Verlauf

Verlauf der Revolution

V. Radikalisierung: Terreur und Tugend (1793/94) 

 

Ab Sommer 1793 trat die Revolution in ihre labilste Phase ein: äußerlich bedroht von der Koalition der gegnerischen Monarchien, innerlich vom Bürgerkrieg, den politischen Polarisierungen und der verschärften Wirtschaftskrise, griff die Revolutionsregierung zu radikalen Maßnahmen und errichtete eine Notstandsdiktatur. 

 

1. Republik im Belagerungszustand 

bedrohliche Wirtschaftslage 

Die ökonomische Situation der jungen Republik war aufgrund der Kriegswirtschaft und der politischen Neuerungen schwieriger denn je. Die Inflation stieg mit der Verbreitung der Assignaten, Grundnahrungsmittel wurden immer teurer, Kapitalflucht und Steuerhinterziehung vergrößerten das Haushaltsloch zusätzlich.  

militärische Niederlagen 

In der ersten Hälfte des Jahres 1793 hatte das Kriegsglück die französischen Armeen wieder verlassen. Bei Neerwinden in den Österreichischen Niederlanden mussten sie im März eine schwere Niederlage hinnehmen und wurden im Laufe des Sommers wieder an die Grenzen Frankreichs zurückgedrängt.  

allgemeine Wehrpflicht 

Die Revolutionsregierung reagierte darauf mit neuen Freiwilligenaushebungen für den "Volkskrieg für die Freiheit", konnte aber nicht die intendierten 300.000 Mann mobilisieren. Im August wurde deshalb die allgemeine Wehrpflicht für alle unverheirateten Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren eingeführt (Levée en masse), was die Stärke der Armeen auf 800.000 Soldaten anwachsen ließ. 

Entmachtung der Girondisten 

Mit der Verschlechterung der militärischen Lage verloren die Girondisten, die zu den engagiertesten Befürwortern des Krieges gehörten, deutlich an Prestige. Als sie zudem gegen die "Linke" vorgingen und Hébert, den Wortführer der Volksbewegung, verhaften ließen, gärte es in den Pariser Clubs und Sektionen. 

Wieder waren es die Sansculotten, die in der angespannten Situation des Frühsommers 1793 mit einem Volksaufstand (31. Mai - 2. Juni 1793) eine Änderung der Machtverhältnisse herbeiführten. Etwa 80.000 Sansculotten und Nationalgardisten belagerten am 31. Mai den Konvent und erzwangen die Auflösung des Regierungsausschusses sowie den Ausschluss von 73 protestierenden Gironde-Abgeordneten. 

Am 2. Juni wiederholte sich das Schauspiel, mit dem Ergebnis, dass nun weitere führende Girondisten verhaftet wurden. Einige von ihnen wurden wenige Monate später hingerichtet (darunter auch Brissot).  

 

2. Provisorische Revolutionsregierung 

Montagnards-/ Jakobiner- Konvent 

Nach der Ausschaltung der Girondisten übernahmen die Montagnards, zu einem Großteil Mitglieder des Jakobiner-Clubs, die Führungsrolle im Konvent. Unter dem Druck der Sansculotten forcierten sie revolutionäre Maßnahmen und nutzten verstärkt die schon im Frühjahr eingerichteten Ausschüsse und Komitees als Instrumente der provisorischen Notstands-Regierung.  

Notstands-
diktatur

Diese wurde im Oktober und Dezember 1793 durch Dekrete "bis zum Friedensschluss" institutionalisiert, ohne dass sie jedoch durch die Verfassung legitimiert gewesen wäre. Insgesamt gab es 21 Ausschüsse, de facto wurde die exekutive Gewalt aber von zweien ausgeübt: dem Wohlfahrtsausschuss (Comité du Salut Public) und dem Sicherheitsausschuss (Comité de la Sûreté Générale). 

Wohlfahrts-
ausschuss

Die zentrale Aufgabe des Wohlfahrtsausschusses war die "Abwehr innerer und äußerer Feinde der Revolution". Er traf alle wichtigen Entscheidungen, lenkte den provisorischen Vollzugsrat bzw. die Vollzugskommissionen, die an die Stelle der Exekutive (Regierung und Ministerien) getreten waren und kontrollierte alle Behörden. 

Die Konventsabgeordneten wählten monatlich neun, später zwölf Vertreter aus ihren Reihen in den Wohlfahrtsausschuss, den sie mit Sondervollmachten ausgestattet hatten. Trotz der theoretischen Kontrollfunktion des Konvents regierte der Wohlfahrtsausschuss weitgehend unabhängig. Die führenden Köpfe des Gremiums waren Robespierre, Couthon und Saint-Just.  

zentralistisches Überwachungs-
system

Der Sicherheitsausschuss war mit seiner Zuständigkeit für Polizeigewalt und Rechtsprechung das gefürchtete Instrument des Terrors. 

Um den Gang der Revolution im ganzen Land überwachen zu können, wurden Überwachungsausschüsse bzw. Revolutionskomitees in jeder städtischen Sektion und jeder Gemeinde eingerichtet. Sie kontrollierten die örtliche Verwaltung ebenso wie die Bürger und sorgten für die Durchführung der Terreur-Dekrete. Alle zehn Tage legten sie dem Sicherheitsausschuss einen Bericht vor. Als konkurrierende Institution überprüften zudem sog. Nationalagenten die Umsetzung der Gesetze und erstatteten ihrerseits Bericht. Die politische Kontrolle der Armeen übernahmen Revolutionskommissare bzw. "Volksvertreter in Mission" (mit weiten Vollmachten ausgestattete Regierungsgesandte). 

 

3. Maßnahmen der Revolutionsregierung 

dirigistische Wirtschaftspolitik 

Mit dirigistischen Wirtschaftsmaßnahmen - Zwangsanleihen, Festsetzung von Höchstpreisen ("kleines und "großes" Maximum), Ausgabe von Brotmarken, Einfrieren der Löhne - gelang es der Revolutionsregierung, die schlimmsten Engpässe zu beseitigen. 

Den Forderungen der Bauern kam man mit drei weiteren Erlassen entgegen: 

  • Veräußerung der Emigrantengüter in kleinen Parzellen 

  • Aufteilung der Allmende (Gemeindeland) zu gleichen   Teilen

  • entschädigungslose Aufhebung aller verbliebenen Herrenrechte  

     

militärische Erfolge 

Ab Mitte 1794 besserte sich auch die militärische Lage wieder. Die Revolutionsarmeen konnten am 26. Juni bei Fleurus einen entscheidenden Sieg über Österreich erringen und die österreichischen Niederlande annektieren. Von da an rückten die französischen Truppen expansiv in ganz Europa vor.  

Emigranten 

Der Status der Emigranten verschlechterte sich weiter: Hatte schon die Assemblée Nationale Législative die Emigration strafbar gemacht und mit Verbannung, Güterkonfiskation und Todesstrafe im Falle der Rückkehr belegt, so wurden die Emigranten während der Terreur völlig entrechtet. Entsprechend groß ist die Zahl der Flüchtenden in dieser Phase: 80% aller Emigranten verließen erst ab 1793 das Land. 

Kulturrevolution 

Auch auf kulturellem und geistigem Gebiet sollte eine Revolution, eine Umwertung der Werte, stattfinden. Für massive Dechristianisierungs-Bestrebungen setzte sich vor allem die Gruppe um Hébert ein. Als Religions-Ersatz wurde ein "Kult der Vernunft" eingeführt. Robespierre, der den Atheismus ablehnte, setzte jedoch später ein Dekret durch, das die Anerkennung eines "Höchsten Wesens" durch das französische Volk verordnete. 

Um den völligen Kontinuitätsbruch deutlich zu machen, versuchte die Regierung mit der Einführung des Revolutionskalenders eine neue Zeitrechnung zu etablieren, die den bisherigen Lebensrhythmus auflösen sollte.  

 

4. La Terreur 

Terror als Instrument der Schreckens- herrschaft 

Das berühmt-berüchtigte Werkzeug der Jakobiner-Herrschaft war die Terreur (Terror). Ursprünglich gedacht als Mittel, die Ordnung aufrecht zu erhalten und anarchische Gewalt, wie sie sich etwa bei den Septembermorden gezeigt hatte, zu unterbinden, diente der Terror nicht nur zu politischen Eingriffen auf wirtschaftlichem und militärischem Gebiet, sondern auch zur umfassenden Ausschaltung jeglicher Opposition. 

Gesetz über die Verdächtigen 

Grundlage dafür war zunächst das "Gesetz über die Verdächtigen" vom 17. September 1793, das die sofortige Verhaftung aller Verdächtigen erlaubte. Als verdächtig wurden alle angesehen, die sich durch ihr Verhalten oder ihre Äußerungen als "Parteigänger der Tyrannen" und "Feinde der Freiheit" erwiesen hatten.  

Prairial-Dekrete 

Das "Prairial-Dekret" vom 10. Juni 1794 verschärfte das Vorgehen gegen die "Feinde des Volkes" noch einmal. Als solche galten alle Anhänger der Monarchie, die Gegner der Republik bzw. des Konvents und seiner Politik; Definitionen also, die beliebig dehnbar und interpretierbar waren. Zudem war jeder Bürger zur Denunziation verpflichtet und besaß das Recht, die "Volksfeinde" festzunehmen.  

Ventôse-Dekrete 

Die sog. "Ventôse-Dekrete" (26. Februar / 3. März 1794) erlaubten es darüber hinaus, den Besitz der Verdächtigen zugunsten bedürftiger "Patrioten" zu beschlagnahmen. Sie stellten gleichzeitig den Gipfel der sozialen Zugeständnisse der Berg-Partei dar, sind aber bezeichnenderweise nie in Kraft getreten.  

Revolutions- tribunal 

Seit März 1793 war das Revolutionstribunal als Sondergerichtshof mit der Verurteilung der Feinde der Revolution betraut. Wer hier angeklagt war, hatte kein Recht auf anwaltliche Verteidigung oder Revision. Als Strafmaß war ausschließlich Freispruch oder Todesstrafe vorgesehen, das Urteil musste nach Schuldspruch innerhalb von 24 Stunden vollstreckt werden. Allein in den zwei Monaten des "großen Terrors" (Grande terreur) wurden 1376 Verurteilte auf der Guillotine, dem "Rasiermesser der Nation", hingerichtet 

Rechtfertigung des Terrors 

Robespierre, der führende Kopf des Wohlfahrtsausschusses, legitimierte den "Despotismus der Freiheit" als Kampf gegen die Tyrannei und verteidigte den "Schrecken" als notwendiges Instrument der Tugend. Das Ziel - die Erhaltung der Republik und der revolutionären Errungenschaften - rechtfertigte in seinen Augen die Mittel  

 

5. Bürgerkrieg 

Aufstände in den Provinzen 

Nicht das ganze Frankreich war bereit, dem Kurs der Pariser Notstandsdiktatur zu folgen. In den Provinzen machte sich seit dem Frühjahr 1793 die Unzufriedenheit über den zentralistischen Dirigismus der Jakobiner, die wachsenden Kriegslasten und die schlechte Wirtschsaftslage in regionalen Aufständen Luft. Direkter Auslöser waren in vielen Gegenden die Massenrekrutierungen für die Revolutionsarmeen.  

Trägergruppen 

Im Herbst 1793 hatte die Aufstandsbewegung 60 der 83 Départements erfasst. Vor allem im Nordwesten sowie im Süden und Südosten lehnten sich die religiös geprägte Landbevölkerung, Aristokraten, zurückgekehrte Emigranten, eidverweigernde Priester und entmachtete politische Gegenspieler der Jakobiner auf. Die örtlichen Vertreter der Pariser Regierung wurden verjagt bzw. in ihrer Arbeit behindert, in Lyon wurde das jakobinische Stadtregiment gestürtzt.  

Niederschlagung durch Konventstruppen 

Die Regierung reagierte mit großer Härte und ließ die Unruhen von einem massiven Aufgebot an Konventstruppen bis zum Dezember 1793 niederwerfen. Die entsandten Revolutionskommissare (Fouché, Carrier) setzten mit Strenge und Vergeltungsmaßnahmen die Autorität der zentralen Staatsmacht wieder durch.  


Abb. 1: Fouché

  

Vendée 

In der Vendée hatten die Regierungstruppen die größten Probleme, den Aufstand unter Kontrolle zu bringen, denn hier hatte er ein recht hohes Maß an Organisation und Schlagkraft erreicht: Bauernheere, Freikorps und abgezogene Fronttruppen hatten sich zu insgesamt drei gegenrevolutionären Armeen zusammengeschlossen, die von aristokratischen Offizieren geführt wurden. Vertreter und Anhänger der Republik wurden verfolgt und getötet, eine eigene royalistische Zivilverwaltung war im Aufbau. Der Konvent sah in dem Geschehen eine große Bedrohung und beschloss die systematische Zerstörung der Vendée. Dem umfassenden und vernichtenden Gegenschlag der Konventstruppen fielen Tausende von Menschen zum Opfer.  

Föderalisten 

Im Süden konzentrierte sich der Bürgerkrieg auf die Städte Marseilles, Toulon, Toulouse, Bordeaux, Nantes und Lyon, wo die Girondisten besonders stark gewesen waren, und wo deren Sturz die föderalistischen Kräfte gegen die Pariser Zentrale mobilisierte. Im Norden lehnte sich die Normandie auf und schickte eine kleine Armee Richtung Hauptstadt, die allerdings schnell gestoppt wurde. Im Herbst 1794 hatten die Konventstruppen in den meisten Gebieten wieder die Oberhand.  

 

6. Jakobiner-Verfassung von 1793 

republikanisch 

Am 10. August 1793 wurde die neue republikanische Verfassung im Rahmen einer feierlich inszenierten Zeremonie verkündet, nachdem sie das Volk durch ein Referendum angenommen hatte. Sie wurde jedoch bis zum Friedensschluss ausgesetzt und trat niemals in Kraft.  

Erweiterung der Menschenrechte 

Die Verfassung unterschied sich von ihrer Vorgängerin in erster Linie durch das Fehlen der monarchischen Spitze und durch das allgemeine Wahlrecht für alle männlichen Bürger über 21 Jahre. In Artikel 1 wurde als Staatsziel das "allgemeine Glück" festgeschrieben.  

Verfassungs-
organe

Die Menschen- und Bürgerrechtserklärung war um das Recht auf Arbeit, Unterricht, Versammlungsfreiheit und Unterstützung in Notlagen erweitert worden. Beim Eigentumsrecht wurden allerdings keine der Einschränkungen vorgenommen, wie sie Robespierre einige Zeit zuvor angedacht hatte. Obwohl die Prinzipien der Volkssouveränität und der Egalität betont wurden, stellte die neue Verfassung somit keinen Angriff auf die Interessen des Bürgertums dar. Die allgemeine Wehrpflicht wurde ebenfalls in die Verfassung aufgenommen. 

Die Exekutive sollte von einem "Vollzugsrat" ausgeführt werden, dessen Mitglieder aus Kandidaten der Departements der Nationalversammlung gewählt werden sollten und von denen im Halbjahres-Turnus jeweils die Hälfte ausgetauscht werden sollte. Auch die Mitglieder der Nationalversammlung sollten jährlich neu gewählt werden. Als Element der direkten Demokratie war unter bestimmten Bedingungen die Möglichkeit eines Volksentscheids durch die Urversammlungen der Wahlberechtigten der Kantone vorgesehen.  

 

7. Diktatur des Wohlfahrtsausschusses 

 

Obwohl der Konvent und die regierenden Ausschüsse dem Druck der Sansculotten-Bewegung immer wieder nachgegeben hatten, gelang es letztlich nicht, die radikalisierte Volksbewegung politisch zu kanalisieren und zu befrieden. Ein Versuch, die Macht der außerparlamentarischen Organe einzuschränken, war eine Verordnung, die den Sektionen nur noch zwei Treffen pro Dekade (d.i. zehn Tage) erlaubte. Die zunehmende Entfremdung zwischen den Volksmassen und der Führungsriege des Wohlfahrtsausschusses beschrieb Saint-Just mit den berühmten Worten:
"Die Revolution ist erstarrt." 

Richtungskämpfe der Jakobiner 

Nach der Entspannung der militärischen Lage Mitte 1794 kam es unter den Jakobinern selbst zu heftigen Richtungskämpfen, die öffentlich in Zeitungen und schließlich auch blutig auf der Guillotine ausgetragen wurden.  

Danton 

Um Danton gruppierten sich die Indulgents, die "Nachsichtigen", die nach dem notwendigen Terror eine Politik der Versöhnung und des innenpolitischen Ausgleichs anstrebten. 


Abb. 2: Danton

  

Hébert 

Hébert und die "Ultras" aus den Reihen des Cordeliers-Clubs hingegen versuchten, die politische Führung der Sansculotten-Bewegung zu übernehmen. Sie scheuten sich nicht davor, ab Februar 1794 auch offen gegen die Politik der Regierungsmehrheit zu kämpfen. Ihre politische Zielsetzung war neben der konsequenten
Dechristianisierung vor allem eine radikalere Sozialpolitik. Zu diesem Kreis gehörten auch die radikalsozialen Enragés um den Priester Jacques Roux. 


Abb. 3: Hébert

  

Robespierre 

Der dritte Protagonist, Robespierre, und seine Anhänger wollten den Terror bis zur endgültigen Rettung der Republik fortführen. Ihnen gelang es, die Opposition von rechts und von links als "Gefahr für das Vaterland" zu brandmarken und in den sog. "Germinal-Prozessen" Hébertisten und Dantonisten auszuschalten.  


Abb. 4: Robespierre

  

Germinal-Prozesse 

Der erste Schlag traf die Héberisten. Die Führungsgruppe der Linksopposition wurde am 14. März 1794 vor dem Versuch, eine weitere Volkserhebung zu organisieren, verhaftet. Man beschuldigte sie einer angeblichen Verschwörung mit dem Ausland und richtete sie zehn Tage nach ihrer Festnahme hin. Danton und seine Mitstreiter, darunter auch Camille Desmoulins, mussten am 5. April 1794 als "korrupte Terroristen" beschimpft das Schafott besteigen.  

"Grande Terreur" 

Die Hochphase des Terrors im Juni und Juli 1794 kostete viele Opfer. Auch die Commune wurde von "Anarchisten" befreit, niemand konnte sicher vor plötzlicher Verhaftung sein. Doch die blindwütigen Maßnahmen konnten den Machtzerfall der Robespierristen nicht aufhalten, die sich selbst isoliert hatten. 

Sturz und Hinrichtung Robespierres 

Robespierres Waffe richtete sich schließlich gegen ihn selbst: Am 9. Thermidor II (27. Juli 1794) wurde er im Konvent von seinen Gegenspielern, später "ThermidorianerÓ genannt, verhaftet und am darauffolgenden Tag nach einem fehlgeschlagenen Selbstmordversuch ohne Gerichtsurteil hingerichtet. Etwa 100 seiner Anhänger wurden ebenfalls mit dem Tode bestraft. Viele Menschen feierten das Ende der jakobinischen Schreckensherrschaft und tanzten befreit auf den Straßen.  

 

8. Fazit 

 

  1. Der radikale Terror zerstörte das Bündnis zwischen der vom Bürgertum getragenen "Verfassungsrevolution" und der "Volksrevolution". Ohne die Unterstützung der aktiven Volksmassen hatte die Notstandsdiktatur keine tragende Basis mehr. 

  2. Die Sansculotten-Bewegung sah ihre Wünsche nach umfassenderen Besitzumschichtungen und Sozialmaßnahmen nicht ausreichend erfüllt. Für Teile des Bürgertums hingegen war der soziale Umsturz zur Hauptbedrohung geworden und die Rückkehr zu Ruhe und Ordnung dringlichste Aufgabe. Da die Jakobiner selbst dem Bürgertum zuzurechnen waren, waren sie nur bedingt bereit, Eingriffe in die Eigentumsordnung durchzusetzen. 

  3. Dem Terror lag keine Staatstheorie der Jakobiner zugrunde, er entstand vielmehr aus der Hilflosigkeit der Handelnden angesichts der innen- und außenpolitischen Bedrohungssituation. 

  4. Die Zeitgenossen wie auch heutige Forscher diskutier(t)en die Notwendigkeit und die Berechtigung der Terror-Maßnahmen. Für viele ist die Revolution als Ganzes durch die Gewaltexzesse der Notstandsdiktatur diskreditiert. F. Furet / D. Richet z.B. sehen in der Terreur einen "kanalisierten Bürgerkrieg". Die Befürworter hingegen, darunter auch moderne Historiker wie A. Soboul, rechtfertigen die Terror-Maßnahmen als staatspolitische Notwendigkeit, ohne die die existentiell bedrohte Revolution gescheitert wäre. Diese divergierenden Interpretationen spiegeln immer auch unterschiedliche politische Ansätze wider. 

 

Empfohlene Zitierweise

Büttner, Sabine: V. Radikalisierung. Aus: Die Französische Revolution - eine Online-Einführung: Verlauf, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/480/

Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.



Erstellt: 22.12.2005

Zuletzt geändert: 27.06.2006