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Familienpakt 

 

Allgemein: Abkommen zwischen zwei (oder mehreren) dynastisch verbundenen Ländern bzw. Herrschaften mit unterschiedlichen Beistandsvereinbarungen.  

Im Besonderen werden die drei geheimen Abkommen der französischen und spanischen Bourbonen von 1733 IX 7, 1743 X 25 und 1761 VIII 15 als Familienpakte bezeichnet.

Der erste Familienpakt wurde als Ausdruck gemeinsamer Ziele in einem frühen Stadium des Polnischen Erbfolgekrieges unterzeichnet. Neben ewiger Freundschaft wurde gegenseitige Hilfe in folgender Weise vereinbart: Spanien stand Frankreich gegen Großbritannien bei, während Frankreich Spanien bei der Rückgewinnung von Territorien in Italien unterstützte.  

Der zweite Familienpakt war ebenfalls gegen Großbritannien gerichtet und wurde während des Österreichischen Erbfolgekriegs unterzeichnet. Vereinbart wurde die Kriegserklärung Frankreichs an Großbritannien sowie die Hilfe Frankreichs bei der Wiedereroberung Gibraltars und Menorcas. Außerdem sagte Frankreich den Spaniern Unterstützung für die Beendigung des Asientovertrages mit Großbritannien zu, der den Briten 1713 auf 30 Jahre das Recht eingeräumt hatte, Spanisch-Amerika mit afrikanischen Sklaven zu versorgen sowie einmal jährlich ein Schiff mit 500 Tonnen Waren zur Vermarktung nach Spanisch-Amerika zu schicken. 

Erreicht werden konnte die Installation des spanischen Infanten Karl, des späteren Karl III. auf dem Thron Neapels. Außerdem wurde im Frieden von Aachen (1748 X 18) dem Infanten Don Felipe Parma, Piacenza und Guastalla zugesprochen. Die Aufhebung der Asientovereinbarungen mit Großbritannien konnte nicht durchgesetzt werden, ganz im Gegenteil wurde ebenfalls im Frieden von Aachen die Erfüllung der fehlenden vier Jahre des Vertrags festgeschrieben.

Der dritte Familienpakt vereinbarte ein Eingreifen Spaniens in den Siebenjährigen Krieg am 1.5.1762 und legte verschiedene Streitigkeiten bei. Militärisch war der Vertrag ein Fiasko (Verlust Manilas und Havannas an die Engländer), doch resultierte eine engere Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten, die bis 1790 währte, so dass beide eine einheitliche Front in der europäischen Diplomatie bilden konnten (siehe auch => Handelsvertrag).  

Verfasser: Andrea Weindl 

 

Literatur: 

Woodfine, Philip, Family Compact, in: Jeremy Black, Roy Porter: A dictionary of Eighteenth-Century World History, Oxford, Cambridge Mass. 1994, S. 241. 

Ramon Menendez de Pidal: Historia de España, Tomos XXIX (S. 613, 628), XXX (S. 74, 108, 118, 353), Madrid 1998.

 

 

 



Erstellt: 07.03.2007

Zuletzt geändert: 07.03.2007