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Kurzbiogramm – Brissot
Jacques-Pierre Brissot [de Warville]; * 15.01.1754 Ouarville (Beauce); 31.10.1793 Paris (hingerichtet).
Journalist
Jacques-Pierre Brissot kommt am 15. Januar 1754 in Ouarville als dreizehntes Kind eines Lebensmittelhändlers zur Welt. Seine Schulzeit verbringt er zusammen mit den zukünftigen Konventsabgeordneten Chasles und Pétion (1756-1794) in Chartres.
Im Alter von fünfzehn Jahren beginnt Brissot eine juristische Ausbildung bei einem Rechtsanwalt. Im Rahmen seiner Tätigkeit lernt er sowohl Englisch als auch Italienisch und beginnt sich für die Wissenschaften zu interessieren. Aufgrund familiärer Differenzen beschließt er 1773, Chartres zu verlassen, um in Paris sein Glück zu suchen.
Nach einer Zeit des Vagabundierens beginnt Brissot für den Pariser Anwalt Nolleau zu arbeiten. Letzterer legt seinem talentierten Angestellten nahe, eine schriftstellerische Laufbahn einzuschlagen. Brissot publiziert daraufhin in Paris, Neufchâtel und London eine Reihe von Arbeiten zu Strafrecht [Théorie des lois criminelles], öffentlicher Sicherheit, Gemeinwohl, Kunst und Wissenschaft in England sowie bischöflicher Autorität. Darüber hinaus begeistert er sich für die Naturwissenschaften, besonders die Chemie. Er wird Schüler Fourcroys (1755-1809) und steht darüber hinaus in Kontakt zu Marat (1744-1793), Lavosier (1743-1794) und Chambon (1757-1793).
Zu Beginn der 1780er Jahre unternimmt Brissot den Versuch, eine Internationale Wissenschaftsakademie mit Sitz in London zu gründen. Aufgrund von Geldmangel ist er jedoch gezwungen, das Projekt einzustellen. Er finanziert daraufhin seinen Lebensunterhalt mit literarischen und politischen Artikeln für den Courrier de l'Europe. 1783 heiratet er Félicité Dupont, deren Mutter über Besitztümer in Boulogne-sur-Mer verfügt. Im Anschluss zieht es ihn erneut nach London. Brissot versucht vor Ort, eine europäische Zeitschrift, Le Lycée de Londres, ins Leben zu rufen. Das Unternehmen entwickelt sich aufgrund seiner kaufmännischen Unerfahrenheit jedoch zum finanziellen Desaster. Brissot wird aufgrund von Schulden in der englischen Hauptstadt inhaftiert.
Nach seiner Rückkehr nach Frankreich bezichtigt man ihn, ein Pamphlet gegen Marie-Antoinette (1755-1793) verfasst zu haben. Brissot wird daraufhin erneut festgenommen und in der Bastille inhaftiert. Dank der Bemühungen seiner Frau bei Mme de Genlis (1746-1830) und Mme de Condorcet (1764-1822) wird er jedoch nach zwei Monaten Gefängnisaufenthalt im September 1784 aus der Haft entlassen. In der Folgezeit stellt er seine wissenschaftlichen Ambitionen zurück und ist gewillt, ein geregelteres Leben zu führen.
Aufgrund der Fürsprache seiner Frau, die als Hauslehrerin in der Familie von Louis Phillipe d'Orléans (1747-1793) angestellt ist, tritt er sich als "lieutenant-général de la chancellerie" bis 1788 in dessen Dienst. In dieser Funktion wohnt er im Oktober 1787 dem Aufstand der holländischen Patrioten bei. Im Februar 1788 gründet Brissot zusammen mit Mirabeau (1749-1791), Clavière (1735-1793) und La Fayette (1757-1834) die Société des Amis des Noirs, die Zeit ihres Bestehens großen Einfluss auf die Entwicklung der französischen Kolonien ausübt.
Wenige Monate später bricht er im Namen der Société nach Amerika auf, um vor Ort Möglichkeiten des Zusammenlebens verschiedener Völker zu studieren. Sein besonderes Interesse gilt neben wirtschaftlichen Aktivitäten der Funktionsweise der jungen amerikanischen Republik. Im Rahmen seiner Reise wird er sowohl von Washington (1732-1799) als auch von Franklin (1706-1790) empfangen, die sein Denken in hohem Maße beeinflussen. Zum Zeitpunkt seiner Rückkehr nach Frankreich ist Brissot, der sich nunmehr "de Warville" nennt, ein überzeugter Republikaner.
Im April 1789 gründet er die Zeitung Le Patriote français, die sich zu einem bedeutenden Sprachrohr innerhalb der politischen Landschaft entwickelt. Nach erfolgloser Kandidatur für die Wahl zu den Generalständen wird Brissot schließlich in die erste Pariser Kommune gewählt. Am 14. Juli 1789 überreicht die Menge dem mittlerweile prominenten Journalisten und Jakobiner in einem symbolischen Akt den Schlüssel zur erstürmten Bastille.
Im Zuge der Krise anlässlich der gescheiterten Flucht der königlichen Familie im Juli 1791 tritt Brissot unter anderem als Verfasser der "petition républicaine", die am 17. Juli auf dem Marsfeld verlesen wird, in Erscheinung. Im Anschluss wird Brissot am 17. August 1791 gegen den massiven Widerstand der Royalisten in die Legislative gewählt. Dort schließt er sich dem Kreis der Girondisten an, die unter seinem Einfluss gleichermaßen als Brissotisten bezeichnet werden.
Nach Varennes gilt sein Hauptengagement neben der Emanzipation der farbigen Bevölkerung in den französischen Kolonien der Absetzung Ludwigs XVI. sowie einem Krieg gegen die "despotes couronnés" Europas. Letzteres legt den Grundstein für einen Konflikt mit Maximilien de Robespierre (1758-1794), der den Gedanken an kriegerische Auseinandersetzungen vehement zurückweist. Vorerst vermag sich Brissot jedoch durchzusetzen. Am 20. April 1792 erklärt das revolutionäre Frankreich Österreich und Preußen den Krieg.
Zu diesem Zeitpunkt wird Brissot das Ziel verstärkter Angriffe seitens der revolutionären Parteien. Unter anderem wirft man ihm vor, den fahnenflüchtigen General Lafayette (1757-1834) zu unterstützen. Dass er am 25. April in einer Lobrede Partei für den in Diskredit geratenen Condorcet (1743-1794) ergreift, sorgt für zusätzliches Konfliktpotenzial mit Robespierre. Als Brissot am 26. Juli die Diskussion über die Absetzung des Königs vertagt, wird er öffentlich ausgepfiffen und als Verräter verschrien. Am 1. September 1792 beschuldigt ihn Robespierre vor der Pariser Kommune des Verrats. Eine daraufhin angesetzte Hausdurchsuchung fördert allerdings keine belastenden Materialien zu Tage.
Anfang September 1792 wird Brissot von drei Departements (le Loiret, l'Eure und l'Eure-et-Loir) in den Nationalkonvent [Convention] gewählt. Er entscheidet sich für das Department l'Eure-et-Loir. Als er kurz darauf im Patriote français die Ansicht äußert, dass der Konvent in zwei Parteien gespalten sei, von denen er eine als destabilisierend bezeichnet, zieht er den Zorn der Jakobiner auf sich. Am 23. September wird er von Chabot (1756-1794) attackiert und am 12. Oktober aus dem Klub der Jakobiner ausgeschlossen. Von diesem Zeitpunkt an wird er sowohl von Seiten der Jakobiner als auch von Seiten der Montagnards angegriffen. Marat und Desmoulins bezeichnen ihn als Aufständler, Robespierre weist ihn am 12. Dezember 1792 als Todfeind der Patrioten aus.
Der politisch angeschlagene Journalist kann seine Tätigkeit im Konvent vorerst jedoch fortsetzen. 1793 verfasst er im Namen des Comité diplomatique sowie des Comité de la défense générale einige Berichte zur französischen Außenpolitik. Im Rahmen des Hochverratsprozesses gegen Ludwig XVI. votiert er für einen Aufruf ans Volk. Währenddessen gewinnen die Attacken gegen seine Person kontinuierlich an Schärfe. Als Robespierre ihn zusammen mit Dumouriez (1739-1823) des Landesverrats beschuldigt, unternimmt er einen letzten erfolgreichen Versuch der Rechtfertigung.
Zeitgleich beschließt der verärgerte Brissot, sich auch aktiv zur Wehr zu setzen. Im Mai 1793 verfasst er eine Broschüre, die unter dem Titel A mes Commettants die Schließung des Jakobinerklubs sowie die Auflösung der Pariser Kommune fordert. Damit liefert er der Gegenseite jedoch dasjenige Beweismaterial, nach dem sie bislang vergeblich Ausschau gehalten hat. Am 2. Juni wird seine Verhaftung aufgrund von Landesverrat beschlossen. Brissot ergreift daraufhin die Flucht Richtung der Schweiz. Aufgrund von Geldmangel wird er jedoch am 10. Juni eingeholt und festgenommen.
Am 22. Juni wird Brissot in der Pariser Abbaye, dann in der Conciergerie inhaftiert. Er nutzt die Zeit seines Gefängnisaufenthaltes, um seine Memoiren niederzuschreiben und korrespondiert mit Madame Roland (1754-1793), die zur gleichen Zeit in Sainte-Pléagie einsizt. Im Zuge seines Prozesses wird er der Fülle alter und neuer Beschuldigungen ausgesetzt. So bezichtigt ihn Hébert, die Marsfeld-Petition in Absprache mit dem Hof verfasst zu haben, um "Millionen" von Patrioten ins Verderben zu stürzen. Auf Royalismus lautet gleichfalls die Anklage von Chabot.
Am 30. Oktober wird Jacques-Pierre Brissot zusammen mit den Girondisten zum Tode verurteilt. Der von Verzweiflung und Gewissenbissen geplagte Camille Desmoulins erleidet angesichts des Urteils einen Zusammenbruch ["C'est moi qui les tue! C'est mon Brissot dévoilé qui les tue."]. Brissot wird im Kreise seiner Gefährten am 31. Oktober 1793 auf der Place de la Révolution [Place de la Concorde] hingerichtet.
Literatur
Fernanda, Mazzanti Pepe: Il nuovo mondo di Brissot. Libertà e istituzioni tra antico regime e rivoluzione, Torino 1996.
Suzanne d'Huart: Brissot. La Gironde au pouvoir, Paris 1986.
Leigh, Ann Whaley: The emergence of the Brissotins during the French Revolution, New York 1988.
Leonore Loft: Passion, politics and philosophy. Rediscovering Jacques-Pierre Brissot, Westport 2002.
Quellen
Des administrations provinciales : mémoire présenté au Roi / par feu M. Turgot
Bibliothèque philosophique du législateur, du politique, du jurisconsulte ou Choix des meilleurs discours, dissertations... composés sur la législation criminelle par les plus célèbres écrivains... . Tome VIII / trad. et accompagnés de notes... par J.-P. Brissot de Warville,...
Bibliothèque philosophique du législateur, du politique, du jurisconsulte ou Choix des meilleurs discours, dissertations... composés sur la législation criminelle par les plus célèbres écrivains... . Tome IX / trad. et accompagnés de notes... par J.-P. Brissot de Warville,...
A tous les républicains de France : sur la Société des Jacobins de Paris / par J.P. Brissot,...
[Rapports et Discours à la Convention prononcés par divers députés]
http://gallica.bnf.fr/scripts/ConsultationTout.exe?E=0&O=N104383
Lars Schneider
Empfohlene Zitierweise
Schneider, Lars: Brissot, J.P. , in: historicum.net, URL: http://www.historicum.net/no_cache/persistent/artikel/449/
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Erstellt: 22.12.2005
Zuletzt geändert: 22.12.2005
Index
- Babeuf, F.N.
- Bailly, J.S.
- Barras, P.F.
- Beaumarchais, P.-A.
- Brissot, J.P.
- Chateaubriand, F.R.
- Chénier, A.M.
- Cloots, J.B.
- Condorcet, M.J.
- Corday, C.
- Danton, G.-J.
- Desmoulins, C.
- Fontanes, de J.-P.
- Fouché, J.
- Gorsas, A.J.
- Gossec, F.-J.
- Gouges, M.O. de
- Grégoire, H.
- Guillotin, J.-I.
- Hébert, J.-R.
- Joséphine
- Karl X.
- Lafayette, M.J.
- Le Peletier, L.M.
- Ludwig XVI.
- Ludwig XVIII.
- Marat, J.P.
- Marie Antoinette
- Méricourt, T.
- Mirabeau, A. B.
- Mirabeau, H.-G.
- Napoleon
- Necker, J.
- Robespierre, M.M.
- Sade, F. de
- Saint-Just, L.-A.
- Sieyès, E.J.
- Staël, Mme de
- Talleyrand, C.M.
- Vergniaud, P.V.


