Biographien

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Kurzbiogramm - Mme de Staël 

Anne Louise Germaine Necker, Baronne de Staël-Holstein; * 22.04.1766 Paris; + 13.07.1807 Paris 

Schriftstellerin 

Anne Louise Germaine Necker wird am 22. April 1766 in Paris als Tochter des Schweizer Bankiers und späteren Finanzministers unter Ludwig XVI. (1754-1793) Jacques Necker (1732-1804) und dessen Frau Suzanne Curchod (1739-1794) geboren. Sie erhält eine protestantische Erziehung, die sich in hohem Maße der Philosophie der Lumières verpflichtet weiß. Unter Aufsicht ihrer Mutter lernt Germaine bereits in jungen Jahren Englisch und Latein, erwirbt Kenntnisse in Musik, Tanz, Theater und Literatur. 

Der literarische Salon Suzanne Neckers, der unter anderem dazu dient, die politische Karriere des Vaters zu lancieren, zählt zu den besten Adressen im Paris des Ancien Régime. Zu den illustren Gästen gehören neben den Enzyklopädisten Diderot (1713-1784) und d’Alembert (1717-1783), Buffon (1707-1788), Grimm (1723-1807), Meister (1744-1826), Mably (1709-1783), Raynal (1713-1793), Bernardin de Saint-Pierre (1737-1814), Mme Geoffrin (1699-1777) und Mme Du Deffand (1732-1776). Als Jacques Necker 1776 trotz ausländischer Herkunft und konfessioneller Differenzen das Finanzministerium übertragen wird, ist seine Tochter zehn Jahre alt. Der Necker’sche Salon öffnet sich nunmehr den Kreisen der französischen Diplomatie.  

Da Germaine von Beginn an Zugang zu den Gesellschaften hat, macht sie bereits in jungen Jahren Bekanntschaft mit der philosophischen und politischen Elite des Landes. Darüber hinaus beginnt sie, gefördert durch ihre literarisch interessierte Mutter, zu schreiben. 1786 heiratet Germaine den 17 Jahre älteren schwedischen Botschafter am Hof Ludwig XVI., Eric-Magnus Baron de Staël-Holstein (1749-1802). Die liberal gesinnte 20-jährige Baronin eröffnet infolge einen eigenen Salon, der den ihrer Mutter an Einfluss übertrifft. Sie empfängt unter anderem La Fayette (1757-1834), Noailles (1756-1804), Clermont-Tonnerre (1747-1792), Condorcet (1743-1794), Louis de Narbonne (1755-1813), Mathieu de Montmorency (1767-1826) sowie Talleyrand (1754-1838).  

Die schriftstellerische Laufbahn der Mme de Staël beginnt nach einigen Porträts und Tragödien mit einer Schrift über ihren Lieblings-Autor Jean Jacques Rousseau. Die „Lettres sur les ouvrages et le caractère de Jean Jacques Rousseau“ erscheinen 1788 in einer Erstauflage von 20 Exemplaren. Die noch im gleichen Jahr neu aufgelegten und weit verbreiteten „Lettres“ werden besonders in ihrer Auslegung der Rousseau’schen Gedanken zur gesellschaftlichen Stellung der Frau diskutiert. Als begeisterte Anhängerin der Philosophie der Lumières hegt Germaine de Staël zunächst Sympathie für die 1789 ausbrechende Revolution. Sie unterstützt die politische Aktivität ihres Vaters bis zu dessen endgültiger Entlassung im September 1790. Aufgrund ihrer Befürwortung einer konstitutionellen Monarchie vermag sie sich jedoch weder dem Lager der Republikaner noch dem des Adels anzuschließen. Zudem beobachtet sie mit Sorge die Emigration großer Teile ihres Bekanntenkreises. Schockiert über die Septembermorde (02.-05.09.1792) beschließt sie schließlich, ebenfalls das Land zu verlassen. 

Zusammen mit Vater zieht sie sich auf den Necker’schen Familiensitz in der Schweiz zurück. In Coppet verfasst sie 1793 die „Réflexions sur le procès de la Reine“, in denen sie anhand des manipulierten Prozesses gegen Marie Antoinette (1755-1793) erneut die gesellschaftliche Situation der Frau problematisiert. Nach dem Sturz Robespierres (1758-1794) am 27. Juli 1794 hält sich Germaine de Staël für kurze Zeit in Paris auf. Sie eröffnet einen Salon in der Rue du Bac, zieht sich jedoch bald darauf erneut zu ihrem Vater in die Schweiz zurück. Ihr Versuch, als Frau aktiven Einfluss auf die Politik nach der Grande Terreur auszuüben, scheitert am Widerstand der Direktoriumsgesellschaft, die ihr schließlich den Aufenthalt in der Hauptstadt untersagt. Ihre von Liberalismus und gesellschaftlicher Emanzipation geprägten Salons werden als Keimzellen des Widerstands empfunden. 

Die schriftstellerische Produktion der Jahre 1794-1799 umfasst unter anderem den literaturtheoretischen „Essai sur les fictions“ (1795), der 1796 von Johann Wolfgang Goethe (1749-1832) ins Deutsche übersetzt wird. Neben Goethe beginnen sich fortan auch Friedrich Schiller (1759-1805) und Wilhelm von Humboldt (1767-1835) für die Publikationen von Germaine de Staël zu interessieren. Im gleichen Jahr veröffentlicht sie die moralische Abhandlung „De l’influence des passions sur le bonheur des individus et des nations“, die zu den Vorboten der europäischen Romantik zählt. Darüber hinaus setzt sie sich weiterhin kritisch mit den politischen Verhältnissen auseinander. Die unveröffentlichte Studie „Des circonstances actuelles qui peuvent achever la Révolution“ (1798) plädiert für einen Republikanismus, der sich von den extremen Positionen der Terreur sowie der Royalisten distanziert. 

Mit dem Napoleonischen Staatsstreich vom 18. Brumaire (09.11.1799) beginnt sich die Lage für Germaine de Staël erneut zu komplizieren. Der Erste Konsul (1769-1821) hat nicht nur eine ausgeprägte Abneigung gegenüber Frauen in der Politik. Er erblickt darüber hinaus im Salon von Mme de Staël ein konspiratives Potenzial. Bereits kurz nach Amtsantritt lässt er den Kreis um die Schriftstellerin überwachen. Letztere veröffentlicht 1800 mit „De la littérature dans ses rapports avec les institutions“ eine einflussreiche Studie zur Literatur- und Geistesgeschichte, die bereits wesentliche Programmpunkte der romantischen Bewegung enthält. Deren Freiheitsgedanke sowie die Parteinahme für die Philosophie des 18. Jahrhunderts sind jedoch nicht mit der Haltung Napoleons vereinbar. Auch der äußerst erfolgreiche und der „France silencieuse“ gewidmete Briefroman „Delphine“ (1802) missfällt dem Konsul, da er mit Emigration, Liberalismus, Anglomanie, Protestantismus und Ehescheidung ein Bündel unbequemer politischer und sozialer Fragen aus der Revolutionszeit aufgreift. 

Napoleon sucht infolgedessen nach einem Vorwand um sich der prominenten Salonnière zu entledigen. Als Jacques Necker 1803 seine „Dernières vues de politique et de finance“ publiziert, beschuldigt er dessen Tochter der Mitautorschaft und zwingt sie ins Exil. Germaine de Staël emigriert daraufhin nach Italien und Deutschland, wo sie am Weimarer Hof die persönliche Bekanntschaft Goethes, Schillers, Wielands (1733-1813) und August Schlegels (1767-1845) macht, zu dem sie eine enge Freundschaft entwickelt. Nach dem Tod ihres Vaters kehrt sie 1804 ins schweizerische Coppet zurück. Unter ihrer Schirmherrschaft entwickelt sich die „groupe de Coppet“ zum intellektuellen Zentrum der Romantik. Der 1807 veröffentlichte Roman „Corinne ou l’Italie“ wird ein europaweiter Erfolg. Die zunehmende Bedrohung durch das napoleonische Regime zwingt Germaine de Staël 1808 jedoch zu einer erneuten Emigration nach Deutschland. 

1810 begibt sich die Autorin unerkannt nach Paris, um ihren Roman „De l’Allemagne“ in Druck zu geben. Die gesamte Erstauflage von 2000 Exemplaren wird jedoch von Fouché (1759-1820) konfisziert und verbrannt. Germaine de Staël wird daraufhin auf ihrem Landsitz unter Arrest gestellt und mit einem Schreibverbot belegt. Napoleon unterbindet darüber hinaus den persönlichen Kontakt zu nahen Freunden wie Montmorency, Mme Récamier (1777-1849) oder Schlegel und verhindert die Aufnahme ihres Sohnes Auguste (1790-1827) in die Ecole Polytechnique. Um der Isolation in Coppet zu entgehen, heiratet Mme de Staël 1811 heimlich den jungen Schweizer Offizier de Rocca, mit dem sie im darauffolgenden Jahr über Österreich, Russland und Schweden nach England flieht. In London macht sie die Bekanntschaft des späteren Ludwig XVIII. (1755-1824). Sie erkennt jedoch frühzeitig, dass letzterer nicht die von ihr herbeigesehnte konstitutionelle Monarchie errichten wird. 

Im Zuge der Restauration lässt sich Germaine de Staël definitiv in Frankreich nieder. Ihre letzten Lebensjahre verbringt sie mit der Niederschrift der „Considérations sur la Révolution française“ (1818), eines reflektierenden Rückblicks auf die politischen Umwälzungen des ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhunderts sowie ihrer Memoiren „Dix années d’exil“ (1821), deren Veröffentlichung sie jedoch nicht mehr erlebt. Germaine de Staël stirbt am 13. Juli 1817 in Paris. 

Literatur 

Béatrix Andlau: Madame de Staël, Nyon 1975. 

Ghislain de Diesbach: Madame de Staël, Paris 1983. 

J. Christopher Herold: Madame de Staël, München 1982. 

J. Christopher Herold: Mistress to an age, a life of Madame de Staël, New York 2002. 

Corinne Pulver: Madame de Staël, München u.a. 1982. 

Renee Winegarten: Mme de Staël, Leamington Spa u.a. 1985. 

Quellen 

Corinne ou l’Italie

Considérations sur les principaux événements de la Révolution française

Delphine. Édition revue et corrigée, terminée par un nouveau dénouement, et précédée de réflexions sur le but moral de l'ouvrage. 

Tome I

Tome II

Tome III

Lettres sur l'Angleterre / par A. de Staël-Holstein

Delphine : éd. revue et corr., terminée par un nouveau dénouement, et précédée de réflexions sur le but moral de l'ouvrage. Tome premier / par Mme la baronne de Staël

Delphine . Tome second / éd. revue et corrigée, terminée par un nouveau dénouement, et précédée de réflexions sur le but moral de l'ouvrage par Mme la baronne de Staël

Delphine : éd. revue et corrigée, terminée par un nouveau dénouement, et précédée de réflexions sur le but moral de l'ouvrage. Tome troisième / par Mme la baronne de Staël

Corinne ou L'Italie / Madame de Staël ; nouv. éd. revue avec soin et précédée d'observations par Mme Necker de Saussure et M. Sainte-Beuve,...

Lettres sur les ouvrages et le caractère de J.J. Rousseau / Mme la Baronne de Staël

Réflexions sur la paix adressées à M. Pitt et aux Français / par Madame de Staël

Réflexions sur le procès de la Reine par une femme / [Madame de Staël]

Compte-rendu au roi, janvier 1781 / [Jacques Necker] ; [éd. par Auguste-Louis Staël-Holstein]

Considérations sur les principaux événemens de la Révolution françoise . Tome second / ouvrage posthume de madame la baronne de Staël ; publ. par M. le duc de Broglie et M. le baron de Staël

Considérations sur les principaux événemens de la Révolution françoise . Tome troisième / ouvrage posthume de madame la baronne de Staël ; publ. par M. le duc de Broglie et M. le baron de Staël

Contes fantastiques / [Mme de Staël, Apulée, Hoffmann...[et al.]

Les auteurs allemands : expliqués d'après une méthode nouvelle, par deux traductions françaises, l'une littérale et juxtalinéaire... l'autre correcte et précédée du texte allemand... / de Schiller ; trad. par Th. Fix. précédé de l'Analyse littéraire de Marie Stuart / par Mme de Staël

Guillaume Tell / Friedrich von Schiller ; trad. de l'allemand par Th. Fix ; préf. de G. de Staël

Faust / de Goethe. précédé d'une notice sur l'auteur. et suivi de l'analyse et du jugement de Mme de staël sur cet ouvrage

Courte réplique à l'auteur d'une longue réponse [le marquis de Champcenetz] / par Mme la baronne de..... [Germaine de Staël-Holstein]

Lettres sur les ouvrages et le caractère de J.-J. Rousseau

Considérations sur les principaux événements de la Révolution française / par G. de Staël ; éd. par le duc de Broglie et le Baron de Staël

Corinne ou l'Italie / G. de Staël

 

Lars Schneider 

Empfohlene Zitierweise

Schneider, Lars: Staël, Mme de, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/613/

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Erstellt: 04.01.2006

Zuletzt geändert: 04.01.2006