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Kurzbiogramm - Marat
Jean-Paul Mara, genannt Marat;
* 24.5.1744 Boudry/Neuchâtel (Schweiz); 13.7.1793 Paris (ermordet)
Publizist; Mitglied des Nationalkonvents
Marat ist Sohn eines sardinischen Einwanderers. Von 1759 bis 1762 unterrichtet er als Hauslehrer in Bordeaux und geht bis 1775 in Paris und London hauptsächlich medizinischen Studien nach. Bereits in den 70er Jahren verfasst er den Briefwechsel "Aventures du jeune comte Potowsky", der 1848 veröffentlicht wird, sowie die materialistische Schrift "De l'homme" und "Les chaines de l'esclavage", eine Abhandlung über den Parlamentarismus. Von 1777 bis 1784 wirkt Marat als Militärarzt beim Grafen von Artois (1757-1836), wo er eine große Zahl von prominenten Patienten behandelt. Die wissenschaftliche Anerkennung bleibt ihm jedoch versagt, da seine physikalischen Experimente in der Académie des sciences auf geringen Widerhall stoßen.
Zu Beginn der Revolution gehört der gebildete Kleinbürger Marat nicht zu den gesellschaftlich einflussreichen Kreisen. Bereits 1789 vertritt er eine republikanische Ideologie, die er in der von ihm herausgegebenen Zeitung "l'Ami du peuple", die von 1789 bis 1793 erscheint, propagiert. Nach seiner Wahl zum Deputierten bekennt sich Marat offen zur Notwendigkeit einer revolutionären Diktatur und tritt 1793 dafür ein, den adligen Grund- in Staatsbesitz zu überführen. Die Revolutionstheorie, die Marat vertritt, stellt die Kristallisation der Revolution in den Vordergrund. Als Mittel hierzu dienen die Volkserhebung und die Säuberung von allen revolutionsfeindlichen Elementen.
Als Charlotte Corday d'Armans (1768-1793), eine adlige Anhängerin der von Marat befehdeten Girondisten, den Volkstribun im Bad erdolcht, hat dessen schwere Erkrankung seine Einflussnahme auf die politische Willensbildung bereits erheblich eingeschränkt.
Seine Ermordung macht Marat, dessen Leichnam ins Pantheon überführt wird, zum Märtyer der Revolution und sichert seinen Nachruhm. So wird das Bild "Die Ermordung Marats" von Jacques Louis David (1748-1825) zu einer Ikone der Revolution.
Zahlreiche Schriftsteller nehmen sich des Schicksals Marats an. Bereits 1794 wird eine klassizistische Marat-Tragödie von J. B. Salles veröffentlicht, die ihn entheroisiert und zugleich den politischen Charakter des Vorgangs verdeutlicht. Eine ähnliche Tendenz prägt das Marat/Sade-Stück von Peter Weiss. Die romantischen Bearbeitungen des Stoffes im 19. Jahrhundert verfolgen hingegen eine individualisierende Tendenz.
Literatur
Jean-Claude Bonnet: La Mort de Marat, Paris 1986.
Pierre Caron: Les Massacres de Septembre, Paris 1935.
Robert Darnton: Literaten im Untergrund, München 1985.
Louis R. Gottschalk: Jean-Paul Marat: A Study in Radicalism, New York 1927.
Marie-Hélène Huet: Rehearsing the Revolution: The Staging of Marat´s Death, 1793-1797, Berkeley 1982.
Ernest Krivanec: Jean-Paul Marat. Leben und Werk, Genf 1988.
Jean Massin: Marat, Paris 1960.
Gérard Walter: Marat, Paris 1933.
Quellen
[Le] moniteur patriote, Publication Num. BNF de l'éd. de Paris : [s.n.], 1789.
[Brochures sur les fêtes en l'honneur de Lepeletier et Marat]
Optique de Newton . Tome premier / trad. nouv. faite par M*** [Marat]... ; éd. par M. Beauzée,...
Optique de Newton . Tome second / trad. nouv. faite par M*** [Marat]... ; éd. par M. Beauzée,...
Stefan W. Römmelt
Empfohlene Zitierweise
Römmelt, Stefan W.: Marat, J.P., in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/602/
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Erstellt: 04.01.2006
Zuletzt geändert: 04.01.2006
Index
- Babeuf, F.N.
- Bailly, J.S.
- Barras, P.F.
- Beaumarchais, P.-A.
- Brissot, J.P.
- Chateaubriand, F.R.
- Chénier, A.M.
- Cloots, J.B.
- Condorcet, M.J.
- Corday, C.
- Danton, G.-J.
- Desmoulins, C.
- Fontanes, de J.-P.
- Fouché, J.
- Gorsas, A.J.
- Gossec, F.-J.
- Gouges, M.O. de
- Grégoire, H.
- Guillotin, J.-I.
- Hébert, J.-R.
- Joséphine
- Karl X.
- Lafayette, M.J.
- Le Peletier, L.M.
- Ludwig XVI.
- Ludwig XVIII.
- Marat, J.P.
- Marie Antoinette
- Méricourt, T.
- Mirabeau, A. B.
- Mirabeau, H.-G.
- Napoleon
- Necker, J.
- Robespierre, M.M.
- Sade, F. de
- Saint-Just, L.-A.
- Sieyès, E.J.
- Staël, Mme de
- Talleyrand, C.M.
- Vergniaud, P.V.




