historicum.net
Direktlink für Screenreader:Themen-Navigation|Text

Kurzbiogramm – Robespierre
Maximilien Marie Isidore de Robespierre; * 6.5.1758 Arras; 28.7.1794 Paris (hingerichtet)
Präsident des Jakobinerclubs; Mitglied des Wohlfahrtsausschusses
Robespierre, dessen Vater Advokat ist, entstammt einer Notarsfamilie. Nach erfolgreichem Abschluss seiner juristischen Studien wirkt er als Strafverteidiger in Arras und verfasst Abhandlungen über politisch-theologische Themen. Zugleich veröffentlicht er Gedichte.
1789 wird er als Abgeordneter des Dritten Standes in die Generalstände, wo er entschieden demokratische Ideen vertritt, und 1790 zum Vorsitzenden des Jakobinerclubs gewählt. Seit 1791 besitzt Robespierre bei der Pariser Bevölkerung den Ruf eines unbestechlichen Verteidigers des Volkes und ist eine unbestrittenen moralische Autorität. Robespierre vertritt politisch die Vorstellung einer unteilbaren Demokratie, deren Fundament das allgemeine und direkte Wahlrecht, das Recht auf Arbeit und persönliche Freiheit bilden.
In seiner Eigenschaft als Mitglied des Wohlfahrtsausschusses organisiert er sowohl den Krieg gegen die äußere Bedrohung des revolutionären Frankreichs als auch gegen die Aufstände in der Vendée und die girondistische Agitation. Dies führt zur Ausschaltung der girondistischen Opposition, deren Vertreter in der Zeit vom 31. Mai bis 2. Juni 1793 hingerichtet werden.
Robespierre vertritt die Unterordnung des Einzelnen unter den Willen der Republik als Weiterentwicklung rousseauschen Gedankenguts und fordert zugleich in der Terreur die Reinigung des Staates von potentiellen und realen Feinden. Für Robespierre stellen Tugend und Schrecken die wesentlichen Motoren der Revolutionsregierung dar, als deren Gegner er Moderantismus und Ultrarevolutionäre betrachtet. Dies führt zur Konfrontation mit Danton, der hingerichtet wird, und der Pariser Commune, aus der Robespierre als Sieger und wichtigster Mann des Wohlfahrtsausschusses hervorgeht.
Im Sinne einer "Vereisung" der Revolution lässt Robespierre vier republikanische Feiertage einführen und dekretiert im Mai 1794 die Idee eines Höchsten Wesens und die Unsterblichkeit der Seele, um auf diese Weise den staatsbürgerlichen Tugenden eine Basis zu schaffen. Dies führt allerdings weder zu einer Einschränkung des Terrors noch zur Ruhigstellung des radikal atheistischen Flügels der Montagnards.
Robespierres Sturz wird durch seine Weigerung ausgelöst, die Terreur zu beenden, da er militärische Erfolge und das unnachgiebige Vorgehen gegen den inneren Gegner als voneinander untrennbar ansieht. Die Situation spitzt sich zu, als am 10. Juni 1794 die letzten Verfahrensgarantien für Verhaftete abgeschafft werden und die Immunität der Abgeordneten in Frage gestellt wird. Den Ausschlag für den Sturz Robespierres gibt seine Forderung nach einer Reinigung von Wohlfahrtsausschuss und Konvent am 26. Juli 1794. Die Gruppe der Montagnards, die auf die einende Kraft der Kriegsbegeisterung vertraut und die Terreur als Bedrohung auch der eigenen Existenz ansieht, lässt Robespierre am 27. Juli 1794 verhaften und am nächsten Tag, dem 10. Thermidor des Jahres II der Republik, ohne Gerichtsverhandlung und ohne Urteil hinrichten. Ob Robespierre zuvor versucht, sich das Leben zu nehmen, lässt sich nicht mehr eindeutig klären.
Das literarische Nachleben Robespierre ist in der englischen und deutschen Literatur intensiver als in der französischen. So wird er bereits 1794 in einem englischen Drama zur Bühnenfigur, und Georg Büchner weist ihm 1835 in "Dantons Tod" eine wichtige Rolle als Antipode Dantons zu.
Literatur
Alphonse Aulard: Les orateurs de la Constituante, Paris 1882, 512-540.
Ders.: Les orateurs de la Législative et de la Convention, Paris 1886, 354-422.
Hector Fleischmann: Robespierre et les femmes, Paris 1909.
Marc Gallo: Robespierre, Paris 1968.
Gérard Walter: Robespierre, 2 Bände, Paris 1961.
Quellen
Stefan W. Römmelt
Empfohlene Zitierweise
Römmelt, Stefan W.: Robespierre, M.M., in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/609/
Bitte setzen Sie beim Zitieren dieses Beitrags hinter der URL-Angabe in runden Klammern das Datum Ihres letzten Besuchs dieser Online-Adresse.
Erstellt: 04.01.2006
Zuletzt geändert: 04.01.2006
Index
- Babeuf, F.N.
- Bailly, J.S.
- Barras, P.F.
- Beaumarchais, P.-A.
- Brissot, J.P.
- Chateaubriand, F.R.
- Chénier, A.M.
- Cloots, J.B.
- Condorcet, M.J.
- Corday, C.
- Danton, G.-J.
- Desmoulins, C.
- Fontanes, de J.-P.
- Fouché, J.
- Gorsas, A.J.
- Gossec, F.-J.
- Gouges, M.O. de
- Grégoire, H.
- Guillotin, J.-I.
- Hébert, J.-R.
- Joséphine
- Karl X.
- Lafayette, M.J.
- Le Peletier, L.M.
- Ludwig XVI.
- Ludwig XVIII.
- Marat, J.P.
- Marie Antoinette
- Méricourt, T.
- Mirabeau, A. B.
- Mirabeau, H.-G.
- Napoleon
- Necker, J.
- Robespierre, M.M.
- Sade, F. de
- Saint-Just, L.-A.
- Sieyès, E.J.
- Staël, Mme de
- Talleyrand, C.M.
- Vergniaud, P.V.




