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Kurzbiogramm - Marie Olympe de Gouges
Marie Olympe de Gouges; * 07.05.1748 Montauban; 03.11.1793 Paris (hingerichtet).
Schriftstellerin und Pionierin der Emanzipation
Olympe de Gouges wird im südfranzösischen Montauban als Tochter des Metzgers Pierre Gouze und der Wäscherin Anne Olympe Moisset geboren. Die Frage nach ihrem leiblichen Vater bleibt umstritten. Olympe selbst benennt in dem von ihr verfassten autobiographischen Briefroman "Mémoires de Madame de Valmont" als Vater den Marquis Jean-Jacques Lefranc de Pompignan, Mitglied der Akademie und Kontrahent Voltaires, der sie jedoch nie als illegitime Tochter anerkennt. Das Gerücht, sie sei eine illegitime Tochter Ludwigs XV., gehört wohl ins Reich der Legende. Pierre Gouge stirbt, als Olympe zwei Jahre alt ist. Ihre Ehe mit Louis Aubry, einem Verwalter und späteren Wirt, die sie im Alter von 17 Jahren eingeht, endet nach kurzer Zeit mit dem Tod ihres Gatten. Seit dieser Zeit nennt sie sich Olympe Marie de Gouges.
1770 kommt die junge Witwe als Lebensgefährtin des Transportunternehmers Jacques Biétrix nach Paris, um dort eine Laufbahn als Schriftstellerin einzuschlagen. Sie findet Eingang in die besseren Kreise und nutzt das Kapital, das ihre Schönheit bietet. So ist sie in dieser Zeit möglicherweise Mätresse des Philipp von Orléans (1747-1793). Sie entscheidet sich, Theaterstücke zu schreiben. Dies ist allerdings insofern problematisch, als Olympe der Orthographie nur beschränkt mächtig ist und ihre Werke aus diesem Grund einem Sekretär diktiert. Erst in Paris erlernt Olympe die französische Sprache, da sie nur das Okzitanische, den Dialekt ihrer Heimat, beherrscht. Ihr erstes Drama, die dreiaktige Komödie "Le Mariage inattendu de Chérubin", wird 1785 aufgeführt. In den Jahren von 1785 bis 1790 bemüht sich Olympe, ihre Werke in der Comedie française zur Aufführung zur bringen. Das Stück "Zamore et Mirza ou l´Heureux naufrage", das sich mit der Sklaverei beschäftigt, wird auch angenommen. Eine Aufführung erfolgt aber aufgrund zahlreicher Auseinandersetzungen mit der Autorin nicht. So findet die Uraufführung von "Zamore et Mirza" im Dezember 1789 unter dem Titel "L´Esclavage des Noirs" im Théatre de la Nation statt. Da das Stück ein völliger Misserfolg ist, wird es alsbald vom Spielplan abgesetzt.
Olympe, die bereits 1788 eine der Königin gewidmete Schrift über die "Droits de la femme" publiziert hat, veröffentlicht nun Flugschriften, die ihre revolutionäre Gesinnung unter Beweis stellen, zugleich aber auch zeigen, dass sie eine konstitutionelle Monarchie favorisiert. Während der Revolution entstehen so etwa 30 Flugschriften politischen Inhalts. Ihr erstes politisches Pamphlet erscheint am 6. November 1788 im «Journal Général de France» unter dem Titel «Lettre au peuple. Un Projet d´une Caisse Patriotique Par Une Citoyenne». Dort plädiert sie für eine Beschränkeung der Macht des Königs. In der Folgezeit erscheinen ab dem 15. Dezember 1788 "Remarques Patriotiques", die ein umfangreiches Programm an Vorschlägen zur Reform der Gesellschaft enthalten. Nach der Entlassung Neckers und dem Sturm auf die Bastille veröffentlicht sie 1789 die Flugschrift "Séance Royale", in der sie Ludwig XVI. zur Abdankung auffordert und für eine Regentschaft plädiert. Ihr zwölftes Pamphlet, "Action héroïque d´une Française, ou la France sauvée par les Femmes", ermutigt die Frauen zum Engagement für die Belange der Revolution.1790 erwägt Olympe, ins Londoner Exil zu gehen, entscheidet sich aber dann doch, weiter in Paris für Freiheit und Gleichheit zu kämpfen. Als Streiterin für die Rechte der Frauen profiliert sich Olympe mit der "Déclaration des Droits de la Femme et de la Citoyenne", die im September 1791 erscheint. Die Schrift, die aus einer Präambel, 17 Artikeln und einem Nachwort besteht, antwortet auf die - allein auf die Männer bezogene - Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte des Jahres 1789. Dort ruft sie die Frauen zum Erwachen aus ihrer Lethargie auf: "Femmes! Femmes, quand cesserez-vous d´etre aveugles?" Sie fordert die völlige bürgerliche und politische Gleichberechtigung der Frau, so das Wahlrecht, den freien Zugang zu öffentlichen Ämtern, die Möglichkeiten zur Partizipation am politischen Leben und am Militärdienst. Olympe versucht auch, in Paris einige Frauenclubs zu gründen, was aber an ihrem wenig ausgeprägten Organistationstalent scheitert. Sie zeigt sich als begeisterte Anhängerin Neckers (1732-1804), dann Mirabeaus (1749-1791).
Mit den Führern der Revolution entzweit sie sich, als sie in einer 1792 publizierten Flugschrift den bereits angeklagten König verteidigt: "Olympe de Gouges, défenseur officieux de Louis Capet, au président de la Convention nationale". Hinzu kommt, dass sie sich Robespierre (1758-1794) mit einer öffentlichen Einladung zum gemeinsamen Bad in der Seine zum Feind macht. Ihren Untergang besiegelt die Flugschrift "Les Trois Urnes ou le salut de la patrie par un voyageur aérien", in der sie für die Girondisten eintritt. Diese schlägt vor, die Entscheidung über die zukünftige Staatsform den Bürgern in Form einer Abstimmung zu überlassen; für die republikanische, föderative und monarchische Regierungsform soll jeweils eine Urne aufgstellt werden. Nachdem sie im Juli 1793 als Konterrevolutionärin inhaftiert worden ist, wird sie zum Tod verurteilt. Ihr Versuch, der Guillotine zu entgehen, indem sie eine Schwangerschaft vorgibt, scheitert. Die konsultierten Ärzte und Hebammen konstatieren, wenn Olympe tatsächlich schwanger sei, dann sei die Diagnose der Schwangerschaft noch nicht möglich.
Literatur
Olivier Blanc: Olympe de Gouges. Un femme de libertés. Paris 1989.
Karl H. Burmeister: Olympe de Gouges, die Rechte der Frau, 1791. Bern, Wien, Mainz 1999.
Lottemie Doormann: "Ein Feuer brennt in mir". Die Lebensgeschichte der Olympe de Gouges. Weinheim 1993.
Shannon Hartigan (Hg.): Femmes et pouvoir. Réflexions autour d´Olympe de Gouges. Moncton 1995.
Ginette Kryssing-Berg: Les droits de la femme et la Révolution. Olympe de Gouges et l´échafaud. Kopenhagen 1989.
Paul Noack: Olympe de Gouges 1748-1793. Kurtisane und Kämpferin für die Rechte der Frau. München 1992.
Gisela Thiele-Knobloch: Olympe de Gouges - oder Menschenrechte auch für Frauen? Vortrag im Rahmen der Vortragsreihe "Berliner Wissenschaftlerinnen stellen sich vor" der Zentraleinrichtung zur Förderung von Frauenstudien und Frauenstudien an der Freien Universität Berlin am 24.10.1989. Berlin 1989.
Olympe de Gouges: Oeuvres, présenté par Benoîte Groult. Paris 1986.
Olympe de Gouges - Mensch und Bürgerin. "Die Rechte der Frau" (1791), hg., eingel. und kommentiert von Hannelore Schröder. Aachen 1995.
Quellen
Lettre au peuple, ou Projet d'une caisse patriotique / par une citoyenne [Olympe de Gouges]
Dialogue allégorique entre la France et la vérité, dédié aux états généraux / [Marie Gouges]
Le cri du sage / par une femme
Discours de l'aveugle aux François / par Madame de Gouges
Lettre aux représentants de la Nation / [de Gouges]
Avis pressant, ou Réponse à mes calomniateurs / [de Gouges]
Mes voeux sont remplis, ou Le don patriotique : dédié aux Etats-Généraux / par Madame de Gouge
Lettre a monseigneur le duc d'Orléans, premier prince du sang / [O. de Gouges]
Action héroïque d'une Françoise, ou La France sauvée par les femmes / [par Madame de G***]
Le bonheur primitif de l'homme, ou Les rêveries patriotiques / [O. de Gouges]
Réponse au champion américain, ou Colon très aisé à connoître / [Degouge]
Mirabeau aux Champs-Elisées : comédie en un acte et en prose / par Madame de Gouges
Le tombeau de Mirabeau / [de Gouges]
Les droits de la femme / [Olympe de Gouges]
L'esprit françois, ou Problème à résoudre sur le labyrinthe des divers complots / par Mme de Gouges
Le bon sens François, ou L'apologie des vrais nobles, dédiée aux Jacobins / [Marie Olympe de Gouges]
Les fantômes de l'opinion publique / [Olympe de Gouges]
Réponse à la justification de Maximilien Robespierre, adressée à Jérôme Pétion / par Olympe Degouges
Avis pressant, à la Convention / par une vraie Républicaine [Olympe de Gouges]
Remarques patriotiques, par la citoyenne, auteur de la Lettre au peuple / [Olympe de Gouges]
[21 pamphlets sur les subsistances, 1789]
Remarques patriotiques, par la citoyenne, auteur de la Lettre au peuple
Lettre aux littérateurs françois / par madame de Gouges
Sera-t-il roi, ne le sera-t-il pas ? / [par Madame de Gouges]
Adresse au Don Quichotte du nord / [par Marie-Olympe de Gouges]
Arrêt de mort que présente Olympe de Gouges contre Louis Capet
Testament politique d'Olympe de Gouges
Mémoire sur les subsistances / par M. Gouges Cartou,...
Le couvent ou les Voeux forcés : drame en 3 actes... / [par Mme de Gouges]
Stefan W. Römmelt
Empfohlene Zitierweise
Römmelt, Stefan W.: Gouges, M.O. de, in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/593/
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Erstellt: 04.01.2006
Zuletzt geändert: 04.01.2006
Index
- Babeuf, F.N.
- Bailly, J.S.
- Barras, P.F.
- Beaumarchais, P.-A.
- Brissot, J.P.
- Chateaubriand, F.R.
- Chénier, A.M.
- Cloots, J.B.
- Condorcet, M.J.
- Corday, C.
- Danton, G.-J.
- Desmoulins, C.
- Fontanes, de J.-P.
- Fouché, J.
- Gorsas, A.J.
- Gossec, F.-J.
- Gouges, M.O. de
- Grégoire, H.
- Guillotin, J.-I.
- Hébert, J.-R.
- Joséphine
- Karl X.
- Lafayette, M.J.
- Le Peletier, L.M.
- Ludwig XVI.
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- Marat, J.P.
- Marie Antoinette
- Méricourt, T.
- Mirabeau, A. B.
- Mirabeau, H.-G.
- Napoleon
- Necker, J.
- Robespierre, M.M.
- Sade, F. de
- Saint-Just, L.-A.
- Sieyès, E.J.
- Staël, Mme de
- Talleyrand, C.M.
- Vergniaud, P.V.


