Biographien

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Kurzbiogramm – Hébert 

Jacques-René Hébert; * 15.11.1757 Alençon; 24.03.1794 Paris (hingerichtet). 

Ultrarevolutionärer Journalist; Anführer der "Hébertisten" 

Jacques-René Hébert verbringt eine schwierige Jugend in seiner Heimatstadt Alençon, wo er am 15. November 1757 als Sohn eines Goldschmieds geboren wird. Als man ihn nach seiner Schulzeit des Diebstahls bezichtigt, kommt es zu einem Prozess, der sein Elternhaus finanziell ruiniert. Aufgrund der behördlichen und familiären Auseinandersetzungen beschließt er, seine Heimatstadt zu verlassen, und führt zunächst ein unstetes Leben in der Provinz, das er mit diversen Gelegenheitsarbeiten finanziert. 

Am Vorabend der Revolution hat sich der mittlerweile in ärmlichen Verhältnissen lebende Hébert in Paris niedergelassen. Sein vorteilhaftes Äußeres und seine spitze Zunge verhelfen ihm zu wachsender Popularität innerhalb der Clubs. Mit einigen zynischen Pamphleten debütiert er 1790 als Journalist, bevor er im November des Jahres eine eigene Zeitung, den Père Duchesne, herausgibt. Als Antwort der "Clubistes" auf ein gleichnamiges Blatt, das sich für die konstitutionelle Monarchie engagiert, entwickelt sich Héberts Père Duchesne innerhalb weniger Ausgaben zu einem hocheinflussreichen und finanziell ertragreichen Organ der Revolution. Gleichzeitig macht die Zeitung ihren Herausgeber zu einem prominenten Mitglied der Cordeliers. 

In der zeitgenössischen Presselandschaft zeichnet sich Héberts aggressive, anarchistische Zeitung durch einen besonders derben Sprachgebrauch aus, mit dem er vor allem die niederen Gesellschaftsschichten erreichen und mobilisieren will ["Il faut jurer avec ceux qui jurent."]. Seine bewusst ins Vulgäre driftenden Aufrufe zu Aufstand und Gewalt erweisen sich bei diversen Anlässen als gleichermaßen effizientes wie gefürchtetes Mittel zur Beeinflussung der Massen und tragen unter anderem am 10. August 1792 maßgeblich zum Sturm auf die Tuilerien bei. 

Im Anschluss an dieses Ereignis wird Hébert als Vertreter der Sektion Bonne-Nouvelle in die Pariser Kommune gewählt, wo er am 02. Dezember 1792 das Amt des stellvertretenden Staatsanwaltes übernimmt. In der Folgezeit findet der populäre Journalist in Cloots (1755-1794), Vincent (1749-1817), Ronsin (1752-1794) und Rossignol (1759-1802) einen Kreis Gleichgesinnter, der ihn in seinen erbitterten Initiativen gegen die Girondisten unterstützt. Letztere setzen sich zur Wehr, indem sie am 24. Mai 1793 die Verhaftung Héberts und seiner Mitarbeiter dekretieren. Angesichts des enormen Drucks von Seiten der Sektionen sowie der Kommune, sieht sich der Konvent jedoch gezwungen, den populären Publizisten bereits drei Tage später zu entlassen. 

Erneut auf freiem Fuß, setzt Hébert mit Hilfe des Père Duchesne den Kampf gegen die Girondisten mit unnachgiebiger Hartnäckigkeit fort. Als die Sansculotten am 31. Mai 1793 drohend den Konvent umstellen, um gegen die Girondisten zu protestieren, ist das Ziel erreicht. Am 02. Juni beschließt der Konvent das Verbot der Gruppierung. Politisch gestärkt, befürwortet Hébert am 17. September 1793 das Inkrafttreten des Gesetzes über die Verdächtigen [Loi des Suspects], das mit seiner vagen Definition von "Verdächtigen" die rechtliche Grundlage für die Grande Terreur (10.06. - 17.07.1794) unter Robespierre (1758-1794) darstellt. 

Obwohl der Père Duchesne nach dem Sturz der Girondisten verhältnismäßig moderate Töne anschlägt, indem er sich vereinzelt gar gegen Gewalt ausspricht, wird die Auslieferung des Organs im Oktober 1793 vom Comité de Surveillance verboten. Auf Drängen der Jakobiner wird das Verbot jedoch kurz darauf wieder aufgehoben. Die Zeitung setzt daraufhin die politische Agitation unter ihrem Herausgeber in gewohnt aggressiver Manier fort. 

Im Zuge des am 14. Oktober 1793 eröffneten Gerichtsverfahrens gegen die Ex-Königin Marie-Antoinette (1755-1793) erscheint Hébert mit einer spektakulären Anschuldigung im Zeugenstand, die ihr Ziel allerdings weit verfehlt. Gestützt auf eine Anzahl von Schriftstücken, die eine erschlichene Unterschrift des minderjährigen Dauphins (1785-1795) tragen, bezichtigt er die Ex-Königin, ein inzestuöses Verhältnis zu ihrem Sohn unterhalten zu haben. Hébert löst hiermit eine Welle der Empörung unter den Anwesenden aus, die der würdevoll auftretenden Marie-Antoinette zu unerwarteten Sympathiebekundungen verhilft. Parallel dazu zieht er den zusätzlichen Argwohn Robespierres auf sich. 

Letzterer ist vor allem nicht bereit, Héberts radikalen Atheismus zu akzeptieren, welcher im krassen Widerspruch zu dem von ihm propagierten Theismus steht. Die von Hébert und Chaumette (1763-1794) angestrebte Entchristianisierung im Namen eines "Culte de la Raison", die mit dem Père Duchesne sowie mit dem Club der Cordeliers über zwei einflussreiche Foren verfügt, richtet sich letztlich auch gegen ihn. Als Hébert im Anfang März in einem Aufruf an die Cordeliers zum Aufstand gegen die unschwer zu identifizierenden "endormeurs" mobilisiert, beschließt Robespierre seine Festnahme. Im Anschluss an eine Rede Saint-Justs (1767-1794) vor dem Konvent wird die Gruppe um Hébert in der Nacht vom 13. auf den 14. März 1794 widerstandslos verhaftet. 

Nach einem manipulierten Gerichtsverfahren wird Hébert zusammen mit 20 seiner Gefährten am 24. März 1794 hingerichtet. Auf dem Weg zum Schafott durchquert er ein letztes Mal die Menge, die er vier Jahre lang mit dem Père Duchesne angestachelt hatte. Seine junge Frau Jacqueline wird wenige Tage später zusammen mit der Witwe Camille Desmoulins' dem Henker überführt. 

Literatur 

Marina Grey: Hébert. Le "Père Duchesne" agent royaliste, Paris 1983.

Louis Jacob: "Le Père Duchesne", chef des sans-culottes, Paris 1960.

Gérard Walter: Hébert et le Père Duchesne, Paris 1946.

Antoine Agostini: La Pensée politique de Jacques-René Hébert. 1790-1794, Aix-en-Provence 1999.

Quellen 

Grand et véritable détail de ce qui s'est passé hier aux Tuileries : insurrection générale du peuple, siège au château... / [signé : Hébert]

Grande relation du siège et de la prise du château des Tuileries : détail de tous les événemens arrivés depuis le 10 août dernier... / [signé : Hébert]

Grand détail de l'exécution de tous les conspirateurs et brigands, détenus dans les prisons de l'abbaye Saint-Germain, de la Conciergerie, du Châtelet, de l'hôtel de la Force, de Bicêtre et autres lieux... / [signé : Hébert]

J. R. Hébert, auteur du Père Duchesne, à Camille Desmoulins et compagnie / [signé: Hébert]

Grande colère du Père Duchesne contre les jean-foutres de calomniateurs des Dames de la Halle, & des bouquetières du Palais-Royal, au sujet du beau discours qu'elles ont fait au roi / [Hébert]

Motifs pressans de prêter le serment civique / [Hébert]

Almanach parisien en faveur des étrangers et des voyageurs. [1], Pour l'année 1789 / [Hébert]

Almanach parisien en faveur des étrangers et des voyageurs. [2], Pour l'année 1790 / [Hébert]

Le pragmatisme : étude de ses diverses formes anglo-américaines, françaises, italiennes et de sa valeur religieuse / par Marcel Hébert,...

De l'action de la chaleur sur les composés organiques : thèse présentée au concours pour l'agrégation et soutenue à la Faculté de médecine de Paris le mardi 27 juillet 1869 / par L. Hébert,...

Calendau : pouèmo nouvèu en douge gant / de Frederi Mistral ; portr. de l'auteur dessiné par Hebert ; gravé sur acier par Gaillard

http://gallica.bnf.fr/scripts/ConsultationTout.exe?E=0&O=N102760

Lars Schneider 

 

Empfohlene Zitierweise

Schneider, Lars: Hébert, J.-R., in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/596/

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Erstellt: 04.01.2006

Zuletzt geändert: 04.01.2006