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Kurzbiogramm - Marie Antoinette
Marie Antoinette [Maria Antonia Josepha von Habsburg-Lothringen]; * 02.11.1755 Wien; + 16.10.1793 Paris (hingerichtet)
Marie Antoinette kommt am 2. November 1755 in Wien als jüngste Tochter des römisch-deutschen Kaisers Franz I. (1708-65) und dessen Frau Maria Theresia (1717-80) zur Welt. Ihre Kindheit verbringt sie weitgehend unbeachtet am elterlichen Hof.
1768 wird auf Betreiben Choiseuls (1719-85), Minister unter Ludwig XV. (1710-74), die Heirat des französischen Dauphins mit einer Tochter Maria Theresias beschlossen. Ziel ist die Festigung des seit 1765 bestehenden Bündnisses mit Österreich. Die Wahl fällt auf Maria Antonia, deren bis dahin vernachlässigte Erziehung daraufhin forciert wird. Ungeachtet der intensiven Vorbereitungen auf die Rolle als zukünftige Königin Frankreichs gilt ihr eigentlichen Interesse jedoch Spielen und Festen.
Am 19. April 1770 wird in der Wiener Augustinerkirche die Prokura-Trauung des Paares vollzogen, wobei Maries Bruder, Erzherzog Ferdinand, den abwesenden Dauphin vertritt. Nach ihrer feierlichen Reise nach Frankreich heiratet die 15-jährige Marie Antoinette am 16. Mai 1770 den um ein Jahr älteren französischen Thronfolger und späteren Ludwig XVI. (1754-93) in der Schlosskapelle von Versailles.
Beim Regierungsantritt Ludwigs am 10. Mai 1774 erfreut sich das junge Königspaar zunächst einer gewissen Beliebtheit im Volk. Diese schlägt jedoch in Ablehnung um, als die Ehe wider Erwarten über einen Zeitraum von acht Jahren kinderlos bleibt. Parallel dazu gerät die als oberflächlich und hochmütig geltende Marie Antoinette angesichts des defizitären Staatshaushalts besonders durch ihre Verschwendungssucht in Verruf. Am Hof steht sie aufgrund ihrer Herkunft im Zentrum einer „parti autrichien“, die der „parti anti-autrichien“ um den Comte de Provence (1755-1824), den Prince de Condé (1736-1818) und den Duc d’Orléans (1747-93) in wechselseitigen Intrigen begegnet.
Die hohen Ausgaben Marie Antoinettes und ihre zeitweise Missachtung der höfischen Etikette fördern eine Vielzahl an Gerüchten um ihren Lebenswandel, die 1785 durch die sogenannte Halsbandaffäre, eine unglückliche Bestätigung erfahren. Im Zuge des von der Hochstaplerin Jeanne de la Motte angezettelten Betrugs um ein kostbares Diamantenhalsband zieht die - unschuldige - Königin den Hass der entrüsteten Bevölkerung auf sich. Hinzu kommt, dass Ludwig XVI. keinerlei direkte Maßnahmen zu ihrer Verteidigung ergreift.
Nach Ausbruch der Revolution wird die königliche Familie am 6. Oktober 1789 gezwungen, Versailles zu verlassen und in den Pariser Tuilerien zu residieren. Bereits im Vorfeld ist Marie Antoinette bestrebt, die Haltung Ludwigs gegenüber der Nationalversammlung zu beeinflussen. Sie verhindert unter anderem die Anhörungen von Mirabeau (1749-91), Lafayette (1757-1834) und Duport (1759-98). Gleichzeitig steht sie, beraten von ihrem Vertrauten, dem Grafen von Fersen (1755-1810), in engem Kontakt zum österreichischen Hof. Fersen bereitet auch den Fluchtversuch der Königsfamilie vor, der allerdings am 21. Juni 1791 in Varennes scheitert.
Nach misslungener Flucht beginnt Marie Antoinette ein Doppelspiel, indem sie einerseits eine offizielle Korrespondenz im Sinne der gemäßigten Revolutionäre führt, vertreten durch Barras (1755-1828), und andererseits inoffiziell mit ihrem Bruder Joseph II., dem römisch-deutschen Kaiser, korrespondiert. Ihr Ziel ist die Rettung des französischen Königtums, die sie von einer militärischen Intervention Österreichs und Preußens erhofft. Das Manifest des Herzogs von Braunschweig vom 25. Juli 1792, das am 1. Juli 1792 bekannt wird, trägt jedoch nachhaltig zur Destabilisierung der politischen Lage in der französischen Hauptstadt bei.
Nach dem Sturm auf die Tuilerien, am 10. August 1792, wird die königliche Familie zunächst in der Nationalversammlung inhaftiert und von dort aus, am 13. August, in den Temple verlegt, dem Pariser Ordenshaus der Tempelritter. Marie Antoinette wird im Anschluss zunächst von ihrem Mann, dann auch von ihrem zweiten Sohn, der nach dem Tod seines älteren Bruders im Juni 1789 zum Thronfolger avanciert war, getrennt verwahrt.
Ein Jahr später, am 1. August 1793, beschließt die Convention auf Betreiben Barères (1755-1841), nach Ludwig XVI. auch die ehemalige Königin wegen konterrevolutionärer Aktivitäten vor das Revolutionsgericht zu zitieren. Marie Antoinette wird daraufhin bis zu ihrem Prozess in die Conciergerie verlegt. Am 14. Oktober 1793 eröffnet der öffentliche Ankläger Fouquier-Tinville (1746-95) die etwa 15-stündige Verhandlung. Marie Antoinette sieht sich mit einer Vielzahl belastender Aussagen konfrontiert, die nur zum Teil sachlich zutreffen. Unter anderem treten Lecointre (1742-1805) sowie der ultrarevolutionäre Hébert (1757-94) in den Zeugenstand.
Letzterer will die Stimmung gegen die Angeklagte aufheizen, indem er sie beschuldigt, ein inzestuöses Verhältnis zu ihrem jüngeren Sohn unterhalten zu haben. Wider Héberts Erwarten provozieren seine Anschuldigungen jedoch Sympathiebekundungen zugunsten der sich stolz und würdevoll verteidigenden Ex-Königin. Dessen ungeachtet ist Marie Antoinette nicht in der Lage, das vorab entschiedene Verfahren in ihrem Sinne zu beeinflussen. So wird die Ex-Königin wegen Landesverrats zum Tode verurteilt – ohne dass bekannt ist, dass sie die französischen Feldzugspläne den Österreichern zugespielt hatte.
Am 16. Oktober 1793 stirbt Marie Antoinettes auf der Place de la Révolution [Place de la Concorde] unter der Guillotine. Auf ihrem Weg durch die Menge beindruckt ihr ebenso mutiges wie würdevolles Auftreten. Der Tod des Königspaares wird in der Folgezeit von den Anhängern der Monarchie zum Martyrium stilisiert.
Literatur
Roger Caratini: Dictionnaire des personnages de la Révolution, Montréal 1988.
Ian Dunlop: Marie Antoinette. A portrait, London 1993.
Evelyne Lever: Marie-Antoinette, Paris 1991.
Claude Manceron: La Révolution Française. Dictionnaire Biographique, Paris 1989.
Peter C. Hartmann (Hg.): Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498-1870, München 1994.
Weitere wissenschaftsgeschichtliche Studien dieser Art könnten hier Abhilfe schaffen.
Quellen
Marie-Antoinette d'Autriche, reine de France, à la nation
Marie-Antoinette, Joseph II. und Leopold II. : ihr Briefwechsel / hrsg. von Alfred Ritter von Arneth
L'institutrice et son élève, ou Dialogues à l'usage des jeunes demoiselles / [M. A. Le Noir]
Lars Schneider
Empfohlene Zitierweise
Schneider, Lars: Marie Antoinette, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/603/
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Erstellt: 04.01.2006
Zuletzt geändert: 21.08.2006
Index
- Babeuf, F.N.
- Bailly, J.S.
- Barras, P.F.
- Beaumarchais, P.-A.
- Brissot, J.P.
- Chateaubriand, F.R.
- Chénier, A.M.
- Cloots, J.B.
- Condorcet, M.J.
- Corday, C.
- Danton, G.-J.
- Desmoulins, C.
- Fontanes, de J.-P.
- Fouché, J.
- Gorsas, A.J.
- Gossec, F.-J.
- Gouges, M.O. de
- Grégoire, H.
- Guillotin, J.-I.
- Hébert, J.-R.
- Joséphine
- Karl X.
- Lafayette, M.J.
- Le Peletier, L.M.
- Ludwig XVI.
- Ludwig XVIII.
- Marat, J.P.
- Marie Antoinette
- Méricourt, T.
- Mirabeau, A. B.
- Mirabeau, H.-G.
- Napoleon
- Necker, J.
- Robespierre, M.M.
- Sade, F. de
- Saint-Just, L.-A.
- Sieyès, E.J.
- Staël, Mme de
- Talleyrand, C.M.
- Vergniaud, P.V.


