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Droit d’aubaine (lat. jus albinagii, it.: albinaggio; dt.: Fremdlingsrecht) 

 

Ursprünglich das Recht vor allem des frz. Königs Güter eines verstorbenen Fremden einzuziehen, der keine legitimen oder testamentarischen Erben im Gastland hinterlassen hatte. Das droit d’aubaine beschränkte sich jedoch nicht auf Frankreich, sondern wurde auch in anderen europäischen Ländern ausgeübt.  

Im Mittelalter wurde das droit d’aubaine zunächst von den Fürsten und Herren des Landes wahrgenommen. Als Fremder (aubain, lat. albinus, vermtl. von alibi natus) galt derjenige, der dem Herrn, in dessen Land er sich aufhielt, nicht persönlich Untertan war. Fremde hatten eine den Unfreien angeglichen Rechtstellung und besaßen weder aktive noch passive Erbfähigkeit. Seit dem 13. Jh. behielten sich immer häufiger der frz. König, aber auch andere Souveräne in Europa vor, Fremde aufzunehmen und das droit d’aubaine auszuüben. Auch wenn sich die Rechtstellung der Fremden sukzessive verbesserte, hatte das droit d’aubaine auch in der Neuzeit weiterhin Gültigkeit und konnte fremde Kaufleute, Unternehmer und Handwerker sowie Inhaber von Renten- und Anleihentitel vor ernsthafte Probleme stellen, vor allem im Zuge der fortschreitenden Intensivierung des internationalen Handels und der sich entwickelnden Zahlungssysteme. 

Nach und nach verzichteten Souveräne auf ihr Recht oder verlangten lediglich eine Prozentuale vom Wert des Erbes (in Frankreich z.B. 5 %). Vor allem im Laufe des 18. Jh. im Zusammenhang mit den Ideen der Aufklärung – u.a. sah man nun persönliches Eigentum als natürliches Recht des Menschen – wurde immer häufiger das droit d’aubaine mittels Staats- und Handelsverträgen aufgehoben. So verzichtete beispielsweise der frz. König auf dieses Recht bei Bürgern aus Genf (1608), Holland (1685), England (1739), Dänemark (1742) und auch Neapel (1762). Nach der Französischen Revolution wurde das droit d’aubaine zunächst in Frankreich und im Laufe des 19. Jh. vollständig abgeschafft. 

Die Aufhebung des droit d’aubaine ist Ausdruck einer besonders engen Beziehung zwischen zwei Herrschern. Entsprechend ist in den => Präambeln solcher => Verträge von Freundschaft und Eintracht zu lesen, weshalb sie im weiteren Sinne als Friedensverträge zu betrachten sind.  

Verfasser: Peter Seelmann 

 

Literatur: 

Sahlins, Peter, Unnaturally French: Foreign Citizens in the Old Regime and After, Ithaca 2004. 

Rapport, Michael, Nationality and Citizenship in Revolutionary France: The Treatment of Foreigners 1789-1799, Oxford, 2000, LexMA.  

Koehler, B. Fremdenrecht, in: HRG, Bd. 1, 1971, Sp.1266-1270.  

Schnitzler, Adolf, Fremdenrecht, in: Wörterbuch des Völkerrechts, Hg.: Karl Strupp, Hans-Jürgen Schlochauer, Bd. 1, Berlin 1960, S. 566  



Erstellt: 26.07.2006

Zuletzt geändert: 23.08.2006