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Kurzbiogramm – Necker
Jacques Necker; * 10.09.1732 Genf; + 09.04.1804 Coppet.
Financier; Minister unter Ludwig XVI.
Jacques Necker kommt am 10. September 1732 in Genf als Sohn eines aus Küstrin stammenden Professors der Rechtswissenschaften zur Welt. Im Anschluss an die Schulzeit ist er bei einer Genfer Bank beschäftigt. 1750 übersiedelt er auf Empfehlung seiner Eltern zum Genfer Bankier Vernet nach Paris.
Als letzterer 1762 aus dem Geschäftsleben ausscheidet, stellt er seinem Schüler eine stattliche Summe zu Verfügung. Diese erlaubt es Necker, ein eigenes Bankhaus zu eröffnen, das schnell an Bedeutung gewinnt. Die Hauptaktivitäten der Bank bestehen aus Handelsspekulationen mit Saatgut und Kreditgeschäften mit der Regierung Ludwigs XVI.
Parallel zum geschäftlichen Aufstieg führt Necker ein herrschaftliches Leben. 1764 heiratet er in die Familie Curchot ein. Sein Haus entwickelt sich in der Folgezeit zu einer Anlaufstelle für Philosophen und Schriftsteller. Darüber hinaus ist Necker als Freund Choiseuls (1760-1838) und Gläubiger Terrays ein genauer Beobachter der Regierungsgeschäfte.
Als sein politischer Gegner Turgot (1727-1781) im September 1774 in einer seiner ersten Amtshandlungen als Finanzminister die unbegrenzte Freiheit des Saatguthandels dekretiert, bedroht dies die bis dahin erfolgreichen Spekulationen des Bankhauses Necker. Als Turgot nach dem Scheitern seiner innenpolitischen Reform bereits am 12. Mai 1776 entlassen wird, soll fortan der Bankier mit den Staatsfinanzen betraut werden. Da Necker aber Ausländer und zudem Protestant ist, überträgt Ludwig XVI. (1754-1793) den offiziellen Titel des Generalinspektors der Finanzen jedoch seinem Staatsrat Tabureau des Réaux, dem Necker zunächst ab dem 22. Oktober 1776 als Schatzmeister, dann ab dem 29. Juni 1777 als Generaldirektor der Finanzen zur Seite steht.
Necker übt seinen Regierungsposten insgesamt vier Jahre aus und ist bestrebt, den defizitären Staatshaushalt der Regierung auszugleichen. Zugleich versucht er, die öffentliche Meinung für seine Tätigkeit zu gewinnen. Sein „Compte-rendu au roi“ (1781) ist die erste Veröffentlichung eines Staatshaushalts in der französischen Geschichte. Obwohl der Bericht geschönt ist – die Militärausgaben bleiben unerwähnt, und die Höhe der Staatseinnahmen wird nach oben korrigiert-, beläuft sich das Hauhaltsdefizit auf sechs Millionen Pfund. Dabei sorgen besonders die Ausgaben für den Hof für nachhaltige Empörung in Reihen des Bürgertums sowie des niederen Adels.
Die brüskierte Königin Marie Antoinette (1755-1793) setzt daraufhin 1781 beim König die Entlassung Neckers durch, der sich anschließend über sieben Jahre von den Staatsfinanzen fernhält. Am 25. August 1788, als sich der Staatsbankrott abzeichnet und der Beschluss zur Einberufung der Generalstände (États généraux) gefallen ist, wird er jedoch erneut ins Amt berufen. Er folgt damit auf vier Minister - Joly de Fleury, d’Omesson, Calonne, Loménie de Brienne -, die zur zusätzlichen Verschlechterung des Haushalts beigetragen hatten. Die Berufung Neckers sorgt für einen letzten Vertrauensschub in der Finanzwelt. Führende Banken und Handelshäuser strecken dem Staat die Summe von 65 Millionen Pfund vor.
Als sich die Nationalversammlung (Assemblée nationale) am 9. Juli 1789 zur Verfassungsgebenden Versammlung (Assemblée nationale constituante) erklärt, ist die politische Revolution vollzogen. Der König unternimmt indes einen letzten Versuch, seine Macht zu erhalten, indem er Necker am 11. Juli 1789 aus seinem Amt entlässt. Da die Pariser Bevölkerung mit ungeahnt heftigen Aufständen und dem Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789 reagiert, entschließt sich Ludwig, den soeben Entlassenen am 25. Juli 1789 zurückzuberufen.
Allerdings kann Necker den Posten in den Revolutionswirren nicht halten. Er kehrt daraufhin unbeachtet in seine Schweizer Heimat zurück. Seine Karriere als Minister der Finanzen ist beendet. Bis zu seinem Tod am 09. April 1804 lebt der Bankier auf seinem Landsitz in Coppet, der sich unter seiner Tochter, Mme de Staël (1766-1817), zu einem Zentrum der europäischen Romantik entwickelt.
Literatur
Jean Denis Bredin: Une singulière famille. Jacques Necker, Suzanne Necker et Germaine de Staël, Paris 1999.
Roger Caratini: Dictionnaire des personnages de la Révolution, Montréal 1988.
Jean Egret: Necker, ministre de Louis XVI. 1776-1790, Paris 1975.
Quellen
Necker, Jacques, De la Révolution françoise / par M. Necker, [S.l.] : Pergamon press, cop. 1989.
Lars Schneider
Empfohlene Zitierweise
Schneider, Lars: Necker, J., in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/608/
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Erstellt: 04.01.2006
Zuletzt geändert: 13.12.2007
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