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Beglaubigungsmittel (Glaubwürdigkeit) 

 

In Urkunden werden zum Zwecke des Beweises schriftlich rechtserhebliche Gedankeninhalte fixiert. Um ihre Beweisfunktion erfüllen zu können, muss deren Träger (Aussteller) eindeutig erkennbar sein. Da jedoch die Verwendung von Schrift für die alltäglichen Angelegenheiten eine gewisse Leichtigkeit der Herstellung voraussetzt, besteht ein Fälschungsrisiko. Um diesem entgegenzuwirken, wurden schon seit der Antike Maßnahmen entwickelt, welche die Glaubwürdigkeit einer Urkunde gewährleisten sollten:  

Zu solchen Beglaubigungsmitteln gehören 

  1. Deponierung der Urkunde bei einer dritten Person (z.B. einem Zeugen); 

  2. Mehrfache Ausfertigungen, die an alle Beteiligten ausgegeben wurden; 

  3. Das aus England stammende Chirographum (Zester, Kerbschnitturkunde): Vertragstext,  der mehrmals neben- oder untereinander auf ein Blatt geschrieben und dann so auseinander geschnitten wurde, so dass mehrere einzelne Urkunden entstanden, die nur an der gemeinsamen Schnittkante einwandfrei zusammenpassen;

  4. Nennung von Zeugen. Im Streitfall öffnete die Urkunde den Weg zu den Zeugen, welche die Rechtshandlung bezeugen konnten; 

  5. => Subscriptio (Unterschrift):  

  • des Ausstellers (der Aussteller) in verbaler Form oder als Zeichen (=> Signum/Siegel, Monogramm, Rota mit Devise des betreffenden Papstes); 

  • Kanzleivermerke und Rekognationszeile (Zeichen des Kanzleileiter oder Notars, das aus einer Graphischen Umformung der Worte „rognovi“ oder „subscripi“ gebildet wird); 

  • Schreiberunterschriften 

  • Unterschriften der Zeugen 

Von Bedeutung waren für die Vertragsurkunden der Frühen Neuzeit die Unterschrift (Suscriptio) und das Siegel, weshalb diese beiden Beglaubigungsmittel unter dem jeweiligen Lemma gesondert behandelt werden.  

Verfasser: Peter Seelmann 

 

Literatur: 

Jenks, Stuart, http://www.phil.uni-erlangen.de/~p1ges/quellen/pub/urkundenlehre.html
Eingesehen am: 15. August 2006.

Frenz, Thomas, Urkundenlehre, in: HRG, Bd. 5, 1998, Sp. 584-591.  

Brandt, Ahasver von, Werkzeug des Historikers, 13. Aufl., Berlin1993.  

Bittner, Ludwig, Die Lehren von den völkerrechtlichen Vertragsurkunden, Stuttgart – Leipzig – Berlin 1924.  

 



Erstellt: 26.07.2006

Zuletzt geändert: 23.08.2006