugrundeliegenden Vorstellungen, insbesondere die Verkörperung des Bösen, einige Schwierigkeiten bei der Inkorporation in die indigenen Religionen verursachte, fand die äußere Erscheinung, so wie sie in Europa in der Frühen Neuzeit konzipiert war, verhältnismäßig schneller Eingang in die indigene Vorstellungswelt. Berichte von Begegnungen mit Teufeln europäischen Zuschnitts erscheinen in einer Reihe von Prozessakten gegen Mestizen und Indianer. Die Beschreibungen, die einige der Zeugen von der Nordküste Perus gaben, entsprechen ganz dem Muster der europäischen Teufelsvorstellung. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts trat er hier bevorzugt in Gestalt eines riesigen, roten Ziegenbocks auf, aus dessen Körperöffnungen Flammen züngelten. In einer Art Hexenversammlung ließ er sich durch den Afterkuss verehren. [44] In einem anderen Fall, der sich im Jahr 1774 zutrug, erschien der Teufel in der gleichen Region einem indigenen Mann als schwarzer Ziegenbock, der aus dem Maul und den Augen Feuer spie und einen unerträglichen Gestank nach Schwefel hinterließ. [45] Eine indigene Frau gab in dem gleichen Prozess zu Protokoll, sie habe den Teufel in zweierlei Gestalt erblickt. Einmal habe er sich ihr als Ziegenbock gezeigt. Bei einer anderen Begegnung sei er in menschlicher Gestalt als Engländer aufgetreten, der jedoch einen solch grauenvollen Gestank um sich verbreitet hätte, dass ihr beinahe die Sinne schwanden. [46] In den Zeugenaussagen der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wies der Teufel demnach die charakteristischen Merkmale auf, die ihm in Europa zugeschrieben wurden: Abbildungen in dämonologischen Werken des 17. Jahrhunderts zeigten den Teufel bei der Verehrung durch seine Anhänger auf dem Hexensabbat in Bocksgestalt. [47]

Indigene Künstler begannen zu Anfang des 17. Jahrhunderts damit, selbst Darstellungen des Teufels vorzulegen, die ganz der europäischen Ikonographie verpflichtet waren. Besonders die Federzeichnungen von Felipe Guaman Poma de Ayala, einem indigenen Autor aus dem Hochland Perus, weisen große Ähnlichkeit zu europäischen Vorlagen auf. Guaman Poma schloss um 1615 sein mehr als 1200 Seiten langes Werk ab, das als Brief an den spanischen König konzipiert war. Der andine Autor forderte in seinem Buch unter anderem, dass zur Ermahnung der Gläubigen in allen Kirchen indigener Gemeinden eine Darstellung des Jüngsten Gerichts enthalten sein sollte. [48] Auch in europäischen Kirchen setzte man das Bildprogramm des Jüngsten Gerichts als Mittel zur Ermahnung der Sünder zu Reue und Rückkehr zum rechten Glauben ein. Indem man den Kirchenbesuchern das bejammernswerte Schicksal der Sünder am Tag des Jüngsten Gerichts vor Augen führte und die Schrecken der Hölle möglichst drastisch darstellte, erhoffte sich Guaman Poma ebenso wie die kirchlichen Autoritäten eine Läuterung der Betrachter. Das Thema des Jüngsten Gerichts und des postmortalen Schicksals der Totenseele regte gegen Ende des 17. Jahrhunderts und vermehrt im 18. Jahrhundert auch andere indigene Künstler zu bildlichen Darstellungen der Hölle und von Teufeln an. In verschiedenen Kirchen des andinen Hochlands wurden von den indigenen Autoritäten Öl- oder Wandgemälde mit Darstellungen des Jüngsten Gerichts und der Sünder in der Hölle in Auftrag gegeben. [49]

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In den spanischen überseeischen Besitzungen spielten theatrale Aufführungen eine große Rolle bei der Vermittlung europäischer Vorstellungen. Vor allem anlässlich der Fronleichnamsfeiern führte man Theaterstücke und lebende Bilder auf, bei denen Teufelsfiguren häufig auf der Bühne zu sehen waren. Dabei ging es oft um einen Kampf zwischen einem Engel und dem Teufel, der sich um eine menschliche Seele drehte. Ein Kampf, der selbstredend mit dem Sieg des Engels endete. Amédée Frezier, ein zeitgenössischer französischer Beobachter, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts solch einer Aufführung an der Südküste Perus beiwohnte, entrüstete sich über die Geschmacklosigkeit der Darbietung. Engel und Teufel stritten sich wohl recht unfromm um die Seele des Heiligen, um den es in dem Stück ging. [50] Theaterstücke religiösen Inhalts wurden in den amerikanischen Kolonien ganz bewusst zur Unterweisung der Kolonialbevölkerung und zur Missionierung eingesetzt. Mitunter rekurrierte man nicht auf die Stücke bekannter spanischer Autoren, sondern schuf bewusst den regionalen Gegebenheiten angepasste Dramen, die besser geeignet waren, die indigene Bevölkerung anzusprechen. Anlässlich der Fronleichnamsfeiern des Jahres 1539 führte man in der mexikanischen Provinz Tlaxcala eine Reihe von „Autos sacramentales“ auf, in denen neben Heiligen und Engeln auch eine größere Anzahl von Teufeln auftrat. Indigene Schauspieler verkörperten mit großer Begeisterung Teufel, die mit Feuerwerkskörpern und Trommeln bewaffnet, im geeigneten Moment das Verschwinden des Teufels in der Hölle inszenieren durften. Für den dramatischen Abgang des Teufels war ein Höhleneingang und eine für die Zuschauer unsichtbare Bühnenmaschine konstruiert worden, damit der Höllenfürst nach dem Sieg der guten Kräfte wie durch Zauber von der Bildfläche verschwand. Engel schwebten daraufhin vom Bühnen-Himmel herab. Alle Stücke dieses Fronleichnamsfestes interpretierten die Conquista Mexikos als Sieg des Christentums über die heidnischen Kulte sowie als Sieg Christi über den Teufel. [51]

Neben Theateraufführungen kam Maskentänzen eine größere Bedeutung bei der Vermittlung des europäischen Teufelsbildes zu. Bei der Gestaltung der Masken und Kostüme orientierte man sich weitgehend an der europäischen Ikonographie. In einer Serie von Aquarellen, die aus dem Norden Perus stammt und auf etwa 1780 datiert wird, findet sich auch eine Illustration mit dem Titel „Tanz des Erzengels Michael mit den sieben Lastern“. Während der Erzengel kolonial-andinen Bildvorlagen des 17. Jahrhunderts folgt, tragen sechs der Teufel Masken, die von drei Hörnern bekrönt sind, dazu Fellhosen und Schellen an den Fußknöcheln. Drei lassen Musikinstrumente erklingen, die anderen drei schwingen lange Peitschen. Neben dem Erzengel tanzt der siebte Teufel, der durch eine besonders wilde Maske mit großen geschwungenen Widderhörnern als Anführer des Teufelsballetts gekennzeichnet ist. Alle Aquarelle dieser Serie wurden vom Bischof der Region, Baltasar Jaime Martínez Compañón bei einheimischen Künstlern in Auftrag gegeben, um das Alltagsleben, Trachten, Flora und Fauna sowie die Feste seines Bistums zu dokumentieren. [52] Noch heute ist der Tanz der so genannten Diablada mit dem Engel in weiten Teilen des westlichen Südamerika Bestandteil religiöser Feste. [53]

Auch die indigene Bevölkerung hatte also offensichtlich den Teufel ständig vor Augen. Im täglichen Umgang mit Spaniern und Abkömmlingen von Afrikanern, vor allem in den kolonialen Städten, in denen Menschen verschiedener Herkunft in den ärmeren Wohnvierteln auf engem Raum zusammenlebten, lernten die indigenen Nachbarn die Gestalten der europäischen Vorstellungswelt kennen. Sowohl in den Akten des mexikanischen Inquisitionstribunals, als auch in denjenigen der beiden anderen Tribunale von Cartagena (heute Kolumbien) und Lima im Vizekönigreich Peru sind zahlreiche Teufelspakte und Aussagen von Zeugen oder Angeklagten überliefert, die ebenso wie in Spanien Kontakt zum Teufel suchten, damit er ihnen bei ihren Liebesnöten und anderen Problemen helfe. [54] In den Prozessberichten des peruanischen Inquisitionstribunals sind die Geständnisse, mit dem Teufel einen Pakt geschlossen zu haben Legion. Die Beschwörungsformeln mit denen man die Teufel herbeizitierte ähnelten sich in der spanischen Welt sehr, was davon herrühren mag, dass die erstaunliche Mobilität der Magier für eine schnelle Verbreitung der Techniken und Formeln bis in die entferntesten Winkel des Kolonialreichs sorgte. [55]

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Ein Mann aus Quito gestand 1579 vor dem Inquisitionstribunal in Lima eine Reihe namentlich benannter Teufel beschworen zu haben, damit sie ihm in menschlicher Gestalt erschienen und verborgene Schätze offenbarten. [56] Bruder Cristóbal Núñez, ein Dominikaner aus Sevilla, denunzierte sich beispielsweise selbst vor dem Inquisitionstribunal in Lima wegen einer Reihe von Vergehen. Unter anderem hatte er einige indigene Autoritäten, die angeblich über Zauberkräfte verfügten darum gebeten, notfalls mit Hilfe des Teufels in Erfahrung zu bringen, wo sich ein entlaufener indigener Diener verbarg. Schließlich griff er selbst zur Feder, setzte einen Teufelspakt auf, in dem er dem Adressaten seine Seele vermachte, wenn er ihn dafür im Glücksspiel gewinnen ließ. [57] Diego de la Rosa, von Beruf Sticker, gestand gleich eine Serie von Teufelspakten. Zu diesem Zweck besaß er ein Buch mit einer Sammlung von Beschwörungsformeln. Sein Anliegen war es Schätze zu heben und zwar diejenigen der vorkolonialen Kultstätten. [58] Die Liste der Teufelsbeschwörer ließe sich beinahe beliebig verlängern. Sie kamen aus allen ethnischen Gruppen der kolonialen Bevölkerung, seltener fanden sich allerdings gebildete Männer der Oberschicht darunter. Probleme, die der Teufel lösen sollte, wie zum Beispiel einer armen Frau den Ehepartner wieder zurückzubringen oder für einen mittellosen Taglöhner einen Schatz bereit zu stellen, betrafen besonders die männlichen Angehörigen der Oberschicht kaum. [59] Meist riefen Menschen den Teufel zu Hilfe, die von bitterer Not bedroht waren, von diversem Unheil heimgesucht wurden oder aus anderen Gründen sich hilflos und ohnmächtig gegenüber den Anforderungen der Umwelt fühlten. Sie glaubten sich von den himmlischen Kräften im Stich gelassen, weshalb der Teufel ihnen zu ihrem Recht verhelfen oder doch wenigstens ihre Not lindern sollte.

IV. Schlussbemerkung 

Im 17. Jahrhundert hatte der Teufel auch in weiten Teilen der spanischen Besitzungen in Amerika eine ähnliche Popularität erreicht wie in Spanien. Besonders in den kolonialen Städten nahm er einen festen Platz im Alltagsleben ein. So wurden zum Beispiel die vier Ecken des Hauptplatzes in Lima, an dem der Palast des Vizekönigs und die Kathedrale lagen, nach Auffassung der dort tätigen Zauberinnen jeweils von sieben Teufeln beherrscht. Sie wurden von den Zauberinnen bei den Ritualen angerufen und zur Unterstützung herbei beordert. [60] In populären Bevölkerungsschichten stellte man sich den Teufel offensichtlich meist in menschlicher Gestalt vor und mit ähnlichen Lastern und Schwächen behaftet wie die Menschen. In diesen Kreisen, die die Mehrheit der Bevölkerung stellten, verblasste das von der Kanzel gepredigte Bild des Teufels, das ihn als furchterregenden Feind der Menschheit darstellte, vor dem aus der beständigen Gegenwart des Teufels im Alltagsleben geborenen Bildes eines Helfers in der Not.

In der indigenen Bevölkerung gelang es dem europäischen Teufel sogar, im Lauf der Zeit die Positionen einiger einheimischer Gottheiten einzunehmen und sich an ihrer Stelle verehren zu lassen. [61] Besonders anfällig für solch eine „Verteufelung“ waren Trickster, das heißt Geistwesen, die sich den Menschen gegenüber einmal wohlwollend, ein andermal jedoch übelwollend verhielten und ihnen üble Streiche spielen konnten. Solche Wesenheiten wurden nach der Christianisierung eher als andere an das europäische Teufelsbild angeglichen und eindeutiger in Richtung auf das Böse hin polarisiert. [62] Weit häufiger kam es aber zu einer Ausdifferenzierung indigener Gottheiten in Richtung auf das Gute. Die Veränderungen, die in manchen indigenen Beschreibungen von Götter-Erscheinungen über ein Jahrhundert hinweg auftreten, weisen darauf hin, dass man diese Wesen keinesfalls mit dem Teufel oder Dämonen identifiziert wissen wollte. Ganz im Gegenteil liefen die Modifikationen bei diesen Wesen in Richtung auf den Pol des Guten hinaus. [63]

Wenngleich zunächst und manchmal in erster Linie die äußere Erscheinungsform, das heißt die europäische frühneuzeitliche Ikonographie des Teufels übernommen wurde und weniger seine Bedeutung, so führten die Bemühungen der Missionare, den von ihnen vermuteten Teufelsglauben bei der indigenen Bevölkerung auszurotten, letztlich zum Gegenteil. Indem sie beständig gegen den Teufel predigten und ihn zur Abschreckung in Theateraufführungen oder Maskentänzen auftreten ließen, trugen sie wesentlich zu seiner Verbreitung in den amerikanischen Kulturen bei und verschafften ihm auf diese Weise schließlich auch einen festen Platz in der indigenen Vorstellungswelt. 

Anmerkungen

  • [1]

     “Vade retro, Satanás, / Dijo Andreini, y de un salto / De la vieja a una doncella / Supo el demonio hallar paso./” (Sämtliche Übersetzungen aus dem Spanischen stammen von der Verfasserin). Francisco Gómez de Quevedo y Villegas (1580-1645) zitiert nach: Francisco J. Flores Arroyuelo, El Diablo en España, Madrid 1985, S. 181.

  • [2]

     Iris Gareis, Cómo el diablo llegó a los Andes: Introducción y trayectoria de un concepto europeo en el Perú colonial, in: Dies. (Hrsg.), Entidades maléficas y conceptos del mal en las religiones latinoamericanas / Evil entities and Concepts of Evil in Latin American Religions, Aachen 2008, S. 41-69, hier S. 51-52. Zur Beziehung zwischen militärischer und spiritueller Eroberung, das heißt der Ähnlichkeit der Vorstellungen von Konquistadoren und Missionaren, s. Beatriz Vitar, Los jesuitas y la „demonización” del Chaco, in: Fermín del Pino Díaz (Hrsg.), Demonio, religión y sociedad entre España y América (Biblioteca de Dialectología y Tradiciones Populares XXXV), Madrid 2002, S. 161-184, hier S. 183.

  • [3]

     Zur Einführung des Teufels in Mexiko vgl. Fernando Cervantes, The Devil in the New World. The Impact of Diabolism in New Spain, New Haven/London 1994.

  • [4]

     Iris Gareis, El mal y sus representaciones en las religiones latinoamericanas: Introducción / Evil and Its Representations in Latin American Religions: Introduction, in: Dies. (Hrsg.), Entidades maléficas y conceptos del mal en las religiones latinoamericanas / Evil entities and Concepts of Evil in Latin American Religions, Aachen 2008, S. 1-11/12-23, hier S. 5-6/16-17; Dies., Cómo el diablo (wie Anm. 2), S. 46-63.

  • [5]

     Iris Gareis, Wie Engel und Teufel in die Neue Welt kamen. Imaginationen von Gut und Böse im kolonialen Amerika, in: Paideuma 45 (1999), S. 257-273, hier S. 258; Dies., El mal /Evil (wie Anm. 4), S. 2-5, 13-16.

  • [6]

     Flores Arroyuelo (wie Anm. 1), S. 26.

  • [7]

     Juan de Avila, Libro espiritval sobre el verso, Avdi Filia, que trata de como hemos de oyr a Dios, y huyr de los malos lenguajes del Mundo, Carne, y Demonio, Salamanca 1575. Einen guten und konzisen Überblick über die Rolle des Teufels in spanischen dämonologischen Traktaten liefert Luis Díaz G. Viana, El diablo en la Universidad: la tradición erudita de la magia, in: Fermín del Pino Díaz (Hrsg.), Demonio, religión y sociedad entre España y América (Biblioteca de Dialectología y Tradiciones Populares XXXV), Madrid 2002, S. 43-60.

  • [8]

     “Le monde est un théâtre où le Diable joue une infinité de divers et dissemblables personnages”. Pierre de Lancre, Tableau de L’Inconstance des mauvais Anges et Démons. Où il est ampliement traité des sorciers et de la sorcellerie [EA 1612], Nicole Jacques Chaquin (Hrsg.), Paris 1982, S. 60.

  • [9]

     Besonders intensiv befasste sich der französische Dämonologe Pierre Le Loyer mit der Frage, welche physische Beschaffenheit der Teufel hatte und wie sich solche Geistwesen einen Körper erschaffen konnten. Seiner Ansicht nach war es den Geistwesen möglich, sich selbst einen Körper aus den Elementen Luft, Feuer oder auch aus Rauch zu formen, weshalb die Erscheinungen verschiedene Gerüche absonderten, je nachdem, welche materielle Beschaffenheit sie für ihren künstlichen Körper gewählt hatten. Ein aus Feuer gebildeter Körper verströmte beispielsweise einen Geruch nach Verbranntem, hingegen deutete eine erhöhte Luftfeuchtigkeit im Umkreis der Erscheinung auf Nebel als wichtigstem Element in der Zusammensetzung des sichtbaren Körpers hin (Pierre Le Loyer, IIII. Ljvres des spectres ov apparitions et visions d´esprits, anges et demons se monstrans sensiblement aux hommes. Par Pierre le Loyer Co(n)seiller au Siege presidial d´Angers, Vlpianus Libro vicensimo quinto, ad Edictum. Ostentum com quid prodigiosum videtur, quae Graeci.... vocant. A la Royne [sic!] Mere du Roy. Georges Nepueu, Angers 1586, Livre Second, Chap. 3, S. 375-376).

  • [10]

     Gareis (wie Anm. 2), S. 49 Anm. 27.

  • [11]

     Martín de Castañega, Tratado de las supersticiones y hechicerías, (Sociedad de Bibliófilos Españoles, 17), Facsimile Madrid 1946 (1. Ed. Logroño 1529), Cap.I, S. 17-21.

  • [12]

     Francisco Suárez, De Virtute et statv religionis. In tres Tractatus distributum, Venetiis 1609, S. 379, num. 20.

  • [13]

     Hieronymo Sanpedro, Libro de Caualleria del pie de la Rosa Fragante, dedicado al ilustrissimo y reuerendissimo señor do(n) Pedro Luys Galcera(n) de Borja Maestre de la Orde(n) y Caualleria de nuestra Señora de Montesa y de San George, Anvers 1554, fol. 21v, passim.

  • [14]

     María Tausiet Carlés, Le sabbat dans les traités espagnols sur la superstition et la sorcellerie aux XVIe et XVIIe siècles, in: Nicole Jacques Chaquin/Maxime Préaud (Hrsg.), Le sabbat des sorciers, XVIe – XVIIIe siècles, Grenoble 1993, S. 259-279, hier S. 268ff; María Jesús Torquemada, La Inquisición y el diablo. Supersticiones en el siglo XVIII (Colección de Bolsillo, No.153), Sevilla 2000, S. 50-53.

  • [15]

     In den Akten aus Superstitionsprozessen der spanischen Inquisition ist die Anrufung von Teufeln geradezu allgegenwärtig. Caro Baroja zitiert Beschwörungsformeln und Anrufungen des Teufels mit verschiedenen Namen bzw. verschiedener Teufel, wie zum Beispiel Satan, Beelzebub, Barabbas und Luzifer. Interessanterweise unterschieden sich die Formeln, die im 16. Jahrhundert verwendet wurden kaum von denjenigen des 17. Jahrhunderts (Julio Caro Baroja, Vidas mágicas e Inquisición (Colección Fundamentos 121-122), 2 Bde., Bd. II, Madrid 1992, S. 49-53.

  • [16]

     Flores Arroyuelo (wie Anm. 1), S. 254-260. María Tausiet, Abracadabra Omnipotens. Magia urbana en Zaragoza en la Edad Moderna, Madrid 2007, S. 39-77.

  • [17]

     Caro Baroja (wie Anm. 15), Bd. II S. 22-23. In den Prozessakten aus spanischen Inquisitionstribunalen werden von den Angeklagten verschiedene Gründe angeführt, die sie dazu bewogen hatten, einen Pakt mit dem Teufel zu schließen, damit er sie in ihren Unternehmungen unterstützen sollte. Ein junger Mann von 16 Jahren gab etwa 1575 in Madrid zu, Teufel angerufen und ihnen Opfer dargebracht zu haben, damit sie ihn unsichtbar werden ließen und er sich auf diese Weise der geliebten Frau nähern könnte. Seine Anrufungen blieben jedoch letztlich erfolglos, da die Teufel seinen Körper nicht wie gewünscht für andere unsichtbar machten. Ein anderer Mann bezichtigte sich selbst in einem Brief einen Pakt geschrieben zu haben, in dem er dem Teufel für zwei Jahre seine Seele überlassen wollte. Im Gegenzug sollte der Teufel ihm so viel Geld geben, wie er wünschte und ihm das Amt eines Kanonikers verschaffen. Unterzeichnet hatte er den Pakt mit seinem eigenen Blut (Flores Arroyuelo (wie Anm. 1), S. 67-69).

  • [18]

     Caro Baroja (wie Anm. 15), Bd. II S. 40, zitiert neben anderen ähnlichen Fällen denjenigen einer Frau, die 1548 vor dem Inquisitionstribunal von Toledo angab, sie habe eine Zauberin um Hilfe gebeten, damit sie ihren Liebhaber, der sie verlassen hatte, zur Rückkehr bewegen sollte. Die Zauberin rief dazu die sieben Anführer der Teufel herbei, damit sie den „Diablo Cojuelo“, den hinkenden Teufel, zum Liebhaber der Frau entsenden sollten und er diesen wieder zu ihr zurückführe. Flores Arroyuelo (wie Anm. 1), S. 132-133; Tausiet (wie Anm. 16), S. 118-119.

  • [19]

     Luis Vélez de Guevara, El diablo cojuelo [EA 1641]. Edición, introducción y notas de Enrique Miralles (Clásicos Universales Planeta, Autores Hispanos 115), Barcelona 1986.

  • [20]

     Caro Baroja (wie Anm. 15), Bd. I S. 130-131; Flores Arroyuelo (wie Anm. 1), S. 184, 240-244; Gareis (wie Anm. 2), S. 51; Iris Gareis, Drama, Spanish, in: Richard M. Golden (Hrsg.), Encyclopedia of Witchcraft: The Western Tradition, 4 Bde., Santa Barbara u.a. 2006, S. 295-296, hier S. 296; Aldo Ruffinato, El santo, el diablo y la “sutil nigromancia“ (Notas sobre el Fausto español del Siglo de Oro), in: F. Javier Blasco/Ermanno Caldera/Joaquín Alvarez Barrientos/Ricardo de la Fuente (Hrsg.), La comedia de magia y de santos, Madrid 1992, S. 83-95, hier S. 85-89.

  • [21]

     Gareis (wie Anm. 20), S. 295; Alexander Augustine Parker, The Theology of the Devil in the Drama of Calderón, London 1958.

  • [22]

     Parker (wie Anm. 21), S. 3.

  • [23]

     Francisco Gómez de Quevedo y Villegas, 1580-1645.

  • [24]

     Der spanische Titel lautet: “De la endemoniada fingida”. S. hierzu Flores Arroyuelo (wie Anm. 1), S. 178.

  • [25]

     César Oliva, La práctica escénica en fiestas teatrales previas al Barroco. Algunas referencias a muestras hechas en la región de Murcia, in: José María Díez Borque (Hrsg.), Teatro y fiesta en el Barroco – España e Iberoamérica, Madrid 1986, S. 96–114, hier S. 104-106.

  • [26]

     Oliva (wie Anm. 25), S. 96, 104-105.

  • [27]

     Oliva (wie Anm. 25), S. 104-106.

  • [28]

     Rosa María Acosta de Arias Schreiber, Fiestas coloniales urbanas (Lima – Cuzco – Potosí), Lima 1997, S. 57-62; Rafael Ramos Sosa, Arte festivo en Lima virreinal (siglos XVI – XVII), Sevilla 1992, S. 205-215.

  • [29]

     Karin Hellwig, Francisco Pacheco: Die Aufwertung des Porträts in der spanischen Kunsttheorie (1649), in: Rudolf Preimesberger/Hannah Baader/Nicola Suthor (Hrsg.), Porträt (Geschichte der klassischen Bildgattungen in Quellentexten und Kommentaren Bd. 2, Berlin 1999, S. 337-348.

  • [30]

     Francisco Pacheco, Arte de la pintura, 2 Bde., Madrid 1956, Lib.III Cap.XI S. 200-206.

  • [31]

     Flores Arroyuelo (wie Anm. 1), S.10, 27.

  • [32]

     Gareis (wie Anm. 2), S. 51-52.

  • [33]

     Iris Gareis, Religiöse Spezialisten des zentralen Andengebietes zur Zeit der Inka und während der spanischen Kolonialherrschaft (Münchner Beiträge zur Amerikanistik Bd. 19), Hohenschäftlarn 1987, S. 203-204; Wolfgang Reinhard, Missionaries, Humanists and Natives in the Sixteenth-Century Spanish-Indies―a Failed Encounter of Two Worlds?, in: Renaissance Studies 6:3-4 (1992), S. 360-376, hier S. 364-366.

  • [34]

     Pierre Ragon, «Démonolâtrie» et démonologie dans les recherches sur la civilisation mexicaine au XVIe siècle, in: Revue d’Histoire Moderne et Contemporaine 35 (1988), S. 163-181, hier S. 164-166.

  • [35]

     José de Acosta, De Procuranda Indorum Salute. Predicación del Evangelio en las Indias (Colección España Misionera), Introducción, traducción y notas por Francisco Mateos, Madrid 1952, Lib.II Cap.XVII S. 209-212, Lib.V Cap.IX S. 457-462, Lib.VI Cap.XII S. 563-564.

  • [36]

     Pierre Duviols, La lutte contre les religions autochtones dans le Pérou colonial. L’extirpation de l’idolâtrie entre 1532 et 1660 (Travaux de l’Institut Français d’Etudes Andines 13), Lima/Paris 1971, S. 23-48. Es ist hierbei allerdings zu unterscheiden zwischen der These Acostas von der satanischen Mimesis und der weiteren Ausdeutung in Richtung auf eine Diabolisierung der indigenen Religionen und ihrer Gläubigen bis hin zur Gleichsetzung mit der europäischen Vorstellung von der Hexensekte (Vgl. hierzu auch Fermín del Pino Díaz, Inquisidores, misioneros y demonios americanos, in: Fermín del Pino Díaz (Hrsg.), Demonio, religión y sociedad entre España y América (Biblioteca de Dialectología y Tradiciones Populares XXXV), Madrid 2002, S. 139-160, hier S. 151-160).

  • [37]

     Gareis (wie Anm. 2), S. 53.

  • [38]

     Cervantes (wie Anm. 3), S. 13-16; Donald Robertson, Mexican Manuscript Painting of the Early Colonial Period. The Metropolitan Schools (Yale Historical Publications, History of Art 12), New Haven 1959, S. 52-55.

  • [39]

     Iris Gareis, Repression and Cultural Change: The “Extirpation of Idolatry” in Colonial Peru, in: Nicholas Griffiths/Fernando Cervantes (Hrsg.), Spiritual Encounters. Interactions Between Christianity and Native Religions in Colonial America, Birmingham 1999, S. 230-254, hier S. 232-237.

  • [40]

     Gareis (wie Anm. 39), S. 237.

  • [41]

     Das Dokument wurde veröffentlicht in Pierre Duviols, Cultura andina y represión. Procesos y visitas de idolatrías y hechicerías, Cajatambo, siglo XVII, Cuzco 1986, S. 113.

  • [42]

     Autos criminales seguidos contra Domingo Atuncar, indio del pueblo de Moche; Don Miguel de Cruz Chumbe Guamán, oriundo del pueblo de este nombre y contra Juan Catacaos, por el delito de practicar la hechicería, Moche 28.II.1771, Archivo Arzobispal de Trujillo (im Folgenden: AAT), Idolatrías, Folios 32, hier fol. 20v-21v.

  • [43]

     Gareis (wie Anm. 2), S. 55.

  • [44]

     Expediente seguido contra María de la O Perfecta, del pueblo de San Pedro, sobre supersticiones e irreligión, San Pedro de Lloc 16.V.1786, Fs.38, AAT, Idolatrías, fol.1r, 2v-3r, 4r.

  • [45]

     Autos seguidos contra María de la Encarnación Chaihuac, conocida por la Oyola; Ana María Norberta é Ylario de la Vega, alias Befete, indios del pueblo de Paiján por el crimen de supersticiones, Paiján 1.IV.1774, Fs.23, AAT, Idolatrías, fol.1r-2r, 16r.

  • [46]

     Autos seguidos contra María de la Encarnación et al. (wie Anm. 45), fol.2r-2v, 11v-12v.

  • [47]

     Gareis (wie Anm. 2), S. 45-47.

  • [48]

     Felipe Guaman Poma de Ayala, El Primer Nueva Corónica y Buen Gobierno (Colección América Nuestra, América Antigua 31), hg. von John V. Murra/Rolena Adorno, México 1980, S. 636 fol.674 (688), 876 fol.936 (950).

  • [49]

     Teresa Gisbert, Iconografía y mitos indígenas en el arte, La Paz 1994 (1. Ed. 1980), S. 79-80.

  • [50]

     Amédée François Frezier, Relation du Voyage de la mer du Sud aux cotes du Chili, du Perou, et du Bresil. Fait pendant les années 1712, 1713 & 1714, par M. Frezier, Ingenieur Ordinaire du Roi, Tome premier, Amsterdam 1717, S. 328-335.

  • [51]

     Othón Arróniz, Teatro de evangelización en Nueva España, México 1979, S. 85-89, passim.

  • [52]

     Baltasar Jaime Martínez Compañón, Trujillo del Perú a fines del siglo XVIII. Dibujos y acuarelas que mandó hacer el obispo Baltasar Jaime Martínez Compañón. Editado por Jesús Domínguez Bordoña, Madrid 1936, Lám.LVII T II., S. 145.

  • [53]

     Gisbert (wie Anm. 49), S. 87-88; Luis Millones, Los demonios de la Virgen, in: Iris Gareis (Hrsg.), Entidades maléficas y conceptos del mal en las religiones latinoamericanas / Evil entities and Concepts of Evil in Latin American Religions (BAS 45), Aachen 2008, S. 87-100, hier S. 87-90.

  • [54]

     Solange Alberro, Inquisición y sociedad en México, 1571-1700, México 1988, S. 183, 190, 305-307; Cervantes (wie Anm. 3), S. 80-97; Iris Gareis, La magia del amor o las herederas de la Celestina en el Nuevo Mundo, in: María Susana Cipolletti (Hrsg.), Los mundos de abajo y los mundos de arriba. Individuo y sociedad en las tierras bajas, en los Andes y más allá. Tomo de homenaje a Gerhard Baer en su 70 cumpleaños, Quito 2004, S. 529-554, S. 535, 539-541.

  • [55]

     In zahlreichen Inquisitionsprozessen wegen Zauberei gaben die meist weiblichen Beschuldigten an, sie hätten an verschiedenen Orten ihr magisches Wissen erworben, wobei Cartagena de Indias als Durchgangsstation besonders häufig genannt wurde. So wurde etwa die Witwe Catalina de Mena aus Sevilla, die zum Zeitpunkt des Prozesses (1595) in Potosí ansässig war, von einer Zeugin in Cartagena beschuldigt, sie hätte sie verschiedene Divinationspraktiken lehren wollen (Relaciones de procesos y causas de fe, 1587-1599, Archivo Histórico Nacional (Madrid) (im Folgenden AHN), Inquisición, Libro 1028, fol. 552r). Ein weiteres Beispiel aus der Fülle der Dokumentation betrifft einen gewissen Pedro Luis, der sich 1592 vor dem Tribunal in Lima wegen zauberischer Praktiken und häretischer Äußerungen zu verantworten hatte. Auch er hatte sich zuvor in Cartagena aufgehalten und bereits dort magische Rituale zur Teufelsbeschwörung und Schatzsuche ausgeführt (Ib., fol. 211r, 222v).

  • [56]

     Relaciones de procesos y causas de fe, 1570-1580, Tribunal de Lima, Fs. 645, AHN, Inquisición, Libro 1027, fol. 86r-v.

  • [57]

     Relaciones de procesos (wie Anm. 56), fol. 6v.

  • [58]

     Relaciones de procesos (wie Anm. 56), fol. 134r-136v.

  • [59]

     In weiblichen Lebenswelten war die Trennung der sozialen Schichten in den spanischen Kolonialgesellschaften Amerikas weniger strikt als unter der männlichen Bevölkerung. Insbesondere bei der Ausübung magischer Praktiken fanden sich Frauen aus unterschiedlichen sozialen und ethnischen Bevölkerungsgruppen zusammen. Vgl. dazu Iris Gareis, Frauenkulturen im spanischen Kolonialreich. Transkulturalität, Geschlechterrollen und weibliche Identität in einer neuen Welt, in: Martina Ineichen/Anna K. Liesch/Anja Rathmann-Lutz/Simon Wenger (Hrsg.), Gender in Trans-it. Transkulturelle und transnationale Perspektiven, Beiträge der 12. Schweizerischen Tagung für Geschlechtergeschichte, Zürich 2009, S. 183-190.

  • [60]

     Declaración y denunciación que hizo Juana de Mayo, natural de Ica, contra María de la Cruz, por hechicera, Lima 1668, Archivo Arzobispal de Lima, Hechicerías e Idolatrías Leg.7 Exp.VI, Fs. 69, fol. 17v-18r.

  • [61]

     So weist zum Beispiel die Gestalt des Tío in bolivianischen Bergwerken äußerlich die Merkmale des Teufels europäischen Zuschnitts auf, doch verkörpert er zugleich die Berggottheiten, die in vorkolonialer Zeit als die Hüter der Schätze im Innern der Erde galten (Iris Gareis, Hexen und Teufel in Lateinamerika, in: Silke Seybold (Hrsg.), All About Evil – Das Böse, Mainz 2007, S. 100-107, hier S. 105-106). Vgl. hierzu auch: Andrew Canessa, Alteridad y maldad en los Andes meridionales: el caso del “kharisiri”, in: Iris Gareis (Hrsg.), Entidades maléficas y conceptos del mal en las religiones latinoamericanas/Evil Entities and Concepts of Evil in Latin American Religions (Bonner Amerikanistische Studien 45), Aachen 2008, S. 101-118, S. 107.

  • [62]

     Vgl. hierzu Helmut Schindler, Ni negro ni blanco: Mapurey y otros númina de los mapuche chilenos, in: Iris Gareis (Hrsg.), Entidades maléficas y conceptos del mal en las religiones latinoamericanas/Evil Entities and Concepts of Evil in Latin American Religions (Bonner Amerikanistische Studien 45), Aachen 2008, S. 119-137. Umgekehrt wurde auch der europäische Teufel in Amerika im Lauf der Jahrhunderte mit Merkmalen ausgestattet, die eher denjenigen eines Trickster glichen, als der frühmodernen Teufelsvorstellung zu entsprechen (Millones (wie Anm. 53), S. 96).

  • [63]

     Gareis (wie Anm. 2), S. 56; Gareis (wie Anm. 5), S. 261.

Empfohlene Zitierweise

Gareis, Iris: Feind oder Freund? Der Teufel in Spanien und in der Neuen Welt im 16.‑18. Jahrhundert. In: @KIH-eSkript. Interdisziplinäre Hexenforschung online 3, 2011, Heft 1, Sp. 77-84, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/9107/

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Erstellt: 06.10.2011

Zuletzt geändert: 10.04.2012